Eric Gales – The Bookends – CD-Review

Gales 300

Review: Jörg Schneider

Spätestens seit seinem letzten Album „Middle Of The Road“, welches 2017 erschienen ist und einen persönlichen Wendepunkt in Gales Laben markierte, gilt er zu Recht als einer der profiliertesten und spannendsten Bluesrock-Gitarristen der Gegenwart.

Sein neues Werk „The Bookends“ hat Gales über einen Zeitraum von neun Monaten geschrieben und anschließend zusammen mit seinen Mitstreitern Mono Neon am Bass, Aaron Haggerty an den Drums und Dylan Wiggins (Orgel) in verschiedenen Studios eingespielt. Und natürlich mischt auch wieder seine Frau LaDonna als Background-Sängerin und Perkussionistin mit. Zudem sind noch Beth Hart, Doyle Bramhall II und B. Slade als Gastmusiker mit von der Partie.

Herausgekommen ist ein kraftvolles Album, wenngleich die Rhythmik der Songs vielfach recht ähnlich ist, aber immer getragen von Gales’ typischem Gitarrensound. Zu Beginn der CD geht’s mit dem leicht düster schwelenden Opener „Intro“ los, der dem geneigten Hörer die tendenzielle Grundstimmung des Werkes näher bringt.

Bevor es dann aber mit dem nächsten Rhythmushammer „Whatcha Gonna Do“ weitergeht, gibt sich der Sänger und 2017’er Emmy Awards Gewinner B. Slade auf dem funkigen und leicht vom Jazz und Soul beeinflussten „Something’s Gotta Give“ die Ehre. Auch „It Just Beez That Way“ ist eine eher flotte Nummer, in der Gales erstmalig eine Slidegitarre spielt und die nicht ganz so heavy wie viele der anderen Tracks daher kommt.

Bei dem balladenhaften „How Do I Get You“ steht Gales’ Gesang im Vordergrund, der zum Ende des Titels mit den Background Vocals und Gitarrenriffs zu einem furiosen Ende verschmilzt.

Zur Halbzeit gibt es dann den klassisch arrangierten Slowblues „Southpaw Serenade“ mit Doyle Bramhall II, inklusive wild klagender Gitarrenlicks und harmonischem Gesang im Hintergrund.

Die düstere und schwere Stimmung von „Reaching For A Change“ und die hackende Rhythmik von „Somebody Lied“ bilden einen starken Kontrast zu dem folgenden Klassiker „With A Little Help From My Friends“. Hier singen die Seelenverwandten Beth Hart und Eric Gales ein wunderschönes Duett. Beide hatten sich mit Hilfe von Freunden von Ihrer Drogensucht (Gales) und Depressionen (Hart) befreien können. Es ist der wohl beste Song des Albums geworden.

Zum Abschluss rockt der Longplayer dann mit dem härteren Stück „Resolution“, einem reinen Instrumentalstück, und „Pedal To The Medal“, auf dem B. Slade sein zweites Gastspiel abliefert, dem Ende entgegen.

Insgesamt ist „The Bookends“ ein gelungenes Werk, auch wenn das Vorgängeralbum stilistisch etwas abwechslungsreicher war. Dafür präsentiert sich der gebürtige Memphis-Mann auf seiner aktuellen Scheibe gesanglich gereifter, was er nach eigenem Bekunden auch seinem Produzenten Matt Wallace zu verdanken hat, der unermüdlich und hartnäckig daran gearbeitet hat, Gales Stimme auf ein neues Level zu heben.

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Intro
02. Something’s Gotta Give (feat. B. Slade)
03. Whatcha Gon’ Do
04. It Just Beez That Way
05. How Do I Get You
06. Southpaw Serenade (feat. Doyle Bramhall II)
07. Reaching For A Change
08. Somebody Lied
09. With A Little Help From My Friends (feat. Beth Hart)
10. Resolution
11. Pedal To The Medal (feat. B. Slade)

Eric Gales
Eric Gales bei Facebook
Mascot Records
Netinfect Promotion

Doyle Bramhall II – Shades – CD-Review

DB2_300

Review: Gernot Mangold

Für den hiesigen musikalischen Mainstream ist der mittlerweile fast 50-jähhrige Doyle Bramhall ll eher einer Randerscheinung. Wer sich aber mit der Vita des amerikanischen Musikers genauer befasst, wird erkennen, dass Doyle durchaus als eine absolute Größe zu sehen ist.

Schon mit Anfang 20 begann seine musikalische Karriere mit den Arc Angels, wo seine Mitstreiter Chris Layton und Tommy Shannon alias Double Trouble keine geringeren als die damalige Rhythmussektion  von Stevie Ray Vaughan waren. Danach brachte Bramhall II zwei Soloalben auf den Markt und etliche namhafte Musikkoryphäen erkannten seine Qualitäten als Gitarrist, Songwriter, aber auch als Produzent.

