
Gráinne Duffy habe ich zu meiner eigenen Schande leider etwas aus den Augen verloren (vielleicht auch ein wenig ihrer überwiegenden Präsenz in den Staaten geschuldet). Ich hatte die Irin vor vielen Jahren mal, als ich gerade im Begriff war, Sounds Of South aufzubauen, im urigen Leverkusener topos gesehen und war von ihrer Performance hellauf begeistert gewesen.
Eine tolle, leicht angeraute Stimme und ein gitarrenorientierter, melodischer Blues Rock sowie eine sympathische Aura, hinterließen einen bleibenden Eindruck, allerdings ergab sich danach irgendwie nie eine weitere Option eines Live-Besuchs oder eines Reviews ihrer Scheiben, die ja immer mal wieder in der Zwischenzeit bis heute erschienen.
Nun konnte ich endlich zum Erscheinen ihres neuen Werks „What Am I Supposed To Do“, aufgenommen in den 64 Sound Studio in Los Angeles, die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine Scheibe mit (leider nur) neun Stücken, unter Mitwirkung vieler bekannter musikalischer Persönlichkeiten, sei es bei der Produktion mit Marc Ford (The Black Crowes) und Grammy-Gewinner-Justin Stanley, oder wie u. a. Drummer Kenny Aronoff (John Mellencamp, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Paul McCartney), Bassist Jørgen Carlsson (Gov’t Mule), Keyboarder Peter Levin (Blind Boys Of Alabama), Marc Ford, Langzeitgitarrist Paul Sherry.
Sieben Eigenkompositionen (Duffy alleine oder in Kooperation mit Paul Sherry) stehen zwei markanten Adaptionen „Tragedy“ (von Peter Wolf, 2010 auf dessen Award-prämiertem Solo-Album „Midnight Souveniers“ erschienen) und der „Little Willie“ John-Klassiker „Need Your Love So Bad“ (überwiegend bekannt durch Peter Green und die Allman Brothers) gegenüber.
Auffällig ist hier eigentlich bei fast allen Tracks die deutliche Inspiration der klassischen Rockmusik der 70-90er Jahre, es wimmelt nur so von instrumentellen ‚Zitaten‘ wie Bad Co. („Early In The Morning“), den Stones („Streets Of Love“), Quireboys, Frankie Miller, beim tollen Duett mit Paul Sherry („Tragedy“), Kim Carnes („Hurts Just The Same“), The Faces („Takin‘ My Heart Away“) oder den Beatles und Free („Got To Give It Up“).
Lediglich „Need Your Love So Bad“, das wahrlich gut umgesetzt ist, kann den Vergleich mit der ‚dreckigen‘ Version der Allman Brothers am Ende nicht ganz standhalten.
Insgesamt ist Gráinne Duffy mit „What Am I Supposed To Do“ ein launiger, gut ins Ohr gehender Longplayer gelungen, der absolut meinen Geschmack trifft und diesen Sommer noch öfter in meinem Player landen wird. Schön wäre auch mal wieder ein Live-Erlebnis in unseren Sphären.
Eigenproduktion (2026)
Stil: Classic-, Blues-, Country Rock
Tracklist:
01. Early In The Morning
02. What Am I Supposed To Do
03. Streets Of Love
04. Tearing Me Apart
05. Tragedy
06. Hurts Just The Same
07. Takin‘ My Heart Away
08. Got To Give It Up
09. Need Your Love So Bad
