Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

SM_haupt

Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
Samantha Martin & Delta Sugar bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

The Long Ryders – Psychedelic Country Soul – CD-Review

LR_300

Review: Michael Segets

The Long Ryders haben es geschafft, sich innerhalb von fünf Jahren Kultstatus zu erspielen. Mit ihrem progressiven Sound, der zwischen Rock und Country changiert sowie Psychedelic-, Punk- und Garage-Elemente aufnimmt, gelten sie als Vorreiter des Alternativ Country. Wie beispielsweise Green on Red zählen sie zu den Vertretern des kalifornischen Paisley Underground. The Long Ryders orientierten sich aber stärker an den Byrds. Gene Clark wirkte dann auch auf ihrem Debüt „10-5-60“ (1983) mit.

Nach der Bandauflösung im Jahr 1987 fand sich die Band zwar noch sporadisch zusammen, spielte jedoch kein neues Studioalbum mehr ein. Livekonzerte, Zusammenstellungen mit Demoversionen oder Jubiläumsversionen ihrer früheren Werke wurden veröffentlicht, die substantielle Phase der Band schien allerdings vorbei.

Mehr als dreißig Jahren sind ins Land gegangen, bevor jetzt ein Album mit wirklich neuen Tracks der Band erscheint. Bereits im Titel und in der Cover-Gestaltung, die wie gewohnt die (sichtlich gealterten) Bandmitglieder zeigt, wird deutlich, dass „Psychedelic Country Soul“ im Wesentlichen dort weitermacht, wo The Long Ryders ihre Bandgeschichte unterbrochen hatten. Gitarren und Schlagzeug sind allerdings nicht mehr so scheppernd und der Gesang etwas glatter als früher.

Die Songs versprühen weniger Punk-Attitüde, was dem Reifungsgrad der Bandmitglieder geschuldet sein mag. Sid Griffin, Stephen McCarthy, Tom Stevens und Greg Sowders müssen nichts mehr beweisen. Entsprechend leicht und entspannt wirken sowohl die langsameren als auch die meisten Uptempo-Nummern des Albums.

Mit Harmoniegesang in bester Westcoast-Manier stimmt „Greenville“ als Auftakt des Werks in dessen Grundausrichtung ein. In eine ähnliche Kerbe schlägt das sofort ins Ohr gehende „Walls“. Neben den beiden schnelleren Titeln verleugnet auch die Ballade „Bells Of August“ die Herkunft der Band aus dem Sonnenstaat nicht.

Atmosphärisch etwas dunkler angelegt ist das melodiöse „Molly Somebody“ und der gradlinige Rocker „What The Eagle See“, der durch den eingängigen Refrain und die härteren Gitarrenriffs mitreißt. Unheimliche Energie verströmt „All Aboard”, bei dem Sid Griffins Gesang knarziger als auf den anderen Stücken klingt und durch eine kratzige Gitarre unterstützt wird.

Die Gitarrensprengsel auf „Let It Fly“ geben dem Song eine herrlichen Southern-Flair. Mit Geige und mehrstimmigen Background spiegelt er ebenso wie das locker rockende „The Sound“ sowie die mit Slide unterlegte Ballade „California State Line“ das Spektrum des Alternative Country wider, das die Band abdeckt.

Sid Griffin umschifft bei der sanften Ballade „If You Want To See Me Cry” gekonnt eine übermäßige Rührseligkeit. Der Rhythmus im Refrain des langsamen „Gonna Make It Real” setzt sich direkt in den Gehörgängen fest. Insgesamt halten sich ruhigere und rockige Titel auf dem Longplayer die Waage. Psychedelische Elemente sind zurückgenommen und scheinen nur noch im abschließenden Titelstück auf.

The Long Ryders können es noch. Vielleicht wirken die Songs ihres Spätwerks nicht mehr so zukunftsweisend wie in den 1980ern, aber ihr eigenwilliger Sound hat immer noch einen hohen Wiedererkennungswert. Auch heute ist er frisch und interessant, wenn er auch weniger Ecken und Kanten aufweist als früher. „Psychedelic Country Soul“ vereint Westcoast, Alternativ Country und straight gespielten Rock in abwechslungsreicher Mischung. The Long Ryders revolutionieren den Country-Rock nicht mehr, sie bereichern ihn aber souverän mit ihrer Reunion.

