Music & Stories – 29.01.2020 – Dortmund, Warsteiner Music Hall – Festivalbericht

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Der Konzertreihe Music & Stories konnte nichts besseres passieren, dass drei britische Hochkaräter der Rockmusik gleichzeitig ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiern. Was lag da näher als Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep gemeinsam zu einem Konzertabend auf die Bühne zu bitten.

In der Dortmunder Warsteiner Music Hall fand diese Reihe mit dem 14. Konzertabend nun ihren Abschluss. Gespannt waren viele auf das Konzept, Livemusik mit Talkelementen zu verknüpfen. Als Moderator führte Andy Scott, bekannt als Gitarrist der legendären Sweet durch den Abend. So standen jeweils zwischen den 60-minütigen Sets (Uriah Heep spielte etwa 80 Minuten), Musiker der Bands auf der Bühne zu einer Gesprächsrunde zur Verfügung.

Dies hatte den Effekt, dass die ohnehin recht kurz gestalteten Umbaupausen, den Besuchern noch einmal durch Anekdoten aus 50 Jahren Musikhistorie, verkürzt wurden, wobei sich Scott als charmanter „Gastgeber“ zeigte und die Musiker mit Humor auf die Vergangenheit zurückblickten. Neben lustigen Sachen, wie ein Sturm von Frisbeescheiben auf die Bühne während eines Gigs, kamen aber auch nachdenkliche Geschichten zum Vorschein.

Genannt sei nur, als Andy Powell anmerkte, dass er auf einer Tour mit Nazareth mal festgestellt hatte, dass Schotten doch die trinkfestesten Briten wären und dabei den Nazareth Basser Pete Agnew ansprach, dieser aber darauf konterte, dass er vor Jahren vor der Entscheidung Trinken oder Leben stand, und seitdem dem Alkohol abgesagt hätte.

Als besonderen Service hatte der Veranstalter eine App zur Verfügung gestellt, in der die Gespräche direkt simultan übersetzt wurden. Dies war für viele jedoch nicht notwendig, da sich die britischen Musiker Mühe gaben, langsam und auch in einem sehr verständlichen Englisch zu sprechen, dass man dem Inhalt gut folgen konnte.

Das Wichtigste für die Besucher waren aber vermutlich die drei Konzerte, wobei Wisbone Ash sehr pünktlich um 19:00 Uhr den Anfang machte, sodass die sehr gut organisierte Veranstaltung an einem Mittwoch Abend bis 23:00 Uhr durchgeführt werden konnte.

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Wishbone Ash legten direkt mit „The King Will Come“, „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ los und offerierten, was perfekte Twin-Guitars-Musik ist. Powell und Abrahams lieferten sich Sologefechte, die in sich stimmig und absolut harmonisch waren. Mit diesen drei Klassikern hatten sie direkt den Zugang zum Publikum gefunden und und es folgten weitere 45 Minuten der hohen Gitarrenspielkunst.

Doch auch Joe Crabtree an den Drums und Bob Skeat hatten genug Gelegenheit sich als exzellente Musiker zu präsentieren. Die Spielfreude der Briten war für jeden auch an der Mimik der bestens gelaunten Musiker ersichtlich.

Mit „We Stand As One“ folgte auch ein ganz neuer Song, wodurch auch noch einmal verdeutlicht wurde, dass Wishbone Ash eine Band ist, die sich nicht nur auf alten Werken ausruht. Dies traf aber auch für die beiden anderen Acts des Abends zu.

Mit „Jail Bait“, „Phoenix“ und “Blowin‘ Free“ als Zugabe folgten noch drei weitere Klassiker und 60 Minuten waren wie im Fluge vergangen. Herausragend war natürlich „Phoenix“ mit psychedelischen Soloparts und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Powell fragte, ob es denn auch Besucher gäbe, die das Musiktheater Piano kennen, wo die Band die letzten Jahre immer im Januar auftrat und ihm diese Shows in absolut angenehmer Erinnerung geblieben sind.

