Ryan Bingham And The Texas Gentlemen – They Call Us The Lucky Ones – CD-Review

Review: Michael Segets

Da ist er nun, der heiße Anwärter auf das Album des Jahres: Ryan Bingham and The Texas Gentlemen veröffentlichen mit „They Call Us The Lucky Ones” einen erstklassigen Longplayer. Nach seinen Ausflügen in die Schauspielerei („Yellowstone“) und seinem Solo-Projekt „Watch Out For The Wolf“ entdeckte Bingham seine Leidenschaft für das Musizieren im Kreise seiner Band wieder. Ein erstes Zeugnis davon legt sein Auftritt mit den Texas Gentlemen im Red Rocks Amphitheatre ab. Nun hat er elf neue Songs am Start, mit denen er das Roots Rock- und Americana-Herz ins Schwarze trifft.

Die Spielfreude der Band schwappt bei „I Got A Feelin‘“ oder „I’m A Goin‘ Nowhere“ über, bei denen die lockere Atmosphäre im Studio sowie der Spaß bei den Aufnahmen zu erahnen sind. Auf „Ballad Of The Texas Gentlemen“ feiert sich die Truppe quasi selbst. The Texas Gentlemen Ryan Ake, Daniel Creamer, Paul Grass und Scott Lee erhalten durch Richard Bowden (Geige, Mandoline) sowie Cody Huggins (Gitarren, Pedal Steel) auf dem Album durchgehend Unterstützung.

Huggins schrieb auch den Titeltrack und greift dort zur 12-String. „The Lucky Ones“ besticht durch einen klasse Refrain. Bingham hat bei seinen zehn Eigenkompositionen ebenfalls ein Händchen für Songstrukturen, die einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen. Gelegentlich setzt er dabei auf einen mehrstimmigen Chorus („Blue Skies“, „I’m A Goin‘ Nowhere“). Die Qualität des Storytelling kommt bei den langsamen Beiträge besonders zur Geltung. „Cocaine Charly“ schildert beispielsweise das Schicksal eines Dealers, der von seiner Frau verraten und erschossen wird. Jede Sekunde der fast siebenminütigen murder ballad fesselt.

Die musikalischen Arrangement variieren, sodass jeder Beitrag sich von den anderen abhebt. Mundharmonika und Mandoline würzen „Twist The Knive“. Beim sanften Ghost Track „Twiglight“ reduziert sich die Begleitung auf ein Klavier. Daniel Creamer hämmert beim kantigen „Let The Big Dog Eat“ kräftig auf seine Keys. „Relevance“ legt ein galoppierendes Uptempo vor. Egal ob ruhigere Töne angestimmt werden oder die Fahrt in Richtung Rock geht: die Stücke überzeugen. Da Overdubs auf ein Minimum reduziert wurden, klingen die Aufnahmen rau und authentisch.

Einen einzelnen Ausritt in den Country unternimmt Bingham mit „Americana“. Der Titel entpuppt sich als eine bittere Abrechnung mit der amerikanischen Mentalität. Bei den Texten anderer Songs klingen ebenfalls gesellschaftskritische Töne an. Zumal es in der Welt nicht so rosig zugeht, propagiert Bingham die Liebe und die Lebensfreude an den kleineren Dingen.

Die Musikwelt darf sich glücklich schätzen, dass sie in den Genuss von „They Call Us The Lucky Ones” kommt. Ryan Bingham And The Texas Gentlemen haben ein vielseitiges und vielschichtiges Album geschaffen, das Americana und Roots Rock der authentischen Sorte bietet.

The Bingham Recording Company/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Americana, Roots Rock

Tracks:
01. The Lucky Ones
02. Let The Big Dog Eat
03. I Got A Feelin’
04. Twist The Knife
05. Americana
06. Cocaine Charlie
07. Blue Skies
08. Relevance
09. The Ballad Of The Texas Gentlemen
10. I’m A Goin’ Nowhere
11. Twilight (Ghost Track)

Ryan Bingham
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Kiefer Sutherland – 09.05.2026, Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Puh, wie die Zeit vergeht. 3 1/2 Jahre ist es schon wieder her, als ich Kiefer Sutherland zuletzt bei einem Konzert in Köln erlebt habe, damals im größeren Carlswerk. Jetzt hatte er sich im Rahmen der Promotion für sein neues Album „Grey“, das am 29. Mai veröffentlicht wird, zu einer Europa-Tour angesagt, bei der Deutschland viermal bedacht wurde.

Der Gig in der Kölner Live Music Hall bildete davon gestern den Abschluss. Zunächst hatte aber der Ire Colin Andrew, aus dem County Kerry stammend, die Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Iren sind ja hier bei uns eine beliebte Spezies. Andrew, der Sutherland auch 2024 schonmal sporadisch supportete, hatte mit seinem Charme und humorvollen Auftreten, keine Probleme, das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Das gelang ihm in der Anfangsphase ganz schnell mit einer guten Coverversion des Prince-Klassikers „Purple Rain“. Aus dem eigenen Portfolio blieb in den insgesamt kurzweiligen 30 Minuten noch das abschließende „Still Waiting“ hängen. Der Bursche kam beim Publikum in der Domstadt gut an.

