Lukas Nelson & Promise Of The Real  – Turn Off The News (Build A Garden) – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die alten Country-Legenden geben allmählich den Staffelstab weiter an die nächste Generation. Zu denken wäre da an Waylon und Shooter Jennings, Steve und Justin Townes Earle oder Willie und Lukas Nelson. Die Söhne führen zwar einerseits die Traditionslinien ihrer Väter fort, schlagen aber andererseits ihre eigenen musikalischen Wege ein, sind mittlerweile selbst schon im Musikgeschäft etabliert und haben sich bereits einige Reputation erarbeitet.

Lukas Nelson konnte durch seine Mitwirkung an dem Film „A Star Is Born“ sowie dem dazugehörigen Soundtrack zuletzt einen großen Erfolg verbuchen. Nach der Zusammenarbeit mit Lady Gaga und Bradley Cooper bringt Lukas Nelson mit seiner Band Promise Of The Real nun ein neues Studioalbum „Turn Off The News (Build A Garden)” an den Start, auf dem einige bekannte Gäste mitwirken, so Shooter Jennings, Sheryl Crow, Kesha, Lucius und Neil Young.

Vor allem mit Neil Young arbeiten Lukas Nelson & Promise Of The Real eng zusammen. Sie begleiten das kanadische Rockurgestein auf seinen Touren und spielten mit ihm neben einem Live-Album auch zwei Longplayer im Studio ein. Die enge Verbundenheit zu Young äußert sich zudem im Namen der Band, der einer Textzeile aus dessen Song „Walk On“ entliehen ist.

Lukas Nelson wählt mit der Single „Bad Case” einen rockigen Einstieg in die CD, an den das Titelstück anschließt. „Turn Off The News (Build A Garden)” hat – wie viele seiner Songs – einen einprägsamen Refrain. In manchen Passagen ist es etwas opulent, sodass mir die alternative akustische Version, die sich als Bonus auf dem Silberling findet, noch mehr zusagt. Bei ihr wird umso deutlicher, dass Lukas Nelson ein talentierter Songschreiber ist.

Im Mittelteil des Longplayers finden sich mit „Civilized Hell“, dem ruhigen „Simple Life“ und dem sommerlichen „Lotta Fun“ einige gelungene, sorgfältig arrangierte Titel. Wenn Nelson „Save A Little Heartache” trällert oder den Gesang bei „Mystery“ in die Länge zieht, geht der Gestaltungsdrang allerdings mit ihm durch. Dabei sind auch in diesen Songs gute Ansätze vorhanden, beispielsweise die Gitarrenlicks seines Vaters Willie. Bei „Where Does Love Go” ist zu hören, dass sich Lukas Nelson an der Musik von Roy Orbison orientiert. Er fängt deren leicht schwülstige Atmosphäre treffend ein.

Beim Durchhören des Albums treten bei den im Midtempo gehaltenen Tracks leichte Ermüdungserscheinungen ein. Die Tendenz hier und da einige musikalische Schlenker einzubauen, die zwar technisch gekonnt, letztlich aber austauschbar sind, spülen die Titel manchmal etwas weich. Bestes Beispiel dafür ist „Stars Made Of You”, das – wäre es auf Deutsch gesungen – einen Platz in der Schlagerparade haben könnte.

Gegen Ende der CD landet Nelson allerdings noch einige Treffer. Vor allem der Rocker im Southern-Style „Something Real“ ragt hervor. Aber auch das sich zu einem furiose Finale steigernde „Out In LA“ sowie der Bonus-Track „Consider It Heaven“ wissen zu überzeugen.

Lukas Nelson hätte bei der Produktion von „Turn Off The News (Build A Garden)“ mehr auf die Kraft seines Songwritings vertrauen können. Das Arrangement einiger Stücke nimmt ihnen etwas von der Wirkung, die möglich gewesen wäre. Manche Titel sind in ein ziemlich gefälliges Gewand gekleidet und ragen damit nicht aus dem Mainstream heraus. Die reduzierten Balladen erscheinen weniger glatt und deuten das Potential der Band an, die dort größeres Profil zeigt. Im oberen Tempobereich, wenn Lukas Nelson & Promise Of The Real die Zügel loslassen, liefert die Band feinen Rock ab.

