Nazareth – Support: Formosa – 12.04.2019, Turock, Essen – Konzertbericht

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Die schottische Hardrockband Nazareth besuchte anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens auch das nicht ausverkaufte, aber doch gut gefüllte Essener Turock. Im Gepäck hatten sie neben ihrer neuen Scheibe „Tattooed On My Brain“ auch die deutschen Hardrocker von Formosa. Die drei Lokalmatadoren heizten das Publikum gut an, erwiesen sich als gelungener Support von Nazareth und haben an dem Abend mit Sicherheit den einen oder anderen neuen Fan hinzugewonnen.

Besonders in Erinnerung blieben die drei starken Nummern „Rock`N`Roll Generation“, „Bad Boys“ und „Fuck On Your Liver“, bei denen auch das Publikum in die Refrains einbezogen wurde. Nach dem etwa 45-minütigen Auftritt und einer etwas längeren Umbaupause mit Feinjustierung des Sounds, ertönte gegen 21:30 Uhr dudelsackgeprägte Musik, die einem auch in den schottischen Highlands hätte begegnen können.

Im Dämmerlicht betraten die Musiker die Bühne und aus zunächst scheinbar planlosem Spiel, entwickelte sich der Opener „Turn On Your Receiver“. Ein passender krachender Beginn eines Konzertes, dem mit „Never Dance With The Devil“ vom aktuellen Album „Tattooed In My Brain“ folgte. Nazareth zeigten hier auch ein neues Gesicht und verließen sich nicht nur auf die alten Stücke, sondern streuten auch neues, starkes Material ein und bewiesen, dass sie eine lebendige Band sind, die sich mit den Umbesetzungen der letzten Jahre, auch weiterentwickelt hat.

Von der Ursprungsformation war nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden des Sängers Dan McCafferty (2013), dem Tod des Drummers Darrel Sweet (1999) und dem schon Jahrzehnte zurückliegenden Austritt des Gitarristen Manny Charlton (1990), nur noch der bestens gelaunte, mit dem Publikum feixende, sehr agile Pete Agnew am Bass vertreten.

Jimmy Murrison an der Gitarre kann allerdings auch schon fast als Urgestein gesehen werden, wie auch Petes Sohn Lee, der nun schon 20 Jahre die Stöcke in der Band schwingt. Klasse eingefügt hat sich Sänger Carl Sentance, der stimmlich McCafferty voll ersetzt, ohne ihn nachzuahmen. Er imitiert diesen aber nicht, sondern drückt den Songs seinen eigenen Stempel auf.

Nach den gelungenen Auftaktliedern, die für die entsprechende Stimmung sorgten, legten Nazareth erstmal einige Klassiker nach. Dem krachenden „Razamanaz“, mit stakkato-artigem Gitarrenspiel des bestens aufgelegten Murrison, dessen Gesicht meist durch die graublonde Mähne verdeckt war, folgte schon sehr früh das Joni Mitchel- Cover „This Flight Tonight“, für mich immer wieder einer der stärksten Songs, mit seinem unverwechselbaren treibenden Rhythmus.

Mit „Dreams On“, „Holiday“ und „My White Bicycle“ wurde etwas Fahrt herausgenommen. „Change“, ein neuer sehr melodischer Hardrocksong, war wieder von Sentances Stimme geprägt. Erfreulich, dass die neuen Songs vom Publikum gut angenommen wurden, und einem so eine Art Greatest Hits-Konzert, was viele der altgedienten Bands auf die Bühne bringen, so erspart blieb.

„Hearts Grown Cold“, wo Sentance nun zusätzlich eine akustische Gitarre spielte, war der atmosphärisch stärkste Song des Abends. Sentance mit eindrucksvollem Gesang, Murrison mit gefühlvollem Gitarrenspiel und die Familie Agnew mit dem dazu passenden Rhythmus zeigten, dass Nazareth auch Balladen vortrefflich live auf die Bühne zaubern können.

