Allen Forrester Band – Red Dirt Town – CD-Review

Die Allen Forrester Band, bestehend aus den beiden Namensgebern Josh Allen und Ben Forrester im Verbund mit Bassist Hendrik Herder und Schlagzeuger Matze Böhm, hat sich mit vielen schönen Gigs, ihrer publikumsnahen und sympathischen Art, sowie diversen Tonträgern, peu à peu ein immer mehr wachsendes Standing in der Southern Rock-Gemeinde erarbeitet.

Mit „Red Dirt Town“ folgt jetzt nach ihrem Debüt 2023 der zweite Longplayer mit zehn neuen  Stücken. Einige der Lieder, das wurde mir beim heiteren „Sweet Marie“ mit seiner Acapella-Mitsing-Passage am Ende des Songs schon beim ersten Hördurchgang bewusst, hatte die Band bei ihrem Konzert im März in der Krefelder Kulturrampe schon vorab live präsentiert.

Eine kluge Entscheidung war es, erneut Simon Oslender als Gast mit einzubinden, der entwickelt sich mit seinen immer perfekt passenden Keys- und Orgeleinlagen fast schon zum heimlichen Star des Albums. Ein echter Gewinn!

Der Beginn mit „Skin Deep“ und „Misery Likes Company“ startet im Skynyrd-Ambiente, ein Schelm, der beim letztgenannten Song nicht an den Rossington Collins Band-Klassiker „Misery Loves Company“ denkt.

Im Prinzip bleibt man sich der Linie des Debüts treu, Southern Rock aus dem Dunstkreis von Acts wie den Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd, The Black Crowes oder Blackberry Smoke, bei „Under Her Spell“ und „From The Ashes“ auch mit dezent progressiven Zutaten.

Nach dem famosen Orgelintro von Oslender bei „Here’s To The Good Times“ möchte man förmlich „What would you think if I sang out of tune?“ („With a little Help From My Frienda“) los singen, das stellt sich allerdings dann schnell als schöne Finte heraus, die Hommage an die guten Zeiten ist dann ein eigenständig entwickelter Track.

Neu ist, dass das Werk mit „White Picket Fences“ auch einen echt radiotauglichen Ohrwurm enthält, der durch das empathische Fiddle-Spiel von „Gustavo Strauß (d’Artagnan), eine noch bis dato eher unbekannte countryeske Seite des Quartetts offeriert. Ganz klar mein Lieblingssong der CD!

Auch die Einbindung des externen Songwriters Cedric Cherney entpuppt sich als Gewinn, der zeichnet sich für die Texte von „Fifty“ als auch des Titelsongs „Red Dirt Town“ verantwortlich. Dieser ist im Stile von Charlie Daniels‚ „The Legend Of Wooley Swamp“ konzipiert. Ben Forrester, der hier natürlich wieder durch seine meisterhaften Les Paul-Soli glänzt, wechselt sich mit pathetischen Sprechpassagen mit dem Gesang von Josh Allen ab. Ebenfalls ein Highlight des Silberlings!

Die Allen Forrester Band überzeugt mit ihrem zweiten Album „Red Dirt Town auf ganzer Linie, man darf, ohne sich dabei zu weit aus dem Fenster zu lehnen, durchaus das Wort ‚Weiterentwicklung‘ in den Mund nehmen.

Zu gefallen weiß aus meiner Sicht auch die Covergestaltung in Form eines Briefumschlags mit den zurück geblieben Kaffeetassenrückständen, wie es jeder vermutlich schön aus dem eigenen Leben wiedererkennen wird.

Das fränkisch/amerikanische Ensemble wird am 18. Oktober im schönen Backyard Club in Recklinghausen zugegen sein und ich sehe mich und die restlichen Besucher schon jetzt, ihnen begeistert und lautstark in der Interaktionsphase „My, my, my – Sweet Marie“ entgegenschmettern.

EBF Music / Timezone Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Skin Deep
02. Misery Likes Company
03. White Picket Fences
04. Sweet Marit
05. Fifty
06. Here’s To The Good Times
07. Under Her Spell
08. Red Dirt Town
09. Little Breathin‘ Reason
10. From The Ashes

Allen-Forrester Band
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Brooke Lynn Promotion
EBF Music

Dallas Burrow – Modern Day Vagabond – CD-Review

 

Wieder mal ein neuer Name in Sounds Of South, mit dem es sich zu beschäftigen gilt. Der texanische Singer/Songwriter Dallas Burrow, wie so oft mit musikalischem Erbgut versehen (sein Vater Mike Burrow ist ebenfalls auf dem Terrain seit langem unterwegs und auf diesem Album mit vertreten), hat schon diverse EPs, CDs und Live-Scheiben herausgebracht.

Jetzt liefert er mit „Modern Day Vagabond“ einen Longplayer ab, der allein schon von den vielen illustren Gastpräsenzen her erahnen lässt, man es hier mit einem aufstrebenden Künstler zu tun bekommt.

