Gabe Stillman – What Happens Next? – CD-Review

Ja, in der Tat. Was passiert als nächstes im Blues Rock, fragen auch wir uns immer wieder. In letzter Zeit haben wir einige interessante Leute mit neuen Alben von unseren amerikanischen Freunden zugesendet bekommen.

Ein weiterer interessanter Bursche ist zweifellos Gabe Stillman, der mittlerweile auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label unter Vertrag ist und mit „What Happens Next?“ seinen zweiten Longplayer veröffentlicht.

Der aus Williamsport, Pensylvannia, stammende US-Amerikaner hat sich 2019 durch seinen Sieg bei der International Blues Challange als bester Gitarrist in den Vordergrund gespielt und den damit verbundenen Gibson Guitar Award abgesahnt. Zudem landete er mit seinem Debütwerk in den Top 10 der Billboard Blues Charts. Das schürt erfahrungsgemäß in der heutigen schnelllebigen Zeit hohe Erwartungshaltungen.

Das Album beinhaltet insgesamt neun Stücke, wobei sieben Tracks aus der Feder des Protagonisten stammen. Gut gefällt mir das unterschwellige Southern-Flair, das bei einigen Liedern wie dem Opener und Titelstück „What Happens Next?“ , „Someone In My Mirror“ (schöner selbstironischer Text), beide southern-soulig, „Shame, Shame“ (mit Anson Funderburgh als Gast) , „Screamin‘“ und „Living Your Life“, durch eingebrachte Hammond-Orgel-Elemente (a là Gregg Allman, gespielt von Eric Roberts) ) eine gewisse Allman Brothers-Note offenkundig wird (klasse als Double Leads E-Gitarre-Organ bei  letztgenanntem „Living Your Life“). Dazu kommen auch die immer wieder eingestreuten typischen weiblichen BGVs (gesungen durch Alice Spencer).

Der Kracher ist Werks ist der klassisch aufgebaute Slowblues „The Man I’m Supposed To Be“, in dem Gabe dann im mitreißenden Soloteil den Beweis für sein exzellentes E-Gitarrenspiel erbringt.

Lediglich bei „I’ve Got To Use My Imagination“ (Hit aus dem Jahr 1973 der Funk-Soul Gruppe Gladys Knight & The Pipes) und „Gentle On My Mind“ (John Hartford) handelt es sich dann um Stillman-Neuinterpretationen alter, viel gecoverter Klassiker.

Erstgenannter Song besticht mit einer reifen Stimmvariation Stillmans im Vergleich zu den anderen Songs (da klingt sie überwiegend noch sehr jung), das finale „Gentle On My Mind“ hat mit eingebundener Akustikgitarre (samt Slide) und einem Saxofonpart (Mark Kazanoff) ebenfalls Überraschungsmomente.

Über das, was in der Causa Gabe Stillman als nächstes passiert, kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass er mit „What Happens Next?“ den nächsten markanten  Schritt unternommen hat, sich in der Blues Rock-Szene als neuer unverbrauchter Impulsgeber zu zementieren. Gabe Stillman wird seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. What Happens Next?
02. Yesterday’s Donuts
03. The Man I’m Supposed To Be
04. Someone In My Mirror
05. Shame Shame
06. Screamin‘
07. I’ve Got To Use My Imagination
08. Living Your Life
09. Gentle On My Mind

Gabe Stillman
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V2 Records Promotion GSA

Davy Knowles – What Happens Next – CD-Review

Review: Jörg Schneider

In den nächsten Tagen erscheint das neueste Album des in Illinois lebenden Gitarristen Davy Knowles. Mit „What Happens Next“ setzt er nun nach dem 2014 erschienenen Werk „The Outsider“, und dem 2016’er Album „Three Miles From Avalon“, um nur zwei zu nennen, die Reihe seiner erfolgreichen und von den Kritikern hoch gelobten Alben fort.

Das aktuelle Album enthält zwölf schöne, rockige und bluesige Nummern, teilweise garniert mit dezenten Folk-, Americana- und Soul-Einflüssen. Die Scheibe startet dann auch mit dem riffigen Rocker „Light Of The Moon“, umweht von Keyboardklängen wie aus den 60‘ern und einem leicht souligen Gesang und einprägsamen Refrains. Und im Anschluss geht’s rockig, stampfend mit „Heartbreak Or Nothing“ weiter, bevor die bluesige, Americana-beeinflusste Nummer „Roll Me“ mit eingängigen Gesangseinlagen folgt.

Auch im weiteren Verlauf wechseln sich auf der CD rockige und bluesige Songs ab. Da gibt es das fröhlich-fetzige „Get Lucky“, das seinem Titel alle Ehre macht, und mit einem etwas funkigen Intro aufwartet sowie das leicht verhallte Bluesepos „Devil And The Deep Blue Sea“, mit knapp 5 1/2 Minuten Spieldauer der längste Track auf dem Album. Die Titel „One & The Same“ (mit wiederkehrenden rockig-scharfen Riffs) und „Solid Ground“ mit stakkatoartigem Grundthema befriedigen die Bedürfnisse der Liebhaber einer härteren Gangart. „River“ hingegen überzeugt als Blues durch seine Pianobegleitung und den folkbeeinflussten Gesang von Davy Knowles.

Rhythmisch rockig wird‘s dann wieder mit der „Side Show“ (mit wiederkehrendem starken Bassmotiv), während „Wake Me Up When The Nightmare‘s Over“ wesentlich melodiöser ist und leichte Southern-Americana-Einflüsse aufweist. Und zwischen beiden Songs ist das einfühlsame und nachdenklich stimmende „Hell To Pay“ zu hören. Zum Abschluss präsentiert Davy Knowles schließlich sein wohl persönlichstes Stück „If I Ever Meet My Maker“, eine feine Folk-Ballade im Fingerpicking-Stil auf der Akustikgitarre.

Mit „What Happens Next“ beweist Davy Knowles einmal mehr seine Qualitäten als Blues-Rock Gitarrist und Songwriter: kraftvolle und bissige Riffs in den rockigen Titeln und lässig subtile Gitarrenarbeit bei den eher ruhigeren Songs, immer gepaart mit gefühlsbetonten Gesangseinlagen, insbesondere bei den zahlreichen Bluesnummern. Unter dem Strich also ein empfehlenswertes Album für Blues Rock-Enthusiasten.

Provogue Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Light Of The Moon
02. Heartbreak Or Nothing
03. Roll Me
04. Get Lucky
05. Devil And The Deep Blue Sea
06. One & The Same
07. Solid Ground
08. River
09. Side Show
10. Hell To Pay
11. Wake Me Up When The Nightmare‘s Over
12. If I Ever Meet My Maker

Davy Knowles
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