Aaron Einhouse – Interview

Einhouse_guitar

Der texanische Singer/Songwriter/Musiker Aaron Einhouse, der letztes Jahr mit seinem saustarken Album „It Ain’t Pretty“ überzeugt hatte, berichtet uns über seine aktuelle Situation und sein derzeitiges Treiben.

Hallo Aaron, vielen Dank, dass du dich für ein Interview zur Verfügung stellst.

Sounds Of South: Ich hoffe deine Familie, Freunde, Bekanntschaften und Fans in Texas sind von den klimatischen Katastrophen der letzten Wochen verschont geblieben, wie ist die momentane Lage in Texas?

Aaron Einhouse: Glücklicherweise war niemand aus meiner Familie betroffen, auch allen meinen Freunden geht es soweit gut. Es gab aber einen erheblichen Schaden rund um Houston und um Teile der Küste. Wir sind sehr glücklich, dass es sehr viele hilfsbereite Leute gibt – innerhalb wie auch außerhalb der Musikszene. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie hart es ist, was da einige Leute zur Zeit durchmachen. Viele haben ihre Häuser und all ihre Besitztümer verloren.

Sounds Of South: Du bist in unseren Gefilden ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt. Erzähl mal bitte ein wenig über deinen musikalischen Werdegang.

Aaron Einhouse: Meine ersten musikalischen Berührungspunkte gab es, als ich die Vinyl-Sammlung meiner Mutter durchhörte. Meistens Classic Rock. Mit der Country Musik ging es auf der High School los. Dort begann ich mich auch in die texanische Musik einzutauchen und bekam kurze Zeit später eine Gitarre. Es dauerte dann nicht lang bis anfing, Songs zu schreiben.

22007925_10155377082673855_4313648821728731362_n
Sounds Of South: Dein aktuelles Album „It Ain’t Pretty“ fanden wir ‚pretty good‘, ja, wir zählten es zu den besten Veröffentlichungen unseres Jahres 2016. Wo siehst du überhaupt noch Steigerungspotential?

Aaron Einhouse: Danke Mann! Man versucht immer noch stärkere Stücke zu schreiben und ein besserer Musiker zu werden.

22490240_10155427791893855_2905757581140058955_nSounds Of South: Auf Facebook hast du erste Neukreationen in akustischen ‚Roh-Versionen‘ gepostet. Wann wird der Nachfolger fertig sein?

Aaron Einhouse: Ich werde zunächst ein paar Singles veröffentlichen, bevor es  an ein komplettes Album geht. Den Clip zur neuen Single „John’s Camaro“ kann man jetzt unter diesem Link sehen und hören – www.johnscamaro.com

Sounds Of South: Welche sind  deine bisherigen bevorzugten Live-Locations, auf welcher Bühne und mit welchen Musikern würdest in deinen Träumen du gerne mal unbedingt stehen?

Aaron Einhouse: Die Gruene Hall hier in New Braunfels natürlich. Einer meiner größten Lieblingsmusiker ist Robert Earl Keen. Er ist ein großartiger Storyteller. Tolle Geschichten haben mich auch schon immer angesprochen. Das ist auch das, was mich in die Americana- und Countrymmusik hineingezogen hat.

Sounds Of South: Würdest du ggfs. ähnlich wie z.B. die Randy Rogers Band, Wade Bowen & Co. einen Gang nach Nashville wagen, oder bleibst du da ganz Texaner?

Aaron Einhouse: Ich mache schon ein wenig in Nashville, zum Teil ein bisschen Schreiben und Aufnehmen. Da gibt es so viele talentierte Leute. Aber meine Planung läuft dahin, immer Texas als Heimat zu behalten.

Einhouse_profilSounds Of South: Wie findest du eigentlich unser Magazin?

Aaron Einhouse: Sounds Of South ist ein Killer Magazin! Ich finde es echt cool, dass ihr bei euch beleuchtet, was in unserer Szene passiert. Es ist klasse, dass ihr euch so in unsere Musik reinhängt, die wir soweit entfernt von euch machen. Dafür bin ich euch echt dankbar. Es ist in der heutigen Zeit sehr einfach zu vergessen, wie universell und verbindend Musik sein kann.

Sounds Of South: Eine politische Frage: Wie beurteilst du als Texaner die bisherige Amtszeit eures Präsidenten, die ja hier in Europa recht kritisch beäugt wird.

Aaron Einhouse: Ich bin kein Fan von ihm…

Einhouse_family

Sounds Of South: Du bist ja ansonsten ein sehr bodenständiger Mensch. Wie bekommst du die Musik und die Familie mit deinen wilden Kindern unter ein Dach?

Aaron Einhouse: Ich versuche zurecht zu kommen. Es ist manchmal ganz schön hart, aber ich versuche immer Zeit zu finden, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Sie sind für mich das Wichtigste.

Sounds Of South: Welche Hobbies hast du noch, außer reichhaltig dekorierte Teller (wie du immer in Facebook postest) zu verspeisen…? 🙂

Aaron Einhouse: Haha, Jagen und Fischen, eigentlich überhaupt Zeit an der frischen Luft zu verbringen, wenn es die Zeit erlaubt.

———————————————————————————–

Das Interview in Englisch:

Hi Aaron, thanks for giving us an interview!

Sounds Of South: I hope your family, friends and fans, etc. in Texas weren’t affected concerning the climatic catastrophies of the last weeks. How is the actual situation in Texas?

Aaron Einhouse: Luckily, none of my family was affected and all of my friends relations are doing well. There was some very substantial damage done to Houston and parts of the coast. We are fortunate to have so many people who are willing to help in and out of the music scene. I can’t imagine how tough it would be to go through what some of those people went through. Many lost their homes and all of their posessions.

18446997_10155028980228855_2741428133959556265_nSounds Of South: In Germany you’ve been a ‚blank sheet‘ up to now. Please tell us a little bit of your musical background.

Aaron Einhouse: I first got into music listening to my mother’s vinyl collection. Classic Rock mostly. I got into country music in High School. Then I started getting into Texas music when I was in high school and got a guitar shortly after. Then not long afer that started writing songs.

Sounds Of South: We liked your common album „It Ain’t Pretty“ pretty much! From our point of view it was one of the best releases in 2016 . Where do you see any potential for improvement?

Aaron Einhouse: Thanks man! Ya always trying to write better songs and get better as a musician.

22712192_10155448947718855_2148664230335202500_oSounds Of South: You posted some new raw/acoustic creations on Facebook. What do you think when will the next album be ready?

Aaron Einhouse: Gonna release a few singles before I do another full length album. New single – www.johnscamaro.com

Sounds Of South: Which are your favourite live locations? Where and with what kind of musicians you would like to share the stage in your dreams?

Aaron Einhouse: Gruene Hall down here in New Braunfels for sure. One of my favorites is Robert Earl Keen. He’s a great storyteller. I’m always attracted to a good story. That’s what appeals to me about country/americana music.