Frei nach dem Motto ‚Lustig ist das Vagabundenmusikleben‘ wird Burrow von Leuten wie Grammy Gewinner Adam Odor (The Chicks, Silverada) und The Great Divide’s Mike McClure (Cross Canadian Ragweed, Turnpike Troubadours) in Sachen Produktion begleitet, als Stamm-Musiker sind McClure an der Akustikgitarre und Odor am Bass, Cameron Martin als Drummer, Asleep at the Wheel’s Katie Shore an der Fiddle, sowie  Kullen Fox — lange Zeit Multiinstrumentalist für Charley Crockett am Piano, Organ und Akkordeon mit dabei.

Am Ende waren auch noch weitere klingende Namen wie Mark Tokach (Charlie Robison Band), Larry Chaney (Edwin McCain), Colin Brooks (Band of Heathens), Donny Silverman (Townes Van Zandt), Mitglieder von West Texas Exiles und der legendäre Multiinstrumentalist Lloyd Maines involviert.

Dazu kommen noch die ganzen vokalen Gastpräsenzen von Susan Gibson, Will Sexton, Kelly Willis (die habe ich mal vor über 20 Jahren in Utrecht live gesehen), Kelley Mickwee, Mike McClure und Burrows Vater, Mike Burrow, die dem musikalisch eh schon abwechslungsreich gestalteten Longplayer noch weitere Goodies bescheren.

Dallas Burrow selbst erinnert mich von der Stimme her an Bobby Houck von The Blue Dogs, wie auch an deren Art Musik zu machen (u. a. „Modern Day Vagabond“, „Full Circle“, „Walking Side By Side“, „Time Is Now“, „Old Time Revival“), allerdings ist der Protagonist deutlich traditioneller unterwegs und stilistisch (zumindest hier) auch etwas breiter aufgestellt.

Mutig finde ich ausgerechnet den düstersten und mit etwas Southern Rock-Flair bedachten Song „Underdog“ zur Single auszuwählen. Beim Steel-getränkten, an die Pirates Of The Mississippi erinnernden „Memories“ gibt Dallas‘ Vater Mike mit Harmoniegesängen und kurzer kauziger Lead vocals-Solo-Einlage sein Stelldichein.

‚Mr. Red Dirt‘ Mike McClure verpasst „Whole Different Angle“ sein typisches Flair, „All I Want Is You“ sticht mit seinem souligen Charakter etwas heraus, genauso wie das stark Folk-geprägte Townes Van Zandt-Cover „Rake“ (nur mit Gesang, Mandoline und Flöte) am Ende.

Odor und McClure haben das Gesamtwerk relativ ’natur-belassen‘, man kann schon fast von einem Live-Charakter sprechen. Man kommt sich vor wie als Gast auf einer sommerlichen Musiker-Garten-Party, wo alle, die spielen können, ihre Instrumente mitgenommen haben, sich mit allen, die auch singen können auf einer improvisierten Bühne mit dem Gastgeber zusammenfinden, um gemeinsam geschmackvolle Countrymusik & More zu zelebrieren. Sehr unterhaltsam!

Forty Below Records (2026)
Stil: Country & More

Tracklist:
01. Modern Day Vagabond
02. Let ItShine
03. Miracle
04. No Problem
05. Full Circle
06. Walking Side By Side
07. Oldest Secret
08. Time Is Now
09. Memories
10. Underdog
11. Whole Different Angle
12. Can’t Turn Around
13. All I Want Is You
14. Rake

Dallas Burrow
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Patricia Vonne – My Heart’s Got A Mind Of Its Own – CD-Review

Review: Michael Segets

Nun ist „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ auch offiziell verfügbar, nachdem Patricia Vonne das Album bereits auf ihrer Tour im Frühjahr mit im Koffer hatte. Eine Auswahl der neuen Songs stellte sie in der Kulturrampe vor, sodass man schon einen Vorgeschmack auf die Highlights der CD erhielt. Wie bei den Konzerten setzt Vonne erneut auf einen Mix von Songs mit englischen und spanischen Texten. Auch bei den Kollaborationen ist eine gewisse Konstanz erkennbar. So sitzt Rick Del Castillo wieder auf dem Stuhl des Produzenten und übernimmt zudem beim Einspielen gelegentlich den Platz des Gitarristen ein.

Auf den drei Songs, die Robert LaRoche mitgeschrieben hat, spielt dieser die Gitarren und steuert die Background Vocals bei. „Not Too Late“ und „Lean On Me Tonight“ sind zwei ordentlich rockende Songs. Vor allem der zweitgenannte sowie das etwas langsamere, aber mit schön staubiger Atmosphäre versehene „Courage Under Fire“ sind meine Favoriten der Scheibe. Die ebenfalls von dem Live-Auftritt bekannten „Be My King“ und „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ stellen zwei gradlinige Uptempo-Nummern dar. Der Titelsong, in Zusammenarbeit mit Chris Isaak und Johnny Reno entstanden, wird in der Studioversion noch durch das Saxophon von Johnny Reno gewürzt.

