Her – Gold – CD-Review

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Einen Tag vor Beginn meiner Abreise in den verdienten Urlaub kam noch die neue Scheibe von der mir liebgewonnen Monique Staffile und ihren Kumpanen ins heimatliche Haus getrudelt. „Gold“ heißt das neue Werk und es hat sich ein bisschen was geändert. Aus dem Kollektivnamen HER & Kings County ist nur noch HER übrig, was eine noch stärkere Fokussierung auf die attraktive Frontfrau impliziert. Auch der Musikstil wurde zugunsten einer etwas jüngeren Zielgruppe deutlich mehr in die Breite modifiziert.  Her – Gold – CD-Review weiterlesen

HER – Revolution – CD-Review

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Dritter Akt der Her-Triologie! Nach Konzert und Interview stand jetzt noch die Beurteilung ihrer neuen CD „Revolution“ an, die Monique Staffile mir nach Ende des Gesprächs zum Reviewen in die Hand gedrückt hatte. Für mich war die spannende Frage, ob es, im Vergleich zum Vorgänger „Gold„, der mir persönlich nicht ganz so zusagte, wieder mehr in Richtung ihres bisherigen Parade-Albums „Raise A Little Hell“ gehen würde.

Zunächst muss ich erstmal das gelungene Cover-Artwork loben. Das Titelbild der ‚frech gezöpften‘ Monique in Schwarz/Weiß, vermummt mit einem US-geflaggten Tuch (so hatten sie und ihre Band passender Weise ja auch in Köln die Bühne betreten), hat schon was! Toll auch ihre Fantasy-Animation als aufsteigender Schmetterling im Steck-Booklet und auf der Rückseite. Ein dickes Lob hier an die Macher!

Ihr neues Werk, produziert wieder von Caleb Sherman, startet dann direkt auch mit dem Titelsong „Revolution„, das von einem kühlen, blechernden Banjo eingeleitet, sowie im gesamten Verlauf auch untermalt wird, und zunehmend, in einen episch anmutenden Rocksong, samt starkem, gesellschaftspolitische Missstände, anprangernden Text, mündet. Klasse!

Apropos Revolution: Angesichts dessen, dass in unserer Gesellschaft mittlerweile 1% der gesamten deutschen Bevölkerung, 50% der Vermögenswerte besitzt (Tendenz steigend), fragt man sich, warum die breite Masse der Leistungsträger in diesem Land, die hier fortwährend, zu Gunsten dieser kleinen Gier-getriebenen elitären Clique, geschröpft und klein gehalten wird, weiterhin in Tatenlosigkeit zu verharren scheint…

Jetzt haben selbst der wohlgenährte Siggi und seine Pharisäer-Partei, die diese unfassbar eklatante Schieflage eingeleitet hatten und seit Jahren mittragen, dulden und fördern, angesichts ihrer Umfrage-Werte und des mutmaßlichen Falls in die politische Bedeutungslosigkeit, plötzlich ihr soziales Gewissen wiederentdeckt. Leider wirken solche Bemühungen vom Edel-Italiener aus, wenig authentisch, die Quittung wird (wünschenswerter Weise auch für Merkel & Co.) hoffentlich ’stante pede‘ bei der nächsten Bundestagswahl erfolgen…

Genug des persönlichen Meinungsexkurses, kommen wir wieder zum im Fokus stehenden Objekt des Geschehens. Mit der eigentlichen Relevanz dieses Werkes für unser Magazin, hat es sich mit dem zuvor erwähnten Banjo dann auch maßgeblich erledigt, was folgt, ist ein frech und aufmüpfig besungenes Konglomerat aus Pop-, Rock-, Hip Hop- (marginal) und Melodic Rock/Metal-Anleihen, das sich dann recht sympathisch in den Sphären des Rock-Universums, mit all seinen Referenzgrößen, verliert. Vieles erinnert an Dinge, die man vornehmlich schon gegen Ende der Achtziger und im Verlauf der Neunziger von Interpreten wie Heart, Kim Wilde, Kate Bush, Roxette, Blondie, Pretenders, Lita Ford, Robin Beck & Co. serviert bekommen hat.

Meine persönlichen Favoriten sind die abgedrehte Single „Crush“ (in Sachen ‚Clerus‘ sehr schön provozierend), das stadiontaugliche „Tonight“, die tolle atmosphärische Melodic Rock-Ballade „Damn“ (wäre als Bon Jovi-Song vermutlich sofort ein Nr. 1-Hit) und die starke Neuauflage der Powerballade „Heaven Crushes Down“ (tolles E-Solo, raunzende Orgel). Das erneut ziemlich rotzig und fast schon ein wenig punkig performte „Mean Man“ schließt den Kreis des Albums im Stile des Openers.

Fazit: „Revolution“ von Her ist ein recht gut gestaltetes Rock/Pop-Album in jeder Hinsicht. Eine deutliche Steigerung zu „Gold“, vor allem aufgrund einer besseren Struktur und des stärkeren Songmaterials. Im Hinblick auf unser Magazin bleibt ihr Southern-/ Country Rock-lastiger Longplayer „Raise A Little Hell“ aber trotzdem weiter das Maß aller Dinge!

India Records (2016)
Stil: Rock / Pop

01. Revolution
02. Crush
03. Give It To Me
04. You
05. Tonight
06. Damn
07. No Regrets
08. Act Like You Know
09. Only One
10. Heaven Crashes Down
11. Mean Man

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HER (Monique Staffile) – Interview

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Als Monique Staffile, alias Her, nach ihrem starken Konzert im Kölner Yard Club, sämtliche Merchandise-Aktivitäten, Smalltalk mit ihren Fans, sowie noch einige Posen für die anwesenden Fotografen, erledigt hatte, stand sie uns auch noch bereitwillig für ein Interview zur Verfügung, in dem sie über „Revolution„, Nashville, Gummibärchen, ihre Tierliebe und andere Dinge plauderte.

