Cory Marks – Who I Am – CD-Review

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Fulminantes Country Rock-Debüt vom Kanadier Cory Marks, produziert vom preisgekrönten Produzenten Kevin Churko (u. a. Britney Spears, Ozzy Osbourne, Shania Twain, Slash, Hinder, Emerson Drive)!

Dabei deutete bei dem aus North Bay, Ontario, stammenden Burschen, mit einer Passion für Country- und Rockmusik, als auch für die Fliegerei, zunächst alles auf eine erfolgreiche Eishockey-Karriere hin (solche Biografien interessieren mich immer besonders, da ja auch ich zu meiner Sturm- und Drangzeit viele Jahre lang zu den besten deutschen Tischtennisspielern zählte), bis er eines Abends in einer kleinen Bar von seinen Teamkollegen auf die Bühne zitiert wurde.

Nachdem das Publikum auf seinen Kurz-Set begeistert reagiert hatte und er fortan in dem Club regelmäßig spielen durfte, weitete er seine musikalischen Aktivitäten bis in die USA aus und durfte letztendlich irgendwann Größen wie Toby Keith oder Brantley Gilbert supporten.

Jetzt präsentiert Cory Marks mit seinem ersten Longplayer „Who I Am“ sein musikalisches Ich unter der Fahne von Better Noise Music. Da Eishockey-Spieler ja oftmals für ihre erhöhten Testosteron-Werte bekannt sind, enthält der Silberling überwiegend kraftstrotzende zünftige Country Rocker, aber auch die eine oder andere Herz-Schmerz-Ballade.

Kevin Churko, der mit Sohnemann Kane und Cory die meisten Tracks zusammen kreiert hat, beweist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auf beiden Terrains stilsicher, Country und Rock in eine erfolgversprechende Symbiose zu verwandeln.

Klasse direkt der treibende Opener, wo Marks im Refrain die warnende Worte zum Besten gibt „her angel’s smile, is a devil’s grin“ (wer in seinem Leben viel mit Frauen – besonders den hübschen der Zunft – zu tun hat, weiß, wo von er spricht…).

Herrlich und sicher mit eines der absoluten Highlights eines aber an sich durchgehend guten Werkes, ist das folgende „Outlaws & Outsiders„, bei dem Cory charismatische gesangliche Unterstützung, von den sich mächtig ins Zeug legenden Travis Tritt und Five Finger Death Punch-Fronter Ivan Moody erhält, als auch durch Mötley Crüe-Gitarrist Mick Mars mit einem klasse Solo auf seiner abgewetzten Stratocaster. Grandioser Song!

Das flockige „Good To Be Us“ mit seiner knackigen E-Gitarren-Hook und dem Powerrefrain könnte eines der Radio-Kandidaten abgeben, aber auch die melodischen „Drive„, „Better Off“ und das schön schmachtende Duett „Out In The Rain“ mit Metal-Sängerin Lzzy Hale (Halestorm), die sich hier im Stile einer Robin Beck, Lita Ford, oder Kim Carnes offenbart, haben reichlich Hit-Potential.

Bis auf das countryeske „My Whiskey, Your Wine“ (Merle Haggard-inspiriert), das in zwei Versionen eingespielt wurde, die sich allerdings nur marginal unterscheiden (beide sind auch gleich lang), dominiert ansonsten bei Songs wie „Blame It On The Double“, „Who I Am“, „Keep Doing What I Do“ und dem Bonusstück „She’s Hollywood“ (sehr schön die Refrainzeile „I’m a redneck, she’s Hollywood“) eher die rockige Vorliebe des Protagonisten.

Vieles erinnert mich dabei an die draufgängerische Art seiner kanadischen Kollegen von Dry County oder Interpreten wie Chris Cagle, Black Stone Cherry, Caleb Johnson, Brantley Gilbert oder Jason Aldean auf der US-Seite.

Cory Marks setzt mit seinem Debüt „Who I Am“ eine erste vielversprechende Duftmarke im Rock-umwobenen Country-Revier, die mit Argusaugen besonders von den Managements der bisherigen Platzhirsche, Brantley Gilbert und Jason Aldean, verfolgt werden dürfte. Fette zukünftige Konkurrenz für beide. Bitte mehr davon, Cory Marks!

Better Noise Music (2020)
Stil: Country Rock

01. Devil’s Grin
02. Outlaws & Outsiders
03. Good To Be Us
04. Blame It On The Double
05. Another Night In Jail
06. Who I Am
07. Drive
08. Better Off
09. My Whiskey, Your Wine
10. Keep Doing What I Do
11. Out In The Rain
12. She’s Hollywood (Bonus)
13. My Whiskey, Your Wine – Acoustic Version – (Bonus)

The Allman Betts Band
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Joe Candelario’s The Big Engine – Same – CD-Review

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In seiner Heimatstadt Denver, im US-Bundesstaat Colorado, ist Joe Candelario seit über 30 Jahren Teil der sehr aktiven Musik-Szene und ein erfahrener Blues-Rock-Gitarrist. Mit seiner Band, der Joe C. Wails Gang, performte er ab Mitte der 90er im Westen der USA, u.a. als Support für The Regulators und Pretty Boy Floyd.

