The Steel Woods – Support: Willer – 12.09.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Wow, The Steel Woods spielen bei ihrer Köln-Premiere im Blue Shell direkt vor ausverkauftem Haus. Sollte unsere Pioneersarbeit – wir hatten ja schon ihr famoses „Straw In The Wind“-Album reviewt, als die Band hier vermutlich noch so gut wie niemand kannte – etwa gefruchtet haben?

Gut, der im Bühnenbereich, wie immer, einer in typisches Rotlicht, gehüllten Dunkelkammer gleichende (zeigte selbst den Mangoldschen Hochleistungskamera-Objektiven die technischen Grenzen auf), ansonsten sehr schöne Kölner Club, ist jetzt nicht der aller größte, aber immerhin!

Zunächst durfte aber ein deutscher Singer/Songwriter namens Willer die Leute einstimmen. Der splittete seine knappe halbe Stunde in jeweils drei deutsch und drei englisch gesungene Lieder. Die erste Hälfte mit Eigenkreationen wie u. a. „Verzicht“ und „Der Moment“ erinnerte mich an den Kollegen Stoppok, nur ohne dessen humoreske Fähigkeiten.

Seine beiden englischen Neukompositionen flossen verhalten dahin, mit dem Bob Seger-Cover „Turn The Page“ gelang dem Alleinunterhalter dang guten Gesangs zumindest ein passender Übergangstrack zum Hauptact.

Fazit: Der Wille bei Willer war da, die Leistung war ok, ich persönlich brauche solche Solodarbietungen, innerhalb einer Arbeitswoche und gerade vor einem Southern Rock-Konzert, eher nicht. Er wäre vermutlich bei einem parallel am gleichen Abend stattgefundenen Roads & Shoes-Gig, besser aufgehoben gewesen.

Nach ganz schneller Umbaupause ließen The Steel Woods um ihren urig aussehenden Leader Wes Bayliss (könnte glatt als ein Nachkömmling von Hank Williams jr. durchgehen) schon mit dem hervorragenden Opener „Rock That Says My Name“ keinen Zweifel aufkommen, dass ein großartiger (New) Southern Rock-Abend in der Luft lag.

AQ2A9360 - KopieDas Quartett  bot naturgemäß ein wirklich toll zusammengestelltes Programm aus ihren beiden bisherigen, absolut empfehlenswerten Alben „Straw In The Wind“ (u. a. mit „Wild & Blue“, „Whatever It Means To You“, „Straw In The Wind“, Axe“) und „Old News“ („All Of These Years“, „Without You“, das grandios shuffelnde „Blind Lover“, „Compared To A Soul“) und natürlich einigen, auch auf diesen Werken integrierten, saustark interpretierten Cover-Nummern.

Die erste im Bunde war „Uncle Lloyd“ von Darrel Scott, saucool die swampige J.J. Cale-/Skynyrd-Adaption „I Got The Same Old Blues (herrlicher Gesang von Bayliss), atemberaubend die dynamische „Whipping Post“-Version, mega-emotional „Southern Accent“ (das erfreulich von Jung und Alt durchsetzte Publikum berührt mit textfestem Mitgesang den Fronter sichtlich, hymnisches Solo von Jason Cope), zu guter Letzt die Powerfassung des Black Sabbath-Klassikers „Hole In The Sky“ mit Wahnsinnsdrumming von Tooke und fetten Soli von Cope. Hammer!!!

Wäre nach den letzten Akkorden des wunderbaren „Let The Rain Come Down“ als Rausschmeißer, nicht sofort die Musik vom Band des Blue Shell erklungen – da bin ich mir sicher – hätten Wes Bayliss (auch mit zwei schönen Harp-Einlagen bei Wild & Blue“ und „I Got The Same Old Blues“), Jason Cope (mit vielen quirligen E-Gitarren-Soli), Drummer Jay Tooke (mit so einigen kraftvollen Drumpoltereien, gute Harmoniegesänge) und Johnny Stanton (immer mit sattem Groove, sporadische Harmonies) noch eine ordentliche Zusatzschicht einlegen müssen.