Omnivore Recordings/Cherry Red Records/Rough Trade (2019)
Stil: Alternative Country, Alternative Rock

Tracks:
01. Greenville
02. Let It Fly
03. Molly Somebody
04. All Aboard
05. Gonna Make It Real
06. If You Want To See Me Cry
07. What The Eagle See
08. California State Line
09. The Sound
10. Walls
11. Bells Of August
12. Psychedelic Country Soul

The Long Ryders
The Long Ryders bei Facebook
Omnivore Recordings
Cherry Red Records
Rough Trade

Andy Frasco And The U.N. – Change of Pace – CD-Review

Fras_300

Review: Stephan Skolarski

Der amerikanische Keyboarder und Sänger Andy Frasco war ein Party-Typ, wie ihn die Geschichte der Rock-Musik immer wieder hervorbringt. Getreu dem alten Ian Dury Song „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ waren durchzechte Nächte und Drogen Exzesse keine Seltenheit. Sein Lebensstil brachte ihn jedoch nach einem längeren Drogentrip zu der Erkenntnis, dass Kreativität und musikalische Fantasie nicht grenzenlos zur Verfügung stehen.

Das neue Album von Andy Frasco & The U.N., „Change of Pace“, ist daher zunächst einmal aus einem Sinneswandel heraus entstanden – ein Tempowechsel in Form eines Longplayers. Für den Bandleader ist das Werk vor allem eine Verarbeitung seiner „Party-First-Phase“, aber auch ein Schritt in eine andere Lebenssituation.

Produzent Dave Schools, Gründungsmitglied und Bassist der Southern-Rock Band „Widespread Panic“, verhalf Andy maßgeblich durch seine ‚Weckrufe‘ zu diesem Kurswechsel. Seine insgesamt vierte LP ist durch eine Art Studio-Tournee entstanden. In einem abgelegenen Bergstudio in Sonoma County begann dann die Produktionsreise an der Seite von Schools und jeder Song spiegelt die Umgebung der Aufnahme-Orte wieder – sei es das New Orleans ‚Bourbon Street Feeling‘, die Indie Atmosphäre von Los Angeles oder die besondere ‚Energie‘ von New York.

Das Titelstück „Change of Pace“ reitet auf einer gewaltigen Keyboard-Wave und gefühlvollen Gospelgesängen dahin. „Don’t Let it Fool Ya“ beginnt zögerlich und geht dann in einen treibenden RnB-Refrain über. Auf „Love, Come Down“ werden moderne Pop- und Soul-Ansätze miteinander verbunden, die auch von einem Bruno Mars-Album stammen könnten. Ein bluesig, ausufernder Bläser-Rhythmus prägt das dynamische Funk-Stück „Up/Down“. Die wunderschöne Soul/Gospel-Perle „Let Your Mind Be Free“ ist der ausdrucksstärkste und intimste Song, auf dem Andy größtenteils solo performt und im Refrain von harmonisch anmutenden Background-Gospel begleitet wird.

Andy Frascos Band „The U.N.“ besteht aus wenigen Mitgliedern und einer Vielzahl von weiteren Musikern, die als Studiogäste ihr Können in das neue Werk einbringen. So auch in die Vorab-Single „Waiting Game“, die auch gehobene Ansprüche eines puren Soul-Rock erfüllt. Auf „Find a Way“ geht es mit dichten Bläsersätzen wieder deutlich funkiger zur Sache. Das letzte Stück „Don’t Let the Haters Get You Down“ erinnert an das Pogues-Feier Lied „Fiesta“ und Andy Frasco beendet das Album somit stilecht nach seinem früheren Motto: „What Happened Last Night?“

Der Blues-Rock der Vorgänger-Alben kommt nicht so stark zur Geltung. Die Pfade führen Andy Frasco & The U.N. eher zu hippen Soul-Rock und R&B-Sounds. Auf dem Blues und Jazz Festival in Bamberg 2016 wurde sein feuriges Live-Album „Songs From The Road“ aufgenommen und auch das Konzert bei Rock am Ring öffnete ihm nicht nur hierzulande die Pforte zu einer treuen Fan-Gemeinde. Mit „Change of Pace“ reiht sich Andy Frasco spätestens jetzt in die Garde erfolgreicher „Tasten-Bandleader“ ein.