Vonne scheint eine Leidenschaft für den Swing entwickelt zu haben. Dessen Sound greift sie bei „Will You Ever Know“ sowie „Marry Me“ auf. Während die neue Seite in Vonnes Schaffen nicht auf meiner musikalischen Linie liegt, ist der Old School-Rock‘ n Roll „Party Like The Great Gatsby“ auf der Habenliste zu verbuchen. Die Feierlaune spiegelt sich ebenfalls auf „Viva La Vida“ und „Chingona Como Mi Madre“ – einem Duett mit Charanga Cakewalk – wider.

Neben den temperamentvollen Songs ist – so wie man es von ihr erwartet – auf dem Album ein spanischer Titel der getragenen Art vertreten: „Cuando Pienso En Ti“ spielt sie zusammen mit dem Multiinstrumentalisten Jeff Baxter ein. Das Instrumental „Amor Mistico“ beschließt den Longplayer. Ein erdiger Track, auf dem Vonne mit ihren Kastagnetten wirkungsvolle Akzente setzt. Mit gut zwei Minuten ist der Beitrag knackig gehalten.

Vonnes neue CD bietet Roots Rock mit viel Herz ohne Schnörkel. Die spanischen Songs gehören bei ihr dazu. Mit den Retro-Ausflüge in den Swing zeigt Vonne eine neue Facette in ihrer Musik, die es für mich nicht gebraucht hätte, aber ihr „Heart‘s Got A Mind Of Its Own“. Trotz dieser Abstriche ist das Album insgesamt wieder empfehlenswert.

Bandolera Records (2026)
Stil: Roots Rock/Tejano

Tracks:
01. My Heart’s Got A Mind Of Its Own
02. Viva La Vida
03. Not To Late
04. Will You Ever Know
05. Be My King
06. Curando Pienso En Ti
07. Lean On Me Tonight
08. Chingona Como Mi Madre
09. Party Like The Great Gatsby
10. Marry Me
11. Courage Under Fire
12. Amor Mistico

Patricia Vonne
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Robin Trower – Shine – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wer ab und zu bei YouTube vorbeischaut, kann sich schon wundern. Da werden zum Beispiel Rockgruppen als total in Vergessenheit beschrieben, obwohl sie weiter munter auf Tour gehen und Platten veröffentlichen. Zu finden gibt es auch die Rubrik „The Rise and Fall of…“

Darunter ist auch Robin Trower vertreten. Ich hab’s nicht angesehen. Denn schon der Titel führt in die Irre. Von einem Fall, einem Absturz kann nicht die Rede sein. Klar, goldene Schallplatten heimst er keine mehr ein. Die ganz großen Hallen füllt er auch nicht mehr.

Aber zumindest in den Blues-Charts ist er weiter vertreten. In den vergangenen zehn Jahren hat er nicht weniger als acht Studioalben veröffentlicht. Auch seine Konzerte finden keinesfalls vor leeren Rängen statt. Im Gegenteil, in diesen Tagen ist der 81-Jährige wieder auf US-Tour. Er kann nach wie vor auf eine große Fangemeinde bauen, auch in Deutschland. „Ich denke, man muss entweder weitermachen – oder aufgeben“, sagt er schlicht.

Auf seiner neuen CD spielt er nicht nur Gitarre, sondern auch Bass, während Schlagzeuger Chris Taggart und der langjährige Sänger Richard Watts die Besetzung vervollständigen. „Ich stimme den Leuten zu, dass es eine sehr düstere Zeit ist. Aber ich möchte keine düstere Musik machen. Ich finde, dass die meisten dieser Songs positiv sind,“ beschreibt Trower sein neues Werk.

Dabei sagt er auch: „Das Eröffnungsriff von ‚Live Your Time‘ ist eines der besten, die mir je eingefallen sind.“ Na ja, bevor ich diese Aussage gelesen habe, hatte ich den Titel schon mehrfach gehört und gedacht: „Ein typischer Trower-Gitarrensound. Den erkennt man am ersten Ton.“ Warum das Riff jetzt so außergewöhnlich sein soll, sei’s drum.

Der klassische, unverwechselbare, bluesige Sound von Robin Trower prägt die ganze CD. Da braucht man nicht irgendeinen oder mehrere Songs besonders beleuchten; mit Ausnahme vielleicht von „Truth“, bei dem die Londoner Blues-Rock-Sängerin Jess Hayes den Gesang übernimmt.

Povogue Records (2026)
Stil: Blues

Tracklist:
1. The Missing Piece
02. Shine
03. Love By Any Other Name
04. Live Your Time
05. Faith
06. Driving On Through
07. Truth
08. The Race
09. Without You
10. It’s Not Time

Robin Trower
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V2 Records Promotion GSA

Ian Noe – Canyon Falls Trailer Band – CD-Review

Review: Michael Segets

Ich kann mich fast als Fan der ersten Stunde von Ian Noe outen. Das Debütalbum „Between The Country“ (2019) mit Songs wie „Letter To Madeline“, „Meth Head“ oder „Irene (Ravin‘ Bomb)“, nahm mich direkt für ihn ein. Die letzten beiden Songs finden sich neben zwei anderen bereits auf der selbst herausgegebenen EP „Off This Mountaintop” (2017), die ich kurz nach dem ersten Album auftreiben konnte. Auf dem zweiten Album „River Fools & Mountain Saints“ (2022) bestätigte Noe seine Qualität als Songwriter. Er gehört neben Taylor McCall zur jungen Generation dieser Zunft, die bemerkenswerte Alben abliefern. Seine Storys verpackt Noe zumeist in ruhige Folk-Balladen, die er variationsreich und stimmungsvoll arrangiert.