Sounds Of South: Wieder zurück in Deutschland! Was gefällt dir an unserem Land?
Her: Ja, ich liebe eigentlich fast alles bei euch! Wirklich bewundernswert hier ist, dass fast jeder musikbegeistert zu sein scheint und auch die hier auftretenden Musiker unterstützt. In den Staaten lassen sich viele Besucher, selbst während eines Konzerts, von Dingen wie Handys, etc. ablenken. In Deutschland hören uns die Leute während des Gigs aufmerksam zu, kaufen meist danach noch CDs und T-Shirts. Das ist klasse und deshalb kommen wir auch gerne jedes Jahr hier hin. Ihr habt natürlich das beste Bier, ich liebe eure Schnitzel, dazu besitze ich noch eine Obsession für eure Gummibärchen (lacht herzhaft und hält uns eine riesengroße Tüte eines bekannten deutschen Fruchtgummi-Produzenten entgegen)!

Sounds Of South: Warum der Schwenk von Her & Kings County zum alleinigen Her?
Her: Wir hießen schon zu Beginn als Band nur Her, praktisch zu vergleichen mit Blondie. Als wir nach Nashville kamen und mit Warner Brothers einen Vertrag unterzeichneten, wollten die einen Zusatznamen zu Her, also wie z. B. Allison Krauss & Union Station, so entschieden wir uns für Her & Kings County. Als wir dann irgendwann Krach mit dem Label hatten, sind wir wieder zu Her zurückgekehrt. Aber ich möchte betonen, als Band! Also, wie bereits erwähnt, so ähnlich wie Blondie.

Sounds Of South: Mir hat das Album „Raise A Little Hell“ mit Kings County im Vergleich zu „Gold“, ehrlich gesagt, wesentlich besser gefallen. Schick mich jetzt aber bitte nicht zur Hölle…! Wie ist deine Meinung?
Her: Unserem Album „Raise A Little Hell“ lag ein fast sieben Jahre währender Songwriting-Prozess zu Grunde, der insgesamt sogar schon zehn Jahre zurückliegt, als Countrymusik noch deutlich anders gestrickt war als heute. Wir haben praktisch jedes Jahr andere Stücke geschrieben. Das „Gold“-Album kam direkt nach dem Bruch mit unserem Label zustande, so hatte es einen sehr rebellischen Charakter, wir wollten Nashville zeigen, dass wir uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu tun haben (…„Nashville, shot the f*** off… OT-Monique)! Deshalb war „Gold“ natürlich anders. Mit unserem neuen Album „Revolution“ haben wir aber wieder ein wenig versucht, Country- und Southern Rock-Einflüsse mit zu verarbeiten.

Sounds Of South: Wie kommt dein neues Video „Crush“ in den doch ziemlich religiös verwurzelten und eher prüden Staaten an?
Her: Die Absicht hinter „Crush“ war, mal was Schockierendes zu produzieren. Wir leben ja in Nashville, Tennessee, also im Süden der Staaten, der ja naturgemäß recht religiös geprägt ist. In New York, wo ich ursprünglich herkomme, gibt es eine große Gay-Bewegung. Diese beiden Elemente wollte ich einfach zusammenbringen, das löst dann natürlich den einen oder anderen Schock aus.

Sounds Of South: Bist du überhaupt gläubig?
Her: Nein, auf gar keinen Fall, ich bin zwar katholisch aufgewachsen – aber nein, definitiv nicht!

Sounds Of South: Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Rick Huckaby (ein Musiker den wir auch total mögen, und den wir vermutlich ohne dich nie kennengelernt hätten) zustande?
Her: Rick Huckaby? Echt? Wegen mir? Ich werde ihn deswegen zuhause sofort anrufen!

Sounds Of South: Ja, du hast ja ein Duett („My Heart Can’t Take Anymore“) mit ihm auf „Raise A Little Hell“ gesungen, danach haben wir ihn kontaktiert. Er hat uns sofort alle seine CDs zugeschickt und wir haben dann in unserem Magazin ein Portrait von ihm gemacht.
Her: Cool! Rick Huckaby ist ein toller Mensch und Musiker, mit einer klasse Stimme und wir sind in Nashville natürlich sehr gut befreundet. Ich liebe seine Stimme! Hat er dir eigentlich erzählt, dass er einen Großteil der dortigen Demosongs ‚einsingt‘? All‘ die großen Nashville-Stars wie Kenny Chesney & Co. hören sich erst mal Ricks Version an, bevor sie dann zu Werke gehen. Oft versuchen sie, ihn zu kopieren! Er wird deshalb in Nashville auch ‚The Demo-Singer‘ genannt. Aufgrund seines tollen Gesangs (und Sounds Of South kann dem nur zustimmen) war ich über das Duett mit ihm natürlich sehr froh!