Mit dem krachenden „Beggars Day“, das in einem mehrminütigen, furiosen psychedelischen Instrumentalgewitter endete, riss man die Besucher abrupt aus allen Träumen. „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ hatten es ebenfalls in sich. Dass nach diesen beiden erprobten Klassikern mit „Tattooed In My Brain“ der Titelsong des aktuellen Albums folgte, mag gewagt sein, zeigt aber auch, welchen Stellenwert die neuen Tracks für die Band haben, womit scheinbar eine Art neue Epoche eingeläutet wird.

Danach war wieder Träumen angesagt, denn mit dem Everly Brothers-Cover „Love Hurts“, gab es den wohl erfolgreichsten Song von Nazareth und man konnte bei dem einen oder anderen Besucher ein rollendes Tränchen erkennen. Waren es Erinnerungen an einen Knuddel-Blues mit der Jugendliebe?

Den Abschluss bestritt dann das sphärische „Morning Dew“, bei dem Agnew am Bass glänzte, nach und nach der Rest der Band einsetzte, um zum Ende hin, in psychedelischer Manier, das Konzert zu beenden. Schön war hier, wie Agnew an den Drums, den Rhythmus von „This Flight Tonight“ in den Song zauberte.

Das nun regelrecht aufgeputschte Publikum benötigte nicht lange, um die Band wieder auf die Bühne zu schreien. Mit dem heftigen „Miss Misery“, der stark vorgetragenen Ballade „Where Are You Now“ und „Go Down Fighting“, wurden noch drei Songs nachgelegt, die man vorher nicht als Zugabe erwartet hätte, die aber ein würdiger Abschluss des Konzerts waren.

Quirlige 100 Minuten offerierten, dass man Nazareth nicht zum alten Eisen legen sollte, sondern dass sich eine alte Hardrockband, irgendwie wieder neu erfunden hat. Gut rüber kam die Freude der Band am Spiel und eine offenkundige Harmonie, wobei insbesondere der Fronter Sentance die Nähe der Saitenspieler suchte und diese beim Spiel teilweise umarmte.

Bemerkenswert war auch die Interaktion mit dem Publikum, des Öfteren war erkennbar, wie die Musiker direkt einzelnen Besuchern zuzwinkerten. Lustig war der Hinweis an einen Fan, der mit einem recht dicken Pullover und Mütze bekleidet war, dass doch schon Frühling sei. Wenn man diesen Ausspruch als Motto des Abends nimmt, kann gesagt werden, dass Nazareth, auch bedingt durch die schrittweise erfolgten Blutauffrischungen, einen zweiten Frühling erleben und bei so manchem gealterten Fan Gefühle dieser Art erweckt hatten. Ein starker Auftritt, mit einem gut gewählten Mix alter und neuer Songs, der vielleicht noch zum Besuch des einen oder anderen folgenden Konzerts animiert.

Hier in der Nähe wird Nazareth nochmal Anfang Dezember im Dortmunder Piano auftreten, für mich persönlich ein Pflichttermin. Ein Dank auch an das Management der Band für die problemlose Akkreditierung und dem Team des Turocks, welches wieder mal dazu beitrug, dass der Essener Hardrocktempel, einen tollen Abend erleben durfte.

Line-up Formosa:
Line Up Formosa:
Nik Bird (lead vocals, bass)
Nik Beer (guitars, vocals)
Paris Jay (drums)

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Turock, Essen

Molly Hatchet – 12.12.2018, Turock, Essen – Konzertbericht

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Ich habe lange überlegt, ob ich noch mal ein Molly Hatchet-Konzert aufsuchen soll, der desaströse Auftritt im Sieburger Kubana vor zwei Jahren steckte mir immer noch irgendwie in den Knochen. Da ja mittlerweile aber doch einiges an Wasser den Rhein herunter gelaufen ist und sich jetzt die Gelegenheit, knapp fünf Minuten von meinem Arbeitsplatz entfernt, im Essener Turock wieder ergab, einem Club, mit dem ich bisher immer gute Erinnerungen verbunden habe (zum Beispiel Quireboys, John Waite), habe ich mich dann doch von Gernot ‚weichkochen‘ lassen.

