Eric Church – Heart & Soul – Triple-CD-Review

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Nachdem zunächst Morgan Wallen mit seinem 30 Songs umfassenden Doppelalbum „Dangerous“ für den ersten großen Paukenschlag des Country-Jahres 2021 gesorgt hatte, lässt auch der amtierende CMA Entertainer des Jahres, Eric Church, nicht locker und präsentiert mit „Heart“ „&“ „Soul“ ebenfalls ein opulentes Werk (gesplittet als Triple), das auch satte 24 Tracks aufweist.

Für die Aufnahmen hatte sich der Protagonist mit einem Heer an Songwritern und Musikern für 28 Tage in ein Restaurant in den Bergen von North Carolina eingemietet. Die innen völlig aus Holz gebaute Location wurde dazu kurzfristig in ein Aufnahme-Studio umfunktioniert. Für die hervorragnde Produktion zeichnet sich wieder sein Langzeit-Spezi Jay Joyce verantwortlich.

eric-church-heart-soul-14432Als besondere Aufgabe hatte Eric ausgelobt, jeden Tag einen neuen Song zu kreieren, sprich morgens geschrieben und abends eingespielt, so hatten alle anwesenden Akteure Gelegenheit, sich in die Entwicklung einzubringen. Für ihn selbst sei besonders wichtig gewesen, zu erfahren, was passiert, wenn man aus seiner eigenen Komfortzone gerissen wird. Er ist davon überzeugt, dass diese, kreative Prozesse eher behindern würde, wie die Erfahrung zum Vorgänger „Desperate Man„, immerhin ein Nr.1-Album, aus seiner Sicht gezeigt hätte.

Dass Church, bei dem ich glücklicher Weise bei einem seiner wenigen Deutschland-Konzerte 2014 in Köln (Vorband The Cadillac Three) zugegen sein durfte, vom Stil seiner Lieder in keine eindeutige Schublade mehr einzuordnen ist, dürfte spätestens seit „The Outsiders“ bekannt sein.

Und so verhält es sich auch auf dem neuen, in drei Alben, mit drei Titeln „Heart“ „&“ „Soul“, getrennten Teil. Schöne Geste übrigens von ihm an seine Fan-Base, den Church-Choir: „Das mittlere Werk „&“ wird nur für diesen speziell ab dem 20. April und nur auf Vinyl erhältlich sein. Die beiden anderen werden jeweils am 16. („Heart“), bzw. 23. April („Soul“) veröffentlicht.

Vom herrlich southern-rockigen Opener „Heart On Fire“ (erinnert ein wenig an Kid Rocks „All Summer Long“) auf „Heart“ bis zum emotionalen Finale „Lynyrd Skynyrd Jones“ (schöne melancholische Südstaaten-Leben-Hommage in Country-Storyteller-Manier) auf „Soul“, werden wieder diverseste Stile wie Country, New Country, Rock, Southern Rock, Pop, Funk und Soul harmonisch in Einklang gebracht.

Verdanken ist das neben den allesamt exzellent agierenden Musikern und Joyces famoser Produktion, in erster Linie dem variablen Singvermögen des ‚Chiefs‘ und einer brillierenden und stark eingebundenen Co-Sängerin Joanna Cotten (viele eingeflochtene Harmony-Parts und Kurz-Leads), die einen Großteil der Stücke dadurch absolut aufwertet.

Und so lässt der 43-jährige Singer/Songwriter neben seinen (New-) Countrywurzeln mit einigen weiteren (Southern-umwehten) Krachern wie „Stick That In Your Country Song“, „Bunch Of Nothing“, „Do Side“ oder „Bad Mother Trucker“ und Church-typischen Ohrwürmern wie „Never Break Heart“, „Crazyland“, „Doing Life With Me“, „Kiss Her Goodbye“)  immer wieder auch Reminiszenzen an vergangene Musikepochen einfließen.

Hier verneigt sich imaginär vor Größen wie u. a. Bruce Springsteen („Heart Of The Night“), Billy Joel („Russian Roulette“), John Cougar Mellencamp („Hell Of A View“), Tony Joe White (das herrlich relaxte „Rock & Roll Found Me“), Otis Redding („Look Good And You Know It“, das grandiose „Where I Wanna Be“), ZZ Top, Bee Gees („Break It Kind Of Guy“ – schönes „Eliminator“-Rhythmus-Flair, Falsetto-Gesang), den Allman Brothers („Jenny“) und ja sogar 10cc (mit „I’m Not In Love“-typischen Synthie-Hall) bei „Mad Man“.

Am Ende stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, wer wohl bei der Wahl zum Album des Jahres von beiden, Wallen oder Church, bei den einschlägigen Awards, die Nase vorn haben wird (falls da nicht noch jemand, was relativ unwahrscheinlich sein dürfte, ähnlich Berauschendes aus dem Hut zaubern sollte). Wallen hat sich mit seinem rassistischen Fauxpas vor geraumer Zeit da sicherlich schon selbst im Vorfeld den Wind aus den eigenen Segeln genommen.

Auch wenn dieser meinem persönlichen Musik-Geschmack etwas mehr entgegen kommt, und auch noch einige Stücke mehr zu bieten hatte, brauche ich am Ende wohl doch nicht die Münze zu werfen. Eric Church, überzeugt mit „Heart“ „&“ „Soul“ auf  nahezu gleichem Niveau mit mehr Mut, Risiko und Diversität, man fiebert bei den Durchläufen einfach mehr mit und wird emotionaler gepackt.

Somit große Kirche, ähm, ich meine natürlich großes Kino, lieber Mr. Church!

In Würdigung der tollen Gesamtleistung hier die Auflistung aller Involvierten:

Musiker:

Lead Vocals: Eric Church
Additional Vocals: Casey Beathard, Craig Wright, Jason Hall, Jay Joyce, Jeff Hyde, Jeffrey Steele, Joanna Cotten, Jonathan Singleton
Acoustic Guitar: Bryan Sutton, Casey Beathard, Charlie Worsham, Eric Church, Jay Joyce, Jeff Cease, Jeff Hyde, Jeffrey Steele, Kenny Vaughn, Luke Dick
Electric Guitar: Charlie Worsham, Driver Williams, Eric Church, Jay Joyce, Jeff Cease, Kenny Vaughn, Luke Dick, Rob McNelley
Steel Guitar: Luke Dick
Slide Guitar: Jeff Cease
Banjo: Charlie Worsham, Jeff Hyde
Mandolin: Bryan Sutton, Charlie Worsham, Jeff Hyde
Dobro: Bryan Sutton
Resonator: Bryan Sutton
Bass: Lee Hendricks
Synth Bass: Billy Justineau
Drums: Craig Wright
Percussion: Craig Wright
Tambourine: Jay Joyce
Piano: Billy Justineau, Moose Brown
Mellotron: Billy Justineau
Electric Organ: Billy Justineau, Jay Joyce, Moose Brown
Keyboards: Jay Joyce
Synthesizer: Billy Justineau, Jay Joyce
Programming: Jay Joyce
Hand Claps: Billy Justineau, Brian Snoody, Casey Beathard, Charlie Worsham, Craig Wright, Driver Williams, Eric Church, Jason Hall, Jaxon Hargrove, Jay Joyce, Jeff Cease, Jeff Hyde, Jimmy Mansfield, Joanna Cotten, John Peets, Lee Hendricks, Luke Dick

EMI Records Nashville (Universal Music) (2021)
Stil: New Country & More

Tracks und Songwriter „Heart“:

01. Heart On Fire (Eric Church)
02. Heart Of The Night  (Eric Church, Jeremy Spillman, Jeff Hyde, Ryan Tyndell,      Travis Hill)
03. Russian Roulette (Eric Church, Casey Beathard, Monty Criswell)
04. People Break (Eric Church, Luke Laird)
05. Stick That In Your Country Song (Davis Naish, Jeffrey Steele)
06. Never Break Heart (Eric Church, Luke Dick)
07. Crazyland (Eric Church, Luke Laird, Michael Heeney)
08. Bunch Of Nothing (Eric Church, Jeff Hyde)
09. Love Shine Down (Eric Church, Casey Beathard, Jeffrey Steele)