Eine halbe Stunde später pünktlich um 20:00 Uhr betrat der kanadische Protagonist Kiefer Sutherland, vielen bei uns hier eher als Schauspieler bekannt, als Part seines für die Europa-Tour zusammengestellten Quintetts, unter großem Applaus die Bühne.

Mit den Brüdern Ash und Phil Wilson sowie Roger Inniss hatte er gleich drei Musiker, die ich auch schon entweder in eigener Sache (Ash Wilson Trio) oder in Begleitung von Interpreten wie Sari Schorr, Tasha Taylor oder beim Blues Caravan in kleinerer Umgebung kennengelernt hatte und die zum Teil auch in unserer VIP-Galerie ihren Platz haben.

Für den Country-Touch in seinen Songs sorgte der amerikanische Multi-Instrumentalist CJ Hillman oder auch besser bekannt als Chris Hillman. Sutherland bot den von ihm typisch zelebrierten Americana-Sound in Stile der großen amerikanischen Rock-Poeten a là Springsteen, Petty & Co. mit schönen Ausflügen in Country-, Southern- und Pop-Rock-Gefilde.

Das sympathische an ihm ist sein sehr natürliches Benehmen und Erscheinungsbild, die aufgesetzte und affektierte Art vieler prominenter Persönlichkeiten seines Kalibers liegt ihm offensichtlich fern.

Dem Southern Rock-Passionisten ging natürlich bei der Coverversion des Marshall Tucker-Evergreens „Can’t You See“ das Herz auf, der hier mit 3er-E-Gitarren-Besatz in einer sehr rockigen Version modifiziert wurde.

Das neue Werk „Grey“ wurde mit den Stücken „Down Below“ (Opener), „Goodbye California“, „Come Back Down“, „American Farmer“ (in Protestsong-Manier der Marke Dylan),“Simpler Time“ und „Starlight“ (letzte Zugabe mit epischem E-Gitarren-Solo von Ash Wilson) mehr als ordentlich bemustert. Dazu kam noch mit „Love Will Bring You Home“ (geschrieben von Kiefer zusammen mit Ash Wilson) ein bis dato unveröffentlichter fluffiger und melodischer Track hinzu, der auch als Namensgeber der Tour fungiert.

Shuffliges Bakersfield-Flair verströmte das countryeske „This Is How It’s Done“, „Down In A Hole“ bot heftigen Stampf-Rock. Das southern-soulige „Friday Night“ begeisterte auch an einem Samstag-Abend, ein Highlight. Der Tex-Mex-Schunkler „Agave“ bot einen launigen Abschluss eines durchweg gelungenen und sehr abwechslungsreichen Hauptteils.

Im Zugabenbereich hatten Kiefer & Co. neben dem bereits erwähnten „Starlight“ vom neuen Silberling, mit dem Phil Collins Welthit „In The Air Tonight“ noch ein echtes Überraschungsbonbon in petto, bei dem es Phil Wilson dann im berühmten Drum Bridge krachen lassen durfte.

Für Kiefer Sutherland und seine Truppe geht es jetzt nach einem kurzen Abstecher in Belgien bis Ende Mai weiter nach UK, wo Inniss und die Wilsosn dann Heimspiele haben.

Line-up:
Kiefer Sutherland (lead vocals, electric guitar)
Chris Hillman (electric guitar, pedal steel)
Ashley Wilson (electric guitar)
Roger Inniss (bass)
Phil Wilson (drums)

Text und Bilder: Daniel Daus

Kiefer Sutherland
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Colin Andrew
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Motion
Live Music Hall, Köln

Amy Grant – The Me That Remains – CD-Review

Review: Michael Segets

Lange hat man nichts mehr von Amy Grant gehört. Vor zehn Jahren gab es noch ein Weihnachtsalbum, dann war bis „The Me That Remains“ weitgehend Funkstille. Nach schweren gesundheitlichen Problemen, unter anderem aufgrund eines Unfalls, verschoben sich die Prioritäten. Die sechsfache Grammy-Preisträgerin kann es nach fünfzig Jahren im Musikgeschäft etwas ruhiger angehen. Als Teenager stieg Grant mit christlicher Musik ein, bevor sie über diese Sparte hinaus Bekanntheit erlangte. Sie erzielte vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika Millionenverkäufe im zweistelligen Bereich.

Ihre religiöse Überzeugung kommt bei „Beautiful Lone Companion“ sehr deutlich zum Ausdruck und auch bei anderen Titeln („Please Don’t Make Me Beg“, „(Nothing Like A) Sunny Day“) spielt diese bei einzelnen Textzeilen hinein. Die überwiegende Zahl der zehn Eigenkompositionen wendet sich aber anderen Themen zu, die für die Songwriterin biographisch bedeutsam sind. Die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit („The Other Side Of Goodbye“) oder die Frage nach Identität und Veränderung („The Me That Remains“), die sich Grant nach ihrem Unfall stellte, berühren dabei das Allgemeinmenschliche ebenso wie die Krisen in Beziehungen („‘Til We Get It Right“) oder die Dankbarkeit für Freundschaften („Friend Like You“).