Rough Trade (2019)
Stil: Soul, Blues-Rock, R&B

01. Change of Pace
02. Don’t Let it Fool Ya
03. Love, Come Down
04. Up/Down
05. Let Your Mind Be Free
06. Waiting Game
07. Somedays
08. Find A Way
09. Can’t Force Love
10. The Walk
11. Don’t Let the Haters Get You Down

Andy Frasco And The U.N.
Andy Frasco And The U.N. bei Facebook
Oktober Promotion

Tommy Castro & The Painkillers – 17.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Castro_haupt

Tommy Castro & The Painkillers standen bei mir dieses Jahr ganz oben auf meiner To-Do-Liste, zum einen, weil die Band zu meiner eigenen Schande in Sachen Live-Auftritte bisher absolut an mir vorüber gegangen ist und nicht zuletzt wegen ihres mir einzig bekannten Albums „Stompin‘ Ground“, das mir außerordentlich gut gefiel.

Pünktlich, auftragsgetreu und zielgerichtet wie echte Killer, legten Leader Tommy Castro, Langzeitweggefährte Randy McDonald, mit seinem mintgrünen Bass, Tastenvirtuose Mike Emerson und Schlagzeuger Bowen Brown um 20:00 Uhr mit dem funkigen Instrumental „Shakalak“ den Grundstein für einen vor Spielfreude strotzenden Gig.

Gebracht wurde ein Querschnitt aus Castros seit 1994 währender Karriere, durchzogen mit ein paar Covernummern von schillernden Musikern wie Taj Mahal, Buddy Miles, John Lee Hooker und Elvin Bishop. Protegiert wurde dazu ihr aktuelles Werk „Killin‘ It Live“, eine, wie der Titel es schon andeutet, ebenfalls in dieser Form gestaltete Live-Scheibe, aus der dann gleich sieben Stücke performt wurden.

Castro konzentrierte sich insgesamt mehr auf den klassischen Blues Rock alter Schule, die zum Teil recht radiofreundlichen Tracks von „Stompin‘ Ground“ blieben außen vor, was man an den hier gebrachten Tracks wie „Blues All Around Me“, „Enough Is Enough“ und Them Changes“ dieses Werks erkennen kann.

Was herausstach war die freundliche und sympathische Bühnenpräsenz der Kalifornier, die zudem in eine begeisternde, wie schon oben angedeutete Spielfreude mündete. Tommys unzählige filigrane, quirlige und zum Teil regelrecht furiose E-Gitarren-Soli (z. B. bei John Lee Hookers „Serves Me Right To Suffer“) auf seiner eigens für ihn konzipierten Delaney-Castrocaster (nur einmal beim Trump-kritischen „Enough Is Enough“ wechselte er zur Gibson Les Paul, wo er dann kurz auch seine Slide-Künste andeutete) und Mike Emersons variables Tastenspiel mit viel Honkytonk-Geklimper, Orgelgeschwurbel und E-Piano-Geglucker, standen dabei meist im Rampenlicht.

Die unaufgeregt agierende Rhythmusfraktion mit Randy McDonald und Bowen Brown konnte sich mit zwei kurzen Soli an ihren Instrumenten und Harmoniegesängen profilieren. Nach dem Buddy Miles-Klassiker „Them Changes“ zum Ende des Hauptsets gab es dann fulminant abgehenden Southern Rock mit Elvin Bishops „Party ‘Til The Cows Come Home“ und den Rausschmeißer „Common Ground“ vom 2015er-Album „Method To Madness“ als Zugabendank für die tolle Stimmung im Publikum.

An diesem launigen Abend im Dortmunder Musiktheater Piano ist es Tommy Castro und seinen Painkillern bestens gelungen, den Schmerz, den das heutige Leben nun mal teilweise so mit sich bringt, musikalisch vergessen zu lassen – auf jeden Fall zumindest für gute 105 Minuten! Insgesamt ein toller, mitreißender Killer-Gig des Quartetts aus San Francisco!

