Todd Thibaud Band – 28.04.2026, JuBB, Essen-Werden – Konzertbericht

Im Americana-/Roots Rock-Bereich ist in unserem Magazin ja mittlerweile der geschätzte Kollege Michael Segets federführend, allerdings habe ich hier auch meine Kenntnisse, Erfahrungen und Präferenzen.

Todd Thibaud steht dabei schon seit vielen Jahren/Dekaden ganz oben, den ich in verschiedensten Konstellationen live mehrfach gesehen habe, wie mit seiner eigenen Band, Hardpan oder auch im Verbund mit Joseph Parsons.

In den letzten Jahren habe ich ihn, selbstverschuldet oder nicht, ein wenig aus den Augen verloren und nur eine CD-Besprechung im Rahmen seines weiteren Projekts, Water And Sand, zur Kenntnis genommen.

Da passte es momentan hervorragend, dass er diesmal (wieder unter eigenem ‚Label‘ mit Band) im beschaulichen, direkt an der Ruhr gelegenen Essen-Werden, nur knapp zwanzig Minuten von meiner Arbeitsstelle im Essener Zentrum, im dortigen Jugend- und Bürger Zentrum (JuBB) nochmals vorstellig wurde.

Der Macher der Location, Gerd Dubiel, sorgte für eine spontane und unkomplizierte Akkreditierung, obwohl das Konzert bereits restlos ausverkauft war (vielen Dank dafür nochmals nachträglich).

Todd Thibaud sah nach den vielen Jahren eigentlich aus wie in Erinnerung. Körperlich gut in Schuss, nicht ein Haar ergraut oder ausgefallen, lol. Er bediente eine Rickenbacher im Rahmen des Rhythmusgitarrenspiels und hatte naturgemäß die Centerposition am Mikro in Sachen Lead vocals inne. Auch seine beiden etatmäßigen Mitstreiter Robert Juliano (der leistete die quirlige E-Gitarren-Soloarbeit an der gewohnten Telecaster und Harmoniegesänge) und Sean Staples (Rhythmusgitarre und die zirpende Mandoline, Harmoniegesänge) wirkten wie unverändert.

Die routinierte Rhythmusfraktion bestehend aus Chris Anzalone an den Drums und Ed Valauskas am Bass (auch Harmoniegesänge), die auch auf Thibauds neuem Album „Alchemy“ mit dabei sind, bildeten das gewohnt gute Fundament bei Thibaud-Auftritten.

Das neue Werk, das offiziell erst am 22. Mai erscheinen wird, stand natürlich mit vielen Tracks (u. a. „Follow“, „Fight Or Flight“, „Farewell So Long“, „Good Things Now“, „Alchemists“ „Saviour und „Heaven’s On The Move“), die beide gespielte Sets durchzogen, dann auch im Mittelpunkt.

Auffallend der recht rockige Charakter der neuen Stücke(herrlich vor allem das seiner verstorbenen Mutter gewidmete „Mother Comfort“ war ein Highlight. Die Thibaud-typischen balladesken Momente, die man natürlich auch nicht missen möchte, wurden älteren Tracks überlassen wie z. B. einem meiner Alltime Favorites „Louisiana“ oder „Anywhere“. Weitere Klassiker wie „Long Way Down“ (im Andenken an Chris Burroughs) oder „Is It Love“ durften natürlich nicht fehlen.

Am Ende betonte Todd wie sehr er sich doch in unseren Landen über die knapp dreißig Jahre hinweg immer wohlgefühlt hat und bedankte sich ganz herzlich bei seinen Live-Supportern im Saal. Seine Empathie mit dem Publikum unterstrich er dann auch mit gleich drei Zugaben, wie u. a. der fast in Black Crowes-Manier rockende Stones-Hit „Tumbling Dice“ und „4th of July“.

Ein, wie immer,  toller Abend mit Todd Thibaud mit seinen Mannen und man kann nur hoffen, dass das ‚Farewell‘-Motto, das über der weiterführenden Tour schwebt, nicht das letzte Wort ist und gegebenenfalls nochmal überdacht wird. Unsere Arme werden jedenfalls weiter offen gehalten sein!

Line-up:
Todd Thibaud – lead vocals, electric guitar
Thomas Juliano – electric guitar, bgv
Sean Staples – mandolin, electric guitar, bgv
Ed Valauskas – bass, bgv
Chris Anzalone – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Todd Thibaud
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Blue Rose Records
Jugend- und Bürgerzentrum, Essen-Werden

Krissy Matthews & The Vikings – Rock And Roll Soldier – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Es ist ja schön, wenn Kinder früh mit Musik und Instrumenten in Berührung kommen. Wenn Krissy Matthews in seiner Biographie allerdings schreibt, er sei als Dreijähriger mit seinem Vater beim Roy-Orbison-Hit „Pretty Woman“ auf der Bühne gestanden, kann man sich schon fragen, was Little Krissy da wohl hat gemacht hat. Sei’s drum.