Tracks und Songwriter „&“:

01. Through My Ray-Bans (Eric Church, Luke Laird, Barry Dean)
02. Doing Life With Me (Eric Church, Casey Beathard, Jeffrey Steele)
03. Do Side (Eric Church, Casey Beathard)
04. Kiss Her Goodbye (Eric Church, Casey Beathard)
05. Mad Man (Eric Church, Casey Beathard)
06. Lone Wolf (Eric Church, Jeff Hyde, Ryan Tyndell)

Tracks und Songwriter „Soul“:

01. Rock & Roll Found Me (Eric Church, Casey Beathard, Driver Williams)
02. Look Good And You Know It (Eric Church, Jonathan Singleton, Travis Meadows)
03. Bright Side Girl (Eric Church, Jeff Hyde, Scotty Emerick, Clint Daniels)
04. Break It Kind Of Guy (Eric Church, Casey Beathard, Luke Dick)
05. Hell Of A View (Eric Church, Casey Beathard, Monty Criswell)
06. Where I Wanna Be (Eric Church, Casey Beathard, Jeremy Spillman, Ryan Tyndell)
07. Jenny (Eric Church)
08. Bad Mother Trucker (Eric Church, Casey Beathard, Luke Dick, Jeremy Spillman)
09. Lynyrd Skynyrd Jones (Casey Beathard)

Eric Church
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Oktober Promotion

Lucinda Williams – Runnin’ Down A Dream – A Tribute To Tom Petty – CD-Review

cover Lucinda Williams - Runnin Down A Dream - A Tribute To Tom Petty 300

Review: Michael Segets

Lucinda Williams gab im letzten Quartal 2020 sechs Streaming-Konzerte, die bislang nur über ihre Homepage erhältlich sind. Neben thematisch ausgerichteten Auftritten widmete sie Bob Dylan, den Rolling Stones und Tom Petty einen Abend. Die Konzerte werden nun in der Reihe Lu’s Jukebox auf CD und Vinyl herausgebracht. Den Auftakt bildet „Runnin‘ Down A Dream – A Tribute To Tom Petty“. Die Erstveröffentlichung stammt vom 20. Oktober, dem Tag, an dem Tom Petty siebzig geworden wäre.

Der Reiz von Tribute-Alben liegt zum guten Teil darin, zu vergleichen, welche Titel ausgewählt werden und was die Musiker aus den Vorlagen machen. Die Songs einfach nur möglichst nah am Original spielen zu wollen, ist bei Tom Pettys speziellem Sound ein Unterfangen, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. In diese Falle tappt Lucinda Williams nicht. Sie transformiert die Stücke so, dass sie erkennbar bleiben und dennoch eine eigenständige Atmosphäre entwickeln.

Mit ihrer dunklen Stimme, mit dem Mut, streckenweise nölige Töne anzuschlagen, und mit einer erdigen Bandbegleitung verändert Williams die Songs und lässt sie in neuem Licht erscheinen. Die Interpretationen sind durchgängig gelungen und besonders die Stücke, die ich nicht unter den Top-Titeln von Petty verbucht hatte, beeindrucken in ihrem reformierten Gewand. „Down South“ und „Gainesville“ gehören in diese Kategorie.

Bei der Songauswahl überrascht, dass Williams nicht auf die frühen Klassiker zurückgreift und auch die starken Alben „Long After Dark“, „Let Me Up“ oder „Into The Great Wide Open“ ignoriert. Williams trifft bei ihrem Tribute eine individuelle Auswahl und orientiert sich weniger am Erfolg oder Bekanntheitsgrad der Titel. Natürlich sind auch Songs vertreten, die jedem noch in Ohr sein dürften. Nicht zuletzt „I Won’t Back Down“ und „Southern Accents“, die zuvor von Johnny Cash gecovert wurden. Besonders freut es mich, dass mit „Rebels“ einer meiner Favoriten den Weg auf das Album gefunden hat.

Insgesamt berücksichtigt Williams die meisten Schaffensphasen von Petty, ohne dabei repräsentativ sein zu wollen. Sie legt den Schwerpunkt auf die Alben „Full Moon Fever“ und „Wildflowers“, die in den 1990ern veröffentlicht wurden. Das Artwork des Covers ist dann auch an das von „Full Moon Fever“ angelehnt. Von beiden CDs, die zusammen mit „Highway Companion“ (2006) als Solo-Veröffentlichungen von Tom Petty zählen, da die Heartbreakers als Band nicht mit von der Partie waren, greift Williams jeweils drei Tracks heraus. Aus den siebziger Jahren fiel ihre Wahl auf das leicht countryfizierte „Louisiana Rain“, das im Original von Damn The Torpedoes stammt, auf dem sich auch die deutlich bekannteren „Refugee“ und „Even The Losers“ finden. Pettys Spätphase, in der er Mudcrutch wiederbelebte, spiegelt sich in der Liedauswahl von Williams nicht wider.

Den Abschluss der CD bildet „Stolen Moments“, ein Song, den sie als Hommage an den Ausnahmemusiker verfasste. Sie tritt damit in die Fußstapfen von Reckless Kelly, die unlängst ebenfalls eine berührende Würdigung des Rockmusikers aus Gainesville mit „Tom Was A Friend Of Mine“ vorlegten.

Tom Petty hinterlässt tiefe Spuren in der Rockmusik. Dass ein groß angelegtes Tribute-Werk dreieinhalb Jahre nach seinem überraschenden Tod noch fehlt, ist schwer verständlich. Williams schließt diese Lücke zumindest teilweise, indem sie mit einer persönlichen Würdigung seiner Songs einen Streifzug durch Pettys musikalisches Schaffen unternimmt und dabei vor allem seine Solo-Karriere berücksichtigt. Ohne den Sound von Petty kopieren zu wollen, interpretiert sie seine Werke auf eine eigenständige Art, mit der sie der Ikone gerecht wird und sich selbst treu bleibt.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Rebels
02. Runnin‘ Down a Dream
03. Gainesville
04. Louisiana Rain
05. I Won’t Back Down
06. A Face in the Crowd
07. Wildflowers
08. You Wreck Me
09. Room at the Top
10. You Don’t Know How It Feels
11. Down South
12. Southern Accents
13. Stolen Moments

Lucinda Williams
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Tom Petty – Finding Wildflowers (Alternate Versions) – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Veröffentlichungspolitik mancher Label ist aus Fanperspektive schon recht fragwürdig. Dass manche Alben in unterschiedlichen Editionen rauskommen, mag ja noch angehen, unfair wird es, wenn diese unterschiedlichen Ausgaben nach und nach – eventuell angereichert durch ein oder zwei Bonusstücke – erscheinen. Als eingeschworener Fan ist man dann quasi gezwungen, das gleiche Album ein zweites Mal zu kaufen. Bei „Finding Wildflowers“ von Tom Petty verhält es sich etwas anders.

Letztes Jahr wurde „Wildflowers & All The Rest“ in unterschiedlichen Versionen herausgebracht. Die Standard-Ausgabe umfasst neben dem Originalalbum ein zweites, dessen Erscheinen ursprünglich von Petty geplant, aber nicht realisiert wurde. Weitere Editionen ergänzten Demotracks, Live-Aufnahmen und einzelne unveröffentlichte Titel. Diejenigen, die sich mit der normalen oder Deluxe-Edition begnügten, können nun ein Upgrade erwerben, das keine Überschneidungen zu diesen Ausgaben aufweist und bisher lediglich in der Super-Deluxe-Variante – meines Wissens bereits vergriffen – erhältlich war.