Direkt nach dem Gig stand die gesamte Band den Besuchern am Merchandising-Stand zur Verfügung, was noch einmal die Publikumsnähe der Mannen um Powell verdeutlichte, mit der sie sich bestimmtt neue Freunde geschaffen haben.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell – guitar, vocals
Marc Abrahams – gutar
Bob Skeat – Bass, background vocals
Joe Crabtree – Drums

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Mit Nazareth wurde es dann eine Spur härter. Das hart rockende „Miss Misery“ und der folgende Kracher „Razamanaz“ brachten das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.

Zum Abkühlen ließen die Schotten eine schöne Version des Joni Mitchel-Covers „This Flight Tonight“ und mit „Dream On“ eine ihrer Parade-Balladen folgen. Carl Sentance, der seit einigen Jahren den Leadgesang inne hat, überzeugte dabei mit einer starken Bühnenpräsenz und war stimmlich absolut auf der Höhe.

Jimmy Murrison, wie immer seine Gitarre ohne Plektron bearbeitend, bewies, dass er spielerisch die Bandbreite von Schmusesongs bis zum Heavy Metal abbilden kann. Father and Son, Pete Agnew am Bass und Lee Agnew am Schlagzeug zeigten, dass Familie auch auf der Bühne gut funktionieren kann. Pete, immer mit einem Lächeln oder schelmischen Grinsen, machte klar, dass er auch mit 73 Jahren, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ins 51. Jahr der Bandgeschichte zu gehen gedenkt.

Danach wurde es wieder eine Spur härter und die Band mischte unter ältere Songs wie dem Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ und „Hair Of The Dog“ mit „Change“, „Changin‘ Times“ und „Tattoed On My Brain“ drei Stücke vom aktuellen Album, die von den Fans auch sehr gut angenommen wurden.

Der Abschluss der Show wurde mit dem bekanntesten Stück von Nazareth, der Everly Brothers-Adaption „Love Hurts“ eingeläutet, wo Sentance mit schmachtenden Gesang für den einen oder anderen melancholischen Moment bei den Besuchern gesorgt haben dürfte. Mit dem Bonnie Dobson-Stück „Morning Dew“ aus der Anfangszeit von Nazareth wurde das Konzert beendet.

Beeindruckend hier der instrumentelle Einstieg in den Song, wo insbesondere Pete Agnew am Bass mit einem donnernden Lauf überzeugte, bis Murrison mit der Gitarre in diesen psychedelischen Song einstieg und Sentance erst nach einigen Minuten gesanglich hinzu stieß.

Nazareth gehören noch lange nicht zum alten Eisen und haben durch die später hinzugekommenen Musiker, immer wieder frischen Wind in die Band bekommen. Nach dem Konzert stand dann Carl Sentance am Mercendisestand für die Fans bereit, Pete hatte keine Zeit, da er für die anschließende Talkrunde bereitstehen musste.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals
Jimmy Murrison -guitars
Pete Agnew – Bass vocals
Lee Agnew – drums

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Nachdem die letzte Gesprächsrunde beendet war, verdunkelte sich die Halle zunächst und in einem folgenden Lichtgewitter begannen die britischen Hardrockveteranen von Uriah Heep mit „Grazed By Heaven“ ihre Show.

Sänger Bernie Shaw überzeugte direkt durch eine entsprechende Hardrockpräsenz mit einigen Posen und perfformte die Songs auch stimmlich gewohnt sicher. Mick Box das verbliebene Gründungsmitglied, das die Band über die Jahre auch zusammengehalten hat, steuerte zu jedem Stück starke Soli bei, wobei er zuweilen so tat, als würde er seine Griffhand wie bei einer Marionette mit der linken Hand steuern.