Die ersten beiden Longplayer bilden nach Noe mit „Canyon Falls Trailer Band” eine Einheit, die mit dem neuen Werk als Trilogie ihren Abschluss findet. Dabei wirkt das aktuelle Album quasi wie das Prequel zu den vorherigen. Folk und Country gehen auf ihm Hand in Hand und versetzen in die ländlichen Regionen der Appalachen und ihrer Folklore. Die Songs klingen ursprünglicher und in stärkerem Maße traditionsverhaftet als seine vorherigen. Aber Noe reproduziert nicht lediglich das Bekannte, sondern gewinnt einen eigenständigen, spielerischen Umgang mit den Traditionen.

Die Titel wurden innerhalb einer Woche im Studio aufgenommen und danach einem aufwendigen Bearbeitungsprozess unterzogen. Das Resultat lässt sich hören: Die erdige Grundausrichtung mit Live-Feeling bleibt erhalten, zudem integrieren sich musikalische Feinheiten unaufdringlich in den Sound. Bei der Einspielung konnte Noe auf die Kompetenz von Charlie McCoy (Mundharmonika), Billy Contreras (Geige) und Russ Pahl (Pedal Steel) zurückgreifen.

Das sechszehn Tracks umfassende Doppelalbum dreht sich um den einzigen, aber legendären Auftritt der fiktiven „Canyon Falls Trailer Band“. Die Stories der einzelnen Songs sind im Leben und Lebensgefühl Kentuckys, der Heimat von Noe, verwurzelt. Noe zeigt ein Händchen für Situationen und Menschen, wobei mich seine Stimme und Gesang immer wieder einfangen.

Der Longplayer bietet sich an, in Gänze gehört zu werden. Der Grundton ist eher balladesk, wobei Noe durchaus auch mal flottere Töne anschlägt. Die Single „The Heidelberg Fisherman’s Ball“ ist eine runde Midtempo-Nummer, „Another Night Like That“ ein Honky Tonk und „Redneck Mess“ nimmt sogar eine Wendung in Richtung Rock. Bei den Balladen läuft Moe zu der Form seiner früheren Veröffentlichungen auf („Antartica“, „Bible County“, „Return Of The Interstellar Angels“, „Jukebox Blues“). Das Highlight unter den langsamen Titeln stellt für mich „Tobacco Moon“ dar. Aber auch andere Beiträge haben es in sich wie „Whiskey To Work“ oder „Kentucky Hurricane“, bei denen Noe deutlicher Country-Pfaden folgt.

Mit „Canyon Falls Trailer Band” legt Ian Noe erneut ein Album vor, für das ohne Einschränkungen eine Empfehlung ausgesprochen wird. Zwischen Folk und Country besinnt sich der Songwriter aus Kentucky auf seine Wurzeln. Noe sieht mit dem aktuellen Werk den ersten Zyklus seines musikalischen Schaffens abgeschlossen. Man darf daher gespannt sein, zu welchen Ufern er zukünftig aufbricht.

Lock 13 Records/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. Canyon Falls Trailer Band
02. The Heidelberg Fisherman’s Ball
03. Tobacco Moon
04. She’s Familiar (In the Strangest Ways)
05. Kentucky Hurricane
06. What I’d Give
07. Redneck Mess
08. Antarctica
09. Another Night Like That
10. Bible County
11. Leeann
12. Return Of The Interstellar Angels
13. Whiskey To Work
14. Jukebox Blues (For Blaze Foley)
15. Dixie Speed
16. Kickin’ It In Nashville

Ian Noe
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Wade Bowen – The Version Of Me You Get – CD-Review

Es scheint wieder etwas Bewegung in die Red Dirt-Szene zu kommen. Nachdem sich Cross Canadian Ragweed wieder neu formiert und eine Live-LP vom Reunion-Konzert herausgebracht haben, tritt nun auch der Texaner Wade Bowen, einer der konstanten Headliner des Genres, mit einem neuen Album „The Version Of Me You Get“  an die Öffentlichkeit.

Das Werk entstand während einer schwierigen Lebensphase des Protagonisten in Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Kollegen Sean McConnell und reflektiert textlich und auch musikalisch das Gefühlsbad, das man in solch einer Zeit durchschreitet. Mit Bowens grandioser Stimme in Kombination lassen sich Dinge wie Selbstreflexion, Schwermütigkeit, Melancholie, Wut, Verzweiflung, aber auch Selbstironie mit viel Humor, wie hier bewiesen, bestens transportieren.