Als Vorgruppe gab sich King Savage redlich Mühe, die doch ziemlich zahlreich erschienenen Hatchet-Fans mit ihrem Hard-/Heavy Rock auf Betriebstemperatur zu bringen. Ihr Sänger hatte nicht umsonst ein Motörhead-T-Shirt an. Der Stil des Fünfers ging in eine ähnliche Richtung, nur doch eben einige Nummern kleiner. Der Unterschied war hier dann aus meiner Sicht einfach der nicht allzu große Wiedererkennungswert ihrer Stücke wie u. a. „Full Speed Ahead“, „Lonesome Road“, „Wild Life“ oder „Down The Drain“. An ihrem Engagement war allerdings nichts auszusetzen.

21:15 Uhr betraten dann mit Bobby Ingram, Phil McCormack, John Galvin, Shawn Beamer und Tim Lindsay die gewohnten MH-Protagonisten die Bühne des Turocks und wurden von einer von Anfang an begeistert mitgehenden Audienz empfangen. Nachdem der Sound vorne direkt an der Bühne bei den Openern „Whiskey Man“, „Bounty Hunter“ und „Gator Country“ wieder völlig Bass- und Schlagzeuglastig rüberkam, Phils Stimme schwer dagegen anzukämpfen hatte und Bobbys E-Gitarre nur fisselig zu hören war (insgesamt maximal Bootleg-Niveau), habe ich mich dann recht schnell, weit nach hinten begeben.

Dort war es dann wesentlich besser (siehe da, selbst Galvins Piano war plötzlich zu hören) und vor allem die großartige Stimmung unter den Leuten trug erheblich dazu bei, dass Ingram & Co. sich schwer ins Zeug legten. Auch Fronter Phil McCormack zeigte sich an diesem Abend wieder etwas besser in der Spur. Bobby Ingram wechselte unter drei verschiedenen Gitarrenmodellen und bewies, dass er nach wie vor ein toller Gitarrist ist, auch wenn es allein, trotz aller Mühe, natürlich nie richtig gelingt (wie auch?), den Spirit und die Power des einstigen 3er Line-ups einzufangen.

„It’s All Over Now“, „Devil’s Canyon“, „Beatin The Odds“ (mit vorgelagertem Drum-Solo des wieder mit wehenden Haaren trommelnden Shawn Beamer), “One Man’s Pleasure” hießen die üblichen Standardtracks bis zum ersten großen Highlight “Fall Of The Peacemakers”. “Jukin’ City” mit “Layla”-Instrumental-Intermezzo (mit schöner Galvin-Piano-Präsenz) als Übergang zu „Dreams“ (inklusive Vorstelllung der Band) waren dann die Vorboten zu einem furiosen Finish, das mit dem lang hier nicht mehr gespielten „The Journey“, das Bobby dem kürzlich verstorbenen Labelbesitzer, Produzent und Konzertveranstalter Rainer Hänsel widmete, eine echte Überraschung bot.

Skynyrds „Free Bird“ mit starker Ingram-Slide- und Solo-Performance, sowie „Flirtin‘ With Disaster“ als Rausschmeißer ließen das Turock mit den jubelnden und mitsingenden Fans ordentlich beben. Die Musiker schienen von der guten Stimmung regelrecht geflasht zu sein.

Auch wenn der große Glanz der ganz frühen Hatchet-Tage und auch die unter der Ingram-Führung in der Anfangsphase (wir erinnern uns an ihren absolut grandiosen Auftritt auf der Lorelei) aus meiner Sicht sicherlich längst verflogen ist, war dieser Abend im Turock zumindest wieder ein kleiner Schwenk in eine bessere Richtung. Dem überwiegenden Teil der Zuschauer hat es jedenfalls offenkundig gefallen und darauf kommt es letztendlich an.

