Albert Castiglia – Wild And Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Albert Castiglia hat in den letzten Jahren hinsichtlich seines Veröffentlichungsvolumens ein wahrlich hohes Arbeitspensum hingelegt. Seit 2004 im Geschäft, ist „Wild And Free“ sein mittlerweile elftes Album, wobei er seit 2014 nahezu jährlich ein neues Album rausgehauen hat. Sein vorletzter Longplayer „Up All Night“ wurde an dieser Stelle vom Kollegen Mangold äußerst positiv beleuchtet. Insofern war ich natürlich auf sein neuestes Werk recht gespannt.

Es ist ein kraftvolles, elektrisierendes Live-Album geworden, aufgenommen im Januar diesen Jahres in einem Club in Florida, welches sicherlich in erster Linie seine Hard-Core-Fans ansprechen dürfte. Produziert hat es wieder niemand geringeres als Mike Zito. Da wundert es dann auch nicht, dass es bei Zitos Gulf Coast Records veröffentlicht wurde.

Leider kommt die Atmosphäre, die ein Live-Konzert sonst ausmacht, auf diesem Mitschnitt nicht so recht zur Geltung, da die normale „Geräuschkulisse“ eines solchen Gigs weitestgehend herausgefiltert bzw. ausgeblendet wurde. Aber auch so kommen die treibenden, verschwitzten Songs gut rüber.

Gleich zu Beginn geht Albert Castiglia mit „Big Dog“ und „Hoodoo On Me“ in die Vollen. Beide Stücke werden, wie andere auch (z. B. „I Been Up All Night“, „Keep On Swinging“ und „I Tried To Tell Ya“) durch flirrende, jaulende und quietschende Gitarren beherrscht, wobei der Opener „Big Dog“ mit einem richtigen Rockgewitter startet und durchaus Anleihen zu Jimi Hendrix aufweist.

Das schönste Stück des Longplayers ist für meinen Geschmack der ruhiger gehaltene und melodiöse, knapp 10-minütige Slowblues mit dem kurzen Titel „Heavy“, welcher durch ein sehr differenziertes, klares Gitarrenspiel überzeugt. Nach dieser kleinen Erholungspause geht‘s mit dem temporeichen und gut tanzbaren „Get Your Ass In The Van“ weiter, eine flotte Rock’n’Roll infizierte Boogie-Woogie Nummer.

„Searching The Desert For The Blues“ hingegen präsentiert sich wieder bluesiger und gemächlicher mit eingängigen weiblichen Background-Stimmen in den Refrains. Auch das folgende „To Much Seconal“ wirkt sich durch seinen typisch traditionellen Bluesrhythmus beruhigend auf die Gefühlslage des Hörers aus. Mit „Loving Cup“ und „I Tried To Tell Ya“ ist es dann aber wieder aus mit der Ruhe. Flirrende und quietschende Gitarrenklänge sind jetzt wieder tonangebend, bevor die Scheibe mit der 8-minütigen, harten und boogiemässigen Instrumentalnummer „Boogie Funk“ endet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Albert Castiglia zwar kein begnadeter Sänger, aber ein wahnsinnig guter und fingerfertiger Gitarrist ist. Jedes der Stücke ist für sich betrachtet absolut hörenswert, aber in seiner Gesamtheit dürfte die Scheibe für den Gehörsinn vieler sicherlich auch überfordernd sein. Das Album empfiehlt sich also hauptsächlich für Castiglia-Fans und für Leute mit einer ausgeprägten Affinität zu wilden, flirrenden und quietschenden Gitarrensounds.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Big Dog
02. Hoodoo On Me
03. I Been Up All Night
04. Heavy
05. Get Your Ass In The Van
06. Searching The Desert For The Blues
07. Keep On Swinging
08. To Much Seconal
09. Loving Cup
10. I Tried To Tell Ya
11. Boogie Funk

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Albert Castiglia – Up All Night – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

„Up All Night“, der Titel des mittlerweile achte Soloalbum von Albert Castiglia, kann auch als Synonym seiner Musikerlaufbahn gesehen werden. Spätestens seit den 2014 und 2016 erschienenen Alben „Solid Ground“ und „Big Dog“ scheint der in Florida lebende und in New York geborenen Castiglia seinen Stil, mit einem rauhen schnörkellosen Blues Rock gefunden zu haben.