„Finding Wildflowers“ bietet im Wesentlichen alternative Einspielungen der Wildflower-Songs sowie drei weitere Titel. Die früheren Versionen der bekannten Songs klingen rauer und unterscheiden sich dadurch auch atmosphärisch etwas von den schließlich herausgegebenen. Die einzelnen Instrumente sind nicht so verbunden abgemischt, wodurch der Soundteppich nicht so voll klingt. Dadurch sind die einzelnen Musiker differenzierter zu unterscheiden. Die Rohvarianten entwickeln dabei durchaus ihren Charme und manche Tracks, die auf der Original-CD vielleicht etwas süßlich geraten sind, gewinnen in der reduzierteren Alternative. „Only A Broken Heart”, „House In The Woods”, „Wake Up Time” sowie „Don’t Fade On Me” erhalten so einen neuen Anstrich.

Schlagzeug und Gitarren hören sich bei „Wildflowers” erdiger und der rauer an und geben besonders dem sowieso guten „Honey Bee“ nochmal einen anderen Kick mit. „Cabin Down Below“ ist einmal in einer akustischen Version vertreten, die – anders als vermutet – ebenfalls mit Schlagzeug eingespielt und nicht auf eine Gitarre beschränkt ist. Die zweite Variante punktet mit einem Klaviersolo. Der Track läuft eine Minute länger als das Original. Bei den anderen Songs sind die zeitlichen Abweichungen geringer.

Wenn man die ursprünglich veröffentlichten Aufnahmen mit den neuen vergleicht, lassen sich durchaus Änderungen im Detail feststellen. Bei „You Wreck Me“ fällt das Gitarrensolo anders aus und das Klavier ist dominanter, bei „Good To Be King“ tritt der Backgroundgesang deutlicher in Erscheinung. Die Liebhaber von Tom Pettys Musik werden sicherlich Spaß am genaueren Abgleich der Tracks finden. Für diese sind dann bestimmt auch die zuvor nie gehörte Single „You Saw Me Comin‘“, die Studioeinspielung von „Drivin’ Down To Georgia“ sowie das lediglich als B-Seite von „You Don’t Know How It Feels” veröffentlichte „Girl On LSD“ interessant. Von der erfolgreichen Auskopplung von „Wildflowers“ fehlt eine alternative Aufnahme ebenso wie von „Time To Move On“ und „To Find A Friend“.

„Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ stellt eine willkommene Ergänzung für Fans von Tom Petty dar, die die Investition in die Super-Deluxe-Ausgabe des vorangegangenen „Wildflowers & All The Rest“ gescheut hatten. Ihnen bietet sich nun die Möglichkeit, ihre Sammlung zu komplettieren. Die Fan-Basis von Tom Petty scheint auch dreieinhalb Jahre nach seinem Tod noch breit genug zu sein, damit sich eine solche Veröffentlichung für ein Major-Label rechnet. Dabei sind die alternativen Versionen sorgsam produziert und ausgewählt, sodass nicht der Eindruck entsteht, dass auf leicht verdientes Geld geschielt wird. Stattdessen präsentieren sich die altbekannten Stücke in einer neuen Form, die es verdient, gehört zu werden.

Eine weitere gute Nachricht für Fans von Tom Petty: Parallel zu „Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ erscheint in Kürze ein Tribute-Album von Lucinda Williams, auf dem sie ihre Interpretationen seiner Songs vorstellt.

Warner Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. A Higher Place
02. Hard On Me
03. Cabin Down Below
04. Crawling Back To You
05. Only A Broken Heart
06. Drivin’ Down To Georgia
07. You Wreck Me
08. It’s Good To Be King
09. House In The Woods
10. Honey Bee
11. Girl On LSD
12. Cabin Down Below (Acoustic Version)
13. Wildflowers
14. Don’t Fade On Me
15. Wake Up Time
16. You Saw Me Comin’

Tom Petty
Warner Records
Oktober Promotion

Midland – The Sonic Ranch – CD-Review

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Sehr schönes Album des Erfolgs-Trios Jess Carson, Cameron Duddy und Mark Wystrach alias Midland, das die Zeit reflektiert, als man sich gerade zu einer Band zusammenfand und vom nachfolgenden Ruhm und Glanz noch nichts zu erahnen war.

Die drei hatten sich 2013 bekannter Maßen auf der Hochzeit Duddys kennengelernt, ein paar Songs auf der Veranda zusammengespielt und sich für ein weiteres Zusammenwirken entschieden. 2014 hatte man sich aus diesem Grund für elf Tage auf der Sonic Ranch in El Paso, Texas, mit ein paar weiteren Musikern eingemietet, um ein erstes Basis-Songmaterial zu erstellen, vermutlich aber auch um die menschliche ‚Chemie‘ der Charaktere untereinander auszuloten.

Herausgekommen ist ein schönes, frei von allen Zwängen, entstandenes Album mit zwölf, recht unpolierten, rauen und authentisch klingenden, größtenteils von Jess Carson geschriebenen Countrysongs und eine knapp 47-minütige, unterhaltsame Dokumentation über das Making Of, die man sich unter diesem Link anschauen kann.

Das Midland-Werk startet mit dem einzigen Track „Fourteen Gears“, der es auf eines der beiden folgenden ‚offiziellen‘ Major-Studio-Alben und zwar auf „Let It Roll“ geschafft hat. Im Prinzip bekommt man hier schon direkt wieder alles geboten, was man an den Jungs liebt. Flockige Akustik- und E-Gitarren, leiernde Steel, lässiger Shuffle-Rhythmus, dazu Wystrachs einnehmende Stimme, perfekte Harmoniegesänge (ab und zu hier auch dezente weibliche), nur alles etwas im Sound zurückgenommener. Bei wenigen Liedern gibt es auch ein paar Piano-Tupfer („Champagne For The Pain“,schön klimprig bei  „She’s A Cowgirl“).

Verantwortlich für die ‚Ranch‘-Produktion ist hier noch Omnisassa David Garza (Fiona Apple’s Fetch the Bolt Cutters), der besonders mit einigen quirligen E-Gitarrenparts brilliert. Zweimal, bei „Will This Life Be As Grand“ und „Cowgirl Blues“ als vorletztem Track, das zunächst in der Anfangsphase von Wystrach gesungen wird, offeriert Jess Carson seine stimmliche Markanz, die mit ihrem Donavan-Flair als Zusatz-Pfund ebenfalls für den Siebziger Jahre-Touch der Band prädestiniert ist.

Insgesamt ist der „The Sonic Ranch“-‚Soundtrack‘ vom mittlerweile bei den ACM-Awards 2018 zur New Vocal Duo or Group of the Year prämierten Trio Midland ein gut gewählter Füller bis zum nächsten, oft ’schwierigen‘ und mit Spannung erwarteten dritten Longplayer. Aber auch eine schöne Dokumentation, wie  zunächst ‚unbelastete‘ Musiker, den Grundstein zu einem kommerziellen Top-Act legen, vor allem, wenn dann Leute wie Scott Borchetta, Dann Huff & Co. das Ruder übernehmen.

Big Machine Records (2021)
Stil: Country

01. Fourteen Gears (Adobe House Version)
02. Cowgirl Blues
03. Worn Out Boots
04. Champagne For The Pain
05. Will This Life Be As Grand
06. Fool’s Luck
07. Whiskey
08. She’s A Cowgirl
09. Runnin‘ Wild
10. Texas Is The Last Stop
11. Cowgirl Blues (Jess Carson Vocal)
12. This Town

Midland
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AC/DC – Highway To Nashville – CD-Review und Gewinnspiel

Dass man aus AC/DC-Klassikern tolle launige Countrynummern machen kann, haben bereits Hayseed Dixie nachhaltig bewiesen. Der mittlerweile auch in den Niederlanden lebende Mastermind der australischen Hard Rock-Legende, Angus Young, war nach einem Konzert der Band, das er im De Bosuil in Weert besucht hatte, so angetan, dass der Wunsch immer stärker in ihm wuchs, selber mal Hand in Sachen Country anzulegen.

So nahm Young mit Dann Huff Kontakt auf, der die Australier mit seiner damaligen Band Giant 1989 bei der „Blow Up Your Video“-Tour bei einigen Konzerten in den Staaten supportet hatte. Huff zählt ja bekannter Maßen mit zu den besten Gitarristen der Welt und ist heute in Nashville eine der bestimmenden und nicht wegzudenkenden Produzentengrößen.

Huff bot Angus sofort an, seine Kontakte spielen zu lassen und kurze Zeit später stand die Idee, ein komplettes AC/DC-Country-Album in reiner Duettform mit allen Hits aufleben zu lassen. Die Stars der Music City-Gilde ließen sich auch nicht lange bitten und standen Spalier für das anspruchsvolle Werk.

Huff übernahm die Arbeit an den Reglern (zusammen mit Brendan O’Brien, den man natürlich auch nicht außen vor lassen wollte) und steuerte auch viele E-Gitarrenparts bei. Als ergänzende Musiker wurden neben den aktuellen „Power Up“-AC/DC-Akteuren und den ganzen Country-Sängern, stilsichere Koryphäen wie Ilya Toshinsky (Mandoline, Dobro, Banjo, Akustikgitarre), Gorden Mote (Keys), Dan Dugmore (Pedal Steel) sowie Stuart Duncan an der Fiddle mit eingebunden.

Direkt der Opener „Highway To Hell“ bietet Vergnügen pur. Mit dem starerprobten Jason Aldean, der ja auch schon an der Seite von Bob Seger für Furore gesorgt hat, ist das die richtige Einstimmung auf ein höchst unterhaltsames Werk.

Brian Johnson zeigt zumindest im Studio, dass er es gesanglich immer noch drauf hat, und bildet einen unwiderstehlichen Vokal-Counterpart zu seinen vielen, auf dem Album vertretenen Countrypromis. Richtig Laune schien ihm das Duett mit der Tochter von Johnnie Cash zu machen, da singt er am Ende statt „Whole Lotta Rosie“ begeistert „Whole Lotta Rosanne“!

Beim letzten Track „Walk All Over You“ hat sich das ganze Team zu Ehren von Bon Scott noch etwas besonderes einfallen lassen. Zu den Lead Vocals von Wynonna, die früher mit Huff zusammen auch schon einmal auf einem Sampler Skynyrds „Free Bird“ zu ganz neuem Flair verholfen hatte, wurde die Originalstimme des 1980 verstorbenen Kultsängers in den Song hineinprojiziert.

Wenn Scott dann in der 3. Strophe mit „Reflections on the bedroom wall…“ und im folgenden Refrain einsetzt (was man ohne dieses Vorwissen jetzt nicht erwarten würde), ist Gänsehaut garantiert, die neue furiose E-Gitarrenpassage von Huff und Young ist einfach nur göttlich. Das Ende des Songs ist dann wieder Wuchtbrumme Wynonna überlassen, die auch nochmal ihre ganze voluminöse gesangliche Klasse ausspielt. Ein gebührender Abschluss, nach dem einfach nichts mehr kommen kann.

Das zunächst nur für den US-Markt konzipierte AC/DCs Lust- und Laune-Projekt „Highway To Nashville“ bereitet einen Höllen-Spaß und Abwechslung von der ersten Sekunde bis zum o. a. Sensationsfinale „Walk All Over You“ mit der emotionalen Bon Scott-Verneigung.

Dann Huff und Brendan O’Brien haben in Zusammenarbeit mit den heutigen Gleichstrom-/Wechselstrom-Recken ein mit Augen- und Ohrenmaß zusammengeführtes Gesamtwerk kreiert, das sowohl bei Edelfans der Band wie auch bei Country- und allgemeinen Rock-Liebhabern bei so mancher heiß und hoch hergehenden Party in den Player finden wird. Unbedingt zulegen!

Gerade O’Brien zeigte sich von der spielerischen und technischen Effizienz in Nashvilles Studiowesen begeistert: „Das war wirklich eine tolle Sache, wir haben alle viel von einander gelernt, ich werde davon sicherlich einiges für die nächsten Alben von AC/DC und so manch anderer Band mitnehmen und entsprechend einbringen“.

Wie wir aus Insiderkreisen erfahren haben, wird die Scheibe in den nächsten Tagen direkt auf Platz 1 in den Billboard-Country-Charts einsteigen. Ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Angus Young zum 66. Geburtstag, dessen handsigniertes Rezensions-Exemplar Sounds Of South an eine(n) unserer treuen Leser/innen verlost.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden: Welcher der beteiligten Country-Künstler ist im gleichen Land wie AC/DC groß geworden:

a) Eric Church
b) Keith Urban
c) Willie Nelson

Schicke wie immer eine E-Mail mit der richtigen Lösung an dan@sounds-of-south.de. Einsendeschluss ist der 1. April bis zum Ende des Tages.

Thunder Struck Music (2021)
Stil: Country Rock

01. Highway To Hell – feat. Jason Aldean
02. Thunderstruck – feat. Keith Urban
03. Hells Bells – feat. Brad Paisley
04. Whole Lotta Rosie – feat. Rosanne Cash
05. T.N.T. – feat. Tim McGraw
06. You Shook Me All Night Long – feat. Blake Shelton
07. Shot Down In Flames – feat. Willie Nelson
08. Shoot To Thrill – feat. Alan Jackson
09. Back In Black – feat. Clint Black
10. Dirty Deeds Done Dirt Cheap – feat. Big & Rich
11. Heatseaker – feat. Billy Ray Cyrus
12. Stiff Upper Lip – feat. Kenny Chesney
13. Touch To Much – Luke Combs
14. Let There Be Rock – feat. Brantley Gilbert
15. If You Want Blood (You Got It) – feat. Chris Stapleton
16. Down Payment Blues – feat. Miranda Lambert
17. Nick Of Time – feat. Dierks Bentley
18. High Voltage – feat. Eric Church
19. Girls Got Rhythm – feat. Jaren Johnston
20. Walk All Over You – feat. Wynonna

AC/DC
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Black Banjo – Out Of The Skies – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Black Banjo, das ist ein italienisches Quartett, welches sich ganz und gar dem Blues Rock verschrieben hat. Die vier Jungs sind schon seit langem im Musikgeschäft unterwegs und haben in der Vergangenheit jeder für sich bereits mit vielen namhaften Musikern/Bands zusammengespielt (Deep Purple, Slash, Uli Jon Roth, Ian Paice & Don Airey, um nur einige zu nennen). Die Band besteht aus Alex Alessandrini Calisti (Gitarre, Gesang), Francesco Caporaletti, genannt „The Captain“ (Bass), Archelao Macrillò (Drums) und Massimo Sacutelli (Piano & Orgel). Zudem haben am Album noch Louis Marini aus der Original „Blues Brothers Band“ und Nathaniel Peterson, ehemaliger Bassist von Savoy Brown mitgewirkt.

Mit „Out Of The Skies“ legt die Truppe nun ihr erstes Album vor. Es enthält elf Tracks, die alle mehr oder weniger dem Blues Rock zuzurechnen sind. Der Opener „Alive And Well“ legt mit seinem eingängigen Rhythmus und seinem leichtem Südstaatenflair den Grundstein für den Charakter der weiteren Songs. Auch „Stone Cold Killer“ steht mit seinen Bluesharpeinlagen und der Keyboarduntermalung stilistisch ganz im Zeichen des traditionellen Blues Rock und erzeugt fast ein wenig 70‘er Jahre Feeling. Das mit viel Spielfreude und Bläsern dargebrachte schwungvolle „The Contest“ hingegen ist eine schöne Reminiszenz an vergangene Rock‘n‘ Roll Zeiten und geht mächtig in die Beine. Auch „Out Of The Skies“ ist ein wenig Retro und könnte durchaus vor 50 Jahren geschrieben worden sein.

In direktem Kontrast zu den ersten vier Songs steht das melodiöse, ruhigere und mit gefälligen Bläsersätzen angereicherte „If It Wasn‘t For The Music“, während „Last Man Standing“ wiederum etwas schwerer und rockiger daher kommt. Die Bluesnummer „Youth Of The Nation“ hingegen wartet mit gefälligen Slidegitarren-Riffs auf, die dem Song etwas Southern-Atmosphäre verpassen.