Mit „Too Scared To Run“, „Take Away My Soul“ ging es hard bis haevy weiter. Drummer Russell Gilbrook schien sich zuweilen die Seele aus dem Leib zu trommeln, Davey Rimmer am Bass posierte über die Bühne und hatte als besonderen visuellen Effekt, zuweilen den Lauf des Basses blau beleuchtet. Phil Lanzon an den Keyboards gab den Stücken die gewohnte Uriah Heep-Fülle.

Das etwas langsamere, aber dennoch hart performte „Rainbow Demon“ wurde mit einem starken Keyboard-Intro durch Lanzon eingeläutet, bis die restliche Band einstieg. Der folgende Klassiker „Gypsy“ brachte die Fans zum Toben und beim anschließenden „Look At Yourself“, bei dem auch die Bandmitglieder vorgestellt wurden, gab es einem furiosen instrumentalen Schlussteil.

Danach folgte einer der absoluten Höhepunkte der Uriah Heep -how. Shaw kündigte einen Song mit langen Intro und langen Outro an. Lanzon stieg zunächst mit der Orgel ein und die Band legte eine sphärische Version der Hymne „July Morning“ auf die Bühne.

Beim vermutlich bekanntesten Stück von Uriah Heep, bei dem zunächst Box mit der Akustikgitarre und Shaw singend alleine auf der Bühne anwesend waren, wurde das Publikum zum Mitsingen eingeladen, dem dieses auch nachhaltig nachkam. Danach läutete der Rest der Band dann das Ende des Konzertabends ein, auf den mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“, noch zwei Zugaben folgten.

Herausragend dabei das furios gespielte „Easy Livin’“ als Rausschmeißer, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte und einen würdigen Abschluss eines 5-stündigen Konzerts inklusive Talkabend bildete.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Bernie Shaw – vocals
Mick Box – guitar, vocals
Davey Rimmer – Bass
Russell Gilbrook – drums
Phil Lanzon – Keyboards

Fazit: Mit Music & Stories hat die PACO Agency eine beeindruckende Konzertreihe durch 14 Städte promotet. Die Kombination aus Livemusik und Talkelementen kann als gelungen angesehen werden, wozu auch die authentische Art von Andy Scott beitrug, der in den Konversationen unaufdringlich und charmant so mache Geschichte aus den Musikern, bzw. alten Freunden und deren gemeinsamer Erlebnisse herauskitzelte.

Über die Qualität der Musik zu reden ist in diesem Fall nicht mehr notwendig, es muss aber erwähnt werden, dass sowohl die Ton- wie auch die Lichttechniker, ganze Arbeit geleistet haben. Auch die gesamte Crew und Security leisteten durch koordinierte Arbeit, ihren Beitrag zu einem harmonischen und absolut runden Abend, der zeigte, dass dieses Konzept auch in Zukunft präsentabel erscheint.

Ein besonderer Dank an Karina Kahl von der PACO Agency für die problemlose Akkreditierung und an Tourmanager Ingo Joa, der den Kontakt hergestellt hat.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

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Nazareth – Support: Spy # Row, 01.12.2019 , Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dass Nazareth auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch seine eingeschworene Fangemeinde hat, zeigte sich schon dadurch, dass das Musiktheater Piano wieder einmal ein ausverkauftes Haus meldete. Bemerkenswert dabei ist nicht mal, dass es die Band eigentlich ohne Unterbrechungen gibt, sondern sich das Line-up über die Jahre aus verschiedensten Gründen verändert hat.

Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Bassist Pete Agnew involviert, Gitarrist Jimmy Murrison ist immerhin schon seit 25 Jahren und Petes Sohn, Lee Agnew an den Drums, seit 20 Jahren dabei. Die für viele Fans weitreichendste Veränderung war allerdings der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty 2013. Mit Carl Sentance scheint die Band aber jetzt einen Sänger gefunden zu haben, der auch stimmlich in den Sound der Schotten passt und auch dem Songwriting der Band gut zu tun scheint.