Sounds Of South: Would you risk to go to Nashville like the Randy Rogers Band, Wade Bowen & Co, if there’s a chance or do you stay a Texican to the core?

Aaron Einhouse: I already do a little bit in Nashville, writing and a little recording. There’s so much talent up there. I plan to always keep my home in Texas.

Sounds Of South: What do you think about our Magazine ‚Sounds Of South‘?

Aaron Einhouse: Killer magazine!!! I just think it’s so cool that you cover what is going on in our scene over there. It’s pretty awesome to me that y’all are so into this music we make so far away. I am grateful for it. It’s easy to forget these days how universal and uniting music can be.

Sounds Of South: Can I just ask you a political question: What do you say about the work and the decisions of your current president so far? In Europe he has been critized a lot.

Aaron Einhouse: I’m not a fan.

19420495_10155045487393855_26005528010017555_nSounds Of South: As a down-home man, how do you manage your musical life  and your family?

Aaron Einhouse: I just try to get by. It’s tough sometime, but I do a lot to make sure I get to spend time with them. They are the most important thing to me.

 

 

20374235_10155178522283855_627694670999814263_nSounds Of South: What kind of hobbies do you have aside from eating rich and colourful decorated plates with food (facebook postings…)? 🙂

Aaron Einhouse: Ha! I like to hunt and fish and be outdoors when I have the time.

Aaron Einhouse
Aaron Einhouse bei Facebook

The Sideshow Tragedy – The View From Nowhere – CD-Review

SST_300

Review: Michael Segets

In Austin blüht eine lebendige Musikszene, in der das Independent-Duo The Sideshow Tragedy ihre musikalische Heimat hat. Für die Aufnahmen zu „The View From Nowhere“ ging die Band allerdings in das New Yorker Old Souls Studio. Dort produzierte Kenny Siegal das neue Album. Er erweitert das Klangspektrum der Band durch den Einsatz von mehreren Tasteninstrumenten, wie der Hammond B3-Orgel. Dennoch steht auf der neuen Veröffentlichung weiterhin die Resonator Guitar von Nathan Singleton und das Schlagzeug von Jeremy Harrell im Vordergrund.

Nach dem Debüt im Jahr 2010 entschlossen sich Singleton und Harrell, The Sideshow Tragedy zu zweit weiterzuführen und haben seitdem zwei CDs veröffentlicht. Die Konzentration auf das Zusammenspiel von Gitarren und Schlagzeug in Verbindung mit dem Gesang von Singleton führt zu einem erdigen und schnörkellosen Sound, der das Duo kennzeichnet.

Die elf Tracks der CD bewegen sich zwischen Blues und Rock. Da ich eher dem Rock zugeneigt bin, ist „Nobody“ der herausragende Song der Scheibe, zu dem es im Netz ein gutes narratives Video gibt. Cooler Gesang und eingängiger Refrain garantieren, dass er auf die nächste Zusammenstellung für meine Autofahrten kommt. Zum Thema Auto passt auch das scheppernde „Gasoline“. Bei der kratzigen Rock ’n Roll-Nummer, die sich bereits auf dem Album „Persona“ findet, drückt die Band das Gaspedal richtig durch. „Piston Blues“ ist ebenfalls ein knackiger Rocksong. Harrell bearbeitet seine Drums über die knapp drei Minuten mit merkbar viel Spielfreude.

Mehrere Stücke sind durch langsame, fast schon gesprochene Gesangsparts geprägt, so der Opener „Lost Time“, „Afraid To Fall“, „Long Time Coming“ oder „For Your Love“. Der Wechsel von Gesang und Gitarreneinsatz ist für das Duo typisch. Für sich genommen entwickeln die Werke durchaus einen Reiz, insgesamt erscheint der Aufbau der Songs aber sehr ähnlich, sodass sie untereinander wenig unterscheidbar bleiben. Das dem Album den Titel gebende „The View From Nowhere“ hebt sich allerdings ab. In der Blues-angehauchten Ballade singt Singleton mehr als er spricht und wird dabei nur von einem etwas ausgedehnteren Gitarrensolo unterbrochen.

Ebenfalls bemerkenswert ist „Trust“, das leichte Funk-Einflüsse aufweist und mit mehrstimmigem Gesang sehr harmonisch wirkt. Es gehört sicherlich zu den Highlights der Scheibe. Weniger eingängig ist „Time To Taste“. Hier gehen die Funk-Anleihen schon in Richtung Jazz. Der Jam mit Saxophon-Sprengseln von Ben Senterfit ist nicht mein Fall. Mit „The Bet“, dem zweiten Bonus-Track von dem älteren Longplayer „Persona“, legen die Jungs zum Abschluss einen Blues mit gelungener Gitarrenarbeit und passendem Gesang hin.

Wie bereits erwähnt, erscheint das Songwriting nicht außerordentlich komplex und die Stücke sind oft gleichartig aufgebaut. Die Gradlinigkeit vieler Tracks macht andererseits auch deren Stärke aus und sorgt dafür, dass der Wiedererkennungswert von The Sideshow Tragedy gegeben ist. Nathan Singleton setzt bei der überwiegenden Anzahl der Songs auf einen fast gesprochenen Gesang, der zwar interessant, aber auf Dauer wenig abwechslungsreich ist. Wer auf Sprechgesang steht, ist bei der Band also richtig. Dort, wo Singleton etwas mehr Varianz in seinen Gesang bringt, gewinnen nach meiner Ansicht auch die Songs. Vor allem die schnelleren Nummern auf dem Longplayer „The View From Nowhere“ können daher überzeugen.

Dixie Frog/H’Art (2017)
Stil: Indie Blues-Roots-Rock

01. Lost Time
02. Piston Blues
03. Trust
04. Nobody
05. Time To Taste
06. Afraid To Fall
07. Long Time Coming
08. For Your Love
09. The View From Nowhere
10. Gasoline
11. The Bet

MonkeyJunk
MonkeyJunk bei Facebook
H’ART Musik-Vertrieb GmbH

The Band Of Heathens, 21.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BOH Haupt

Ich habe die Band Of Heathens zuvor bisher dreimal live gesehen, das ist allerdings jetzt doch schon eine ordentliche Weile her. Es war zu Zeiten, als die Truppe aus Austin, Texas, noch mit ihrem ‚Drei-Gestirn‘, also mit Colin Brooks als drittem Fronter agierte. Dieser weilt ja bekanntlich schon seit längerem auf eigenen Pfaden, auch die Rhythmus-Sektion wurde im gleichen Zuge erneuert.

Mittlerweile haben die beiden verbliebenen Hauptakteure Ed Jurdi und Gordy Quist mit Trevor Nealon, Richard Millsap und Scott Davis ein festes Bandgefüge um sich versammelt, das sich jetzt wieder in Europa eingefunden hat, um ihre aktuelle CD „Duende“ (was laut Gordy Quists Ansage vor „Last Minute Man“ als Synonym für Passion, Herzblut, etc. , das in diese Scheibe investiert wurde, stehen soll) dem geneigten Publikum vorzustellen.