Line-up:
Tommy Castro: Lead vocals, electric and slide guitar
Randy McDonald: Bass, vocals
Mike Emerson: Keyboards
Bowen Brown: Drums, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tommy Castro & The Painkillers
Tommy Castro & The Painkillers bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Andreas Diehlmann Band – Your Blues Ain’t Mine Tour, Live 2019 – CD-Review

ADB_300

Review: Jörg Schneider

Gerade erst hat Andreas Diehlmann sein beachtenswertes und starkes Album „Your Blues Ain’t Mine“ veröffentlicht, da schiebt er auch schon ein Live-Album mit gleichnamigen Titel nach. Eingespielt hat er es natürlich in seiner Heimatstadt Kassel im Liveclub „Theaterstübchen“, wieder begleitet von Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an der Schießbude. Außerdem liefert Volker Zeller auch wieder gesangliche Unterstützung.

Obwohl der Titel beider Alben gleich ist, ist es der Inhalt nicht. Nur drei Songs haben es vom Studioalbum aufs Livealbum geschafft. Das ist zum Einen natürlich der namensstiftende Titelsong beider Alben „Your Blues Ain’t Mine“, sowie die beiden Stücke „I Don’t Know“ und „Head Down Low“. Alle drei Stücke klingen im Vergleich zu den Studioaufnahmen dank Diehlmanns präsenter abgemischten, rauchigen Stimme mit Assoziationen an whiskeydurchtränkte Nächte, ‚dreckiger‘ und damit noch authentischer und ehrlicher.

Ansonsten ist der Longplayer prall (insgesamt 14 Tracks) mit neuem Material gefüllt. Wobei neu relativ zu verstehen ist, denn bei 5 Songs handelt es sich um bärenstarke Coverversionen von Peter Greens „Oh Well“, die durch Hendrix bekannt gewordenen Stücke „All Along The Watchtower“ und „Hey Joe“, sowie die Klassiker „Going Down“ von Don Nix und „Purple Rain“ von Prince.

Die restlichen Songs bewegen sich zwischen rhythmisch stampfenden und southernmässig angehauchten Melodien mit ZZ Top-Einschlag („Come On And Get It“) und einem, wie es sich gehört, zum Abzappeln einladenden, zündenden Rock’ n Roll Shuffle („Rita“). Mit „Gone“ und „Hard Times“ stehen dann zwei weitere typische Bluesnummern auf dem Programm.

Der erstere Titel ist ein schöner Slowblues in Moll und das andere Stück ein klassischer Chicagostyle Blues mit filigranen, teils aber auch schrammelnden Riffs im Mittelteil. Mit „Gonna Raise Hell“ geht‘s dann noch einmal richtig heavy zur Sache: ein pumpender Rocksong, der auch aus der Feder einer Metalband stammen könnte.

Insgesamt also ein starkes, authentisches Album auf dem Andreas Diehlmann und seine Jungs ihre besonderen Livequalitäten offenbaren. Und Diehlmanns Stimme ist, wie gesagt, Blues pur. Jungs, ihr müsst unbedingt auch mal in unseren Gefilden live zu sehen und zu hören sein. Wir warten auf Euch!

Eigenproduktion 2019
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Oh Well
02. Come On And Get It
03. Gone
04. Your Blues Ain’t Mine
05. All Along The Watchtower
06. I Don’t Know
07. Going Down
08. Rita
09. Hard Times
10. Opposites Attract
11. Head Down Low
12. Gonna Raise Hell
13. Hey Joe
14. Purple Rain

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook

HER – Black And White – CD-Review

Her_300

Nach ihrem launigen Konzert im Kölner Yard Club vor gut zwei Wochen überreichte uns Monique Staffile auch ihr neues Studiowerk „Black And White“ zum Reviewen.

Die CD kommt diesmal Coverart-technisch in einem recht spartanisch gehaltenen, passend zur Thematik, gewählten schwarz-weiß bedruckten Papp-Schuber, wobei sich auf der Rückseite, nebst zweier Gesichtsausschnitte von Monique an den Rändern, alle relevanten Infos zum Album befinden (Titel, Musiker, etc.).

Während ihres Gigs hatte sie bereits Stücke wie „A Plan“, „You Don’t Want Me Anymore“, „Black And White“ und das emotionale, einigen bereits Verstorbenen in Moniques Bekanntenkreis gewidmete „Right Now“ – auf diesem Longplayer der melodischste und emotionalste Track – bereits vorgestellt. Hier im Studio klingt alles natürlich deutlich besser und klarer ausgesteuert als auf der Bühne.

