Joe Bonamassa – 28.03.2018, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

Bon_haupt

Was ist wohl in den Köpfen der beeindruckten Besucher beim Verlassen der nicht ganz ausverkauften, aber überaus gut gefüllten Kölner Lanxess-Arena nach dem großartigen Joe Bonamassa-Konzert umhergeschwirrt, fragte ich mich ganz spontan? Mein erster Gedanke war, was der Typ, sofern er noch lebt, der es Mitte der Sechziger Jahre, mit dem Spruch ‚Clapton Is God‘ in einer U-Bahn-Station im Londoner Stadtteil Islington, zu stiller Berühmtheit schaffte, wohl nach diesem Erlebnis für die Sinnesorgane, auf den Gemäuern der Domstadt zurückgelassen hätte.

Aber nach der Reihe: Pünktlich um 20:00 Uhr gingen die Lichter in der Arena kurz komplett aus und mit der Einspielung eines B.B. King-Stückes (die Alt-Blues-Experten mögen mich teeren und federn, falls es nicht so war),  wurden die Weichen für zwei außerordentlich starke Stunden der hohen zeitgenössischen Blues Rock-Schule gestellt.

Der Protagonist und seine hochkarätigen Begleitmusiker (laut O-Ton Bonamassas bei der Vorstellung vor „Slow Train“ mit die besten dieses Planeten), Michael Rhodes, Reese Wynans, Anton Fig, die Bläser-Sektion mit Lee Thornburg und Paulie Cerra, sowie die beiden agilen Backgroundsängerinnen Jade MacRae und Juanita Tippins, setzten mit „King Bee Shaketown“ als Opener, „Evil Mama“ und dem starken „Just Cause You Can“ zunächst auf neueren Stoff.

Hier muss ich direkt den wunderbar transparenten Sound (jeder der Beteiligten war perfekt zu hören) und die tolle Lighttshow in der Halle loben, die eigentlich nur durch ein paar Scheinwerfereffekte und einen, sich im Farbenspiel stetig verändernden Vorhang hinter der Bühne, stilvolle Eleganz verbreitete.

Joe, mittlerweile auch zu einem richtig starken Sänger herangereift, konzentrierte sein fulminantes Spiel auf insgesamt vier verschiedene Gitarrenmodelle, wobei die Gibson Les Paul den Schwerpunkt des Abends bildete. Nashville-Urgestein Reese Wynans, vor kurzem noch für seine Beteiligung bei Stevie Ray Vaughan in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen, präsentierte sprichwörtlich die gesamte Klaviatur seines Tastenkönnens.

Michael Rhodes wechselte auch oft das Arbeitsgerät und pumpte routiniert seinen Tieftöner-Part, während Anton Fig  in bewährt guter Manier trommelte. In der Bläser-Gilde hatte diesmal Paulie Cerra gegenüber Lee Thornburg etwas Übergewicht. Er hatte deutlich mehr Solo-Pluster-Parts und durfte beim bärenstarken „Slow Train“, ebenso wie zuvor die beiden Background-Röhren Mac Rae und Tippins, mal die Lead vocals übernehmen.

Als meine Favoriten des Abends entpuppten sich das balladeske „How Deep This River Runs“, das melodische „Mainline Florida“ (mit schönem Southern Rock-E-Solo) und die komplette Schlussphase mit den Tracks „Driving Toward The Daylight“, dem furiosen „Boogie With Stu“ (Wynans mit HT-Geklimper), das poltrig shuffelnde „Last Kiss“ und das zur reinen Männersache erklärte, fett rockende „How Many More Times“ (Joe, Michael, Reese und Anton im Quartett, die Sängerinnen und Bläser hatten die Bühne verlassen) zum Abschluss des Hauptteils.

Das krönende Finale gab es mit der atmosphärischen, unter die Haut gehenden Killerballade „Sloe Gin“, bei der Joe nochmals ein majestätisches E-Gitarren-Solo auf seiner Paula abließ. Einfach herrlich! Nach exakt zwei Stunden war dann Schicht.

Um aber nochmal zum Anfang zurückzukehren. Da Gernot keine Sprühdose im Auto hatte, das nass-kalte Sauwetter und die wenig aufmerksamkeitsträchtige Gegend, in der wir geparkt hatten, nicht dazu animierte, sich ebenfalls in irgendeiner Form zu verewigen, nutze ich für mein Statement lieber bequemer Weise dieses Magazin, da ja vermutlich auch ein paar Leutchen den Artikel lesen und gegebenenfalls, verbreiten werden.

Als jemand, der als bekennender Atheist, es nicht so mit dem Allmächtigen hat und auch mit Superlativen in Bezug zu Menschen eher sorgsam agiert, halte ich nach dieser starken Leistung ein ‚Bonamassa Is Good‘ für eine, im Sinne der Sache, vielleicht nicht ganz so dick auftragende, aber dafür umso ‚weltlichere‘ Würdigung…

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric guitar)
Michael Rhodes (bass)
Reese Wynans (keys)
Anton Fig (drums)
Juanita Tippins (vocals)
Jade MacRae (vocals)
Lee Thornburg (trumpet)
Paulie Cerra (sax, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
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2 Gedanken zu „Joe Bonamassa – 28.03.2018, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht“

  1. Tut mir leid, aber dann war ich wohl woanders. In unserer Box, herausgehoben aus der unteren Bestuhlung, war es übermäßig laut und die einzelnen Instrumente überdeckten sich teilweise so stark, das wir zeitweise nur noch unorganisierten Lärm gehört haben. Einzig wenn im Balladen-Modus gespielt wurde, war’s klasse. Das jede/r Musiker/Sängerin für sich eine Spitzenkraft ist, ist unbestritten.

    1. Diese subjektiven Diskussionen sind irgendwie müßig. Wir saßen in der 14. Reihe direkt zur Mitte hin, da war der Klang hervorragend und transparent. Wir hatten beide auch kein Rauschen oder sonstiges im Anschluss.

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