Toby Keith – Greatest Hits: The Show Dog Years – CD-Review

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Die amerikanische Erfolgsgeschichte vom Oil-Rig-Worker zum Country-Music-Super-Star zu verwirklichen und die Karriere bis heute mehr als 25 Jahren lang bravourös zu meistern, gelingt vergleichsweise nur wenigen Künstlern im hart ‚umkämpften‘ Genre. Die unverändert andauernde Chart-Serie von Country-Sänger Toby Keith, inzwischen 58, kennzeichnet die Entwicklung der US-Country-Szene in dieser Zeit als überwiegend patriotische, staatstragende Säule im Stars und Stripes-Music-Business.

Als Keith 1993 sein gleichnamiges Debüt-Album 2 Millionen Mal verkaufen konnte, war manchen Insidern bereits bewusst, dass diese Form der New-Country-Musik das Potenzial besaß, Gold- und Platin-Platzierungen anzuhäufen; zusätzlich erhielt Keith zwischen 2000 und 2009 zehn Music-Awards in den unterschiedlichsten Kategorien.

Mit Show Dog Nashville gründete der Musiker 2005 sein eigenes Record-Label und bringt nun mit den „Greatest Hits (The Show Dog Years)“ eine Compilation-CD heraus, die um 4 neue Songs, teilweise als Remix- und Live-Aufnahmen, erweitert wurde. Aus den Show Dog-Produktionen wurden hier im SoS bereits die wegweisenden Studioalben „Clancy’s Tavern“ (2011) und „35 Mph Town“ (2015) besprochen.

Die insgesamt 16 Stücke des neuen Longplayers spiegeln den Zeitraum der musikalischen Unabhängigkeit des Sängers beim eigenen Label, bis zur aktuellen Single „That‘s Country Bro“, einem schnell rockenden Track, in dem Keith die Namen berühmter Country- und Cowboy-Legenden gesanglich aufzählt. Seine unverkennbar textlichen Anspielungen mit Blick auf das konservative Herz der Vereinigten Staaten („American Ride“ und „Made In America“) sind ebenso vertreten und machen Toby Keith zum nicht gänzlich unumstrittenen „Sonny-Boy“ der Country-Music liebenden US-Bevölkerung.

Seine im makellosen Sound mit renommierten Begleitmusikern eingespielten Songs, pflegen durchweg intensiv das traditionelle Country-/Cowboy-Image und entsprechen damit in weiten Teilen einer gesellschaftlichen Forderung, die sich z. T. durch eine vordergründige Identifizierung mit althergebrachten Vorstellungen und Vorbildern selbst unkritisch feiert („America first!“). Laut „Rolling Stone“ hat Toby Keith einige der „wichtigsten patriotischen Songs und Country-Titel unserer Zeit geschrieben!“.

Die aus der bisherigen „Show Dog Years“-Zeit auf der „Greatest Hits“-Ausgabe vereinten Tracks bilden einen wesentlichen Querschnitt dieser erfolgreichen Schaffensperiode. Toby Keith gehört damit auf dem Markt der US-Amerikanischen Country-Music-Heroes auch als gefragter Tournee-Künstler zu den wichtigsten und einflussreichsten Solo-Musikern des New-Country.

Show Dog/Universal Music (2019)
Stil:  New Country

Tracklist:
01. Love Me If You Can
02. She Never Cried In Front Of Me
03. God Love Her
04. American Ride
05. Made In America
06. High Maintenance Woman
07. Lost You Anyway
08. Cryin For Me (Wayman s Song)
09. Beers Ago
10. Red Solo Cup
11. Trailerhood
12. Hope On The Rocks
13. Don t Let The Old Man In
14. That s Country Bro
15. Back In The 405
16. American Ride (Official Remix)

Toby Keith
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Oktober Promotion

Old Dominion – Same – CD-Review

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Drittes, nach sich selbst benanntes Album der beliebten Nashville-Band, das in unseren Landen nur auf digitalem Weg erhältlich sein wird. Ihr Major-Label scheute demnach auch keine Kosten und Mühen, uns mit Streaming-Dateien zu bemustern…

Man kann da nur ‚schade‘ sagen, denn das Quintett um Matthew Ramsey (lead vocals), Trevor Rosen (guitar, keyboards), Whit Sellers (drums), Geoff Sprung (bass guitar) und Brad Tursi (guitar), hat ihren starken Konzerten (wir berichteten aus Köln) neulich bei uns, sicherlich eine Menge Fans dazugewonnen.

Nach zwei megaerfolgreichen Vorgängern (Platz 3 und 1 in den Billboard Countrycharts), war die Erwartungshaltung natürlich groß und oft ist das dritte Album ja meist das schwierigste. Die fünf Burschen wären allerdings keine guten Songwriter, wenn sie nicht mit diesem Druck umgehen könnten.

