Joe Bonamassa – A New Day Now – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die Wiederveröffentlichung älterer Longplayer, ist für manche Musiker eine willkommene Gelegenheit, neue Fans zu gewinnen oder vorhandene mit Sondereditionen zu überraschen. Diese sogenannten Re-Issues werden dabei zusätzlich dabei remastert und remixt, sowie mit Bonus-Tracks ausgestattet.

Eine Neuaufnahme der kompletten Vocals zum Original-Band-Sound dürfte dabei jedoch die Seltenheit sein. Als Ausnahme-Künstler hat Joe Bonamassa diese „Re-Sung“-Version seines Debut-Albums „A New Day Yesterday“ nun zum 20-jährigen Jubiläum unter dem Titel „A New Day Now“ herausgebracht und sein „Jugendwerk“ damit entscheidend überarbeitet. Neben seiner individuellen Klasse als Blues Rock-Gitarrist hatte Bonamassa damals das Glück, den Produzenten-Altmeister, Tom Dowd, an seiner Seite zu haben.

Grammy-Gewinner Dowd, der Generationen von Musikern, wie z.B. The Allman Brothers, Derek And The Dominos, Lynyrd Skynyrd als Sound-Spezialist im Studio und auf Tour begleitet hat, schuf zusammen mit Bonamassa einen Riff-orientierten Longplayer, der damals Platz 9 der US-Billboard Top Blues Charts erreichte.

Das Solo-Debüt beginnt, energetisch voll aufgeladen, mit Rory Gallaghers „Cradle Rock“, eine Art ehrenvolle Widmung des Gallagher-Fans Bonamassa und führt mit den Klassikern „Walk In My Shadow“ (von der Band Free) und dem folgenden Jethro Tull-Song „A New Day Yesterday“ die Hitliste der fulminanten Cover-Versionen und grandiosen Gitarren-Highlights ausdrucksstark weiter.

Bonamassa, der bereits mit 13 Jahren im Vorprogramm von B.B. King seine überragenden Fähigkeiten an seinem Lieblingsinstrument stilvoll performte, betont mit den ausgewählten Stücken den Einfluss der britischen Blues-Rock-Szene auf seine Musik. Erst das 4. Stück „I Knew Where I Belong“ ist eine Eigenkomposition, das seine raue Blues-Power in leichter Hendrix-Manier überragend stilisiert.

Die Single-Auskopplung „Miss You, Hate You“ ist im besten Bonamassa Songwriting und Guitar-Playing ein melodisches Blues-Meisterwerk. Ebenso in die Reihe der ungewöhnlichen Cover-Songs gehört die schnelle Al Kooper-Nummer „Nuthin‘ I Wouldn’t Do“, sowie die unwiderstehlich großartige Version des Warren Haynes Titels „If Heartaches Were Nickels“, der über 6 Minuten phänomenal kein Zweifel daran lässt, welches junge Blues-Rock-Talent hier aufspielt.

Sechs Cover-Songs, hierzu gehört auch der eindrucksvolle Albert King-Klassiker „Don’t Burn Down That Bridge“, und sechs eigenen Stücken teilen „A New Day Yesterday“ in eine abwechslungsreiche Blues-Rock-Platte, die auch bei „Trouble Waiting“ und „Colour And Shape“ mit variantenreichen Kompositionen des damals erst 22-jährigen Bonamassa begeistern konnte.

Bei der Jubiläumsedition „A New Day Now“ hat Produzent Kevin Shirley nun auf die neu eingesungenen Vocal-Tracks der inzwischen gereiften und emotional sicheren Stimme des 43-jährigen Guitar-Heroes zurückgegriffen und zusätzlich 3 Bonus-Stücke auf das Album gepackt. Hierzu zählt neben Bonamassas eigenen Werken wie „Hey Mona“ und „Line Of Denial“, die eine ausgelassene aber präzise Blues-Rock-Spielweise betonen, auch die unbefangene, „mind-blowing“ Version des Bob Dylan Klassikers „I Want You“. Diese bisher unveröffentlichten Aufnahmen stammen aus der Zeit, als Mentor Steven van Zandt, die Demo-Bänder des jungen Bonamassa produzierte.

Im SoS-Review (2015) über die 72-minütige Konzert-Ausgabe „A New Day Yesterday“, die kurz nach dem Studio-Original 2004 auf den Markt gebracht wurde, wurde schon die „filigrane Gitarrenkunst“ Bonamassas umfangreich gewürdigt. Die jetzige New-Edition des Debut-Albums bestätigt erneut die geniale Gitarrenarbeit, des vor kurzem zum besten Blues-Gitarristen der Welt gewählten US-Amerikaners. Joe Bonamassas kreative Projektidee überbrückt damit einen Corona-Sommer ohne Konzerte und verkürzt die Wartezeit bis zum neuen Studio-Album, das noch im Herbst diesen Jahres erscheinen soll.

Mascot Label Group (2020)
Stil: Blues-Rock

Tracklist:
01. Cradle Rock
02. Walk In My Shadows
03. A New Day Yesterday
04. I Know Where I Belong
05. Miss You, Hate You
06. Nuthin‘ I Wouldn’t Do (For A Woman Like You)
07. Colour And Shape
08. Headaches To Heartbreaks (remixing)
09. Trouble Waiting
10. If Heartaches Were Nickels (remixing)
11. Current Situation
12. Don’t Burn Down That Bridge
Bonus Tracks:
13. Hey Mona
14. I Want You
15. Line Of Denial

Joe Bonamassa
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