Wucan – Support: Motorowl – 09.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Wu-haupt

Zwei junge deutsche Bands machten Halt im Dortmunder Piano, wo neben Blues und Classic Rock-Acts auch anderen Musiksparten immer wieder die Tore geöffnet werden. Wucan, ein Dresdener Quintett, welches sich unter anderem auch schon im Rahmen des Rockpalasts erste Sporen verdienthat, hatte dabei die Newcomer von Motorowl mit im Schlepptau. In dieser Zusammensetzung gelang es, das Piano mit über 200 Besuchern ganz gut zu füllen.

Gegen 20:15 Uhr eröffneten dann Motorowl den Abend. Unter psychedelischen Klängen betraten die fünf Musiker die zunächst dunkel ausgeleuchtete Bühne, um einen etwa 45 Minuten währenden, laut krachenden progressiven Gig hinzulegen. Nicht umsonst hatte Jenny Dore an der Kasse ein großes Gebinde an Ohrenstöpseln hingestellt. Einige der Besucher nahmen das Angebot im Laufe des Konzertabends dann noch gerne an.

Die Fünf aus Thüringen performten einen Querschnitt aus ihren beiden Platten „Om Generator“ und „Atlas“ und konnten die Zuschauer mit ihrer Dynamik dazu bringen, entsprechend mitzugehen. Die Zusammensetzung des Publikums war dabei schon beachtlich. Die Spanne ging vom Alter her von 18 bis über 60 und vom Kuttenträger über Hippie-ähnliche Typen bis hin zu „Normalos“.

Motorowl warteten für ihr noch junges Alter schon mit einer entsprechend dem Genre, beachtliche Bühnenpräsenz auf. Heavymäßig flogen die Haare und an Posen wurde nicht gespart. Neben stampfendem progressiven Heavy Rock belebten immer wieder psychedelische, oft düstere Elemente die Stücke, wobei das Keyboardspiel ein schöner Gegenpart war gegenüber den treibenden Gitarren, Bass und Schlagzeugspiel darstellte. Mit etwas mehr Erfahrung werden sie in Zukunft eventuell darauf verzichten, den Sound so laut abmischen zu lassen, dass man sich nahe des gesundheitsschädigenden Bereichs befindet.

Gegen 21:15 Uhr ging es mit Wucan weiter. Nach einer kurzen Begrüßung durch Francis Tobolsky, die, wie es sich für eine Fronterin gehört, zwischen den Songs kurze Ansagen machte, legten die vier Musiker fulminant los und brachten Publikum direkt in Stimmung.

Tobolsky, zunächst mit Gitarre bewaffnet, fast im Partnerlook zum Gitarristen Tim George in schwarzer 70er Glitzerhose, legte mit ihren Kumpanen einen Sound hin, derstilistisch vielfach in den 70er oder 80er Jahren seine Grundlage hatte. Vorweg gesagt, es handelte sich dabei um keinen Abklatsch alter Rockhelden, sondern um einen progressiven, meist harten Rockstil, den man selbst eher dem Krautrock zuordnet.

An diesem Abend konnten man die neue Generation dieses Genres erleben, oder an den Heavy Flute Rock, anlehnend an die Querflöte, welche die Fronterin in den meisten Tracks als Stilmittel passend zum Gitarrenspiel einsetzt und in dieser Form eine Art Alleinstellungsmerkmal abgibt.

Alexander Karlisch am Bass, der mit Hut und Kleidung auch in einer Southern-Rockband gut aufgehoben gewesen wäre und Philip Knöfel an den Drums legten in allen Liedern eine klanglich gut differenzierte Rhythmusarbeit für den fetten Sound der Band hin.

Gelungen war auch der erfrischend vorgetragene Coversong „Zwischen Liebe Und Zorn“ der DDR-Hadrockband Renft. In einem Konzert ohne Längen, trotz der meist ausgiebigen Stücke (neun in über 80 Minuten) ragten für mich die Extended Version von „Aging Ten Years In Two Seconds“ mit mehreren Tempivariationen, Wechsel von Gitarre und Querflöte als Leadinstrument samt einer Gesangsbreite von Francis und das hardrockende „Looking in The Past“ hervor.