Flott-fröhlich und mit reichlich Piano und Hintergrundbläsern lädt „Miss Daisy“ dann zum Abtanzen ein. „Bumps Boogie“, ein reines Instrumentalstück, beginnt mit einem Boogie-typischen Rhythmus, wechselt dann zum Blues, um letztendlich doch wieder als furioser Boogie zu enden. Mit „Tainted Love“ geht’s kurz vor dem Ende der Scheibe nach einem kurzen Schlagzeugintro nochmals ein bisschen rockig-härter zu, bevor der Rausschmeißer „Sue‘s Gone Away“ erklingt, ein ruhiges Stück im Songwriter-Stil, geprägt durch akustisches, fast spanisch anmutendes Gitarrenspiel und harmonischen Gesang.

Offiziell segelt das Album unter der Flagge des Blues Rock und tatsächlich sind derartige Stilelemente auch reichlich vorhanden. Trotzdem fehlen teilweise die deftig-schweren Töne, was sicherlich auch am Stil insgesamt liegt, der über weite Strecken Assoziationen an den Keyboard-geschwängerten Rock der 70‘er Jahre weckt. Und dann kommt noch Calistis relativ hohe Stimmlage hinzu, die gar nicht so rau und dreckig klingt, wie es man es von einem Bluesrocksänger erwarten würde.

Unter dem Strich ist es dennoch keine schlechte Scheibe, aber eben doch etwas anders, als man vielleicht erwarten würde. Im Handel ist sie seit dem 5. März zu bekommen. Abschließend bleibt noch zu sagen, dass die Jungs, so Corona es will, ab Ende Juni 2021 zusammen mit den legendären Animals auf Europatournee gehen.

Label: Eigenproduktion (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Alive And Well
02. Stone Cold Killer
03. The Contest
04. Out Of The Skies
05. If It Wasn‘t For The Music
06. Last Man Standing
07. Youth Of The Nation
08. Miss Daisy
09. Bumps Boogie
10. Tainted Love
11. Sue‘s Gone Away

Black Banjo
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Two Side Moon Productions

The Lloyd Carter Band – Nothing To Lose – CD-Review

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„Nothing To Lose“ – was für ein Titel in diesen (beschissenen) Zeiten! Okay, wenn man eh schon total am Boden liegt, mag das stimmen, aber für viele Menschen, die sich Jahre lang abgeschuftet haben, um sich etwas aufzubauen und jetzt alles ohne persönliche Schuld von unfähigen und konzeptlosen Politikern aus den Händen gerissen bekommen, klingt das wie bittere Ironie.

Gerade unsere geliebte Musikbranche weiß davon sicherlich, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Lied zu singen, wo ja bekanntlich seit vielen vielen Monaten auch so gut wie gar nichts geht. Wohl dem, der hier – wie auch immer – genügend Rücklagen gebildet hat oder so dick im Geschäft ist, dass ihm die derzeitige Situation eh nichts anhaben kann.

Wenn ich persönlich, ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, hier schildern würde, was ich seit Beginn der Corona-Krise, alles an Verlusten erlitten habe, würde sich wohl jeder fragen, warum ich, statt hier das SoS-Magazin (samt der involvierten Kollegen) mühsam aufrecht zu erhalten, nicht längst bei irgendeinem Psychiater auf der Couch in Dauertherapie liege.

Dennoch ist es gerade die Musik, die im Moment auch ein bisschen Freude und mentalen Ausgleich bereitet.  Lloyd Carter, der Kopf der gleichnamigen The Llloyd Carter Band, der bei Kaylor Girl Promotions, einer Agentur, zu der ich seit einigen  Sister Hazel-Reviews ein sehr nettes Verhältnis pflege, unter den Fittichen ist, schickte mir seine signierte Debüt-CD und das mit einer netten handschriftlich verfassten Bitte, diese doch zu reviewen.

Dem komme ich natürlich gerne nach, zumal es auch noch genau der Stoff ist, den ich von Herzen liebe! Der aus Georgia stammende Lloyd kommt, wie so oft in den Staaten, aus einer Familie mit langer Musiktradition. Er entdeckte sein dementsprechendes Faible auf der High School und brachte sich diverse Instrumente selbst bei.

Dazu verfasst der von Leuten wie Keith Whitley, Steve Perry, Kenny Rogers oder Conway Twitty inspirierte Protagonist mittlerweile seit über 30 Jahren Texte, von denen diverse auf diesem elf Tracks umfassenden Werk, in adäquates Songmaterial in Szene gesetzt wurden.

Wir bewegen uns hier überwiegend im 90er Jahre umwobenen New Country, supplementiert durch Stile wie Southern Rock, AOR und auch eine Brise warmherzigen Soul („Come Dance With Me„, „When We Say Goodbye“).

Einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen dieses Longplayers haben auch seine beiden Songwriting-Partner Henry McGill (grandiose E-Gitarrenarbeit in allen südstaatlichen Spiel-Varianten) und Gary DiBenedetto, der das Werk nicht nur in seinem Studio wunderbar transparent produziert hat, sondern sich auch für die hervorragend abgestimmten Keyboard-Elemente (Grand Piano, Synthies, Organ, E-Piano) und ein sehr markantes Pedal Steelgitarren-Spiel (erinnert mich in seiner Prägnanz an das von Pat Severs von den Pirates Of The Misssissippi) verantwortlich zeigt.

Lloyds gewichtige Stimme, die sich in Sphären von Ronnie Dunn, Rich O’Toole, Frank Foster bis hin zu Trace Adkins bewegt, überzieht das herrlich eingängige und hochmelodische Songkonvolut zudem mit einem deutlich spürbaren Charisma.

Der Opener und Titelstück zugleich ist ein wie für unsere Klientel passgerecht gestalteter, satt stampfender und polternder Southern Country Rocker, der das Herz sofort höher schlagen lässt – genau mein Ding!

Viele Tracks wie „Live Life Well“, „Autumn Leaves„, „Can’t Never Could„, „Better Days“ oder  „His Last Chance“ bewegen sich im balladesken oder Midtempobereich, thematisch verwurzelt natürlich im typischen Wertesystem und Lebensgefühl des Südens, garniert mit einer hohen Portion Pathos und Emotionalität in Carters Gesang.

Für die Uptempo-Würze sorgen dann die geschickt dazwischen platzierten rockigeren Lieder wie das swampige „That Baby Will Run“ (heulend fiepende E-Fills, klasse Solo) oder, last but not least, das furios abgehende „It’s Friday Night“, bei dem kein anderer als Colt Ford mit einer launigen Rap-Einlage, seinen typischen Stempel aufdrückt. Klasse!

Fazit: Das Debüt der Lloyd Carter Band steht, wie so oft, für das unermesslich und schier unerschöpflich zu sein scheinende, kreative Potential der südstaatlichen Country Rock-Musik.

Wer Acts wie u. a. Diamond Rio, Darryl Worley, Vince Gill, Tracy Lawrence, John Michael Montgomery, Trace Adkins, Garth Brooks, Rich O’Toole, Lonestar, Travis Tritt, Tim McGraw, Brooks & Dunn, Pirates Of The Misssissippi, Frank Foster und wie sie alle heißen, die den New Country der 90er noch entscheidend mitgeprägt haben, gerne hört, darf sich über die gelungene Reinkarnation mittels der Lloyd Carter Band freuen.

Ein Werk, das man sich nach dem Motto „Nothing To Lose“ ‚blind‘ zulegen kann. Absolute Kaufempfehlung!