Neben CD -Veröffentlichungen mit der Wails Gang verfolgte Candelario dabei ebenfalls seit fast zwei Jahrzehnten seine Solo-Interessen, als Sänger, Songschreiber und Multi-Instrumentalist in regelmäßigen, eigenen Projekten, so zuletzt 2018 mit der Progressive-Rock Disc „Pangea“.

Die neue Solo-Scheibe „The Big Engine“ hat Joe Candelario nun als eine Art „Railroad-Konzept-Album“ wieder im Home-Studio produziert. Der Longplayer zeigt einerseits seine Neigung für groovende Instrumentals ebenso ausführlich, wie die Vorliebe zu schweren Blues-Rock-Eigenkompositionen.

Erstere sind mit dem mutigen Opener „Conjunction Dysfunction“ im Stevie Ray Vaughan-Sound, dem Reggae-Jam „C’mon Man“ und einem experimentell ausgerichteten „Crocodile Smile“ gleich dreifach vertreten. Als hervorzuhebende Blues-Rock-Songs fallen demgegenüber das eindringliche „Bad Mojo Rising“ und die „Engine-stampfende“ Rock-Nummer „From The Sun“ beispielhaft ins Gewicht und stehen für den sehr variantenreichen E-Gitarren Einsatz bei den Aufnahmen.

In den feinen Akustik-Tracks „Hell Bound Train“, „Back 4 More“ und „Way 2 Go“ bringt Candelario schöne American-Folk-Rock Erfahrungen ein und damit einen Touch von Storytelling-Elementen, die er mit der notwendigen Leichtigkeit im Vocal-Sound verbindet.

Die musikalische Konzeption eines „Big Engine“-Railroad Charakters der Scheibe – eines instrumentalen Frachtzuges, der sich schwer beladen durch die verschiedenen Landschaften bewegt, wird auch in den Lyrics des gleichnamigen Titelsongs deutlich und findet ihre sinnbildliche Erwähnung nochmals im Abschluss-Track wieder.

Bei diesem 7-minütigen Blues-Epos „Banks Of Salvation“ das – etwas bedauerlich ohne Background-Vocals auskommt – sich aber powerfull als mächtiger „Zug der Zeit“ stilvoll entwickelt, inszeniert Candelario gitarrenverstärkt die Rettung der „Big Engine“.

Joe Candelario hat mit seinem neuesten Werk „The Big Engine“ ein solides Album in Eigenregie eingespielt. Es vermittelt seine virtuose und routinierte Gitarrenkunst und bietet in bester Tradition ansprechende Blues, Rock und American Folk Music, die ihre ungeschminkte Mentalität weltoffen im Railway-Mythos auf die Reise schickt.

Mad Hare Entertainment (2020)
Stil: Blues Rock, Americana, Folk Rock

Tracklist:
01. Conjunction Dysfunction
02. Bad Mojo Rising
03. Hell-Bound Train
04. From The Sun
05. Way 2 Go
06. C’mon Man
07. Big Engine
08. Back 4 More
09. Crocodile Smile (Alligator Shoes)
10. Banks of Salvation

Joe Candelario
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Two Side Moon Promotions

Charley Crockett – Welcome To Hard Times – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach seinem letztjährigen Album „The Valley“ mit anschließender Europatour, in der er auch in der Krefelder Kulturrampe einen Stopp einlegte, bringt Charley Crockett nun fünfzehn neue Songs heraus. „Welcome To Hard Times“ schließt nahtlos an den vorherigen Longplayer an. Melodische Country-Nummern, überwiegend im mittleren Tempobereich, denen er mit seinem markanten Gesang seinen Stempel aufdrückt, stehen im Vordergrund der neuen CD.

Crockett arbeitet wie gewohnt mit Pedal Steel, Twang und Slide („Heads You Win”, „Tennessee Special”). Dabei gibt er manchen Stücken eine bluesige Note („Fool Somebody Else“), legt Soul in seine Stimme („Don’t Cry“) oder bedient sich beim R&B („Rainin’ In My Heart“). Wie für seine Kompositionen üblich, überschreiten sie nur selten drei Minuten. Auch wenn kein absoluter Ohrwurm wie „Jamestown Ferry“ sofort identifizierbar ist, hält der Longplayer doch einige Leckerbissen parat.

Das entspannte Titelstück „Welcome To Hard Times“, mit dem das Werk beginnt, zählt ebenso wie das getriebene „Run Horse Run“ zu ihnen. Die Videos zu den zwei vorab ausgekoppelten Songs versprühen eine entsprechende Western-Atmosphäre. Äußerst gelungen und vielleicht die bemerkenswertesten Tracks sind die beiden Walzer „Lilly My Dear“ und „Blackjack County Chain“. Beim ersten schunkelt sich Crockett erdig durch den Dreivierteltakt, beim zweiten schlägt er eine tiefe Tonlage mit entsprechend dunkler Stimmung an.

Von dem gemächlichen Midtempo der klassischen Countrysongs „The Man That Time Forgot” und „The Poplar Tree” weicht Crockett bei „Paint It Blue” sowie „Oh Jeremiah“ nur geringfügig nach oben ab. Mit „Wreck Me” und „When Will My Trouble End” finden sich dann auch langsamere Stücke auf der CD.
Mit der letztgenannten Ballade schließt sich der thematische Kreis, der mit dem Opener angerissen wurde.