30 Jahre später ist der britisch-norwegische Gitarrist ein angesehenes Mitglied der Blues Rock-Szene. Er gehört zum Stammpersonal der Hamburg Blues Band und war auch schon mit Layla Zoe auf Tournee. Auf der CD „Krissy Matthews & Friends“ von 2024 hat er sich mit zahlreichen Mitmusikern umgeben, wobei „Ain’t Got No Troubles On The Road“ mit Chris Farlowe sicher ein Höhepunkt war.

Auch sein neues Werk, aufgenommen mit seinen norwegischen Weggefährten Trond Hansen (Bass) und Kare Amundsen (Schlagzeug), weist etliche Gäste auf. Dabei dürfte der amerikanische Gitarrist Tommy Castro, flotte 71 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, wohl der renommierteste sein. Wenn’s um Krissy Matthews geht, fällt gern mal der Begriff Hansdampf in allen Gassen. Beim rauen, ungeschliffenen Titelsong „Rock ’n‘ Soldier, der anders geschrieben wird als auf dem Cover, lässt der Hans gleich mal mächtig Dampf ab (sorry, das konnten wir uns jetzt nicht verkneifen).

Weiter geht’s mit dem „44 Blues“, im Original ein Piano-Blues von Roosevelt Sykes aus dem Jahr 1929, dem Matthews ein treibendes Blues-Rock-Gewand verpasst hat. Wenn man so will, ersetzt Will Wilde mit seinem kernigen Mundharmonikaspiel das Piano. Stark! Mit dem Cover „Fell In Love With A Girl“ von den White Stripes vollzieht Krissy eine Art Kehrwende. Tora Daa säuselt geradezu lieblich ins Mikro, ehe sich Matthews mit seinem Gesang und der Gitarre einmischt und die Sache geraderückt.

Später gibt’s denselben Song noch einmal. Nur hatte Joss Stone 2003 in ihrer Version aus dem „Girl“ einen „Boy“ gemacht. Jetzt hat Silje Hagen den Gesangspart mit einem kräftigen Schuss Soul in der Stimme übernommen.

Der „Pharao Blues“ ist ein kraftvoller Blues Rocker mit Tommy Castro an der zweiten Gitarre nach dem Motto: Zuerst spielt der eine ein Solo, dann der andere – danach geht’s von vorn los, und Stina Stenerud mischt als Sängerin auch noch mit.

Songs mit einem „Catfish“ im Titel gibt es einige. So alt wie der, den
Matthews & The Vikings interpretieren, dürfte keiner sein. Das Original, ein akustischer One-Man-Blues von Robert Petway, stammt aus dem Jahr 1941. Die kürzeste Beschreibung für Krissys Version: Gitarre satt. Die CD beschließt „Sjitfest“, ein Gitarren-Boogie mit Hans Theessink als Gast. Dazwischen gibt’s mit „Mormor“ auch mal einen Rock ’n‘ Roll alter Schule.

Ruf Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock ’n‘ Roll Soldier
02. 44 Blues
03. Fell In Love With A Girl
04. Pharo Blues
05. Teasin‘ Times
06. Tore Hund
07. Fell In Love With A Boy
08. Mormor
09. Catfish
10. Sjitfest

Krissy Matthews
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Mike Zito – Outside Or The Eastside – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit seiner neuen Scheibe “Outside Or The Eastside” findet US-Blues-Gitarrist Mike Zito über die autobiografische Reflektion zurück in seine Geburtsstadt St. Louis, Missouri, und erzählt in seinen Songs Geschichten über urbane Lebenswelten. Dort, wo seine Karriere begann, legt der Titelsong einen rasanten Einstieg hin und treibt mit seinem Lead-forcierten Rhythmus den Refrain „but you can’t stay here“ nach vorn. Slow-bluesig kommt hingegen die “Downtown At Midnight” durch dunkle Straßenfluchten und schildert individuelle Schicksale: “the damage is done” bildet im Chorus den Kern einer harten Realität. Einen Hauch von Optimismus verbreitet dagegen der funkige Groove von „Grand Avenue“: Widerstandsfähigkeit und Überlebenskunst bleiben neben Humor und Musik feste Größen im versöhnlichen Alltag der Großstadt.

In diesen Kontext der Beständigkeit integriert Mike Zito Coverversionen großer Blues-Titel, die eine autobiografische Verbindung herstellen und dem Werteverfall zeitlose Schönheit entgegensetzen. Dazu zählt auch die ungezwungen erfrischende Interpretation von Lonnie Brooks’ „Don’t Take Advantage of Me“ (1983), ebenso wie die härtere Gangart in „Too Broke To Spend the Night“; Buddy Guys Blues Rock von 1991 in neu belebter Fassung. Wer sich im etwas älteren Chicago-Blues-Songbook auskennt, wird zudem auf weniger bekannte Meisterwerke stoßen, etwa „Just Like I Treat You“ von Willie Dixon, ursprünglich 1962 von Howlin’ Wolf veröffentlicht und hier von Mike Zito in nahezu doppelter Länge interpretiert. Der Rhythm ’n‘ Blues Stomper erscheint im neuen “Gewand” noch intensiver, als die Aufnahme der Stones von 2016.