Aber auch „Father Storm“ und „Wandfermann“ vom „Sow In The Wind“-Album sowie „Dobetrotter“ vom aktuelllen Longplayer „Vicarma“ konnten die Fans überzeugen. Neben den angesprochenen Instrumenten, die in dieser Zusammensetzung nicht alltäglich sind, setzte Fronterin Francis Tobolsky auch am Theremin nicht oft zu hörende Akzente. Dieses Theremin ist manch einem unter diesem Begriff vielleicht nicht geläufig, aber vielen durch „Whole Lotta Love“ von Led Zep bekannt.

Es ist durchaus als Vorgänger der Synthesizer zu sehen, die einst ein gewisser Herr Moog dann weiterentwickelte. Beim LZ-Evergreen war dieses Instrument für die infernalischen Klangteppiche in der Mitte des Songs verantwortlich. Mit dieser Mischung alter und in der Musikwelt aktueller Instrumente, gelang es Wucan an diesem Abend sowohl das jüngere Publikum, wie auch die älteren, die mit den Rockdinos aufgewachsen sind, zufrieden zu stellen.

Es ist schön zu realisieren, dass es immer wieder Acts gibt, die den alten Spirit der Rockmusik in moderner Form weiter- oder wieder aufleben lassen. In diesen Geist passte auch die Zugabe, zu der auch die Vorband Motorowl auf die Bühne zurückkehrte. Kurz davor, während die Band weiterspielte, rezitierte Francis Tobolsky aus dem Buch „Sri Isopanisad“, in dem es über zeitlose Weisheiten für den inneren Frieden geht, und einem der Gott Krsna näher gebracht werden soll. Schnell wurde, während die Gitarristen schon jammten, das zweite Schlagzeug aufgebaut und alle Musiker läuteten gemeinsam das Ende eines gelungenen Konzertabends ein.

Der war wie immer aber erst nach dem Besuch am Merchandisestand vorbei, wo sich die Musiker ausgiebig Zeit für Fragen und Signaturwünsche nahmen.

Ein Dank wie immer an Jenny Dore für die Akkreditierung, das wie immer freundliche Team des Piano und die Geschwindigkeit einer E-Mailanfrage an die Band Wucan bezüglich des Konzertes, die noch am selben Vormittag beantwortet wurde.

Line-up Motorowl:
Max Hemmann – Guitar/Vocals:
Vinzenz Steiniger – Guitar:
Martin Scheibe – Drums
Tim Camin – Bass
Daniel Dettlev – Keys

Line Up Wucan:
Francis Tobolsky – Vocals, Flute, Guitar, Theremin,
Tim George Guitars
Alexander Kurlisch – Drums
Philip Knöfel – Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Oysterband – 06.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Die englische Folk-Rock-Formation Oysterband ist schon seit über 30 Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs und auch im Ruhrgebiet hat sie seit jeher regelmäßig Station gemacht. An diesem Abend war man allerdings zum ersten Mal im Musiktheater Piano in Dortmund. Einige Stammgäste waren daher gespannt, wie die „Oysters“ in der Location ankommen würden. Um es vorweg zu nehmen: Das Musiktheater hat sich für zwei Stunden in einen englischen Tanz-Pub verwandelt!

Das fast ausverkaufte Konzert begann pünktlich um 20:00 Uhr mit dem folk-rockigen Einpeitscher „The Shouting End of Life“ vom gleichnamigen Erfolgsalbum (1995). Die Folk-Nummern „By Northern Light“, „Walking Down The Road With You“ und „Where The World Divides“ von der „Meet You There“-LP (2007) setzten diesen mitreißenden Einstieg fort.

Die Band war in hervorragender Stimmung und konnte das altersmäßig gemischte Publikum zwischen den Songs auch durch ihren trockenen, englischen Humor begeistern. So z.B. vor „I Built This House“, als Sänger John Jones der Menge den Refrain erklärte, und preisgab, dass dieser ca. 31-mal variiert.