Die Inhalte drehen sich um Outlaws, Spieler und Verlierer, also um genretypische Figuren und deren schwere Zeiten beziehungsweise Krisen. Daran hätte Johnny Cash ebenso wie an Crocketts Musik sicherlich seine Freude gehabt und vielleicht sogar den einen oder anderen Beitrag gecovert. Einige von Crocketts Songs hätten es verdient, so gewürdigt zu werden.

Von anderer Seite hat Charley Crockett allerdings schon Anerkennung erfahren: Seinem Bluesalbum „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ (2018) gelangen hohe Platzierungen in amerikanischen Charts und in der englischen Country-Presse wurde „The Valley“ zum Album des Jahres gekürt.

Charley Crockett revolutioniert den Country auf „Welcome To Hard Times““ nicht, aber er interpretiert ihn stilsicher auf seine Weise und gewinnt ihm so neue Facetten ab. Der Retro-Charme seiner Melodien in Kombination mit der außergewöhnlichen Intonation seines Gesangs macht ihn zu einem kreativen Vorreiter des New Traditional Country.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Country

Tracks:
01. Welcome To Hard Times
02. Run Horse Run
03. Don’t Cry
04. Tennessee Special
05. Fool Somebody Else
06. Lilly My Dear
07. Wreck Me
08. Heads You Win
09. Rainin’ In My Heart
10. Paint It Blue
11. Blackjack County Chain
12. The Man That Time Forgot
13. The Poplar Tree
14. Oh Jeremiah
15. When Will My Trouble End

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Street Survivors – The True Story Of The Lynyrd Skynyrd Plane Crash – Blue Ray-/DVD-/CD-Review

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Lang, lang ist es her. Trotzdem erinnere ich mich noch genau, wie ich damals als 14-jähriger Bursche von meinem Vater an einem  späten Nachmittag im Oktober 1977 in die Nachbarstadt Kamp-Lintfort gefahren wurde, um das gerade neue erschienene Album „Street Survivors“ im dortigen Plattenladen zu erwerben.

Voller Stolz, es frisch auf dem Beifahrersitz in den Händen zu halten, ertönte fast zeitgleich im Radio am Ende der Nachrichten die Meldung, dass die Rockgruppe Lynyrd Skynyrd in der Nähe von Gillsburg, Mississippi mit dem Flugzeug abgestürzt sei und die Bandmitglieder Ronnie Van Zant, Steve und Cassie Gaines, sowie Tourmanager Dean Kilpatrick getötet worden seien. Der Schlag in der Magengrube saß tief. Wie auf dem Cover, stand auch meine, bis dato, recht kleine musikalische Welt in Flammen. Ein kleiner Bericht in der BRAVO waren die einzigen Informationen, die man damals im noch intertfreien Zeitalter dazu erhaschen konnte.

Was folgte, ist dem Southern Rock-Fan längstens bekannt. Die Rossington Collins Band, Rosssington, Allen Collins Band und schließlich irgendwann der Neustart mit Johnny Van Zant als Sänger. Damit verbunden auch die recht zügige Ausbotung von Allen Collins, Artimus Pyle, Ed King, diverse Umbesetzungen und schließlich weitere Tode, sodass aus der eigentlichen Skynyrd-Zeit heute nur noch Pyle und Rossington übrig sind.

Im Bezug auf den hiesigen, von Artimus Pyle initierten Film „Street Survivors – The True Story Of The Lynyrd Skynyrd Plane Crash“, gab es eine jahrelange gerichtliche Schlammschlacht zwischen Van Zant-Witwe Judy, Rossington als musikalischer Skynyrd-Verwalter und Pyle, dem ein Gericht in New York letztendlich die Erlaubnis zum Film gewährte, allerdings ohne die Einbindung von Lynyrd Skynyrd-Musik.

Wer hier letztendlich das moralische Recht und die Wahrheit für sich gepachtet, kann man als Außenstehender nicht beurteilen, das wissen nur die Beteiligten selbst. Fest steht, dass sich Artimus Pyle für die Hilfe der Überlebenden verantwortlich zeichnete, als er, nachdem er sich zu einer Farm geschleppt hatte, die Rettung der schwer verletzten Leute (u. a. auch von Rossington) ermöglichte.

Der kurzweilige Film skizziert die packenden Ereignisse von seiner Verpflichtung als Drummer bis hin zum Absturz und den Ereignissen kurz danach. Pyle wird zwischenzeitlich immer wieder mit einigen Statements im Film eingeblendet.

Regisseur Jared Cohn hat die Ereignisse mit viel Liebe zum Detail in mitreißende Bilder gebracht. Bei den Schauspielern wie u. a. Ian Shultis, Taylo Clift, Samuel Kay Forest und Rich Daly III wurde auf ein Höchstmaß an ähnlichem äußerlichem Erscheinungsbild und Authentizität Wert gelegt.

Um nicht all zu viel an Spannung vorwegzunehmen, hier nur ein paar kurze Einblicke. Der Film beginnt mit der telefonischen Anfrage Ronnie Van Zants bei Pyle, ob er seine Künste beim Vorspielen zum Besten geben möchte (er hat am vereinbarten Abend eine Autopanne einige hundert Meter vor der Location, Pyle rennt mit seinen Drumkits in den Händen zweimal hin und zurück zum Spielort, um seine Chance zu wahren).