Auch “Down Don’t Bother Me” von Albert King aus 1967 ist eine dieser Perlen, die auf “Outside Or The Eastside” fast 60 Jahre später eine funkige Transformation erleben. Diese neue Klangfarbe erscheint beim Klassiker von Nina Simone “Do I Move You?” (1967) durch Zitos Guitar-Work – anstelle des ursprünglichen Harp- Background – im contemporary Blues-Sound. Ein Cover von “The Blues Lover” (Roy Buchanan, 1987) abschließend auf das Album zu nehmen, zeigt, dass Zito die Kunst der Live Jam Improvisation (beim über 8 minütigen Track) auch als Reminiszenz an den einflussreichen Blues Rock-Musiker versteht.

Mit “Outside Of The Eastside” legt Mike Zito ein Album vor, das Lebenserinnerungen an die Heimatstadt St. Louis in sozialkritischen Songs verarbeitet und gleichzeitig gegen wirtschaftlichen Niedergang und Dekadenz eine zweite Chance fordert. So wie er sie für sich und seine Familie erhalten hat und mit gefühlvoller Dankbarkeit auch an Cover-Versionen des Albums weitergibt. Entstanden ist eine profilierte Blues Rock- Scheibe, die weit über den Titel hinaus, hierfür im breiten Spektrum des Genres ein engagiertes Zeichen setzen will.

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Outside Or The Eastside
02. Don’t Take Advantage Of Me
03. Kiss You All Over
04. Downtown At Midnight
05. Grand Avenue
06. Too Broke To Spend The Night
07. Just Like I Treat You
08. Down Don’t Bother Me
09. Do I Move You
10. Close To You
11. The Blues Lover

Mike Zito
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Jackson Dean – Magnolia Sage – CD-Review

Mit dem aus Maryland stammenden Jackson Dean veröffentlicht einer derzeit angesagtesten Songwriter in der New Country-Szene mit „Magnolia Sage“ sein drittes Studio-Album unter Major Flagge (dem Big Machine Nachfolger Blue Highway Records).

Nach diversen Platin- und Gold-ausgezeichneten Single-Erfolgen („Don’t Come Lookin'“, „Fearless (The Echo)“) und einer ACM-Nominierung als bester neuer männlicher Künstler in 2023 stehen nun die Zeichen offensichtlich darauf, in die Phalanx der Platzhirsche Morgen Wallen und Luke Combs einzugreifen.

Dazu standen dem Protagonisten für die elf neuen Songkreationen klingende Erfolgsschreiber wie u. a. Luke Dick (der das Werk auch produziert hat), Rodney Clawson, Laura Veltz, Natalie Hemby, Josh Miller, Josh Thompson oder Chris Tompkins) an der Seite.

Der LP-Titel „Magnolia Sage“ thematisiert Gegensätzlichkeiten, die von Dean quasi durch zwei verschiedene Linsen beleuchtet werden. Seine hervorragende Stimme ist dazu prädestiniert, sowohl in rauer als auch soulig-gefühlvoller Manier zu agieren.

Mein Herz hat der mir bis dato unbekannte Künstler mit dem flockigen, samt Tempowechseln verschachtelten Opener „Blacktop Blues” gewonnen, der von einer markanten E-Gitarren-Slide Hook eingeleitet wird sowie auch, surrende Fills als auch ein dementsprechendes Solo enthält und somit geneigte Southern-Fans ansprechen wird.

Diese südstaatliche Note bleibt dank der exzellenten involvierten Gitarristen unterschwellig durch das gesamte Werk enthalten, allerdings zielen die ausnahmslos hitverdächtigen mitsingbaren Refrains mit ihren hohen Wiedererkennungswerten primär auf das massenkompatible New Country-Publikum.  Die Karaoke-Bars im Süden werden hier reichhaltigen Zusatzstoff für ihr Sortiment verzeichnen können.

Deans famose, angeraute Wohlfühl-Stimme (Marke Travis Tritt) kommt natürlich am besten bei den ruhigeren souligen Tracks wie “Be Your Man”, “Tennessee Moon”, “Hey Mississippi” (aktuelle Single) oder „“Something Easy” zur Geltung. Zur Unterstützung sind vereinzelt weibliche Backgroundsängerinnen vertreten. Da könnten gleich mehrere Chart-Topper bei rauspringen.

Den in Amiland gut ankommenden Patriotismus gibt es dazu noch bei Liedern, die von vorne herein geografischen Bezug im Titel haben, wie auch bei “5th Of July” oder “Dust On A Dirt Road”. Einen melancholischen Abschluss bildet „Heart On The Range“.