Danke an Peter Siewert vom Turock für die Akkreditierung.

Line-up:
Bobby Ingram (electric guitar, vocals)
Phil McCormack (lead vocals, harp)
John Galvin (keys, vocals)
Shawn Beamer (drums)
Tim Lindsey (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Molly Hatchet
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Turock, Essen

Supersonic Blues Machine, Support: Chris Kramer – 11.07.2018, Casino Zeche Zollverein, Essen – Konzertbericht

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Das war mal ein Abend, gestern im Essener CASINO Zollverein, wo sich Supersonic Blues Machine mit ihrem schillernden Gast Billy F. Gibbons, zum einzigen Konzert in Deutschland angesagt hatten. Dazu hatten wir im Vorfeld auch noch ein Interview mit deren Neu-Sänger Kris Barras im Vorfeld vor der Brust.

Obwohl ich schon fast 30 Jahre in Essen berufstätig bin, habe ich mit diesem historischen Areal, bisher kaum Berührungspunkte gehabt und bin in dieser Gegend auch so gut wie nie unterwegs. Vor langer Zeit hatte ich in der Zeche Zollverein mal Dan Baird erlebt. Umso beeindruckender war es von daher, diese Location Halle 9, mit der liebevoll integrierten und drum herum gestalteten Gastronomie, vorher ganz bewusst auf sich wirken lassen zu können.

Nach einem ellenlangem Meet-And-Greet-Geplänkel im Vorfeld und dem dadurch recht schnell ‚abgefrühstückten‘ Inti mit dem Briten, heizte zunächst Chris Kramer mit seinem Beatbox ’n‘ Blues-Projekt, die geschätzten 400 Zuschauer, mit für mich und vermutlich vielen anderen auch, eigenwilliger Bluesmusik ein.

Der charismatische, wuchtige Fronter, der Gesang, sein Paradeinstrument, die Mundharmonika, und auch die E-Gitarre vereinigte, sowie sein toller E-Gitarrist Sean Athens, mit wirklich furiosem Spiel, wurden rhythmisch durch mündlich erzeugte Töne am Mikro unterstützt, was sich wohl in geneigten Kreisen als Beatboxing etabliert hat und mittlerweile wettbewerbsmäßig sogar im Rahmen von  Weltmeisterschaften durchgeführt wird. Der etatmäßige Beatboxer Kevin O’Neal wurde adäquat durch Lino Beatbox vertreten.

Kramer mixte seinen Harpblues mit klassischen, Western-, Tex-Mex- und auch dezenten Southern Rock-Anleihen. Durch die Beatbox-Geschichte bekam die Sache einen eigenwilligen und etwas juvenileren Charakter. Es passte. So musste das Trio noch für eine Zugabe ran. Hier wurde dann das einzige deutsch gesungene Lied „Lass Uns Tanzen Gehen“ als Finale zum Besten gegeben. Insgesamt ein sympathischer, kurzweiliger und gelungener Support.

Die Protagonisten der Supersonic Blues Maachine konzentrierten sich in der ersten Hälfte ihrer Performance (ohne Gibbons) naturgemäß auf Songs der beiden bisherigen Alben „West Of Floating, South Of Frisco“ und dem aktuellen „Californisoul“. Neu-Sänger Kris Barras, der den bisherigen Fronter Chris Lopez ersetzte, machte dabei seine Sache, sowohl als Sänger, wie auch als Lead-Gitarrist, vorzüglich.

Gitarrentechnisch bekam er erstklassige Unterstützung von Serge Simic (erinnerte rein äußerlich an Jon Bon Jovi), der sporadisch (z. B. beim herrlichen „Remedy“) auch mal die Lead vocals übernahm. Die Fäden in der Hand hatte Fabrizio Grossi, der einen Hammer-Groove in die Stücke brachte (klasse Bass-Solo bei „Bad Boys“). Nicht zu vergessen Weltklasse-Drummer Kenny Aronoff, der wie ein Tier trommelte und eine Snare Drum sogar ‚krankenhausreif‘ prügelte, dass sie ausgetauscht werden musste.