Dann wird das wilde Leben der Band bei Aftershowparties mit viel Koks, Whiskey, Groupies und Randale skizziert. Danach folgt ein kurzes Intermezzo des Aerosmith-Clans (herrlich die Darsteller von Steven Tyler und Joe Perry – auch hier geht es wild zu), der das Unglücksflugzeug in weiser Voraussicht als Transportmittel rigoros ablehnt.

Weiterhin erlebt man den ersten, schon mit Problemen behafteten Flug, dann die Geschehnisse am Unglückstag selbst, inklusive des Dramas im Flugzeug, sowie Pyles Suche nach Rettung im sumpfigen Waldgebiet , als auch die Geschehnisse ein paar Tage später in den Krankenhäusern und am Unglücksort selbst.

Fast noch interessanter ist der ebenfalls gut 90-minütige Dokumentarfilm zum Making Of, bei dem die 14-tägigen Dreharbeiten sehr schön begleitet wurden. Klasse zu erfahren, wie manche Szenen entstanden sind. Toll vor allem die akribische Arbeit der Maskenbildner (besonders nach dem Crash – manche Anblicke sind nichts für schwache Nerven, z. B. als Artimus einem Verletzten nach mehrmaligen Versuchen, einen Baumstumpf aus dem Körper zieht), der Standleute, aber auch der Schauspieler, zum Beispiel, als es um die dramatischen Szenen im Flugzeug geht. Auch hier gibt Artimus zwischendurch immer wieder kleine Details zum Besten.

On top gibt es noch eine CD mit ganz guter Southern Rock-Musik Musik („Wish“, „Black Creek“, das „Freebid“ nachempfundene Instrumentalstück „In Memory Of“) , größtenteils von der Artimus Pyle Band eingespielt, wobei „Call Me The Breeze“ (performt von Pat Travers) als einziges Stück aus dem Skynynrd-Fundus enthalten ist, da es ja von J. J. Cale komponiert wurde. Highlight sicherlich das von Warren Haynes mitgeschriebene „Street Survivors“, das im Film auch den Abspann begleitet.

Insgesamt ein unterhaltsames Package, dass einen nochmals die damalige Zeit live-haftig Revue passieren lässt, sicherlich auch mit ein paar effekthascherischen künstlerischen Freiheiten, so wird Pyle beispielsweise beim Betreten des Geländes vom Farmer angeschossen, kann danach aber sofort weiterlaufen, als wäre nix passiert. Der hatte aber in Wahrheit wohl nur einen Warnschuss in die Luft abgegeben.

Das komplette Werk spielt sich natürlich in englischer Sprache ab, wobei Pyle bei seinen Statements sehr gut zu verstehen ist, manche Konversationen im Film und Making Of, einen aber allerdings an die Grenze seines Sprachkönnens bringen. Im Groben und Ganzen weiß man aber worum es geht.

Danke an Artimus Pyle, uns an seinen Erlebnissen aus seiner Sicht teilhaben zu lassen. Eine tolle Unterhaltung mit traurigem Hintergrund, aber der großartigen Erkenntnis: Southern Rock will never die!

Cleopatra Entertainment (2020)
Stil: Southern Jam Rock

Blue Ray / DVD:
Film
Bonus Features
– Surviving Street Survivors (Making Of)
– Slideshow
– Trailer

Soundtrack-CD:
01. Southern Feeling (Last Day)
02. Wish
03. Black Creek
04. Curse
05. Rattlesnack
06. In Memory Of
07. Street Survivors
08. 6 Souls
09. Call Me The Breeze
10. Last Flight
11. A Remembrance
12. Rescue

Artimus Pyle Band
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The Chicks – Gaslighter – CD-Review

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Dass es beim Comebackalbum „Gaslighter“ nach satten 14 Jahren Pause der ehemaligen, vielfach Grammy-prämierten Dixie Chicks nicht ohne großes Tamtam in diesen Zeiten einhergehen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Die Ära Trump, #MeToo, Corona und die neu aufkommende Rassendiskussion boten da genügend Zündstoff, um sich als politisch motivierter Act, hochaktuell zu profilieren.

Da wurde zunächst mal das symbolträchtige Wort ‚Dixie‘ als Synonym für den Süden aus dem Bandnamen verbannt und publicity-wirksam neu unter The Chicks firmiert. Ich finde es persönlich ein wenig kurz gedacht. Zum einen hat das Wort die drei Damen, als es gut lief, lange Zeit nicht gestört, zum anderen sollte man, als Menschen, die gelernt haben, differenziert zu denken, Leute nicht anhand von Symboliken über einen Kamm scheren, sondern sie nach ihrem Handeln beurteilen. Viele Arschlöcher, aber auch genügend gute und anständige Menschen  (ich hoffe sogar überwiegend), gibt es überall auf der Welt, auch im Süden der USA.

Der Titel des Albums „Gaslighter“, der in der Psychologie eine Form von psychischer Gewalt bzw. Missbrauch durch Leute bezeichnet, mit der Opfer gezielt desorientiert, manipuliert und zutiefst verunsichert werden, kann natürlich breitgefächert interpretiert werden und bietet der Kritikerschaft, wer da jetzt alles angesprochen sein könnte, Diskussionsstoff en masse.