Jackson Dean überzeugt auf seinem Album „Magnolia Sage“ restlos. Die oben erwähnten Stars der Branche müssen sich über Kurz oder Lang auf ernstzunehmende Konkurrenz einstellen. Eine Scheibe, die in den wärmeren Monaten demnächst noch öfter bei mir laufen wird. Klasse!

Blue Highway Records (2026)
Stil: New Country

01. Blacktop Blues
02. Make A Liar)
03. Be Your Man
04. 5th Of July
05. Tennessee Moon
06. Over And Over
07. Hey Mississippi
08. Something Easy
09. Wildfire
10. Dust On A Dirt Road
11. Heart On The Range

Jackson Dean
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The Imaginaries – Fever – CD-Review

Hinter den Imaginaries verbirgt sich das verheiratete Paar Maggie McClure und Shane Henry, beide ursprünglich aus Oklahoma stammend, jetzt in LA lebend. Sie besitzen eine große mediale Erfahrung in allen Bereichen, die Zusammenführung als Musikduo ergab irgendwann fast zwingend daraus.

„Fever“ ist das zweite ‚echte‘ Album des Duos (neben diversen Seitenprojekten) und allein der Blick auf die involvierten illustren Gäste zeigt, dass die beiden bereits ein hohes Ansehen in der Musikszene genießen. Auch wenn manchen Songtitel dazu verführen, an alte Klassiker zu denken, sei hier erwähnt, dass es sich in der Gesamtheit ausnahmslos um aktuelle Eigenkreationen handelt

Das Werk startet mit dem herrlich treibenden und rockenden Titelsong „Fever“, samt starker Vocals der Protagonisten (da zeigen die beiden jeweils solo als auch bei den Harmonies, natürlich fortlaufend, wie man es am Mikro macht) .

Sofort mit dem absoluten Highlight zu beginnen, ist für mich immer ein wenig problematisch, da der Spannungsbogen doch ein wenig nach hinten abflacht, auch wenn das Niveau im weiteren Verlauf sicherlich hier nicht von schlechten Eltern ist.

Zunächst geht es im ersten Drittel Schlag auf Schlag weiter. Bei „Wishing Well“ unterstützt der ehemalige Bros. Landreth-Gitarrist Ariel Posen, ein Track, bei dem die hinterbliebenen Eindrücke ihrer Zusammenarbeit mit dem Brian Setzer Orchestra durchschimmern.

Bei „Crossroads“(wie oben angedeutet, nicht der Robert Johnson-Evergreen) lässt kein geringerer als Blues-Tausendsassa Joe Bonamassa seinen Bottleneck über die Saiten fliegen und Vince Gill verleiht dem countryesken Schunkler „Whole Lotta Livin'“ den typischen Bariton-Twang mit seiner Telecaster. Trotzdem alles keine Lieder, die trotz der hochkarätigen Gastpräsenz, wirklich vom Hocker reißen.

Im zweiten und dritten Drittel gibt es  mit Tracks wie u. a. den flockigen New Country-Stücken „I Knew It Was You“ und „Little By Little“ (beide Marke Lady A), dem Tex-Mex-angehauchten „Buzzard’s Roost“, dem folkigen „Breaker“ und dem pettyesken “ Riding That High“ immer wieder diverse Aufhorcher.

Trotzdem will am Ende bei „Fever“ (übrigens auch sehr gelungenes Hochglanz-Coverartwork) von den Imaginaries merkwürdiger Weise trotz vieler guter Ansätze nicht so richtig erhöhte Temperatur aufkommen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Fever
02. Wishing Well
03. Crossroads
04. Whole Lotta Livin‘
05. Constant
06. I Knew It Was You
07. Buzzard’s Roost
08. Little By Little
09. Breaker
10. Riding That High
11. Here For You
12. Lucky Ones

The Imaginaries
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Marc Broussard – Chance Worth Taking – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Nach “S.O.S. V: Songs of the ’50s”, einem Teil seiner Cover-Reihe zugunsten von Charity-Projekten, veröffentlicht der US-Sänger und Songwriter Marc Broussard innerhalb von zwei Monaten sein neuestes Album „Chance Worth Taking“ – sein erstes Blues-Soul-Album mit ausschließlich eigenen Songs. Produziert vom Top-Team der Szene, Joe Bonamassa, Josh Smith und Calvin Turner, sind die 14 Tracks im Ocean Wave Studio in Nashville aufgenommen worden. Die Titelliste verbindet vor allem Blues-Kompositionen mit Rock und dem für Marc Broussard typischen, sanfteren Southern-Bayou-Soul-Sound – getragen von seiner unverkennbar emotionalen und rau klingenden Stimme, die den Songs wie ein Markenzeichen ihr Qualitätssiegel verleiht.

Eine Kombination aus gelegentlicher Joe Cocker Blues-Powerhouse-Mentalität und Old-School Soul-Voices prägt den Sound, dessen breites Spektrum die eigentliche Anpassungsfähigkeit als Ausdrucksstärke stilisiert. Persönliche Vorbilder wie der Grammy-prämierte Soulsänger Donny Hathaway, Stevie Wonder und James Taylor haben seinen Stil ebenso beeinflusst wie die Mentor-Qualitäten von JJ Grey, die Marc Broussard in einem Interview betont.