Bevor Nazareth die Bühne betraten, überbrückten die drei jungen Frankfurter von Spy # Row mit einem erfrischenden Hardrock/Heavy Metall-Auftritt die Wartezeiten auf das Rockurgestein. In ihrem knapp 30-minütigen Auftritt konnte die Band mit einer Mischung aus Hard– und Heavy-Rock überzeugen und heimste sich auch eine Menge Applaus ein. Aus den sieben gespielten Songs ragte für mich das ruhige „Every Road Leads You Home“ heraus.

Nach einer etwa 30-minütige Umbaupause wurde es in der Halle dunkel, die Bühne war in ein von Nebel umwabbertes Blaulila getaucht und aus den Boxen erklang passend Musik aus den schottischen Highlands.

Symbolisch legte Nazareth mit „Turn On Your Receiver“ los und es begann eine Show durch 50 Jahre ihrer Musik. Erfreulich war, dass es auch einige Songs vom aktuellen Album in die Setlist geschafft haben, was beweist, dass es sich bei Nazareth um eine lebendige Band handelt, die dank Sentances frischem Songwriting, immer noch auf einem guten Weg zu sein scheint.

So folgte schon direkt danach der erste Track aus diesem Werk „Never Dance With The Devil“, in dem Sentance seine Qualitäten als Hardrocksänger offerierte.

Dass mit „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“, der Ballade „Dream On“ schon drei Klassiker in der Anfangsphase der Show gebracht wurden, zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein in die aktuelle Kompositionskraft. Nach „Love Leads To Madnness“ und „My White Bicycle“ legte das Quartett mit „Change“ noch ein aktuelles Stück nach, was auch für die Wechsel in der Bandgeschichte zu sehen ist.

Beim Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ ging dann richtig die Post ab. Harte Gitarrenriffs von Murrison in Verbindung mit der prägnanten Stimme von Sentance ließen den Song zu einem Knaller werden und mit „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ wurde entsprechend draufgesetzt. Etwas ruhiger wurde es mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Tattoed On My Brain“ und dem Welthit „Love Hurts“, der das Publikum zum Schwelgen brachte.

Dass die Agnew-Connection bislang nicht benannt wurde, hat nicht den Grund, dass sie nur Beiwerk waren, aber bei „Morning Dew“, einem Lied aus den Anfangszeiten der Band, hatten sie ihren großen Auftritt. Pete legte am Bass einen fulminanten Rhythmus vor, sein Sohn wirbelte an den Drums, Murrison ließ seine Gitarre jaulen und nach etwa 2 Minuten begab sich auch Sentance auf die Bühne, um leicht mystisch im Gesang einzusteigen.

Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen. Doch die Band hatte noch drei Zugaben im Gepäck. Dem heavy eingeläuteten und weiter hart performten „Miss Misery“ schloss sich mit „Where Are You Now“ eine der tollen Balladen der Band an, wo Sentance bewies, dass er McCafferty in der Performance in nichts nachsteht, er aber seinen eigenen Stil hat und gar nicht erst versucht, den legendären Schotten zu imitieren.

Passend zum Ende des Konzertes gab es „Go Down Fighting“. In 90 Minuten hat die Band alles auf die Bretter des Piano gebracht und die Hütte mit ihrer Spielfreude begeistert. Pete bearbeitete seinen Bass mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, Sentance gab zuweilen den Animateur, Murrisons Antlitz meist durch die blonde Mähne verborgen, ließ aber manchmal auch seine Freude erkennen und Lee beackerte heftig seine Drums. Schön war auch die Geste Murrisons, der sich zur Show ein Shirt der Vorband angezogen hatte.

Ein Dank wieder einmal an das Piano für einen tollen Konzertabend, wobei diesmal irgendein technisches Problem vor dem Auftritt von Nazareth und zwischen den Songs zu einem Rauschen aus den Boxen führte, was aber in der Kürze der Zeit so behoben werden konnte, dass es mit den Songs direkt übertüncht wurde.