Sounds Of South: Wie ist generell deine Meinung über Nashville?
Her: Eigentlich liebe ich Nashville. Ich bin ja vor gut acht Jahren dort hingezogen. Da war die Stadt noch recht übersichtlich und die Countrymusik echt cool und stark. Heute kommen die Leute nur noch mit dem Gedanken nach Music City, um Superstars, nach dem Motto: ‚Mach mich berühmt‘, zu werden. So funktioniert das dort aber eigentlich nicht. Das gute Nashville hat eine eher kleine, aber tolle Musiker-Gemeinschaft, die ich sehr mag. Das ’neue‘ Nashville ist leider eher wie Kalifornien oder New York (Monique rümpft verächtlich die Nase). Es hat sich vieles (zum Nachteil) verändert…

Sounds Of South: Wie sehen die nächsten Projekte aus?
Her: Wir arbeiten schon jetzt an einem neuen Werk, das ein Akustik-Album sein wird. Da werden dann mehr Instrumente wie Mandoline und Banjo eingebracht. Jetzt versuchen wir noch, die „Revolution“-Tour ein bisschen zu pushen, bis zum Ende des Sommers geht es nach unserer Rückkehr, in den Staaten weiter, wir werden also ziemlich beschäftigt sein.

Sounds Of South: Wie viele Verehrer muss Monique Staffile täglich abwimmeln?
Her: Du meinst auf Facebook (Monique lacht schnippisch)? In den Social-Media-Gefilden befinden sich viele verrückte Menschen. Zunächst meinst du, sie mögen dich, am Ende stellt sich heraus, dass es gar nicht so ist, ich lösche sie dann sofort. Aber ich erahne schon, was du wirklich meinst. Ich weiß mit ihnen umzugehen, ich bin ein großes Mädchen… (lacht)!

Sounds Of South: Wie ist und was macht die private Monique so?
Her: Ich habe hauptsächlich zwei große Vorlieben: Auf der einen Seite Autos, natürlich deutsche Autos! Ich besitze einen alten VW und einen Mercedes aus den Siebzigern, das sind meine beiden Babys, die besonders pflege. Auf der anderen Seite liebe ich Tiere. Ich rette Tiere fast jeder Sorte. Neulich habe ich einer Maus das Leben gerettet, die mir in der Küche Gesellschaft leistete. Dazu pflege ich jede Menge Hunde. Also Autos und Tiere sind neben der Musik meine große Passion!

Sounds Of South: Vielen Dank für das nette Gespräch!

Bilder: Gernot Mangold
Gespräch / Text: Daniel Daus

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HER – 07.06.2016, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Her’s musikalische Revolution in Köln

Zum Abschluss einer richtig intensiven Konzertwoche mit gleich vier Ereignissen hatten wir (Fotograf Gernot Mangold begleitete mich wieder) uns beim letzten Kapitel nochmals einiges vorgenommen. Diesmal war in Köln eine Doppelveranstaltung mit JJ Grey & Mofro in der Kantine und Her im daneben liegenden Yard Club geplant. Dazu hatten wir ein Interview mit Monique Staffile ins Auge gefasst. Im Hinblick darauf, dass ich meine Brötchen natürlich leider mit anderen Dingen verdienen muss, war das schon einige heftige Sache.

Heftig hatte sich in den späten Nachmittagsstunden auch wieder unser derzeitiges Wetter mit zuckenden Blitzen, barschem Donnerhall und sintflutartigen Regengüssen zu ‚Wort‘ gemeldet, sodass ich aufgrund des Weges von Rheinberg zur Domstadt (vorbei an vielen hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten), angesichts der Verkehrsmeldungen, schon leichte Bauchschmerzen hatte. Aber die Befürchtungen erwiesen sich letztendlich als unbegründet und wir trafen rechtzeitig am Ort des Geschehens ein.

Her, alias Monique Staffile, hatte vor etwas über einem Jahr ja an gleicher Stelle, damals noch unter Her & Kings County firmierend, bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich war richtig gespannt, wie sich die feurige, aus New York stammende Dame (allerdings mittlerweile in Nashville lebend) weiterentwickelt hat. Sie sah natürlich wieder, wie nicht anders zu erwarten, äußerst knackig aus: Ein Oliv-farbener abgeschnittener Halb-Overall, der bei weit geöffnetem Ausschnitt, großzügige Einblicke auf ihr darunter liegendes, Leopard-verziertes Bikini-Oberteil(chen) gewährte, dazu kniehohe Stiefel über einer zum Teil schon leicht ramponierten Netzstrumpfhose, riefen bei einer überaus züchtigen Person wie mir und den anwesenden anderen männlichen Besuchern natürlich tiefste innerliche Empörung hervor…!

Mit im Gepäck hatten Her und ihre Mitstreiter Caleb Sherman (guitars, vocals), der wieder herrlich kauzige Brandon Roberts (bass, vocals) und Schlagzeuger Brandon Barnes (drums, vocals) ihr brandaktuelles Album „Revolution“, das von India Records für unseren Markt wieder mit viel Mühe und Liebe inszeniert worden ist. Dem tollen Cover der Scheibe konform, kam das Quartett dann auch in US-beflaggten Tüchern zunächst vermummt auf die Bühne und heizte mit „Be My Lover“ sofort ordentlich ein. Der heimliche Lenker der Band, Caleb Sherman, ließ direkt, schön Southern-mäßig, den Bottleneck über sein Arbeitsgerät sliden. Klasse Auftakt!

Das rhythmische „My Backyard“, auch vom starken „Raise A Little Hell“-Silberling, ließ die gute Laune, der leider wieder recht überschaubaren Besucheranzahl, weiter in die Höhe steigen. Das erste Stück aus der neuen Scheibe, „Only One“, wurde durch sexy anmutende Posen von Monique zusätzlich visuell upgedatet. Abgesehen davon, muss unbedingt erwähnt werden, dass sie eine wirklich starke Sängerin ist. Beim folgenden Titelstück „Revolution“ verhüllte sich die Protagonistin beim Intro zunächst im Dunklen auf dem Boden hockend komplett in die mitgeführte US-Flagge, um dann mit Einsetzen des Songhauptteils in eine rebellische Performance herauszuplatzen, bei der sie die Fahne dann mit wilden Bewegungen um Hals und Kopf schwung. Eindrucksvoll!