Selbiges war an diesem Sonntag Abend leider nicht allzu zahlreich im schönen Dortmunder Musiktheater Piano anwesend, nur geschätzt knapp unter 100 Leute hatten sich auf den Weg gemacht, um sich am texanisch-rootsigem Country Rock des aktuellen BOH-Line-ups zu erfreuen. Das Quintett ließ sich von der recht überschaubaren Audienz aber nicht negativ beeinflussen und lieferte einen richtig starken Gig ab.

Und so startete der Fünfer mit dem leicht stonesk angehauchten, von Ed Jurdi gesungenem „Miss My Life“ in den ersten, 45-minütigen Set. „Sugar Queen“, „DC9″ und eine tolle Version von „Keys To The Kingdom“ folgten. Bei “Over My Head” hatte Bassist Scott Davis die Gelegenheit, seine Gesangskünste am Frontmikro zu präsentieren. Herrlich dann ihr altbekanntes, Little Feat-umwobenes „Jackson Station“. Das atmosphärische „Hurricane“ und das knackig, im Stile der Stones rockende “Trouble Came Early“ (wer braucht die alten Männer angesichts solcher Stücke eigentlich noch, fragte man sich da mal ganz spontan – klasse HT-Piano hier von Nealon) schlossen den Kreis des ersten Abschnitts.

Nach einer viertel Stunde Pause hatten Jurdi, Quist & Co. mit dem „LA County Blues“ die Leute sofort wieder im Griff. Das an die Beatles erinnernde „All I’m Asking“ und auch „Deep Is Love“ kamen recht ‚retro-poppig‘ daher. „Green Grass Of California“ hatte eine leichte Countrynote (Gordy mit Akustikgitarre), das fulminant groovende “Daddy Longlegs” bestach durch eine rauschende Psychedelic-Instrumental-Passage.

Mein Lieblingsstück des Abends war die wunderbare Ballade „King Of Colorado“, bei der Ed Jurdi eine fantastische Vokalperformance ablieferte. Mit dem swampigen „I Got A Feeling“ (polternde Drums von Millsap) und dem gegen Ende grandios anziehenden „Medicine Man“ wurde es dann richtig Southern-rockig und die Spielzeit des 2. Sets war ebenfalls wie im Fluge vorüber.

Bei der satt rockenden Zugabe „Medicated Goo“ brachten die Burschen ihre Sympathien für die großen Grateful Dead zum Ausdruck und verabschiedeten, ein zufriedene, sehr gut mitgehende Hörerschaft. Zwei Tage zuvor hatte The Band Of Heathens noch vor restlos ausverkauftem Haus in der Bluesgarage gespielt (allerdings auch zu einem günstigeren Termin, übrigens für eine Stunde mit Colin Brooks-Unterstützung!), an diesem Sonntag-Abend im Piano leider, wie bereits oben erwähnt, vor nur spärlicher Kulisse. Aber so ist das Rock And Roll–Leben/Geschäft halt phasenweise. Hat trotzdem richtig Spaß gemacht, die Texaner mal wieder live vor Ort zu erleben!

Line-up:
Ed Jurdi (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals)
Gordy Quist (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals, percussion)
Scott Davis (lead vocals, bass, vocals)
Richard Millsap (drums)
Trevor Nealon (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Band Of Heathens
The Band Of Heathens bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Tito & Tarantula, 30.08.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

_DSC0005

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

Fast pünktlich betraten die Chicano-Desert-Kult-Rocker aus Austin, Texas im Rahmen ihrer „Bloodsucker Suckers Summer Tour 2016“ die Bühne des mit über 400 Zuschauern völlig ausverkauften Dortmunder Musiktheater Piano. Der aus Mexiko stammende Tito Larriva (Gitarre, Gesang) hatte sogar die anderen beiden Gründungsmitglieder der 1992 ursprünglich als Spaßband gegründeten Formation „Tito and Tarantula“ mitgebracht. So waren also auch Peter Atanasoff an der Gitarre und Johnny „Vatos“ Hernandez am Schlagzeug mit dabei. Weitere Rhythmusunterstützung gab’s von Titos Tochter Lolita Carroll Lynne am Bass und Allysa Grace an den Trommeln. Marcus Paerd bearbeitete das Keyboard und spielte zusätzlich auch Gitarre.

Spätestens seit dem 1996 erschienenen Filmklassiker „From Dusk ‚Til Dawn“, dem u. a. bekanntlich Tito and Tarantulas größter Hit „After Dark“ entstammt, besitzt die Band Kultcharakter. Ihre vom Punk beeinflussten Tex-Mex-Desert-Rock Live-Acts gelten seit je her als laut, schweißtreibend und energiegeladen.
Und so war es dann auch im Laufe dieses Abends. Zwar startete das Konzert nach unspektakulärer Ankündigung der Band aus dem Off mit den beiden etwas ruhigeren Stücken „Everybody Needs“ vom 3. Album „Little Bitch“, gefolgt von „Bleeding Roses“ vom 2. Werk mit einem sehr schönen Geigenintro von Allysa Grace. Überhaupt erwies sich Allsya im Laufe des Konzertes als wahrhafte Multi-Instrumentalistin. Sie bediente nicht nur die Trommeln, sondern griff neben der Geige auch zu Blockflöte und verschiedenen Saiteninstrumenten.

Die im Folgenden gespielten Songs, (ausnahmslos alle aus den bisherigen Alben der Band), immer begleitet von den beiden tiefenentspannten Peter Atanasoff und Carrol Lynne und dem durchgehend Kaugummi kauenden Tito mit leicht krächzender, heiserer Stimme, wechselten sich diverse Male im Tempo ab. Über das härtere „Clumsy Beautiful World“ und das leicht mystische „Sweet Dream“ steuerte das Konzert dann nach dem melodischen „Mexico“ dem eigentlichen Höhepunkt des Abends zu: die über 10-minütige psychodelisch angehauchte Performance von „After Dark“, zu der Tito dann zahlreiche Mädels und Jungs aus dem Publikum auf die Bühne bat, um gemeinsam mit Ihnen das Stück tanzend und singend abzufeiern.

Selbst seine Gitarre überließ Tito für ein paar Minuten einem jungen Kerl aus dem Publikum. Spaßig wurde es dann, als einer der Zuschauer auf der Bühne das Mikrophon ergriff und sehr zum Gefallen von Tito anfing, zum Rhythmus von „After Dark“ zu rappen. Spätestens jetzt gab’s kein Halten mehr für’s Publikum und es wurde frenetisch applaudiert. Nach dem kraftvollen „Angry Cockroaches“ und „Strange Piece of Love“, beide vom „Tarantism“-Album neigte sich das Konzert nach 1 ½ Stunden dem Ende entgegen. Zum Abschluss gab’s dann noch ein gemeinsam mit dem Publikum intoniertes „Happy Birthday“ zu Ehren ihres Tourguides, der an diesem Tag Geburtstag hatte.