Bowen startet mit „Rain“, einem emotional gesungenen Killersong, in bester Tom Petty-Manier in das 10-Stücke-Konvolut. Die voraus gebrachte Single hat sich bereits an die Spitze der Texas Country Music- sowie der American Country Music-Charts hervorgearbeitet.

Ein wütender, das Leid nach einer Trennung herausschreiender Rocker folgt mit dem realitätsnahen „Burned In The Fire“,  da sieht sich wohl jeder wieder, der solche Dinge schonmal durchlebt hat.

Das countryeske „People Like  Us“ (mit weinender Steel) ist ein Loblied auf die hohen amerikanischen Werte des einfachen Mannes. Bowen singt im Refrain: „We don’t care about the Jonses, the only thing we want own is, a little picee of land and a handshake you can trust, people like us!“

Das ein wenig an Travis Tritt erinnernde, im Outlaw-Country-Stil performte „Way on The Levee“ (mit klasse raunzender ‚Slide-Gitarre) besticht zusätzlich mit einer gastgesanglichen Präsenz von Dan Tyminski (ehemals Alison Krauss & Union Station).

Und auf diese wechselnde Art und Weise auf durchgehend hohem Songniveau geht es dann auch weiter zu bis zum abschließenden Titelstück, der piano-getränkten Ballade „The Version Of Me You Get“., wobei sich der launige Mitsing-Countryschunkler „Hard World“ als  Stimmungsmacher für seine anstehenden Live-Konzerte herauskristallisiert.

Wade Bowens neues Album „The Version Of Me You Get“ kommt einem Versprechen gleich. Wer ihn über die Jahre kennen- und zu schätzen gelernt hat, weiß, dass er sich wohl immer auf  authentische, ehrliche und niveauvolle Musik auf höchstem Niveau verlassen kann. Erneut absolute Bestnote!

Bowen Sounds/Thirty Tigers/Membran (2026)
Stil: Red Dirt / Country Rock

Tracklist:
01. Rain
02. Burned In The Fire
03. People Like Us
04. Weight On The Levee
05. Turpentine
06. Better Left Alone
07. One More One Last Time
08. The Garden
09. Hard World
10. The Version Of Me You Get

Wade Bowen
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Oktober Promotion

Texas Hippie Coalition – Stoned Cowboys – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum begeht die Texas Hippie Coalition (THC) mit einem Doppelschlag. Sie bringt zeitgleich ihren neunten und zehnten Longplayer heraus. Wenn man sich nun fragt, warum nicht ein Doppelalbum in den Regalen steht, dann lautet die Antwort, dass die getrennte Veröffentlichung durch die unterschiedlichen Stile gerechtfertigt ist. „Stoned Cowboys“ und „Band Of Outlaws“ unterscheiden sich musikalisch deutlich.

Beim letztgenannten Werk verfolgen THC konsequent das, was sie Red Dirt Metal nennen. Das Quintett um Bandleader Big Dad Rich brettert ohne Kompromisse los. Verschnaufpausen gönnt sich die Band kaum. Zwar gibt es mal ein Intro oder eine Passage, die etwas zurückgenommen sind, aber die Songs gehen durchweg ein hohes Tempo mit ordentlichem Wumms. „Band Of Outlaws“ erscheint noch einen Tick härter und konsequenter als „Gunsmoke“. Die Zielgruppe liegt hier eindeutig auf Metal-Fans.

Etwas anders verhält es sich bei „Stoned Cowboys“. Die CD könnte für unseren Leserkreis interessanter sein. Wenn Big Dad Rich zum Einstieg bei „Damned Ol‘ Country Song“ verspricht, „we’re about to go Country“, dann legt er das Genre auf seine eigene Art und Weise aus. „Stoned Cowboys“ ist letztlich ein Rockalbum, das mehrfach auf den Country rekurriert. So kommt beim erwähnten Stück eine Geige zum Einsatz oder etwas Slide bei dem erstklassigen „Songs In The Rain“. „High In The Saddle“ oder „Rope The Wind“ gehen nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch noch als Countrybeiträge durch.

Kräftig schallende Gitarren, treibender Rhythmus sowie der Gesangsstil beim Opener „Fire Fire“ und dem folgenden „Last Of The Outlaws“ zeigen, dass die Band im Rock der härteren Gangart verwurzelt ist. Während „No Relations“ deutlich erdiger in Richtung Southern angelegt ist, stammen Rhythmus und Gitarrenlauf bei „Down Comes A Hammer“ aus der Hardrock-Sparte. „Bring Me The Moon“ vereint die beiden Spielarten des Rock.