Im weiteren Verlauf präsentierte das Quartett toll gespielte Tracks wie „Crush“ (dazu wurde ja auch aktuell ein herrlich provozierendes Video produziert, das in klerikalen Kreisen sicherlich helle Begeisterung auslösen wird…), der Stadion-taugliche Rocker „Tonight“, das atmosphärische Robin Beck-mäßige „Damn“, „Where Did All The $ Go“ (Interaktion mit Publikum), das launige „Family Tree“ (Monique mit Tambourine-Shaking), das lasziv inszenierte „Seperately“ , „You“ und „Give It To Me“. Das furiose „White Thrash“ mit dem eingebundenen Who-Klassiker „Teenage Wasteland“ brachte die Stimmung endgültig zum Sieden.

Die Zugaben, wie das verspielte „Act Like You Know“ und das laut eingeforderte „Raise A Little Hell“ komplettierten einen versiert abgewickelten, stimmungsvollen wie ansehnlichen Gig, der auch meinem Revoluzzer-Kollegen aus alten Schultagen sichtlich Freude bereitet hatte. Anschließend gaben sich Her & Co. am Merchandising-Stand gewohnt lebensnah und die äußerst sympathische Monique nahm sich auch noch die Zeit für ein Interview mit uns. Ein echt lohnenswerter, toller Abend! So let the „Revolution“ roll on!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Yard Club Köln

Her & Kings County – 02.02.2015, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Schade – so ein tolles Konzert und nur 50 Zuschauer! Eigentlich hatte ich erhofft, dass durch die gutbesuchten Konzerte von Eric Church, Cadillac Three, The Band Perry oder auch von Blackberry Smoke im letzten Jahr hier in Köln eine Sogwirkung für das Abschlusskonzert von Her & Kings County im hiesigen Yard Club verursachen würden, dem war aber leider nicht so.  Her & Kings County – 02.02.2015, Yard Club, Köln – Konzertbericht weiterlesen

Her & Kings County – Raise A Little Hell – CD-Review

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Junge, Junge! Wenn man der Frontfrau von Her & Kings County, Monique Staffile in ihrem unverschämt knappen Stofffetzen samt ihrer blonden Mähne auf dem Coverbild, geschweige, ihrem frechen Schlafzimmerblick auf der Rückseite der Promo-CD entgegenblickt, werden zunächst eher die niederen Instinkte im Sinne des Mannes geweckt, denn an das Reviewen von Musik gedacht. Was für ein heißer Feger, diese junge Dame aus New York und ich gebe es zu, auch wenn so manche(r) die Nase rümpfen wird, ich fand solche Mädels schon immer klasse! Vermutlich ein schierer Alptraum für jede gut situierte Familie aus der Upper Class, die für den geliebten Sohnemann eine Schwiegertochter aus akademischen bzw. besseren Kreisen vorgesehen hat…

Um eines vorwegzunehmen: Diese gute Dreiviertelstunde Musik der Brooklyner Bande auf „Raise A Little Hell“ ist nichts für audiophile Genussmenschen oder Liebhaber von großen weiblichen Charakterstimmen. Ein paar Dosen Bier im Vorfeld können erst mal nicht schaden. Hier sind keine Bukovacs, Greenbergs, Toshinskys, Worfs, Harrells, Motes, Suttons, Morrows und Dugmores, oder wie sie alle heißen, am Werke, geschweige denn gesangliches Format einer Wynonna, Rebecca Lynn Howard und Co. Auch findet man keinen der arrivierten Leute an den Reglerknöpfen, à la Justin Niebank aus der Nashville-Studio-Szene, hier vor.

Dennoch hat der Mann im Hintergrund, Caleb Sherman (inkl. der restlichen Mitstreiter), seine instrumentellen Hausaufgaben in Sachen New Country und Southern Rock gemacht und liefert an den verschiedenen Gitarren plus Steel und Banjo eine wahrhaft solide Leistung ab. Auch seine schroffe aber klare Produktion passt durchweg gut zum gebotenen Stil. Blickfang Her, alias Monique Staffile, beweist gerade bei den eher aus dem Rahmen fallenden Nummern, wie der episch angehauchten Melodic Rock-Ballade „Heavens Crashing Down“ oder dem Retro-Schwofer im Stile der Sixties „Oh My Darling“, dass sie durchaus mehr drauf hat, als gesangstechnisch nur auf Krawall gebürstet zu sein. Ebenfalls klasse ihr Duett mit dem Ex-Gitarristen von Tracy Lawrence, Rick Huckaby (erinnert stimmlich ein wenig an Pat Green), weiß übrigens, nur mal so als Tipp, auch als Solo-Künstler auf seinen Alben sehr zu gefallen), beim melodischen „My Heart Can’t Take Anymore“.

Der Rest ist eine Art puristischer Mix aus swampigem New Country und bekannten Southern Rock-Komponenten, angeführt von einer angriffslustigen Leadsängerin, die in den Strophen immer wieder mit schnellem Sprechgesang, ähnlich wie im Bros Country dezent punkiges und Hip Hop-Flair, mit einfließen lässt (zumindest so, dass es nicht übermäßig nervt). Am besten gefallen mir natürlich Lieder wie „Deep In The Country“, „My Backyard“, „Down In Dixie“ oder der Titeltrack (übrigens eine Abwandlung des Songs „If You Wanna Go To Heaven“ der Ozark Mountain Daredevils von ihrem Debüt aus dem Jahre 1973), die klar im Southern Rock verwurzelt sind und mit viel Slide und auch Twin-Gitarren-Tönen bestückt sind.