„Here’s To You“ vom Hit-Album „Holy Bandits (1993) war der typische Folk-Jam-Track, bei dem jedes Bandmitglied ein kurzes Solo einbrachte. Während „Here Comes The Flood“ kam John Jones ins Publikum, um dort mit den Fans gemeinsam zu feiern. Man merkte immer wieder, dass sich die Band eine treue Fangemeinde erspielt hat, die wie selbstverständlich viele Texte begeistert mitsingen konnte, wie bei den nächsten Stücken „All That Way For This“ und „A River Runs“ vom letzten Studioalbum „Diamonds On The Water“ (2014). Mit dem wilden „When I’m Up I Can’t Get Down“ ging es in eine kurze Pause.

Schweißtreibend wurde es anschließend bei „Native Son“ und spätestens nach „20th Of April“ war die Stimmung im Piano mehr als ausgelassen. Den schnellen Songs „Road To Santiago“ und „One Green Hill“ folgte der All-Time-Hit „Everywhere I Go“, bei dem das Publikum den Gesangspart für den Refrain übernahm. Das ironische Hochzeitslied „Blood Wedding“ bildete den Abschluß der regulären Setlist.

Die erste Zugabe war das düstere „We Could Leave Right Now“, mit der von den Fans lauthals geforderten Zeile „Don’t Be Afraid“. Highlight der Konzerte ist seit Jahren die wunderschöne Folk-Ballade „Put Out The Lights“, zu der auch heute Abend die Lichter auf der Piano-Bühne ausgingen.

Obwohl die Wurzeln der Oysterband in der traditionellen, englischen Folk- und Tanz-Musik liegen, hat sie in ihrer Karriere ein umfangreiches, selbstverfasstes Repertoire aufgebaut. So konnte auf der Setlist kaum jeder Fan-Wunsch erfüllt werden. Dieses Mal fehlten z.B. das wilde „Granite Years“ und das sinnliche „Oxford Girl“.

Die Oysterband wurde für ihre kreative, englische Volksmusik vom Musikjournalismus über die Jahrzehnte durchweg hochgelobt. Als Wegbereiter für eine neue Generation englischer Folk-Bands (z.B. Skinny Lister oder Bellowhead) sind sie von der BBC vielfach ausgezeichnet worden. Im rappelvollen Musiktheater Piano performten sie ihre 40-jährige Bandgeschichte mit leidenschaftlicher Spielfreude. Die „Oysters“ sind ohne Zweifel eine der besten und einflussreichsten Gruppen des Folk-Rock Genres – ein fantastischer Konzertabend, der lange in Erinnerung bleiben wird und viele neue Fans verdient hat.

Line-up:
John Jones (lead vocals, melodeon)
Alan Prosser (guitars, vocals)
Ian Telfer (violin, vocals)
Pete Flood (drums, vocals)
Al Scott (bass, mandolin, vocals)
Adrian Oxaal (cello)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Stephan Skolarski

Oysterband
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

John Mellencamp – Other People’s Stuff – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach dem hervorragenden Live-Album „Plain Spoken – From The Chicago Theatre” meldet sich John Mellencamp in diesem Jahr mit „Other People’s Stuff” erneut zu Wort – allerdings nicht mit eignen Songs.

Als konzeptionelle Idee steckt hinter dem Album, dass er von ihm gecoverte Songs geschlossen auf einer Scheibe zusammenfasst. Herauskommen soll dabei ein persönliches American Songbook.

Dafür greift Mellencamp bei der Hälfte der Titel auf seine Alben zu. Er geht bis „Human Wheels“ (1993) zurück, auf dem „To The River“ erstmals erschien, und berücksichtigt mit „Mobile Blue” ebenfalls seine letzte Studio-Veröffentlichung „Sad Clowns & Hillbillies“ (2017). Zwei Stücke („Teardrops Will Fall” und „Stones in My Passway”) von seinem 2003er-Album „Trouble No More“ finden ebenso Aufnahme in die aktuelle Zusammenstellung wie „In My Time of Dying“ von „Rough Harvest“ (1997). Auf diesem Werk liefert Mellencamp auch eine sehr gefühlvolle Interpretation von „Farewell Angelina“, die sich zwar musikalisch nahtlos in „Other People’s Stuff“ eingefügt hätte, aber dort nicht erscheint.

Warum nicht mehr seiner Cover-Versionen auf dem neuen Album vertreten sind, erschließt sich mir nicht. Da „Other People’s Stuff“ keine 35 Minuten Spielzeit aufweist, wäre noch Platz für den einen oder anderen Titel gewesen.

Mellencamp drückt den Originalen seinen eigenen Stempel auf, sodass sie durchaus hörenswert sind. Da die bisher genannten Songs allerdings auf regulären Alben zu finden sind, dürften sie den Liebhabern seiner Musik bekannt sein. Interessanter sind daher die anderen fünf Songs.

Dazu zählt vor allem die bisher unveröffentlichte Aufnahme aus dem Jahr 2010 des Klassikers „Eyes on the Prize“. Mellencamp performt den Titel von Pete Seeger mit sehr intensiven Gitarrenspiel. Noch stärker ist „Dark As A Dungeon”. Mit tiefer und rauchiger Stimme, begleitet von Harmoniegesang und Geige, schaukelt Mellencamp den irisch angehauchten Folksong grandios. Der Titel stammt von der Dokumentation „From The Ashes“ des National Geographic Channels.

Daneben finden sich noch drei Stücke, die bereits auf diversen Samplern erschienen sind. Von „The Songs of Jimmie Rodgers – A Tribute” stammt „Gambling Bar Room Blues”. Während bei dem Song eine Blues-Note mitschwingt, hat „Wreck of the Old 97“ von „The Rose and The Briar” einen leichten Country-Einschlag. Schließlich ist noch Stevie Wonders „I Don’t Know Why I Love You” vertreten. Zuerst wurde es auf „An Interpretation of Stevie Wonder’s Songs“ 2003 herausgebracht.

Gegen die Idee, Cover-Stücke zusammenzufassen, lässt sich nichts einwenden. Besonders gelungen wäre die Umsetzung, wenn ausschließlich unveröffentlichte oder verstreut erschienene Werke zusammengefasst worden wären. Als EP hätten mich die fünf zuletzt aufgeführten Titel begeistert. Wenn auf Versionen regulärer Alben zurückgegriffen wird, hätte der Raum der CD auch genutzt werden können, um Vollständigkeit anzustreben. So bleibt ein Album in Erinnerung, das zwar gute Musik bietet, aber doch Stückwerk bleibt.

Republic Records/Universal Music (2018)
Stil: Folk/Folk Rock

Tracks:
01. To The River
02. Gambling Bar Room Blues
03. Teardrops Will Fall
04. In My Time of Dying
05. Mobile Blue
06. Eyes on the Prize
07. Dark As A Dungeon
08. Stones in My Passway
09. Wreck of the Old 97
10. I Don’t Know Why I Love You

John Mellencamp
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Republic Records

John Hiatt – The Eclipse Sessions – CD-Review

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Review: Michael Segets

Obwohl ihm die ganz großen Verkaufszahlen bisher verwehrt blieben, zählt John Hiatt doch zu den renommierten amerikanischen Singer-Songwritern, dessen Stücke von vielen Künstlern aufgenommen wurden. Rosanne Cash, Eric Clapton und B. B. King, David Crosby, Bob Dylan, Willie Nelson, Bonnie Raitt, Bob Seger sowie Bruce Springsteen reihen sich in die Liste der Interpreten seiner Songs ein.

Musikalisch bewegt sich Hiatt auf seinen Veröffentlichungen zwischen Folk Rock und Heartland Rock mit Einflüssen von Blues und Americana. Am bekanntesten dürfte seine Single „Have A Little Faith In Me” (1987) sein. Mit seiner Scheibe „Walk On“ hat er 1995 ein (unterschätztes) Meisterwerk abgeliefert. Von der Kritik hoch gelobt ist sein „Spätwerk“. Seit 15 Jahren veröffentlicht er bei New West beständig neue Alben.