Natürlich wollte das Publikum Tito und seine Truppe nicht ohne Zugabe ziehen lassen und so kam es, dass „Tito and Tarantula“ sich nicht lange bitten ließen und nach einer kurzen Pause wieder auf der Bühne versammelt waren. Gut gelaunt und voller Spielfreude und Energie lieferten sie noch das fetzige „La Bamba“ und ein weiteres Stück als Zugabe ab.

Als das Konzert dann nach 1 3/4 Stunden zu Ende ging, konnten die Fans völlig zufrieden und durchgeschwitzt nach Hause gehen. Es war ein großartiger Abend und jedem, der „Tito and Tarantula“ hier verpasst hat oder die Truppe überhaupt einmal sehen und hören möchte, sei einer der noch stattfindenden Konzerttermine wärmstens empfohlen. Bis zum 26.09.2016 ist die Truppe noch mit ihrer „Bloodsucker Suckers Summer Tour“ u. a. hier bei uns in Deutschland unterwegs. Ein Konzertbesuch lohnt alle Male, nicht nur für After-Dark-Aficionados.

Tito & Tarantula
Tito & Tarantula bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment
Goldrush Productions
Jörg Schneider Webseite

Aaron Einhouse – It Ain’t Pretty – CD-Review

Einhouse_Pretty_300

Herrlicher, wunderbar rootsiger, zuweilen gar mit ein wenig Blues- und Southern Rock-Flair umwehter, prächtig in Szene gesetzter Americana, Americana-Rock und Country Rock aus Texas – natürlich mit dem unwiderstehlichen, erdigen den „Red Dirt-Staub“ am Stiefel klebend, wie man es eben nur im „Lone Star State“ erlebt. Großartig!

Der aus Austin stammende, bisher wohl nur Insidern bekannte Aaron Einhouse veröffentlicht mit „It Ain’t Pretty“ schon sein viertes Album und dürfte jetzt endgültig richtig durchstarten. Was für eine tolle Musik, was für eine grandiose Stimme! Stücke wie Townes Van Zandts „To Live Is To Fly“ und Jerry Jeff Walkers „Getting By“ bei der Beerdigung seines Onkels waren einst die Initialzündungen für Aaron, sich ebenfalls der Musik und dem Songschreiben zu widmen. Auch anderer Künstler aus diesem Dunstkreis, wie Guy Clark, Steve Earle, John Prine und Texas-Urgestein Walt Wilkins waren seine Inspiration. Heute ist die Musik und das Songwriting seine Mission.

Dem Ziel, eines Tages zu der ganz großen Zunft des Genres zu gehören und es seinen Helden gleich zu tun, ist er mit seinem neuen Werk, bei dem er sämtliche Tracks praktisch im Alleingang komponiert hat (nur bei zwei Stücken assistierten ihm Johnny Chops, der Bass-Spieler der Randy Rogers Band und Hal Ketchum), ein ganz großes Stück näher gekommen. Da gerät sein Mentor und Freund Walt Wilkins regelrecht ins Schwärmen: „Aaron is a true son of Texas, poetry, and the open road. He has an eye and a feeling for the human condition and his fellow man, and a stage presence that a bunch of us would trade for. There is a deep sensitivity in his songs, as well as humor and pathos. He’s as real as the places and folks he writes and sings about, and I’m looking forward to the next songs.”

Das von vorn bis hinten exzellente Songmaterial kommt in einem schön „saftigen“, zumeist mit tollen Gitarren in Szene gesetzten, erdigen, kraftstrotzenden, aber auch flüssigen und überaus melodischen Gewand. Da passt alles zusammen. Noch beeindruckender als Aarons starke kompositorischen Fähigkeiten ist zweifellos sein unglaublich charismatischer Gesang. Seine Stimme wirkt wie eine bestechende Symbiose aus Reckless Kellys Willy Braun, Robert Earl Keen und Jack Ingram. Schon nach den ersten Kostproben seines vokalen Könnens beim satten, brodelnden, Harp-getränkten, bluesigen, southern-swampigen Red Dirt-Rootsrocker „Dancin'“ zum Auftakt (tolle Slideguitar-Licks, gut nach vorn gehender Drive), weiß man, dass hier etwas ganz Besonderes auf einen zukommt. Der Song wurde übrigens zu Beginn und Ende von Soundschnipseln aus dem Film „Apocalypse Now“ eingerahmt.

Die Idee dazu hatte Erik Herbst (Eli Young Band, Kyle Bennett Band, Sam Riggs), der dieses tolle Werk auch in einem, herrlich zu Einhouses „Röhre“ passenden, sehr kraftvollen Sound produziert hat. Der Kontakt zwischen beiden war übrigens durch das Management von Sam Riggs zustande gekommen. Herbst sorgte in seinem „Panhandle House“-Studio dazu mit Leuten wie Tony Browne, Lucas Copeland, Jonathan Baulista, Tim Harris (klasse Harp-Performance), Bradley Knight, Bryan Brock, Milo Deering (mal wieder mit tollem Steel-Spiel) und Drew Womack (Harmony vocals) für ein exzellentes Musiker-Ensemble.

Stück Nr. 2, das saustarke „That’s What You Get“ stampft unvermindert „schroff“, in bester, kerniger Southern Rock-Manier (tolle E-Gitarren-Riffs, ein brennendes Solo, bluesige Harp-Fills) durch die texanische Peripherie, bevor mit dem Titelstück „It Ain’t Pretty“ erstmals ein wenig das Bremspedal betätigt wird. Eine wunderbare Ballade, bei dem Aarons Stimme natürlich besonders wirkt, dazu gibt es herrliche Electric Slide-Gitarren- und feine Orgel-Klänge. Auch das folgende, mega-lässige, retro-behaftete „Like Rock’N ‚Roll“ fährt titel-untypisch in eher ruhigeren Rootsrock-Gewässern. Erinnert stark an The Band. Klasse auch hier das prächtig passende Slide-Spiel mit schönem Solo.

Beim wunderbaren „My Susannah“ erneut großartige Slide-Linien, tolle Melodie) trauert Einhouse seiner nicht mehr nach Hause zurückkehrenden Verflossenen reumütig hinterher. Toller Red Dirt-/Rootsrock-/Countryrock-Stoff! Das flotte, flüssige, knackige, eingängige „The Richest Man“ bietet typisches Country-Storytelling. Klasse hier die E-Gittaren-Enlagen und Deerings heulende Steel. Mit „Thinking Of You“ folgt eine bluesig-soulige Southern-Ballade, Einhouses pathos-getränkter Gesang sorgt für Gänsehaut. Herrlich!