Die Songs des Albums bleiben melodiös und wären mit den brachial wirkenden Stücken von „Band Of Outlaws“ nicht ohne Bruch vereinbar gewesen. Gesanglich zeigt Big Dad Rich – beispielsweise auf „Put The Gun Down“ – einige Facetten, die ich bei den anderen mir bekannten Veröffentlichungen von THC noch nicht wahrgenommen hatte. Die Bandkonstellation mit Cord Pool und Nevada Romo an den Gitarren, Rado Romo am Bass sowie Joey Mandigo am Schlagzeug ist seit „Gunsmoke“ allerdings konstant geblieben. Das Cover zeigt die Portraits der Musiker in Stein gemeißelt. Mount Rushmore und Deep Purple lassen hier grüßen. Aber der Albumname ist natürlich wieder doppeldeutig.

Der Genre-Mix aus Hardrock, Southern und Country, den die Texas Hippie Coalition auf „Stoned Cowboys“ verfolgt, habe ich in dieser Kombination noch nicht oft gehört. Big Dad Rich und seine Mannen legen ein originelles Album vor, das den Spieß umdreht und nicht Country mit Rock kombiniert, sondern Rock mit Country. Das funktioniert.

BIGDADRECORDS (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Fire Fire
02. Last Of The Outlaws
03. Put The Gun Down
04. No Relation
05. Damned Ol’ Country Song
06. Writing Songs In The Rain
07. High In The Saddle
08. Bring Me The Moon
09. Down Comes A Hammer
10. Rope The Wind

Texas Hippie Coalition
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Head First Entertainment

Megan Moroney – Support: Colin Lynch – Carlswerk Viktoria, Köln – Konzertbericht

Megan Moroney ist mir bis dato eher nur oberflächlich bekannt gewesen. Ich habe zumindest mit Erstaunen im Februar zur Kenntnis genommen, dass sie zwischenzeitlich, wenn auch nur für eine Woche, mit ihrem aktuellen Longplayer „Cloud 9“ die Nr.1-Alben-Dauerpräsenz der beiden Branchenführer Ella Langley und Morgan Wallen durchbrechen konnte.

Nach der finalen Akkreditierung am Tag zuvor, entpuppte sich die Anreise in die rund 80 km entfernte Domstadt am Spätnachmittag als überraschend entspannt und ich traf recht frühzeitig vor Einlass am Carlswerk Viktoria ein. Doch weit gefehlt. Ich hatte bei meinen bisherigen Besuchen in der Location noch noch nie in einer so langen Warteschlange gestanden.

Eine Heerschar an weiblichen Teenagern und jungen Damen, überwiegend vermutlich im präferierten Look ihres Idols mit Röcken und mit Schleifchen behangenen Cowboyboots gekleidet, hatte sich bereits erwartungsfreudig versammelt. Den überschaubaren Rest bildete wohl erwachsenes Begleitpersonal, Freunde oder Leute wie mich, die aus rein allgemeinen musikalischem Interesse vor Ort waren.

Als Voract gab es die übliche One-Man-Show, diesmal in Persona von Colin Lynch aus Pennsylvania. Der junge Bursche, der Musiker wie Bruce Springsteen, Zach Bryan, Jim Croce oder Jason Isbell als Einflüsse benennt, punktete mit einer selbstbewussten Vorstellung, in Form von Songs aus dem eigenen Fundus (u. a. „4th of July Darlin'“) und zwei ´Covernummern („Dancing On My Own“ von Robyn und  „Love Yourself“ von Justin Bieber).

Bei „Beach Fire Embers“ kam neben Gesang und der Akustikgitarre parallel auch noch das Mundharmonikaspiel zum Einsatz. Die dynamische und sympathische Vorstellung wurde mit viel Applaus zurecht belohnt, Lynch erwies sich als weiteres gutes Beispiel für das schier unerschöpflich erscheinende Reservoir an Talenten in den Staaten.

Nach recht kurz gehaltener Pause war dann die Bühne für Megan Moroney und ihr siebenköpfiges Begleitensemble bereitet. Die Tour ist entsprechend nach dem o. a. Erfolgsalbum benannt und so war es keine Überraschung, dass mit den Songs „Stupid“ und „Medicine“ daraus, in die aus mehreren Abschnitten eingeteilte Show (zwecks Kleiderwechsel – am Ende durften sich die beteiligten Musiker dann immer etwas ausgedehnter instrumentell zeigen) sofort stimmungsträchtig und dynamisch eingestiegen wurde.

Übrigens in Anklang an das Album waren die Farben Rosa und Pink omnipräsent, dazu glitzerten Megans Outfits bis hin zu ihren eingesetzten Gitarren fast in Dauerrotation. Die von Sugarlands Kristian Bush protegierte, aus Douglasville, Georgia stammende Country-Sängerin und -Songwriterin ließ dann ein einziges Feuerwerk an eingängigen und mitsingbaren Tracks ab, das als Highlights in Stücke wie die melancholischen „Who Hurt You“, „Wedding Dress“ und „Hope You Are Happy“ sowie den Hits „Cloud 9“ oder „Tennessee Orange“ mündete.

Das flockige mit ein wenig Heartland-Flair bedachte „Am I OK?“ und das launige „6 Month Later“ als einzige Zugabe beendeten ein stimmungsträchtiges Event einer aufstrebenden Country-Künstlerin mit großen Ambitionen, bei dem ihre Klientel voll auf die Kosten kam. Damit dann auch wirklich alle typischen Klischees bedient wurden, kam Steel Player Justin Schipper auch noch zur Zugabe mit einem FC Köln-Trikot an sein Arbeitsgerät.