Fantasy Records/Universal Music (2019)
Stil: New Country/Rock

Tracks:
01. Bad Case
02. Turn Off The News (Build A Garden)
03. Where Does Love Go
04. Save A Little Heartache
05. Lotta Fun
06. Civilized Hell
07. Mystery
08. Simple Life
09. Out In LA
10. Something Real
11. Stars Made Of You
12. Turn Off The News (Build A Garden) (Accoustic) (Bonus Track)
13. Consider It Heaven (Bonus Track)

Lukas Nelson
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Fantasy Records
Oktober Promotion

The Cactus Blossoms – Easy Way – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Cactus Blossoms unterstützten bereits Kacey Musgraves und Lucius auf ihren Tourneen. Mit „Mississippi“ erlangten sie einigen Bekanntheitsgrad, da es der Song auf den Soundtrack der letzten Staffel von Twin Peaks schaffte. Er findet sich auch auf ihrem Debüt „You’re Dreaming”. Für den Nachfolger „Easy Way“ ließen sich The Cactus Blossoms drei Jahre Zeit. Mit ihm führen Page Burkum und Jack Torrey ihren musikalischen Weg fort.

Feine Kompositionen mit sorgfältig arrangierten Melodien prägen auch die zehn Tracks des neuen Albums. Obwohl Burkum und Torrey eine Leidenschaft für alte Country-Songs teilen, treten die Country-Anleihen im Vergleich zu ihrem Erstlingswerk etwas in den Hintergrund. Die Titel bewegen sich überwiegend im Alternative Folk. Dabei geben The Cactus Blossoms ihren Stücken einen speziellen Retro-Touch, der in dieser Konsequenz zurzeit ein Alleinstellungsmerkmal ist.

Die Arrangements lassen die Songs oft so klingen, als würden sie aus den 1950ern stammen. Sie sind sanft („Boomerang“) und harmonisch („I’m Calling You“), manchmal vielleicht etwas zu harmlos („Blue As The Ocean”). Gelegentlich mischen sich Westcoast- („I’m Calling You“), leichte Psychodelic- („Please Don’t Call Me Crazy“) und dezente Jazz-Elemente („Easy Way“) in die Kompositionen. Besonders eingängig ist „I Am The Road“, bei dem sich The Cactus Blossoms dann doch noch am Country orientieren. Die mehrstimmigen Gesangspassagen erinnern mal an The Byrds („Desperado“), mal an Simon & Garfunkel („Got A Lotta Love“).

Trotz der unterschiedlichen musikalischen Einflüsse, die sich auf dem Album wiederfinden, wirkt es insgesamt sehr homogen. Auch die Gastmusiker Michael Lewis am Saxophon und Joel Paterson an der Pedal-Steel-Gitarre fügen sich mit ihren Instrumenten unaufdringlich bei „Downtown“ beziehungsweise „See It Through“ ein.

Die aus Minneapolis stammenden Page Burkum und Jack Torrey entwerfen einprägsame Melodien und atmosphärisch dichte Songs, auch wenn sie stilistisch nicht immer auf meiner Wellenlänge liegen. The Cactus Blossoms sind ein interessantes Duo und daher ist es nicht verkehrt, „Easy Way“ für ruhige Momente im Regal zu haben.

Walkie Talkie Records/Redeye/H’ART (2019)
Stil: Alternative Folk

Tracks:
01. Desperado
02. I’m Calling You
03. Please Don’t Call Me Crazy
04. Got A Lotta Love
05. Easy Way
06. Downtown
07. Boomerang
08. See It Through
09. I Am The Road
10. Blue As The Ocean

The Cactus Blossoms
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