„On & On“ mit seinem markanten E-Slide-Führungsriff erinnert ein wenig an Red Dirt-Stoff mit Reckless Kelly-Note. Das furiose „The Fall Of Eli Wilde“ (wundebar knarzig gespielt und launig gesungen) wird so manche Honkytonk-Spelunke stimmungsmäßig zum Sieden bringen. Am Ende gibt es mit „I’m Done“ nochmal Country-trächtigen, balladesken Singer/Songwriter-Stoff. Einhouse legt sich noch mal richtig ins Zeug. Eine heulende Bariton-E-Gitarre, eine hallende Orgel und glänzende Harmoniegesänge vollenden diesen voller Inspiration performten, kraftvollen Song. Ein mitreißender, regelrecht packender Abschluss.

Aaron Einhouse legt mit „It Ain’t Pretty“ ein echtes „Pfund“ in die texanische Waagschale. Ein Album, das mehr als nachhaltige Wirkung hinterlässt. „Pretty damn Texas Roots-/Americana-/Country Rock at it’s very best“! Toller Typ, dieser Aaron Einhouse!

P.S.
Ich möchte diese weitere grandiose CD mal zum Anlass nehmen, um auf die tolle, unaufgeregte und zuverlässige Zusammenarbeit mit dem Mailorder Bärchen Records hinzuweisen, die jetzt schon fast 15 Jahre dauert, unglaublich viel Spaß bereitet und hoffentlich noch lange fortgeführt werden kann. Ohne Besitzer Jürgen Thomä, selbst ein brillanter Musikanalyst und Reviewer, wäre mein großer musikalischer Horizont sicher nicht das, was er heute ist. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege mal herzlich bedanken. Feels Like Rock’N’Roll!

Vision Entertainment (2016)
Stil: Country Rock

01. Dancin
02. That’s What You Get
03. It Ain’t Pretty
04. Like Rock’N’Roll
05. My Susannah
06. The Richest Man
07. Thinking Of You
08. On & Onn
09. The Fall Of Eli Wilde
10. I’m Done

Aaron Einhouse
Aaron Einhouse bei Facebook
Bärchen Records

Big Cat – Same – CD-Review

BigCat-300

Neue Super-Gruppe am texanischen Blues Rock-Himmel! Für alle, die immer noch sehnsüchtig auf ein Comeback von Storyville warten, gibt es gute Neuigkeiten. Es steht zwar keine aktuelle Reunion an, aber deren gefeierter Lead-Sänger Malford Milligan hat ein neues Projekt mit einer neuen CD am Start, das sich aufgrund einer absolut tollen Besetzung, auf absoluter Augenhöhe präsentiert.

Big Cat heißt die hochkarätig besetzte Band und wartet mit arrivierten musikalischen Schwergewichten auf: Bassist Roscoe Beck (Leonard Cohen, Jennifer Warnes), Drummer Les Fisher (The Boneshakers, Brothers Johnson, George Lopez), dem großartigen Keyboarder Stefano Intelisano (u. a. Patty Griffin, BoDeans, Cooder Graw) und dem hier stark agierenden Gitarrist Dave Sebree (Double Trouble, Christopher Cross). Fronter Malford Milligan singt sich in bewährter Form wieder die Seele aus seinem Leib.

Das Quintett verwöhnt den Hörer mit zehn wunderschönen Songs, die natürlich Storyville-Liebhabern satten Genuss bieten werden, aber auch mit vielen kleinen Reminiszenzen an etablierte Rockmusikgrößen, die durchaus den potentiellen Käuferschicht-Rahmen erweitern könnten.

Der Opener „From Now On“ groovt direkt lässig mit einer an Gregg Allman erinnernden Hammond-Orgel und einer plusternden Bläser Section (u. a. John Mills, Kevin Flatt, Jon Blondell, Eric Johnson) lässig vor sich hin. Sofort herrlich souliger Blues Rock zum Einstand! Das unterschwellig Country-angehauchte „Under The Bridge“ besticht durch eine tolle Melodie und wird von Sebrees Slide-Führungsriff getragen. Die starke Background-Sängerin Lisa Tingle haucht Milligan sexy die Titelzeile und ihre ‚Uuhs‘ entgegen. Intelsanos gluckerndes Orgel-Solo gegen Ende ist einfach nur klasse.

Das dezent psychedelisch-poppige „Thief Of Hearts“ lebt von Milligans typisch temperamentvollen Gesang und einem filigranen, Melodic Rock-tauglichen E-Solo Sebrees. „Stand Up Man“ steht wieder im Zeichen von Stefano Intelisano, der mit markantem E-Piano und Steve Winwood-Gedächtnis-Synthie-Solo die Hauptakzente setzt.

Die texanische Antwort auf Gary Moores „Still Got The Blues“, „Anyday Like Yesterday“, schließt die erste Hälfte des Albums ab. Eine bluesig-soulige Ballade zum Niederknien, bei der Milligan gesangstechnisch alles aus sich herausholt. Gänsehautgarantie!

Das mit einer raunzender Orgel unterlegte „Ain’t That Sexy“ hätte gut auf das Storyville-Album „Piece Of Your Soul“ gepasst. Dazu gibt es wieder ein sattes Sebree-E-Solo. Zeit zum Entspannen offeriert das mit einem leichtem Reggae-E-Gitarren-Rhythmus bestückte „Nothing But Love“. Schön hier erneut die einfühlsamen Bläser, die dem soulig-bluesigen Groover die Würze verpassen und das entspannte E-Solo von Dave Sabree.

Ein weiteres Highlight auf einem durchgehend faszinierenden Album ist das an Steely Dan angelehnte, furios jazzende „Katy Don’t Kill Me“. Intelisano mit bestechendem Piano-Spiel, Becks ‚knallendes‘ Bass/Solo-Spiel und Milligans vokale Perfomance (mit eunuchenhafter Gesangseinlage) vermitteln authentisch den ungeheuren Spaß, der im Studio geherrscht haben muss.

Ganz großes Kino ist „Trippin‘“: Intelisanos fulminante „Smoke On The Water“-Orgel erweist im Studio Jon Lord seine Ehre und Sebrees heulendes E-Solo macht diesen Song zu einem, auf den Punkt gebrachten, kleinen dreckigen Rocker. Am Ende dieses grandiosen Werkes darf man sich bei „Onward“ nochmal in der Tradition der großen Storyville-Balladen à la „Don’t Make Me Cry“, verwöhnen lassen. Großartig.

Fazit: Man braucht bei Big Cat nicht wirklich die Katze aus dem Sack lassen. Ein Album, das den rauen Charme von Storyville durchaus wieder aufleben lässt, sich aber dank der tollen Musiker der Austin-Musik-Szene in Form von Intelisano-Keyboards, Sabrees fulminanter E-Gitarrenarbeit, der Southern-kompatiblen weiblichen Backgrounds Tingles, sowie der plusternden Bläser-Zutaten deutlich flexibler, variabler und souliger gibt. Ein Juwel, das in jede vernünftige Sammlung gehört. Herrlich!