Wer Nazareth in nächster Zeit noch einmal sehen will, kann das Ende Januar tun. Da treten sie mit Wishbone Ash und Uriah Heep in der Dortmunder Warsteiner Halle auf.

Line-up Spy # Row
Sam Niklas Jäger – Vocals, Bass
Tim Louis Jäger – Guitar, Vocals
Arian Gerhard – Drums, Vocals

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Nazareth – Support: Formosa – 12.04.2019, Turock, Essen – Konzertbericht

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Die schottische Hardrockband Nazareth besuchte anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens auch das nicht ausverkaufte, aber doch gut gefüllte Essener Turock. Im Gepäck hatten sie neben ihrer neuen Scheibe „Tattooed On My Brain“ auch die deutschen Hardrocker von Formosa. Die drei Lokalmatadoren heizten das Publikum gut an, erwiesen sich als gelungener Support von Nazareth und haben an dem Abend mit Sicherheit den einen oder anderen neuen Fan hinzugewonnen.

Besonders in Erinnerung blieben die drei starken Nummern „Rock`N`Roll Generation“, „Bad Boys“ und „Fuck On Your Liver“, bei denen auch das Publikum in die Refrains einbezogen wurde. Nach dem etwa 45-minütigen Auftritt und einer etwas längeren Umbaupause mit Feinjustierung des Sounds, ertönte gegen 21:30 Uhr dudelsackgeprägte Musik, die einem auch in den schottischen Highlands hätte begegnen können.

Im Dämmerlicht betraten die Musiker die Bühne und aus zunächst scheinbar planlosem Spiel, entwickelte sich der Opener „Turn On Your Receiver“. Ein passender krachender Beginn eines Konzertes, dem mit „Never Dance With The Devil“ vom aktuellen Album „Tattooed In My Brain“ folgte. Nazareth zeigten hier auch ein neues Gesicht und verließen sich nicht nur auf die alten Stücke, sondern streuten auch neues, starkes Material ein und bewiesen, dass sie eine lebendige Band sind, die sich mit den Umbesetzungen der letzten Jahre, auch weiterentwickelt hat.

Von der Ursprungsformation war nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden des Sängers Dan McCafferty (2013), dem Tod des Drummers Darrel Sweet (1999) und dem schon Jahrzehnte zurückliegenden Austritt des Gitarristen Manny Charlton (1990), nur noch der bestens gelaunte, mit dem Publikum feixende, sehr agile Pete Agnew am Bass vertreten.

Jimmy Murrison an der Gitarre kann allerdings auch schon fast als Urgestein gesehen werden, wie auch Petes Sohn Lee, der nun schon 20 Jahre die Stöcke in der Band schwingt. Klasse eingefügt hat sich Sänger Carl Sentance, der stimmlich McCafferty voll ersetzt, ohne ihn nachzuahmen. Er imitiert diesen aber nicht, sondern drückt den Songs seinen eigenen Stempel auf.

Nach den gelungenen Auftaktliedern, die für die entsprechende Stimmung sorgten, legten Nazareth erstmal einige Klassiker nach. Dem krachenden „Razamanaz“, mit stakkato-artigem Gitarrenspiel des bestens aufgelegten Murrison, dessen Gesicht meist durch die graublonde Mähne verdeckt war, folgte schon sehr früh das Joni Mitchel- Cover „This Flight Tonight“, für mich immer wieder einer der stärksten Songs, mit seinem unverwechselbaren treibenden Rhythmus.

Mit „Dreams On“, „Holiday“ und „My White Bicycle“ wurde etwas Fahrt herausgenommen. „Change“, ein neuer sehr melodischer Hardrocksong, war wieder von Sentances Stimme geprägt. Erfreulich, dass die neuen Songs vom Publikum gut angenommen wurden, und einem so eine Art Greatest Hits-Konzert, was viele der altgedienten Bands auf die Bühne bringen, so erspart blieb.