Im Sommer vergangenen Jahres zog sich Hiatt mit Bassist Patrick O’Hearn und Schlagzeuger Kenneth Blevins in das Heimstudio von Kevin McKendree zurück, um als Trio „The Eclipse Sessions“ innerhalb von wenigen Tagen einzuspielen. McKendree produzierte den Tonträger, steuerte selbst noch einige Keys bei und holte seinen Sohn Yates für eine ergänzende E-Gitarre hinzu. Herausgekommen ist ein typisches John-Hiatt-Album.

Die CD beginnt mit zwei starken Midtempo-Stücken. Die Anlage von „Cry For Me“ erinnert mich an Songs von Warren Zevon, was vielleicht auch an der Klavierbegleitung liegt. Das rootsige, mit gleichmäßigem Rhythmus unterlegte „All The Way To The River“ punktet durch Hiatts Gesang und schöne E-Gitarrenpassagen. An Intensität wird es nur noch durch das herausragende „Nothing In My Heart“ übertrumpft. Hier stellen sich bei mir Assoziationen zu Gurf Morlix ein.

Dabei ist die markante Stimme von Hiatt natürlich ein Alleinstellungsmerkmal. Diese kommt vor allem bei den akustisch angelegten „Aces Up Your Sleeve“ und „Hide Your Tears“ ebenso wie auf dem bluesigen „I Like The Odds Of Loving You“ zur Geltung. Wenn Hiatt höher singt, wie auf „Outrunning My Soul” oder „One Stiff Breeze”, wirkt das eher ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Dennoch entwickeln die Stücke – wenn man ihnen eine Chance gibt – bei mehrmaligen Hören ihren Reiz.

Eine groovende Uptempo-Nummer liefert Hiatt mit „Poor Imitation Of God“. Yates McKendree setzt hier und bei „Over The Hill” gelungene Akzente mit seiner elektrischen Gitarre. Harmonisch klingen „The Eclipse Sessions“ mit „Robber’s Highway” aus.

Im Vorfeld der Sessions überlegte John Hiatt, ob er eine Solo-Scheibe aufnehmen soll und sich lediglich mit akustischer Gitarre begleitet. Man weiß nicht, was dabei herausgekommen wäre. Auf „The Eclipse Sessions“ hat er sich für die Begleitband entschieden und das Ergebnis lässt sich gut hören. Wie auf den meisten Werken von John Hiatt finden sich wieder einige hervorstechende Titel, die durch den Drive, die die größere Instrumentalisierung erzeugt, profitieren.

New West (2018)
Stil: Folk Rock

Tracks:
01. Cry To Me
02. All The Way To The River
03. Aces Up Your Sleeve
04. Poor Imitation Of God
05. Nothing In My Heart
06. Over The Hill
07. Outrunning My Soul
08. Hide Your Tears
09. I Like The Odds Of Loving You
10. One Stiff Breeze
11. Robber’s Highway

John Hiatt
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New West Records
Rough Trade

John Mellencamp – Plain Spoken – From The Chicago Theatre – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

„Die Leute lieben es, von alten Zeiten zu erzählen. Um von ihnen erzählen zu können, muss man allerdings alt sein.“ Mit einem Augenzwinkern leitet John Mellencamp den Schluss seines Konzerts im Chicago Theater ein. Zuvor unternimmt er eine packende Zeitreise zurück zu seinen Anfängen.

Die DVD/Blue-Ray „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ enthält neben dem reinen Mitschnitt eine kommentierte Version des Konzerts aus dem Jahr 2016. Dabei steht der von Mellencamp gesprochene Text im Vordergrund. Die Musik untermalt dort lediglich die gesprochenen Worte.

Die Anekdoten und Gedankensplitter – teils amüsant, teils nachdenklich stimmend – können durchaus literarischen Wert beanspruchen. Der Text ist keine dokumentarische Abarbeitung biographischer Stationen, sondern Mellencamp spürt seinen Wurzeln nach, die ihn zu dem Künstler und Musiker gemacht haben, der er heute ist.

Er gibt Einblicke in prägende Momente seines Lebens, seine subjektive Sichtweise des Musikbusiness und gesteht auch persönliche Unzulänglichkeiten ein. In dem zwanzigseitigen Booklet findet sich der vollständig abgedruckte Text.