Mark One Records (2015)
Stil: Blues/Soul Rock

01. From Now On
02. Under The Bridge
03. Thief Of Hearts
04. Stand Up Man
05. Any Day Like Yesterday
06. Ain’t That Sexy
07. Nothing But Love
08. Katy Don’t Kill Me
09. Trippin‘
10. Onward

Big Cat
Big Cat bei Facebook
Bärchen Records

Brandon Jenkins – Blue Bandana – CD-Review

Brandon Jenkins Cover

Brandon Jenkins hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Damit meine ich in erster Linie eigentlich nicht sein oberstes Körperteil (auch wenn dies mit Glatze und langem roten Rauschebart ebenfalls eine gewisse Extravaganz widerspiegelt, abgesehen von seinen reichhaltigen Tattoos, die ihn quasi zu einem wandelnden Kunstwerk gemacht haben). Nein ich rede von seinem Kopf, den er als Musiker und Mensch vornehmlich zum Nachdenken und Kreieren benutzt und mit diesem, im Gegensatz zu den meisten, oberflächlich strukturierten Amerikanern, Dinge differenziert und (selbst-) kritisch betrachtet und zu seiner Meinung sowie dem damit verbundenen Handeln im Wesentlichen auch steht.

So konfrontiert Brandon seine Anhängerschaft auf seinem 13. Album „Blue Bandana“ mit Material, das sich vom Rahmen seines bisherigen Schaffensspektrums doch ziemlich unterscheidet. Der aus Tulsa stammende, seit vielen Jahren in Austin, Texas, lebende Vollblutmusiker/Songwriter, hat dieses Werk, das nur digital produziert wurde, in gerade mal zwei Tagen mit Langzeitfreund Dave Percefull (zusätzlich an den Reglerknöpfen) in dessen Yellow Dog Studio in Wimberly eingespielt und verarbeitet.

Herausgekommen ist ein instrumentell sparsam arrangiertes Gebilde von zehn Stücken, bei denen vornehmlich Brandons Gesang, eine knarzige Akustikgitarre und eine, auf allen erdenklichen Arten surrende Fiddle, die Hauptrollen spielen. An Jenkins‘ Stimme haben sich in meinem Bekanntenkreis schon immer die Geister geschieden. Die meisten kommen mit seinem knochigen hölzernen Gesangsstil überhaupt nicht klar. Mir persönlich gefällt er aufgrund des hohen Grades an Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung. Sein vokales Organ kommt hier auf „Blue Bandana“ natürlich noch deutlicher zum Tragen.

Lediglich beim fröhlichsten Track (wenn man das hier überhaupt so bezeichnen darf) „High John The Conquerer“ und dem, von einem Southern Redneck-Flair umwehten Titelstück „Blue Bandana“ ist mal eine dezent hallende Orgel zu vernehmen, auch Drums und Percussion wurden sehr ‚zurückhaltend‘ eingesetzt. Stücke wie der Opener „Black Mood Ring“, der wie ein Grabesrede für eine gescheiterte Beziehung daherkommt, der leicht Gypsy-mäßige Coutrysong „She Likes To Ride“, das atmosphärische „The Path“ oder das, das trostlose Arbeiterleben in den Fabriken, melancholisch reflektierende „Under The Shadow Of The Refinery“ nehmen nach mehrmaligem Hören doch zunehmend gefangen.

„Burn“ versetzt sofort das Kopfkino in Gang und man sieht Brandon förmlich mit einer Akustikgitarre abends vor einer Brandstelle sitzend und über das Leid in der Welt sinnieren. In eine ähnliche Erzählgesangsrichtung gehen weitere Lieder wie „Don’t Hold On To The Past“ und das abschließende „Send Down An Angel“, wo es als Rhythmusunterstützung lediglich ein paar Claps von Brandon an den Korpus seiner Akustikklampfe zu vermelden gibt.

„Blue Bandana“ von Red Dirt-Legende Brandon Jenkins, ist, wie beschrieben, ein insgesamt sehr spezielles, aber überaus authentisches Werk geworden, für das man sich Zeit nehmen, sowie Ruhe lassen muss und mit dem man sich erst nach mehrmaligem Hören besser anfreundet. Ehrlich gesagt, fehlt mir doch ein wenig sein kratziges E-Gitarrenspiel (auf das gänzlich verzichtet wurde), das man, meiner Ansicht nach, durchaus an der einen oder anderen Stelle (als Fills oder Kurzsolo) hätte einfließen lassen können, ohne dem Werk seinen Charakter zu nehmen. Vielleicht wäre es ja eine interessante Option, dieses Album mal irgendwann als ‚Vollversion‘ umzusetzen.

Brandon Jenkins spielt übrigens mit dem Gedanken, demnächst nach Nashville zu ziehen. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss Music City und seine Songwriter-Szene auf diesen eigenwilligen Musiker haben wird, der immer für neue Wege und Inspirationen offen ist.

Red Dirt Legend Recordings (2016)
Stil: Red Dirt / Singer/Songwriter

01. Black Mood Ring
02. She Likes To Ride
03. The Path
04. Under The Shadow Of The Refinery
05. Burn
06. High John The Conquerer
07. Reeva
08. Blue Bandana
09. Don’t Hold On To The Past
10. Send Down An Angel

Brandon Jenkins
Brandon Jenkins bei Facebook

The Whiskey Sisters – Same – CD-Review

WS

Großartiges, weibliches Power-Duo aus Austin, Texas! Genauer gesagt: „The Whiskey Sisters are a Powerhouse, harmony-driven, Rocking Country, six piece Badass band from Austin Texas, with 2 chicks“ – so jedenfalls steht es in der offiziellen Produktinfo zum vorliegenden Debutalbum – und diese Aussage trifft es ziemlich genau. Diese Mädels, ihre Band und ihr tolles Debut sind mit ihrem durchaus traditionsbehafteten, herrlich unbeschwerten, zwanglosen, schön erdigen, rootsigen Texas-Countryrock und Americana, gepaart mit einem Schuß Roadhouse-, Outlaw-, Honky Tonk-, Southern- und Red Dirt-Feeling eine wahre Freude für die vielen Genre-Liebhaber. Teal Collins, einstige Sängerin der Mother Truckers und Barbara Nesbitt, die Bandmitglied bei dem legendären kalifornischen Musiker und Baseballspieler/-Coach Tim Flannery (& The Lunatic Fringe) gewesen ist, beschlossen bei einem Gig befreundeter Musiker in Austin fortan gemeinsam ihren Weg zu gehen, nachdem man bei zwei zusammen gesungenen Stücken eine vielversprechende Basis gefunden zu haben schien.