Die Inspiration für den aktuellen Longplayer „Chance Worth Taking“ entstand jedoch bereits 2023 durch die Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa und Josh Smith beim Album „Blues For Your Soul“ und hinterließ insbesondere in den Co-Writings der neuen Songs deutliche Spuren. Die Vorab-Singles “No More” und “Fever” präsentieren diese Teamwork der eleganten Arrangements aus der breiten Palette der Scheibe: Soul-bluesige Streicher-Ballade wetteifert mit groovendem Funk-Track, Bonamassa und Smith in absoluter Höchstform – eine Werbung für die Synergie der Produktion.

Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei der eigentliche Aufreißer der Platte: Die bewährte Methode mit einer klassisch lebhaften Nummer zu eröffnen, gelingt „You’ll Be Sorry” durch bluesrockende Wirkung sofort, während “Trying To Do Right” (feat. Joe Bonamassa) in eine herrlich relaxte Dynamik wechselt. Weit über das sprichwörtlich gewohnte „a little help from my friends“ hinaus geht das Engagement des Produzententeams: Mit kongenialer instrumentaler Kreativität entsteht ein swingender Soul-Rock’n’Roll-Party-Kracher („Let Me Take You Out Tonight“), den man sich ebenso gut im Repertoire von Bill Haley vorstellen könnte.

Wie der Opener erweist sich auch der Abschlusstrack als tragende Nummer der ausgedehnten musikalischen Spielwiese der Akteure: Blues und New Orleans gehören hier ebenso zusammen, wie ein Mardi Gras-Finale unter Beteiligung von Trombone Shorty, der im Co-Writing “Laissez Les Bons Temps Rouler” zum blues-jazzigen Tanzvergnügen mitgestaltet.

“Es ist Zeit für meine Blues-Phase. In diesem Lebensabschnitt gehe ich voll darin auf”, sagt Marc Broussard über die Aufnahmen. Ein fast schon bescheidenes Understatement, denn sein potenziell preiswürdiges Studioalbum „Chance Worth Taking“ bietet einmal mehr die ausgezeichnete Gelegenheit, eine der besten Stimmen des Genres kennenzulernen – eine Chance, die man unbedingt ergreifen sollte.

KTBA Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. You’ll Be Sorry
02. Trying To Do Right feat. Joe Bonamassa
03. I’m Going Home
04. No More
05. Fever feat. Josh Smith
06. Chance Worth Taking
07. Let Me Take You Out Tonight
08. Sweet Love
09. These Walls
10. Satisfaction Guaranteed
11. Blame
12. Whispers
13. Laissez Street Parade Intro feat. Trombone Shorty
14. Laissez Les Bons Temps Rouler feat. Trombone Shorty

Marc Broussard
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Another Dimension

Brooks Milgate – Roll With The Punches – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Brooks Milgate wurde in eine musikalische Familie hinein geboren. Seine Eltern hatten sich in einer Gospelgruppe kennengelernt. Mit fünf Jahren begann Little Brooks, Piano zu spielen, während sein Vater ihm die Bassgitarre näherbrachte, so dass er seine Eltern bei Auftritten begleiten konnte.

Mit zwölf Jahren hat sich Brooks Milgate entschieden: Das Piano, das ist mein „Ding“. Und dann passierte etwas ganz Entscheidendes. Er entdeckte bei seinem Vater die Kassetten „Brothers and Sister“ von den Allmann Brothers und Led Zeppelin IV. Damit hatten sich jedwede Überlegungen nach dem Motto „Was soll ich denn nur mal werden?“ erledigt.

Jahre später erhielt Brooks Milgate ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston, das er 2005 mit Magna Cum Laude abschloss. Musikalisch etablierte er als Pianist und Organist und ging mit Blues-Acts auf Tour: Sugar Ray and the Bluetones, Darrel Nulisch, Kid Ramos, Ana Popovic, Chris O’Leary oder Mark Hummel. Unter anderem spielte er auch bei der Rockband Curtis Mayflower, die einige Alben und Singles veröffentlicht hat.

„Roll With The Punches“ – in dessen Mittelpunkt natürlich oft die Tasteninstrumente stehen – soll nun sein „first solo outing“ sein, wie die Plattenfirma schreibt. Das erstaunt einigermaßen, denn im vergangenen Jahr sind unter seinem Namen die Sechs-Songs-EP „The Night Needs The Stars“ und die CD „The Stags“ erschienen. Wie auch immer: Sein neues Werk bietet neun neue Kompositionen und die Klassiker „My Babe“ von Little Walter und „Goodnight Irene“ von Lead Belly, einen Akustik-Blues aus den 30er-Jahren.