„Where Did All The $ Go“ (wem sagt sie das…), „Family Tree“ (ähnelt von der Mache ein wenig an „I’m Down“ von JB & The Moonshine Band) oder „Put Me In The Ground“ machen aufgrund der selbstironischen Note ebenfalls richtig Spaß; letztgenanntes Stück würde mal richtig Stimmung auf einer Beerdigung mit sich bringen… Und wenn das Ensemble zum Schluss noch live im Studio so einen herrlich stonesken Countryrocker wie „Be My Lover“ raushaut, dann denkt man am Ende mit Schweißtropfen auf der Stirn nur noch “ ja, mit größtem Vergnügen Monique…“

Das Album „Raise A Little Hell“ von Her & Kings County macht aufgrund seiner Einfachheit und seiner unverblümten Direktheit großen Spaß. Das ist kein Stoff, der auf abendlichen Veranstaltungen rund um den Parteitag der Grünen oder der Weltklimakonferenz Gehör finden wird. Das ist in den Staaten sicherlich Pflicht-Mucke für biergeschwängerte Redneck-Parties in den Swamps, die berühmt berüchtigten Spring Break-Partys oder hierzulande in jedem Fall mal eine launige Alternative zu den nervtötenden Oldies der Marke „Sweet Home Alabama“, „(I Can’t Get No) Satisfaction“ oder „Smoke On The Water“ (würg!), die man in unseren Breitengraden bei den üblichen Feier-Anlässen immer wieder vorgedudelt bekommt.

Wer mit Sachen wie Dry County, Jackson Taylor & The Sinners, Big & Rich, JB & The Moonshine Band, Kid Rock oder weiblichen Acts wie Gretchen Wilson, Stacey Collins, JaneDear Girls & Co. im weitesten Sinne was anfangen kann, der ist sicherlich auch bei Her & Kings County an der richtigen Stelle aufgehoben. Die Band hat viele der Tracks übrigens in Youtube-Clips verarbeitet, so dass man sich vorab einen recht guten Eindruck des Gebotenen machen kann. Umso schöner, dass man die Truppe in den nächsten Tagen bei uns sogar hautnah live erleben kann. Sicherlich eine Mordsgaudi, so let’s raise a little hell!

India Records, 2015
Stil: New Country

01. Deep In The Country
02. Where Did All The $ Go
03. White Trash
04. Family Tree
05. My Backyard
06. Put Me In The Ground
07. Freight Train
08. Six Figures
09. Heaven’s Crashing Down
10. My Heart Can’t Take Anymore
11. Oh My Darling
12. Young Guns
13. Down In Dixie
14. Raise A Little Hell
15. Be My Lover

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HER – Gold – CD-Review

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Einen Tag vor Beginn meiner Abreise in den verdienten Urlaub kam noch die neue Scheibe von der mir liebgewonnen Monique Staffile und ihren Kumpanen ins heimatliche Haus getrudelt. „Gold“ heißt das neue Werk und es hat sich ein bisschen was geändert. Aus dem Kollektivnamen Her & Kings County ist nur noch HER übrig, was eine noch stärkere Fokussierung auf die attraktive Frontfrau impliziert. Auch der Musikstil wurde zugunsten einer etwas jüngeren Zielgruppe deutlich mehr in die Breite modifiziert.

So wie ich es den Begleitinformationen entnehme, sind aber ihre gewohnten Mitstreiter auch weiterhin mit an Bord, vor allem Caleb Sherman, der heimliche Chef der Band, hat beim Songwriting (alle zehn Stücke von ihm und Monique kreiert), der Einspielung (sein prägnantes Banjo- und Akustikgitarrenspiel ist ebenfalls gut vernehmbar) und der transparenten Produktion (er alleine) erneut eine tragende Rolle. Monique singt wieder in ihrer frechen, angriffslustigen, fast rotzigen Art und Weise.

Einige Lieder wie das swampige Titelstück „Gold“, den lasziven Barroomschwofer „Seperately“ und das country-poppige, etwas an die JaneDear Girls erinnernde „Addicted“ hatte sie ja bereits Anfang des Jahres vorab bei ihrem unterhaltsamen Konzert in Köln zum Besten gegeben.

Mit dem New Country-/Southern-Rock affinen Raise A Little Hell-Vorgängeralbum sind wohl noch am ehesten Tracks wie das launige „Tramp Stamp“ (es geht um ein etwas vorschnell getätigtes ‚Arschgeweih’…), das einem ‚Bad Boy‘ gewidmete „Jimmy Jones“ (schöner Country Rock mit Banjo und E-Gitarre), das Big & Rich-verwandte „Betty Ford“ sowie die in Faith Hill-Manier gebrachte Powerballade „Alive“ kompatibel.

Das retro-poppige Auftaktstück „Mine All Mine“, das dezent punkig angehauchte „(Come On) America“ und das mit schon fast kindlichen Gesangsbridges durchzogene „Ring“ fallen ziemlich aus der Rolle, auch wenn hier ab und zu durchaus country-typische Zutaten wie Banjo oder Steel auftauchen. Fast durchgehend eingeflochtene Soundeffekte wie Drum-Loops, Synthies (z. T. simulierte Bläser- und Streichereinlagen), Voicebox, Girlie-Gesang, Hip Hop-Einlagen sowie überdrehte Harmonie-Gesänge und Lead vocals erzeugen eine ständige Unruhe, ja schon fast ‚Hibbeligkeit‘, die für Musikhörer meiner Generation im Ganzen dann doch ziemlich anstrengend ist. Und die zieht sich konsequent wie ein roter Faden durch die gesamte CD.