Besser kann man sich eigentlich nicht bei einem Debüt präsentieren. The Steel Woods haben in jedem Fall das Zeug mit Blackberry Smoke, der Allman Betts Band,  The Cadillac Three und nicht zu vergessen Robert Jon & The Wreck, dem Southern Rock hier auch, weit entfernt von jedem Mainstream,  kommerziell einen ordentlichen Schub zu geben. Die Band hat mit ihrem leicht epischen Touch, vermarktungstechnisch ein hohes Potential, sodass ich mal die Prognose wage, dass bei ihrem nächsten Besuch in der Domstadt, das wesentlich größere Luxor schon herhalten muss.

Nach dem Gig liefen wir den Burschen am Tourbus quasi in die Arme und konnten mit ihnen noch ein paar Worte wechseln. Für unser obligatorisches VIP-Bild posierten sie dann auch anstandslos (der irgendwo herumschwirrende Johnny Stanton wurde dabei kurzerhand durch ein bärtiges Double ersetzt). Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen. Ein Abend der Extraklasse mit The Steel Woods, der in meinen Konzert-Jahreshighlights sicherlich eine Rolle spielen wird! Southern Rock lives!

Line-up Willer:
Willer (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Wade Bowen:
Wes Bayliss (lead vocals, electric guitar, harp)
Jason ‚Rowdy‘ Cope (guitars)
Johnny Stanton (bass, vocals)
Jay Tooke (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion
Blue Shell Köln

Wade Bowen – Support: Jamie Freeman – 06.08.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Was hatte ich letztes Jahr dem Köln-Auftritt von Wade Bowen, einem meiner ganz großen Lieblingskünstler im Red Dirt-, Country Rock-Geschehen, entgegen gefiebert, der ja bekannter Weise, wie auch seine anderen Gigs hier bei uns, wegen seiner Erkrankung, dann leider abgesagt werden musste. Immerhin hielt der sympathische Texaner Wort, dass die Konzerte in jedem Fall nachgeholt werden.

Und tatsächlich, am gestrigen Abend war es endlich soweit, on top erhielten wir sogar die Gelegenheit ihn im urig kleinen, aber sehr gemütlichen Backstage-Raum des Blue Shells interviewen zu können (siehe demnächst hier in unserem Magazin). Der Besuch war für ein Debüt in der kulturell lebhaften Domstadt für einen Dienstag Abend mit um die 80 Zuschauer, ordentlich besucht. Im Country (Rock)-Genre ist in Deutschland immer noch viel Pionierarbeit zu leisten, aber es kommt dank der Labels und einiger engagierter Promotion-Agenturen langsam in Fahrt.

Zunächst präsentierte sich aber der britische Singer/Songwriter Jamie Freeman mit hintergründigen Texten (u. a. thematisierte er den aus den Medien bekannten Hochhausbrand in London mit „The Fire“, als auch seine, nicht von Rosen gebettete Kindheit „Rum And Coke“), als Alleinunterhalter mit seiner Akustikgitarre und legte den Fokus stark auf sein im Mai herausgekommenes Album „Dreams About Falling“.

Vom eröffnenden „Standing On A Star“ bis zum finalen „All In The Name“ dürfte er mit seiner authentischen Show so einige neue Freunde unter den Anwesenden erschlossen haben. Er wurde jedenfalls nach seinen Liedern, als auch am Ende, mit viel Beifall verabschiedet. Eine kurzweilige Angelegenheit.

Um 21:30 Uhr war dann der lang herbei gesehnte Moment gekommen, als sich Wade Bowen mit seinem Begleitmusiker Nick Gardner auf den bereit gestellten Barhockern, auf der wie so oft, in monotonem Rotlicht bestrahlten Flach-Bühne niederließen (Bilder deshalb leider nur in s/w). Trotz des Openers „Trouble“ waren die beiden Musiker keinesfalls auf Ärger gebürstet, sondern es sollte sich ein sehr schöner interaktiver und vor allem unterhaltsamer Gig entwickeln.

Die Chemie zwischen Publikum und Protagonisten stimmte von Anfang an, was nicht nur Bowens herrlichem Reibeisengesang geschuldet war, sondern in erster Linie seiner kommunikativen, oft von einer gewissen Selbstironie geprägten Art vor den Tracks. Da wurde viel gewitzelt und auch seitens des Publikums (es waren auch einige Amis drunter) gestichelt, zum Beispiel als das Thema Randy Rogers bei „‚Til It Does“ (vom „Hold My Beer – Vol. 1„-Werk) angeschnitten wurde.