Zur Recht! Die beiden haben dann mit ihren energiegeladenen Stimmen auch sehr schnell in ganz Texas für Furore gesorgt. Collins brachte von den Mother Truckers Ehemann Josh Zee (guitars) direkt mit, dazu gesellten sich hochkarätige weitere Musiker wie Lonnie Trevino jr. (The South Austin Moonlighters) am Bass, Cari Hutson-Keyboarder Michael Davids und der Drummer von Monte Montgomery, Phil Bass. Binnen weniger Monate begeisterte das Sextett derartig , dass es im legendären Continental Club in Austin einen Vertrag für regelmäßige Auftritte, quasi als Hausclub, ergatterte. In ebenso kurzer Zeit war dann auch das Material für ihr Debütalbum zusammengestellt, dass wir, auch wenn es schon im Jahre 2012 erschienen ist, jetz in unser Programm aufnehmen mussten. Da kamen wir aufgrund seiner Klasse und Qualität einfach nicht drum herum.

Was für eine erfrischende „Americana/Countryrock-„Mugge“! Es hagelte umgehend zahlreiche Nominierungen bei den berühmten Austin Music Awards, wofür Nesbitt mit trockenem Humor die logische Erklärung ablieferte. „Wir hatten Sex mit dem Ausschuss“! Locker, schrill, frech, spontan, kraftvoll und angriffslustig sind dann auch die Attribute, die man für ihre Art, Musik zu performen, hinzufügt. Das 12 Stücke umfassende Werk sprudelt nur so vor Energie und kommt quasi genau so „bunt“ wie das knallige Coverartwork rüber. Teal Collins, die den Hauptanteil der Lead vocals inne hat, liegt von der Bandbreite irgendwo zwischen Sheryl Crow und Heart-Fronterin Ann Wilson (manchmal, wenn sie richtig keift sogar ein bischen Janis Joplin), während Barbara Nesbitt den etwas gemäßigteren Part im Stile einer Bonnie Bishop belegt. Beide finden sich durchgehend kongenial in überaus markanten, wundervollen Harmoniegesängen zusammen, die dann auch mit eines der Hauptrademarks der Band darstellen.

Die Rhythmusfraktion Trevino und Bass liefert einen kräftigen Antrieb und Teppich, auf dem sich der unglaublich versiert und rau E-Gitarren-spielende Josh Zee (sehr Southern Rock-typisch, klasse Slidearbeit) und der herrlich klimpernde Michael Davids (Orgel, Honky Tonk-Piano, E-Piano) ihre instrumentellen Highlights setzen können. Genial, wie die beiden sich vor allem in ihren Soloparts präsentieren bzw. ergänzen. Das ist Musik für die verräucherten Honkytonk Clubs oder feuchtfröhliche Open Air Events im Lonestar State. Bei der Musik sieht man vorm geistigen Auge das Duo wie auf den Coverbildern mit ihren schrill bunten, kurzen Kleidern und ebenso buntbestickten Cowboystiefeln vor einer biertrinkenden Redneckhorde abrocken, bis die Location aus allen Fugen kracht. Da wird jedes Konzert zu einer Riesenparty. Die Songs dazu sind ein Konglomerat aus rauen nach vorne preschenden Country- bzw. Southern Rock Stücken texanischer Prägung, und rockigem Outlaw-Country, gepaart mit dezentem, psychedelischem Seventies-Flowerpower-Flair .

Eine Art Mixtur aus ZZ Top, Lynyrd Skynyrd, Billy Joe Shaver, auch das Ein Album-Wunder The Motherstation, Stacie Collins, Gretchen Wilson und die von Mike McClure vor einiger Zeit produzierten ShutDownTown sowie partiell der Roadhouse Rock einer Eve Selis kommen spontan in den Sinn. Die meisten Nummern verlaufen im Uptempostil, lediglich „I Take It Back“ und „Fool“ wurden als bluesige, Nostalgie-behaftete Schwofer zum Durchatmen eingeflochten. Centersongs sind der herrlich verschachtelte Opener „So Close To The Sun“ mit seinen kreischenden Vokalharmonien, der hinreissend melodische, flockige, dabei aber auch schön knackige, wie Öl runtergehende Countryrocker „All I can do“, das Slide-durchtränkte, in Skynyrd-Manier gebrachte „Wait A Lifetime“ (herrliches E-Gitarren-Solo), das an ZZ Top angelehnte, rau stampfende „Home On The Highway“ (typisches Billy Gibbons E-Solo) oder das Roadhouse Rock-trächtige „Good Girl Down“ (satte Honky Tonk-Piano/E-Solo-Kombination), das lässig groovende „Don’t Trust My Heart“ (Sheryl Crow-/Bonnie Bishop-Flair) und der fulminante „Whiskey Song“, der nochmal schroff rockt und poltert, was das Zeug hält.

Und wenn die beiden Frontdamen aus ihren heiser gesungenen Kehlen „All I need – is the whiskey“ intonieren, konstatiert ihnen wohl auch der letzte Zuhörer: „All we need are The Whiskey Sisters“! Tolle Scheibe! Ein Sahne-Geheimtipp, wie er nur aus Texas kommen kann. Zugreifen!

World Records (2013)
Stil: Country Rock

01. So Close To The Sun
02. All I Can Do
03. Talk It Out
04. Wait A Lifetime
05. I Take It Back
06. I’m Gone
07. Home On The Highway
08. Fool
09. Good Girl Down
10. Dont Trust My Heart
11. The Whiskey Song
12. Let’s Drink

The Whiskey Sisters
The Whiskey Sisters bei Facebook
Bärchen Records

Stefanie Fix – Crooked Smile – CD-Review

Fix

Bei Stefanie Fix und ihrem aktuellen Album „Crooked Smile“, ist ihr Nachname, zumindest der Bedeutung im hiesigen Volksmund nach, auf gar keinen Fall Programm. Denn die nach Austin zugereiste Singer/Songwriterin frönt auf diesem Silberling überwiegend den recht langsam instrumentierten, nachdenklichen und schwermütigen Tönen.

Der bereits 2007 veröffentlichte Silberling (warum bekommen wir den eigentlich jetzt?), wurde von den Kritikern bisher durchgehend hochgelobt. Produziert wurde die Scheibe von Stephen Doster (Willie Nelson, Nancy Griffith, Dr. John) und Johnny Goudie. Die beteiligten Musiker Dony Wynn (Robert Palmer, Steve Winwood), Brad Houser, Stewart Cochran und John Sanchez liefern eine tadellose Leistung bei der instrumentellen Umsetzung ab, die jedoch in den meisten Fällen recht spartanisch ausfällt.

Die Songs pendeln in Bereichen von ruhigem, rootsigen Indie-Rock bis zu psychedelisch angehauchtem, aber sehr trockenen Pop. Als Eckpunkte sehe ich hier Damen wie Tori Amos und Kate Bush („Let The Sunshine Thru You“, „Holy Shit Ma“) bis zu einer unter Baldrianeinflüssen stehenden Melissa Etheridge („Far From You“, „Don’t Go, Don’t Stay“, „No Reason Now“, „The Secret I Keep“), also recht abenteuerlich und schwer vorstellbar, es kommt aber ungefähr hin.