Das kann man in Dosierung bei ihrem netten Anblick live sicherlich mal verschmerzen, im heimischen Wohnzimmer ist mir das am Stück – auch wenn der Silberling nur eine knappe halbe Stunde dauert – ‚too much‘. Damit kommen vielleicht Baseballcaps-verkehrtrum-tragende Jungspunde der heutigen Zeit ganz gut zurecht, der Cowboyhut-gewohnte Southern-Countryrock-Liebhaber möchte es dann doch musikalisch etwas gediegener und Gitarren-orientierter.

Alles in Allem liefert HER, alias Monique Staffile mit „Gold“ trotzdem eine sympathische und durchaus authentische Platte ab, die eben eher auf jüngere Käuferschichten zielt. Das ist ja auch völlig legitim. Mir persönlich gefällt es aus o. a. Gründen leider nicht so gut. Wenn es nach mir ginge, beim nächsten Mal bitte ein bisschen weniger auf hartes Edelmetall in der Tasche abzielen, aber gerne dafür wieder etwas mehr „Raise A Little Hell“ in die musikalische Waagschale werfen.

India Records (2015)
Stil: Countrypop & More

01. Mine All Mine
02. Tramp Stamp
03. Gold
04. Seperately
05. (Come On) America
06. Ring
07. Jimmy Jones
08. Addicted
09. Betty Ford
10. Alive

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Rick Huckaby – Portrait

Huck

Der Sohn der Basketball-Trainer-Legende Rick Huckabay Sr. zeigt den Major-Companies in Nashville die kalte Schulter und verfolgt konsequent seinen eigenen Weg auf eigenem Label. Dem hochtalentierten Musiker, Singer/Songwriter sollte trotzdem nach drei starken CDs bald der große Durchbruch gelingen. Auch bei uns in Good Ol‘ Germany ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, das es zu entdecken gilt.

Um direkt auf den Punkt zu kommen: Rick Huckaby zählt schon jetzt für mich zu meinen persönlichen Neuentdeckungen des noch nicht mal zur Hälfte vergangenen Jahres, auch wenn er 2015 bisher keine Neuveröffentlichung herausgebracht hat und dies vermutlich nicht tun wird. Und selbst der erfahrene Musikfreund wird sicherlich fragen: Rick Huckaby? Wer ist denn das schon wieder?
Den ganz aufmerksamen Klienten unseres Magazins könnte der Name allerdings schon mal begegnet sein. Und zwar in meinem Review zur Scheibe „Raise A Little Hell von Her & Kings County, wo Rick mit der rassigen Frontfrau, Monique Staffile, auf „My Heart Can’t Take Anymore“ ein schönes Duett, als Dank für eine schon länger bestehende Freundschaft, beigesteuert hat.

Ein paar Wochen später fing ich mal, aus einer Laune heraus, ein bisschen über besagten Künstler auf den üblichen Wegen zu recherchieren. Und siehe da, der Bursche hat bereits drei CDs herausgebracht, wobei die letzte „Pistols & Diamonds“ allerdings aus 2014 stammt. Ich entschied, ihn trotzdem mal bezüglich eines Reviews des Silberlings anzumailen. Prompt lagen vierzehn Tage später alle seine bisherigen Werke, handsigniert, in meinem Briefkasten. Das nenne ich mal einen Interpreten, der auf Zack ist und mitdenkt!

Da bot sich dann ja förmlich ein Komplett-Portrait an. Zur Person: Rick Huckaby wurde in Baton Rouge, Louisiana geboren. Sein Vater, Rick Huckabay Sr. (Rick hat das zweite ‚a‘ in seinem Künstlernamen zwecks Vermeidung von Verwechslungen weggelassen) war ein, in den Staaten, bekannter und sehr erfolgreicher Basketball-Coach. Der junge, zwar ebenfalls Basketball liebende Rick (heute passionierter Golfer, wie er mir berichtete), fühlte sich aus seinem Innersten aber doch eher zur Musik hingezogen. Er bediente auf der High School zunächst in diversen Bands das Schlagzeug, lernte dann Gitarre zu spielen, schrieb die ersten Songs und gewann mit seiner Band Front Page den ‚Jimmy Dean True Value Hardware Store Regional Talent-Wettbewerb‘.

1996 entschied er sich nach Nashville zu gehen und verdiente seine Lorbeeren zunächst mit ‚weltlicher‘ Arbeit in einem Konstruktionsbüro einer Asphaltfirma. Schon bald wurde er aber von Tracy Lawrence als Bandgitarrist verpflichtet, den er dann auch für fünf Jahre begleitete. 2002 unterzeichnete er bei Warner Brothers einen Major Deal, wurde dort aber vier Jahre lang quasi ‚auf Eis gelegt‘. Rick stieg auf eigenen Wunsch aus und gründete mit seinem Bruder Andy, in Gedenken an seinen zwischenzeitlich an Krebs verstorbenen Vater, das in Eigenregie geführte Label HeadCoach Music, auf dem folgende drei Alben veröffentlicht wurden:

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„Call Me Huck“:

Im Jahre 2008 war es endlich so weit. Rick brachte sein Debüt „Call Me Huck“ heraus., aufgenommen im Studio ‚The Ridge‘ in Brentwood, Tennessee, in der Nähe von Nashville gelegen, unter der Regie vom in Music City bestens bekannten Studio-Drummer Lonnie Wilson, der direkt seine Star-Kollegen wie Dan Dugmore, Glenn Worf, Tony Harrell und Jimmy Nichols um Rick versammelte. Ein mit elf Stücken und einer Spielzeit von nur 38 Minuten noch recht knapp bemessenes Werk, das aber dafür ohne jeden Hänger daherkommt.