Unter die Haut ging es, als Wade mit belegter Zunge vor „Death, Dyin‘ And Deviled Eggs“ ein paar Worte über sein ‚Seuchenjahr‘ 2018 mit der oben angesprochenen Krankheit (als er Angst hatte, seine Stimme zu verlieren) und dem Tod seines Neffen Chase erzählte.

Wurde sich am Anfang mit Tracks wie u. a. „Couldn’t Make You Love Me“ (Wade mit Harp-Einsatz), One Step Closer“, „West Texas Rain“ an die auf dem Boden liegende Setlist gehalten, wurde dann im zweiten Teil auf Zuschauerwünsche eingegangen und spontan agiert. Richtig rockig wurde es eigentlich nur bei „Fell In Love On Whiskey“, bei dem dann auch Nick Gardner an der Harp rumplusterte und auch mal mit dem Glas-Bottleneck in Slide-Manier über den Gitarrenhals schwurbelte.

Nick begeisterte vor allem mit mit seinen vielen kleinen filigranen Zwischen-Soli, erwies sich aber auch bei wenigen Stücken („Til It Does“) als kongenialer Harmoniesänger zu Wade. Ein Highlight – wie auch auf dem aktuellen Album „Solid Ground“ – war natürlich, das mit dezentem „Hotel California“-Flair in Tex-Mex-Style performte „Day Of The Dead“. Herrlich!

Mit dem von Bowen-Mentor Ray Wylie Hubbard mit erhobenen Zeigefinger abgenommenen, hochzeitskompatiblen Stück „Who I Am“ aus Wades kompositorischer Frühphase, dem Ohrwurm „Saturday Night“, und dem, mit herrlicher Hook bedachten „Sunshine On A Dreamer“, war die Akustik-Deutschland-Premiere des Texaners auch schon wie im Fluge zu Ende.

Der tosende Applaus sorgte zumindest noch mit „If We Ever Make It Home“ für einen einmaligen Nachschlag und das Versprechen, im nächsten Jahr mit kompletter Band zurück zu kehren. Somit schön zu wissen, dass auch 2020 das Bowen-Fieber wieder gesichert ist…

Line-up Jamie Freeman:
Jamie Freeman (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Wade Bowen:
Wade Bowen (lead vocals, acoustic guitar, harp)
Nick Gardner (acoustic guitar, slide-guitar, harp, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion
Blue Shell Köln

SOUND OF NASHVILLE feat. Lindsay Ell, Twinnie & James Barker Band – 06.03.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Countryfieber in Deutschland! Nachdem am vergangenen Wochenende das Country2Country-Spektakel mit großem Erfolg auch hierzulande erstmals den hiesigen Fans in Berlin zugänglich gemacht wurde, gab es in vier weiteren deutschen Metropolen noch einmal einen kleinen, aber sehr feinen Nachschlag.

Unter der Regie der Semmel Concerts Entertainment GmbH wurden in Frankfurt, Hamburg, München und Köln unter dem Slogan ‚SOUND OF NASHVILLE‘, jeweils in zwei Dreier-Konstellationen, Live-Akustik-Sets in kleinerem Rahmen angeschlossen, um auch jüngeren, vielleicht noch nicht so populären Acts, eine Präsentationsplattform für sich zu gewähren.

In Frankfurt und Hamburg konnte man sich über das Wirken von Logan Mize, Lauren Jenkins und Craig Campbell informieren, in München und Köln standen die Künstler Twinnie, die James Barker Band und Lindsay Ell auf dem Programm.

Wir haben uns aufgrund der geografischen Nähe natürlich für den Gig in der Domstadt entschieden.

Unsere frühe Anreise hatte sich angesichts des proppevollen Blue Shells als richtig erwiesen, so konnten wir uns einen Platz im vorderen, sehr beengten Bühnenbereich sichern, die Sichtverhältnisse erwiesen sich aufgrund der tiefliegenden, recht dunkel und monoton ausgeleuchteten kleinen Bühne, besonders für die Zuschauer ab ca. der 5. Reihe, in dem ansonsten eigentlich sehr schönen Club, als suboptimal. Gut, das ganze sollte Wohnzimmercharakter haben, aber bei wem stehen schon über 100 Leute in der Bude rum (ok, die Kölner Studenten-WGs mal ausgenommen)?