Das von Jack Antonoff (u. a. Taylor Swift, Lorde, St. Vincent, Lana Del Rey, Kevin Abstract, Carly Rae Jepsen) zusammen mit den Dreien produzierte Werk bietet insgesamt musikalisch eine solide New Countrykost.

Die immer noch etwas jungenhafte Stimme von Natalie Maines (Vater Lloyd ist mit ein paar Steeleinlagen auch vertreten), die man mögen muss, bildet den kräftigen Mittelpunkt, die Kolleginnen Marty Maguire und Emily Strayer sorgen für die obligatorischen Harmoniegesänge und beweisen, dass sie auf ihren Instrumenten (Violine, Viola, bzw. Banjo, Akusikgitarre, Mandoline, Dobro und Ukulele nichts verlernt haben.

Die wohl markantesten Tracks wie das Titellied „Gaslighter“ (eingängiger kräftiger Refrain) und das musikalisch schön swampig gestaltete „March March“ wirken natürlich mit den dazugehörenden plakativen Videos im Hintergrund noch besser.

Ansonsten bieten die restlichen Lieder, recht reduzierten, aber immer genau auf den Punkt gebrachten New Country, der in der zweiten Hälfte phasenweise allerdings auch ein wenig ermüdend wirkt.

Von einem Meisterwerk zu sprechen, halte ich von daher für etwas übertrieben. Im Prinzip ist den Chicks bei ihrer ‚Rückkehr‘ ein ordentliches Album mit ein paar Highlights gelungen, das musikalisch aber nicht viel mehr hergibt, als man es von Acts wie z. B. Little Big Town, The Highwomen oder Mary Gauthier, Lori McKenna, etc. in den letzten Jahren (aber natürlichvon weniger politischer Natur und unglamouröser inszeniert) bereits vielfach geboten bekommen hat.

Monument (Sony) (2020)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Gaslighter
02. Sleep at Night
03. Texas Man
04. Everybody Loves You
05. For Her
06. March March
07. My Best Friend’s Weddings
08. Tights on my Boat
09. Julianna Calm Down
10. Young Man
11. Hope It’s Something Good
12. Set Me Free

The Chicks
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Another Dimension

Lori McKenna – The Balladeer – CD-Review

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Review: Michael Segets

Der Titel „The Balladeer“ von Lori McKenna neuem Album ist Programm. Sie präsentiert sich als hervorragende Balladensängerin und ausgereifte Songwriterin. Produzent Dave Cobb (Jason Isbell, Shooter Jennings) erweist sich wieder einmal als Garant dafür, den Sound erdig auf den Punkt zu bringen, sodass die Songs pur und für sich wirken.

Alle zehn Tracks wurden mit Band eingespielt: Cobb übernimmt die akustische und elektrische Gitarre, Philip Towns glänzt an den Keys, Chris Powell (Schlagzeug) sowie Brian Allen (Bass) geben den Rhythmus vor. Kristen Rogers steuert auf den meisten Stücken den Gesang im Background bei. Karen Fairchild und Kimberly Schlapman begleiten McKenna auf dem eingängigen, radiotauglichen Opener „This Town Is A Woman“.

McKenna verfasste alle Songs selbst; „Good Fight“, „When You’re My Age” sowie „Two Birds” zusammen mit Hillary Lindsey und Liz Rose. Als Songwriterin genießt McKenna einen außergewöhnlichen Ruf in der Americana- und New Country-Szene. Nicht umsonst nahmen eine ganze Reihe von Musikern ihre Titel auf.

Von den Künstlern, die auch auf SoS zu finden sind, können Carrie Underwood, Little Big Town, Hunter Hayes, The Cadillac Three, Eli Young BandWade BowenFaith Hill und Tim McGraw genannt werden. Die zweifache Grammy-Gewinnerin wirkte ebenso bei der zweiten Single „Always Remember Us This Way” des Soundtracks „A Star Is Born“ mit. In ihrer zwanzigjährigen Karriere kann McKenna also auf einige Erfolge zurückblicken.

Ihre Texte auf „The Balladeer“ sind retroperspektiv angelegt. Der Longplayer erhält dadurch eine persönliche Note, trifft aber durchaus die Gedankenwelt von Personen, die die Fünfzig überschritten haben. An das Aufwachsen mit den Geschwistern („Maria“) und die wilden Jugendjahre in der Schule („Stuck In High School“) denkt wohl jeder in dieser situierten Lebensphase mal zurück.

Schwingt bei diesen Songs die Rolle der eigenen Eltern mit, findet bei den musikalisch etwas reduzierterem „When You’re My Age“ und dem Schlusstrack „‘Till You’re Grown“ ein Perspektivwechsel statt. Die Sorge um den Nachwuchs und die Hoffnung, dass dieser seinen Weg gehen wird, kommen dort zum Ausdruck. Schließlich bildet das spannungsreiche Mit- und Gegeneinander in Beziehung bei einigen Stücken („The Dream“, „Good Fight“, „Two Birds“) den thematischen Schwerpunkt.

Beim Songwriting beweist McKenna ein Gespür für harmonische Melodien. Anspieltipps sind „Good Fight“, „Stuck In High School “ und “When You’re My Age”, die die musikalische und inhaltliche Spannbreite des Albums widerspiegeln.

Mit Ausnahme des titelgebenden „The Balladeer“ setzt sie auf längere Refrains, welche den Wiedererkennungswert steigern. Die Lieder gewinnen ihre Intensität letztlich aus den Lyrics, die zwar persönlich gefärbt sind, aber viele Facetten bieten, in denen sich der Hörer mit seinen eigenen Erlebnissen oder Erinnerungen wiederfindet. „The Balladeer“ spricht daher vermutlich eher ein gereiftes Publikum an.

CN Records-Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. This Town Is A Woman (feat. Karen Fairchild and Kimberly Schlapman)
02. The Balladeer
03. Marie
04. The Dream
05. Uphill
06. Good Fight
07. Stuck In High School
08. When You’re My Age (feat. Hillary Lindsey and Liz Rose)
09. Two Birds
10. ‘Till You’re Grown

Lori McKenna
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Kurt Mauser – Long Since – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Southern Rock aus dem eher kalten Norden Europas ist inzwischen eine zuverlässige Hausnummer, die von verschiedenen Bands aus Norwegen (z.B. Nickel & Dime), Schweden (u.a. Hellsingland Underground, Backdraft, Black River Delta und Heavy Feather) oder Finnland (z.B. Muddy Moonshine) seit langen Jahren beständig aufgerufen wird.

Kurt Mauser aus Salo, Finnland, hat nun mit seinem Debut „Long Since“ eine Scheibe vorgelegt, die eine Leidenschaft für die verschiedenen Stilrichtungen des Südstaaten-Blues-Hard-Rock ausgiebig interpretiert.

Dabei erweist sich die raue Stimmlage von Sänger und Gitarrist Kurt Mauser als wandlungsfähiges Instrument, das den Songs – neben den starken Gitarren – einen persönlichen Stempel aufdrückt. Dieser individuelle Trumpf wird bereits beim harten Blues-Rock Opener „One & Only“ ausgespielt, der in manchen Teilen an den „BTO“-Initialen nicht vorbeikommt und den bekannten Sound auch beim launigen Southern-Rocker „On The Line“ in ähnlicher Weise aufgreift.

Die finnische Formation hat in den letzten 2 Jahren 12 Titel für das erste Album in Eigenregie produziert und gibt sich als bodenständige und durchaus anpassungsfähige Band zu erkennen, die ihre musikalische Passion spielfreudig auslebt. Die Tracks sind abwechslungsreich gestaltet, wobei mit „Home Again“ und „How High“ oder „Down By The Shore“ schnelle Boogie- und Blues-Rock-Nummern aufgeboten werden, die durch eine solide Gitarrenarbeit auch für anspruchsvollere Fans des Genres interessant bleiben. Gleiches gilt für die charakteristischen Texas-Blues-Rock-Stücke „So Tired“, „It’s Bad But It’s True“ und „Goin‘ Insane“, die ebenso stilvoll wie energiegeladen überzeugen.

Als Anspieltipp ist der melodische Southern-Blues „Hold Tight“ ebenfalls hervorzuheben. Der balladenartige Titel-Song „Long Since“ driftet schließlich mit einprägsamer Hook-Line und engagierten Vocal-Parts eindrucksvoll über 6 Minuten in die Zielgerade der insgesamt gelungenen Scheibe.

Kurt Mauser hat mit seinem ersten Longplayer „Long Since“ ein beachtenswertes Album veröffentlicht, das nicht als Hochglanzproduktion, sondern als ungeschliffenes Newcomer-Werk auffällt. Die ehrgeizigen Southern-Rock-Ambitionen dieser neuen und entwicklungsfähigen Band haben gute Chancen erfolgreich zu sein.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. One & Only
02. It’s Bad But It’s True
03. Home Again
04. Goin’ Insane
05. How High
06. Down By The Shore
07. Hold Tight
08. On The Line
09. So Tired
10. Somenody’s Making Me Alive (God Is A Woman)
11. So Beautiful
12. Long Since

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Brett Eldredge – Sunday Drive – CD-Review

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Beim Namen Brett Eldredge befällt mich ein gewisser Wehmut. War er es doch als letzter New Country-Künstler, den ich in einem Live-Konzert erleben durfte und zwar im Kölner Carlswerk. Das war im Januar diesen Jahres. Dann kam irgendwann Corona…

Dort gab er sich, wie auch schon auf seinen ganzen Alben, als smarter, lebhafter und noch voller Tatendrang agierender Fronter, dessen Erfolg in Nashville nicht von ungefähr kommt. Dazu ist er noch ein echter Frauentyp und ausgestattet mit einer tollen Charakterstimme. Beim Konzert zeigte er, speziell im Akustikpart, allerdings auch seine gefühlvollere Seite.

Die rückt jetzt auch im neuen, von Daniel Tashian und Ian Fitchuk produzierten Album „Sunday Drive“ (beide zeichneten sich auch für Kacey Musgraves’ „Golden Hour“ verantwortlich) schwerpunktmäßig in den Fokus.

Bre_450Statt radiotauglichem pop-rockigem New Country für die Billboard-Charts, konzentriert Eldredge sich auf (besonders für ihn) zurückhaltend instrumentierten Singer/Songwriter-Stoff, bei dem Piano, Streicher (manchmal sogar auch ein wenig kammermusikartig) und Akustikgitarren, samt ganz dezenter Countryingredenzien (E-Gitarre, Mandoline, Steel) im Vordergrund stehen.