Der Opener „I Got You Covered“ wie auch das abschließende Titelstück kommen mit einem herrlich lässigen Groove, wie ihn auch zur gleichen Zeit ein gewisser James Otto auf Stücken wie „Just Got Started Lovin‘ You“ oder „These Are The Good Old Days“ praktizierte. Immer wieder grandios, wie sich meist gluckerndes E-Piano sowie gurgelnde Orgel mit den versiert gespielten E-/Akustik- und Steel-Gitarrenparts (grandios Dan Dugmore) auf dem von Wilson und Worf entfachten Rhythmusteppich ausbreiten.

Ricks Stimme erweist sich als durchaus facettenreich und bewegt sich bei Country-lastigeren Tracks („She Takes Me High“, „Diggin‘ At My Scars“) in Sphären von Herren wie Travis Tritt oder Andy Griggs, weiß aber auch bei soulig angehauchten Sachen („Sing It To You“, das Lounge-taugliche „City Life“) mit dem wohligen Stimmesprit eines Randy Travis oder Tracy Lawrence zu überzeugen. Mit „Ain’t Enough Blacktop“ und „Never Needed A Woman“ gibt es zwei wunderbar warmherzige Balladen zum Relaxen. Southern Rock-Liebhaber dürfen sich an, in Richtung Montgomery Gentry zeigenden, Stücken der Marke „My Bad“, „Mash The Gas“ oder „Can’t Miss Kid“ erfreuen, wobei das Musiker Star-Ensemble teilweise einen unfassbar geilen Groove vom Stapel lässt, der einem regelrecht die Spucke weglässt. Einfach famos! Alles in Allem ein vorzüglicher Erstling, der zu Recht blendende Kritiken erhielt!

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„Hittin‘ My Stride“:

Nur ein Jahr später schon folgt mit „Hittin‘ My Stride“ Ricks Paradealbum. Im Großen und Ganzen unter ähnlichen Bedingungen, wurde nur ganz marginal in Nuancen gefeilt. Zugunsten einer etwas rockigeren Ausrichtung wurde auf Steel-Parts verzichtet und mit Kenny Greenberg (in blendender Form) sowie Todd Woolsey noch zwei weitere exzellente Saitenkönner aus der Nashville-Garde hinzugenommen. Orgel und Piano bedienten diesmal die zwei, nicht weniger als ihre Vorgänger bekannten John Jarvis und Mike Rojas. Auch Huckabys bewährte Co-Songwriter wie u. a. J. P. Pennington, Paul Nelson, Jeff Anders oder Michael White durften sich erneut kreativ einbringen.

Das Aufttaktstück „Broken Promisland“ groovt, getrieben von klasse E-Gitarren und einem filigranen E-Piano, direkt, was das Zeug hält. Es erinnert ein wenig an Sachen von Ronnie Milsap („Stranger In My House“). Wunderbar auch das folgende, klasse verschachtelte „Devil On A Good Day“, mit ein wenig Bottle Rockets-Flair. Hucks Stimme weilt, wie auch bei einigen anderen Liedern, in ähnlichen Vokallagen wie Brian Henneman, Pat Green oder Jack Ingram. Unfassbar gut: bluesig-soulig und auch rockig angehauchte Tracks wie „Nothing But A Thing“, „Down From Under You“ oder „Steady Peace“. Den satten Groove, den die Musiker mit rassigen E-Gitarren-Licks, -Fills und -Soli hier erneut fabrizieren, ist atemberaubend, ja absolutes Weltklasse-Niveau.

Auch das schwer unter Slide- und Orgeldampf in Allman-Manier schnaufende „Friendly Advice“ dürfte Southern Rock Freaks derbe Laune machen. „Saving Savannah“ ist die emotionsgeladene Südstaatenballade Marke „Atlanta’s Burning Down“, während das progressiv gestimmte „Tell Me Again“ auch von Mike & The Mechanics stammen könnte. Hier hat Rick fast den sanften Schmelz eines Paul Carrack in seiner Stimme.

„Lies Little Lies“ rockt in Honkytonk-Tempo (klasse hier das typische Piano) jeden Saloon und das bluesig-rotzige „Traveling Light“ hat wieder viel Bottle Rockets-/John Hiatt-Flair. Großartig. Toll auch der mit filigraner Akustikgitarre bestückte Titeltrack, der sich als wunderbar eingängiges Country-Lied mit Bruce Hornsby-Gedächtnis-Piano und ABB-mäßiger E-Gitarrenarbeit entpuppt. Das finale „I’ll Look For You“ gehört ganz und gar dem Hauptprotagonisten, ein kammermusikartig gespielter Countryabgesang, nur mit Akustikgitarre und ein paar Claps an den Holzkorpus rhythmisch begleitet. Es bildet die Brücke zu Ricks drittem und bisher letztem Werk.