Nach dem Motto ‚Never change a winning team‘ ist wieder Shane McAnally dabei, der sowohl beim Songwriting assistierte und auch bei der Produktion involviert war. Bei der ersten vorausgekoppelten Single „Make You Sweet“ und zugleich Eröffnungstrack bewies das Team bereits gutes Gespür, sie avancierte zum 7. Nr. 1-Titel des Kollektivs.

Was mir persönlich sehr gefällt ist, das man den poppigen Charakter der beiden Erstlinge etwas zugunsten der Countrynote (vornehmlich der Akustik- und E-Gitarren) zurückgefahren hat, ohne natürlich, die melodiösen Strukturen aus dem Auge zu verlieren.

Klasse direkt das rootsige „Smooth Sailing“, das auch bei einem Will Hoge durchaus ins Repertoire passen würde. Das mit Josh Osborne verfasste, mit einer doppeldeutigen Metapher versehene „One Man Band“ (laut Band ihr erster richtiger Love-Song), wurde als nächste Single ins Rennen geschickt und konnte ebenfalls die Top-10 Ränge erklimmen.

„Never Be Sorry“, groovig und tanzbar, verlässt dann erstmals die Countrypfade und hat wirklich eher was in Dance Clubs zu suchen. Mit „My Heart Is A Bar“ und dem southern-souligen Ohrwurm „Midnight Mess Around“ findet man den Weg in die Spur zurück, letztgenanntes Stück, wie schon bei Ihrem Konzert in der Domstadt, ist auch hier für mich der überragende Song des Longplayers.

Eagles-Stoff der Marke „Tequila Sunrise“ bietet das tolle eingängige „Hear You Now“, während „I’ll Roll“ fast schon in Outlaw-Manier rüberkommt (Respekt!). Patriotismus kommt in den Staaten ja gewöhnlich immer hervorragend an, deshalb ist die Idee des launigen „American Style“ sicher vielversprechend.

Das Ende mit „Paint The Grass Green“ und der emotional besungenen Piano-/Cello-Ballade „Some People Do“ (neuste Single, ich hätte mich für „American Style“ entschieden) liegt dann unspektakulär im grünen Bereich.

Fazit: Old Dominion erledigen erneut einen bärenstarken Job, wobei die countryeskere Note (andere Interpreten neigen in diesen Konstellationen ja gerne dazu, sich mehr in Pop-Gefilden anzubiedern) besonders zu Gefallen weiß. Starker Gesang wie gewohnt von Matthew Ramsey, tolle Gitarren, wunderbare Melodien, die Nashville Boys haben den Songwriting-Bogen raus. Für mich ihr bisher stärkstes Album!

RCA Records Nashville/Sony Music(2019)
Stil: New Country

01. Make It Sweet
02. Smooth Sailing
03. One Man Band
04. Never Be Sorry
05. My Heart Is A Bar
06. Midnight Mess Around
07. Do It With
08. Hear You Now
09. I’ll Roll
10. American Style
11. Paint The Grass Green
12. Some People Do

Old Dominion
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Sony Music

Troy Gonyea – Click Click Spark – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits mit dreizehn Jahren besaß Troy Gonyea seine erste Gitarre und stand schon im jugendlichen Alter mit Bluesgrößen wie Muddy Waters und Buddy Guy zusammen auf der Bühne. Später folgten dann noch gemeinsame Gigs mit so legendären Musikern wie z. B. Booker T. Jones und Kim Wilson. Im Laufe der Zeit wurden ihm deshalb auch Grammy-, Blues Music Award- und Bosten Music Award Nominierungen zu teil.

Mit „Click Click Spark“ stellt Troy Gonyea nun seine neue Live-CD, 2018 aufgenommen in „Nick’s“, einem Club im Retrostil in Worcester, Massachusetts, vor. Insgesamt gehören die neun Stücke des Album sicherlich in die große Schublade des Rock & Roll. Die einzelnen Songs spiegeln allerdings eine enorme musikalische Vielfalt wieder, bedienen sie doch ganz unterschiedliche Spielarten dieser Sparte. Troy Gonyea spannt einen musikalischen Bogen von äußerst flotten Rock & Roll-Nummern im Stil der 50’ger Jahre über schweißtreibende Boogie-Riffs hinweg bis hin zum Slow Blues.

Folgerichtig hat Gonyea seine Band in klassischer Besetzung mit Kontrabass, Keys und Schlagzeug zusammengestellt. Er selbst steuert Mundharmonika, Gesang und natürlich die Gitarre bei.

Nach einer kurzen Ansage geht der Livemitschnitt dann sofort mit dem mitreißenden Rock & Roll-Stampfer („Curl Up And Die“), wie ihn auch Little Richard & Co nicht besser hätten spielen können, in die Vollen. Einen typischen Vertreter des Chicago-Style Blues stellt das sich anschließende ruhigere „That’s Why I’m Crying“ dar, in dem sich Goneya im Mittelteil des Songs regelrecht an seiner Gitarre abarbeitet.