Song Box Records (2020)
Stil: New Country

01. Nothing To Lose
02. Live Life Well
03. Autumn Leaves
04. Come Dance With Me
05. That Baby Will Run
06. Can’t Never Could
07. Better Days
08. It’s Friday Night
09. His Last Chance
10. When We Say Goodbye
11. Hand You Hold

The Lloyd Carter Band
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Kulturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings – Interview

Pill-haupt

Eigentlich hätte ich gerne zum 15-jährigen Bestehen der Kulturrampe in Krefeld was zu einem Konzert geschrieben. Corona hat allerdings dafür gesorgt, dass dies nicht möglich ist. Um den Moment wenigstens ein klein wenig zu würdigen, verabredete ich mit Pille einen Termin, um wenigstens über 15 Jahre Kulturrampe reden zu können. Das schöne Wetter sorgte dafür, dass wir im ‚Biergarten‘ der Rampe zunächst eine Gourmetcurrywurst mit Pommes mit dem dazugehörenden Hygieneabstand zu uns nahmen, um dann gestärkt, 15 Jahre Krefelder Kulturgeschichte, Revue zu passieren zu lassen.

15875589_1270323359681975_3936416758692995256_oSounds Of South: Pille, 15 Jahre Kulturrampe sind schon ein beachtlicher Zeitraum. Wie kamst du damals auf die Idee, die Kulturrampe zu eröffnen?
Pille: Das ist eigentlich eine ganz simple Geschichte. Das waren hier früher Proberäume und ich war von der Krefelder Musikerinitiative für die Vermietung zuständig. Irgendwann lief das nicht mehr so gut und wir überlegten, was man mit den Räumen machen kann. Da kam dann ein Abend mit mehrere Leuten und einigem Bier, wo wir uns Gedanken machten und irgendeiner sagte „Konzerte“. Daran konnten wir uns am nächsten Morgen noch erinnern und wir haben es einfach so gemacht.

Sounds Of South: Einfach so gemacht? Die Räume waren ja angemietet, aber für eine andere Nutzung?
Pille: ‚Einfach so gemacht‘ ist natürlich nur grob umschrieben. Es mussten schon einige Formalitäten erledigt werden, bis es letztendlich umgesetzt werden konnte.

Sounds Of South: Gab es damals in irgendeiner Form eine Unterstützung der Stadt? Ich denke da zum Beispiel an besonders günstige Pachtbedingungen oder bist du da allein ins Risiko gegangen?
Pille: Nein, wir waren mit ein paar Leuten und die Sache wurde aus der Idee geboren und wir haben es dann umgesetzt.

100A5403-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wurde denn in einer Form eine Förderung z. B. durch das Kulturbüro der Stadt angeboten oder beantragt?
Pille: Nein, das haben wir ganz bewusst nicht gemacht, um uns in keine Abhängigkeit zu bringen. Es gab allerdings auch eine Zeit, als es finanziell sehr knapp war, wo die Stadt uns geholfen hat. Was auf jedem Fall gesagt werden muss, dass die Stadt uns sehr wohlgesonnen war, was oft schon viel wert ist. Aber Sachen wie z. B. einen Erlass der Miete oder Ähnliches gab es nicht, war von uns aber auch gar nicht gewollt.

Sounds Of South: Seit unserem Bestehen als Online-Magazin vor fünf Jahren berichten wir regelmäßig von Konzerten, die in der Rampe stattfanden. Ich möchte sogar so weit gehen, dass mir der Laden ans Herz gewachsen ist. In diesen Jahren habe ich eine unglaubliche Dynamik erlebt, auch was die Anzahl von Konzerten angeht, welche wohl 2018 von der Frequenz her, mit zum Teil zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche, ihren Höhepunkt, hatte.
Pille: Ja das stimmt. Das war vor allem eine logistische Herausforderung. 2019 wäre es vermutlich auch in der Form weitergegangen, aber in dem Jahr entschlossen wir uns, die Rampe zu renovieren und hatten deshalb natürlich ein etwas schmaleres Programm.

14524516_1175728582474787_6604584540681543219_oSounds Of South: In der Umbauphase wurde von Freunden der Kulturrampe ein Förderverein gegründet, um finanziell, aber auch mit Arbeitskraft zu unterstützen. Das war dann das erste Mal, dass es so zu einer Unterstützung von außen kam. Entstand die Gründung vielleicht auch aus der Angst, dass es sonst finanziell nicht reichen könnte?
Pille: Jein, das ist eigentlich eine eher gewachsene Sache. Es gab schon immer Leute, die mir Hilfe angeboten und mich auch unterstützt haben, ohne die wir es gar nicht die ganzen Jahre geschafft hätten. Das lief schon seit langer Zeit, bis einige Leute sich entschlossen haben, den Verein zu gründen. So haben wir eine gute Unterstützung für Kosten, die wir zu tragen haben. Und ehrlich gesagt würde es ohne diese Unterstützung den Laden zumindest in der Form nicht mehr geben.

PD_12_File_017-1Sounds Of South: Ich habe hier eine interessante Liste liegen, was du in der Zukunft an Konzerten in der Planung hast. Auf Namen und Daten will ich gar nicht eingehen, da zurzeit keine verlässliche bindende Planung möglich ist. Wenn man sich Bands anschaut, die hier gespielt haben, stellt sich die Frage, wie du das schaffst, solche Acts wie z.B. Little Caesar oder Robert Jon & The Wreck auf die Bühne zu holen, da die Einnahmen durch den Ticketverkauf bei maximal 120 Gästen und sehr humanen Preisen begrenzt sind.
Pille: Die Frage ist aus mehreren Sichtweisen zu beantworten. Zunächst einmal glaube ich, dass wir mit dem Führen des Ladens und dem Umgang mit den Künstlern vieles richtig gemacht haben. Wir haben immer einen großen Wert auf die Technik gelegt, dass ein guter Sound besteht und haben immer versierte Techniker gehabt, was für so kleine Läden auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ich glaube, das ist ein Faktor, der für Musiker immer sehr wichtig ist. Von den Gagen halten wir diese immer so hoch wie möglich, wobei diese natürlich durch die Größe des Ladens begrenzt sind. Das stellt für uns dann natürlich ein Problem dar, wenn eine bestimmte Summe vereinbart ist, und dann der Laden nur halb voll ist.

Sounds Of South: Kannst du dir vorstellen, dass manche Künstler auch bewusst auf Gage verzichten, da in der Rampe ein Wohlfühlfaktor herrscht und Konzerte oft eine regelrechte Party sind, die manchmal zu Beginn oder Ende einer Tour gefeiert wird?
Pille: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit unserem Umgang und unserer Philosophie dazu beitragen, dass viele Künstler einen großen Spaß haben, hier aufzutreten. Nichtsdestotrotz sind die Gagen auf einem verdient hohen Niveau. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass wir ein schon etwas älteres begeisterungsfähiges Publikum haben, welches nach dem Konzert gerne am Merchstand verweilt und sich mit verschiedensten Produkten eindeckt, deren Erlös direkt den Künstlern zu Gute kommt. Ich glaube, das hat sich auch bei den Künstlern und Tourmanagern rumgesprochen und erleichtert manchmal die Verhandlungen.

100A5485-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wo gerade das Tourmanagement angesprochen wurde. Du arbeitest auch viel mit Teenage Head Music zusammen und ich habe den Eindruck, dass du zu deren Chief Manny Montana mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hast. Erleichtert dies manchmal die Realisierung von Acts?
Pille: Ja, das stimmt. Es hat sich wirklich etwas, wie auch zu anderen Agenturen, entwickelt. Es besteht fast schon ein blindes Verständnis. Er weiß ziemlich genau, was hier gerne gehört wird und er hat dann immer die passenden Bands für unseren Laden bei sich in der Agentur. Wichtig ist für uns allerdings nicht nur die spielerische Qualität der Bands, sondern auch, wie sie menschlich zu uns passen. Wenn wir da schlechte Erfahrungen machen würden, wäre es ein einmaliger Auftritt gewesen. Man kann fast sagen, dass, wenn z. B. von Teenage Head jemand bei uns auftritt, man das Gefühl hat, gute Freunde oder Familie kommen zu Besuch.