Zu meinem persönlichen Leidwesen, gibt es auch diesmal keinen Schwenk zurück zu ihrer mehr Countryrock-umwehten Her & Kings County-Zeit. Sie und ihr musikalischer Gefährte Caleb ‚KBC‘ Sherman, der wieder vom Songwriting, instrumentellen Wirken bis zur Produktion eingebunden ist, haben sich weiterhin in einen aufmüpfigen New Wave-umwitterten Poprock kalibriert, sei es britischer, aber auch durchaus deutsch anmutender Natur, wobei mir hier Acts wie Nina Hagen oder Ideal in den Sinn kommen.

Aufgrund Moniques gut zu dieser Stilart passenden Rotzgöhren-Stimme kann dies auch durchaus nachvollzogen werden. Auf meinem Notizzettel habe ich neben dem treibenden „You Don’t Want Me Anymore“ und „Right Now“, noch das in Siebziger Rockmanier stampfende „Hide“ (klimpriges Piano), das atmosphärisch schleichende „Oh My God“ sowie das Hagen-mäßig schrille Synthie-trächtige „Make Believe“ als Anspieltipps vermerkt.

Fazit: Die aus Brooklyn stammende und in Nashville lebende Monique Staffile, alias HER, hat ihren Stil gefunden und geht diesen Weg konsequent weiter. Ihre neue CD „Black And White“ bietet klare Kante, kaum Schattierungen dazwischen und somit ganz viel New York und so gut wie gar kein Tennessee mehr.

Eher weniger meine Welt, vor allem nicht im heimischen Wohnzimmer, aber was bleibt, ist natürlich weiterhin der große Sympathiebonus, denn Monique trägt das Herz am rechten Fleck.

Eigenproduktion (2019)
Stil: New Wave / Rock / Pop

01. Break Me
02. A Plan
03. You Don’t Want Me Anymore
04. Black And White
05. Hide
06. Oh My God
07. Strike A Fire
08. Right Now
09. Make Believe
10. Love Story

Her
Her bei Facebook

Wucan – Support: Motorowl – 09.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Wu-haupt

Zwei junge deutsche Bands machten Halt im Dortmunder Piano, wo neben Blues und Classic Rock-Acts auch anderen Musiksparten immer wieder die Tore geöffnet werden. Wucan, ein Dresdener Quintett, welches sich unter anderem auch schon im Rahmen des Rockpalasts erste Sporen verdienthat, hatte dabei die Newcomer von Motorowl mit im Schlepptau. In dieser Zusammensetzung gelang es, das Piano mit über 200 Besuchern ganz gut zu füllen.

Gegen 20:15 Uhr eröffneten dann Motorowl den Abend. Unter psychedelischen Klängen betraten die fünf Musiker die zunächst dunkel ausgeleuchtete Bühne, um einen etwa 45 Minuten währenden, laut krachenden progressiven Gig hinzulegen. Nicht umsonst hatte Jenny Dore an der Kasse ein großes Gebinde an Ohrenstöpseln hingestellt. Einige der Besucher nahmen das Angebot im Laufe des Konzertabends dann noch gerne an.

Die Fünf aus Thüringen performten einen Querschnitt aus ihren beiden Platten „Om Generator“ und „Atlas“ und konnten die Zuschauer mit ihrer Dynamik dazu bringen, entsprechend mitzugehen. Die Zusammensetzung des Publikums war dabei schon beachtlich. Die Spanne ging vom Alter her von 18 bis über 60 und vom Kuttenträger über Hippie-ähnliche Typen bis hin zu „Normalos“.

Motorowl warteten für ihr noch junges Alter schon mit einer entsprechend dem Genre, beachtliche Bühnenpräsenz auf. Heavymäßig flogen die Haare und an Posen wurde nicht gespart. Neben stampfendem progressiven Heavy Rock belebten immer wieder psychedelische, oft düstere Elemente die Stücke, wobei das Keyboardspiel ein schöner Gegenpart war gegenüber den treibenden Gitarren, Bass und Schlagzeugspiel darstellte. Mit etwas mehr Erfahrung werden sie in Zukunft eventuell darauf verzichten, den Sound so laut abmischen zu lassen, dass man sich nahe des gesundheitsschädigenden Bereichs befindet.