Während sich zum Beispiel Keith Richards auf seiner CD „Crosseyed Heart“ aus dem Jahr 2015 mit seiner elegisch-getragenen Version eng an das Original gehalten hat, hat Milgate aus „Goodnight Irene“ eine beschwingte Boogie-Nummer gemacht, geprägt von Klavier und einem Saxophon-Solo. Das zeigt einmal mehr: Es kommt nicht unbedingt auf die Komposition an, sondern auf die Interpretation.

Zu den Höhepunkten von „Roll With The Punches“ gehört gleich die Eröffnungsnummer „Cheap Airline“, ein autobiografischer Song, der erzählt, wie sich Brooks auf einem Flug einer Billigfluggesellschaft nach Island verliebt hat. Verpackt ist das Ganze in einen Classic Rock, der die großen Zeiten in den Siebzigern und Achtzigern hochleben lässt, wobei Monster Mike Welch die Gitarre beisteuert.

Schade, dass es nicht mehr davon gibt, auch wenn die CD so oder so überzeugen kann. „Best That We Can Do“ geht Richtung Memphis Soul mit Bläsern, wogegen „I Should ’ve Known“ einen gediegenen New-Orleans-Rhythmus aufweist. Erneut ist Mike Welch ausgiebig an der Gitarre zu hören.

Der „Interstate Shuffle“ kommt als Instrumentalstück daher. Der Titelsong ist ein gediegener Blues, bei dem – wer wohl? – wieder die Saiten zupft. „Why I’d Wait So Long“ ist wohl eine Referenz an seine Eltern – ein Gospel im modischen Gewand.

Etwas aus dem Rahmen fällt der letzte Titel „Blueish Gray“, ein instrumentaler Smooth-Jazz, dominiert von Brooks Milgates Piano- und Orgelspiel. So muss es sich anhören, wenn der Pianist in einer schicken Bar zum letzten Mal in die Tasten greift, bevor es draußen langsam hell wird…

MoMojo Records (2026)
Stil: Rock, Blues, Soul

01. Cheap Airline
02. Goodnight Irene
03. Best That We Can Do
04. I Should’ve Known
05. Interstate Shuffle
06. Worry
07. Roll With The Punches
08. Why’d I Wait So Long
09. My Babe
10. So Long
11. Blueish Gray

Brooks Milgate
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Patricia Vonne – 12.04.2026, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, einen frühen Sonntagabend einzuläuten, als einen Konzertbesuch in der Kulturrampe, zumal wenn Patrica Vonne auf der neu gestalteten Bühne steht. Sie hat ihr offiziell noch in den Startlöchern stehendes Album im Gepäck, versprach aber einen Streifzug quer durch ihre musikalische Karriere.

Die temperamentvolle Texanerin bot einen explosiven Mix aus spanisch und englisch gesungenen Songs, bei dem sie das Publikum mühelos in ihren Bann zog. Die Krefelder Location stellt quasi ein Heimspiel für Vonne dar. Sie schwärmte von der Stimmung der Kulturrampe und den Besuchern, unter denen sie viele bekannte Gesichter ausmachte. Vonne lebt ihre Musik und sie schaffte es direkt, eine persönliche Verbindung zum Auditorium herzustellen – nicht zuletzt durch die Anekdoten und kurzen Einführungen zu ihren Songs. Auch abseits der Bühne zeigten sich die charismatische Aktrice und ihr sympathischer Sideman Robert LaRoche aufgeschlossen für einen Austausch und Gespräche mit den Fans.

Zu Beginn der interkulturellen Lehrstunde verwies Vonne auf die deutschen Einflüsse, die sich in Texas wohl an mehreren Stellen zeigen. Entsprechend eröffnete „Lekker Ding“ das erste Set. Zu den Verbindungen zwischen amerikanischer und deutscher Kultur bemerkte sie, dass sie in einem Video von The Bosshoss mitwirkte. Eine Info, die mich und wohl auch viele Anwesende überraschte. Die Schauspielerei ist Vonne nicht fremd und auch als Regisseurin brachte sie ihr Filmdebüt vor Kurzem heraus. „Traeme Paz“ vom Soundtrack des Films „Once Upon A Time In Mexico“, bei dem ihr Bruder Robert Rodriguez Regie führte, folgte dem Opener.

Nach einer Hommage an den im Dezember verstorbenen Joe Ely kam der Titeltrack der neuen Scheibe „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ zu Gehör. Das Stück schrieb sie zusammen mit Chris Isaak und Johnny Reno. Von dem aktuellen Album folgten im Verlauf des Abends noch vier weitere Stücke: „Be My King“, „Not Too Late“, „Lean On Me Tonight“ sowie „Courage Under Fire“. Die drei letztgenannten sind in Kooperation mit LaRoche entstanden, der sich live on stage blind mit Vonne versteht und sie kongenial ergänzt. Alle neuen Songs sind rockig angelegt, sodass sie einen Gegenpol zu den in der Regel tendenziell getrageneren, aber dennoch dynamischen, auf Spanisch gesungenen Beiträgen bildeten. Im ersten Durchgang gab es von dieser Sorte „Qué Maravilla“ und „Guitarras y Castaňuelas“, im zweiten „Fuente Vaqueros“ sowie „Serverina“.