So arbeitete er in verschiedenen Funktionen unter anderem für Sheryl Crow, Roger Waters, der Dereck Trucks Band, der Tedeschi Trucks Band, Gregg Allman und nicht zuletzt lange Zeit bei Eric Clapton mit. 2016 brachte er mit „Rich Man“ sein viertes Soloalbum heraus, welches von den Kritikern schon hochgelobt war.

Nun erscheint mit „Shades“ der Nachfolger, in dem Bramhall II wieder seine Klasse als Songwriter, Gitarrist und auch Sänger beweist. Die 12 Songs sind so vielfältig, wie die Stile der Musiker, mit denen er zusammen gearbeitet hat.

Als Einstieg in die Platte wählte der Texaner mit „Love And Pain“ einen psychedelisch angehauchten Rocksong, der in machen Phasen auch an David Bowie erinnert, und in dem er die Waffengewalt in den USA thematisiert, was ihn für mich, unabhängig von seiner Musik, in ein sehr positives Licht stellt. „Hammer Ring“ setzt die Art des Opener fort, wird aber in ein Gewand von härteren Gitarren gelegt.

Danach wird es etwas ruhiger und bei „Everything You Need“ kann sehr schön herausgehört werden, dass der Protagonist nicht umsonst jahrelang als die musikalisch rechte Hand Claptons galt, was nicht nur daran liegt, dass Mr. Slowhand selbst bei dieser sehr melodischen R&B-Nummer als Unterstützer mitwirkt.

„London To Tokyo“ fährt ähnlich fort, wobei dieser Track fast schon episch daherkommt. Ein Lied zum Träumen. Das bluesige Duett „Searching For Love“ mit Norah Jones als Gastmusikerin lässt Reminiszenzen an langsame Songs von Derek and the Dominos aufkommen.

Seine Kollegen von The Greyhounds aus Austin unterstützen ihn bei „Live Forever“, um den Zuhörer jäh aus seinen Phantasien zu reißen. Es wird schneller und rockiger. Die Gitarren werden „dreckiger“ gespielt, leichte psychedelische Züge sind wieder zu erkennen.

Mit „Break Apart To Mend“ wird es wieder ruhiger und DB2 reduziert die Begleitung auf das notwendigste, wobei ein Piano im Vordergrund steht und Gitarren nur vereinzelt im Hintergrund bemerkbar sind. Eine fast schon melancholische, aber wunderschöne Ballade, die dann mit einem virtuosen Gitarrensolo beendet wird.

Das folgende „She’ll Come Around“ eine bluesrockiges Midtempo-Stück, ähnelt in machen Passagen der Musik, als Jeff Lynne Größen wie George Harrisson produzierte, was sich auch bei „The Night“ fortsetzt.

„Parvanah“ unterbricht die vorherige Ruhe und musikalische Harmonie erneut. Es wird psychedelisch, zum Teil orientalische Einklänge und fast jazzige Züge zum Ende sind ein Alleinstellungsmerkmal auf diesem Album, ohne dass man den Eindruck hat, es wäre einfach dazugeschustert. In „Consciousness“ gelingt es Bramhall II verschiedenste Stile, vom Blues, über Americana, Folk, Pop oder Polka zu verschmelzen. Man ist überrascht, dass bei diesem Mix eine Harmonie gelingen kann.

Den Abschluss dieses großen Albums bildet eine bluesige Country-Southern-Nummer mit epischen Ausprägungen. „Going Going Gone“, eingespielt mit einer der zur Zeit größten amerikanischen Acts, der Tedeschi Trucks Band, kann fast schon als Hymne des Albums gesehen werden. Besonders beeindruckend die verschiedenen Soli, die zum Teil auch bei Pink Floyd gefallen würden. Diesen Song stelle ich mir in einer ‚Extended Version‘ als Hammerabschluss eines Livekonzertes vor.

Diese CD ist eine absolute Kaufempfehlung für Fans der Musik, an der Doyle Bramhall II mitgewirkt hat. Gespannt darf man sein, wie er diese Sachen live präsentieren wird. Er hat auf jedem Fall angekündigt, sich sehr zu freuen, sie für seine Fans auf der Bühne zu performen. Wenn dies der Fall ist, ist ein Besuch mit Sicherheit ein musikalischer Hochgenuss, was er schon bei seinem Dortmunder Konzert vor gut anderthalb Jahren bewiesen hatte.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Rock & More

01. Love And Pain
02. Hammer Ring
03. Everything You Need
04. London To Tokyo
05. Searching For Love
06. Live Forever
07. Break Apart To Mend
08. She’ll Come Around
09. The Night
10. Parvanah
11. Consciousness
12. Going Going Gone

Doyle Bramhall II
Doyle Bramhall II bei Facebook
Netinfect Promotion

Doyle Bramhall II, 07.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Doyle_Haupt

Dank meiner im Job angehäuften Überstunden, und des daraus resultierenden zweiwöchigen Urlaubs, hatte ich mal die Gelegenheit, die Arbeit für Sounds Of South zu intensivieren. So startete ich in die erste Woche mit drei gleich Konzerten in sechs Tagen! Und das jeweils mit ziemlich, vom Charakter her, unterschiedlichen Protagonisten und irgendwie auch recht anders gestrickter Musik.