Eine positiven Einfluss müssen wohl auch die Dockside Studios auf Castiglia ausstrahlen, in dem er schon die letzte Platte aufnahm. Er selbst sagte: „Warum sollte ein Ort verändert werden, an dem man sich wie zu Hause fühlt?“ Ein weiterer Faktor der zum Gelingen beigetragen haben dürfte ist, dass Mike Zito „Up All Night“ produzierte. So kann man bei einigen Songs auch musikalische Nähe zu einem Blues im Stile eines Stevie RayVaughn erkennen, ohne dass der Verdacht besteht, es wird ein Abklatsch versucht.

Mit „Hoodoo On Me“ nimmt die Platte schon im ersten Stück Fahrt auf. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, Jimmy Pritchard am Bass und Brian Menendez an den Drums, bleibt Castiglia genügend Spielraum, seine Künste mit schnellen Soli auszuleben.

„I Been Up All Night“ ist mein absoluter Favorit auf der Platte. Dies mag auch daran liegen, dass der Gesang und manche Passagen mich an Randy Bachman von BTO, einen meiner Lieblingsmusiker erinnern. Einfach guter rockiger Blues! Das jammende „Three Legged Dog“ anfangs etwas düsterer daher kommend, endet in einem schnellen Gitarrensolo, welches live einen großen Spielraum bergen könnte.

„95 South“ eine schnelle rockige Nummer, dieauch aus der Feder eines John Fogerty kommen könnte und ist für mich das zweite absolute Highlight der Scheibe, an das „Knocked Down Loaded“ stilistisch fast nahtlos anschließt.

Mit „Quit Your Bitching“, aus der Feder von Mike Zito, wird etwas Fahrt aus der Geschichte genommen. Eine schöne Nummer, ein klein wenig swingend, auch als Untermalung in einer Bar gut geeignet. Nach dieser kurzen Atempause nimmt Castiglia mit „Woman Don’t Lie“ wieder Tempo in seinem eher rauhen Blues auf.

Bei „Unhappy House Of Blues“ wird das Trio von Lewis Stephens an den Keyboards und Johnny Sansone an der Mundharmonika unterstützt, was dem Song die nötige Breite gibt, um eine leicht tragende, zum Teil traurige Stimmung zu verbreiten. Da kommt das eher stimmungsvoll, peppige „Delilah“, in dem Sonny Landreth an der Slide Guitar unterstützt, genau richtig, dass gar nicht die Gefahr besteht in einen „depressiven Blues“ zu verfallen.

Mit „Chase Her Arround The House“ „küsst“ Castiglia den Rock’n’Roll: Eine Tanznummer für einen Honkytonk-Laden, mit schönen typischen Piano-Hintergrundeinlagen.

Den Abschluss bildet mit „You Got Me To That Place“ ein Old School Blues, der auch als Anspielung auf die Dockside Studios gesehen werden kann, da im Refrain zum Ende ein „where I never wanna ever leave“ ergänzt wird. Wenn es Castiglia mit Band gelingt, das Niveau auf kommenden Alben fortzusetzen, und der Aufnahmeort eine wichtige Rolle zur Stimmung beiträgt, ist es mit Sicherheit keine schlechte Idee, diesbezüglich nicht zu experimentieren.

Mit „Up All Night“ ist ihm auf jedem Fall eine abwechslungsreiche und starke Platte gelungen, die sich der Bluesfan nicht entgehen lassen sollte. Schön wäre es, wenn Castiglia und Band in naher Zukunft auch die hiesigen Breiten besucht, um den Liebhabern des Genres auch live seine Songs zu präsentieren.

Musiker:
Albert Castiglia – Guitar & Lead Vocals
Jimmy Pritchard – Bass
Brian Menendez – Drums

Gäste:
Mike Zito – Guitar & Vocals
Lewis Stepens – Keyboards
Johnny Sansone – Harp
Sonny Landreth – Slide Guitar

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Hoodoo On Me
02. I Been Up All NIght
03. Three Legged Dog
04. 95 South
05. Knocked Down Loaded
06. Quit Your Bitching
07. Woman Don’t Lie
08. Unhappy House Of Blues
09. Delilah
10. Chase Her Around The House
11. You Got Me To That Place

Albert Castiglia
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Ruf Records