Reckless Kelly – Bulletproof Live – CD-Review (digital)

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Wenn man sich mit Red Dirt-Rockmusik beschäftigt, kommt man am Namen der Familie Braun nicht vorbei. Deren vier Söhne spielen in gleich zwei maßgeblichen Acts des Genres eine gewichtige Rolle. Und zwar zum einen die beiden jüngeren Micky und Gary bei Micky And The Motorcars, sowie Willy und Cody bei Reckless Kelly.

Bei beiden Bands hatte ich schon mal das Vergnügen, live zugegen zu sein, was allerdings schon längere Zeit her ist. Micky And The Motorcars tauchten 2010 mal völlig überraschend in Duisburg auf, und spielten, weil sie kaum einer kannte, vor einer sehr überschaubaren Anzahl von Leuten.

Bei Reckless Kelly war es anders, die trumpften zu Zeiten, als es noch das tolle Blue Highways Festival im niederländischen Utrecht gab, im großen, prall gefüllten Saal auf, ein Highlight der damaligen Veranstaltung im Jahr 2004.

2008 spielten Reckless Kelly ihr kontrovers angenommenes Album „Bulletproof“ ein, das sich 2018 zum zehnten Mal jährte und im Rahmen ihrer US-Sommer-Tour noch einmal live eingespielt und in gleicher Abfolge zusammengestellt wurde, lediglich ergänzt um den uralten Jimmie Rodgers-„California Blues (Blue Yodel #4)“.

Geboten bekommt man natürlich den typischen Reckless Kelly-Sound mit Willy Brauns charismatischem Gesang. Treibende Red Dirt-Rocksongs, die mit einer Bruce Springsteen-ähnlichen Wucht und Art voranpreschen („Ragged As The Road“, „Love In Her Eyes“, „American Blood“, „Wandering Eye“), aber auch unter die Haut gehende, melancholische Balladen und Ohrwürmer wie „I Never Had A Chance“, „How Was California?“, „Don’t Say Goodbye“, „God Forsaken Town“ sowie das grandiose Titelstück mit seinem furiosem, psychedelisch anmutenden Instrumentalfinale.

Der mittlerweile ausgeschiedene Gitarrist David Albeyta liefert sich herrliche Scharmützel mit Mandolinen- und Fiddle-Spieler Cody Braun. Einen nicht unerheblichen Teil am Gelingen des Projekts haben allerdings auch die omnipräsenten Orgelklänge, die dem RK-Sound ordentliches Zusatz-Volumen verabreichen.

Auch die Harp-Einlage bei „A Guy Like Me“ und sporadische Akkordeon-Klänge bei „I Never Had A Chance“ und dem Jimmie Rodgers-Stück (zweifach integrierte Solokombi aus Fiddle, E -Gitarre und Akkordeon), bieten immer wieder herrliche Farbtupfer.

„Bulletproof Live“ huldigt in würdiger Weise ein vergangenes Kapitel der Texaner und bietet einen schönen Vorgeschmack auf die anstehenden Live-Termine. Es erscheint am 21. Juni in digitaler Form. Warum der Westen bei der Tour dieser tollen Truppe leider nur im abgelegenen musikalischen Niemandsland berücksichtigt wurde, bleibt allerdings das Geheimnis der federführenden Booking-Agentur.

Reckless Kelly auf Tour ab 27. Juni:
27.06. Eppstein, Wunderbar Weite Welt
28.06. Neustadt an der Weinstrasse, Kulturhalle Lachen
29.06. Bad Rappenau, Schlosshof Bonfeld
01.07. Arnstadt, Kulisse
02.07. Olsberg, Linie 73 Alter Bahnhof Bigge
03.07. Nürnberg, Kuenstlerhaus Kantine
04.07. Hamburg-Bergedorf, Club am Donnerstag
05.07. Isernhagen, Blues Garage
06.07. Lauchhammer, Real Music

No Big Deal Records (2019)
Stil: Country Rock/ Red Dirt

01. Ragged As The Road
02. You Don’t Have To Stay Forever
03. Love In Her Eyes
04. Passin‘ Through
05. I Never Had A Chance
06. One False Move
07. A Guy Like Me
08. American Blood
09. How Was California?
10. California Blues (Blue Yodel #4)
11. Mirage
12. Don’t Say Goodbye
13. God Forsaken Town
14. Wandering Eye
15. Bulletproof

Reckless Kelly
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Oktober Promotion

Jackie Venson – 18.06.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Ich muss konstatieren, dass ich ziemlich unvoreingenommen, böse Zungen könnten auch sagen ‚unvorbereitet‘, mit dem Kollegen Mangold zum Jackie Venson-Gig in den Yard Club nach Köln gefahren bin. Nachdem sie vor geraumer Zeit bei den Austin Music Awards zur besten Gitarristin der Stadt ausgezeichnet wurde, und Austin ist in musikalischer Hinsicht nun wahrlich nicht Kleinkleckersdorf, war ich eigentlich von einer E-Gitarren-lastigen, klassischen texanischen Blues Performance ausgegangen. Um ein wenig Gefühl für die Titel ihre Lieder zu bekommen, hatte ich lediglich mal ihre jüngeren Setlisten durchstöbert.