Die Meisterin ikonischer Posen wirbelte stilecht mit Kastagnetten, rotem Fächer oder Tamburine über die Bühne. Mit ihre Temperament heizte sie die Rampe auf und verabschiedete sich mit „Rattle My Cage“ in die Pause. In den zweiten Durchgang stiegen Vonne und LaRoche als Duo ein und gönnten so der Rhythmusgruppe – dem durch vorherige Touren gestandenen Schlagzeuger Bernhard Weichinger und einem neuen Bassisten – eine verlängerte Verschnaufpause. Nach den akustisch performten „Top Of The Mountain“ und „El Marinero y La Sirena“ wurde diese dann wieder bei dem treibenden „Hot Rod Heart“ gefordert.

Ein Höhepunkt im zweiten Set war das bekannte „City Is Alive“, das Willie Nile mitgeschrieben hat. „This Cats In The Dogouse“, das eigentlich zum Standard im Live-Repertoire von Vonne gehört, hätte gut einen Platz am Ende des Konzerts neben „Rebel Bride“ gefunden. Bei dem Song und der Zugabe „Lil Lobo“ gaben Band und Publikum – einschließlich fulminanten Wolfsgeheuls – nochmal alles, sodass die Stimmung in der Kulturrampe hochkochte und der Auftritt mit einem krachenden Höhepunkt zu Ende ging.

Patricia Vonne erwies sich erneut als erstklassige Entertainerin, der es spielend gelingt, mit ihrer authentischen Mischung aus Roots Rock und Tejano das Publikum mitzureißen. Die neuen Songs passen sich nahtlos in das Programm der Live-Shows ein und geben einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album.

Line-Up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)
Harmen de Bresser (bass, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe

Stacy Mitchhart – No Rhyme Or Reason – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wenn man nicht wüsste, dass Stacy Mitchhart aus den USA stammt, wüsste man es spätestens auf der Innenseite der CD, wenn es da im ersten Satz heißt: „Zuallererst möchte ich meinen Glauben und mein Vertrauen in GOTT und all seine Segnungen zum Ausdruck bringen.“ Offen gesagt: Auf die Idee kann wohl nur ein Amerikaner kommen.

Das Zweite, das auffällt, ist der Satz: „Produced by Tom Hambridge“. Wer einen Mann wie Hambridge (65) als Produzent, Songwriter, Drummer und bei den Background Vocals an Bord hat, kann kein Neuling sein. In der Tat hat Mitchhart, 2003 Gewinner des Albert King Most Promising Guitarist Award, bereits 1993 sein erstes Album vorgelegt, dem bis heute 16 weitere folgten.

Hambridge hat unter anderem schon mit Chuck Berry, Lynyrd Skynyrd, Johnny Winter, Buddy Guy, George Thorogood, Susan Tedeschi, Joe Bonamassa oder Billy Gibbons zusammengearbeitet. Bei mir hat er einen besonders dicken Stein im Brett, als er sich 2023 auf seiner Solo-CD „Blu Ja Vu“ lautstark darüber beklagte, dass Johnny Winter immer noch nicht in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden sei. Wenn man bedenkt, welch musikalischen Zwergen, die nichts, aber auch gar nichts mit Rock ’n‘ Roll z u tun haben, schon Einlass gewährt wurde und zum Beispiel auch die Country-Rock-Pioniere Poco, ohne die es die Eagles nicht gegeben hätte, hartnäckig ignoriert werden…

Aber nun hurtig zum neuen Werk von Stacy Mitchhart, um das es hier ja schließlich in erster Linie geht. „Ich glaube, dieses Album verleiht meiner Musik eine neue Note und echte Energie. Es unterstreicht meine Vielseitigkeit, bleibt dabei aber dem Blues treu“, beschreibt der 67-jährige Gitarrist, Sänger und Songwriter aus Nashville die 13 Songs.

Nehmen wir exemplarisch für diese Vielseitigkeit und Abwechslung mal ein paar Titel unter die Lupe. So ist das Eröffnungsstück „Good One Time“ ein Blues-Rock-Gebräu aus Gitarre, Orgel und Bläsern. Das rhythmisch-gitarrenorientierte „Bad As You“ lässt die Füße wippen. Zu den Glanzlichtern gehört der schwungvolle Country-Rock „You Sure Look Good To Me“, ein Duett mit Grammy-Gewinnerin Gretchen Wilson. Poco lässt grüßen…

„Once You Leave“ ist ein astreiner Memphis Soul, während Mundharmonika-Altmeister Charlie Musselwhite das geschmeidige „Flip It To The Other Side“ veredelt. „Mean Bad Wrong“ hat einen leichten New-Orleans-Touch, bei dem Kenny Neal die zweite Gitarre beisteuert. Den Abschluss bildet der Slow-Blues „On My Dying Day“ mit ausgiebigem Gitarren-Solo. Durchaus hörenswert, das Ganze.

Dr. Sam Records (2026)
Stil: Blues/Soul

Tracks:
01 Good OneTtime
02 Bad As You
03 You Sure Look Good To Me (featuring Gretchen Wilson)
04 Once You Leave
05 Flip It To The Others Side (featuring Charlie Musselwhite)
06 We Blew It
07 It’s A Long Way Down
08 Ain’t No Rhyme Or Reason
09 Mean Bad Wrong (featuring Kenny Neal)
10 Never Gonna Get Me Back
12 She’s Just Right For Me
13 On My Dying Day

Stacy Mitchhart
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The Builders & The Butchers – No Tomorrow– CD-Review

Review: Michael Segets

In den ungewöhnlichen Bandname The Builders & The Butchers muss man wohl keinen tieferen Sinn hinein interpretieren. Seine Funktion erfüllte er dennoch, indem er meine Neugierde weckte, welche Musik eine Combo, die sich diesen Namen zulegt, wohl macht. Nach dem Reinhören in ihren Backkatalog kam, ich zu dem Schluss, dass die Beschäftigung mit dem neuen Album „No Tomorrow“ lohnenswert sein könnte. Eine Vermutung, die nicht enttäuscht wurde.

Die Quintett aus Oregon, genauer gesagt aus Portland, macht Indie Music mit einer deutlichen Nähe zum Folk Rock. Es hat in der Vergangenheit schon wilde Sachen abseits des Mainstreams gemacht, die mächtig scheppern. Für den sechsten Longplayer nahmen sich Ryan Sollee und seine Mannen eine Rückkehr zu einer eher akustischen Herangehensweise vor, bei denen die einzelnen Instrumente stärker zur Geltung kommen. Das Konzept ist aufgegangen, denn die Songs bleiben schön angeschrägt, ohne dass der Sound erschlägt.

Mit dem Opener „Worlds On Fire“ gelingt der Band ein richtig rundes Stück, bei dem das Banjo von Harvey Tumbleson die Führung übernimmt. Zum Abschluss gibt es den Folk-Song „A Wall:A Fire“, der genretypisch von Akkorden der akustischen Gitarre bestimmt wird. Dazwischen liegen einige rockige Stücke, die zwar manchmal verhältnismäßig gradlinig verlaufen („Save Me“), meist aber mit deutlichen Spannungsbögen arbeiten wie das vorab herausgegebene, sehr starke „Rise My Son“ oder auch das nur zweiminütige „Devils Wind“. Es beginnt ruhig, nimmt zwischenzeitlich Fahrt auf und endet dann wieder sanft. Da das dunkle, folk-rockige „Blood:Death“ gleichfalls unter den Beiträgen hervorsticht, ist die Entscheidung gut nachvollziehbar, es ebenfalls als Single zu veröffentlichen,

Daneben finden sich mehrere balladesk orientierte Titel auf dem Album. Herausragend unter diesen ist das instrumental reduzierte „Fire In The Sky“. Mit dem Hall des Schlagzeugs bekommt der Titel etwas hymnisches. „Bad Blood“ entwickelt ebenfalls eine beinah hypnotische Intensität. Durch den vollen Sound, bei dem mal elektrische Gitarren dominieren, geht „One Wiged Bird“ in Richtung klassischer Rockballaden. Die langsamer angelegten Stücke sind also durchaus variabel angelegt, ohne dass das Werk seine Linie verliert. Eine Verbindung zwischen den Tracks schafft auch Sollees Gesang, der stellenweise an den von Grant-Lee Phillips erinnert. Sollee legt mehrmals – besonders auffällig auf „Cold Fire Hymn“ – gehörig Vibration in die Stimme, sodass mir Roger Chapman in den Sinn kommt.

Fast schon als traditionell könnte das schunkelige, mehrstimmige „Mother Mary“ angesehen werden, wenn man die Wortwahl in den Lyrics außer Acht lässt. Inhaltlich sind die Texte düster bis tiefschwarz. Trotz der Krisen und Kriege in der Welt will Sollee die Hoffnung nicht verlieren, da er glaubt, dass es mehr gibt, was Menschen verbindet als trennt.

Das Zusammenkommen und gemeinsame Feiern reizen den Frontmann an Live-Auftritten. Gelegenheit The Builders & The Butchers hautnah zu erleben, bieten die acht, für die zweite Maihälfte angekündigten Konzerte in Deutschland. Da sich die Band mit „No Tomorrow“ bestens empfohlen hat, ist der 20.05.2026, an dem die Band ins Kölner Blue Shell kommt, vorgemerkt.

The Instrument Village/Broken Silence (2026)
Stil: Folk Rock

Tracks:
01. Worlds On Fire
02. Bood:Death
03. Mother Mary
04. Save Me
05. Cold Fire Hymn
06. Devil’s Wind
07. Rise My Son
08. One Winged Bird
09. Fire In The Sky
10. Bad Blood
11. A Wall:AFire

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