Besonderer Vorteil: Seine eh schon fantastische Stimme, rückt noch intensiver in den Vordergrund, teilweise kommen sogar Assoziationen mit Charismatikern wie Jackson Browne, Billy Joel, Ray Charles, Bruce Hornsby, sogar Frank Sinatra („Fix A Heart“, „Paris Illinois“) bis hin zu Phil Vassar, Radney Foster oder Pat Green (diese Scheibe erinnert mich z. B. sehr an seine „Songs We Wished We’d Written“-Sachen) aus dem countryesken Bereich auf.

Es macht wenig Sinn hier einzelne Tracks hervorzuheben, auch wenn ich nicht verhehlen möchte, dass das southern-soulige „Magnolia“, „When I Die“ (ABB-„Melissa“-Note“) und „Gabrielle“ (mit schöner pettyesken Akustikgitarren-Zwischenenhook), sicherlich zu meinen Favoriten zählen.

Brett Eldredges „Sunday Drive“ eignet sich gewiss nicht nur für ‚Sonntagsfahrer‘. Eigentlich kann man die CD bei nahezu jeder Gelegenheit als perfekte Hintergrundmusik nutzen, bei der sowohl schön entspannt, allerdings gerne auch intensiv zugehört werden darf. Tolle Scheibe, der neue Stil passt zu Brett Eldredge!

Warner Music (2020)
Stil: New Country

01. Where The Heart Is
02. The One You Need
03. Magnolia
04. Crowd My Mind
05. Good Day
06. Fall For Me
07. Sunday Drive
08. When I Die
09. Gabrielle
10. Fix A Heart
11. Then You Do
12. Paris Illinois

Brett Eldredge
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Oktober Promotion

David Ramirez – My Love Is A Hurricane – CD-Review

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Review: Michael Segets

Der mir bis dato unbekannte Singer/Songwriter David Ramirez aus Austin, Texas, wird dem Americana zugeordnet. Uncut rückte sein Album „We’re Not Going Anywhere“ aus dem Jahr 2017 in die Nähe von Bruce Springsteen. Diese Vorabinformationen reichten, um meine Neugier auf sein neues Werk „My Love Is A Hurricane“ zu wecken. Dies klingt nun aber weder nach Americana noch nach dem Boss aus New Jersey.

Trotz dieser Ernüchterung habe ich dem Longplayer eine Chance gegeben und ihn einige Male durchlaufen lassen. Tatsächlich finden sich manche Stücke, die das Potential von Ramirez als Songwriter offenbaren. Allen voran ist „I Wanna Live In Your Bedroom” zu nennen. Die mit Emotionen gespickte Ballade, untermalt von wehmütigem Hall und schönen Einsprengseln der Keys, stellt das Highlight des Albums dar. Am Ende setzt ein Chor im Background ein, der ebenfalls bei „Hallelujah, Love Is Real!“ zum Einsatz kommt. Der Track verbindet R&B mit Gospel-Elementen und entwickelt wie der dunklere Titelsong „My Love Is A Hurricane“ einen gefühlvollen Drive.

Ein hypnotischer Sound begleitet die kräftige Stimme auf „Coast To Coast“. Ramirez setzt seinen Gesang auf dem Werk variantenreich ein. So unternimmt er bei „Lover, Will You Lead Me?” Ausflüge in ungeahnte Höhen, die sich aber sehr passend in den Track einfügen.

Frisch verliebt ging David Ramirez mit einem Kreativitätsschub an die Arbeit zu dem Album. Als die Beziehung zerbrach, hatte dies Auswirkungen auf die Atmosphäre des Werks. Thematisch kreist es mit seinen poetischen Texten weiterhin um die Liebe, verströmt in den meist getragenen Songs aber eher Melancholie.

Mit dem Drum-Programming sowie dem Einsatz von Synthesizern erhalten die Songs oftmals einen poppigen Einschlag. Stilistisch erinnern sie an „Room 41“ von Paul Cauthen. Die bisher genannten Titel können durchaus als gelungen bezeichnet werden, wenn man kein Roots-Purist ist. Auch das flottere „Heaven“ liegt im Geltungsbereich, wobei das abrupte Ende etwas störend wirkt.

Das mit einigen Klangspielereien versehene, pathetische „Easy Does It“, die angejazzten „Hell Ft. Sir Woman” und „Shine On Me” sowie das holprige Abschlussstück „Prevail“ fallen hingegen ab.

Das üppige Arrangement von „My Love Is A Hurricane“ verdeckt zum Teil die Qualität der Songs. Bei einigen entwickelt es allerdings einen eigenen Reiz, dem man erliegen kann. David Ramirez verfügt über eine angenehme und variable Stimme, die als weiterer Pluspunkt zählt. Abgesehen von „Coast To Coast“ sind die stärksten Songs („I Wanna Live In Your Bedroom”, „My Love Is A Hurricane”, „Lover, Will You Lead Me?” und „Hallelujah, Love Is Real!”) im Stream verfügbar, sodass man einen guten Eindruck davon gewinnt, inwieweit der Longplayer auf der eigenen musikalischen Linie liegt.