Sounds Of South: Genau das Gefühl haben wir auch. Einmal fühlen wir uns bei dir immer wie Gäste, aber auch zu Manny und einigen Künstlern hat sich etwas wie eine Freundschaft entwickelt, was für uns persönlich natürlich auch wie eine Wohlfühloase ist.
Pille: Genau das meine ich. Die Musikszene, gerade in unserer Musikrichtung, ist eher klein, dass man fast zwangsläufig zusammenwächst. Man schätzt sich untereinander, was für mich persönlich sehr wichtig ist.

Sounds Of South: Jetzt gehen wir mal aus der Wohlfühlecke in die aktuell eher bedrückende, durch Corona bedingte Situation. Vor ziemlich genau einem Jahr war Thorbjörn Risager das letzte Konzert, von dem ich vor dem ersten Lockdown berichtete. Wie ging es danach weiter, da Konzerte in der Rampe erst einmal nicht mehr realisierbar waren?
Pille: Nach Risager waren noch zwei Konzerte und am 13. März mussten wir ein Konzert absagen, nachdem der Soundscheck schon gelaufen war. Ein trauriger Abend, Hotelzimmer waren gebucht und und und. Als es im späten Frühjahr wieder möglich war, hatte wir das Glück mit dem Schlachtgarten einen Partner zu haben, mit dem wir im Vorjahr schon ein Openair Konzert veranstaltet hatten. So konnten wir einige Konzerte, welche wir im Sommer geplant hatten, in den Schlachtgarten umlegen. Damit war den Künstlern die Möglichkeit gegeben aufzutreten und da das Gelände recht weitläufig ist, konnten wir einiges auch im Rahmen der damals bestehenden Hygienebedingungen durchführen.

AQ2A2401Sounds Of South: Corona wird irgendwann aufhören oder sagen wir besser, wir werden Möglichkeiten haben, Corona in den Griff zu bekommen. Wie geht es dann weiter? Habt ihr schon ein Konzept für einen Wiedereinstieg? Gibt es Gedanken über eine spätere Zusammenarbeit mit dem Schlachtgarten für Konzerte im Sommer, wo eventuell mehr als 120 Zuschauer zu erwarten sind?
Pille: Gedanken über Kooperationen habe ich mir schon gemacht. Jetzt geht es aber erst einmal um die Planung für den Sommer, wo hoffentlich wieder die Möglichkeit gegeben ist, mit geeigneten Konzepten, Veranstaltungen durchzuführen. Darüber hinaus könnte eine Zusammenarbeit auch nach Corona im Sommer sinnvoll sein. In der Rampe ist es im Sommer manchmal doch sehr warm, sodass eine Openair-Location auch für die Zuschauer attraktiv sein kann. Ich kann auch nur sagen, dass es mit dem Schlachtgarten in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit im letzten Jahr war. Dass Konzerte vor dem Herbst in der Rampe stattfinden werden, halte ich für eher unwahrscheinlich, es sei denn es sind kaum spezielle Hygieneregeln zu beachten, da vermutlich die Zuschauerzahl sonst so begrenzt sein wird, dass ein Konzert sich nicht tragen kann.

AQ2A5701Sounds Of South: Nun aber noch einmal ein kleiner Rückblick auf 15 Jahre Kulturrampe. Wie viele Konzerte haben auf der schrägen Bühne schon stattgefunden? Gab es für dich besondere Highlights oder Momente, wobei die Frage natürlich schwer zu beantworten ist, da jeder Künstler und jedes Konzert für sich etwas Besonderes ist.
Pille: Ich schätze, dass es um die 1500 Konzerte waren. Es gab natürlich einige besondere Momente, wo, wie du gesagt hast, nicht unbedingt die Qualität der Musik die entscheidende Rolle spielte. Ich erinnere mich an die Band Times Bold, die Indiepop macht. Das ist schon sehr lange her, war für mich aber ein Moment, der mir zeigte, dass es richtig ist, was wir hier machen. Die Band war fast fertig und spielte noch eine Zugabe. Dafür setzten Sie sich auf die Bühnenkante, holten eine singende Säge raus, ließen die erklingen und sangen dazu einen Song. Die vielleicht 45 Zuschauer gingen alle nach vorne zur Band und ich stand hinten hinter der Theke, es war mucksmäuschenstill, man hörte nichts außer der Säge und dem Gesang der Band. Es war irgendwie ein magischer Moment, der mich in meinem Tun bestärkte.

DSC0012-1024x682Sounds Of South: Wo du gerade von der Ruhe redest. Ich erinnere mich an ein Konzert, wo du Gäste aufgefordert hattest, eine lautstarke Unterhaltung zu beenden, da alle anderen hier sind, um Musik zu hören.
Pille: Ja, das kommt zum Glück sehr selten vor, da wir hier ein sehr musikbegeistertes und auch diszipliniertes Publikum haben, welches einen großen Respekt vor der Arbeit der Musiker hat.

Sounds Of South: In einem ähnlichen Zusammenhang erinnere ich mich an eine Ansage von dir vor einem Konzert, wo du darum gebeten hast, dass nach dem zweiten Stück, keine Bilder mehr gemacht werden sollen. Dies hatte mich damals zunächst irritiert, da ich für Berichte auch einiges an Bildern mache, aber versuche, mich so am Bühnenrand, zuweilen sogar fast hinter den Boxen aufzuhalten, um nicht zu stören.
Pille: Ja, da hast du Recht. Es gibt Fotografen, die sich respektvoll verhalten, aber es gibt auch Knipser, die regelrecht störend sein können, wenn die Kamera oder das Handy hochgehalten werden, dass die dahinter Stehenden nichts mehr sehen, wenn geblitzt wird, oder einfach nicht erkannt wird, wenn ein Moment der Ruhe ist und nicht, um vor der Bühne rum zu hüpfen oder klickende Reihenaufnahmen zu machen.

100A4576-BearbeitetSounds Of South: Da bin ich ja beruhigt, da ich mich da nicht angesprochen fühle. 😉 Nun aber wieder zurück zu besonderen Momenten.
Pille: Da fällt mir sofort ein, wo Robert Jon & The Wreck und Hogjaw, zwei Bands, die ich besonders schätze, gemeinsam auf der Bühne standen. Da hab ich gedacht … eigentlich hab ich gar nichts gedacht. Ich habe nur gespürt, dass dies etwas ganz Besonderes, auch für die Zuschauer war. Aber auch sonst gab es viele besondere Künstler. Mit einem Blaze Bailey, einen ehemaligen Sänger von Iron Maiden hier zu haben, oder Little Caesar, das war schon stark. Für mich waren aber auch alle anderen für sich etwas Besonderes. Der Vorteil ist natürlich, dass ich die Musik der Künstler, die hier auftreten, gut finde.

100A0679-Bearbeitet_bearbeitet-1-1024x683Sounds Of South:  Für uns gab es auch viele Momente, in denen wir Kontakte zu Künstlern gewonnen haben und wir fühlen uns in der Rampe fast schon wie in einem zweiten Wohnzimmer. Was mich persönlich auch freute, war, dass mindestens ein Bild im Absolva-Livealbum, von einem Konzert in der Rampe stammte.
Pille: Ihr seid bei uns auch immer willkommen, da es für uns auch eine gute Sache ist, wenn über Konzerte in der Rampe zeitnah und authentisch berichtet wird.

Sounds Of South: Danke Pille, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche und hoffe, dass deine Pläne für 2021 sich erfüllen und wir dann, wenn es möglich ist, unter dem Motto „Kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung“, wieder von vielen Konzerten berichten können.

Das Interview führte Gernot Mangold.

Kulturrampe Krefeld
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Ryan Adams – Wednesdays – CD-Review

Ryan Adams Wednesdays Albumcover 300

Review: Michael Segets

Die ersten Lorbeeren verdiente sich Ryan Adams als Frontmann von Whiskeytown. Seit der Jahrtausendwende startete er eine Solokarriere, phasenweise unterstützt von seiner Begleitband The Cardinals. Äußerst produktiv brachte er in den letzten zwanzig Jahren siebzehn Alben heraus. Damit nicht genug nahm er zudem auf dem Produzentenstuhl für Willie Nelson und Jesse Malin Platz. Quasi nebenher veröffentlichte er Gedichte und Kurzgeschichten. An seinem Debütroman arbeitet er zurzeit.

Ryan Adams genießt einen außerordentlichen Ruf als Songschreiber. Sein künstlerisches Schaffen ist vielfältig und als Musiker lässt er sich nicht auf eine Musikrichtung festlegen. Seine Bandbreite umfasst eine Palette zwischen den Eckpunkten Rock und Alternative Country. Das Grammy-nominierte „Gold“ (2001), „Rock n Roll“ (2003) und das etwas schwächere „Love Is Hell“ (2004), auf dem sich allerdings ein schönes Cover von „Wonderwall“ (Oasis) befindet, stehen ebenso in meinem CD-Regal, wie das mit The Cardinals eingespielte „Jacksonville City Nights“ (2005). Danach tut sich eine Lücke auf und ich habe seine Karriere nicht weiter verfolgt, bis mich ein Freund auf das Vorgängeralbum von „Wednesdays“ aufmerksam machte. Das kraftvolle „Prisoner“ (2017) rückte Adams wieder in meinen Wahrnehmungshorizont.

Eine für ihn ungewöhnlich lange Zeit hörte man nach „Prisoner“ nichts von ihm. Konfrontiert mit gesundheitlichen Problemen und Missbrauchsvorwürfen, zog sich Adams zurück und konzentrierte sich auf seine Wurzeln als Singer/Songwriter. In den vergangenen drei Jahren entwarf er wohl genug Material für drei Alben, die er als Trilogie herausgeben möchte. Den Auftakt dazu stellt „Wednesdays“ dar. Als Mitproduzenten konnte Adams keinen geringeren als Don Was gewinnen, der neben den Rolling Stones oder Bob Dylan auch etliche Musiker unterstützte, die bei SoS gerne besprochen werden (u. a. Bob Seger, Gregg Allman, Lucinda Williams, Garth Brooks).

Auf der CD präsentiert sich Adams von einer Singer/Songwriter-Seite, wie ich sie von ihm noch nicht gehört habe. Bei den meisten Stücken steht die akustische Gitarre als Begleitung im Fokus. Vor allem mit dem reduziert instrumentalisierten „Poison & Pain” bewegt sich Adams auf Augenhöhe mit den Klassikern der Folktradition. Er umschifft die Gefahr der Eintönigkeit, die Folkalben anhaftet, indem er die Möglichkeiten der akustischen Gitarre auslotet und dezente Variationen in der weiteren Begleitung einsetzt. So ist bei „So, Anyways“ eine langgezogene Mundharmonika zu hören oder bei dem klagenden „Mamma“ ein intensiver Harmoniegesang.

Eine breitere Instrumentalisierung weist die erste Single „I’m Sorry And I Love You“ auf, mit der der Longplayer einsteigt, sowie das eine besondere Dynamik entwickelnde „When You Cross Over“. Das mittig platzierte „Birmingham” bringt mit dem kräftigen, fast schon rockigen Schlagzeug, eine willkommene Abwechslung zwischen die ansonsten langsamen Songs.

Insgesamt durchzieht das Album eine getragene Stimmung, die mit den wehmütigen, aber nicht romantisch verklärenden Texten korrespondiert. Der Titel des Abschlussstück „Dreaming You Backwards” ist für die inhaltliche Ausrichtung der Songs charakteristisch, die meist um schmerzvolle Erinnerungen und vergangene Liebesgeschichten kreisen. Bei dem Track sitzt Adams am Klavier. Mit elektrischer Gitarre, Percussion und einem Background, der einen Anflug von Gospel vermittelt, krönt Adams das Ende seines Werks.

Ryan Adams zeigt sich auf „Wednesdays“ einmal mehr als kreativer Kopf. Über weite Teile des Albums erfindet er sich als Folksänger neu. Dabei verfolgt er keine puristische Linie, sondern lotet Genregrenzen aus und führt seine Songs zu einer atmosphärisch stimmigen Einheit zusammen.

Pax-Americana/Roughtrade (2021)
Stil: Folk, Americana

Tracks:
1. I’m Sorry And I Love You
2. Who Is Going To Love Me Now, If Not You
3. When You Cross Over
4. Walk In The Dark
5. Poison & Pain
6. Wednesdays
7. Birmingham
8. So, Anyways
9. Mamma
10. Lost In Time
11. Dreaming You Backwards

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Morgan Wade – Reckless – CD-Review

cover Morgan Wade - Reckless 300

Review: Michael Segets

Mit „Don’t Cry” ist Morgan Wade ein Geniestreich gelungen. Die Single von ihrem Debütalbum „Reckless“ geht sofort ins Ohr und setzt sich dort fest. „Other Side“ weist mit seinem eingängigen Refrain ähnliche Qualitäten auf. Die beiden Songs stechen unter den zehn Tracks hervor, die allesamt von der jungen Dame aus Virginia geschrieben sind, wobei Paul Ebersold sowie Sadler Vaden sie bei einigen unterstützten. Vaden, der Gitarrist von Jason Isbells Begleitband The 400 Unit, produzierte zudem ihr Erstlingswerk.

Schon in früher Jugend schrieb Wade Songs, entdeckte aber erst mit neunzehn, dass sie Spaß daran findet, diese vor Publikum zu spielen. Ihre ersten Erfahrungen auf der Bühne sammelte sie mit ihrer Begleitband The Stepbrothers. Im April supportet sie nun The Steel Woods, sofern Corona dies zulässt.

Die Stücke sind alle mit Band eingespielt und sind letztlich mit den Rock- und vereinzelten Country-Elementen im weiten Feld des Americana zu verorten. Dass Wades Musik allerdings ihre Grundlage im Singer/Songwriter-Bereich hat, zeigen „Matches and Metaphors”, „Take Me Away“, das ruhige Abschlussstück „Met You“ sowie die ausgefeilten Texte.

Die erste Zeile von „Other Side“ lautet: You knew my skin back before I had all these tattoos – ein schönes Beispiel für die originellen Lyrics. Der autobiographische Bezug wird sofort erkennbar, wenn man sich die Videos von Wade ansieht. Im Laufe der Jahre kann man nachvollziehen, wie die Haut schrittweise bunter wird. Nicht zuletzt auf dem Albumcover kommt ihre Vorliebe für Tätowierungen zum Ausdruck.

Die Lyrics drehen sich um Wades Selbstfindungsprozess, der besonders deutlich beim countryfizierten Midtempo-Song „Northern Air” thematisiert wird. Oftmals stehen Beziehungsgeschichten im Zentrum. Das Ende von ihnen wird bei „Mend“, dem leicht poppigen „Last Cigarette“ und dem starken „Reckless“ besungen. Der letztgenannte Song hat einen rockigen Einschlag mit glänzendem E-Gitarren-Solo. Zusammen mit Vaden schrieb Wade den Opener „Wilder Days“. Mit eingängiger Melodie und voller Bandbegleitung besingt Wade den Altersunterschied zwischen einer Frau und einem älteren Mann, der letztlich dafür verantwortlich ist, dass die Beziehung keine Zukunft hat.

Mit ihren 26 Jahren liefert Wade ein reifes Debüt ab. Ernsthafte und selbstreflexive Texte sind in schöne Melodien gekleidet. Die Produktion ist auf den Punkt gebracht: Die Instrumentalisierung gibt den Songs Drive, wobei Wades Gesang stets im Vordergrund bleibt. Bei den durchweg gelungenen Stücken setzt Wade einige Glanzlichter, die dafür sorgen, dass das Album auch zukünftig den Weg in den Player findet.

Ladylike/Thirty Tigers – Membran (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Wilder Days
02. Matches and Metaphors
03. Other Side
04. Don’t Cry
05. Mend
06. Last Cigarette
07. Take Me Away
08. Reckless
09. Northern Air
10. Met You

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