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“Pistols & Diamonds“:

Nach vier Jahren Pause, zumindest was, eigene Musik betrifft (Rick tourte sehr intensiv und schrieb parallel auch weiter fleißig Stücke, wie unter anderem, das hier enthaltene „Muddy Water“ für Trace Adkins), sollte auf „Pistols & Diamonds“ vieles anders als bisher sein. Rick entschloss sich für sein drittes Werk, elektrische Komponenten weitestgehend außen vor zu lassen (nur Bass und Piano blieben verschont) und den Fokus auf eine eher akustisch gehaltene Performance (auch auf großen Wunsch seiner Fans), vor allem, was die Gitarren angeht, zu legen.
Aufgenommen wurde in Tracy Lawrences LMG-Studios direkt in Nashville, mit an den Reglerknöpfen und den Tasten saß diesmal Flip Anderson, Huckabys langjähriger Freund und Songwriter-Kollege. Auch mit Nir Z, Mark Loudermilk gab es Neubesetzungen, lediglich Glenn Worf zupfte zum dritten Mal auf bewährte Art und Weise den Viersaiter. Der musikalischen Qualität tat dies natürlich keinen Abbruch, auch hier ist ebenfalls ein Könner-Ensemble am Werk. Der Titeltrack zum Auftakt, ein echter New Country-Ohrwurm (vielleicht auf dem nächsten Silberling in einer ‚Full-Version‘ als Bonus-Track?) und das herrlich zu Rotwein-Ambiente bei Kerzenlicht dahinschwofende „Closer To You“ lassen den ’stilistischen‘ Bruch trotz der fehlenden E-Gitarren noch kaum spüren.

Das freche „Gasoline Shoes“ beweist, dass man auch mit Akustikgitarren eine tolle bluesige Atmosphäre erzeugen kann (klasse Loudermilks Slide-Solo). „In My Room“ mit zwinkerndem Text und „Rubbin‘ It In“ laden zu Zweisamkeit auf der Couch ein. Ich muss mich immer wieder über meine 22-jährige Kenwood-Anlage wundern. Der Uralt-CD-Player gibt (auch wenn er bei manchen Silberlingen, was das Abspielen angeht, schon mal rumzickt) dank der herrlich transparenten Aufnahme so einen grandiosen Klang ab, dass man meint, Rick und seine Mitmusiker direkt im Wohnzimmer mit von der Partie zu haben. Der „James Taylor Song“ huldigt ehrfürchtig die mehrfach Grammy-belohnte Singer/Songwriter-Legende in Randy Travis-Manier, während das bluesige „Last One To Leave“ eine Paradegesangsvorstellung von Rick offenbart.

„Some Place In The Sun“, „Mountains On My Mind“ und „Sharp Edges“ verbreiten unter minimalistischen Bedingungen melodisch-simples Country-Wohlfühlambiente. „Undedefeated“ groovt nochmal schön bluesig im Southern-Gewand (großartiger variabler Gesang von Huck), bevor das anfangs angesprochene „Muddy Water“ den Schlusspunkt setzt. Ein Album vornehmlich zum gemütlichen Abschalten vom hektischen Alltagsgeschehen, alternativ zum Näherkommen (beim ersten Date) oder auch als Hintergrundmusik für die große Abendmahltafel mit Freunden im Garten oder auf der Veranda. Insgesamt genau so faszinierend und gut wie die beiden anderen Werke, trotz der der auf Reduktion basierenden Instrumentierung.

Fazit: Es ist immer wieder erstaunlich, welch tolle Interpreten in den Staaten im Nashville-Dunstkreis (oder auch anderen Szenen wie z. B. im Red Dirt) aktiv sind, von denen man in unseren Breitengraden nichts erahnt, ja oft nur träumen kann. Rick Huckaby ist wieder so ein Paradebeispiel dafür. Man kann regelrecht froh sein, dass in diesem Fall, anstatt des genetisch wahrscheinlicheren Basketballs, doch eine Gitarre und ein Mikro in seine Hände gefunden haben. Ein neues Album ist übrigens noch nicht direkt in Planung, soll aber laut Rick dann wieder in einer ‚Normal‘-Version erscheinen und mit mehr Rock- und Blues-Einflüssen versehen werden. Man darf gespannt sein! Liebe Leute, gebt solch tollen Musiker mal eine Chance, die es abseits des, bei uns üblichen, 08/15-Kommerz zu entdecken gilt. Man wird mit ausnahmslos toller Musik belohnt, versprochen! Rick Huckabys Alben können über seine Homepage bestellt werden. Traut euch, noch ist er hier ein echter Geheimtipp! Mit mir hat der imaginäre Rick Huckaby-Fanclub Deutschland jedenfalls sein erstes Mitglied…!

Line-up „Call Me Huck“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Tony Harrell (keyboards)
  • Jimmy Nichols (keyboards)

HeadCoach Music (2008)
Stil: New Country

01. I Got You Covered
02. She Gets Me High
03. Sing It To You
04. Ain’t Enough Blacktop
05. City Life
06. My Bad
07. Diggin’ At My Scars
08. Mash The Gas
09. Never Needed A Woman
10. Can’t Miss Kid
11. Call Me Huck

Line-up „Hittin’ My Stride“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Kenny Greenberg (electric guitar)
  • Todd Woolsey (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • David Hungate (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Mike Rojas (keyboards)
  • John Jarvis (keyboards)

HeadCoach Music (2009)
Stil: New Country

01. Broken Promiseland
02. Devil On A Good Day
03. Nothing But A Thing
04. Saving Savannah
05. Out From Under You
06. Lies Little Lies
07. Friendly Advice
08. Tell Me Again
09. Steady Peace
10. Traveling Light
11. Hittin’ My Stride
12. I’ll Look For You

Line-up „Pistols & Diamonds“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar)
  • Mike Loudermilk (acoustic guitar, slide guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Nir Z (drums, percussion)
  • Flip Anderson (keyboards)

HeadCoach Music, Lawrence Music Group (2014)
Stil: Acoustic New Country

01. Pistols & Diamonds
02. Closer To You
03. Gasoline Shoes
04. In My Room
05. Rubbin’ It In
06. James Taylor Song
07. Last One To Leave
08. Some Place In The Sun
09. Mountains On My Mind
10. Sharp Edges
11. Undefeated
12. Muddy Water

Rick Huckaby
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