Gegen 21:15 Uhr ging es mit Wucan weiter. Nach einer kurzen Begrüßung durch Francis Tobolsky, die, wie es sich für eine Fronterin gehört, zwischen den Songs kurze Ansagen machte, legten die vier Musiker fulminant los und brachten Publikum direkt in Stimmung.

Tobolsky, zunächst mit Gitarre bewaffnet, fast im Partnerlook zum Gitarristen Tim George in schwarzer 70er Glitzerhose, legte mit ihren Kumpanen einen Sound hin, derstilistisch vielfach in den 70er oder 80er Jahren seine Grundlage hatte. Vorweg gesagt, es handelte sich dabei um keinen Abklatsch alter Rockhelden, sondern um einen progressiven, meist harten Rockstil, den man selbst eher dem Krautrock zuordnet.

An diesem Abend konnten man die neue Generation dieses Genres erleben, oder an den Heavy Flute Rock, anlehnend an die Querflöte, welche die Fronterin in den meisten Tracks als Stilmittel passend zum Gitarrenspiel einsetzt und in dieser Form eine Art Alleinstellungsmerkmal abgibt.

Alexander Karlisch am Bass, der mit Hut und Kleidung auch in einer Southern-Rockband gut aufgehoben gewesen wäre und Philip Knöfel an den Drums legten in allen Liedern eine klanglich gut differenzierte Rhythmusarbeit für den fetten Sound der Band hin.

Gelungen war auch der erfrischend vorgetragene Coversong „Zwischen Liebe Und Zorn“ der DDR-Hadrockband Renft. In einem Konzert ohne Längen, trotz der meist ausgiebigen Stücke (neun in über 80 Minuten) ragten für mich die Extended Version von „Aging Ten Years In Two Seconds“ mit mehreren Tempivariationen, Wechsel von Gitarre und Querflöte als Leadinstrument samt einer Gesangsbreite von Francis und das hardrockende „Looking in The Past“ hervor.

Aber auch „Father Storm“ und „Wandfermann“ vom „Sow In The Wind“-Album sowie „Dobetrotter“ vom aktuelllen Longplayer „Vicarma“ konnten die Fans überzeugen. Neben den angesprochenen Instrumenten, die in dieser Zusammensetzung nicht alltäglich sind, setzte Fronterin Francis Tobolsky auch am Theremin nicht oft zu hörende Akzente. Dieses Theremin ist manch einem unter diesem Begriff vielleicht nicht geläufig, aber vielen durch „Whole Lotta Love“ von Led Zep bekannt.

Es ist durchaus als Vorgänger der Synthesizer zu sehen, die einst ein gewisser Herr Moog dann weiterentwickelte. Beim LZ-Evergreen war dieses Instrument für die infernalischen Klangteppiche in der Mitte des Songs verantwortlich. Mit dieser Mischung alter und in der Musikwelt aktueller Instrumente, gelang es Wucan an diesem Abend sowohl das jüngere Publikum, wie auch die älteren, die mit den Rockdinos aufgewachsen sind, zufrieden zu stellen.

Es ist schön zu realisieren, dass es immer wieder Acts gibt, die den alten Spirit der Rockmusik in moderner Form weiter- oder wieder aufleben lassen. In diesen Geist passte auch die Zugabe, zu der auch die Vorband Motorowl auf die Bühne zurückkehrte. Kurz davor, während die Band weiterspielte, rezitierte Francis Tobolsky aus dem Buch „Sri Isopanisad“, in dem es über zeitlose Weisheiten für den inneren Frieden geht, und einem der Gott Krsna näher gebracht werden soll. Schnell wurde, während die Gitarristen schon jammten, das zweite Schlagzeug aufgebaut und alle Musiker läuteten gemeinsam das Ende eines gelungenen Konzertabends ein.

Der war wie immer aber erst nach dem Besuch am Merchandisestand vorbei, wo sich die Musiker ausgiebig Zeit für Fragen und Signaturwünsche nahmen.

Ein Dank wie immer an Jenny Dore für die Akkreditierung, das wie immer freundliche Team des Piano und die Geschwindigkeit einer E-Mailanfrage an die Band Wucan bezüglich des Konzertes, die noch am selben Vormittag beantwortet wurde.