Die gewohnten Bilder bei uns vom Gig gibt es nicht, die wurden nur agenturseitig von den skandinavischen Konzerten in überschaubarer Anzahl zur Verfügung gestellt. Während die rund 1.500 Leute lustig mit ihren Handys filmten und knipsten und die Schnappschüsse in, weiß was für einer Qualität ins Netz stellen werden, wurde es professionellen Akteuren seitens des MM-Managements schon im Vorfeld komplett verwehrt. Dabei hätte es dank der attraktiven blonden langmähnigen Protagonistin, dem schönen Bühnenambiente samt der toll gestalteten Video-Bühnenwand im Hintergrund, sicherlich tolle Fotos gegeben.

Das verstehe, wer will, jemand wie ich, der seit fast 30 Jahren erfolgreich in der Werbebranche arbeitet, jedenfalls nicht. Den Megan Moroney-Fans mag das völlig egal gewesen sein, sie hatten jedenfalls an diesem Abend ihren erwartet großen Spaß und schienen während und nach dem Gig begeistert auf Wolke 7 zu schweben, ähm, in diesem Falle wohl besser gesagt, eher auf Cloud 9…

Line-up:
Megan Moroney (lead vocals, guitars)
Justin Schipper (pedal steel)
Riley Lowery (electric guitar)
John Barker (electric guitar)
Lance Martin (guitar, mandolin, banjo)
Alex Shernit (bass)
Eric Pritchard drums)
Haley Sullivan (keys)

Text: Daniel Daus

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concertteam nrw
Carlswerk Victoria

Warren Haynes – Dreams & Songs – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Symphonic Amadeus Festival in Asheville, North Carolina, war im März 2019 Schauplatz einer außergewöhnlichen Auftaktveranstaltung. Zur Eröffnung spielte das 64-köpfige Orchester zwei Konzerte mit einem der berühmtesten Söhne der Stadt: Warren Haynes, Grammy Award gekrönter Gitarrist, Sänger, Songschreiber, Produzent und Frontman der Band Gov’t Mule, war für die genreübergreifende Kooperation mit ausgewählten Begleitmusikern in das Thomas Wolfe Auditorium gekommen. Entstanden sind damals die Aufnahmen für “Dreams And Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphonic Orchestra”, eine einzigartige musikalische Reise durch die Blues-Rock Jam-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Kurz vor Ablauf der 60er-Dekade veröffentlichten Deep Purple die Live-Scheibe “Concerto for Group and Orchestra” (1969) und eröffneten mit den bahnbrechenden Aufnahmen eine anhaltende Beziehung zwischen Heavy-Rock und klassischer Musik, die sich in diesem Werk fortsetzt.

Mit einer Reminiszenz an Gregg Allman startet “Dreams” (1969) in den Longplayer, den Haynes (über Jahre Bandmate der Allmans) hier dankbar über 11 Minuten zelebriert. Weitere symphonische Hymnen dieser “Song-Perlenkette” folgen wie aufgereihte Teile eines Medleys: “Bank Of The Deep End” (Gov’t Mule, 2001), “Broken Promised Land” (1993), sowie “Spots of Time” vom legendären “Ashes & Dust”-Album (2015) bringen magischen Blues-Rock mit in die klassischen Interpretationen. Neue Avantgarde-Arrangements verleihen „Thorazine Shuffle“ (Gov’t Mule, 1998) und dem Grateful-Dead-Klassiker „Terrapin Station“ (1977) eine grandiose neue Klangdimension, die durch „Makes No Difference“ (The Band) eindrucksvoll ergänzt wird.

Die sorgfältig zusammengestellte Tracklist zeigt das Potenzial vieler Songs. „Raven Black Night“ (Gov’t Mule, 1998), einst ein Gothic-Country-Titel, wird mit klassisch-sinfonischer Inszenierung und „rockigen“ Keyboard-Parts für das Konzert völlig neu interpretiert. Das folgende „Just Another Rider“ (Gregg Allman, 2011) wirkt etwas zurückhaltend während die retrotraditionelle Fassung von „Black Peter“ (1970) im klassischen Gewand Charme versprüht und als Grateful Dead Oldie großen Anklang beim Publikum findet. Die U2-Ballade „One“ (1991) bleibt in einer zarten, originalnahen Streicherfassung und bereitet dramaturgisch auf die abschließenden Highlights vor.

