The Sideshow Tragedy – The View From Nowhere – CD-Review

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Review: Michael Segets

In Austin blüht eine lebendige Musikszene, in der das Independent-Duo The Sideshow Tragedy ihre musikalische Heimat hat. Für die Aufnahmen zu „The View From Nowhere“ ging die Band allerdings in das New Yorker Old Souls Studio. Dort produzierte Kenny Siegal das neue Album. Er erweitert das Klangspektrum der Band durch den Einsatz von mehreren Tasteninstrumenten, wie der Hammond B3-Orgel. Dennoch steht auf der neuen Veröffentlichung weiterhin die Resonator Guitar von Nathan Singleton und das Schlagzeug von Jeremy Harrell im Vordergrund.

Nach dem Debüt im Jahr 2010 entschlossen sich Singleton und Harrell, The Sideshow Tragedy zu zweit weiterzuführen und haben seitdem zwei CDs veröffentlicht. Die Konzentration auf das Zusammenspiel von Gitarren und Schlagzeug in Verbindung mit dem Gesang von Singleton führt zu einem erdigen und schnörkellosen Sound, der das Duo kennzeichnet.

Die elf Tracks der CD bewegen sich zwischen Blues und Rock. Da ich eher dem Rock zugeneigt bin, ist „Nobody“ der herausragende Song der Scheibe, zu dem es im Netz ein gutes narratives Video gibt. Cooler Gesang und eingängiger Refrain garantieren, dass er auf die nächste Zusammenstellung für meine Autofahrten kommt. Zum Thema Auto passt auch das scheppernde „Gasoline“. Bei der kratzigen Rock ’n Roll-Nummer, die sich bereits auf dem Album „Persona“ findet, drückt die Band das Gaspedal richtig durch. „Piston Blues“ ist ebenfalls ein knackiger Rocksong. Harrell bearbeitet seine Drums über die knapp drei Minuten mit merkbar viel Spielfreude.

Mehrere Stücke sind durch langsame, fast schon gesprochene Gesangsparts geprägt, so der Opener „Lost Time“, „Afraid To Fall“, „Long Time Coming“ oder „For Your Love“. Der Wechsel von Gesang und Gitarreneinsatz ist für das Duo typisch. Für sich genommen entwickeln die Werke durchaus einen Reiz, insgesamt erscheint der Aufbau der Songs aber sehr ähnlich, sodass sie untereinander wenig unterscheidbar bleiben. Das dem Album den Titel gebende „The View From Nowhere“ hebt sich allerdings ab. In der Blues-angehauchten Ballade singt Singleton mehr als er spricht und wird dabei nur von einem etwas ausgedehnteren Gitarrensolo unterbrochen.

Ebenfalls bemerkenswert ist „Trust“, das leichte Funk-Einflüsse aufweist und mit mehrstimmigem Gesang sehr harmonisch wirkt. Es gehört sicherlich zu den Highlights der Scheibe. Weniger eingängig ist „Time To Taste“. Hier gehen die Funk-Anleihen schon in Richtung Jazz. Der Jam mit Saxophon-Sprengseln von Ben Senterfit ist nicht mein Fall. Mit „The Bet“, dem zweiten Bonus-Track von dem älteren Longplayer „Persona“, legen die Jungs zum Abschluss einen Blues mit gelungener Gitarrenarbeit und passendem Gesang hin.

Wie bereits erwähnt, erscheint das Songwriting nicht außerordentlich komplex und die Stücke sind oft gleichartig aufgebaut. Die Gradlinigkeit vieler Tracks macht andererseits auch deren Stärke aus und sorgt dafür, dass der Wiedererkennungswert von The Sideshow Tragedy gegeben ist. Nathan Singleton setzt bei der überwiegenden Anzahl der Songs auf einen fast gesprochenen Gesang, der zwar interessant, aber auf Dauer wenig abwechslungsreich ist. Wer auf Sprechgesang steht, ist bei der Band also richtig. Dort, wo Singleton etwas mehr Varianz in seinen Gesang bringt, gewinnen nach meiner Ansicht auch die Songs. Vor allem die schnelleren Nummern auf dem Longplayer „The View From Nowhere“ können daher überzeugen.

Dixie Frog/H’Art (2017)
Stil: Indie Blues-Roots-Rock

01. Lost Time
02. Piston Blues
03. Trust
04. Nobody
05. Time To Taste
06. Afraid To Fall
07. Long Time Coming
08. For Your Love
09. The View From Nowhere
10. Gasoline
11. The Bet

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