Angekommen in der Domstadt, war schon vom Bühnenaufbau zu erkennen, dass es nur eine Zwei-Personen-Performance geben würde, allerdings war am Rande des Mikros der Protagonistin ein Sampler-Gerät positioniert (ähnliches kannten wir bereits z. B. von den Lindsay Ell-Vorstellungen), von dem Jackie dann im Verlauf des Gigs auch reichhaltig Gebrauch machte.

Was die Zuschauerzahlen an einem Dienstag in der etwas abseits des pulsierenden Kölner Lebens gelegenen Location betrifft, wurden meine bösen Vorahnungen bestätigt, es hatten sich gerade mal 30 Leute eingefunden. Nichtsdestotrotz lieferte die junge sympathische Texanerin mit ihrem blinden Drummer Rodney Hyder, eine unterhaltsame Show, bei der besonders ihre spielerischen Qualitäten an der E-Gitarre (unzählige quirlige Soli) nachhaltig untermauert wurden.

Aufgrund der vielen Synthie-Sequenzen, die sie mit dem Sampler einspielte, dem Sade-ähnlichen und auch ziemlich hall-lastigen Gesang, Phil Collins-mäßiger Drum-Intermezzi, fühlte man sich in Verbindung mit claptonesken Saiteneinlagen in die Achtziger Jahre zurückversetzt. Alben wie „August“ oder „Behind The Sun“ von Mr. Slowhand, aber auch Santana mit Sachen der Marke „Zebob“, „Shango“, & Co. aus Zeiten meines gerade beginnenden Erwachsenenalters, kamen aus den längst verborgen gedachten Sparten des Langzeitgedächtnis wieder zum Vorschein.

Auch die nicht unwesentlich eingestreuten Reggae- und R&B-Elemente, bildeten mit Vensons fulminanter E-Gitarrenarbeit eine interessante, teilweise groovige und funkige Symbiose, und ließen so manche rhythmisch-motorische Fähigkeiten, der, wie wir, überwiegend in die Jahre gekommenen Besucher, wieder aufblühen.

Jackie stieg mit Tracks wie u. a. „Mysterious“ aus diesen Stilrichtungen in den Gig ein und beendete im Zugabenteil mit Stücken wie „Lost In Time“ oder „Back To Earth“ ihr Köln-Debüt auf ähnlicher Linie.

Klar, dass vieles aus ihrem im April veröffentlichten Werk „Joy“ angeboten wurde, das, soweit es meine Notizen richtig vermerkt haben, fast komplett, bis auf ganz wenige Ausnahmen, vollständig abgearbeitet wurde (u. a. mit „Never Say Die“, „Next Life“, „Joy“, „Afterglow“).

Richtig klassisch-bluesig (rockig) wurde es eigentlich nur in einer über zwei Tracks währenden Phase mittels „Try To Believe“ und „Rollin‘ On“.

Am Ende wurde die junge Texanerin allerdings mit viel Beifall zum Merchandising-Stand entlassen, wo sie noch so einige CDs aus ihrem bisherigen Fundes veräußern konnte. Mir persönlich kam das Ganze, bei aller Sympathie und tollem Gitarrenwirken, insgesamt doch etwas zu ’synthetisch‘ rüber, ich würde die wild-gelockte Musikern zukünftig lieber gerne mal im klassischen Line-up, ergänzt um einen echten Bassisten und gegebenenfalls einen richtigen Keyboarder (ohne den technischen Firlefanz) sehen.

Line-up:
Jackie Venson (lead vocals, electric guitar, sampling)
Rodney Hyder (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jackie Venson
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Yard Club Köln

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – Crocuses From Ashes – EP-Review

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Zu den Bereicherungen meines ja nicht gerade kleinen musikalischen Horizonts, zählte im letzten Jahr zweifelsohne die texanisch-niederländische Formation Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws.

Das Vorgängeralbum „Flowers Under The Bridges“ hatte ich nur in Form der positiven Rezension des Kollegen Skolarski vernommen, konnte mich dann aber vom Können der Band anhand ihres starken Konzerts in der Krefelder Kulturrampe leibhaftig überzeugen.

Ihre vermutliche Passion für Blumen (wen wundert es – drei Holländer in der Band…) neben dem Blues Rock, wird mit dem Titel ihrer neuen EP „Crocuses From Ashes“ nun genauer spezifiziert.

Die fünf neuen Stücke stammen allesamt aus der Feder von Dede Priest und Johnny Outlaw, letztgenannter ist im bürgerlichen Leben unter dem Namen Hans Klerken anzutreffen. Für den transparenten Sound zeichnet sich Erik Spanjers verantwortlich.

Schon der Opener „You Are Gonna Rise“ gibt die Marschrichtung für den weiteren Verlauf des Werkes vor: tolles, in den Siebziger Jahren verankertes E-Gitarrenspiel (Interpreten wie Hendrix oder Clapton & Co. zu damaligen Zeiten lassen grüßen), die markante volumige ’schwarze‘ Stimme der Priest, Clarks überwiegend tolles Rhythmus- und Fillspiel, zusammengeführt in einem texanischen Blues Rock-Ambiente.

Nicht zu vergessen die von Dede bei den Stücken „Vermillion Allure“ und „Crocuses“ eingeflochtene knarzige Violine, die der Band noch ein weiteres markantes Markenzeichen verabreicht. Ray Oostenrijk am Bass und Drummer Leon Toonen erledigen routiniert und gekonnt die erforderliche, taktgebende Hintergrundarbeit.

Highlight für mich ist das frech und angriffslustig gesungene, mit surrenden Slide- und Rhythmusgitarren veredelte und shuffelnde „Texas Hurricane“ (klasse auch die Hendrix-mäßigen Zwischen E-Hooks und das quirlige Solo), das auch von der Melodik ein zu Begeisterungsstürmen bewegender Hinhörer ist.

Johhny Clark hat seinen Auftritt in der Mitte des Kurzsilberlings, wo er beim Creedence Clearwater Revival-umwobenen „Superlovely“, in Sachen Lead Gitarre und -Gesang die Zügel inne hat und diese Aufgaben mit Bravour meistert.

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws haben mit dem neuen Kurzwerk „Crocuses From Ashes“ einen schönen kleinen musikalischen Zierblumenstrauß gebunden. Der hier verkörperte niederländische Rock-Musik-Calvinismus in Kombination mit der südstaatlichen Wucht eines texanischen Wirbelsturms, ergibt eine kurzweilige Mischung aus ehrlicher, detail-verliebter Instrumental-Arbeit und immer wieder aufbrausender Stimm-Urgewalt.

Creeping Fig Records (2019)
Stil: (Texas) Blues Rock

01. You Are Gonna Rise
02. Vermillion Allure
03. Superlovely
04. Texas Hurricane
05. Crocuses

Dede Priest
Johnny Clark’s Outlaws
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Aaron Haynes (Quaker City Night Hawks) – Interview

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Nachdem wir die Texaner im Vorprogramm von Blackberry Smoke im niederländischen Weert beleuchtet hatten, bat uns Oktober Promotion im Rahmen ihrer bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland im Herbst als Headliner, und anlässlich ihres aktuellen Albums, um ein Interview. Stephan Skolarski stellte Quaker City Night Hawks-Drummer Aaron Haynes die Fragen.

Sounds Of South: Hallo Aaron, Glückwunsch zu eurem starken neuen Album! Wie würdet ihr das neue Werk jemandem beschreiben, der es noch nicht gehört hat?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Als Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Seid ihr mit der Resonanz auf das Album zufrieden?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Ja, die Leute scheinen es zu mögen, wir brauchen einfach nur noch mehr Leute, die es auch zu hören bekommen.

100A6091-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Auf eurem Album verbindet ihr sehr viele unterschiedliche Musikstile. Von Southern-Rock zu psychedelischen Elementen in „Grackle King“ oder Blues-Rock auf „Fox in the Henhouse“. Welche Musik von anderen Künstlern hatte einen Einfluss auf diese Platte?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Einige Größen die tiefe Wirkung hier hinterlassen haben, sind ZZ Top, Black Sabbath und Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ ist ein sehr persönliches Lied. Ist es für euch wichtig in euren Songs persönliche Erfahrungen einzubringen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolut! Wir wären nichts ohne unsere Erfahrungen. Die Stücke sind nicht immer autobiografisch, aber manchmal schreibst du über Dinge, die du kennst.

Sounds Of South: Was hat es für euch bedeutet mit Austin Jenkins zusammenzuarbeiten? Hatte er einen großen Einfluss auf eure musikalischen Vorstellungen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Wir respektieren Austin Jenkins und Josh Block, ja, wir vertrauen ihnen, was das Wichtigste ist. Wir hatten schon eine gute Vorstellung, was wir erreichen wollten, als wir ins Studio gingen, aber sie waren sehr hilfreich, als wir uns festfuhren. Sie machten, was große Produzenten dann tun: Sie halfen uns sehr kreativ, der Scheibe Leben einzuhauchen.

Sounds Of South: Das Niles City Studio ist für seinen Lo-Fi Sound bekannt. Was bevorzugt ihr: Streaming oder Analog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks:  Beides. Wir schrecken nicht vor Technik zurück, aber wir bevorzugen den Sound und die Wärme der analogen Gangart… und wir sind eine lebendige Band, die gerne zusammenspielt.

Sounds Of South: Ihr seid inzwischen sehr erfolgreich. Hat sich dadurch etwas für euch verändert?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Nicht viel. Wir arbeiten kontinuierlich und pushen uns, besser zu werden. Jetzt sind wir auf den Geschmack gekommen und wollen natürlich mehr.

100A6162-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South:  Quaker City Night Hawks ist ein eher untypischer Bandname. Was hat es mit dem Band-Namen auf sich?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Der Name rührt von einem Mark Twain-Buch „Die Arglosen im Ausland“. Seine Kumpels, mit denen er spielte und feierte, nannten sich Night Hawks und das Schiff, auf dem sie sich in der Geschichte befanden, wurde Quaker City genannt. Somit erklärt es sich von selbst.

Sounds Of South: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auf der Bühne stehen oder auf Tour gehen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: 
Wir würden die Bühne gerne mit Nathaniel Rateliff and the Night Sweats, The Record Company oder irgendeinem der Projekte von Jack Whites teilen… auch Post Malone wäre verdammt klasse.

Sounds Of South: Worauf freut ihr euch bei der anstehenden Tour am meisten?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Zu den tollen europäischen Fans zurückzukehren. Die hören sich tatsächlich Musik an. Es ist erfrischend vor Publikum zu spielen, das Achtung vor Musik hat und jedes Detail mitbekommen möchte.

Danke für die Beantwortung unserer Fragen. Wir freuen uns euch auf eurer kommenden Tour in Deutschland wieder zu sehen.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: How would you describe the new record to someone,who hasn’t heard it yet?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Are you happy with the feedback on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Yes, People seem to like it now we just need more people to hear it.

100A6067-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Your record combines many different kinds of music. From southern rock, to psychedelic elements in „GrackleKing“ or blues rock in „Fox in the Henhouse“. Whichmusic from other artists had an influence on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Some Of the big ones that influenced this album are ZZ Top, Black Sabbath and Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ is a very personal Song. Is it important foryou to write about personal experiences?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolutely, we are nothing without our experiences. The songs are not always autobiographical but sometimes you go with what you know.

Sounds Of South: What did it mean to you, working with Austin Jenkins? Did he have a big influence on your musical ideas?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We really respect Austin Jenkins and Josh Block and we trust them which is the most important. We had a good idea of what we wanted going into the studio but they were very helpful when we would get stuck. They did what great producers should do. Sonically and creatively they helped this record come to life.

Sounds Of South: The Niles City Studio is very famous for its lo-fiproduction. What do you prefer more: streaming oranalog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We used both. We aren’t afraid of technology but we prefer the sound and warmth of analog gear…. and we are a real band that plays together.

Sounds Of South: You have become very successful. What has changedin your life?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Not much. We are constantly working and pushing to be better. We have a taste now we want more.

100A6059-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Quaker City Night Hawks is an very unusal name of a band. What’s the„story“ behind it?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: It comes from a Mark Twain book called “The Innocents Abroad”. The group of fellas he would gamble and drink with called themselves the Night Hawks and the ship they were on during the story was called the Quaker City. It writes itself.

Sounds Of South: If you had the choice, which artist would you like tosupport on stage or tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We would love to hit the road with Nathaniel Rateliff and the Night Sweats or The Record Company or any of Jack Whites projects… hell even Post Malone would be great.

Sounds Of South: What are you looking forward to the most about your upcoming tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Getting back to the European fans. They actually listen to music. It’s refreshing to have audiences that care about music and want to hear every detail.

Thank you for answering our questions. We’re looking forward to see you on your upcoming tour in Germany.

Bilder: Gernot Mangold

Quaker City Night Hawks
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Oktober Promotion

Ally Venable – Texas Honey – CD-Review

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Vor kurzem stand Ally Venable im Rahmen des Blues Caravan 2019 noch auf der Bühne im Dortmunder Musiktheater Piano und wurde in Sounds Of South ausführlich vorgestellt. Dort hinterließ sie einen nachhaltigen Eindruck. Jetzt kommt mit „Texas Honey“ ihr neues Album heraus – nach Puppet Show (2018) und No Glass Shoes (2016) bereits der dritte Longplayer der erst 20-jährigen Texanerin.

Sie hatte mit dem erfahrenen Blues-Gitarristen Mike Zito einen gestandenen Produzenten an ihrer Seite, der freudig von den Aufnahmen erzählt: „Ally ist die Zukunft des Blues und gleichzeitig eine Kreuzung zwischen Blues und amerikanischem Roots-Rock.“

Im überwiegend christlichen Süden der USA hat sie durch die Kirche ihre Gesangsstimme entdeckt. Sie hat aber nicht zur Worship-Musik gefunden, sondern in die Tradition des Texas-Blues-Rock – wie z.B. die, ihres großen Vorbildes Stevie Ray Vaughan, dessen Gitarrenkünste in „Love Struck Baby“ gewürdigt werden. Ein Song von Vaughans Debütalbum „Texas Flood“ (1983), der auch durch Allys Stimme in neuer Lebendigkeit begeistert.

„Nowhere To Hide“ eröffnet die LP rockig und frech und man bekommt einen ersten Eindruck, warum sie bereits 2015 bei den ETX Music Awards u.a. als beste Gitarristin ausgezeichnet wurde. Die Single-Auskopplung „Broken“ knüpft nahtlos an den rauen Blues der Vorgänger-Alben an. Der Titelsong „Texas Honey“ beweist, dass Ally Venable nicht nur gesanglich das Herzstück einer starken Blues-Rock-Band sein kann, sondern auch an ihrer 6-saitigen-Gitarre ein Highlight nach dem anderen abliefert und bei „Running After You“ ausgiebig für den Bottleneck-Einsatz verantwortlich ist!