Line-up Motorowl:
Max Hemmann – Guitar/Vocals:
Vinzenz Steiniger – Guitar:
Martin Scheibe – Drums
Tim Camin – Bass
Daniel Dettlev – Keys

Line Up Wucan:
Francis Tobolsky – Vocals, Flute, Guitar, Theremin,
Tim George Guitars
Alexander Kurlisch – Drums
Philip Knöfel – Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Wucan
Wucan bei Facebook
Motorowl
Motorowl bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Hayes Carll – What It Is – CD-Review

Carll_300

Review: Michael Segets

2017 heimste Hayes Carll sieben Austin Music Awards ein, im Jahr davor erhielt sein Song „Chances Are” in der Interpretation von Lee Ann Womack eine Grammy-Nominierung als bester Country-Song. Nun möchte der Texaner aus Houston mit seinem sechsten Album „What It Is“ an seine Erfolge anknüpfen.

In seinen aktuellen Texten entwirft Carll allerdings keine großen Zukunftspläne und arbeitet auch die Vergangenheit nicht auf, wie es Singer/Songwriter des Öfteren tun. Stattdessen propagiert er das Leben im Moment. „Es ist, wie es ist“ lautet eine frei übersetzte Zeile aus dem Titelstück. Das ständige Hinterfragen verhindert den Genuss des Augenblicks. Manchmal ist es für ihn hilfreicher, etwas auf sich beruhen zu lassen. Diese Grundaussage lässt sich aus den beiden starken Songs „None’ya“ und „Things You Don’t Wanna Know“ heraushören.

Carll, der für seine klaren, oft mit einer Portion Sarkasmus gewürzten Worte bekannt ist, hält sich auf „What It Is“ mit politischen Äußerungen weitgehend zurück, auch wenn diese in manchen Zwischentönen wie bei dem rockigen und mit schönen Twang versehenen „Times Like These“ anklingen. So fällt „American Dream“ anders als vielleicht erwartet, nicht als bittere Abrechnung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit in den Staaten aus. Die fast sanfte Melodie lädt sogar eher zum Träumen ein.

Die Songs erwecken den Eindruck, dass sie Carll mühelos von der Hand gehen. Manchmal erscheinen die Stücke aber etwas zu eingängig und gewollt arrangiert. Die Streicher auf „Be There“ oder auf „Fragile Men“, bei dem ihre Passagen beinahe orchestrale Ausmaße annehmen, sind mir etwas zu viel, obwohl auch die Songs durchaus ihre Qualitäten haben. Geige und etwas Slide untermalen das vorab ausgekoppelte „Jesus And Elvis“ hingegen sehr stimmungsvoll.

Die für Americana- und Country-Musik typischen Instrumente setzt Carll abwechslungsreich ein. Beim Titelsong „What It Is“ sind Banjo sowie Mandoline zu hören, bei „Beautiful Thing“ ein Klavier und beim bluesigen „Wild Pointy Finger“ eine Mundharmonika.

Die Titel der Scheibe sind überwiegend im unteren Tempobereich angesiedelt, wobei sie nie langweilig werden. Es finden sich ebenfalls einige schnellere Country-Nummern. Zu diesen zählt „If I May Be So Bold“. Der Song hätte auch auf „No Free Lunch“ von Green On Red gepasst. Die Klangfarbe von Hayes Carlls Stimme ist allerdings eine gänzlich andere als die von Dan Stuart. Carll variiert seine angenehme Stimme bei den verschiedenen Songs und lässt sie mal weicher, mal kratziger klingen.

Insgesamt zeigt sich der Singer/Songwriter auf „What It Is” musikalisch und textlich entspannt. Ob es Hayes Carll gelingt, den Erfolg der Vorgänger „KMAG YOYO“ (2011) und „Lovers And Leavers“ (2016) fortzusetzen, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es ihm.