Die eingehendere Beschäftigung mit der kommentierten Video-Version lohnt sich und bildet das künstlerische Herzstück der Veröffentlichung. Aber auch das Konzert, das zudem als CD beiliegt, hat es in sich. Hier geht Mellencamp auf einen Streifzug durch sein musikalisches Schaffen der letzten 35 Jahre.

Das ist in etwa der Zeitraum, in dem ich mich für Musik interessiere und in dem mich die Mellencamps stetig begleitete. Anfang und Mitte der 1980er brachte er einige hervorragende gitarrenorientierte Rock-Alben heraus, die in einem Atemzug mit den Werken von Bruce Springsteen oder Tom Petty genannt werden können.

Sein Longplayer „The Lonesome Jubilee“ aus dem Jahr 1987 hat einen festen Platz in meiner persönlichen Top-Ten-Liste. Auf ihm integrierte er auch vermehrt Folk-typische Instrumente wie Geige oder Akkordeon und prägte so einen eigenen, unverwechselbaren Sound. In den folgenden Jahren stellte John Mellencamp manchmal den Rock, manchmal den Folk in das Zentrum seiner Scheiben. In der letzten Dekade nahm er fast ausschließlich den Folk und die Wurzeln der Roots-Musik in den Blick.

John Mellencamp entwickelte sich vom jugendlichen Rockstar hin zum ernsthaften Songwriter und Folk-Rocker, obwohl bereits seine Texte ab den 1980er-Jahren zum Teil gesellschaftliche Themen aufgreifen oder ein politisches Statement enthalten. So unterstützte er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und Mellencamps spätere musikalische Kommentare zur Lage der Nation führten zum Boykott seiner Lieder durch konservative Country- und Folksender. Auch im sozialen Bereich engagiert sich Mellencamp: Er initiierte zusammen mit Willie Nelson 1985 die jährliche Konzertreihe Farm Aid.

Seit einem Herzinfarkt Mitte der neunziger Jahre reduzierte Mellencamp seine Konzert-Aktivitäten. Da ich als (fast) alter Mann ja gerne von früher erzähle, sei noch angeführt, dass ich ihn 1992 in Düsseldorf live erlebt habe. Damals noch bemüht, seine Ärmel über die Schultern hochzukrempeln, damit man seine Tätowierung sieht, präsentiert sich Mellencamp auf „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ als gestandener und gereifter Mann im dunklen Jackett. Der Kraft und dem rebellischen Geist seiner Songs, von denen mehr als die Hälfte aus meiner Jugendzeit stammt, tut dies keinen Abbruch.

Die Band, in schwarzen Anzügen gekleidet, bietet ein stimmiges Gesamtbild vor dem edlen Ambiente des Chicago Theaters. Die Aufnahmen sind zumeist in einem stimmungsvollen Sepia-Ton gehalten. Die Kamerafahrten begleiten das Geschehen auf der Bühne und im Publikum ohne hektische Schnitte. Die Komposition der Bilder unterstützt perfekt die Atmosphäre der Musik. „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ ist ein audio-visueller Genuss.

Das Konzerts beginnt mit dem beschwingten „Lawless Time“ und dem folkigen „Troubled Man“ von seiner Studio-CD „Plain Spoken“ (2014). Danach folgen seine beiden Klassiker „Minutes To Memories“ und „Small Town“, die das Publikum vollständig mitnehmen. Der überwiegende Teil der Konzertbesucher dürfte wohl die Erstveröffentlichung der Songs bewusst erlebt haben.

Auf „Stones In My Passway“ legt Mellencamp zunächst einige lässige Tanzschritte aufs Parkett und dann den Blues in seine raue Stimme. Andy York steuert hier starke Slide-Gitarrenpassagen bei. Das anschließende „Pop Singer“ glänzt mit einer Mundharmonika-Einlage von Troye Kinnett. Nach dem zum Träumen einladenden „Check It Out“ erzählt Mellencamp eine nette Episode, die er mit seiner Großmutter erlebte.

Wie andere Zwischenbemerkungen während des Konzerts, ist die Erzählung für die CD herausgeschnitten, die ansonsten die gleiche Setlist aufweist wie die DVD. Die Erinnerung an seine Oma leitet zu dem unglaublich intensiven „Longest Days“ über. Mellencamp greift dabei zur akustischen Gitarre und York unterstützt ihn dezent an der zweiten Gitarre.