Das ist Musik, so stelle ich es mir vor meinen geistigen Auge vor, die vielleicht Renate Künast, Jürgen Trittin & Co., spät nachts in der Lounge des Steigenbergers bei einem Gläschen Schampus zum Abschluss gefallen würde, bevor man am nächsten Tag auf dem Grünenparteitag dem Fußvolk der Delegierten mit trüber Oberlehrer-Miene wieder die heilende Wirkung von Müsli und Obstsäften anpreist.

Insgesamt ist „Crooked Smile“ von Stefanie Fix ein sehr spezielles Album, das man aus meiner Sicht nur bei ganz bestimmten Stimmungen und Gelegenheiten auflegen kann. Ein Werk für das intellektuell geprägte, weibliche Geschlecht und passionierte Frauenversteher, was den männlichen Part der Klientel betrifft, zu der ich mich, zugegebener Maßen, eher nicht zähle…

Hand To Mouth Recordings (2007)
Stil:  Singer/Songwriter

01. Let The Sunshine Thru You
02. (Baby) I Know You’re There
03. Far From You
04. Dancing With Ghosts
05. Holy Shit Ma
06. Don’t Go, Don’t Stay
07. No Reason Now
08. Crooked Smile
09. Walking Shoes
10. The Secret I Keep

Stefanie Fix
Stefanie Fix bei Facebook
Hemifran

David Grissom – How It Feels To Fly – CD-Review

Gris

Als großer Verehrer von David Grissoms Gitarrenkünsten bei Storyville und seinen vielfältigen Saiteninputs bei diversen anderen Künstlern (z. B. auf Bonnie Bishops herrlichem „Soft To The Touch“ und auch bei so einigen Interpreten in meiner geliebten Nashville-Zunft), bin ich natürlich nicht darum herum gekommen, auch seinen Weg als Solo-Künstler zu begleiten.

So bin ich dann auch im Besitz seiner beiden ersten Longplayer. „Loud Music“ und „10,000 Feet“. Jetzt bot sich günstige die Gelegenheit, sein neustes Werk „How It Feels To Fly“ mal zu beleuchten, das Grissom zum ersten Mal unter der Flagge des immer mehr expandierenden Blue Rose-Labels präsentiert.

David setzt dabei seinen von Anfang an beschrittenen Weg kompromisslos fort, eine Mischung aus besungenen Liedern und anspruchsvoll und filigran gestalteten Instrumentalstücken, bei denen natürlich seine famosen Saitenkünste im Vordergrund stehen, markant in Szene zu setzen…

Neu ist hier allerdings und das ist vor allem aufgrund seiner anstehenden Live-Auftritte in unseren Gefilden (sh. unsere Tourtermine – leider kein einziger im westlichen Ruhrgebiet, grrr!) interessant, dass noch zu den acht neuen Studio-Tracks vier Live-Stücke, aufgenommen in Davids Heimat (The Saxon Pub, Austin), dazu gepackt wurden. So erhält man schon mal einen schönen Vorgeschmack auf das, was einen zu erwarten hat.

Hier werden mit „Jessica“ (Allman Brothers) und dem fett abrockenden „Nasty Dogs And Funky Kings“ (ZZ Top, hier in einer furiosen Version) zwei Klassiker geboten, bei denen es Grissom locker mit den Urgesteinen in seiner eigenen Interpretation aufnimmt. Die beiden anderen Sachen sind das intelligent verschachtelte Instrumental „Flim Flam“ (teilweise grandioses Zusammenspiel von E-Gitarre und Orgel) und das Titelstück seiner zwischenzeitlich eingeschobenen EP „Way Down Deep“.

Seine drei Mitstreiter Stefano Intelisano (keyboards), Scott Nelson (bass) und Bryan Austin (drums) wurden (mit einigen wenigen Gästen) auch für die acht Studio-Nummern involviert. Der starke bluesrockige Opener „Bringin‘ Sunday Mornin‘ To Saturday Night“ ruft direkt wehmütig alte Storyville-Zeiten in Erinnerung.

Ich ertappe mich immer wieder – auch bei einigen anderen Stücken („How It Feels To Fly“, „Gift Of Desperation“) – wie ich mir innerlich ausmale, wie die Songs wohl geklungen hätten, wenn hier Grissoms charismatischer früherer Bandkollege Malford Milligan am Mikro gestanden hätte. Denn hier kommen wir zum einzigen, allerdings nicht unerheblichen Manko. Grissoms dünner, eher introvertierter und wenig emotionaler Gesang will mich – im Gegensatz zu seinen unglaublichen Gitarrenkünsten – wie auch schon auf seinen Alben zuvor, irgendwie nicht begeistern.

Es ist natürlich legitim, vor allem, wenn er Spaß daran hat, seine selbst kreierten Sachen auch selber zu singen, aber, aus meiner Sicht, wären da andere Leute wesentlich prädestinierter. Irgendwie ist es hier doch dann wie bei dem Spruch vom Schuster und seinen Leisten. Das spürt man vor allem, wenn die beiden Gastsängerinnen Candi Sanders (beim Opener) und Kacy Crowley (bei „Overnight“ und „Satisfied“), mal ihre Stimmorgane mit in die Waagschale werfen.

Ein weiterer von mir verehrter Gastsänger, Drew Womack (solo, Sons Of The Desert), ist beim melodischen Midtempo-Roots-Lied „Georgia Girl“ leider nur marginal in den Harmonies zu vernehmen. So entpuppt sich auch in dieser Reihe das Instrumental „Way Jose“ als der große Höhepunkt. Hier meint man teilweise Gov’t Mule und Santanas Rhythmus-Section hätten sich mit Grissom zu einer Jam-Session versammelt. Instrumentalkost vom Feinsten. Eine wunderschöne Stelle auf dem Werk ist auch, wenn bei „Satisfied“ Davids Akustikgitarrengezwirbel fließend in ein Allman-umwehtes E-Solo übergeht.

David Grissoms „How It Feels To Fly“ beschert dem Hörer erneut instrumentelle Raffinessen en masse. Er entlockt seinem PRS-Gitarrenmodel mal wieder Töne zum Dahinschweben. Toll strukturierte Musik mit viel Substanz und Saitenkünsten mit fast schon himmlischen Zügen. Und das, ohne wirklich ganz dick aufzutragen. Großartig! Lediglich der eher unspektakuläre brave Gesang des Texaners sorgt dafür, doch eine gewisse Bodenhaftung zu bewahren.

Blue Rose Records (2014)
Stil:  (Texas) Blues Rock

01. Bringin‘ Sunday Mornin‘ To Saturday Night
02. How It Feels To Fly
03. Georgia Girl
04. Never Came Easy To Me
05. Way Jose
06. Overnight
07. Gift Of Desperation
08. Satisfied
09. Jessica (Live)
10. Way Down Deep (Live)
11. Flim Flam (Live)
12. Nasty Dogs And Funky Kings (Live)

David Grissom
David Grissom bei Facebook
Blue Rose Records