Her & Kings County – 02.02.2015, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Schade – so ein tolles Konzert und nur 50 Zuschauer! Eigentlich hatte ich erhofft, dass durch die gutbesuchten Konzerte von Eric Church, Cadillac Three, The Band Perry oder auch von Blackberry Smoke im letzten Jahr hier in Köln eine Sogwirkung für das Abschlusskonzert von Her & Kings County im hiesigen Yard Club verursachen würden, dem war aber leider nicht so.

Dabei hatte der Sechser rund um seine attraktive Frontfrau Monique Staffile quasi ein Heimspiel, da ihr Plattenlabel India Media, das die tolle CD Raise A Little Hell der Band aufgelegt hatte, hier in Köln ansässig ist. Aber das riesige Schnee- und Verkehrschaos am Morgen mit dem durchgehend ungemütlich nasskalten Wetter im weiteren Verlauf des Tages sowie der immer nicht so ganz angenehme Montag, direkt nach dem Wochenende für im Leben stehende Leute, haben sicherlich Ortsansässige und auch einige Anreisewillige auf der heimischen Couch gehalten. Vermutlich steht dem gemeinen Kölner in diesen, sich dem Karneval nähernden Tagen der Sinn aber auch eher nach den Höhnern und dem FC…

Als Mutmacher für die an diesem Abend blendend aufgelegte und alles gebende Formation möchte ich allerdings kurz das Beispiel Blackberry Smoke anführen: Auch die hatten bei ihrer ersten Deutschland-Tournee kaum mehr Besucher, wie ich beim Besuch ihres Gigs damals in Bochum erlebte. Ein paar Jahre später waren es schon 300 Zuschauer und neulich in der großen Schwester des Yard Clubs, der Kantine, schon fast 1000. Also am Ball bleiben, weiterhin Geduld und gute Leistungen auf den kommenden CDs bringen und dann klappt’s auch mit der Resonanz hier in ‚Good Ol Germany‘. Mein sehr musik-kritischer Arbeitskollege Axel, ne echte Kölsche Jung, mit dem ich schon hier besagte Blackberry Smoke und Cody Canada & The Departed live besucht hatte, war jedenfalls mit dem Drahtesel durch die halbe Stadt geradelt, um Monique & Co. live zu erleben. Nachdem er sich mit einem Bourbon wieder aufgewärmt hatte, war ihm in den folgenden zwei Stunden der Spaß in Backen deutlich anzumerken. Auch er ließ sich von der energiegeladenen Vorstellung der Truppe förmlich anstecken und rockte, wie auch fast alle anderen begeisterten Besucher, ganz ordentlich ab.

Der große Blickfang des Ensembles war natürlich, wie nicht anders zu erwarten, Monique Staffile. Die New Yorkerin mit polnischen und italienischen Wurzeln, wie sie vor ihrem launigen Song „Family Tree“ zu verstehen gab, hielt optisch auch im wahren Leben, was die Bilder auf dem Cover der CD, versprochen hatten. Puh, auch ihr amerikanisch beflaggtes Kurz-Oberteil mit dem knappen schwarzen Top darunter, der gepiercte Bauchnabel über der zerfetzten Jeans, die fast mehr Haut als Stoff preisgab, dazu ihre wilde, blondierte Löwenmähne, waren deutlich mehr als nur ein Hingucker.
Aber das Mädel punktete wahrlich nicht nur mit äußeren Reizen. Sie kann auch richtig gut singen, wie z. B. auch einer der ganz wenigen langsameren Tracks, „Seperately“ (schön, wie sich hier lasziv hinter dem Mikro räkelte), bewies. Dazu kam ihre sympathische, so gar nicht aufgesetzte Art, mit der die anwesenden Leute sofort warm wurden. Ganz zu schweigen von der Energie, die sie natürlich in die Paradesongs der Band wie „My Backyard“, „Six Figures“, „Freight Train“, „Where Did All The $ Go“ etc. einbrachte. Klasse, das hat richtig Bock gemacht.

Aber auch ihre Mitstreiter kamen nie zu kurz. Man hatte den Eindruck, dass die Harmonie innerhalb des Bandgefüges bestens funktioniert. Während der kauzige Basser Brandon Roberts, mit Zylinder auf dem Kopf sowie rosa Unterhose unter seinem Kilt (zu sehen, als er mal kurz zum Exhibitionisten avancierte), dazu noch kniehohen Schnürturnschuhen auch eher für die Abteilung Bespaßung zuständig war, konzentrierten sich die Macher im Hintergrund, Caleb Sherman, der auch hin und wieder immer mal zum Banjo griff, und sein Bruder Justin als auch der zottelbärtige dritte Saitenzupfer Jacob Tolle auf eine Southern Rock-würdige Gitarrenperformance im klassischen 3er-Line-up.
Drummer Christopher Williams hatte dann sein persönliches Highlight mit einem prächtigen Schlagzeug-Solo, das er während „White Trash“ zelebrierte. Stark übrigens auch die perfekt sitzenden Harmoniegesänge des Sextetts, die es auch auf der CD reichhaltig zu hören gibt. „Down In Dixie“ und der Titelsong des Albums, „Raise A Little Hell“ zum Abschluss des Hauptteils, brachten die Stimmung des Abends endgültig auf den Siedepunkt. Klar, dass Monique & Co. die lautstark eingeforderten Zugabe-Rufe nicht tatenlos verhallen ließen und nochmal auf die Bühne kamen.

Ich persönlich hätte dann zwar auf ein Oldie-Medley ganz gut verzichten können und gern lieber noch Stücke wie „Heavens Crashing Down“ (ok, hier fehlte jetzt der Keyboarder), „My Heart Can’t Take Anymore“ oder den schönen Retro-Schunkler „Oh My Darlin“ vom aktuellen Silberling geboten bekommen, aber das launige Trio, bestehend aus „Don’t Bring Me Down“ (ELO), „Highway To Hell“ (AC/DC) und „Fight For Your Right (To Party)“ von den Beastie Boys wurde von der Audienz ebenfalls prächtig angenommen.
Am Ende pflegten die Bandmitglieder an ihrem Merchandising-Stand das Zusatzgeschäft und hielten Smalltalk mit den Leuten. Ich ließ mir meine Promo-CD signieren, nachdem ich noch kurz zuvor Gelegenheit hatte, Michael Golla, den Chef von India Media kennenzulernen, bei dem ich mich hiermit nochmals kurz für die unkomplizierte Zusammenarbeit und Akkreditierung bedanken möchte.

Fazit: Ein launiger Abend mit Her & Kings County in aufgeheiterter Wohnzimmeratmosphäre. Die klasse aufgelegte und blendend aussehende Sängerin Monique Staffile weiß mit ihren Mannen vollends zu überzeugen. Ich hoffe (und bin mir relativ sicher), dass es im nächsten Jahr eine weitere Tour mit deutlich mehr Zuschauern geben wird. Solch kreative und authentische Musik hat einfach mehr Zuspruch als diese unsäglichen nervtötenden Coverbands, die hier immer wieder die Locations füllen, verdient. Axel und meine Wenigkeit werden jedenfalls, Umstände hin oder her, sicherlich wieder zugegen sein. Weiter so, Her & Kings County!

Line-up:
Monique Staffile (vocals)
Caleb Sherman (guitar, banjo, backing vocals)
Justin Sherman (guitar, backing vocals)
Jacob Tolle (guitar, backing vocals)
Brandon Roberts (bass, backing vocals, vocals)
Christopher Williams (drums)

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India Media Group
Yard Club Köln

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