„Hearts Grown Cold“, wo Sentance nun zusätzlich eine akustische Gitarre spielte, war der atmosphärisch stärkste Song des Abends. Sentance mit eindrucksvollem Gesang, Murrison mit gefühlvollem Gitarrenspiel und die Familie Agnew mit dem dazu passenden Rhythmus zeigten, dass Nazareth auch Balladen vortrefflich live auf die Bühne zaubern können.

Mit dem krachenden „Beggars Day“, das in einem mehrminütigen, furiosen psychedelischen Instrumentalgewitter endete, riss man die Besucher abrupt aus allen Träumen. „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ hatten es ebenfalls in sich. Dass nach diesen beiden erprobten Klassikern mit „Tattooed In My Brain“ der Titelsong des aktuellen Albums folgte, mag gewagt sein, zeigt aber auch, welchen Stellenwert die neuen Tracks für die Band haben, womit scheinbar eine Art neue Epoche eingeläutet wird.

Danach war wieder Träumen angesagt, denn mit dem Everly Brothers-Cover „Love Hurts“, gab es den wohl erfolgreichsten Song von Nazareth und man konnte bei dem einen oder anderen Besucher ein rollendes Tränchen erkennen. Waren es Erinnerungen an einen Knuddel-Blues mit der Jugendliebe?

Den Abschluss bestritt dann das sphärische „Morning Dew“, bei dem Agnew am Bass glänzte, nach und nach der Rest der Band einsetzte, um zum Ende hin, in psychedelischer Manier, das Konzert zu beenden. Schön war hier, wie Agnew an den Drums, den Rhythmus von „This Flight Tonight“ in den Song zauberte.

Das nun regelrecht aufgeputschte Publikum benötigte nicht lange, um die Band wieder auf die Bühne zu schreien. Mit dem heftigen „Miss Misery“, der stark vorgetragenen Ballade „Where Are You Now“ und „Go Down Fighting“, wurden noch drei Songs nachgelegt, die man vorher nicht als Zugabe erwartet hätte, die aber ein würdiger Abschluss des Konzerts waren.

Quirlige 100 Minuten offerierten, dass man Nazareth nicht zum alten Eisen legen sollte, sondern dass sich eine alte Hardrockband, irgendwie wieder neu erfunden hat. Gut rüber kam die Freude der Band am Spiel und eine offenkundige Harmonie, wobei insbesondere der Fronter Sentance die Nähe der Saitenspieler suchte und diese beim Spiel teilweise umarmte.

Bemerkenswert war auch die Interaktion mit dem Publikum, des Öfteren war erkennbar, wie die Musiker direkt einzelnen Besuchern zuzwinkerten. Lustig war der Hinweis an einen Fan, der mit einem recht dicken Pullover und Mütze bekleidet war, dass doch schon Frühling sei. Wenn man diesen Ausspruch als Motto des Abends nimmt, kann gesagt werden, dass Nazareth, auch bedingt durch die schrittweise erfolgten Blutauffrischungen, einen zweiten Frühling erleben und bei so manchem gealterten Fan Gefühle dieser Art erweckt hatten. Ein starker Auftritt, mit einem gut gewählten Mix alter und neuer Songs, der vielleicht noch zum Besuch des einen oder anderen folgenden Konzerts animiert.

Hier in der Nähe wird Nazareth nochmal Anfang Dezember im Dortmunder Piano auftreten, für mich persönlich ein Pflichttermin. Ein Dank auch an das Management der Band für die problemlose Akkreditierung und dem Team des Turocks, welches wieder mal dazu beitrug, dass der Essener Hardrocktempel, einen tollen Abend erleben durfte.

Line-up Formosa:
Line Up Formosa:
Nik Bird (lead vocals, bass)
Nik Beer (guitars, vocals)
Paris Jay (drums)

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Turock, Essen