Auch mit dem nächsten Song setzt Troy das geruhsame Setting fort. „As I Am“ ist eine wunderschöne, soulige Ballade, die stellenweise Erinnerungen an Joe Cockers „With A Little Help From My Friends“ hervorruft. Zumindest den älteren unter uns dürfte auch „Bring It On Home“ von Led Zeppelins zweitem Album noch bestens bekannt sein. Troy Goneya interpretiert den Song mit seinem Mundharmonikaspiel auf eine überraschend gelassene Art neu.

Dass er auch die Slide-Gitarre aufs vortrefflichste beherrscht, beweist er im darauffolgenden, mit verzweifelt leidender Stimme gesungenen 9-minütigen Slow Blues „Tell Heaven“, einfach klasse!

„Slop Georgia“, ein rasanter Boogie-Woogie, knüpft wiederum an die Rock & Roll-Mucke der Mitte des letzten Jahrhunderts an. Fetzig und richtig gut zum Abzappeln! Da kommt dann die nächste Nummer („Jumping At Shadows“), ein stimmiger Low Down Blues mit viel Gitarrenwerk, gerade recht, um Kräfte zu sammeln, bevor es mit dem letzten Track des Albums nochmals richtig zur Sache geht. Mit „I Am Feeling So Good“ liefert Gonyea dann zum Abschluss einen ungestümen Boogie zum Niederknien ab.

„Click Click Spark“ ist sicherlich die Quintessenz aus Gonyeas bisherigem Schaffen und allem, was er im Laufe seines Musikerdaseins aus der Zusammenarbeit mit den Großmeistern des Blues gelernt hat. In meinen Augen verdient der Silberling 5 Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung!

Label: Lotus Eater Records (2018)
Stil: Rock & Roll, R&B, Boogie, Blues

Tracks:
01. A Few Words From Our Charming Host
02. (Do The) Curl Up And Die
03. That‘s Why I‘m Crying
04. As I Am
05. Bring It On Home
06. Tell Heaven
07. Georgia Slap
08. Jumping At Shadows
09. I Am Feeling So Good (Owed T‘ Don)

Troy Gonyea

Allison Moorer – Blood – CD-Review

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Review: Michael Segets

Mit „Blood“ legt Allison Moorer jetzt ihr zehntes Studio-Album vor. Ursprünglich aus der Country-Ecke kommend erhielt sie für ihren Beitrag zum Film-Soundtrack „Der Pferdeflüsterer“ eine Oscar-Nominierung. Bekannt dürfte Moorer vor allem auch durch ihre Kooperationen mit Kid Rock und Steve Earle – mit dem sie einen Sohn hat – sein. Vor zwei Jahren brachte sie „Not Dark Yet“ zusammen mit ihrer älteren Schwester Shelby Lynne heraus. Moorer co-produzierte den Longplayer „What It Is“ von Hayes Carll, den sie vor kurzem heiratete.

Musikalisch und privat führte Allison Moorer ein bewegtes Leben. Dieses verarbeitet sie in ihrem Buch „Blood“, das nahezu zeitgleich mit dem Album erscheint. Prägend war das traumatische Ereignis ihrer Kindheit, als sie und ihre Schwester miterlebten, wie ihr Vater zuerst ihre Mutter und dann sich selbst erschoss.

Als Moorer fühlte, dass sie ihre Erinnerungen und Fragen nicht nur in epischer, sondern auch in lyrischer beziehungsweise musikalischer Form ausdrücken musste, entstanden die meisten Songs parallel zu ihrem Buch. Bis auf „I’m The One To Blame“, das von Shelby Lynne und Franklin Moorer geschrieben wurde, stammen alle Stücke aus der Feder von Allison Moorer. „Cold Cold Earth“ erschien allerdings bereits als Hidden-Track auf ihrem zweiten Album „The Hardest Part“ (2000).

„Blood“ ist insgesamt ein ruhiger Longplayer. Wie bei dem wunderbar sanften Titelstück steht bei der Begleitung meist die akustische Gitarre im Zentrum. Manchmal kommen dezente Streicher zum Einsatz („Set My Soul Free“), bei „Nightlight“ eine melodiöse Trompete. Etwas voller instrumentiert sind „Bad Weather“ und „The Ties That Bind“.

„All I Wanted (Thanks Anyway)“ erhält mit kräftigem Schlagzeug eine rockige Note. Beim kratzigen „The Rock And The Hill“ dreht Moorer richtig auf. Der Roots-Rocker mit eingängigem Refrain setzt einen starken Kontrapunkt zu den Balladen. Nach jeweils drei langsameren Songs sind die beiden Tracks zudem geschickt auf dem Album angeordnet.

Zum Abschluss setzt sich Moorer ans Klavier und begleitet sich bei „Heal“ sehr stimmungsvoll. Diese Instrumentalisierung bringt nochmal Abwechslung, wobei sich der von Mary Gauthier coverfasste Titel nahtlos in die Atmosphäre des Longplayers einfügt.

Auf dem autobiographischen „Blood“ gibt Allison Moorer Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. In zumeist ruhigen Tönen erzählt sie ihre Geschichten, denen man gerne lauscht. Beim ersten Hören wirken die sorgfältig arrangierten Songs zunächst puristischer als sie sind. Eher als Folkalbum konzipiert überrascht es zudem durch zwei rockige Titel, von denen „The Rock And The Hill“ für Southern-Freunde besonders interessant ist.

Autotelic Records/Thirty Tigers (2019)
Stil: Folk, Americana

Tracks:
01. Bad Weather
02. Cold Cold Earth
03. Nightlight
04. The Rock And The Hill
05. I’m The One To Blame
06. Set My Soul Free
07. The Ties That Bind
08. All I Wanted (Thanks Anyway)
09. Blood
10. Heal

Allison Moorer
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Biscuit Miller And The Mix – Chicken Grease – CD-Review

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Man sieht Biscuit Miller (lead vocals, bass) und seinen Mitspielern Doctor Love (drums, vocals, stethoscope), Bobby B. Wilson (guitars, vocals) und Alex ‚Southside‘ Smith (guitars, vocals) auf dem bunten Cover, den Spaß, den sie beim Erstellen dieses Werkes namens „Chicken Grease“ hatten, förmlich an.

Lustig musizieren, danach im nächsten guten Fast Food-Restaurant ein paar leckere Chicken Wings oder -Nuggets frisch aus der Friteuse knabbern –  so lässt es sich leben! Lesern aus unserem Dunstkreis dürfte das Quartett vom beliebten Grolsch Blues Festival in Schöppingen bekannt sein, wo sie dieses Jahr ihren Auftritt hatten.

Produziert wurde das nun mehr vierte Album von Ben Elliott und den uns vom letzten Allman Betts Band-Konzert im Kölner Yard Club bekannten John Ginty, der dem Sound mit verschiedensten Tastenvariationen (Hammond B3, Vintage Vibe Electric Piano) und Percussion-Zugaben, weitere Farbtupfer verpasst.

Ein weiterer Gastmusiker, der hier auffällig seine Spuren hinterlässt, ist Marcus Randolph (Robert Randolph and the Family Band – dort eigentlich Drummer), der hier auf dem texas-bluesigen „609“ und „Chicken Grease“ mit surrenden Lap Steel-Einlagen glänzt.

Eine gewisse Passion für die Gesangart eines James Browns und seinem treibenden Groove offeriert Miller bei funkig-souligen Tracks wie dem Opener „Here Kitty Kitty“, „Two Legged Dog“ (beide mit launigen der Harmoniegesängen der anderen Mitstreiter), dem Titelstück „Chicken Grease“ oder dem abschließenden „Get Ready“.

Der Vierer kann es allerdings auch ruhig und atmosphärisch. Mit „Lonely Road“, „Watching You“ und Creeping“ gibt es gleich drei packende Slowblues-Songs, bei denen besonders die beiden Gitarristen Wilson und Smith, ihre E-Gitarren-Saitenkünste in den Soli ausleben können.

Am Rest, mit dem bereits erwähnten „609“, „Take A Ride“ (erinnert ein wenig an „One Way Out“ der Allman Brothers) und dezent „Southern Woman“ dürften auch Southern Rock Blues-Freunde (zum Teil dank Gintys filigranem Hammond-Spiel), Gefallen finden.

Insgesamt ist „Chicken Grease“ besonders durch die spürbare Musizierfreude, aber auch die geschickte Songanordnung, eine kurzweilige und abwechslungsreiche Scheibe geworden. Mit Biscuit Miller und seinen ‚Mixern‘ gibt es deshalb auf ihrem neuen Werk so gut wie kein Hühnchen zu rupfen!

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Here Kitty Kitty
02. 609
03. Lonely Road
04. Two Legged Dog
05. Chicken Grease
06. Watching You
07. Take A Ride
08. Southern Woman
09. Creeping
10. Get Ready

Biscuit Miller And The Mix
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The Magpie Salute – High Water II – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Etwa ein Jahr nach „High Water I“, bringen Magpie Salute nun mit „High Water II“ den damals schon angekündigten Nachfolger. Die nahtlose Fortsetzung liegt auch daran, dass ein Teil der Songs schon damals mitproduziert wurden, aber Rich Robinson sich bewusst entschied, diese erst auf „High Water II“ zu veröffentlichen.

Mit „Sooner Or Later“ ist ein rasanter Eröffnungstrack ausgewählt worden, der der insbesondere im Mittelpart psychedelische Elemente aufweist, vom Songwriting aber durchaus eine Nähe zu den Black Crows erkennen lässt. Geschrieben ist das Stück, wie auch ein Großteil des Materials, von Robinson und John Hogg, die auch für das erfrischende groovende „Gimme Something“ verantwortlich sind.

Stilistisch ähnlich ist das folgende „Leave It All Behind“, welches nach der Tour für „High Water II“ komponiert wurde und zweideutig gesehen werden kann. Bisher ist noch keine weitere Tour der Magpie Salute geplant.

„In Here“ beginnt mit einem Intro, dass an die frühen Neil Young and Crazy Hourse-Phase erinnert. Mag es an der Begeisterung Robinsons für Gretsch Gitarren sein, die auch Young benutzte und, von der er eine Signature-Gitarre ‚Magpie‘ entwickelte?

Mit „You And I“ wird es sehr melodisch, leicht melancholisch und countresk. Diese Gangart setzt sich auch in „Mother Storm“ fort wobei Hoggs Stimme natürlich eine Abgrenzung darstellt.

Bei „A Mirror“ wird wieder leicht auf’s Gaspedal getreten, um den für mich stärksten, sehr emotionalen Track „Lost Boy“, geschrieben von Marc Ford und Robinson, nachzuschieben. Ein Countrysong mit Unterstützung durch Alison Krauss, die neben der Geige auch gesanglich der Band beiwohnt. Das folgende Stück könnte vom Songwriting und der Präsentation her eventuell dem verlorenen Sohn, dem zu früh verstorbenen David Bowie, gewidmet sein.

„Turn It Around“ hätte auch gut in die Zeit von „Lets Dance“ Phase gepasst. In „Life Is A Landslide“ sind auch Elemente des Vorgängers zu erkennen aber Robinson und Kumpanen bewegen sich in Richtung Southern Rock, um mit „Doesn`t Really Matter“ letztendlich wieder bei den Wurzeln Robinsons zu landen, die im psychedelischen umwobenen Bereich des Genres liegen. Das bluesige „Where Is This Place“ bildet den starken Abschluss eines insgesamt würdigen Nachfolgers von „High Water I“.

Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise der Band gehen wird. Anders als bei Part I, ist noch kein dritter Teil oder eine Tour zur Promotion angekündigt. In der Präsenz dieses Albums „High Water I“ wäre es auf jeden Fall schön, Magpie Salute auch wieder auf deutschen Bühnen zu sehen.

Mascot Records/Provogue (2019)
Stil: Jam Rock

01. Sooner Or Later
02. Gimme Something
03. Leave It All Behind
04. In Here
05. You And I
06. Mother Storm
07. A Mirror
08. Lost Boy
09. Turn It Around
10. Life Is A Landslide
11. Doesn’t Really Matter
12. Where Is This Place

The Magpie Salute
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Another Dimension

Jason Isbell And The 400 Unit – Here We Rest – CD-Review

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Review: Michael Segets

Turnusmäßig brachte Jason Isbell seit 2007 alle zwei Jahre ein Studioalbum heraus. Aktuelles Material scheint derzeit noch nicht in Sicht. Stattdessen veröffentlicht Isbell seine ersten beiden Zusammenarbeiten mit seiner Band The 400 Unit im Doppelschlag erneut. Zum zehnjährigen Jubiläum von „Jason Isbell And The 400 Unit“ und für die Neuausgabe von „Here We Rest“ (2011) holte sich Isbell Grammy-Gewinner Dave Cobb hinzu, der die Tracks remixte und remasterte.

„Here We Rest“ war einen Tick erfolgreicher als das vorangegangene Album. So wurde „Alabama Pines“ 2012 als bester Song mit einem Americana Music Award ausgezeichnet. „Go It Alone“ taucht später in einer Folge von der Fernsehserie „Sons Of Anarchy“ auf.

Im Vergleich zu seinem Album aus dem Jahr 2009 klingt „Here We Rest“ erdiger und weniger voluminös. Jason Isbell geht mit ihm konsequent weiter in die Richtung, die ihm in den folgenden Jahren mit „Southeastern“ (2013), „Something More Than Free“ (2015) sowie „The Nashville Sound“ (2017) den Durchbruch bescherte.

Die Tracklist von „Here We Rest“ ist identisch geblieben. Bei den Änderungen der einzelnen Songs handelt es sich um – soweit ich die ursprünglichen Versionen hören konnte – eher um Nuancen. The 400 Unit spielt auf dem Album noch in ursprünglicher Bandbesetzung. Mittlerweile hat Sadler Vaden Browan Lollar an der Gitarre abgelöst.

Americana-Balladen sind Isbells Spezialität. „We’ve Met“, „Stopping By“, das akustisch gehaltene „Daisy Mae“ und das sehr getragenen „Save It For Sunday“ sind solche charakteristischen Songs. Das andere Ende von Isbells musikalischer Bandbreite markiert „Never Could Believe“ – ein Rock ’n Roll in guter alter Machart. Eine sommerliche, locker flockige und leicht poppige Nummer schiebt Isbell mit „Heart On A String“ ein.

Seine Affinität zum Country lebt Isbell bei dem gelungenen „Tour Of Duty” und dem Highlight der Platte „Codeine“ aus. Amanda Shires (The Highwomen) glänzt hier mit ihrer Geige und zusammen mit Abby Owens beim Harmoniegesang. Derry DeBorja gibt bei dem Walzer „The Ballad Of Nobeard” ein kurzes Intermezzo am Akkordeon.

Auch acht Jahre nach der Erstveröffentlichung ist „Here We Rest“ immer noch ein hörenswertes Album, was für die Qualität von Jason Isbell als Songwriter spricht. Mit „Alabama Pines“ und „Codeine“ sind zwei zeitlose Songs vertreten, die zu Recht zu den Fan-Favoriten zählen.

Southeastern Records/Thirty Tigers (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. Alabama Pines
02. Go It Alone
03. We’ve Met
04. Codeine
05. Stopping By
06. Daisy Mae
07. The Ballad Of Nobeard
08. Never Could Believe
09. Heart On A String
10. Save It For Sunday
11. Tour Of Duty

Jason Isbell
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Florida Georgia Line – The Acoustic Sessions – CD-Review

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Nachdem ich den letzten 20 Jahren tausende CDs aus dem New Country-Bereich gehört und auch nicht unerheblich wenige davon rezensiert habe, frage ich mich manchmal immer noch, was bei einigen Interpreten in der riesigen Masse, den großen Erfolg ausmacht und bei anderen nicht, obwohl die Parameter in der Regel oft zu großen Teilen identisch sind.

Singen muss man im Genre können, sonst braucht man die Reise nach Nashville eigentlich erst gar nicht anzutreten. Idealerweise sieht man dazu einigermaßen gut aus, beherrscht eventuell kompatible Instrumente und hat als I-Tüpfelchen auch kreatives Songwriting-Potential zu bieten. Ansonsten wird ja oft auf den gleichen Pool an Musikern, Songschreibern und Produzenten zugegriffen. Bei vielen ist es letztendlich meist eine Mischung aus allem.

Aber wie kommt es dann zu so einem Erfolg wie bei Georgia Florida Line, alias Brian Kelley und Tyler Hubbard? Da wird einem regelrecht schwindelig, wenn man liest, was die beiden mittlerweile Grammy-nominierten, Diamant-dekorierten Burschen, an Auszeichnungen und Preisen eingeheimst haben, seit sie das Parkett in Music City betreten haben: u. a. 11x Platin für „Cruise“, die meistverkaufte digitale Country-Single aller Zeiten, 8x Platin für „Meant To Be“, 9,3 Milliarden Streams,33,6 Millionen Downloads, 4,6 Millionen Albumverkäufe, 4 Nr. 1-Alben, zig Nr. 1-Singles, wichtige Awards-Auszeichnungen im zweistelligen Bereich, etc.

Für mich lautet die einzige Erklärung, dass hier ein absolutes Top-Management in Verbindung mit dem passenden Label am Werk sein muss, das seit Jahren die absolut richtigen Dinge, zur absolut richtigen Zeit, entscheidet.

Jetzt hat man den Moment für gut erachtet, all die beliebten Songs und Hits des Duos mal in ein akustisches Gewand zu bringen. Die Idee hatten zwar auch schon viele andere zuvor, aber bei einer solchen Auswahl an geeignetem Material, eine durchaus sinnvolle Variante.

Und auch hier bleibt natürlich nichts dem Zufall überlassen. Es wurde die Elite an Saitenzupfern wie Ilya Toshinsky (auch Co-Produzent), David Garcia, Danny Rader, Bryan Sutton und Robert Ickes, was kompatible Instrumente wie Akustikgitarren, Dobros, Mandolinen, Bouzoukis, Banjos und Ganjos angeht, ins Studio geholt, dazu mit Rodney Clawson, Wes Hightower und Joey Moi (auch Produzent), weitere Harmoniegesangs-Koryphäen ergänzt und dann noch ein paar Top-Stars wie Luke Bryan, Tim McGraw, die Backstreet Boys und Bebe Rexha, als Beweis ihres Standings, als Gäste verpflichtet.

Satte 17 Tracks wurden hier in herrlich klarem Klang mit oben besagten Instrumenten ineinander gemischt (superb, was die Musiker hier leisten), dazu gibt es saustarke Lead vocals der beiden Protagonisten, immer wieder von Weltklasse-Harmonie- und Wechselgesängen (auf Niveau der Eagles) begleitet oder durchbrochen, dass es eine wahre Freude ist. Wenn eine Platte für eine Cabriofahrt gemacht wurde, dann ist es ohne Zweifel diese.

Und so cruist man mit den Beteiligten von ihrem Megahit „Cruise“, in dem sogar unsere gute alte Marshall Tucker Band textlich erwähnt wird („… she was sippin‘ on southern and singin‘ Marshall Tucker…“) bis zum finalen „Meant To Be“ durch kurzweilige Stücke in allen Tempi und Stimmungen und zieht am Ende überwältigt den Hut. Eine tolle Scheibe, bei der man wirklich gute Laune bekommt. Und so bleibt am Ende nicht anderes übrig, als ein dickes Kompliment an Florida Georgia Line und deren Management auszusprechen. Hier weiß man, wie qualitativ hochwertiges und erfolgreiches Musikbusiness funktioniert.

Big Machine Label Group (2019)
Stil: New Country

01. Cruise
02. Round Here
03. Stay
04. Get Your Shine On
05. This Is How We Roll (feat. Luke Bryan)
06. Sippin‘ On Fire
07. Sun Daze
08. Dirt
09. Anything Goes
10. Confession
11. Smooth
12. H.O.L.Y.
13. May We All (feat. Tim McGraw)
14. God, Your Mama, And Me (feat. Backstreet Boys)
15. Simple
16. Talk You Out Of It
17. Meant To Be (feat. Bebe Rexha)

Florida Georgia Line
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Universal Music

The Sisters Of Mercy – Support: A. A. Williams – 14.10.2019, E-Werk, Köln – Konzertbericht

SOM_haupt

Ein Konzertreview zu einem Sisters of Mercy Konzert mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen. In Sounds Of South habe ich die Möglichkeit, einige Reviews einzubringen, die nicht dem eigentlichen Genre des Magazins entsprechen, was die Toleranz des Magazins zeigt (die wird hier allerdings tatsächlich an ihre absoluten Grenzen geführt, Herr Mangold! – Anm. der Red.).

Am Rande eines Konzertes von John Illsley sagte uns dieser mal in einem Gespräch, dass er eine Unterteilung in Sparten oft skeptisch sieht. Wichtig ist, dass Musik gut gemacht ist und gefällt.

Dies sind Gründe, dass der düstere Sound der Sisters of Mercy hier auftaucht. Ein anderer ist der, dass mit Wayne Proctor ein guter alter Bekannter an den Drums vom Support A. A. Williams saß, den ich noch vor wenigen Wochen Schlagzeug bei Ash Wilson vortraf. Hier schon einmal ein Dank an Wayne, der über das Tourmanagement einen Fotopass für mich besorgte.

Schon weit vor 19:00 Uhr hatte sich bei schönsten Spätsommerwetter eine lange Schlange von Fans vor dem E-Werk gebildet, in der sich vom Punk bis zum Normalo alles wiederfand. So war es nicht verwunderlich, dass das ausverkaufte E-Werk schon rappelvoll war, als die Vorband A.A. Williams pünktlich um 20.00 Uhr ihren etwa 40-minütigen Auftritt begann.

Im Trio mit Williams, die zwischen elektrischen und akustischen Gitarren sowie den Keyboards wechselte, Wayne Proctor an den Drums und Tom Williams am Bass, wurden die Besucher in eine melancholisch träumerische Welt entführt. Dies wurde auch von der Lichtinszenierung unterstützt, wo vornehmlich rote Lichter, nebelumwabbert die Hintergrundkulisse bildeten, die nur vom Frontallicht auf die Sängerin durchbrochen wurde.

Passend zum Eingangssong „Cold“ erschien das grell angestrahlte Gesicht von Williams eiskalt. Nachgelegt wurden das melancholische „Love & Pain“ und „Terrible Friends“, deren Titel durch die zum Teil sphärisch wirkende Musik verstärkt wurden. Insgesamt waren die Songs sehr getragen mit einer langsamen Grundmelodie. Proctor an den Drums und Tom Williams am Bass hatten somit nur wenig Gelegenheit, etwas Fahrt aufnehmen zu können. Nach dem letzten Song „Control“ wurde die Band freundschaftlich vom Publikum verabschiedet und hatte mit Sicherheit den einen oder anderen Fan hinzugewonnen.

Line-up A. A. Williams:
A.A. Williams – Vocals, Guitars, Keyboard
Wayne Proctor – Drums
Tom Williams – Bass

Zügige Umbaumaßnahmen auf der Bühne sorgten dann dafür, dass um 21:15 Uhr Sisters of Mercy pünktlich um 21:15 ihre Show starteten. Vorweggenommen kann gesagt werden, dass es von der Setlist keine Überraschungen gab, was daran liegt, dass die großen Erfolge und Hits der Band schon lange zurückliegen und in den letzten Jahren sich in Richtung Songwriting wenig getan hat.

Positiv überraschend war für mich die Performance der Band, ich erinnere mich an einen Auftritt vor einigen Jahren, der mir insbesondere vom Sound her in unangenehmer Erinnerung geblieben war. Diese wurden an diesem Abend aber weggeweht. Es war zu erkennen, dass die Musiker mit Spaß bei der Sache waren.

Die ‚alten‘ Männer“ der Band, Sänger Andrew Eldritch und Doctor Avalanche am Synthesizer (Drum und Basslinien) wurden von den beiden Gitarristen Ben Christo und Dylan Smith bestens, auch im Backgroundgesang unterstützt, sodass der für die Sisters bekannte homogene volle Sound auch zum Tragen kann. Schön war dabei auch, dass den beiden Gitarristen immer wieder die Möglichkeit gegeben wurde, sich mit ihrer harten Gangart in den Vordergrund zu spielen.

Schon mit dem Opener „More“ wurde die mit 2000 Besuchern gefüllte Halle in Stimmung gebracht und spätestens mit „Detonation Boulevard“, das schon als vierter Song kam, war einer der Höhepunkte erreicht und die Band ließ einen Klassiker auf den anderen folgen. Eventuell ist Eldritch, das einzig verbliebene Gründungsmitglied, auch gut beraten, keine neuen Songs aufzunehmen, da dieser Spirit der achtziger und neunziger Jahre vermutlich nicht mehr erreichbar ist und eher zu einer neuen Stilrichtung führt, die nicht zum eigentlichen Spirit der Band gehört. Manchmal ist es auch gut das Erbe zu verwalten und nicht zu vermehren.

Es ist schwer, einzelne Tracks hervorzuheben oder zu vernachlässigen, da die aus dem Fundus gespielten Stücke allesamt gut performt wurden und manche dem Alter oder dem Lebensstil geschuldete stimmliche Schwäche Eldritchs entsprechend von der Band im Background aufgefangen wurde. Was auf jedem Fall gelang, war den Mythos und das Feeling der Songs in die Halle zu transportieren, wofür das E-Werk mit seiner monumentalen Bauweise auch den entsprechenden Rahmen bildete. Besonders gut kamen beim Publikum Lieder wie „Marian“, „Dominion/Mother Russia“, „Flood II“ und „Vision Thing“ an“, die einige zum Mittanzen und Mitsingen animierten.

Höhepunkt des Konzertes waren natürlich die letzten Zugaben, „Temple Of Love“ und „This Corosion“, die nicht umsonst an das Ende der Show gesetzt wurden. Stimmungsmäßig und auch von der Dynamik her, wäre danach jedes Stück im Prinzip verloren gewesen.

Es ist den Sisters of Mercy, aber auch A.A. Williams als Support gelungen, das Publikum auf eine Zeitreise in die achtziger und neunziger Jahre mitzunehmen und aufzuzeigen, was in der Bandbreite von Punk, Gothic und Hard/Heavy-Rock, alles möglich ist. Wenn man die Besucher während des Konzertes beobachtet hat, ist dies den Bands auch ganz gut gelungen und einige Jünger der Sisters werden mit Sicherheit schon dem nächsten Auftritt der Mannen um den mittlerweile sechzigjährigen Eldritch entgegenfiebern.

In einem Bericht einer Kölner Zeitung wurde allerdings ein Szenario beschrieben, weshalb sich die Band nach diesem Auftritt nicht zu wundern braucht, wenn beim nächsten Mal die Besucher ausblieben. Man begründete dies mit wenig nachvollziehbaren Argumenten. Die Lautstärke wäre zu hoch gewesen. Zugegeben es war kein Kammerkonzert und es war lauter als im Kölner Tanzbrunnen, aber der Tinnitus, den man nach manchen Konzerten hat, blieb mir hier erspart.

Ach ja und der böse Nebel auf der Bühne. Ich erinnere mich an einen Fotografen, der vor Jahren über diesen auf der Bühne schimpfte, weil man keine schönen Bilder machen kann. Dass Licht und Nebel in Verbindung, Stimmungseffekte abgeben, gerade bei dieser Art von Musik, wurde leider vergessen.

Dass der Bühnenaufbau nur aus zwei Computern bestand, ist auch frech zu behaupten. Die ‚Computer‘ waren die Synthesizer, welche die Band schon lange und bewusst einsetzt. Und die bösen Gitarristen, die einfach nur breitbeinig dastehen. Nein sie haben sich auch bewegt und mir zwischendurch sogar Richtung Kamera zugeblinzelt.

Und auch im Gesicht von Eldritch konnte ich kein Desinteresse ablesen und ich stand für vier Songs z. T. nur etwa 1-2 Meter von ihm entfernt. Wenn ich Konzerte erleben will, wo ich ein Bühnenszenario habe, welches an Reizüberflutung grenzt, sollte man zu Konzerten gehypter Pop- und Schlagersternchen gehen, dort wird man diesbezüglich bestens bedient.

Ein Dank an Wayne Proctor und FKP Scorpio Promotion für die unproblematische Akkreditierung, hervorzuheben ist auch die Soundtechnik, die einen differenzierten und auch von der Lautstärke wohltemperierten Sound in die Halle brachte und an den Lichttechniker, der mit seiner Gestaltung die Dramaturgie der Musik visuell entsprechend unterstützte.

Auffallend war auch das freundliche und fixe Team hinter den Tresen und die wirklich sehr zurückhaltende und stets freundlich gestimmte Security, die auch einen positiven Einfluss an dem friedlichen stimmungsvollen Ablauf der Veranstaltung hatte.

Line-up Sisters Of Mercy:
Andrew Eldritch – Vocals
Doctor Avalanche – Synt (Bass und Drumspuren)
Ben Christo – Gitarre, backing vocals
Dylan Smith – Gitarre, backing vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

A. A. Williams
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The Sisters Of Mercy
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FK Scorpio
E-Werk

Holman Autry Band – Roots – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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