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat dann die vom Rolling Stone hoch gelobte, vielseitige Britin Twinnie (auch schon schauspielerisch aktiv gewesen) mit ihrem Kompagnon Joel Peat, in einem zart-rosafarbenen Hosenanzug mit weißen Stiefeletten bekleidet, das kleine Bühnenrechteck. Die kommunikative Fronterin entpuppte sich als wahre Quasselstrippe und nahm sich direkt mal selbst auf die Schippe, als sie preisgab, dass sie sich beim Blick in den Spiegel, angesichts ihres Outfits, wie ein Flamingo vorkam.

Ihre Performance und Art zu singen bewegte sich im Stile der klassischen Countrydiven der alten Schule, allerdings mit etwas poppigerem Einschlag. Sie wechselte zwischen Gesang, mit und ohne Akustikgitarre, während sich Joel für’s Akustikgitarrenspiel, Harmoniegesänge und rhythmusgebende Fußclaps auf einem eigens dafür vorgesehenen Board, verantwortlich zeigte.

Stücke wie u. a. „Type Of Girl“, „Daddy Issues“, „Bad Bitch“, „Hollywood Gypsy“ (nach einem Tattoo auf ihrem Finger betitelt), „Lie To Me“ oder „Better When I’m Drunk“ (ihre erste Nr. 1 der Country-i-tunes-Charts), wo sie mit einem Besucher eine spontane Tanzeinlage gab, dienten dazu, ihren Bekanntheitsgrad bei uns zu pushen, als auch die Mini-EP gleichen Titels zu protegieren. Eine sehr sympathische und angenehme Einstimmung auf die beiden folgenden Acts, sowie vielleicht der Country-trächtigste Auftritt des Abends.

Line-up Twinnie:
Twinnie (lead vocals, acoustic guitar)
Joel Peat (acoustic guitar, vocals, percussion)

Bei der kanadischen James Barker Band, die als Quintett auflief, wurde es richtig eng, sodass leider der Perkussionist Connor Stephen und der heimliche Star des Fünfers, Dobrospieler Mike Eckert, so ziemlich im dunklen Hintergrund blieben. Eckert war, was das Instrumentelle betrifft, mit herrlich knarzigen Fills und Soli, der überragende Mann im Team.

Bandleader James Barker ist wirklich ein wahres Entertainment-Wunder. Er hatte mit seinen vielen lustigen Anekdoten zu den Tracks (bzgl. seinen Eltern – z. B. bei „Living The Dream“; Biertrinken und mit Freunden abhängen – „Lawn Chair Lazy“, etc.), kleinen Wortgefechten mit seinen beiden Nebenleuten Taylor Abram und Bobby Martin und einem amüsanten Intermezzo als Auktionator (es ging darum, Gebote für eine 24-stündige Buchung von Mike Eckert einzuholen), zur Einleitung des Songs „Sold“, bei dem er sich im Anpreisen förmlich überschlug, erheblichen Anteil daran, dass auch hier eine sehr lockere und heitere Stimmung vorherrschte.

In ihrer 11 Stücke umfassenden Setliste wussten launige Sachen wie u. a. der Opener „Just Sayin'“, der Georgia Satellites-Klassiker „Keep Your Hands To Yourself“ oder „It’s Working“, aber auch radiotaugliche Lieder wie ihr Nr. 1-Hit in Kanada, „Chills“, dann mein Favorit, das laid-back groovende „Keep It Simple“, als auch das finale „Good Together“, beim teilweise mitsingenden und -klatschenden Publikum zu punkten. Die Jungs haben das Zeug neben Doc Walker, zu einer meiner kanadischen Lieblingsbands im New Country-Genre zu avancieren. Toller Gig!

Line-up James Barker Band:
James Barker (lead vocals, acoustic guitar)
Taylor Abram (acoustic guitar, vocals)
Bobby Martin (bass)
Connor Stephen (clapbox)
Mike Eckert (dobro)

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Das ebenfalls aus Kanada stammende ‚Sternchen‘ Lindsay Ell konnten wir bereits vor knapp 1 1/2 Jahren an gleicher Stelle beleuchten. Sie bewältigte ihr Programm erneut im Alleingang und bediente sich, nebem ihrem wieder sehr starken Gesang und Gitarrenspiel auf einer diesmal semiakustischen Fender, mit Samplingeffekten zur Rhythmusunterstützung.