Alex Alessandroni Jr. Lieferte solide als auch variable Keyboard-Arbeit ab und die beiden Backgroundsängerinnen sorgten für die optische Note im überwiegend von Männern dominierten Auditorium.

Nachdem Barras nochmals beim megastarken „Hard Times“ – das Stück, das mir am gesamten Verlauf des Abends am besten gefiel – seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellen konnte, ging der Stimmungspegel mit Grossis Ankündigung von Billy F. Gibbons dann richtig in die Höhe.

Klar, dass mit dem kauzigen ZZ Top-Fronter, dann Klassiker wie „La Grange“, „Dust My Broom“ und, last but not least, „Sharp Dressed Man“ abgefeiert wurden. Billy hatte enormen Spaß und lobte die Stadt Essen der schönen Location wegen, nicht zuletzt natürlich auch, weil die Karriere des texanischen Trios in Deutschland, mit dem Rockpalast damals hier eingeläutet wurde.

Mit den Zugaben „Got My Mojo Working“ und dem furiosen „Going Down“ verabschiedeten sich die Starmusiker nach einem Klasse-Gig von den begeisterten Zuschauern in die Nacht, wobei man sich beim Verlassen nochmals am tollen, atmosphärisch beleuchteten Zechen-Ambiente, optisch erfreuen konnte.

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion und Michael Schmitz (Mascot Records) für die Akkreditierung.

Line-up Supersonic Blues Machine:
Billy Gibbons (lead vocals, electric guitar, vocals)
Kris Barras (lead vocals, electric guitar, vocals)
Fabrizio Grossi (bass, vocals)
Kenny Aronoff (drums)
Alex Alessandroni Jr. (keys)
Serge Simic (electric guitar, vocals)
Andrea Grossi (background vocals)
Francis Benitez Grossi (background vocals)

Line-up Chris Kramer:
Chris Kramer (lead vocals, electric guitar, harp)
Sean Athens (electric guitar, vocals)
Lino Beatbox (beatbox)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Chris Kramer
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Netinfect Promotion
Casino Zeche Zollverein Essen

Jesper Binzer – 11.05.2018, Essen, Turock – Konzertbericht

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Schon vor Einlass hatten viel Rockmusikliebhaber, von denen viele D-A-D Shirts trugen, die ums Turock angesiedelten Biergärten bereits gefüllt. Unter ihnen, genossen Jesper Binzer mit Band und den Supportern Gus G. den herrlichen frühsommerlichen, mediterran anmutenden Abend am Viehofer Platz, um sich kurz vor Einlass nach und nach ins Turock zu begeben.

Nach dem Support Gus G. und einer relativ kurzen Umbaupause erschien zunächst die Begleitband von Jesper Binzer, um mit einem furiosen Intro, um die Show ihres Fronters einzuleiten. Dieser betrat mit einer braunen Fransenlederjacke im Cowboystil, zunächst ohne Gitarre, unter frenetischen Applaus der in großer Zahl als D-A-D Fans erkennbaren Fans, die Bühne. Vorweggenommen, wurden die, welche ein D-A-D-Konzert erwarteten, vermutlich enttäuscht. Jesper spielte nicht einen der vielen D-A-D-Klassiker, sondern ein Solokonzert der Extraklasse, in dem er komplett sein aktuelles Album “Dying Is Easy (Rock’n’Roll Is Hard)” präsentierte.