Das Coverartwork wurde von Wayne Brezinka gestaltet. Die Collage zeigt Gegenstände und Dokumente von Grants (Familien-) Geschichte. Das Bild spiegelt damit Elemente wider, die wohl das ausmachen, was ihr Leben prägte. Mit dem Alter wechselt die Perspektive auf die eigene Person und das Selbstverständnis wandelt sich, wie Grant in einem Interview formuliert:„Je älter ich werde, desto bewusster wird mir, dass wir alle lange genug leben, um zu sehen, wie verschiedene Versionen von uns selbst sterben.“

Musikalisch verfolgt Grant zusammen mit dem Produzenten Mac McAnally ein Konzept, das sich an der Singer-Songwriter-Tradition orientiert. Die proklamierte Reduktion des Sounds erweist sich in der Umsetzung als relativ. Grant hat stets eine verlässliche Band im Rücken, sodass das Album nicht minimalistisch wirkt. Die Songs sind zweifellos gut komponiert und performt. Für meinen Geschmack erscheinen die Arrangements insgesamt etwas zu glatt, sodass es keine großen Überraschungen gibt, die aufhorchen lassen.

Grant steigt mit „The 6th Of January (Yasgur’s Farm)” ein, bei dem sie den Geist von Woodstock beschwört. Nach dem dynamischen Duett mit Ruby Amanfu „How Do We Get There From Here“ folgt die runde Midtempo-Nummer „Please Don’t Make Me Beg“. Weniger überzeugt „The Saint“, bei dem mich das leblos wirkende Schlagzeug stört. Nicht zuletzt dadurch bekommt das Stück einen deutlichen Einschlag in Richtung Pop.

Gelungener sind wiederrum die beiden Balladen „Beautiful Lone Companion“ sowie „The Me That Remains”, die haupsächlich durch ein Klavier begleitet werden und in Gänze zurückhaltender instrumentiert erscheinen. Aus dem Gesamtkonzept fallen „‘Til We Get It Right“ sowie „(Nothing Like A) Sunny Day“ heraus. Hier unternimmt Grant Ausflüge in poppige Spielarten des Soul und Reggae. Bei den letzten beiden Tracks holt sie sich nochmal Unterstützung durch Gastsänger:innen. Vince Gill singt bei „Friend Like You“ mit, Sarah Cannon und Corrina Gill bei „The Other Side Of Goodbye“.

Grant definiert sich mit „The Me That Remains” nicht grundsätzlich neu, sodass sie mit dem aktuellen Werk wahrscheinlich an ihre früheren Erfolge anknüpft. Das Mainstream-taugliche Album ist professionell arrangiert, wobei nichts dem Zufall überlassen wurde. Die Eingängigkeit – um nicht Gefälligkeit zu sagen – geht tendenziell auf Kosten der Intensität. So hätten die Songs ihr Potential durch eine stringent reduzierte Produktion weiter ausschöpfen können. Dennoch erweist sich Grant mit ihren Texten und Kompositionen als ernstzunehmende Singer/Songwriterin.

Amy Grant Productions – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. The 6th Of January (Yasgur’s Farm)
02. How Do We Get There From Here (feat. Ruby Amanfu)
03. Please Don’t Make Me Beg
04. The Saint
05. Beautiful Lone Companion
06. The Me That Remains
07. ‘Til We Get It Right
08. (Nothing Like A) Sunny Day
09. Friend Like You (with Vince Gill)
10. The Other Side Of Goodbye (with Sarah Cannon & Corrina Gill)

Amy Grant
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Kacey Musgraves – Middle of Nowhere – CD-Review

Die Karriere der Singer/Songwriterin Kacey Musgraves ist seit ihrem Debüt „Same Trailer Different Park“ im Jahr 2013 eine einzige Erfolgsgeschichte. Jeder bisher veröffentlichte Longplayer  landete auf Platz 1 der Country Billboard Charts.

Seither hagelte es acht Grammys  (u. a. das Album des Jahres für „Golden Hour“) und vielfache weitere Auszeichnungen in diversen Rubriken für die humorvolle und sympathische Texanerin. Sie stammt ja aus einer Kleinstadt mitten im Nichts des Lonestar States und auch beziehungstechnisch schien es wohl in letzter Zeit nicht rund gelaufen zu sein. Somit erscheint der Titel ihres neuen Werkes „Middle of Nowhere“ auch in metaphorischer Hinsicht eine aktuelle und treffende Beschreibung des Istzustandes, den es hier aufzuarbeiten galt.

Und es ist ihr mit Brillanz gelungen, natürlich auch, weil hier nichts dem Zufall überlassen wurde. In der Zusammenarbeit beim Songwriting und der glasklaren Produktion wurde mit Leuten wie u. a. Daniel Tashian und Ian Fitchuk wieder auf Altbewährtes gesetzt. Zusätzliche Glanz verbreiten Gastpräsenzen von Künstlern wie Willie Nelson, Miranda Lambert, Billy Strings und Gregory Alan Isakov.

Die neuen Songs bestechen durch ihre Simplizität bei maximaler Effektivität. Das sind alles wunderbar ‚leichtfüßige‘ Melodien, arrangiert mit lockeren, transparent ausgesteuerten Akustik- und E-Gitarren, sowie typischen Steeleinlagen für das Countrylabel. Die Drums, sporadisch immer wieder  loopähnlich eingesetzt, geben Tracks wie „Dry Spell„, „Back On The Wagon“, „I Believe In Ghosts“, Loneliest Girl In The World“, „Everybody Wants To Be A Cowboy“, „Rhinestoned“ oder „Mexico Honey“ dieses radiotaugliche Esprit, das natürlich von Musgraves‘ betörender Stimme den endgültigen Kick enthält. Einfach zum Dahinfließen.

Und für die Traditionalisten sorgen atmosphärischen Lieder mit Western Touch wie „Abilene“ und „Coyote“, als auch humorvolle Schunkler der Marke „Horses and Divorces“ (allein schon der Titel ist klasse) und „Uncertain, TX“ (beide mit integrierten Akkordeonklängen) für das entsprechende Gegengewicht. Am Ende ist es der Protagonistin gegönnt, bei „Hell On Me“ die gescheiterte Beziehung unter schmerzvollem Gesang zu reflektieren.

Mit dem neuen Album „Middle of Nowhere“ (das Coverbild wurde übrigens von Kaceys Schwester fotografiert)  sollte es zumindest in beruflicher Hinsicht wieder vollauf ins Rampenlicht gehen. Eine erneute Top-Platzierung in den Charts liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Und vielleicht klappt es dann ja auch wieder mit der Liebe. Die Liste der Verehrer dürfte sehr sehr lang sein…

Lost Highway Records (2026)
Stil: New Country

01. Middle of Nowhere
02. Dry Spell
03. Back On The Wagon
04. I Believe In Ghosts
05. Abilene
06. Coyote
07. Loneliest Girl In The World
08. Everybody Wants To Be A Cowboy
09. Horses and Divorces
10. Uncertain, TX
11. Rhinestoned
12. Mexico Honey
13. Hell On Me

Kacey Musgraves
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Universal Music

Todd Thibaud Band – 28.04.2026, JuBB, Essen-Werden – Konzertbericht

Im Americana-/Roots Rock-Bereich ist in unserem Magazin ja mittlerweile der geschätzte Kollege Michael Segets federführend, allerdings habe ich hier auch meine Kenntnisse, Erfahrungen und Präferenzen.

Todd Thibaud steht dabei schon seit vielen Jahren/Dekaden ganz oben, den ich in verschiedensten Konstellationen live mehrfach gesehen habe, wie mit seiner eigenen Band, Hardpan oder auch im Verbund mit Joseph Parsons.

In den letzten Jahren habe ich ihn, selbstverschuldet oder nicht, ein wenig aus den Augen verloren und nur eine CD-Besprechung im Rahmen seines weiteren Projekts, Water And Sand, zur Kenntnis genommen.

Da passte es momentan hervorragend, dass er diesmal (wieder unter eigenem ‚Label‘ mit Band) im beschaulichen, direkt an der Ruhr gelegenen Essen-Werden, nur knapp zwanzig Minuten von meiner Arbeitsstelle im Essener Zentrum, im dortigen Jugend- und Bürger Zentrum (JuBB) nochmals vorstellig wurde.

Der Macher der Location, Gerd Dubiel, sorgte für eine spontane und unkomplizierte Akkreditierung, obwohl das Konzert bereits restlos ausverkauft war (vielen Dank dafür nochmals nachträglich).

Todd Thibaud sah nach den vielen Jahren eigentlich aus wie in Erinnerung. Körperlich gut in Schuss, nicht ein Haar ergraut oder ausgefallen, lol. Er bediente eine Rickenbacker im Rahmen des Rhythmusgitarrenspiels und hatte naturgemäß die Centerposition am Mikro in Sachen Lead vocals inne. Auch seine beiden etatmäßigen Mitstreiter Robert Juliano (der leistete die quirlige E-Gitarren-Soloarbeit an der gewohnten Telecaster und Harmoniegesänge) und Sean Staples (Rhythmusgitarre und die zirpende Mandoline, Harmoniegesänge) wirkten wie unverändert.

Die routinierte Rhythmusfraktion bestehend aus Chris Anzalone an den Drums und Ed Valauskas am Bass (auch Harmoniegesänge), die auch auf Thibauds neuem Album „Alchemy“ mit dabei sind, bildeten das gewohnt gute Fundament bei Thibaud-Auftritten.

Das neue Werk, das offiziell erst am 22. Mai erscheinen wird, stand natürlich mit vielen Tracks (u. a. „Follow“, „Fight Or Flight“, „Farewell So Long“, „Good Things Now“, „Alchemists“ „Saviour und „Heaven’s On The Move“), die beide gespielte Sets durchzogen, dann auch im Mittelpunkt.

Auffallend der recht rockige Charakter der neuen Stücke (herrlich vor allem das seiner verstorbenen Mutter gewidmete „Mother Comfort“,  das mit ein Highlight war). Die Thibaud-typischen balladesken Momente, die man natürlich auch nicht missen möchte, wurden älteren Tracks überlassen wie z. B. einem meiner Alltime Favorites „Louisiana“ oder „Anywhere“. Weitere Klassiker wie „Long Way Down“ (im Andenken an Chris Burroughs) oder „Is It Love“ durften natürlich nicht fehlen.

Am Ende betonte Todd wie sehr er sich doch in unseren Landen über die knapp dreißig Jahre hinweg immer wohlgefühlt hat und bedankte sich ganz herzlich bei seinen Live-Supportern im Saal. Seine Empathie mit dem Publikum unterstrich er dann auch mit gleich drei Zugaben, wie u. a. der fast in Black Crowes-Manier rockende Stones-Hit „Tumbling Dice“ und „4th of July“.

Ein, wie immer,  toller Abend mit Todd Thibaud mit seinen Mannen und man kann nur hoffen, dass das ‚Farewell‘-Motto, das über der weiterführenden Tour schwebt, nicht das letzte Wort ist und gegebenenfalls nochmal überdacht wird. Unsere Arme werden jedenfalls weiter offen gehalten sein!

Line-up:
Todd Thibaud – lead vocals, electric guitar
Thomas Juliano – electric guitar, bgv
Sean Staples – mandolin, electric guitar, bgv
Ed Valauskas – bass, bgv
Chris Anzalone – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Todd Thibaud
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Blue Rose Records
Jugend- und Bürgerzentrum, Essen-Werden

Krissy Matthews & The Vikings – Rock And Roll Soldier – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Es ist ja schön, wenn Kinder früh mit Musik und Instrumenten in Berührung kommen. Wenn Krissy Matthews in seiner Biographie allerdings schreibt, er sei als Dreijähriger mit seinem Vater beim Roy-Orbison-Hit „Pretty Woman“ auf der Bühne gestanden, kann man sich schon fragen, was Little Krissy da wohl hat gemacht hat. Sei’s drum.

30 Jahre später ist der britisch-norwegische Gitarrist ein angesehenes Mitglied der Blues Rock-Szene. Er gehört zum Stammpersonal der Hamburg Blues Band und war auch schon mit Layla Zoe auf Tournee. Auf der CD „Krissy Matthews & Friends“ von 2024 hat er sich mit zahlreichen Mitmusikern umgeben, wobei „Ain’t Got No Troubles On The Road“ mit Chris Farlowe sicher ein Höhepunkt war.

Auch sein neues Werk, aufgenommen mit seinen norwegischen Weggefährten Trond Hansen (Bass) und Kare Amundsen (Schlagzeug), weist etliche Gäste auf. Dabei dürfte der amerikanische Gitarrist Tommy Castro, flotte 71 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, wohl der renommierteste sein. Wenn’s um Krissy Matthews geht, fällt gern mal der Begriff Hansdampf in allen Gassen. Beim rauen, ungeschliffenen Titelsong „Rock ’n‘ Soldier, der anders geschrieben wird als auf dem Cover, lässt der Hans gleich mal mächtig Dampf ab (sorry, das konnten wir uns jetzt nicht verkneifen).

Weiter geht’s mit dem „44 Blues“, im Original ein Piano-Blues von Roosevelt Sykes aus dem Jahr 1929, dem Matthews ein treibendes Blues-Rock-Gewand verpasst hat. Wenn man so will, ersetzt Will Wilde mit seinem kernigen Mundharmonikaspiel das Piano. Stark! Mit dem Cover „Fell In Love With A Girl“ von den White Stripes vollzieht Krissy eine Art Kehrwende. Tora Daa säuselt geradezu lieblich ins Mikro, ehe sich Matthews mit seinem Gesang und der Gitarre einmischt und die Sache geraderückt.

Später gibt’s denselben Song noch einmal. Nur hatte Joss Stone 2003 in ihrer Version aus dem „Girl“ einen „Boy“ gemacht. Jetzt hat Silje Hagen den Gesangspart mit einem kräftigen Schuss Soul in der Stimme übernommen.

Der „Pharao Blues“ ist ein kraftvoller Blues Rocker mit Tommy Castro an der zweiten Gitarre nach dem Motto: Zuerst spielt der eine ein Solo, dann der andere – danach geht’s von vorn los, und Stina Stenerud mischt als Sängerin auch noch mit.

Songs mit einem „Catfish“ im Titel gibt es einige. So alt wie der, den
Matthews & The Vikings interpretieren, dürfte keiner sein. Das Original, ein akustischer One-Man-Blues von Robert Petway, stammt aus dem Jahr 1941. Die kürzeste Beschreibung für Krissys Version: Gitarre satt. Die CD beschließt „Sjitfest“, ein Gitarren-Boogie mit Hans Theessink als Gast. Dazwischen gibt’s mit „Mormor“ auch mal einen Rock ’n‘ Roll alter Schule.

Ruf Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock ’n‘ Roll Soldier
02. 44 Blues
03. Fell In Love With A Girl
04. Pharo Blues
05. Teasin‘ Times
06. Tore Hund
07. Fell In Love With A Boy
08. Mormor
09. Catfish
10. Sjitfest

Krissy Matthews
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Brooke Lynn Promotion

Mike Zito – Outside Or The Eastside – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit seiner neuen Scheibe “Outside Or The Eastside” findet US-Blues-Gitarrist Mike Zito über die autobiografische Reflektion zurück in seine Geburtsstadt St. Louis, Missouri, und erzählt in seinen Songs Geschichten über urbane Lebenswelten. Dort, wo seine Karriere begann, legt der Titelsong einen rasanten Einstieg hin und treibt mit seinem Lead-forcierten Rhythmus den Refrain „but you can’t stay here“ nach vorn. Slow-bluesig kommt hingegen die “Downtown At Midnight” durch dunkle Straßenfluchten und schildert individuelle Schicksale: “the damage is done” bildet im Chorus den Kern einer harten Realität. Einen Hauch von Optimismus verbreitet dagegen der funkige Groove von „Grand Avenue“: Widerstandsfähigkeit und Überlebenskunst bleiben neben Humor und Musik feste Größen im versöhnlichen Alltag der Großstadt.

In diesen Kontext der Beständigkeit integriert Mike Zito Coverversionen großer Blues-Titel, die eine autobiografische Verbindung herstellen und dem Werteverfall zeitlose Schönheit entgegensetzen. Dazu zählt auch die ungezwungen erfrischende Interpretation von Lonnie Brooks’ „Don’t Take Advantage of Me“ (1983), ebenso wie die härtere Gangart in „Too Broke To Spend the Night“; Buddy Guys Blues Rock von 1991 in neu belebter Fassung. Wer sich im etwas älteren Chicago-Blues-Songbook auskennt, wird zudem auf weniger bekannte Meisterwerke stoßen, etwa „Just Like I Treat You“ von Willie Dixon, ursprünglich 1962 von Howlin’ Wolf veröffentlicht und hier von Mike Zito in nahezu doppelter Länge interpretiert. Der Rhythm ’n‘ Blues Stomper erscheint im neuen “Gewand” noch intensiver, als die Aufnahme der Stones von 2016.

Auch “Down Don’t Bother Me” von Albert King aus 1967 ist eine dieser Perlen, die auf “Outside Or The Eastside” fast 60 Jahre später eine funkige Transformation erleben. Diese neue Klangfarbe erscheint beim Klassiker von Nina Simone “Do I Move You?” (1967) durch Zitos Guitar-Work – anstelle des ursprünglichen Harp- Background – im contemporary Blues-Sound. Ein Cover von “The Blues Lover” (Roy Buchanan, 1987) abschließend auf das Album zu nehmen, zeigt, dass Zito die Kunst der Live Jam Improvisation (beim über 8 minütigen Track) auch als Reminiszenz an den einflussreichen Blues Rock-Musiker versteht.

Mit “Outside Of The Eastside” legt Mike Zito ein Album vor, das Lebenserinnerungen an die Heimatstadt St. Louis in sozialkritischen Songs verarbeitet und gleichzeitig gegen wirtschaftlichen Niedergang und Dekadenz eine zweite Chance fordert. So wie er sie für sich und seine Familie erhalten hat und mit gefühlvoller Dankbarkeit auch an Cover-Versionen des Albums weitergibt. Entstanden ist eine profilierte Blues Rock- Scheibe, die weit über den Titel hinaus, hierfür im breiten Spektrum des Genres ein engagiertes Zeichen setzen will.

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Outside Or The Eastside
02. Don’t Take Advantage Of Me
03. Kiss You All Over
04. Downtown At Midnight
05. Grand Avenue
06. Too Broke To Spend The Night
07. Just Like I Treat You
08. Down Don’t Bother Me
09. Do I Move You
10. Close To You
11. The Blues Lover

Mike Zito
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Jackson Dean – Magnolia Sage – CD-Review

Mit dem aus Maryland stammenden Jackson Dean veröffentlicht einer derzeit angesagtesten Songwriter in der New Country-Szene mit „Magnolia Sage“ sein drittes Studio-Album unter Major Flagge (dem Big Machine Nachfolger Blue Highway Records).

Nach diversen Platin- und Gold-ausgezeichneten Single-Erfolgen („Don’t Come Lookin'“, „Fearless (The Echo)“) und einer ACM-Nominierung als bester neuer männlicher Künstler in 2023 stehen nun die Zeichen offensichtlich darauf, in die Phalanx der Platzhirsche Morgen Wallen und Luke Combs einzugreifen.

Dazu standen dem Protagonisten für die elf neuen Songkreationen klingende Erfolgsschreiber wie u. a. Luke Dick (der das Werk auch produziert hat), Rodney Clawson, Laura Veltz, Natalie Hemby, Josh Miller, Josh Thompson oder Chris Tompkins) an der Seite.

Der LP-Titel „Magnolia Sage“ thematisiert Gegensätzlichkeiten, die von Dean quasi durch zwei verschiedene Linsen beleuchtet werden. Seine hervorragende Stimme ist dazu prädestiniert, sowohl in rauer als auch soulig-gefühlvoller Manier zu agieren.

Mein Herz hat der mir bis dato unbekannte Künstler mit dem flockigen, samt Tempowechseln verschachtelten Opener „Blacktop Blues” gewonnen, der von einer markanten E-Gitarren-Slide Hook eingeleitet wird sowie auch, surrende Fills als auch ein dementsprechendes Solo enthält und somit geneigte Southern-Fans ansprechen wird.

Diese südstaatliche Note bleibt dank der exzellenten involvierten Gitarristen unterschwellig durch das gesamte Werk enthalten, allerdings zielen die ausnahmslos hitverdächtigen mitsingbaren Refrains mit ihren hohen Wiedererkennungswerten primär auf das massenkompatible New Country-Publikum.  Die Karaoke-Bars im Süden werden hier reichhaltigen Zusatzstoff für ihr Sortiment verzeichnen können.

Deans famose, angeraute Wohlfühl-Stimme (Marke Travis Tritt) kommt natürlich am besten bei den ruhigeren souligen Tracks wie “Be Your Man”, “Tennessee Moon”, “Hey Mississippi” (aktuelle Single) oder „“Something Easy” zur Geltung. Zur Unterstützung sind vereinzelt weibliche Backgroundsängerinnen vertreten. Da könnten gleich mehrere Chart-Topper bei rauspringen.

Den in Amiland gut ankommenden Patriotismus gibt es dazu noch bei Liedern, die von vorne herein geografischen Bezug im Titel haben, wie auch bei “5th Of July” oder “Dust On A Dirt Road”. Einen melancholischen Abschluss bildet „Heart On The Range“.

Jackson Dean überzeugt auf seinem Album „Magnolia Sage“ restlos. Die oben erwähnten Stars der Branche müssen sich über Kurz oder Lang auf ernstzunehmende Konkurrenz einstellen. Eine Scheibe, die in den wärmeren Monaten demnächst noch öfter bei mir laufen wird. Klasse!

Blue Highway Records (2026)
Stil: New Country

01. Blacktop Blues
02. Make A Liar)
03. Be Your Man
04. 5th Of July
05. Tennessee Moon
06. Over And Over
07. Hey Mississippi
08. Something Easy
09. Wildfire
10. Dust On A Dirt Road
11. Heart On The Range

Jackson Dean
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The Imaginaries – Fever – CD-Review

Hinter den Imaginaries verbirgt sich das verheiratete Paar Maggie McClure und Shane Henry, beide ursprünglich aus Oklahoma stammend, jetzt in LA lebend. Sie besitzen eine große mediale Erfahrung in allen Bereichen, die Zusammenführung als Musikduo ergab irgendwann fast zwingend daraus.

„Fever“ ist das zweite ‚echte‘ Album des Duos (neben diversen Seitenprojekten) und allein der Blick auf die involvierten illustren Gäste zeigt, dass die beiden bereits ein hohes Ansehen in der Musikszene genießen. Auch wenn manchen Songtitel dazu verführen, an alte Klassiker zu denken, sei hier erwähnt, dass es sich in der Gesamtheit ausnahmslos um aktuelle Eigenkreationen handelt

Das Werk startet mit dem herrlich treibenden und rockenden Titelsong „Fever“, samt starker Vocals der Protagonisten (da zeigen die beiden jeweils solo als auch bei den Harmonies, natürlich fortlaufend, wie man es am Mikro macht) .

Sofort mit dem absoluten Highlight zu beginnen, ist für mich immer ein wenig problematisch, da der Spannungsbogen doch ein wenig nach hinten abflacht, auch wenn das Niveau im weiteren Verlauf sicherlich hier nicht von schlechten Eltern ist.

Zunächst geht es im ersten Drittel Schlag auf Schlag weiter. Bei „Wishing Well“ unterstützt der ehemalige Bros. Landreth-Gitarrist Ariel Posen, ein Track, bei dem die hinterbliebenen Eindrücke ihrer Zusammenarbeit mit dem Brian Setzer Orchestra durchschimmern.

Bei „Crossroads“(wie oben angedeutet, nicht der Robert Johnson-Evergreen) lässt kein geringerer als Blues-Tausendsassa Joe Bonamassa seinen Bottleneck über die Saiten fliegen und Vince Gill verleiht dem countryesken Schunkler „Whole Lotta Livin'“ den typischen Bariton-Twang mit seiner Telecaster. Trotzdem alles keine Lieder, die trotz der hochkarätigen Gastpräsenz, wirklich vom Hocker reißen.

Im zweiten und dritten Drittel gibt es  mit Tracks wie u. a. den flockigen New Country-Stücken „I Knew It Was You“ und „Little By Little“ (beide Marke Lady A), dem Tex-Mex-angehauchten „Buzzard’s Roost“, dem folkigen „Breaker“ und dem pettyesken “ Riding That High“ immer wieder diverse Aufhorcher.

Trotzdem will am Ende bei „Fever“ (übrigens auch sehr gelungenes Hochglanz-Coverartwork) von den Imaginaries merkwürdiger Weise trotz vieler guter Ansätze nicht so richtig erhöhte Temperatur aufkommen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Fever
02. Wishing Well
03. Crossroads
04. Whole Lotta Livin‘
05. Constant
06. I Knew It Was You
07. Buzzard’s Roost
08. Little By Little
09. Breaker
10. Riding That High
11. Here For You
12. Lucky Ones

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Marc Broussard – Chance Worth Taking – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Nach “S.O.S. V: Songs of the ’50s”, einem Teil seiner Cover-Reihe zugunsten von Charity-Projekten, veröffentlicht der US-Sänger und Songwriter Marc Broussard innerhalb von zwei Monaten sein neuestes Album „Chance Worth Taking“ – sein erstes Blues-Soul-Album mit ausschließlich eigenen Songs. Produziert vom Top-Team der Szene, Joe Bonamassa, Josh Smith und Calvin Turner, sind die 14 Tracks im Ocean Wave Studio in Nashville aufgenommen worden. Die Titelliste verbindet vor allem Blues-Kompositionen mit Rock und dem für Marc Broussard typischen, sanfteren Southern-Bayou-Soul-Sound – getragen von seiner unverkennbar emotionalen und rau klingenden Stimme, die den Songs wie ein Markenzeichen ihr Qualitätssiegel verleiht.

Eine Kombination aus gelegentlicher Joe Cocker Blues-Powerhouse-Mentalität und Old-School Soul-Voices prägt den Sound, dessen breites Spektrum die eigentliche Anpassungsfähigkeit als Ausdrucksstärke stilisiert. Persönliche Vorbilder wie der Grammy-prämierte Soulsänger Donny Hathaway, Stevie Wonder und James Taylor haben seinen Stil ebenso beeinflusst wie die Mentor-Qualitäten von JJ Grey, die Marc Broussard in einem Interview betont.

Die Inspiration für den aktuellen Longplayer „Chance Worth Taking“ entstand jedoch bereits 2023 durch die Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa und Josh Smith beim Album „Blues For Your Soul“ und hinterließ insbesondere in den Co-Writings der neuen Songs deutliche Spuren. Die Vorab-Singles “No More” und “Fever” präsentieren diese Teamwork der eleganten Arrangements aus der breiten Palette der Scheibe: Soul-bluesige Streicher-Ballade wetteifert mit groovendem Funk-Track, Bonamassa und Smith in absoluter Höchstform – eine Werbung für die Synergie der Produktion.

Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei der eigentliche Aufreißer der Platte: Die bewährte Methode mit einer klassisch lebhaften Nummer zu eröffnen, gelingt „You’ll Be Sorry” durch bluesrockende Wirkung sofort, während “Trying To Do Right” (feat. Joe Bonamassa) in eine herrlich relaxte Dynamik wechselt. Weit über das sprichwörtlich gewohnte „a little help from my friends“ hinaus geht das Engagement des Produzententeams: Mit kongenialer instrumentaler Kreativität entsteht ein swingender Soul-Rock’n’Roll-Party-Kracher („Let Me Take You Out Tonight“), den man sich ebenso gut im Repertoire von Bill Haley vorstellen könnte.

Wie der Opener erweist sich auch der Abschlusstrack als tragende Nummer der ausgedehnten musikalischen Spielwiese der Akteure: Blues und New Orleans gehören hier ebenso zusammen, wie ein Mardi Gras-Finale unter Beteiligung von Trombone Shorty, der im Co-Writing “Laissez Les Bons Temps Rouler” zum blues-jazzigen Tanzvergnügen mitgestaltet.

“Es ist Zeit für meine Blues-Phase. In diesem Lebensabschnitt gehe ich voll darin auf”, sagt Marc Broussard über die Aufnahmen. Ein fast schon bescheidenes Understatement, denn sein potenziell preiswürdiges Studioalbum „Chance Worth Taking“ bietet einmal mehr die ausgezeichnete Gelegenheit, eine der besten Stimmen des Genres kennenzulernen – eine Chance, die man unbedingt ergreifen sollte.

KTBA Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. You’ll Be Sorry
02. Trying To Do Right feat. Joe Bonamassa
03. I’m Going Home
04. No More
05. Fever feat. Josh Smith
06. Chance Worth Taking
07. Let Me Take You Out Tonight
08. Sweet Love
09. These Walls
10. Satisfaction Guaranteed
11. Blame
12. Whispers
13. Laissez Street Parade Intro feat. Trombone Shorty
14. Laissez Les Bons Temps Rouler feat. Trombone Shorty

Marc Broussard
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