Ihre Performance war nur in Nuancen dem Countrysektor zugetan, im Großen und Ganzen, war die zierliche Protagonistin in pop-umwehten Blues Rock-Gefilden unterwegs. Ob dies die Ursache dafür war, oder die Tatsache, dass sie vom Gros der Zuschauer vermutlich auf der Bühne, größenbedingt, fast nicht zu sehen war, dass gegen Ende ihres wahrlich tollen Gigs, schon ca. ein Viertel der Leute nicht mehr anwesend war, gilt es im Nachgang zu analysieren. Eine höher liegendere und etwas flexibler ausgeleuchtete Bühne wäre der Sache sicherlich deutlich zuträglicher gewesen.

Sie konzentrierte sich neben dem starken Otis Redding-Cover „Sittin‘ On The Dog Of The Bay“, den John Mayer-Adaptionen „Vultures“ und „I Don’t Trust Myself (With Loving You)“ und zwei brandneuen Titeln („Go To“ und „Get Over You“), auf die Key-Tracks ihres Paradealbums „The Project“ wie „Waiting On You“, „Mint“, „Good“, dem, mit Travis Meadows kreierten „Worth To Wait“, „Champagne“, „Space“, „Castle“ und dem grandios gebrachten Rausschmeißer „Criminal“.

Eine Klasse für sich war ihr sich immer wieder emotional ‚reinhängender‘ Gesang sowie ihre vielen quirligen Gitarrensoli. Interessant wäre allerdings, mal ihr Können in einem konventionellen Bandgefüge zu erleben. Auch die von Randy Bachman (Bachman Turner Overdrive) entdeckte und von Kristian Bush (Sugarland) geförderte Lindsay Ell glänzte mit einer Top-Leistung.

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, semi acoustic guitar, sample percussion)

Fazit: Mit kleinen Abstrichen (die in dieser Form nicht besonders gut geeignete Location für Zuschauer bei voller Hütte), ein absolut geglückter kurzweiliger Auftakt der neu formierten SOUND OF NASHVILLE-Serie! Die drei Interpreten Twinnie, die James Barker Band und Lindsay Ell ergänzten sich trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere perfekt und sorgten mit ihrer unterhaltsamen kommunikativen Art, sowie toller Musik, für eine prächtige Stimmung. Dazu verging die Zeit, nicht zuletzt auch durch die straffe, bestens funktionierende Organisation, wie im Fluge. Eine Fortführung in dieser Konstellation mit ein paar marginalen Verbesserungen wäre aus unserer Sicht absolut begrüßenswert!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Blue Shell Köln

Lindsay Ell – Support: Walker McGuire – 05.10.2017, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Auftakt in Sounds Of South für einen Kraftakt mit drei Konzerten an drei aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte die kanadische New Country-Hoffnungsträgerin Lindsay Ell, die mit den beiden Burschen Jordan Walker Johnny McGuire, alias Walker McGuire, noch einen höchst talentierten Support-Act im Kölner Blue Shell mit dabei hatte.

Pünktlich wie die Maurer betraten Walker McGuire um 21:00 Uhr die kleine, in Rottönen recht spärlich ausgeleuchtete Bühne und setzten sich mit ihren Akustikgitarren auf die bereitgestellten Hocker. Schon beim Opener „Back Together“ erhielt man eigentlich bereits den Vorgeschmack auf das, was bei den sechs weiteren Stücken, in der insgesamt 35 Minuten währenden Spielzeit, passieren wird.

Und zwar wunderbar melodische Songs mit sich abwechselnden Lead vocals, immer wieder durchzogen von perfekt sitzenden Harmoniegesängen Marke Mini-Eagles, unterlegt mit einem flockigen Akustikgitarrenspiel beider Akteure. Wie wir von ihrem Tourmanager erfuhren, bringen die Jungs im Dezember eine neue CD auf den Markt. Als Appetizer hierzu gab das Texas/Kansas-Duo dann eigene Kompositionen wie „Mysteries Of The World“, das launige, einem Cancoon-Urlaub zu verdankende „What’s Your Name“, das einem ihrer Idole – John Mellencamp – angenäherte „18 Forever“ und „When It Rains It Pours“ zum Besten.