„The Full Catastrophe“ versetzt in eine rauchige Blues-Bar. Nur vom Keyboard begleitet, dem Kinnett den Klang eines Klaviers gibt, zelebriert Mellencamp den Song. Auf der DVD gibt der Allround-Künstler einen Einblick in sein schauspielerisches beziehungsweise theatralisches Talent. Im Video erscheint der Song in Schwarz-Weiß, was dessen Spelunken-Stimmung verstärkt.

Nach den instrumental reduzierten Beiträgen ruft John Mellencamp Carlene Carter für „My Soul‘s Got Wings“ auf die Bühne. Mit mehrstimmigem Gesang und einem leicht Country-infizierten Rhythmus feiert die Band zusammen mit dem Publikum das Stück, das ganz in der Tradition von Woody Guthrie steht.

„Overture“ verschafft Mellencamp eine Verschnaufpause. Miriam Sturm an der Geige und Troye Kinnett am Akkordeon performen als Duett den Instrumentaltitel. Beide liefern eine grandiose Leistung während des gesamten Konzerts und zeichnen sich für den typischen Sound von Mellencamps Kompositionen verantwortlich. Aber auch die anderen Bandmitglieder spielen äußerst souverän. Andy York hat bei den kommenden Titeln noch einige hervorzuhebende Momente an der Gitarre. Unauffälliger sind Mellencamps langjähriger Weggefährte Mike Wanchic an einer weiteren Gitarre, John Gunnell am Bass und Dane Clark am Schlagzeug.

Mittlerweile ohne Jackett zündet Mellencamp anschließend ein Feuerwerk seiner Hits. Auf „Rain On The Scarecrow“ folgen „Paper In Fire“ und „Authority Song“. Das Publikum nimmt sie begeistert auf und zeigt eine beeindruckende Textsicherheit. Mit der Ballade „Pink Houses“ und dem lockeren „Cherry Bomb“ geht ein abwechslungsreiches Konzert zu Ende.

John Mellencamp zeigt seine musikalischen Facetten und in den Kommentaren seinen unaufhörlichen Drang, sich künstlerisch auszudrücken. „Every day of my life I create something.“ So beschließt Mellencamp seinen Text auf „Plain Spoken“. Die Art und Weise, wie Mellencamp an seinem Schaffensprozess teilhaben lässt, ist auf der DVD und der CD wunderbar gelöst. Mit meiner vollständigen Begeisterung geht eine uneingeschränkte Kaufempfehlung einher.

Eagle Rock Entertainment hat dem Kleinod mit der sauberen Produktion einen würdigen Rahmen gegeben. Ein persönlicher Dank geht zudem an Universal Music, die das Besprechungsexemplar zur Verfügung stellte.

Eagle Rock Entertainment/Universal Music Group (2018)
Stil: Folk Rock and more

DVD:
01. Lawless Times
02. Troubled Man
03. Minutes To Memories
04. Small Town
05. Stones In My Passway
06. Pop Singer
07. Check It Out
08. Longest Days
09. The Full Catastrophe
10. My Soul’s Got Wings
11. Overture
12. Rain On The Scarecrow
13. Paper In Fire
14. Authority Song
15. Pink Houses
16. Cherry Bomb

CD:
01. Lawless Times
02. Troubled Man
03. Minutes To Memories
04. Small Town
05. Stones In My Passway
06. Pop Singer
07. Check It Out
08. Longest Days
09. The Full Catastrophe
10. My Soul’s Got Wings
11. Overture
12. Rain On The Scarecrow
13. Paper In Fire
14. Authority Song
15. Pink Houses
16. Cherry Bomb

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Universal Music

Vaudeville Etiquette – 03.03.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Line-up:
Tayler Lynn (lead vocals, percussion)
Bradley Laina (lead vocals, guitar)
Matt Teske (pedal steel)
Aaron Walters (bass)
Bryce Gourley (drums)

Bilder: Peter Schepers

Vaudeville Etiquette
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Blue Notez Dortmund