„Blind To Bad Love“ ist ein harter Slow-Blues, der vom beständigen Schlagzeug-Beat getragen wird. Auf „Come And Take It“ wird Ally an der Gitarre und vocal-technisch vom Memphis-Blues-Musiker Eric Gales begleitet.

Mike Zito greift auf „Texas Honey“, neben seiner Produzententätigkeit, auch mehrfach musikalisch ins Geschehen ein und jammt z.B. bei „One Sided Misunderstanding“ zusammen mit seiner „Schülerin“, in einer Art und Weise die wirklich jeden Blues-Fan „elektrisieren“ sollte.

„White Flag“ setzt diesen Power-Blues mit knarzender E-Gitarre fort. Als letztes Stück nimmt sich Ally Venable den Blues-Traditional „Careless Love“ vor, der schon von zahlreichen Künstlern des Jazz- und Blues-Bereichs interpretiert wurde. Aber Ally gelingt es, diesem Klassiker in frischer und aktueller Weise das besondere Texas-Feeling einzuimpfen und doch ihre eigene jugendliche Note beizusteuern.

„Texas Honey“ ist eine LP, aus überwiegend selbstverfassten Songs, die melodischen und modernen Blues-Rock mit der typischen texanischen Härte verbindet. Ally Venable findet stets die richtige Balance zwischen imponierenden Solo-Parts und persönlichen Texten.

Sie rockt mit einer so ureigenen Entschlossenheit, die man wohl nur so im US-amerikanischen Süden in die Wiege gelegt bekommt und bringt ein Blues-Album in die Szene, das ihre Position als aufstrebendes Talent mit enorm viel Potenzial festigt.

Ruf Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Nowhere To Hide
02. Broken
03. Texas Honey
04. Blind To Bad Love
05. Come And Take It
06. Love Struck Baby
07. One Sided Misunderstanding
08. White Flag
09. Long Way Home
10. Running After You
11. Careless Love

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Ruf Records

Quaker City Night Hawks – QCNH – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein Rock-Trio, das aus Fort Worth,Texas, stammt und nicht nur zuweilen härtere Gitarrenriffs in seine Songs einbaut, wird unweigerlich auch mit Vergleichen zu den texanischen Blues-Großmeistern von ZZ Top konfrontiert werden. Im Falle der dynamischen Quaker City Night Hawks sind solche Assoziationen keineswegs ungerechtfertigt, aber umfassen die musikalische Bandbreite der Band nur teilweise.

Aufgenommen wurde das insgesamt vierte Album und der Nachfolger der Erfolgs-LP „El Astronauta“ (2016) in ihrer Heimatstadt. Im Niles City Studio konnten sie zusammen mit Ex-White Denim-Gitarrist und Produzent Austin Jenkins an den Tracks feilen. Eine klare Aufgabenteilung war das Songwriting, bei dem sowohl David Matsler als auch Sam Anderson ihre Ideen und Gitarrensounds in eigenen Songs beisteuerten.

Der Opener „Better In The Morning“ versprüht ein klassisches Roots-Rock-Feeling, „Suit In The Back“ den coolen Funk-Blues, gespickt mit heftigen Gitarrenriffs. Die Staaten-Hymne „Colorado“ ist ein angenehmer Road-Trip-Song im Heartland-Rock Charakter und ein typischer Matsler-Track, der Highway Erlebnisse über zahllose Autostunden von Texas nach Colorado und New Mexico schildert. Den dirty Texas-Blues-Rock bringen sie auf „Fox in the Henhouse“ und liefern im Folgenden „Hunter’s Moon“ einen powervollen Tex-Mex Stoner-Rock ab.

„Elijah Ramsey“ erinnert an einen akustischen Tom Petty-Song und behandelt die Kriegserfahrungen eines jungen Soldaten. Matsler wurde hier besonders durch Steve Earles LP „Copperhead Road“ (1988) angeregt, sich mit dem Thema Kriegsveteranen auseinanderzusetzen. „Grackle King“ ist psychedelisch angehaucht und hier scheint der experimentelle Einfluss des Produzenten Jenkins durchzusickern. Von den Funk-Gitarren bei „Tired of You Leaving“ geht es dann zum letzten Stück des Longplayers, „Freedom“, das mit straighten Rock-Riffs die Scheibe hart und rau beendet.

Auch für die aktuell angesagte Southern Rock-Band Blackberry Smoke waren QCNH schon als Support-Act unterwegs und sogar Country-Star Chris Stapleton hat die Band für seine Tour verpflichtet. Die Platte ist von einem fesselnden Sound gefärbt, der wesentlich auf die Produktion mit dem Retro-Studio-Equipment im Lo-Fi Vintage-Style zurückzuführen ist.

Der Musikmix der Quaker City Night Hawks reicht von 70s Classic Rock, über Desert bis hin zu Funk und psychedelischen Elementen, wobei auf dem vorliegenden Longplayer kaum ein Track dem anderen gleicht. Artverwandte Bands wie z. B. Wille & The Bandits, aber auch die Zuma Birds, The Picturebooks, Delta Saints oder Black River Delta, zeigen ähnliche Ansätze einer musikalischen Ausrichtung.

Quaker City Night Hawks sind jedenfalls schon seit längerem ein Gewinn, nicht nur für die texanische Musik-Szene, sondern auch für die Liebhaber kompromissloser Songs vom Texas-Blues bis zum Southern-Country.

Lightning Rod Records (2019)
Stil: Southern Rock, Stoner/Desert, Funk

Trackliste:
01. Better In The Morning
02. Suit In The Back
03. Colorado
04. Pay To Play
05. Fox In The Henhouse
06. Hunter’s Moon
07. Elijah Ramsey
08. Grackle King
09. Tired Of You Leaving
10. Freedom

Quaker City Night Hawks
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Oktober Promotion

Ryan McGarvey – Heavy Hearted – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Heavy Hearted“ legt der 33-jährige Ausnahmegitarrist Ryan McGarvey nach dem 2014 erschienenen „The Road Chosen“ nun sein viertes Studiualbum nach. In der zwischenzeit wurde ein feines Live-Werk eingeschoben, was das Warten auf neuen Stoff ein wenig verkürzte.

Nun gelingt McGarvey mit „Heavy Hearted“ ein würdiger Nachfolger. Im Line-up vertraut der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Musiker den Instrumentalisten, die ihn vornehmlich in den letzten zwei Jahren begleiteten.

Miles Logan Nix schwingt, wie schon auf allen Vorgängern, die Drumsticks und am Bass glänzt mit Carmine Rojas, ein echter Schwerkaräter, der schon für Musiker wie David Bowie, Tina Turner, Rod Stewart oder im Bereich des Blues, Joe Bonamassa, tätig war. Verstärkt wir das bewährte Trio im Studio von Brant Leeper am Piano.

Nach dem knapp einminütige Intro „Prelude“, einem leicht esoterisch klingenden ruhigen Instrumental, wird man dann vom folgenden „Feelin‘ Like I Do“ jäh aus dem Lehnstuhl gerissen. Wie aus dem Nichts weckt die treibende Gitarre, zu Beginn hinterlegt mit Keyboardklängen, den Zuhörer.

Nix und Rojas sorgen mit zum Teil stampfenden Spiel dafür, dass eine harte Bluesnummer im Stile eines Stevie Ray Vaughan, direkt die Meßlatte für das gesamte Album hochlegt. Im Vergleich zu den älteren Platten macht McGarvey auch gesanglich einen sehr gereiften Eindruck, über die Qualität seines Gitarrenspiels brauchen im Prinzip keine Worte verloren werden, Extraklasse, was er immer wieder, auch in den Folgestücken, in starken und variablen Soli, von rasant bis ruhig getragen, beweist.

Auch das Mitwirken des Tastenspielers Brant Leeper entpuppt sich als sehr positiv, da den Songs so noch eine größere Fülle gegeben wird. Mit „Bright Side Of The Dirt“ geht es im Sinne des harten Blues weiter, während Ryan bei „I Shoulda Known Better“ auch den Old Stile Blues perfekt beherrscht.

Bei „Break My Heart“ besinnt sich der junge Amerikaner wieder auf seine härtere Gangart, welche ihn auch von vielen Bluesmusikern sehr positiv abgrenzt. Mit „Houston“ baut McGarvey ein Instrumental ein, in dem er, rhythmisch unterstützt von seiner Band, praktisch ein vier-minütiges, facettenreiches bluesiges Solo hinlegt.

Im countryumwehten „Six Feet In The Ground“ gelingt es McGarvey, Blues und Country zu verknüpfen. „Ain’t Enough Whiskey“, eine fast schon sentimental klingende Bluesnummer mit dezent sphärischem Gitarrenspiel, welches ein wenig in Richtung Gary Moore geht, beeindruckt durch gefühlvolles Songwriting. Dieser fast schon episch daherkommende Track fühlt sich ein wenig an wie die Hymne der Platte.

Bei „Walk In The Rain“ ist es mit der Ruhe vorbei. Eine satte Bluesnummer mit zum Teil Soli in Hard Rock-Manier. Auch das folgende „Surrender“ ist trotz eher ruhigen Gesangs ein rockender Song, der mit einer unglaublichen Sounddichte imponiert.

„Who Would’ve Thought“, eine schöne Ballade, wird natürlich, sonst wäre es nicht McGarvey-like, mit einem ausladenden, zum Teil heftigen Solo beendet. Was aber besonders beeindruckt, ist der Einstieg in den Song, wo der Protagonist die ersten Riffs einer der schönsten Balladen, die ich kenne, das legendäre „Love Hurts“ von Nazareth, in einer anderen Tonlage nutzt, um einen Spannungsbogen für den Track zu erreichen.

Das instrumentale „Conclusion“ schließt im Stile des Intros, eine ganz starke Paltte ab, in der Ryan seine ganze Spielkunst auffährt und von absoluten Ausnahmemusikern unterstützt wird.

Was soll als Fazit gesagt werden? Absolute Kaufempfehlung der Platte und der Besuch eines der vermutlich im Frühjahr anstehenden Konzerte. Wenn man diese Platte, aber auch die alten Scheiben hört, ist es nicht erstaunlich, dass McGarvey an der ‚Keeping The Blues Alive At Sea‘- Tour teilnimmt und er das Boot mit Musikern wie Joe Bonamassa, Peter Frampton, Joanne Shaw Taylor, aber auch aufstrebenden Künstlern wie King King oder Robert Jon & The Wreck teilt.

McGarveys Auftritt wird mit Sicherheit eines der Highlights dort sein und ich kann mir gut vorstellen, wie bei einem seiner Klassiker, dem phantastischen „Mystic Dream“, die Sonne Ende August im Mittelmeer versinkt. „Heavy Hearted“ entpuppt sich als weiterer Meilenstein in der Blueskarriere Ryan McGarveys.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

01. Prelude
02. Feelin‘ Like I Do
03. Right Side Of The Dirt
04. I Shoulda Known Better
05. Break My Heart
06. Houston
07. Six Feet In The Ground
08. Ain’t Enough Whiskey
09. A Walk in the Rain
10. Surrender
11. Who Would’ve Thought
12. Conclusion

Ryan McGarvey
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Double K Booking

Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
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Ally Venable
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Katarina Pejak
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Jason Kane & The Jive – Hellacious Boogie – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als sich Jason Kane und Nick Jive 2014 begegnet sind, war Jason bereits ein Jahr lang als Akustik-Musiker unterwegs. Sie formierten die Band Jason Kane & The Jive und konnten 2015 mit ihrer Debüt-EP auf Anhieb die Aufmerksamkeit der Musikszene in ihrer Heimatstadt San Antonio, TX, auf sich ziehen.

Der Anspruch an diese gemeinsame erste Platte war auch daran abzulesen, dass die Band ohne eigenes Album schon als Live-Support für Konzert-Größen wie Uriah Heep, Graham Bonnet oder L.A. Guns spielen durfte. Nach personellen Veränderungen hat sich Drummer Thomas Chapoy seit 2017 neben Jason Kane an der Gitarre und Bassist Nick Jive als dritte Konstante eingespielt.

Mit „Hellacious Boogie“ legen sie jetzt ihre zweite LP vor. Das Plattencover erinnert auf den ersten Blick ein wenig an die typisch bunten, farbenfroh verschlungenen Motive im Psychedelic-Genre. Diese bildliche Einordnung entspricht aber keineswegs dem, was man auf der CD zu hören bekommt.

Das Album beginnt standesgemäß mit einem powervollen Auftakt („Gypsy Kiss“) im Mix von funkiger Gitarre und rockigen Riffs. Auf „Pussyfootin'“ sticht dieser Crossover-Style aus Funk und Rock ’n‘ Roll, der sich durchs ganze Album zieht, noch deutlicher hervor. „Get Up“ ist funkiger Heavy-Rock, der an die frühen Red Hot Chili Peppers Alben erinnert.

Auf dem einzigen ruhigen Song des Longplayers „In Time“ versucht sich das Trio an einer soften Rock-Ballade. Jasons Stimme überzeugt jedoch eher beim Band-eigenen Crossover Sound. Das 7-Minuten Stück „Let It Ride“ ist größtenteils instrumental angelegt, mit intensiven Schlagzeug Beats und vielen Power-Rock-Riffs.

Als musikalische Einflüsse für die zweite CD nennt die Band u.a. die Hard-Rock Pioniere von Mountain, die Funk-Rock Vorreiter Grand Funk Railroad und die 1990er Grunge Ikonen Soundgarden. Jason Kane setzt diese Mischung aus alten und neuen Erfahrungsfeldern in Hochspannung um.

„Outta Sight“ fügt der Scheibe noch eine ordentliche Portion Blues-Rock mit Classic Rock Vibe hinzu und „Titty Boi Rabbit“ ist dann wiederum ein schneller und wilder Rock’n’Roll-Trip.

Sollten Jason Kane & The Jive ihren Sound beibehalten, werden sie sicherlich auch mit Bands, wie Greta Van Fleet, die ein Classic Rock Revival angestoßen haben und auch dem deutschen Blues-Rock Trio Kadavar verglichen werden.

„Hellacious Boogie“ ist ein lebendiges Potpourri aus Rock’n’Roll, Blues, Classic Rock und Funk. Jason Kane & The Jive“ dürfen zurecht als neue Rock-Sensation angekündigt werden. Einfach krass!

Jive Ass Productions (2018)
Stil: RockʹnʹRoll, Blues, Funk

Tracks:
01. Gypsy Kiss
02. Pussyfootin‘
03. Nomad
04. Get Up
05. In Time
06. Bossman
07. Let It Ride
08. In My Windowl
09. Nothin‘ To Lose
10. Titty Boi Rabbit
11. Outta Sight

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Shea Abshier & The Nighthowlers – Potluck – CD-Review

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Mit Shea Abshier & The Nighthowlers befindet sich eine neue, erst im Frühling 2017 gegründete Band aus Stephensville, Texas, auf dem Red Dirt-Radar, die jetzt mit „Potluck“ ein überaus starkes Debüt hinlegt.

Der Titel des Albums, der quasi für ein Essen steht, bei dem jeder seine Speise mitbringt, kann auch ein wenig als Synonym für die Stilvielfalt (Americana, Roots, Rock, Southern Rock, Country Rock, Blues, Gospel, Reggae, Pop) auf diesem Werk gesehen werden, die das großartige Kollektiv, bestehend aus Leader Shea Abshier (lead vocals, rhythm guitar), Chase Chancellor (drums) und Monty Scrogrum (bass) sowie den Gastmusikern Josh Serrato (acoustic and electric guitar, keys), Cameron Speed (harmonica), Piper Jones und Tyler Moses (beide background vocals) geradezu perfekt und in vollendeter Harmonie verschmelzen lässt.

Herausragend und prägnant dabei ist die von einer gewissen Vulnerabilität gekennzeichnete Stimme des Fronters Shea Abshier, die eine Nähe zu der von Mike Eli suggeriert. Auch die ausnahmslos tollen Hooks und herrlichen Melodien, sowie der aus vielschichtigen, wunderbar transparent und saftig klingenden Gitarren bestimmte, erfrischende, dennoch natürlich rootsige, ursprüngliche und ehrlich klingende Sound lassen unweigerlich Assoziationen zur, allerdings frühen, noch nicht von Nashvilles Mainstream-Maschinerie beeinflussten Eli Young Band aufkommen, was natürlich als Riesen-Kompliment zu verstehen ist.

Den Auftakt bildet mit „Be Your Man“ ein dynamisch groovener Roots-/Blues-Rocker, der von der quäkenden Mundharmonika Cameron Speeds dominiert wird. Das folgende „Bring Me Back“ und das treibende „Get Me There“ leben sowohl von diesen typisch, im Red Dirt verankerten, melodischen Gitarrenhooks, Tempi- und Stimmungswechseln, als auch den eingängigen Refrains, wie sie die EYB weit über Texas hinaus getragen haben. Letztgenannter Track wird aufgrund Serratos bärenstarker E-Gitarre (tolles E-Solo, dazu mit klasse Orgeleinlagen) auch in Southern Rock-Kreisen bestens ankommen.

„My Oh My“ wirkt mit seinen Acapella-artigen Hamoniegesängen wie ein aus einer guten Laune heraus, spontan komponierter „Verandasong“, dessen Titelzeile samt positiver Energie, sich unweigerlich im Gedächtnis festsetzt. Das größte Hitpotenzial weist vermutlich der dezente, melancholische Ohrwurm „Washed Away“ auf. Grandioser Song!

Im zweiten Teil der CD fällt das schon vom Titel her eigenwillige „Kickapoo Redemption“ in seiner atmosphärischen Barroom-bluesigen (wieder mit quäkender Harp und fesselnder E-Gitarre), gospeligen Machart (ein wenig „Go Down Moses“-mäßig) und fast Reggae-typischem Bridge aus dem Rahmen. Was sich hier wie wild zusammen komponiert anhört, greift am Ende gekonnt ineinander und gilt als Beweis für die kompositorische Variabilität Abshiers.

Ansonsten wird mit flockigen Tracks wie „The Other Side“ (wie eine hinreißend schöne Mischung aus den frühen Eagles und Reckless Kelly), „Something Sacred“, „As You Weep“ und dem überragenden, mit surrender Slideguitar und dramatisch in Szene gesetzter Orgel dargebotenen „Bleeding Eyes“ (schön southern-rockig), die neben besagter Eli Young Band, nicht nur Anhängern von Acts wie u. a. No Justice, Micky and The Motorcars, Willie Stradlin, Rob Baird und auch im weitesten Sinne auch Sister Hazel und Will Hoge größte Freude bereiten werden, beste Akquise in Sachen potentiellem Popularitätszuwachs betrieben.

Das Album ist ein somit durchgehend herausragend starker, abwechslungsreicher und mitreißender Silberling. Mit „Potluck“ haben Shea Abshier & The Nighthowlers schon mit dem Debüt ein fantastisches 10-Gänge-Menü mit vielen kleinen musikalischen Delikatessen angerichtet, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Hier ist enorm viel Potential in Richtung großem Karrieresprung vorhanden! Allerfeinste, absolut schmackhafte Kost, nicht nur für Red Dirt-Gourmets.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Red Dirt

01. Be Your Man
02. Bring Me Back
03. My Oh My
04. Get Me There
05. Wash Away
06. The Other Side
07. Something Sacred
08. Kickapoo Redemption
09. As You Weep
10. Bleeding Eyes

Shea Abshier & The Nighthowlers
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Bärchen Records