Sweetworld-Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Pop

Tracks:
01. Lover, Will You Lead Me?
02. Hell Ft. Sir Woman
03. I Wanna Live In Your Bedroom
04. My Love Is A Hurricane
05. Hallelujah, Love Is Real!
06. Heaven
07. Shine On Me
08. Easy Does It
09. Coast To Coast
10. Prevail

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Jimmie Allen – Bettie James – Digital EP-Review

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Dunkelhäutige Musiker sind auch heute noch  in der Countrymusikwelt eher eine Seltenheit. „White Country matters“ möchte man da fast sarkastisch anmerken. Und wenn man ehrlich ist, haben es bisher außer Legende Charley Pride und Darius Rucker (beide sind hier vermutlich bei einem der stärksten Tracks der EP „Why Things Happen“ nicht grundlos vertreten) keine Künstler geschafft, nachhaltig Erfolge zu verbuchen.

Kane Brown, Sunny War, Blanco Brown, Lil Nas X oder Cowboy Troy sind Interpreten (meist aus dem Hip Hop- und Rap-Metier), die mal sporadisch auftauchen, sich aber dann auch wieder schnell ihren Hauptgenres widmen oder halt in der Bedeutungslosigkeit der Countrywelt verschwinden.

Mit Jimmie Allen könnte es zumindest wieder etwas Zuwachs geben. Der bei der 10. Staffel von American Idol (2011) frühzeitig ausgeschiedene 34-jährige Singer/Songwriter hat es geschafft (z. B. unter Mithilfe von Kontest-Gewinner Scotty McCreery), seither präsent zu bleiben und ergatterte sogar beim Broken Bow Gruppen-Unterlabel Stoney Creek Records, Major-kompatible Konditionen, Grundvoraussetzung, um überhaupt im Business mitmischen zu können.

Allen dankte es mit einem erfolgreichen Debütalbum („Mercury Lane“ – Platz 11 in den Country-Album-Charts) und zwei Top-10 Singles („Best Shot“ und Make Me Want To“ – in den Radio-Charts sogar beide Nr. 1). Seine Musik bewegt sich dabei im Stile von Leuten wie Thomas Rhett, Brett Young oder Sam Hunt, etc., die mit ihrem Country-Pop-Strategien ja ebenfalls äußerst erfolgreich unterwegs sind.

Auch sein neues Kollaborationswerk „Bettie James“ (Vater James Allen und seiner Großmutter Bettie Snead gewidmet – beide vor geraumer Zeit verstorben) geht gut an: Die aktuelle Single “This Is Us” mit Noah Cyrus ist die von Fans bislang am schnellsten angenommene Single und verzeichnet bis heute mehr als 25 Millionen Streams. Und das ist eigentlich der belangloseste Track des Werkes!

Die insgesamt sieben Stücke bieten, allesamt für sich gesehen, absolut klasse und modern instrumentierten melodischen, hitverdächtigen Stoff in Duettaufmachung.

Die ganz starke Phase beginnt,  wenn ab „Made For These“ die großen Stars wie Tim McGraw bei „Made For These“ (schön ihn mal wieder singen zu hören, klasse Slide-Solo in der Mitte), Brad Paisley  bei „Freedom Was A Highway“ (herrlicher 90er-Rock der Marke Richard Marx, Mister Mister & Co., filigranes Paisley-E-Gitarrensolo) und besagtes „Why Things Happen“ unter Mitwirkung von Pride und Rucker, ihren speziellen Glanz neben Allen verbreiten.

Allein schon das musikalisch beeindruckende „Why Things Happen“, mit einem plakativen Video ergänzt, bietet sich ja angesichts der vielen diskussionswürdigen Ereignisse, beziehungsweise Vorkommnisse (nicht nur in den USA), nahezu an, hier ein großes Statement zu setzen. Könnte man aus meiner Sicht spielend zu einem der Anwärter zum ‚Song des Jahres‘ bei den einschlägigen Awards gestalten. Den Grammy könnte man wahrscheinlich schon vorbestellen.

Schön und zum Piepen ist auch der schräge Altmänner-Männerchorgesang der Oak Ridge Boys am Ende von „When This Is Over“. Weitere Beteiligte auf der EP sind noch Interpreten wie , Rapper Nelly („Good Times Roll“), die Damen  Mickey Guyton („Drunk And I Miss You“), Rita Wilson und  Tauren Wells („When This Is Over“).

“Ich bin ein Fan jedes Künstlers dieses Projekts, und es war mir eine große Ehre, dass jeder einzelne ein Teil davon war”, sagt Allen über seine Partner bei dieser mit Ash Bowers zusammen produzierten EP. “Jeder hat durch seine Musik das Leben meines Vaters und meiner Großmutter und auch mich berührt. Ich bin stolz auf diese Musik und dankbar für alle Autoren, die mir geholfen haben, „Bettie James“ zu erschaffen.”

Insgesamt ein kluger Schachzug des Labels zum richtigen Zeitpunkt, die Popularität von Jimmie Allen zu festigen, beziehungsweise weiter auszubauen. Könnte glatt zum Abräumer in 2020 avancieren.

Stoney Creek Records / BBR Music Group / BMG (2020)
Stil: New Country (Pop)

Tracklist:
01. Good Times Roll
02. Drunk and I Miss You
03. Made For These
04. Freedom Was A Highway
05. Why Things Happen
06. When This Is Over
07. This Is Us

Jimmie Allen
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