Der dritte Kandidat im Bunde war Doyle Bramhall II im beliebten Musiktheater Piano in Dortmund. Der für seine Mitwirkung bei vielen großen Acts wie u. a. den Arc Angels, Eric Clapton, Fabulous Thunderbirds, Roger Waters, Tedeschi Trucks Band und Sheryl Crow bekannte Sänger, Gitarrist, Songwriter und Produzent, als auch Piano-Chefin Jenny Dore durften sich, über eine, für einen Sonntag erstaunlich, nahezu restlos gefüllte Location freuen (im Publikum übrigens auch Henrik Freischlader und Band, die sich das Konzert als Abschluss ihrer gerade beendeten Tour gönnten).

Der Halstuch-tragende Texaner entpuppte sich als recht in sich gekehrt und wortkarg (kaum Ansagen, außer ein paar der üblichen Standardfloskeln) und lenkte den Fokus, fast ausschließlich, auf seine Songs und das Treiben seiner Mitspieler, für die er ab und zu dann ein Lächeln erübrigte. Die Stimmung des Publikums war trotzdem ganz gut, aber eher eine Mischung aus Bewunderung und Anerkennung der musikalischen Klasse des Quartetts.

Doyle & Co. starteten mit dem schön groovenden „Keep You Dreamin'“ in das, für den Abend, festgelegte Programm, ein Stück aus dem aktuellen Album „Rich Man“, das wie so oft, dann auch im Mittelpunkt des Geschehens stand (mit weiteren Tracks wie „My People“, „Cries of Ages“, dem melodischen „November“ mit seinem R&B-Flair, „The Veil“, „Mama, Can’t Help You“, „Rich Man“, „New Faith“). Schon hier zeigte sich, dass Bramhall II nicht so großen Wert auf Darstellung seiner eigenen Person legte, sondern vordergründig, wie bereits oben erwähnt, eher eine recht gewichtige Einbindung seiner Mitstreiter favorisierte.

Die mussten dann auch ihre Multitasking-Fähigkeiten unter Beweis stellen: Basser Ted Pecchio, hatte neben seiner quirligen Fingerfertigkeit am Viersaiter, einige sporadische Vokaleinsätze, Ex JJ Grey-Schlagzeuger Anthony ‚AC‘ Cole, bediente neben seinem Parade-Instrument auch beim orientalisch anmutenden Instrumental „Saharan Crossing“ das Saxofon und hatte kurze Lead- und diverse Backgroundvocal-Einsätze.

Am schwersten musste der wild-gelockte Adam Minkoff schuften. Der wechselte ständig zwischen E-Gitarre und Keyboard, zeichnete sich für Harmoniegesänge verantwortlich, wurde als Cole-Ersatz beim o. a. „Saharan Crossing“ beim Drumming hart rangenommen und bewies bei der ersten Zugabe, dem The Impressions-Cover  „Choice Of Colors“, seine Frontgesangsqualitäten. Ein echtes Multitalent!

Höhepunkt war sicherlich das zum Finale des Hauptteils dargebotene, längste Stück,  „The Samanas“, das gegen Ende in einer nahezu psychedelischen Sound-Schlacht endete, bei der Doyle mit am Verstärker wedelnden Gitarrenbewegungen, haarsträubende, bis hin zu Tinnitus-fördernden Tönen erzeugte. Ein einziges infernalisches Klanggewitter! Da war der folgende Zugabenteil trotz des satt groovenden „Work To Do“ und der starken Uptemponummer „Green Light Girl“, bei dem Doyle nochmal auf der E-Gitarre solierte und brillierte, der reinste Erholungstrip.

Insgesamt ein gelungener Abend mit einem recht introvertierten Künstler Doyle Bramhall II, den man als Liebhaber von guter Rockmusik und Konzertbesucher einfach mal gesehen und gehört haben muss!

Line-up:
Doyle Bramhall II (Lead vocals, electric guitar, vocals)
Ted Pecchio (Bass, vocals)
Anthony ‚AC‘ Cole (Drums, saxophone, vocals)
Adam Minkoff (Electric guitar, keys, drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
Doyle Bramhall II bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment