Svenja Schmidt & Jan Bierther Trio – 11.02.2021, JuBB, Essen-Werden – Youtube Stream-Konzertbericht      

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Zu Zeiten von Corona versuchen Veranstalter wie auch Bands irgendwie den Kontakt zu Fans aufrecht zu erhalten. Dies gelingt momentan nur durch Videos und Livestreams, was natürlich nicht den Reiz von Livekonzerten ersetzen soll und kann. Viele kleine Clubs oder Veranstalter setzten schon seit geraumer Zeit auf Veranstaltungsreihen, um zu relativ festen Zeiten, verlässlich Liveauftritte von Musikrichtungen anzubieten, welche oft eher ein Nischendasein haben.

Jan Bierther veranstaltet schon seit einiger Zeit eine Reihe unter dem Motto ‚Jazz im JuBB‘, die natürlich seit Monaten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden kann. Aus diesem Anlass entschloss er sich zusammen mit dem Jugend- und Bürgerzentrum JuBB in Essen-Werden, im Saal des Zentrums, die Reihe in Onlineform fortzusetzen.

Diese Konzertreihe beschreibt Bierther als eine Herzensangelegenheit. Als Jugendlicher war er selbst oft Gast in diesem Jugendzentrum, das aus einem alten Gerichtsgebäude entstanden ist. Nach seiner Musikstudienzeit in den Niederlanden kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Essen zurück, und initiierte dort auch die Konzertreihe ‚Jazz im Jubb‘.

Dass an diesem Abend Svenja Schmidt mit dem Jan Bierther Trio im Rahmen der Konzerttour auftrat, mag auf den ersten Blick irritierend sein, da Jazzeinflüsse hier eher peripher angesagt waren. Musikalisch standen an dem Abend Rock, Soul und Motown im Mittelpunkt. Der Bezug ist eher in der Besetzung der Band zu sehen, wo Bierther an der Gitarre, Dirk Leibenguth an den Drums, als Essener Urgesteine, unterstützt von Martin Engelien am Bass, an diesem Abend, die Combo der Rock- und Soulröhre Svenja Schmidt bildeten, die zudem am E-Piano glänzte.

Das Konzert, welches in zwei Sets von je etwa 45 Minuten übertragen wurde, war auch nur realisierbar durch die Unterstützung hiesiger Geschäftsleute, unter anderem einem ortsansässigen Biobäcker, welcher zudem eine Jazz-Mottotorte für die Künstler zubereitet hatte. Die Pause zwischen den Sets wurde zudem genutzt, um Werbung für eine kürzlich produzierte CD mit Highlights aus bisherigen Konzerten von ‚Jazz im JuBB‘ zu machen.

Nun aber zum eigentlichen Konzert, ohne Zuschauer im Saal, der bestuhlt etwa 100 Gästen Platz bietet. Den Start machte das Trio alleine mit dem etwa 10-minütigen Instrumental „Alles dreht sich“ aus der Feder Bierthers, das sofort Platz für Improvisationen der Musiker ließ.

Danach stieg auch Svenja Schmidt ein und es begann eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre-Musikgeschichte. Das Besondere dabei war, dass die Stücke nicht wie die Originalsongs runtergespielt wurden, sondern immer wieder jammende Phasen eingeschoben wurden. Einige Songs erhielten durch die kräftige Soulstimme Schmidts zudem ein ganz besonderes Flair.

Besonders hervorzuheben war der Rihanna-Hit „Love On The Brain“, der zuweilen den instrumentalen Charakter alter Fleetwood Mac-Songs hatte. In Stevie Wonders „Superstition“ konnten alle Musiker mit ausufernden Hammersoli ihr spielerisches Repertoire beweisen. Im, durch Marvin Gaye bekannt gewordenen Motown-Klassiker „Heard It Through The Grapevine“, der bekanntlich auch von vielen großen Bands, unter anderem CCR gecovert wurde, konnte Schmidt ihre gesangliche Qualität nachhaltig beweisen.

Den Abschluss machte „Nights In White Satin“, dem Schmidt mit ihrer Soulstimme eine ganz besondere Note gab. Auch hier glänzte Bierther mit feinster Gitarrenarbeit in einen Solo, das zunächst filigran, fast zerbrechlich wirkend, begann, um zum Ende hin geradezu zu explodieren.

Es ist schwer ein Fazit zu einem Onlinekonzert zu fassen, da das wichtige Interagieren von Band und Fans fehlt. Was ich als einziger Gast auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Sound im Saal bestens ausgesteuert war, alle Instrumente differenziert und klar hörbar waren.

Wenn man eine durchgehende Besucherzahl von 120 mit Spitzen bis zu 150 Zuhörern sieht, was höher als die Kapazität des Saales ist und die positiven Kommentare im Stream betrachtet, kann das Projekt als gelungen angesehen werden, was seitens des Veranstalters am Ende auch so gesehen wurde. Erwähnenswert ist auch, dass sich die ersten 30 Interessierten am Tag des Konzertes beim Biobäcker kostenlos eine Konzertsnacktüte abholen konnten.

Ein Dank an den Veranstalter und an Martin Engelien, der mich fragte, ob ich als einziger Vertreter eines Magazins, über den Abend berichten wolle.
Wer Spaß an Konzerten mit großer Nähe zu den Künstlern in einer feinen Location hat, sollte die Seite des JuBB in Essen öfters mal im Auge behalten. Neben der Jazzreihe finden dort in regelmäßigen Abständen auch Americana-Konzerte statt, wenn es die Zeit wieder zulässt.

Line-up:
Svenja Schmidt – Gesang, E-Piano
Jan Bierther – Gitarre
Dirk Leibenguth – Schlagzeug
Martin Engelien – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Svenja Schmidt
Jugend- und Bürgerzentrum Werden
Jazz im Jubb

Nikolausrock im Gocher Kastell, 05.12.2020 – Konzertbericht

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Oft werden Konzertjahre in Locations mit einem Abschlusskonzert unter einem zum Weihnachtsfest passenden Motto beendet, wobei meist noch einmal eine volle Hütte garantiert ist.

Im Konzertjahr 2020 verlief allerdings vieles anders als geplant. Bis Anfang März ging alles noch in geordneten Bahnen ab. Große Touren und Festivals waren für den weiteren Verlauf des Jahres angesagt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt machte sich bei Veranstaltern, Bands, Locations aber auch Technikern Unruhe breit, da die Corona-Pandemie sich auch in Europa ausbreitete. Mitte März kam es dann durch den Lockdown zu einem jähen Ende von Veranstaltungen und eine ganze Branche lag brach.

Im Sommer keimte ein bisschen Hoffnung auf und unter strengen Hygieneauflagen fanden Konzerte im eher überschaubaren und kleineren Rahmen statt. Steigende Coronafallzahlen sorgten zunächst für weitere Einschränkungen und ich erinnere mich an das letzte Go Music-Konzert in Kleve, wo Martin Engelien schon orakelte, dass der Winter, was Konzerte betrifft, ganz still werden könnte.

Kurz danach war durch den so genannten Wellenbrecher-Lockdown klar, dass ab Ende Oktober für den Rest des Jahres und vermutlich bis weit ins nächste Jahr, keine Live-Konzerte mit Besuchern stattfinden werden.

Einige Musiker stellten deshalb, oft in Eigenregie, in den letzten Monaten Livestreams ins Netz, um den Fans wenigstens in dieser Form Livemusik anzubieten.

In der Kleinstadt Goch, nahe der niederländischen Grenze, übernahmen „Gocher erleben“, „KulTOURbühne Goch“, „Gocher Stadtmarketing“, „Magic Sound Veranstaltungstechnik“ und „Mahomedia“ die Initiative, um mit dem Nikolausrock im Gocher Kastell einen Konzertabend als Livestream zu organisieren, um etwas Licht in die pandemische Stille zu bringen.

Was aus dieser Initiative entstand, war dann mehr als nur ein normaler Livestream eines Konzertes. Dominick Loock von „Magic Sound Veranstaltungstechnik“ kam auf die Idee, da es in der Gesellschaft viele Menschen mit Höreinschränkungen gibt, mit Thorsten Rose und Megg Rose, zwei Gebärdendolmetscher einzubinden, die im Livestream eingeblendet, abwechselnd agierten.

Dabei wurden nicht unbedingt die Texte eins zu eins übersetzt, sondern auch die Stimmung der Songs beschrieben. Auf diese Art und Weise kam es auf diesem Sektor zur oft beschworenen Inklusion, was in diesem Fall als absolut gelungen anzusehen ist.

Ein weiterer Aspekt, der sehr positiv war, dass der Auszubildende des Veranstaltungstechnikers endlich sein theoretisch erlangtes Wissen, in der Praxis anwenden konnte. Der Saal des Kastells gab durch seine großzügige Raumgestaltung die Möglichkeit vom Equipment her, aus dem Vollen zu schöpfen. Effekte vom Nebel, über aufsteigende Luftblasen, Schneeflocken, Glitzerfontänen, kamen dabei zum Einsatz.

Ein Bühnenaufbau, der ein dreidimensionales Bühnenbild generierte, eine großzügige Lichttechnik und modernen Aufnahmetechniken mit einer Vielzahl von Kameras, eine davon an einem schwenkbaren Kranarm montiert, gaben die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Perspektiven die beiden Konzerte des Abends abzubilden.

Vor und während der Übertragung wurde penibel auf die bestehenden Hygieneregeln geachtet. Die Techniker hielten einen Mindestabstand, welcher meist weit über 1,5 Metern lag, zudem wurden alle Beteiligten auch die anwesenden Fotografen vom Veranstalter mit FFP 2 Masken ausgestattet und zwischendurch wurde auch der Saal durchgelüftet.

Dies war die Grundlage, dass für die Zuschauer am Bildschirm, neben dem auditiven, auch ein visuelles Erlebnis geboten werden konnte. Durchgehend waren 320 – 370 Endgeräte im Stream zugeschaltet und bis 2 Tage nach dem Konzert, gab es etwa 3500 Aufrufe. Die Kommentare zu dem Livestream waren dabei durchweg positiv, sodass der große Aufwand als gerechtfertigt bezeichnet werden kann.

Auch für die Musiker war dieser Abend unter den beschriebenen Möglichkeiten etwas Besonderes. Nach Monaten endlich mal wieder ein Liveauftritt. Vor dem Konzert ergab sich die Möglichkeit, mit Martin Engelien über den Abend zu sprechen. Er beschrieb, dass er noch gar nicht richtig einordnen kann, was ihn auf der Bühne erwartet.

In seiner langjährigen Karriere hatte er schon viele Auftritte, welche im Fernsehen mit ähnlichen technischen Möglichkeiten auch live übertragen worden sind. Aber dort war dann doch in der Sendung Publikum, von dem eine Resonanz ausging.

Nach dem Konzert beschrieb er, dass es nicht gestört habe, ohne Publikum zu spielen, da er wusste, dass viele Fans am Bildschirm zuschauen. Zudem kam von den wenigen arbeitenden Anwesenden doch augenscheinlich rüber, dass es gefiel.

Nach dem Konzert sah er die ganzen positiven Kommentare, was ihn insbesondere auch für den Veranstalter als Lohn für die Mühe freute. Bemerkenswert für ihn war auch, dass er es bei Liveauftritten, damals noch zu Klaus Lage-Zeiten, selbst in der Hitparade, nicht erlebt hatte, dass ein solcher technischer Aufwand betrieben wurde.

Charly T., der schon für Marius Müller Westenhagen und Gianna Nannini die Drumsticks schwang, resümierte nach dem Konzert, dass das Ganze zum Teil schon ein wenig bizarr anmutete. Ein Drumsolo und keine Resonanz, wie kommt das Konzert beim Betrachter an?

Das war etwas anderes als ein Videoclip, um einen Song zu promoten, es war ein ganzes Konzert ohne anwesendes Publikum. Svenja Schmidt empfand den Abend als ein ganz tolles Erlebnis, was mit Sicherheit auch an der gebotenen Technik lag.

Ward Palmen von der niederländischen Band Queen Must Go On versuchte über die Kamera, Kontakt mit den Zuschauern aufzunehmen, was scheinbar auch gelang, da er berichtete, während des Konzertes, Rückmeldungen aus Kommentaren im Livestream erhalten zu haben.

Als Fotograf war es auch ein gewöhnungsbedürftiges Bild, wie ein Sänger vor einer leeren Halle in eine Kamera singt, als wenn ihm die Hände der Fans entgegen gereicht werden.

Was auch gesagt werden muss, dass beide Bands sich absolut mit der besonderen Situation arrangierten und es scheinbar gelang, auszublenden, ohne Vorort-Publikum auskommen zu müssen.

Martin Engelien spielte mit seiner Go Music-Besetzung einen gewohnt starken Act, in dem teilweise sehr alte Coversongs, in ein modernes rockiges Gewand gekleidet wurden. Im Gegensatz zu Konzerten vor Publikum wurden jammende Passagen eher zurückgestellt, was mit Sicherheit eine gute Entscheidung war, da diese von der Live-Interaktion leben.

Francesco Marras, Gitarrist von Tygers of Pan Tang vermittelte den Songs eine Prise Hard Rock und Svenja Schmidt gab Klassikern wie „Nights In White Satin“ eine Note, dass man geneigt ist zu sagen, dass ein Cover sich nicht hinter dem Original zu verstecken braucht, sofern man den Song kreativ und gut  interpretiert. Martin Engelien moderierte gewohnt galant durch den Set und bildete mit Charly T. die starke Rhythmussektion.

Schön war zu hören, wie einer der Techniker dem Lichtmischer kurz sagte, dass er jetzt mal mehr pinkes Licht machen solle, um das passende Ambiente zu schaffen, in dem Francesco Marras „Comfortably Numb“ mit abschließenden Hard Rock-Solo zum Besten geben konnte.

Als zweite Band spielten die Niederländer Queen Must Go On“ ein Potpourri von Queen-Songs aus allen Schaffensphasen. Ward Palmen poste dazu in bekannter Mercury-Manier und zeigte sich auch stimmlich nahe am Original.

Neben ihm stand Gitarrist Ralph Derksen visuell im Mittelpunkt, während die Rythmusfraktion sich eher im Hintergrund hielt, was aber nicht die spielerische Leistung schmählern soll. Den Abschluss des Konzertabends machte dann, wie es sich gehört „We Are The Champions“ mit abschließenden Glitterkonfettiregen und ein durchgehend gelungener Abend hatte seinen Abschluss gefunden.

Die eigentlichen Champions des Abends waren aber die Macher, die mit ihrem Know How in der Bühnentechnik und dem Bereitstellen finanzieller Mittel, diesen Event ermöglicht haben. An diesem Abend hat die Stadt Goch mit ihrer Unterstützung gezeigt, dass nicht nur Phrasen in den jetzigen Zeiten weiterhelfen, sondern Taten, mit denen zumindest ein Zeichen für die Kultur gesetzt wird.

Es fällt schwer nach einem solchen Abend ein Fazit zu fällen. So gut der Abend arrangiert war, so toll wie alle Beteiligten, vom Lichttechniker bis zum Kameramann gearbeitet haben, hoffe ich, dass im nächsten Jahr wieder normale Konzerte mit Publikum stattfinden, dass die Besucher in den Genuss kommen, die Musik wieder live zu spüren und vor Ort erleben können.

Dies schließt dann nicht aus, dass auch Livestreams in dem hier gebotenen Format erfolgen, wobei mit Publikum in einer vollen Halle manche Techniken schwer einsetzbar sind.

Ein besonderer Dank gilt Dominick Loock, der es mir sehr kurzfristig ermöglicht hat, live vor Ort an diesem Event teilzunehmen und darüber berichten zu können.

Veranstalter und Verantwortliche:

Thorsten Matenaers von Gocher erleben
Dr. Stephan Mann von der Kulturbühne
Rüdiger Wenzel vom Gocher Stadtmarketing
Dominik Loock & Team von Magic Sound Veranstaltungstechnik
Marvin Hoffmann von Mahomedia

Bands:

Line-up Go Music:
Martin Engelien – Bass
Charly T. – Drums
Svenja Schmidt – Vocals, Piano
Francesco Marras – Guitar, Vocals

Line-up Queen Must Go On:
Ward Palmen – Vocals, Piano
Ralph Derksen – Guitar
Geert Horvers – Bass
Erwin van Welie – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Go Music – 17.10.2020, Tanzpalast Bresserberg, Kleve – Konzertbericht

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Der Herbst kommt und die Corona-Fallzahlen in der Region erreichen Werte, die dafür sorgen, dass die ohnehin dünn gesäten Konzertprogramme, noch weiter reduziert werden.

Martin Engelien ließ sich mit seinem Go Music-Projekt nicht beirren und setzte die Herbstreihe weiter fort. In den letzten Konzerten mit Vanesa Harbek, Thomas Blug und Ben Granfelt stand deren Musik mit eingestreuten Coverversionen im Mittelpunkt.

Der Abend am Bresserberg war diesmal geprägt von gecoverten Stücken. Die Besetzung an dem Abend ließ auf jedem Fall ein abwechslungsreiches Konzert erwarten. Mit Martin Engelien am Bass und Charly T. an den Drums stand eine hochkarätige, routinierte Rhythmusfraktion auf der Bühne. Den Mittelpunkt bildeten diesmal Svenja Schmidt am Piano und Gesang sowie Francesco Marras an der Gitarre und den Leadvocals.

Dabei trafen Soul, Blues und Hardrock aufeinander. Schmidt begeisterte mit einer klaren kraftvollen Stimme, versiertem Pianospiel und gab ‚ihren‘ Songs, ein ganz besonderes souliges Flair. „Dancin‘ In The Street“ und „Family Affair“ hätten die Besucher bestimmt von den Barhockern um die Stehtische gerissen, wenn Engelien nicht nochmals auf die bestehenden Regeln hingewiesen hätte, dass nur ein Tanz im Sitzen erlaubt ist.

Marras steuerte dann unter anderem mit „Fly Away“ im ersten Set die rockigen Töne bei, welchen er mit dem Pink Floyd Klassiker „Comfortably Numb“ abschloss, den er mit seinem Gitarrenspiel als eine rockige Version hinlegte. Überhaupt muss gesagt werden, dass es dem Quartett gelang, die Tracks nicht einfach nachzuspielen, sondern immer wieder eigene Akzente mit sessionartigen Elementen einzuflechten.

Diese Einlagen, in denen auch Engelien am Bass und Charly T. an den Drums mit Soloeinlagen die Besucher zu Standing Ovation hinriss, zeigten nachhaltig die spielerische Qualität der Musiker.

Im zweiten Set jagte ein Highlight das andere. Marras begeisterte mit dem Bon Jovi-Klassiker „Dead Or Alive“ (Schmidt hier mit tollen Pianoeinlagen), einer Hardockversion von „Locomotive Breathe“ und dem verträumten „Breathe“, wobei er den Song rockiger interpretierte als z.B. Ben Granfelt.

Zwischen den Songs wies Engelien darauf hin, dass Marras nicht nur bei der britischen Hardrockcombo Tygers Of Pan Tang angeheuert hat, sondern im Frühjahr auch ein Soloalbum veröffentlicht, für welches es die Bässe in seinem Tonstudio eingespielt hat.

Der Höhepunkt des Konzerts war für mich aber der Moody Blues-Evergreen „Nights In White Satin“, dem zunächst Schmidt mit ihrer Soulröhre den Stempel aufdrückte und dem Song eine nicht bekannte Dynamik verlieh. Marras hielt sich mit dem Gitarrenspiel zunächst dezent zurück, um aber ab der Hälfte des Stückes richtig Gas zu geben und ein furioses Solo beizusteuern.  Svenja Schmidt sang dabei locker gegen das Klanggewitter der drei Mitstreiter an.

Als Zugabe zeigte die Band, dass man aus „One Love“ von U2 etwas ganz besonderes machen kann, wenn eine Soulstimme auf eine Hardrock Gitarre trifft und diese von einer klasse Rhythmusfraktion begleitet wird.

Dieser schöne Konzertabend hatte aber auch traurige Momente. Vor „Nights In White Satin“ bezog Engelien noch einmal Stellung zu den Corona-Konzepten der Clubs und malte ein düsteres Bild für den Herbst, dass mit steigenden Erkrankungszahlen, die genehmigten Besucherzahlen immer weiter reduziert werden könnten, sodass es fast sinnlos sei, Konzerte zu veranstalten.

Solange hofft er aber, dass die Musikfans weiter Clubs und Musiker unter den bestehenden Regeln supporten, sodass es im nächsten Jahr hoffentlich wieder Richtung Normalität geht.

Ein Dank an das nette Team vom Bresserberg, auch für die leckere Suppe und die Musiker für den netten Smalltalk vor dem Konzert, in der Hoffnung, dass es in den kommenden Wochen nicht zu einem totalen Lockdown für die Konzertszene kommt.

Line-up:
Francesco Marras (lead vocals, electric guitars)
Svenja Schmidt (lead vocals, keys)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Tanzpalast Bresserberg Kleve

Go Music – 10.10.2020, Jazzkeller, Krefeld – Konzertbericht

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Das ausgefallene Konzert

Eigentlich wollte ich am 10.10. den Gig der Rumrods im Biergarten der Kantine in Köln besuchen. Es sollte das letzte diesjährige Konzert in der Reihe der Biergartenkonzerte sein. Dann kam aber leider am Vormittag die Information, dass das Konzert abgesagt sei.

Neben den in Köln stark ansteigenden Fällen von Coronainfizierten, was eventuell auch einen Einfluss auf die Hygienekonzepte hatte, gab es die Wettervorhersage, die starken Regen hervorsagte und die Durchführung auch im Hintergrund der nun herbstlichen Temperaturen fast unmöglich gemacht hätte. Es zeigt das nächste Problem der Veranstalter auf und ist unbeeinflussbar.

Der Herbst und Winter kommt, und die Openair-Saison, die mit guten Konzepten und entsprechenden lokalen Gegebenheiten einiges noch realisierte, geht nun dem Ende entgegen. Was Indoor noch möglich ist, hängt dann von Erlassen, bei zu erwartenden steigenden Fallzahlen und von Konzepten ab und wie diese von den Behörden anerkannt werden. Ob die dann gestattete Besucherzahlen überhaupt den Aufwand finanzieren, bleibt allerdings abzuwarten.

Fast parallel zur Absage von Köln erreichte mich ein Post des Jazzkellers Krefeld, dass die geplante Veranstaltung von Go Music wegen der hervorgesagten Regenfälle kurzfristig von 20:00 Uhr auf 18:00 Uhr vorverlegt wurde. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich anzufragen, ob noch Plätze frei sind und fuhr, um Veranstalter zu unterstützen, nach Krefeld. Nicht um ein Konzertbericht zu schreiben, der steht schon für eine Veranstaltung aus dem GREND in der letzten Woche im Magazin, sondern einfach um Live-Musik zu hören.

Überraschend viele Gäste füllten trotz der kurzfristigen Vorverlegung des Konzertes den Openair-Bereich in der Fußgängerzone unmittelbar vor dem Jazzkeller. Trotz kälterer Temperaturen und mehrfach einsetzenden Nieselregens, verweilten die Fans gut gelaunt bis zum Ende des Konzertes, um dann im Starkregen den Heimweg anzutreten.

Ich bin gespannt, wie der Jazzkeller sein Programm weiter durchzieht, da in den nächsten Tagen berichtet werden soll, wie das Konzept aussehen soll, in den Herbst- und Wintermonaten weitere Konzerte durchzuführen. Es ist auf jeden Fall ausgeschlossen, dass diese in den Gewölben des Jazzkellers stattfinden, wo maximal 20 Besucher Zutritt hätten.

Schon heute war es für die Musiker auf der, dem Wind ausgesetzten Bühne ziemlich frisch. Dazu zwei Sprüche von Granfelt: „Ich freue mich schon auf die finnische Sauna“ und zum Ende bei der Verabschiedung, wo er von einem Auftritt Engeliens und den zwei Hoodies sprach, wobei er selbst und Charly T. sich die Kapuzen der Hoodies unter den Jacken hochgezogen hatten.

Schaut mal auf der Seite des Jazzkellers in den nächsten Tagen/Wochen nach, was für Veranstaltungen angeboten werden, wie der dazu gehörige Rahmen aussieht und unterstützt weiter Konzerte von Veranstaltern, die mit entsprechenden Konzepten versuchen, Livemusik in das nächste Jahr retten, sodass wenigstens die wenigen zugelassenen Plätze in den Clubs halbwegs gefüllt sind.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Ben Granfelt
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Jazzkeller, Krefeld

Go Music – 03.10.2020, GREND Kulturzentrum, Essen – Konzertbericht

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Ausverkauftes Haus beim ersten Indoor-Konzert im Kulturzentrum GREND seit dem Frühjahr. Immerhin durften 47 Musikfans auf festgelegten Sitzplätzen der Veranstaltung beiwohnen, wo bestuhlt, bis zu 80 Besucher möglich wären.

Mit dem nötigen Humor begrüßte Martin Engelien die Zuschauer dann auch zu dem, was heute ausverkauft heißt. Im Gegensatz zu den meisten Go Music-Konzerten, bei denen meist im Quartett gespielt wird, trat man diesmal im (Power-) Trio an. Neben dem finnischen Saitenhexer Ben Granfelt hatte Engelien am Bass, Charly T. an den Drums an Bord. Dieser gilt als einer der besten Drummer Deutschlands, was er unter anderem auch bei Marius Müller Westernhagen oder den Lords unter Beweis stellte.

Wie für Go Music-Konzerte üblich, startete das Konzert mit dem Instrumental „One Earth“, in dem jeder der Musiker schon mit Soloeinlagen Glanzlichter setzte. Danach standen aber Songs von Ben Granfelt im Mittelpunkt und es wurden einige Coversongs mit spezieller Note eingestreut.

Nach den beiden älteren Stücken „Bright Lights And Dreams“ und „Cant Wait Another Day“ machte Engelien Werbung für das gerade erschienene Granfelt-Album „True Colours“ und mit „Hey Stranger“ folgte passenderwiese die aktuelle ausgekoppelte Single mit jammenden Zwischenteil, in dem Charly T. mit einem furiosen Drumsolo begeistern konnte, während Engelien dabei das Publikum immer wieder anstachelte, ihn anzufeuern. Zum Ende sagte Ben Granfelt noch einmal, dass der Song natürlich auf dem neuen Album ist und legte mit einem Augenzwinkern nach, dort aber leider ohne das Drumsolo.

Zum folgenden „Faith, Hope And Love“ plauderte Ben kurz über seine Zeit bei Wishbone Ash, und wie das Stück den Weg auf ein Album der Band gefunden hatte und fester Bestandteil ihrer Setlisten wurde. Auch dieser Klassiker wurde mit einer ganz eigenen Note gespielt, in dem Engelien dann sein, wenn man Granfelts Worten Glauben schenkt, sein etwa 3867tes Bass-Solo gespielt hat. Beeindruckend war, wie sich Granfelt an der Gitarre und Engelien am Bass regelrecht die Bälle zuspielten und sich zuweilen in einen Rausch zu spielen schienen.

Nach einer kurzen Pause die zum Lüften des Raumes und den Verkauf von LPs/CDs genutzt wurde, betraten die drei wieder die Bühne, und Granfelt gab einiges zur Entstehung der neuen Platte preis, zum Beispiel, dass er drei Instrumentalsongs auch auf den Wunsch von Fans aufnahm und sogar froh darüber war. Nach einem Konzert in Schweden, er nannte es den Coronahotspot der Welt, merkte er, dass bei ihm etwas nicht stimmt und er danach richtig krank wurde.

Das ging so weit, dass es länger dauerte, bis seine Stimme wieder funktionierte. Da kam ihm die Aufnahme der Instrumentalsongs natürlich entgegen, von denen dann „Oriental Express“, ein psychedelisch angehauchter Track folgte.

Mit „Chevrolet“ dem Robben Ford-Klassiker, geschrieben von Memphis Minnie, Ed & Lonnie Young, wurde es wieder rockig, und das stilistisch an die guten alten Dire Straits-Zeiten erinnernde „My Soul To You“ zeigte einmal mehr die spielerischen Qualitäten des Finnen.

Dass Granfelt und seine Mitstreiter nicht nur Rockmusik können, bewies das Trio bei Robert Palmers „Bad Case Of Loving You“, der kurzerhand als Reggae-Version vorgetragen wurde. Schön war hier auch der passende Groove durch die Rythmusfraktion Charly T. und Martin Engelien, die dabei bewiesen, dass sie auch die langsamen Tonfolgen beherrschen.

„Breathe“ leitete er mit „Endless“, einer Homage an Jeff Beck, ein,  welcher ihn in seinem Gitarrenspiel inspiriert hatte ein. Vor dem Stück gab er schmunzelnd den Tipp, nicht mehr zu atmen, da man so kein Corona bekommen könne. Der Nachteil ist allerdings, dass man dies mit dem Leben bezahlen müsse. Dass Granfelt an dem Abend aber gut bei Atem war, bewies er durch den durchweg klaren Gesang, der auch passend abgestimmt war. Überhaupt muss gesagt werden, dass der Sound an dem Abend sehr gut ausgesteuert war, wodurch jedes Instrument differenziert zur Geltung kam.

Als letztes Lied des zweiten Sets folgte der JJ Cale-Evergreen „Cocaine“, dessen Ruhm durch Eric Clapton noch gesteigert wurde. Jetzt könnte natürlich gefragt werden, ob es sein müsse, solch einen Song zu covern, an dem sich viele eventuell totgehört haben. Ich habe „Cocaine“, eingeleitet mit einem Intro, welches auch von Stevie Ray Vaughan hätte sein können, selten so energiegeladen und dynamisch gehört. Es war in dem Fall nicht das Cover von Slowhand sondern von Fasthand!

Danach verließ die Band kurz den Saal, um nach lautstarken Zugabeforderungen noch einmal die Bühne zu betreten. Es folgte der für Granfelt-Konzerte obligatorische Rausschmeißer „Going Home“, einer der vielen Highlights eines tollen Konzertabends, der die Besucher zufrieden nach Hause gehen ließ.
Ein besonderer Dank geht an die Macher des GREND, die alles für einen gelungenen Konzertabend bereitet haben, aber auch an Martin Engelien, der mit seinem Projekt Go Music Corona trotzt und immer wieder Musiker zusammentrommelt, die dafür sorgen, dass Livemusik weiter präsent ist.

Interessant war dabei die Aussage von Charly T. in einem Gespräch nach dem Konzert, dass er die Songs von Granfelt erst zwei Tage vor der Show kennenlernte, was bei dem Konzert nicht erkennbar war und man eher das Gefühl hatte, da spielen drei zusammen, die sich schon länger kennen. Besonders hervorzuheben ist, dass Ben Granfelt sich auf die Minitour eingelassen hat, mit dem Wissen bei der Rückkehr nach Finnland erst mal in Quarantäne zu gehen. Wie sagt man so schön, das ist Rock’n’Roll.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Martin Engelien
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Ben Granfelt
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GREND Kulturzentrum, Essen

Vanesa Harbek II – 26.09.2020, Tanzpalast Besserberg, Kleve – Konzertbericht

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Die Ansage von Martin Engelien vor dem letzten Song des Konzertes im Klever Tanzpalast Besserberg hatte eine große Aussagekraft über das Konzert, aber auch um das ganze Geschehen in der Kulturlandschaft in Corona-Zeiten.

Zunächst bedankte er sich, wie zuvor schon die Protagonistin Vanesa Harbek bei den Besuchern, die trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der Pandemiebedingungen, den Weg in die bestens hergerichtete Location gefunden hatten.

Er appellierte an die Besucher, denen, die aus oft nachvollziehbaren Gründen, Veranstaltungen meiden, zu berichten, was alles getan wird, um mit möglichst großer Sicherheit und einem Konzept, das von den Gesundheitsämtern individuell geprüft wird, Konzerte, wenn auch im kleineren Rahmen, durchzuführen. Nur durch Konzertbesuche, werden die Locations und auch die Künstler zumindest teilweise finanziert, sodass am Ende des Jahres für manche Clubs nicht ganz die Lichter ausgehen und totale Funkstille einkehrt.

Leider waren auch an diesem Abend in Kleve, wo mit Abständen von über zwei Metern zwischen den Tischen, alles für eine bestmögliche Sicherheit gesorgt wurde, viele Plätze freigeblieben. Die Anwesenden mit viel Applaus und nicht zuletzt die Band, waren aber Garant dafür dafür, dass es im Tanzpalast Besserberg an diesem Abend recht laut war.

Im nach dieser Ansage folgenden Cover des Santana-Klassikers „Oye Como Va“ zeigten die Musiker nochmals nachhaltig, was in ihnen steckte. Die Harbek, stimmlich bestens aufgelegt, wurde im Backgroundgesang von Engelien unterstützt. Sie ließ ihre spielerischen Qualitäten in mehreren eingestreuten, zum Teil ausufernden Soli, aufflammen. Engelien nutzte den Tieftöner nicht nur zur Rhythmusgrundlage, sondern auch als Solo-Instrument

Last but not least zeigte Berni Bovens an den Drums, dass er ein Meister seines Rhythmusfachs ist und scheinbar tiefenentspannt, ohne großen Schnickschnack, mit Drumsoli ohne Highspeed und Krawall auch begeistern kann. Im Solo des letzten Songs bediente er die Drums so behutsam, dass man fast eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Vom Einstieg des Trios mit dem Freddie King-Instrumental „Hideaway“ über eine Mischung aus Harbeks eigenen Songs sowie einigen gelungenen Coverstücken, wussten im zweiten Set besonders die Bluesversion von „Black Magic Woman“ und eine sehr rockige Variante von „Going Down“ zu überzeugen.

In den Eigenkreationen offerierte Vanesa, dass sie nicht nur eine exzellente Gitarristin ist, sondern auch das Songwriting versteht. Dabei präsentierte die Argentinierin, die seit etwa einem Jahr in Berlin lebt, Stücke in Ihrer Muttersprache Spanisch, wie auch in Englisch. Die meisten Ansagen machte sie allerdings in gut verständlichem Deutsch, zuweilen wurde sie dabei von Martin Engelien assistiert. Für mich herausragend waren dabei der „Vanesa Tango“, wo ihre musikalischen Wurzeln erkennbar waren und „Hell In Paradise“, wo sie eine ehemalige Beziehung beschrieb, in der selbst in der schönsten Umgebung, das Leben zur Hölle werden.

Die etwas über zwei Stunden Musik vergingen wie im Fluge und die Fans, die erschienen waren, hatten an diesem Abend alles richtig gemacht. Schön wäre es, wenn das nächste Mal die Resonanz wieder so wäre, wie die Klasse der Musiker es verdient gehabt hätte. Dann wird Harbek vermutlich ein neues Album im Gepäck haben, auf das man bei dem im Tanzpalast Besserberg gebotenen Leistungen gespannt sein darf.

Ein Besonderer Dank geht auch an das Team vom Tanzpalast, welches sich freundlich um die Gäste kümmerte und auch mehr Besuch verdient gehabt hätte. Vielsagend in dieser Hinsicht auch die Ansage von Engelien vor der Pause, wo er darum warb, diese nicht nur für einen Besuch am Merchstand zu nutzen, sondern auch den Laden mit einem eventuell zusätzlichen bestellten Getränk zu unterstützen.

Line-up:
Vanesa Harbek II (lead vocals, electric guitar)
Martin Englien (bass, vocals)
Berni Bovens (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanesa Harbek
Vanesa Harbek bei Facebook
Tanzpalast Bresserberg Kleve

12-4-2 – 10.09.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Endlich wieder mal ein Gig für mich im Schwarzen Adler nach dem Lockdown! Ernst Barten und sein Team hatten alles Erdenkliche und Vorgeschriebene bewältigt, um die Kultlocation in Rheinberg-Vierbaum in der Corona-Zeit auch rockmusikalisch wieder in Gang zu bringen.

Mit dem Projekt 12-4-2 (12 Guitar Strings – 4 Bass Strings – 2 Drum Sticks), alias Ben Granfelt (Lenningrad Cowboys, Wishbone Ash, Guitar Slingers), Stratocaster-Ass Thomas Blug, Martin Engelien (Klaus Lage Band, Go Music) und Berni Bovens hatte er auf hochkarätige Musiker gesetzt.

Angesichts der tollen Besetzung war es nicht zu verstehen, dass sich gerade mal zwischen 30-40 Zuschauer an dem für 90 Leute ausgelegten Abend eingefunden hatten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Ernst Barten vor Beginn des Gigs. Viele der üblichen Stammgäste waren vermutlich immer noch wegen des vermeintlichen Ansteckungsrisikos und einer gewissen Verunsicherung auf der heimischen Couch verharrt.

Die anwesenden Leute sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Profis wie Granfelt, Blug, Engelien und Bovens zeigten sich von der spärlichen Kulisse unbeeindruckt und performten, als wenn sie vor ausverkaufter Hütte spielen würden.

Während sich Blug und Bovens ganz auf ihr exzellentes spielerisches Können konzentrierten, führten die beiden charismatischen Persönlichkeiten Granfelt und Engelien mit Ansagen durch den Abend, wobei Engelien sich einige Male zur schwierigen kulturellen Situation ausließ, sich für das Vertrauen der Betreiber und Besucher bedankte, aber auch seine Freude zum Ausdruck brachte, dass endlich wieder erste Schritte gemacht werden, um die Szene langsam wieder in Gang zu bringen. Er appellierte angesichts der bevorstehenden kühleren Zeiten, Vertrauen in die Behörden und Clubs zu leisten, die alles dafür tun, um ein Ansteckungsrisiko nahezu gen Null zu minimieren.

Das Quartett begab sich dann samt diverser Instrumentalnummern (u. a. „One Earth“ aus Engeliens Corona-Hilfe-Album), einiger Cover-Stücke („Baker Street“, Breathe“) und Liedern aus Granfelts („My Soul To You“, „Melodic Relief“, „Faith, Hope & Love“, Wayward Child“, „Almighty Blues“, „Going Home“) und Blugs („My House Is Green“, „I Won’t Forget“, „The Witching Hour“) Solo-Fundi auf einen Streifzug durch die Rockmusik und umriss dabei fast alle Facetten von Blues-, klassischen, Prog-, Southern- bis hin zu Melodic Rock-Anleihen.

Hier standen natürlich die filigranen E-Gitarren-Künste der beiden Hexer Granfelt (Les Paul und Stratocaster) und Blug (Stratocaster) im Vordergrund, die unzählige quirlige Soli abließen, sich duellierten, aber sich dann auch durchgehend in der hohen Kunst des sich ‚blind‘ verstehenden Twinspiels zusammenfanden.

Engelien beweis mit seinem energiegeladenen, treibenden und anpassungsfähigen Pumpspiel und diverser Solo-Grooves, dass er noch lange nicht zum alten Eisen der Tieftöner-Szene zählt, und gab phasenweise auch den gut gelaunten Moderator zwischen Granfelt und Blug. Den Schmunzler des Abends hatte jedoch Drummer Berni Bovens auf seiner Seite, als er ein eher bedächtig-langsames, im Jazz verankertes Drum-Solo servierte und dann gegen Ende auf die Uhr schaute, nach dem Motto „ich bin jetzt fertig, wann steigt ihr endlich wieder ein, Jungs?“.

Mit dem schon vom Titel her prädestinierten Granfelt-Rausschmeißer „Going Home“ als Zugabe beendete der Vierer unter tosendem Applaus des Publikums zwei fulminante Stunden, bei denen absolute Spielfreude und filigranes Können im Vordergrund des Geschehens standen.

Trotz aller verständlicher Enttäuschung war Ernst Barten angesichts der tollen Vorstellung zum Schluss aber doch sichtlich erleichtert, endlich wieder echtes ‚Rockmusikleben‘ in den Adler gebracht zu haben. Man kann nur wünschen, dass er zum anstehenden Ana Popovic-Gig am 15. und 16. Oktober – Corona hin oder her – wieder mit der verdienten Resonanz belohnt wird.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Berni Bovens (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Gil Edwards – Celebrate – CD-Review

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Review: Michael Segets

Gil Edwards feiert sein fünfzigjähriges Jubiläum als Musiker mit der passend betitelten CD „Celebrate“, die Live-Aufnahmen von Konzerten in Deutschland versammelt. Als Krefelder freut es mich, dass vier der neun Tracks im heimischen „Jazzkeller“ mitgeschnitten wurden. Da das Publikum kaum wahrnehmbar ist, handelt es sich bei der Scheibe allerdings nicht um ein Live-Album im üblichen Sinne. Die von Martin Engelien übernommene Produktion fängt den rauen Charme von Gil Edwards Stimme ein.

Die Einschätzung der Platte fällt zwiespältig aus und lässt sich an der Gegenüberstellung von Eigenkompositionen und Covern festmachen. Die fünf Eigenkompositionen überzeugen weitaus mehr als die Interpretation der „Klassiker“.

Das von Edwards geschriebene „Hey, Hey, Hey“ verfügt – wie der Titel bereits vermuten lässt – über einen sehr eingängigen Refrain, den auch „Don’t Wanna Hear About It“ vorzuweisen hat. Die beiden locker drauflos rockenden Stücke machen richtig Spaß und bringen bei Live-Shows das Publikum bestimmt in Wallung. Wie ein alter Bekannter wirkt das emotional bewegende „Lying“. Edwards, der seinen Musikstil auch als Roadhouse bezeichnet, zeigt bei „Turn My Head Around“ seine Affinität zum Blues Rock. Der Blues infiltriert auch „Wishing Well“. Die selbst geschriebenen Titel strotzen zwar nicht vor Originalität, aber sind doch sehr gelungene Genrebeiträge.

Backgroundsängerin Angie Damschen verfügt über eine unglaubliche Stimme und peppt mit ihren Einlagen viele Stücke ungemein auf. Elektrische Gitarrensoli sind fester Bestandteil aller Eigenkompositionen. Edwards überlässt diese Joerg Dudys und Dennis Hormes, die gute Arbeit abliefern.

Ausgeprägte Gitarrenpassagen prägen ebenfalls die vier Coverversionen. So kommen die beiden Stücke von den Rolling Stones jeweils fast an die acht Minuten. Bei „Wild Horses“ – einem meiner Favoriten aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards – will das Gefühl der Ballade nicht richtig überspringen. Aber das mag jeder anders empfinden. In „Paint It Black“ sticht die Percussion von Pitti Hecht heraus. Insgesamt ist die Version sehr verspielt und verliert dadurch etwas an Drive.

Das in meiner Jugendzeit von Kim Wilde performte – vorher von The Supremes und später von Vanilla Fudge aufgenommene – „You Keep Me Hangin´ On“ hat mich nie begeistert. Die Version von Gil Edwards, bei der mich auch der Gesang nicht durchgängig anspricht, ändert daran nichts. Die unaufgeregte Interpretation von Bob Dylans „My Back Pages“ ist das gelungenste Cover und bildet einen schönen Abschluss der CD.

Die Cover funktionieren im Konzertsaal bestimmt, aber ich hätte mir für den Longplayer mehr von Gil Edwards Kompositionen gewünscht. Er schreibt gute Lieder und vielleicht wäre es eine Idee gewesen, bei „Celebration“ auf Songs seiner beiden Alben „Can’t Give Up“ (1999) und „Mayday Situation“ (2004) zurückzugreifen, statt die anderer Künstler aufzunehmen.

A 1 Records/SPV (2017)
Stil: Rock/Roadhouse

01. Hey, Hey, Hey
02. Lying
03. You Keep Me Hangin‘ On
04. Don’t Wanna Hear About It
05. Paint It Black
06. Turn My Head Around
07. Wild Horses
08. Wishing Well
09. My Back Pages

Gil Edwards
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