Anlässlich des plötzlichen Todes von Tom Petty hatten sie noch „Mary Jane’s Last Dance“ als Coverstück zu seinen Ehren parat, um danach mit ihrem bereits ausgekoppelten Top-40 Hit „‘Til Tomorrow“, eine kurzweilige gute halbe Stunde abzuschließen. Auch wenn es zunächst mal Kaffesatzleserei ist, mutmaßen wir mal, dass ihr neues Werk, dann mit Unterstützung der bewährten Nashville-Studio-Musiker, Liebhaber von Acts wie z. B. Love & Theft, Luke Combs, Halfway To Hazard, Sundy Best & Co. ansprechen wird. Gute Burschen!

Eine knappe Viertelstunde später trat dann der in Natura sehr klein und zierlich erscheinende Hauptact des Abends, Lindsay Ell, aufs Podium. Sie ist bereits seit 2010 beim starken Broken Bow–Unterlabel Stoney Creek Records unter Vertrag und hatte mit „The Project“ ihr aktuelles Album zur Vorstellung mit auf Reise, das von keinem Geringeren als der männlichen Sugerland-Hälfte Kristian Bush produziert worden ist (CD-Review folgt demnächst separat).

Die hübsche Blondine, einst von BTOs Randy Bachman entdeckt, hatte ja bereits vor geraumer Zeit im Schlepptau von The Band Perry in Köln ihr Können gezeigt und so hatten sich, für einen Länderspiel Abend der DFB-Vasallen, doch ganz manierliche 80 Zuschauer im Blue Shell eingefunden.

Auch Lindsay gelang es als Allein-Unterhalterin, ihren gut 60 Minuten währenden Gig sehr abwechslungsreich und ohne Längen zu gestalten. Dabei bewies das quirlige Leichtgewicht schon zum Auftakt bei „Wildfire“ ihre E-Gitarrenspiel-Qualitäten auf ihrer bunt gestylten Stratocaster mit teilweise bluesrockigem Touch, der nicht zuletzt – vermutlich als Ergebnis früheren intensiven Tourens mit Blues-Legende Buddy Guy – hinterblieben ist.

Über „The Project“-Tracks wie „Mint“, das flockige „Waiting On You“, das süffisante, R&B-angelehnte „Champagne“ (mit an einem E-Pad erzeugten Rhythmus-Effekten angetrieben) schritt sie zum ersten Coverstück „Slow Dancing In A Burning Room“, einer wunderbaren John Mayer-Ballade, die auch von ihr mit großartigem E-Gitarrenspiel plus Solo atmosphärisch dicht performt wurde.

Mit dem interaktiv gehaltenen „Good“ lotete sie einfach mal die vokalen Qualitäten der anwesenden Audienz aus, die ihrem Nachsingwunsch des Titels im kurzen Akustikteil des Abends ’stante pede‘ folgte. Ihre Wut über die schrecklichen Geschehnisse in Las Vegas entlud sich im, mit knarziger E-Gitarre untermalten und emotional besungenen „Castle“, für mich mit ein Highlight des Gigs.

Mit Reminiszenzen an alte Klassiker-E-Riffs von Tracks wie „Stairway To Heaven“, „Sweet Home Alabama“ als Intro mündete sie in Stevie Wonders „Superstition“, wo sie auch ihr Potential als Soulsängerin offenbahrte. Das melodische „Space“ sowie das wieder mit Stimmgeräuschen als Rhythmusgeber digital effekthascherisch versetzte „Criminal“ (mit krachendem E-Solo) beendeten einen kompakten, spielfreudigen sowie sehen- und hörenswerten Auftritt der Protagonistin, der vielleicht nur ein wenig Country-lastiger hätte ausfallen dürfen.

Die sympathische Künstlerin, ließ es sich nach dem Gig nicht nehmen, am Merchandising-Pult sämtliche Autogramm- und Bildwünsche bis zum letzten anstehenden Zuschauer zu erfüllen (ihr Manager hatte mit den unterschiedlichen Handys Schwerstarbeit zu verrichten) und posierte natürlich auch letzten Endes mit unseren Logo für die SoS-VIP-Galerie.

Dabei gab Lindsay uns bereits zu verstehen, dass sie voraussichtlich im März kommenden Jahres, – diesmal mit echter Bandunterstüzung – in die Domstadt zurückkehren wird und unterbreitete uns auch direkt eine Interviewmöglichkeit. Angesichts ihrer jetzt schon starken Solo-Leistung sind das doch mal schon hervorragende Aussichten für 2018. Wir kommen natürlich auch ein zweites Mal gerne wieder…

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)

Line-up Walker McGuire:
Jordan Walker (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)
Johnny McGuire (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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