Dualtone Records (2019)
Stil: Americana/Country

Tracks:
01. None’ya
02. Times Like These
03. Things You Don’t Wanna Know
04. If I May Be So Bold
05. Jesus And Elvis
06. American Dream
07. Be There
08. Beautiful Thing
09. What It Is
10. Fragile Men
11. Wild Pointy Finger
12. I Will Stay

Hayes Carll
Hayes Carll bei Facebook
Oktober Promotion
Dualtone Records

Jess Klein – Back To My Green – CD-Review

Klein_300

Review: Michael Segets

2015 gab Jess Klein in der Solinger Cobra ein Akustikkonzert vor kleinem Publikum – aber mit großartiger Atmosphäre. Gerade aus Paris angereist, wo sie vom Musikerkollegen Mike June einen Heiratsantrag bekommen hatte, spielte sie eine exquisite Auswahl ihres Backkatalogs und einige Titel ihres hervorragenden, damals aktuellen Albums „Learning Faith“. Auf dem Konzert beeindruckte die sympathische Jess Klein einerseits durch ihr sensibles und fast schon verletzlich wirkendes Auftreten, andererseits zeigte sie auch kämpferische und trotzige Züge.

Beide Facetten spiegelten sich seinerzeit in ihren Songs wider und lassen sich auch auf dem neuen Longplayer „Back To My Green“ ausmachen, der als CD Ende letzten Jahres und als Download seltsamerweise gerade erst erschienen ist.

Auf ihm charakterisiert sich Jess Klein mit „Tougher Than I Seem“ so, wie ich sie wahrgenommen hatte. Der ruhige Titel reiht sich nahtlos in ihr bisheriges Schaffen ein und besticht durch seine melodische Ausgewogenheit und ihren Gesang, mit dem sie viele Gefühle transportieren kann.

Mit poetischen Texten und Leidenschaft in der Stimme bearbeitete sie teils sehr persönliche Erfahrungen, Emotionen und Gedanken. Der Introspektion widmet sich Klein auf den beiden eingängigen Midtempo-Stücken „In Dreams“ – mit Streichern und kräftigem Schlagzeug – und dem sanfteren „Back To My Green“.

Auf ihrem aktuellen Album schlägt sie ungewohnt sozialkritische Töne an, wie bei der akustisch gehaltenen Folkballade „New Thanksgiving Feast“, die von den variablen und unverwechselbaren Vibes ihres Mezzosoprans lebt, oder bei „Blair Mountain“. Jess Klein erweitert mit dem letztgenannten Song das Klangspektrum ihres Werks, indem sie mit kratziger Gitarre – einschließlich einigen Rückkopplungen – und dramatischem Refrain rockt. „Blair Mountain“ zählt für mich zu den besten Songs, die ich dieses Jahr entdeckt habe.

Das erdige „Gates Of Hell“ überzeugt ebenfalls, wobei der gospelartigen Background besonders hervorsticht. Sehr gelungen ist auch das dynamische und mit schöner Gitarrenarbeit versehene „Mammal“.

Gefällig, vielleicht durch die Arrangements an einzelnen Stellen leicht überladen, entwickeln die letzten drei Titel „The Girlz“, „Kid“ und „I Hear Love“ weniger Ohrwurmqualität als die vorherigen Stücke des Albums oder einige Songs ihrer früheren Werke, die immer wieder den Weg auf meine Sampler und Playlists finden.

Jess Klein verzaubert nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf ihren Longplayern mit lyrischen Texten, wunderbaren Melodien und Songstrukturen, die sich festsetzen. In Kombination mit ihrer intensiven Stimme, die den Spagat zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft vollführt, ziehen viele Kompositionen direkt in ihren Bann. „Back To My Green“ bietet einige dieser besonderen Momente, wobei die erdigen und rockigen Elemente, die Jess Klein neu in ihren Sound aufnimmt, ihr sehr gut stehen.

Zur Refinanzierung der Produktionskosten von „Back To My Green“ rief Jess Klein einen Kickstarter ins Leben, der zurzeit noch läuft. Eine Empfehlung lautete daher, die exklusiven Angebote auf der Seite zu sichten.

Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. In Dreams
02. Tougher Than I Seem
03. Mammal
04. Blair Mountain
05. Back To My Green
06. New Thanksgiving Feast
07. Gates Of Hell
08. The Girlz
09. Kid
10. I Hear Love

Jess Klein
Jess Klein bei Facebook
Bluerose Records
Soulfood
Cobra

Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BC_haupt

Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
Ina Forsman bei Facebook
Ally Venable
Ally Venable bei Facebook
Katarina Pejak
Katarina Pejak bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment