Paul Thorn – Best Of – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Elvis Presley hat die Karrieren vieler bekannter Musiker nachhaltig beeinflusst und ihnen teilweise sogar buchstäblich die „Tanzschritte“ der Rockmusik beigebracht. Zu ihnen gehören die US-Rockstars Bruce Springsteen, Tom Petty und Billy Joel, die alle drei stolz betonen, wie Elvis sie förmlich zum Rock’n’Roll verleitet hat und seine Bühnenauftritte zu einem Paradigmenwechsel in ihrem Leben führten.

Der 54-jährige Paul Thorn war zu Beginn von Elvis legendären Shows noch zu jung, um die gleiche Begeisterung zu entwickeln. Aber seine Verbindung zum „King“ entsteht, als er mit seiner Familie nach Tupelo, Mississippi, zieht – dem Geburtsort von Elvis Presley. Zum Songwriting wurde er jedoch nicht unbedingt musikalisch von Elvis motiviert, sondern eher durch dessen Fähigkeiten als Entertainer.

Als Sohn eines Geistlichen entdeckte Thorn früh den Gospelgesang. Bis zu seinen ersten Musikveröffentlichungen dauerte es aber noch einige Zeit und erst als Mitt-dreißiger konnte Thorn seinen Erstling „Hammer and Nail“ (1997) herausbringen.

Auf der vorliegenden Best-of-Scheibe hat Paul Thorn wesentliche Tracks der vergangenen 20 Jahre zusammengefasst, dazu Hits und Fan-Wünsche. Angefangen mit „I Don’t Like Half The Folks I Love“ vom „Pimps and Preachers“-Album (2010) wird eine bunte Mischung von Americana bis Gospel präsentiert, die zu seinem zweiten Studioalbum „Ain’t Love Strange“ von 1999 zurückreicht („Burn Down The Trailer Park“ und „I Have A Good Day Every Now & Then“). Von seinem Debüt Album „Hammer and Nail“ (1997) ist leider kein Song vertreten, was diese Best-of-Fassung etwas schmälert.

Zu jeder Compilation gehört mittlerweile fast standardmäßig auch ein bislang unveröffentlichter Track. In diesem Fall schließt die Scheibe mit dem schönen „Rose City“ ab, das im rockigen Country-Sound entfernt an Stones-Klassiker erinnert. Ein nettes Beiwerk ist der Download-Code zu einem Konzert mit Band aus dem Jahre 2016, als er im Ryman Auditorium in Nashville, TN eine Acoustic-Show ablieferte.

Paul Thorn wird in der Musikszene sehr geschätzt und konnte zum Beispiel schon mit Sting, Mark Knopfler, John Hiatt und John Prine zusammenarbeiten. Im Vergleich zu vielen anderen Berufsmusikern kann Thorn die in langen, harten Jahren gewonnene Lebenserfahrung, u.a. als Fabrikarbeiter, Soldat oder Profi-Boxer, in die natürliche Glaubwürdigkeit seiner Songs einbringen. Er weiß worüber er singt, wenn er sogenannte „working-man-songs“ spielt. Bruce Springsteen musste kürzlich z.B. sehr ironisch – in seiner umjubelten Broadway Show – zugeben, er habe die Fabriken, über die er in seinen Songs schreibt, nie von innen gesehen.

Die Best-of-LP von Paul Thorn ist eine meisterliche Zusammenstellung aus einem abwechslungsreichen und authentischen Repertoire und zwei Jahrzehnten Americana, Country, Blues, Gospel und Southern Rock. Die Gelegenheit, diesen bodenständigen und vielseitigen Singer/Songwriter live zu erleben, sollte man bei seinen ersten Deutschland-Terminen im Herbst unbedingt wahrnehmen.

Perpetual Obscurity Records (2016)
Stil: Americana, Country, Blues

Tracklist:
01. I Don’t Like Half The Folks I Love
02. Mission Temple Fireworks Stand
03. Snake Farm
04. Pimps And Preachers
05. Long Way From Tupelo
06. Burn Down The Trailer Park
07. Bull MT. Bridge
08. What The Hell Is Goin‘ On?
09. What Have You DoneTo Lift Somebody Up?
10. Old Stray Dog & Jesus
11. I Have A Good Day Every Now & Then
12. Rose City

Bonus Download: The Acoustic Show
01. A Lot Of Good Reasons
02. I Backslide On Friday
03. I Hope I’m Doin‘ This Right
04. Hammer & Nail
05. That’s Life
06. Turnip Greens
07. Don’t Let Nobody Rob You Of Your Joy
08. She Won’t Cheat On Us
09. Everything’s Gonna Be Alright

Paul Thorn
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Black Pike Favorites

Ben Granfelt – My Soul Live To You – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der finnische Gitarrist und Songwriter Ben Granfelt nutzte die letzte Tour, um eine Live-Scheibe auf den Markt zu bringen. Auf der CD beschreibt Ben sie als eine, die ihm bisher am meisten Spaß von allen gemacht hat. Und er hat ja wahrlich mit Acts wie u. a. den Leningrad Cowboys, den Guitar Slingers oder auch Wishbone Ash schon einiges hinter sich.

Mit dem Werk möchte er seine Hörer nochmals daran teilhaben lassen. Der Spaß war Ben Granfelt und seiner Band, Masa Maijanen am Bass und Santeri Saksala an den Drums, jedenfalls anzusehen, als ich am 18.09.2018 einem der Konzerte im Kölner Yard Club beiwohnte und wir von Sounds of South, ein Review von dem starken Auftritt schrieben. Umso mehr freute mich seine Anfrage nach Bildern für das Albumartwork irgendwann im Winter und die Spannung über das Ergebnis war natürlich dementsprechend groß.

Das Livefeeling des Werks ist direkt dadurch spürbar, dass eine kurze Bandankündigung vor dem ersten Song, dem bluesigen „Hangman`s Dream“, im Stile rockiger Bluesbans wie Ten Years After und ZZ Top, als Intro belassen wurde. Schon hier zeigt sich die Energie des Trios. Der treibende Rhythmus wird durch Bass und Drums sowie Bens Gitarrenspiel vorgegeben, und dann immer wieder von starken Gitarrensoli durchbrochen.

Mit „Wayward Child“ wird es ruhiger, sehr melodisch. Sehr schnell wird deutlich, warum Andy Powell, Ben damals zu Wishbone Ash lotste: tolles Songwriting und fulminantes E-Gitarrenspiel.

Im rockigen „Confession Time“ demonstiert Ben Granfelt neben seinem angenehmen Gesang, mit welcher gitarrentechnischen Variabilität er sein Instrument beherrscht. Höhrenswert auch die Basseinlage von Masa Maijanen und das zwischendrin eingeflochtene „Sex & Drugs & Rock`n`Roll“ .

Ein Freund von mir, der damals mit seiner Band als Support, Ben Granfelt mit den Guitar Slingers begleitete, erzählte, dass Ben im Tourbus, fast jeden Rockklassiker nachspielen konnte.

Das spiegelt sich auch bei dem zeitweise psychedelisch vorgetragenen „A Better Place“ wieder, wo zwischendurch auch Nuancen vom Hendrix-Evergreen „Little Wing“ durchschimmern.

In „Heart On Your Sleeve“, zunächst mit klassischen Bluesriff eingeleitet, spielt Ben die Gitarre dann leicht funkig, um schließlich in seinem ureigenen Stil einen Rocksong hinzulegen, der auch erkennen lässt, dass er von der Musik von Pink Floyd inspiriert wurde.
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„Open Road“ zeigt wieder seine bluesige Seite mit einem sphärischen Mittelteil, bei der die Lautstärke und die Präsenz der Instrumente zum Teil auf ein Minimum begrenzt werden. Als Kontrast zu den vorhergehenden Tracks,  kommt beim folgenden „Open Up From The Neck Up“ die eher härtere Seite des Finnen zum Tragen, wobei das treibende, eher brachiale Spiel in einem Aerosmith-ähnlichen Outro endet.

Das kurze Instrumental „Endless“ fließt als Intro in den Titelsong des aktuellen Studioalbums „My Soul To Yo“ hinein. Ein Klassesong, in dem Ben dem Gitarrenspiel eines Mark Knopfler zu Beginn der guten alten Dire Straits Zeiten in Nichts nachsteht.

Der krachende Bluessong „Allmighty Blues“ läutet dann das furiose Finale des Albums ein, dem mit „Going Home“, einem seiner stärksten Kompositionen mit hohem Wiedererkennungswert, ein auch vom Titel her passender Song zum Ende eines Konzertes folgt.

In der Liveversion setzt er noch einmal einen oben drauf, in dem er das Stück jammend ausklingen lässt und in einem furiosen Solo, Teile von „Layla“, aber auch Riffs von „Hey Joe“ einbaut, ohne seinen eigenen Stil zu verlieren und irgendwie immer wieder beim eigentlichen Song landet. Eine absolute Hammerversion!

Wirklich beendet wird der Ausschnitt seiner ‚My Soul To You‘-Tour mit dem letzten Lied der gleichnamigen Platte „Sunrise“, ein teilweise an Pink Floyd erinnerndes Instrumental.

Ben Granfelt hat mit diesem Livealbum einen groben Querschnitt durch sein musikalisches Schaffen abgeliefert, wobei die beiden letzten Alben „Another Day“ und „My Soul To You“ allerdings im Vordergrund standen.

.Die Songauswahl ist absolut gelungen, auf einige starke Covernummern und solche aus seiner Phase mit Wishbone Ash, die er auf der Tour performte, wurde verzichtet.

So handelt es sich um ein in jeder Hinsicht unverwechselbares Ben Granfelt-Album, das sich demnach auch zu kaufen lohnt, wenn man die Studioalben schon besitzt, da die Tracks live zum Teil ein anderes Gesicht haben.

Wer die Tour selbst erlebte, wird mit der Scheibe ein schönes Erinnerungsstück haben, wer nicht dabei war, wird sich bei den präsentierten Songs ärgern, nicht dabei gewesen zu sein und es mit Sicherheit beim nächsten Mal nachholen.

Musiker:
Ben Granfelt – Gitarren und Gesang
Masa Maijinen – Bass, Backgroundgesang
Santeri Saksala – Drums, Backgroundgesang

Eigenproduktion (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Hangman’s Tree
02. Wayward Child
03. Confession Time
04. A Better Place
05. Heart On Your Sleeve
06. Open Road
07. Check Up From The Neck Up
08. Endless
09. My Soul To You
10. Almighty Blues
11. Going Home
12. Sunrise

Ben Granfelt
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Kiefer Sutherland – Reckless & Me – CD-Review

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Es gibt, was meinen Musikgeschmack betrifft, eigentlich nur zwei Schauspieler aus dem amerikanischen Show Business, die bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Und das sind bisher Kevin Costner und John Corbett. Mit dem Kanadier Kiefer Sutherland (Sohn von Ehren-Oscar-Preisträger Donald Sutherland), bei uns in erster Linie durch zahlreiche Spielfilme wie u. a. „Young Guns“, „Flatliners“, „The Jury“ oder die Echzeitserie „24“ (als Jack Bauer) bekannt, gesellt sich jetzt ein weiterer hochkarätiger Akteur hinzu.

War sein Debütalbum „Down In A Hole“ schon nicht von schlechten Eltern (man erinnere sich nur an das grandiose „Going Home“), legt er jetzt mit „Reckless & Me“ ein absolutes Country Rock-Meisterwerk nach. Produziert (als auch kompositorisch und instrumentell involviert) hat es erneut sein Freund Jude Cole (früher Mal in Moon Martins Backgroundband tätig, heute auch Producer u. a. von Lifehouse). Auch das Engros der Musiker (Brian MacLeod, Jim Cox, Greg Leisz und die Backgroundsänger/innen Chaz Mason, Samantha Nelson und Carmel Echols) hat zum großartigen Ergebnis dieses Werks wieder beigetragen.

Wer Sutherland bis dato durch die Synchron-Stimme von Tobias Meister im Kopf hat, wird zunächst durch das wunderbar rauchige Vokalorgan des 52-jährigen Medien-Omnisassas beeindruckt, das für das wunderbare Konglomerat aus Country-, Southern Rock und Americana-Zutaten, natürlich prädestiniert ist. Warum ist „Reckless & Me“ noch ein wenig stärker als der Vorgänger?

Das Songmaterial ist einfach einen Tick besser, melodischer, es greift effektiver ineinander, es packt einen irgendwie viel intensiver. Der bekannteste Track dürfte der Opener „Open Road“ sein, den hat Kiefer vor einiger Zeit – ich trau es mich kaum zu schreiben – in der Helene Fischer Show im Duett mit ihr performt hat (wenn man ehrlich ist, mit respektablem Ergebnis, besonders die Blondine überrascht mit Carrie Underwood in Nichts nachstehenden, countryesken Vocals). Hier auf dem Silberling kommt er natürlich in weniger effekthascherischer Weise im Midtempobereich, etwas downgestrippt und mit nur dezenten Harmoniegesängen.

Das mit herrlichen Pianoklimpereien durchzogene, temperamentvolle und treibende „Something You Love“ geht durch Mark und Bein. Bruce Springsteen und Bob Seger lassen grüßen, ein Killertrack für’s Live-Repertoire. Die Southern Soul-Ballade „Faded Pair Of Blue Jeans“ mit seinen, wie durch einen lauen Wind smooth wehenden Twin-Gitarren, erzeugt Gänsehaut, der Titeltrack besticht dagegen durch seine schwermütige bluesige Note (klasse Bariton-E-Gitarre, grandiose Slide-Soli).

Das in Kid Rock-Manier lässig dahin schunkelnde „Blame It On Your Heart“ (HT-Piano, launige ‚Oh yeah‘-Harmonie-Gesänge, Steel-Geleier) beschließt die erste Hälfte. Mit dem Bakersfield-Countryfeger „This How It’s Done“, dem Tex-Mex-umwehten „Agave“ („La Grange“-reminiszierende E-Hook“, Salsa-Note) und dem
dem saucoolen Southern-Schwofer „Run To Him“ (klasse weibliche Harmonies, tolles HT-Piano-Solo, Organ, Slide-Solo) folgt ein fantastisches und facettenreiches Trio. Einfach toll, wobei auch immer wieder Kiefers anpassungsfähiger raspeliger Gesang erwähnt werden muss!

Die beiden Endstücke gehen dann mit autobiografischem Charakter einher. In der etwas Pathos-getränkten, wunderbar melodischen Ballade „Saskatchewan“ kochen ein wenig die Kindheits- und Heimatgefühle des Protagonisten hoch, während das grassige „Song For A Daughter“ seiner mittlerweile ins Frauenalter entrückten Tochter Sarah, die es ja ebenfalls bereits zu gehobenen Schauspielehren gebracht hat, gewidmet sein dürfte.

Hier sieht man vorm geistigen Auge Kiefer auf der Veranda seiner Villa nach ein paar Gläschen Whiskey im Kreise seiner Mitmusiker sitzen, die seine melancholischen Schwelgereien bezüglich des mittlerweile groß gewordenen Mädels, mit den typischen Instrumenten wie Akustikgitarre, Mandoline, Akkordeon & Co. begleiten. Ein emotionaler Abschluss mit relativ niedrig gehaltenem Kitsch-Faktor.

Kiefer Sutherland hat mit „Reckless & Me“ einen Longplayer hingelegt, der ohne Zweifel zu den ganz großen Jahres-Highlights zählen wird. Wer Musiker wie Bruce Springsteen, Bob Seger, John Mellencamp, Tom Petty, John Corbett, Will Hoge, John Hiatt und Konsorten mag, kann bedenkenlos zugreifen und wird, so behaupte ich es mal, begeistert sein. Was meine persönlichen Überraschungen betrifft, hat mich kein Album seit Kid Rocks „Born Free“ so schnell wieder in positiver Hinsicht vereinnahmt. Dicke Kaufempfehlung!

BMG Rights Management
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Open Road
02. Something You Love
03. Faded Pair Of Blue Jeans
04. Reckless & Me
05. Blame It On Your Heart
06. This How It’s Done
07. Agave
08. Run To Him
09. Saskatchewan
10. Song For A Daughter

Kiefer Sutherland
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Networking Media

Laurence Jones – Support: The Tightropes, 19.04.2019, Luxor Live, Arnheim – Konzertbericht

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Endlich mal wieder im schönen Luxor Live in Arnheim! Nach knapp über einem Jahr, nachdem wir zuletzt King King in dieser außergewöhnlich schönen Location reviewt hatten, bot sich mit dem mir nur durch seine zur Zeit noch aktuelle CD „The Truth“ bekannte Brite Laurence Jones als nächster Kandidat unserer musikalischen Begierde an.

Zunächst schepperte uns das niederländische Trio The Tightropes um ihren Leader Marco Boers eine halbe Stunde ihren Fusion-, Funk- Psychedelic Blues Rock in der Tradition von Hendrix, Cream, Led Zeppelin & Co. um die Ohren. Für Passionisten dieser Genrearten war die spielfreudig auftretende Band (Boers mit vielen quirligen Soli, Tieftöner-Bediener Dennis Hemstra und Schlagzeuger Alan Luring mit kräftigem Groove), sicherlich fein destilliertes Wasser auf ihre Mühlen.

Für mich als eher melodie-fokussiertem Hörer doch eher anstrengend, zumal der Wiedererkennungswert der Eigenkreationen gen Null verlief. So war auch das nicht gerade zu meinem Lieblingstracks zählende Cover „Voodoo Chile“, die einzige Nummer, die vom Gig in einigermaßen Erinnerung blieb. Dennoch Respekt vor der anspruchsvollen instrumentellen Darbietung.

Das änderte sich natürlich abrupt, als Laurence Jones, das volle Auditorium zu ja bereits fortgeschrittener Stunde um 20:45 Uhr mit dem „Good Morning Blues“ begrüßte (na ja Musiker eben…).

Zu meiner Freude hatte der 27-jährige, aus der Nähe von Liverpool stammende Protagonist, mit Christina Chen Matovu und Tyrena Agy zwei, in diesem Genre, nicht so oft anzutreffende Backgroundsängerinnen mit an Board, die seinen Stücken
phasenweise eine schöne soulige und gospelige Würze verliehen.

Seine eingespielten Mitmusiker Phil Wilson, der hippiesk gekleidete Greg Smith und Bennet Holland boten Jones das routinierte, aber höchst-engagierte Fundament für seine mitreißende Show. Da ein neues Werk noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst im nächsten Jahr live beworben wird, standen natürlich noch Tracks von „The Truth“ wie „Gone Away“, das herrliche „Never Good Enough“ (mein Lieblingsstück des Abends), „What Would You Do?“ oder „Take Me“ (mit Publikumsgesang) im Mittelpunkt.

Der Bereich der Covernummern wurde mit Sachen wie „Before You Accuse Me“ (Bo Diddley/Eric Clapton), „Feelin Alright“ (Traffic/Joe Cocker – mit Ben Holland als Leader), einer furiosen Version vom CCR-Klassiker „Fortunate Son“ (als launiges Finale des Hauptteils) und dem spontan dazwischen genommenen „Driftin‘ Blues“ (Charles Brown), als es technische Probleme (Laurence teilweise ohne Mikro singend) vor Jones‘ Paradestück „Thunder In The Sky“ (mit schöner Pink Floyd-Aura) gab, abgedeckt.

Jones brillierte mit zahlreichen wirbeligen Soli, teilweise in epischen Dimensionen („Thunder In The Sky“), vornehmlich auf einer Stratocaster und partiell einer Gibson SG, denen die Rhythmusfraktion, Holland mit einigen Orgelschwurbeleien und HT-Geklimper, sowie die Backgoundsängerinnen mit diversen ‚Uuuhs‘ und ‚Aaahs‘ Paroli boten.

Die frenetisch geforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Laurence Jones und seine Truppe bedankten sich mit einer fulminanten Version von „Live It Up“, wo nochmals die Audienz mitsingend zum Zuge kam und der junge Brite im langen E-Gitarren-Soloteil, das Bad in der Menge genoss. Kaum war der Song beendet, hüpfte er von der Bühne und eilte direkt zum Merchandising-Stand, um die angebotenen Fan-Utensilien zu signieren. Vorbildlich!

Eine starke Vorstellung von Laurence Jones und Mannschaft im Luxor Live, die seinen Status als einer der Spitzenvertreter der jungen wilden British Blues Rock-Generation Marke Ben Poole, Aynsley Lister, Kris Barras & Co., weiter gefestigt haben sollte.

Arnheim war wieder eine Reise wert und wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Termin bei Sass Jordan am 09.05.2019. Danke an Marijn de Valk und das freundliche Luxor Live-Team für die gewohnt nette Zusammenarbeit!

Line-up The Tightropes:
Marco Boers (lead vocals, electric guitar)
Dennis Hemstra (bass)
Alan Luring (drums)

Line-up Laurence Jones:
Laurence Jones (lead vocals, electric guitar)
Greg Smith (bass)
Phil Wilson (drums, backing vocals)
Bennet Holland (keys, backing vocals, lead vocals)
Tyrena Agy (backing vocals)
Christina Chen Matovu (backing vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Laurence Jones
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The Tightropes
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Luxor Live, Arnheim

The Kentucky Headhunters – Live At The Ramblin‘ Man Fair – CD-Review

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Manches Gute erreicht einen erst auf Umwege oder nach langer Zeit. Wenn man an Southern- oder Blues Rock denkt, fallen einem zunächst die alten Verdächtigen wie Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Outlaws, Blackberry Smoke, Black Stone Cherry oder auch ZZ Top ein.

Die Kentucky Headhunters sind hierzulande aber eher Insidern vorbehalten. Dabei handelt es sich wahrlich nicht um Newcomer, sondern um eine Band, die, nach einigen Wechseln der Mitglieder, seit 1968, fast in ihrer Ursprungsbesetzung, nach einer temporären Auflösung im Jahr 1982, wieder aktiv ist (allerdings eher weniger in Europa). In der ersten Bandphase agierten sie unter dem Namen Itchy Brothers, um sich dann nach der Reunion in The Kentucky Headhunters umzubenennen.

In dieser zweiten Phase der Truppe entstanden bis heute immerhin 11 Studioalben und in diesem Jahr das Livealbum „Live At The Ramblin‘ Man Fair“. Neben den vier Ur-Bandmitgliedern Greg Martin, Richard Young, Fred Young wirkten Dough Phelps, und bei drei Songs Johnnie Johnson mit, der auch bei zwei Studiowerken involviert war.

Mit „Live In The Ramblin‘ Man Fair“ legen die Headhunters einen Longplayer hin, der Lieder aus nahezu allen Schaffensepochen beinhaltet. Dass sie in England auf einem Festival aufgenommen wurden, erstaunt, da die Kentucky-‚Kopfgeldjäger‘ naturgemäß vornehmlich in den Staaten unterwegs sind.

Eventuell hat ihnen die Stimmung und das Flair des Festivals so gut gefallen, dass jetzt auch Europa als attraktiver Markt angesehen wird. Schade eigentlich, da man ja schon seit 50 Jahren aktiv ist und sich eher im Endspurt der Karriere befindet.

Alter hin oder her, mit „Big Boss Man“ legen sie direkt mit Vollgas los und legen einen Southern Rock-Feger der Marke Blackfoot hin. Mit „Ragtop“ nehmen sie etwas Gas aus der Sache, der Song ist etwas schleppender, aber unverkennbar stilistisch dem Genre zuzuschreiben.

„Stumbiln´“, ein Track mit hohen Wiedererkennungswert, ist eher rockig, mit Zügen des damaligen Rock`n`Rolls. Wie der Titel „Shufflin‘ Back To Menphis“ schon erahnen lässt, legt das Quartett eine starke Bluesnummer nach, dem das „ewige Cover“ „Have You Ever Loved A Woman“ folgt. Typisch für das Quartett ist das eher raue aber dennoch gefühlvolle Performen.

Mit „Wishin` Well“ wird dann wieder Fahrt aufgenommen. Ein Southern-Song mit Countryeinschlag und fetzenden Gitarren, dem beim anschließenden „Walking With The Wolf“ noch eine Prise Boogie beigemischt wird. Starke krachende Rockmusik! Bei „My Daddy Was A Milkman“ hat Fred Young mit dem obligatorischen Drumsolo seinen großen Auftritt.

Beendet wird der Liveanteil der Scheibe mit dem Beatles-Cover „Don`t Let Me Down“, bei der die Kentucky Headhunters Headhunters ganz gemäß ihre Vorliebe, temperamentvoll abrocken.

Denn als Zugabe gibt es auf diesem Werk noch drei Studiosongs, mit der Rock`n`Roll-Legende Johnnie Johnson am Piano eingespielt wurden.

Die Kentucky Headhunters haben mit ihrer Musik mit Sicherheit nicht den Rock`n`Roll, Southern- oder Blues Rock neu geschrieben, was bei der Masse an Formationen und der daraus resultierenden Bandbreite an Musik auch wohl kaum möglich ist. Sicher ist aber, dass sie einen launigen Silberling mit viel authentischer Stimmung auf den Markt geschmissen haben, der Lust macht, diese Combo einmal live zu erleben.

Line Up:
Richard Young – Rhythm Guitar and vocals
Doug Phelps – Bass Guitar and vocals
Greg Martin – lead, slide guitar and vocals
Fred Young – drums, percussion and vocals

Alligator Records (2019)
Stil: Southern Blues Rock

Tracklist:
01. Introduction
02. Big Boss Man
03. Ragtop
04. Stumblin‘
05. Shufflin‘ Back To Memphis
06. Have You Ever Loved A Woman?
07. Wishin‘ Well
08. Walking With The Wolf
09. My Daddy Was A Milkman
10. Don’t Let Me Down
11. Rock Me Baby – with Johnnie Johnson
12. Rock ’n‘ Roller – with Johnnie Johnson
13. Hi-Heel Sneakers – with Johnnie Johnson

The Kentucky Headhunters
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Josh Ritter – Fever Breaks – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seit zwanzig Jahren veröffentlicht der aus Idaho stammende Josh Ritter seine Musik. Hierzulande ist er weitgehend unbekannt, anders als in Irland, wo er Anfang der 2000er mit The Frames tourte und dort Chart-Platzierungen vorweisen konnte. Für sein zehntes Album holte er sich mit Jason Isbell prominente Unterstützung. Isbell brachte seine Band The 400 Unit mit, die Ritter auf „Fever Breaks“ begleitet.

Mit kräftigen Akkorden steigt Ritter bei „Ground Don’t Want Me“ ein. Das bärenstarke Stück vereint einen dynamischen Rhythmus mit einem harmonischen Refrain. „Old Black Magic” setzt direkt anschließend das nächste Ausrufezeichen. Die hervorragende Rhythmusarbeit von Chad Gamble und Jimbo Hart gepaart mit der energischen E-Gitarre von Sadler Vaden grooven und treiben den Song gehörig an.

Nach dem beeindruckenden Anfang schaltet Ritter erst einmal einen Gang runter. Erst bei dem scheppernden „Losing Battles” zeigt er sich erneut von seiner rockigen Seite. In der Mitte der CD findet sich „The Torch Committee“, das mit Sprechgesang und dem expressiven Geigenspiel von Amanda Shires eine dunkle Atmosphäre verströmt. Obwohl ich sonst kein Fan von durchgängigem Sprechgesang bin, fesselt der Song.

Die anderen Stücke sind von harmonischen Melodien geprägt, bei denen Ritters angenehme Stimme voll zur Geltung kommt. Dies gelingt ihm im mittleren Tempo mit dem von akustischer Gitarre getragenen „On The Water” und dem „All Some Kind Of Dream“. Hier verpackt Ritter einen hervorragenden Text mit sozialkritische Tönen in einen eingängigen, leicht countryfizierten Rhythmus.

„A New Man” erinnert an Jackson Browne, wobei dieser Eindruck möglicherweise durch das Klavierspiel von Derry Deborja hervorgerufen wird. Auffällig an diesem Song ist erneut die Geige von Amanda Shires. Die Lebensgefährtin von Jason Isbell untermalt mit ihrem Instrument ebenfalls das sanfte „Silverblade“. Auch die anderen Balladen „I Still Love You (Now And Then)” und „Blazing Highway Home” gehen ins Ohr.

Dabei sind sie durchaus unterschiedlich. Die eine hebt sich durch Akkordeon und mehrstimmigen Refrain ab, die andere beginnt als akustischer Folk und gewinnt durch die einsetzende Begleitung sowie dezenten Slide einen eigenen Charakter.

Josh Ritters „Fever Breaks“ ist ein abwechslungsreiches Album ohne Durchhänger geworden. Die Songs – sowohl in rockigeren Gefilden als auch im Americana-Bereich – überzeugen und erhalten durch Jason Isbell And The 400 Unit die letzten I-Tüpfelchen. Neben „American Love Song“ von Ryan Bingham gehört „Fever Breaks“ zu den Genre-Highlights des ersten Jahresdrittels und Josh Ritter schon jetzt zu den Entdeckungen des Jahres.

Phytheas Recordings/Rural Songs/Thirty Tigers(2019)
Stil: Roots Rock, Americana

Tracks:
01. Ground Don’t Want Me
02. Old Black Magic
03. On The Water
04. I Still Love You (Now And Then)
05. The Torch Committee
06. Silverblade
07. All Some Kind Of Dream
08. Losing Battles
09. A New Man
10. Blazing Highway Home

Josh Ritter
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Aaron Haynes (Quaker City Night Hawks) – Interview

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Nachdem wir die Texaner im Vorprogramm von Blackberry Smoke im niederländischen Weert beleuchtet hatten, bat uns Oktober Promotion im Rahmen ihrer bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland im Herbst als Headliner, und anlässlich ihres aktuellen Albums, um ein Interview. Stephan Skolarski stellte Quaker City Night Hawks-Drummer Aaron Haynes die Fragen.

Sounds Of South: Hallo Aaron, Glückwunsch zu eurem starken neuen Album! Wie würdet ihr das neue Werk jemandem beschreiben, der es noch nicht gehört hat?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Als Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Seid ihr mit der Resonanz auf das Album zufrieden?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Ja, die Leute scheinen es zu mögen, wir brauchen einfach nur noch mehr Leute, die es auch zu hören bekommen.

100A6091-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Auf eurem Album verbindet ihr sehr viele unterschiedliche Musikstile. Von Southern-Rock zu psychedelischen Elementen in „Grackle King“ oder Blues-Rock auf „Fox in the Henhouse“. Welche Musik von anderen Künstlern hatte einen Einfluss auf diese Platte?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Einige Größen die tiefe Wirkung hier hinterlassen haben, sind ZZ Top, Black Sabbath und Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ ist ein sehr persönliches Lied. Ist es für euch wichtig in euren Songs persönliche Erfahrungen einzubringen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolut! Wir wären nichts ohne unsere Erfahrungen. Die Stücke sind nicht immer autobiografisch, aber manchmal schreibst du über Dinge, die du kennst.

Sounds Of South: Was hat es für euch bedeutet mit Austin Jenkins zusammenzuarbeiten? Hatte er einen großen Einfluss auf eure musikalischen Vorstellungen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Wir respektieren Austin Jenkins und Josh Block, ja, wir vertrauen ihnen, was das Wichtigste ist. Wir hatten schon eine gute Vorstellung, was wir erreichen wollten, als wir ins Studio gingen, aber sie waren sehr hilfreich, als wir uns festfuhren. Sie machten, was große Produzenten dann tun: Sie halfen uns sehr kreativ, der Scheibe Leben einzuhauchen.

Sounds Of South: Das Niles City Studio ist für seinen Lo-Fi Sound bekannt. Was bevorzugt ihr: Streaming oder Analog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks:  Beides. Wir schrecken nicht vor Technik zurück, aber wir bevorzugen den Sound und die Wärme der analogen Gangart… und wir sind eine lebendige Band, die gerne zusammenspielt.

Sounds Of South: Ihr seid inzwischen sehr erfolgreich. Hat sich dadurch etwas für euch verändert?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Nicht viel. Wir arbeiten kontinuierlich und pushen uns, besser zu werden. Jetzt sind wir auf den Geschmack gekommen und wollen natürlich mehr.

100A6162-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South:  Quaker City Night Hawks ist ein eher untypischer Bandname. Was hat es mit dem Band-Namen auf sich?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Der Name rührt von einem Mark Twain-Buch „Die Arglosen im Ausland“. Seine Kumpels, mit denen er spielte und feierte, nannten sich Night Hawks und das Schiff, auf dem sie sich in der Geschichte befanden, wurde Quaker City genannt. Somit erklärt es sich von selbst.

Sounds Of South: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auf der Bühne stehen oder auf Tour gehen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: 
Wir würden die Bühne gerne mit Nathaniel Rateliff and the Night Sweats, The Record Company oder irgendeinem der Projekte von Jack Whites teilen… auch Post Malone wäre verdammt klasse.

Sounds Of South: Worauf freut ihr euch bei der anstehenden Tour am meisten?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Zu den tollen europäischen Fans zurückzukehren. Die hören sich tatsächlich Musik an. Es ist erfrischend vor Publikum zu spielen, das Achtung vor Musik hat und jedes Detail mitbekommen möchte.

Danke für die Beantwortung unserer Fragen. Wir freuen uns euch auf eurer kommenden Tour in Deutschland wieder zu sehen.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: How would you describe the new record to someone,who hasn’t heard it yet?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Are you happy with the feedback on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Yes, People seem to like it now we just need more people to hear it.

100A6067-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Your record combines many different kinds of music. From southern rock, to psychedelic elements in „GrackleKing“ or blues rock in „Fox in the Henhouse“. Whichmusic from other artists had an influence on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Some Of the big ones that influenced this album are ZZ Top, Black Sabbath and Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ is a very personal Song. Is it important foryou to write about personal experiences?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolutely, we are nothing without our experiences. The songs are not always autobiographical but sometimes you go with what you know.

Sounds Of South: What did it mean to you, working with Austin Jenkins? Did he have a big influence on your musical ideas?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We really respect Austin Jenkins and Josh Block and we trust them which is the most important. We had a good idea of what we wanted going into the studio but they were very helpful when we would get stuck. They did what great producers should do. Sonically and creatively they helped this record come to life.

Sounds Of South: The Niles City Studio is very famous for its lo-fiproduction. What do you prefer more: streaming oranalog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We used both. We aren’t afraid of technology but we prefer the sound and warmth of analog gear…. and we are a real band that plays together.

Sounds Of South: You have become very successful. What has changedin your life?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Not much. We are constantly working and pushing to be better. We have a taste now we want more.

100A6059-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Quaker City Night Hawks is an very unusal name of a band. What’s the„story“ behind it?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: It comes from a Mark Twain book called “The Innocents Abroad”. The group of fellas he would gamble and drink with called themselves the Night Hawks and the ship they were on during the story was called the Quaker City. It writes itself.

Sounds Of South: If you had the choice, which artist would you like tosupport on stage or tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We would love to hit the road with Nathaniel Rateliff and the Night Sweats or The Record Company or any of Jack Whites projects… hell even Post Malone would be great.

Sounds Of South: What are you looking forward to the most about your upcoming tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Getting back to the European fans. They actually listen to music. It’s refreshing to have audiences that care about music and want to hear every detail.

Thank you for answering our questions. We’re looking forward to see you on your upcoming tour in Germany.

Bilder: Gernot Mangold

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Oktober Promotion

The Liza Colby Sound – 13.04.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Seine Impressionen aus dem niederländischen Weert verband Jörg mit dem heißen Tipp, The Liza Colby Sound live zu erleben. Dieser Empfehlung sind Gernot und ich gerne gefolgt, zumal der Abschluss ihrer ersten Europa-Tournee die Band in unsere heimatliche Kulturrampe führte. Circa hundert weitere Besucher wollten sich die vorerst letzte Gelegenheit, Liza Colby und ihre Begleiter auf der Bühne zu sehen, nicht entgehen lassen. Der Rahmen für ein angemessenes Finale der Tour war also gegeben.

Markus „Pille“ Peerlings ließ es sich natürlich nicht nehmen, das Energiebündel aus New York persönlich anzukündigen. Zuvor erinnerte er in eigener Sache an den neu gegründeten Förderverein der Kulturrampe, der hilft das tolle Konzertangebot der Location zu ermöglichen.

Um 21:15 Uhr legte The Liza Colby Sound mit neuen Stücken los, die keinen Zweifel an dem weiteren Verlauf des Abends aufkommen ließen. Kräftig treibender Rock stand auf dem Programm, der Assoziationen zu den frühen Jefferson Airplane oder Led Zeppelin weckte. Liza Colby wird gelegentlich mit Tina Turner verglichen. Die Ähnlichkeiten beschränken sich jedoch eher auf Äußerlichkeiten, wie die Löwenmähne und die energische Art, sich in High Heels über die Bühne zu bewegen.

Vor allem die glänzenden Einlagen von Jay Shepard an der Gitarre nutzte die Sängerin mehrmals, um sich lasziv auf der Bühne zu rekeln. Temperamentvoll und ausdrucksstark – zumeist mit einem Tamburine bewaffnet – zeigte Liza Colby durchgängige Präsenz und zog in ihrer spärlichen Bekleidung die Blicke auf sich. Die Musik hätte es dabei gar nicht nötig, dass durch gewagte Bühnenoutfits von ihr abgelenkt wird.

Der Beginn des Konzerts stand ganz im Zeichen des neuen Tonträgers „Object To Impossible Destination“, der fast komplett vorgestellt wurde. Das Album erscheint offiziell erst im Juli, aber die Band hatte bereits einige Pressungen im Gepäck. Auf die ineinander gespielten „Cool Hand“ und „Creep On“ folgten „Try Me“ und „Young Girl“. Nach einer knappen halben Stunde, bei der kaum Zeit zum Luftholen blieb, richtete die Bandleaderin einige Worte an das Publikum.

Im Mittelteil griff die Band auf Stücke ihrer EP „Draw“ und ihrer Live-EP zurück. Dabei wurden auch einzelne langsamere Titel eingestreut, wobei die Songs meist komplexe Spannungsbögen aufbauten und schließlich doch einen deutlichen Rockeinschlag der härteren Art bekamen. So war „Codine“ einer der hervorragenden Titel des Konzerts.

Bei „White Light“ gestaltete Alec Morton am Bass das Intro. Charles P. Roth gab seine Künste am Schlagzeug in einem mehrminütigen Solo zum Besten. Er bearbeitete ausgiebig alle zu Verfügung stehenden Felle und Becken, was ihm tosenden Applaus einbrachte, zumal er das Publikum zur gesanglichen Begleitung seines Intermezzos einlud. Die Rhythmusgruppe begleitete durchweg souverän die Performance von Colby und bildete den Hintergrund für die vielen Soli von Jay Shepard. Der zeigte an seiner Gitarre, dass er sowohl filigrane Töne als auch deftige Rückkopplungen in seinem Repertoire hat.

Von Videos bekannt fügten sich „Cryin“ und das starke „Thunder Rolling“ nahtlos in die Vorstellung ein. Der neue Titel „Shake You“ stellte für mich einen der Höhepunkte des Auftritts dar. Bei ihm stieg Liza Colby von der Bühne runter und mischte die Menge hautnah auf.

Zum Ende des Konzerts stellte die Sängerin zunehmend Kontakt zum Publikum her, indem sie zum Mitklatschen animierte oder einen Wechselgesang mit ihm anstimmte. Mit „Eye On You“, das wohl die erste Single des neuen Albums wird, ging das Hauptset zu Ende. Nach der Zugabe „Oh Baby“ verabschiedete sich die Band nach 85 energiegeladenen Minuten.

Nach dem Auftritt nahmen sich die sympathischen Bandmitglieder viel Zeit für die alten und neuen Fans. Da ich die in den Startlöchern stehende CD noch nicht kannte, half mir Jay Shepard bei der Zuordnung der Titel zur Setlist. Dort erfuhr ich auch, dass die Band im Oktober wohl wieder den Sprung über den Atlantik machen wird. Wer jetzt The Liza Colby Sound verpasst hat, erhält im Herbst eine neue Chance. Also: Augen und Ohren offenhalten!

Line-Up:
Liza Colby (vocals, tambourine)
Jay Shepard (guitar, vocals)
Alec Morton (bass)
Charles P. Roth (drums, vocals)

Text: Michael Segets
Bilder: Gernot Mangold

The Liza Colby Sound
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tedeschi Trucks Band
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3Dog Entertainment
RuhrCongress Bochum

Nazareth – Support: Formosa – 12.04.2019, Turock, Essen – Konzertbericht

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Die schottische Hardrockband Nazareth besuchte anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens auch das nicht ausverkaufte, aber doch gut gefüllte Essener Turock. Im Gepäck hatten sie neben ihrer neuen Scheibe „Tattooed On My Brain“ auch die deutschen Hardrocker von Formosa. Die drei Lokalmatadoren heizten das Publikum gut an, erwiesen sich als gelungener Support von Nazareth und haben an dem Abend mit Sicherheit den einen oder anderen neuen Fan hinzugewonnen.

Besonders in Erinnerung blieben die drei starken Nummern „Rock`N`Roll Generation“, „Bad Boys“ und „Fuck On Your Liver“, bei denen auch das Publikum in die Refrains einbezogen wurde. Nach dem etwa 45-minütigen Auftritt und einer etwas längeren Umbaupause mit Feinjustierung des Sounds, ertönte gegen 21:30 Uhr dudelsackgeprägte Musik, die einem auch in den schottischen Highlands hätte begegnen können.

Im Dämmerlicht betraten die Musiker die Bühne und aus zunächst scheinbar planlosem Spiel, entwickelte sich der Opener „Turn On Your Receiver“. Ein passender krachender Beginn eines Konzertes, dem mit „Never Dance With The Devil“ vom aktuellen Album „Tattooed In My Brain“ folgte. Nazareth zeigten hier auch ein neues Gesicht und verließen sich nicht nur auf die alten Stücke, sondern streuten auch neues, starkes Material ein und bewiesen, dass sie eine lebendige Band sind, die sich mit den Umbesetzungen der letzten Jahre, auch weiterentwickelt hat.

Von der Ursprungsformation war nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden des Sängers Dan McCafferty (2013), dem Tod des Drummers Darrel Sweet (1999) und dem schon Jahrzehnte zurückliegenden Austritt des Gitarristen Manny Charlton (1990), nur noch der bestens gelaunte, mit dem Publikum feixende, sehr agile Pete Agnew am Bass vertreten.

Jimmy Murrison an der Gitarre kann allerdings auch schon fast als Urgestein gesehen werden, wie auch Petes Sohn Lee, der nun schon 20 Jahre die Stöcke in der Band schwingt. Klasse eingefügt hat sich Sänger Carl Sentance, der stimmlich McCafferty voll ersetzt, ohne ihn nachzuahmen. Er imitiert diesen aber nicht, sondern drückt den Songs seinen eigenen Stempel auf.

Nach den gelungenen Auftaktliedern, die für die entsprechende Stimmung sorgten, legten Nazareth erstmal einige Klassiker nach. Dem krachenden „Razamanaz“, mit stakkato-artigem Gitarrenspiel des bestens aufgelegten Murrison, dessen Gesicht meist durch die graublonde Mähne verdeckt war, folgte schon sehr früh das Joni Mitchel- Cover „This Flight Tonight“, für mich immer wieder einer der stärksten Songs, mit seinem unverwechselbaren treibenden Rhythmus.

Mit „Dreams On“, „Holiday“ und „My White Bicycle“ wurde etwas Fahrt herausgenommen. „Change“, ein neuer sehr melodischer Hardrocksong, war wieder von Sentances Stimme geprägt. Erfreulich, dass die neuen Songs vom Publikum gut angenommen wurden, und einem so eine Art Greatest Hits-Konzert, was viele der altgedienten Bands auf die Bühne bringen, so erspart blieb.

„Hearts Grown Cold“, wo Sentance nun zusätzlich eine akustische Gitarre spielte, war der atmosphärisch stärkste Song des Abends. Sentance mit eindrucksvollem Gesang, Murrison mit gefühlvollem Gitarrenspiel und die Familie Agnew mit dem dazu passenden Rhythmus zeigten, dass Nazareth auch Balladen vortrefflich live auf die Bühne zaubern können.

Mit dem krachenden „Beggars Day“, das in einem mehrminütigen, furiosen psychedelischen Instrumentalgewitter endete, riss man die Besucher abrupt aus allen Träumen. „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ hatten es ebenfalls in sich. Dass nach diesen beiden erprobten Klassikern mit „Tattooed In My Brain“ der Titelsong des aktuellen Albums folgte, mag gewagt sein, zeigt aber auch, welchen Stellenwert die neuen Tracks für die Band haben, womit scheinbar eine Art neue Epoche eingeläutet wird.

Danach war wieder Träumen angesagt, denn mit dem Everly Brothers-Cover „Love Hurts“, gab es den wohl erfolgreichsten Song von Nazareth und man konnte bei dem einen oder anderen Besucher ein rollendes Tränchen erkennen. Waren es Erinnerungen an einen Knuddel-Blues mit der Jugendliebe?

Den Abschluss bestritt dann das sphärische „Morning Dew“, bei dem Agnew am Bass glänzte, nach und nach der Rest der Band einsetzte, um zum Ende hin, in psychedelischer Manier, das Konzert zu beenden. Schön war hier, wie Agnew an den Drums, den Rhythmus von „This Flight Tonight“ in den Song zauberte.

Das nun regelrecht aufgeputschte Publikum benötigte nicht lange, um die Band wieder auf die Bühne zu schreien. Mit dem heftigen „Miss Misery“, der stark vorgetragenen Ballade „Where Are You Now“ und „Go Down Fighting“, wurden noch drei Songs nachgelegt, die man vorher nicht als Zugabe erwartet hätte, die aber ein würdiger Abschluss des Konzerts waren.

Quirlige 100 Minuten offerierten, dass man Nazareth nicht zum alten Eisen legen sollte, sondern dass sich eine alte Hardrockband, irgendwie wieder neu erfunden hat. Gut rüber kam die Freude der Band am Spiel und eine offenkundige Harmonie, wobei insbesondere der Fronter Sentance die Nähe der Saitenspieler suchte und diese beim Spiel teilweise umarmte.

Bemerkenswert war auch die Interaktion mit dem Publikum, des Öfteren war erkennbar, wie die Musiker direkt einzelnen Besuchern zuzwinkerten. Lustig war der Hinweis an einen Fan, der mit einem recht dicken Pullover und Mütze bekleidet war, dass doch schon Frühling sei. Wenn man diesen Ausspruch als Motto des Abends nimmt, kann gesagt werden, dass Nazareth, auch bedingt durch die schrittweise erfolgten Blutauffrischungen, einen zweiten Frühling erleben und bei so manchem gealterten Fan Gefühle dieser Art erweckt hatten. Ein starker Auftritt, mit einem gut gewählten Mix alter und neuer Songs, der vielleicht noch zum Besuch des einen oder anderen folgenden Konzerts animiert.

Hier in der Nähe wird Nazareth nochmal Anfang Dezember im Dortmunder Piano auftreten, für mich persönlich ein Pflichttermin. Ein Dank auch an das Management der Band für die problemlose Akkreditierung und dem Team des Turocks, welches wieder mal dazu beitrug, dass der Essener Hardrocktempel, einen tollen Abend erleben durfte.

Line-up Formosa:
Line Up Formosa:
Nik Bird (lead vocals, bass)
Nik Beer (guitars, vocals)
Paris Jay (drums)

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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