Die unverwüstliche “Shakedown Street” (1978) schließt den Grateful Dead-Zyklus in funkiger Rockausführung als Rhythmus-Lieferant. Seine weitere tiefe Verbundenheit bringt Warren Haynes auch mit dem letzten Stück nochmal auf die Setlist: “Whipping Post” (über 12 Minuten lang), ein Allman Brothers Klassiker (1969), eine “explodierende” Orchesterbegleitung, die den Blues-Rock Meilenstein zusätzlich veredelt. Kaum in Worte zu fassen sind die anhaltende Strahlkraft der Aufnahmen, ihre psychedelischen Klangfarben und die emotionale Schönheit der Orchestrierungen. Dazu kommt ein Orchester, das den bluesgetränkten Songs mit spannungsgeladenen Arrangements einen völlig neuen Charakter verleiht. Und mittendrin: ein Warren Haynes in überragender Form, kongenial unterstützt von Oteil Burbridge (Bass), John Medeski (Keys), Greg Osby (Saxofon) und Jeff Sipe (Schlagzeug).

Definiert über die Breite der Tracks und die komplexen Orchesterpassagen schaffen Warren Haynes und Co-Produzent Don Was (u.a. Bob Dylan, Rolling Stones) mit “Dreams & Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphony Orchestra” einen musikalischen “Quantensprung”. Die handverlesenen 16 Songs gewinnen durch die Orchestrierung, die neuen Arrangements und das Zusammenspiel von Orchester und Band eine außergewöhnliche musikalische Tiefe. Laut Presse-Info soll die Konzerterfahrung im März 2027 mit dem Nashville Symphony Orchester fortgesetzt werden.

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues-

 Blues Rock, Jam Rock

Tracks:
01. Dreams and Songs (Part One)
02. Dreams
03. Banks Of The Deep End
04. Spots Of Time
05. Broken Promised Land
06. Thorazine Shuffle
07. Makes No Difference
08. Terrapin Station
09. Raven Black Night
10. Just Another Rider
11. Black Peter
12. Instrumental Illness
13. One
14. Shakedown Street
15. Whipping Post
16. Dreams and Songs (Reprise)

Warren Haynes
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V2 Records

Donna Herula – Cold Feet – CD-Review

Review: Michael Segets

Blues liegt eher am Rande meiner musikalischen Interessen, daher war mir Donna Herula bislang unbekannt. Dabei ist sie in der Blues-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Herula erzielte mit ihrem Album „Bang At The Door“ (2021) einen Charterfolg, erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde in die Chicago Blues Hall Of Fame aufgenommen. Früher in kleiner Besetzung akustisch unterwegs, entdeckt sie den Reiz einer größeren Bandbesetzung und setzt auf ihrem nunmehr vierten Album „Cold Feet“ vermehrt elektrische Instrumente ein.

Reminiszenzen an ihre akustische Vergangenheit finden sich auch auf der neuen CD mit dem instrumentalen Opener „On My Way Home“, mit „Float To Heaven“ sowie mit „Wish I Could See You Again“. Beim letztgenannten Stück spielt sie selbst eine akustische Gitarre und wird vom Produzenten des Longplayers Jon Shain auf einer weiteren begleitet. Der Song lässt sich ebenso wie „Float To Heaven“, das Anne Harris mit ihrer Geige begleitet, eher im Bereich des Folks oder Americana verorten. Etwas Soul im Stil der Commitments mischt sich bei „Things Can Change“ mit auf die CD.

„Cold Feet“ ist also kein reines Blues-Album, obwohl der Schwerpunkt schon auf dem Genre liegt. Das Songwriting bei „Honey Darlin‘ Baby Please“ erinnert anfänglich etwas an das von Luke Winslow-King. Hercula singt hier mit kraftvoller Stimme, mehr Gefühl transportiert sie bei dem Cover „Cypress Grove Blues“, auf dem sie zudem zur Resonator Gitarre greift. Neben dem Song von Nehemiah Skip James interpretiert sie das von Elmore James und Robert Leroy Johnson stammende „Dust My Broom“. Herula liefert eine gelungene, rockige Version des Stücks ab. Dem Bluesrock fröhnt sie ebenfalls auf dem Titeltrack und dem starken „Backseat Driver“ mit Mundharmonika und einem akzentuierten Schlagzeug in der Bridge. Die Chicagoerin zeigt sich bei der Instrumentierung der Stücke sowieso flexibel. Auf einem der Highlights „What You Gonna Do?“ tritt beispielsweise mal ein Saxophon auf.

Für eine Eigenproduktion ist das Booklet bemerkenswert. Hier wurde nicht gespart. Es umfasst sechzehn Seiten, auf denen es die Texte, Fotos und ausführliche Liner Notes des Musikjournalisten Mark Thompson gibt.

„Cold Feet“ von Donna Herula spricht nicht nur eingefleischte Blues- oder Bluesrockfans an. Zum Repertoire der Musiklehrerin aus Chicago gehören auch Americana und Soul. Die CD bietet mit acht Eigenkompositionen und zwei Covern ein abwechslungsreiches Programm mit akustischen und elektrifizierten Titeln in einer variantenreichen Instrumentierung.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. On My Way Home
02. Cold Feet
03. Honey Darlin’ Baby Please
04. Cypress Grove Blues
05. Backseat Driver
06. What You Gonna Do?
07. Wish I Could See You Again
08. Things Can Change
09. Float To Heaven
10. Dust My Broom

Donna Herula
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