Der den Auftakt markierende Titesong gab dann auch direkt vor, was die Besucher erwartete. Ein Hard Rock-Konzert, in welchem aber auch genügend Country- oder Americana- beeinflusste Songs ihren Platz fanden. Hard-rockend ging es mit “The Space She’s In” weiter, wobei Soren Andersen an der Lead-Gitarre wiederholt seine Soli präsentierte, während Christian Hede Madsen die rhytmische Basis an der zweiten Gitarre legte. Stark auch die Sektion um den bärtigen Drummer Jakob Ronlov, dessen Konterfei in Skelettform die Bassdrum zierte und den Bassisten Andets Borre Mathiesen.

Zu “Planet Blue” griff sich Binzer, dann seine akustische Gitarre und nahm etwas Tempo aus dem bis dahin harten Treiben, um bei “Real Love” sogar einen Song mit Country- Einschlag nachzulegen. Zu fast jedem Song erzählte Binzer etwas zur Entstehung. Dies tat er auf eine erfrischende Art und Weise zum Teil in gebrochenen Deutsch, immer wieder mit einem Schuss Selbstironie. Starkes Entertainment!

Ruhig ging es weiter mit “Rock On Rock On Rock” und bei “I See It In You” nahm sich auch Andersen eine akustische Klampfe, setzte sich auf einen Barhocker und die Band legte einen Americana-Song erster Güte hin. Mit “Undecided” wurde wieder etwas Fahrt aufgenommen und bei “Saint Fantasia” wurde das Publikum mit leicht folkigen Einschlag, wie Jesper es nannte, interaktiv zum Klatschen eingebunden.

Beim psychedelisch angehauchten, “The Bumpy Road” legte Binzer seine Gitarre beiseite und hauchte den Text zum Teil dahin. Danach folgte mit “Tell Myself To Be Kind” ein absoluter Hard Rock-Kracher, im Blitzlichtgewitter des, zum Teil, in absoluten Nebel gehüllten Turocks, wobei ein Gitarren-Solo das andere jagte. “The Future Is Now” einer meiner Favoriten des Albums, der auch viel über die positive Lebenseinstellung Binzers aussagt, beendete zunächst das Konzert mit frenetischen Applaus und folgenden Zugabe-Einforderungen.

Jesper und Co. legten mit den rockigen “Dream Big” und “Wild Child”noch zwei starke Rausschmeißer nach. Wobei letzteres Binzer, wie er in seiner Ansage beschrieb, besonders am Herzen lag, da es ein Cover-Song der Dänischen Band Savage Rose war, deren Musik wichtiger Bestandteil seiner Jugend war.

90 kurzweilige Minuten waren wie im Rausch vergangen, und Jesper Binzer bewies, mit zum Teil sehr emotionalen Songs, dass er auch ohne D-A-D-Songs, deren Sympathisanten sowie auch andere herkömmliche Rockfans begeistern kann. Absolute Konzert- und Plattenempfehlung (diese ist auch als farbige Sonderedition zu haben)!

Wem Jesper Binzer alleine nicht reicht, der kann ihn im Laufe des Jahres noch bei einigen Festivals, dann in gewohnter Umgebung mit D-A-D, erleben. Noch einmal mein Dank an Jörg Düsedau, für die Akkreditierung, das wirklich nette Team im Turock als auch den Sound- und Lichtmischer von Jesper, der mir im Nachgang noch einiges über die Tour und die Entstehung des Albums erzählte.

Line-up:
Jesper Binzer (lead vocals, acoustic guitar)
Soren Andersen (lead guitar)
Christian Hede Madsen (guitar)
Anders Borre Mathiesen (bass)
Jakob Ronlov (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

D-A-D/Jesper Binzer
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Turock Essen

Gus G. – 11.05.2018, Essen, Turock – Konzertbilder

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Pünktlich um 20:00 Uhr betrat das Trio um Gus G. als Support von Jesper Binzer den gut gefüllten Club, um den Zuschauern mit einem kurzweiligen Hard Rock-Auftritt die Wartezeit zu verkürzen. Der griechische Hard/Heavy Rock-Gitarrist, der über Jahre in der Band von Ozzy Osborne spielte, wurde dabei von Dennis Ward, bekannt als Mitglied von Pink Cream 69 am Bass und den Lead Vocals sowie Will Hunt, welcher schon für Bands wie Black Label Society oder Evanesence die Drums bearbeitete, unterstützt.

Den knapp 45 minütigen Gig nutzte die Band, um dem gut mitgehenden Publikum, Songs des aktuellen Albums „Fearless“ vorzustellen. Für mich war einer der Höhepunkte der Darbietung, eine aufs Nötigste reduzierte Hard Rock-Cover-Version des Dire Straits-Klassikers “Money For Nothing”.

Line-up:
Gus G. (lead vocals, electric guitar)
Dennis Ward (bass, vocals)
Will Hunt (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gus G.
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Turock Essen

SIMO, 14.04.2016, Turock, Essen – Konzertbericht

Nachdem ich mit Michael Lee Firkins vor Kurzem einen Gitarrenhexer der bereits arrivierteren Frickelfraktion hautnah erleben durfte, stand mit JD Simo ein Vertreter der noch jungen Wilden im Essener Turock auf dem Programm. Als Support hatte zunächst das Duo Powder From Pigeons mehr lärmenden, als bleibenden Eindruck hinterlassen, was zumindest den Vorteil hatte, dass man sich schon mal an das auch von SIMO nicht minder aufgefahrene Dezibel-Level gewöhnen konnte.

Um kurz nach 21:00 Uhr kam der Protagonist, in Begleitung seiner beiden Mitspieler Adam Abrashoff (drums) und Pfeifenraucher Elad Shapiro (bass) an Krücken auf die Bühne gehumpelt. Jetzt erschloss sich auch der Sinn, warum man eine Transportbox direkt hinter das Mikro platziert hatte. Sie diente während des gesamten Konzertes als Sitzunterlage für den offensichtlich gehandicapten Frontmann. Also von wegen ‚verweichlichte junge Generation‘. JD Simo war der lebendige Beweis, dass man sich heute durchbeißt.

Das aus Nashville stammende Trio eröffnete mit dem riffigen Willie Dixon-Song „You Need Love“. Vermutlich spätestens jetzt, als Simo seine geliebte Gibson Les Paul in der Hand hatte, waren etwaig behindernde Schmerzen vergessen. Wie schon im Review zu seinem aktuellen Werk „Let Love Show The Way“ bereits angemerkt, wurde JD Simo ja übrigens in den erlauchten Club der wenigen Gitarristen aufgenommen, die Duane Allmans legendäre 1957er Les Paul Gold Top zum Einspielen der Tracks benutzen durften. Diese hatte er natürlich naturgemäß nicht mit dabei.

Von der aktuellen Scheibe präsentierte er dann Sachen wie „Two Timin‘ Woman“, „Long May You Sail“, „I’ll Always Be Around“ oder den „Stranger Blues“, wobei seine Vorliebe für Bands der 70er Jahre wie Led Zeppelin, Fleetwood Mac zu Peter Green-Zeiten & Co. deutlich zum Tragen kam. „What’s On Your Mind“ vom Erstwerk, ein psychedelisches Instrumental (inkl. Drum-Solo von Abrashoff und Pfeife-Anzünden von Shapiro) und eine starke Fassung von „With A Little Help From My Friends“ (auch Simos Schrei im, durch den verstorbenen Joe Cocker berühmt gewordenen Bridge, war nicht von schlechten Eltern), blieben in Erinnerung.

Gegen 22:15 Uhr fand der Hauptteil sein Ende, der in zwei lautstark eingeforderten Zugaben, u. a. mit Howlin Wolfs „Evil“ seine Fortführung und den Abschluss fand. Nach knapp 90 Minuten endete ein unterhaltsamer, mit viel filigraner E-Gitarren-Frickelarbeit durchzogener Gig. Die knapp 100 Leute im Turock hatten einen der kommenden Gitarren-Stars der Blues Rock-Szene bewundern dürfen.

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Turock Essen