David Ramirez – My Love Is A Hurricane – CD-Review

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Review: Michael Segets

Der mir bis dato unbekannte Singer/Songwriter David Ramirez aus Austin, Texas, wird dem Americana zugeordnet. Uncut rückte sein Album „We’re Not Going Anywhere“ aus dem Jahr 2017 in die Nähe von Bruce Springsteen. Diese Vorabinformationen reichten, um meine Neugier auf sein neues Werk „My Love Is A Hurricane“ zu wecken. Dies klingt nun aber weder nach Americana noch nach dem Boss aus New Jersey.

Trotz dieser Ernüchterung habe ich dem Longplayer eine Chance gegeben und ihn einige Male durchlaufen lassen. Tatsächlich finden sich manche Stücke, die das Potential von Ramirez als Songwriter offenbaren. Allen voran ist „I Wanna Live In Your Bedroom” zu nennen. Die mit Emotionen gespickte Ballade, untermalt von wehmütigem Hall und schönen Einsprengseln der Keys, stellt das Highlight des Albums dar. Am Ende setzt ein Chor im Background ein, der ebenfalls bei „Hallelujah, Love Is Real!“ zum Einsatz kommt. Der Track verbindet R&B mit Gospel-Elementen und entwickelt wie der dunklere Titelsong „My Love Is A Hurricane“ einen gefühlvollen Drive.

Ein hypnotischer Sound begleitet die kräftige Stimme auf „Coast To Coast“. Ramirez setzt seinen Gesang auf dem Werk variantenreich ein. So unternimmt er bei „Lover, Will You Lead Me?” Ausflüge in ungeahnte Höhen, die sich aber sehr passend in den Track einfügen.

Frisch verliebt ging David Ramirez mit einem Kreativitätsschub an die Arbeit zu dem Album. Als die Beziehung zerbrach, hatte dies Auswirkungen auf die Atmosphäre des Werks. Thematisch kreist es mit seinen poetischen Texten weiterhin um die Liebe, verströmt in den meist getragenen Songs aber eher Melancholie.

Mit dem Drum-Programming sowie dem Einsatz von Synthesizern erhalten die Songs oftmals einen poppigen Einschlag. Stilistisch erinnern sie an „Room 41“ von Paul Cauthen. Die bisher genannten Titel können durchaus als gelungen bezeichnet werden, wenn man kein Roots-Purist ist. Auch das flottere „Heaven“ liegt im Geltungsbereich, wobei das abrupte Ende etwas störend wirkt.

Das mit einigen Klangspielereien versehene, pathetische „Easy Does It“, die angejazzten „Hell Ft. Sir Woman” und „Shine On Me” sowie das holprige Abschlussstück „Prevail“ fallen hingegen ab.

Das üppige Arrangement von „My Love Is A Hurricane“ verdeckt zum Teil die Qualität der Songs. Bei einigen entwickelt es allerdings einen eigenen Reiz, dem man erliegen kann. David Ramirez verfügt über eine angenehme und variable Stimme, die als weiterer Pluspunkt zählt. Abgesehen von „Coast To Coast“ sind die stärksten Songs („I Wanna Live In Your Bedroom”, „My Love Is A Hurricane”, „Lover, Will You Lead Me?” und „Hallelujah, Love Is Real!”) im Stream verfügbar, sodass man einen guten Eindruck davon gewinnt, inwieweit der Longplayer auf der eigenen musikalischen Linie liegt.

Sweetworld-Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Pop

Tracks:
01. Lover, Will You Lead Me?
02. Hell Ft. Sir Woman
03. I Wanna Live In Your Bedroom
04. My Love Is A Hurricane
05. Hallelujah, Love Is Real!
06. Heaven
07. Shine On Me
08. Easy Does It
09. Coast To Coast
10. Prevail

David Ramirez
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

John Moreland – LP5 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Früher mit The Black Gold Band und The Dust Bowl Souls unterwegs, veröffentlicht John Moreland sein fünftes Album allein unter seinem Namen. Der Longplayer trägt den bezeichnenden Titel „LP5“. Mit ihm schlägt der in Texas geborene und zurzeit in Tulsa, Oklahoma, lebende Singer/Songwriter ein neues Kapitel in seiner musikalischen Laufbahn auf.

Bislang im Folk-orientierten Americana – gelegentlich mit einem rockigen Einschlag – unterwegs, setzt Moreland bei seinem neuen Werk auf Keys und Percussion beziehungsweise Elektronik bei der Begleitung seiner angerauten Stimme. Konstant geblieben sind seine tiefgründigen Texte, die sich um Themen wie Selbstdefinition („Harder Dreams“) Vertrauen („When My Fever Breaks“) oder Tod („In Times Between“) drehen.

Um seine neuen Ideen zu realisieren, holte sich Moreland Matt Pence (Jason Isbell) als Produzenten. „LP5“ wirkt leichter und poppiger als seine vorherigen Alben. Die Songs unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Rhythmen, sind aber durchgehend im unteren Tempobereich angesiedelt. Durch die verspielten, längeren Instrumentalpassagen bei fast allen Titeln fallen die beiden kurzen Einsprengsel „Two Stars“ und „For Ichiro“ als Einzelbeiträge kaum auf, wenn man die Scheibe durchlaufen lässt.

Der angenehm rauchige Gesang von Moreland steht in einem Kontrast zu der eher poppigen Untermalung („Terrestrial“, „I Always Let You Burn Me To The Ground“). Bei dem mit elektronischen Beats unterlegten „A Thought is Just A Passing Train” wird die Stimme teilweise verzerrt. Gegen Ende des Stücks verliert es sich in experimentellen Spielereien. Der Titel erinnert stilistisch an das letzte Werk von Paul Cauthen.

Insgesamt bleiben die Songs sehr ähnlich und wenig aufregend. Durch den schönen Refrain sticht „East October“ heraus. „Learning How To Tell Myself The Truth“, „In Times Between“ und besonders „Let Me Be Understood“, bei dem Moreland zur Mundharmonika greift, haben einen etwas erdigeren Sound, der an die vorherigen Werke von Moreland anknüpft.

Die Qualität von Morelands Songwriting wird auf dem Album „LP5“ von der glatten Produktion, von der poppigen Begleitung sowie von den instrumentalen Schlenkern oftmals verdeckt. Bei seinem Versuch, den Sound zu innovieren, verliert Moreland seine Stärke, die eben in der stripped-down Darbietung seiner Texte liegt, aus den Augen. Um dieses Können von Moreland kennenzulernen, empfiehlt sich daher, mit den beiden starken Alben „High On Tulsa Heat“ (2015) oder „Big Bad Luv“ (2017) einzusteigen.

Old Omens/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Pop

Tracks:
01. Harder Dreams
02. A Thought is Just A Passing Train
03. East October
04. Learning How To Tell Myself The Truth
05. Two Stars
06. Terrestrial
07. In Times Between
08. When My Fever Breaks
09. I Always Let You Burn Me To The Ground
10. For Ichiro
11. Let Me Be Understood

John Moreland
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Paul Cauthen – Interview

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Im Anschluss an das Konzert auf dem Duisburger Dellplatz lud uns Paul Cauthen in seinen Tour-Bus ein. Als vollendeter Gastgeber bot uns der Texaner etwas Obst an und beantwortete die Fragen in entspannter Atmosphäre.

Sounds Of South: Nach Deiner vorerst letzten Show in Deutschland: Was bleibt Dir von Deutschland und Deiner Tour in Erinnerung?
Paul Cauthen: Mich freute, dass die Leute in Deutschland so freundlich waren und sie meine Musik sehr gut aufgenommen haben. Sie haben uns mit offenen Armen und familiär empfangen. Ich spielte eine verrückte Show in der Nähe von Berlin und als wir zurück nach Berlin fuhren, haben wir zu viel getrunken. Berlin hat mich etwas mitgenommen. Aber ja, es gibt wunderbare Leute hier in Deutschland. Nächstes Jahr werde ich wiederkommen. Wir touren durch die Staaten und dann, wahrscheinlich im September oder Oktober, komme ich wieder hierhin zurück.

Sounds Of South: „My Gospel“ hatte bereits einen innovativen Sound, aber auf Deinem neuen Album „Room 41“ schlägst Du mit elektronischen Drums und tanzbaren Beats einen neuen musikalischen Weg ein. Was waren deine Inspirationsquellen?
Paul Cauthen: Weißt Du, ich wollte mit den Sounds experimentieren. Ich wollte nicht in eine Schublade gesteckt werden, in der ich so oder so klingen muss. Ich will mich cool und frisch anhören – nicht so, wie etwas, das Du jeden Tag im Radio hörst. Ich schloss die Drum-Maschine und andere Dinge an, um den Sound funkier zu machen, weil ich es liebe, wie es sich anfühlt.

Sounds Of South: Hast Du schon Vorstellungen, in welche Richtung Deine Musik zukünftig gehen wird? Wieder „back to the roots“ oder schlägst Du weiter einen experimentelleren Kurs ein?
Paul Cauthen: Die nächste Musik, die ich machen werde, wird ein gutes altes Country-Album, denke ich. Ich höre viele Aufnahmen von Merle Haggard und Waylon Jennings und ich glaube, dass eine Platte mit traditionellem Country gut sein wird – eine, die konsequent Country ist und nicht wirklich Gospel wie meine erste. Sie war Gospel und eine Art R&B.

Sounds Of South: Du hast für „Have Mercy“ und „Room 41“ mit vielen Leuten zusammengearbeitet. Mit wem würdest Du zukünftig gerne Aufnahmen machen?
Paul Cauthen: Ich würde natürlich gerne mit Rick Rubin zusammenarbeiten (lacht) oder mit T-Bone Burnett. Ich würde gerne mit Dan Auerbach von The Black Keys oder Jack White arbeiten – mit Leuten, die anders sind als ich und meine bisherigen Aufnahmen. Ich kann das tun, was ich tue, aber mit welchem Produzenten kann ich arbeiten, der mich dazu bringt, über meine eigenen Grenzen hinauszudenken?

Sounds Of South: Die Texte sind durch schwierige persönliche Erfahrungen geprägt. Gibt es eine Aussage, die für das Album „Room 41“ zentral ist?
Paul Cauthen: Ja, ich und andere Leute hatten uns tief in das Album vergraben. Ich habe für zwei Jahre in einem Hotelraum gelebt, nachdem meine Verlobte und ich uns getrennt hatten. Wir wollten heiraten, aber wir trennten uns kurz vor der Hochzeit. So fand ich mich in diesem Hotel wieder und machte das ganze Album. Die Aussage ist: Egal wie tief du im Leben sinkst, du kannst dich selbst da heraus ziehen mit Hilfe einer guten Familie und Freunden, die bei dir sind. Umgib dich mit guten Leuten! Wir alle haben Höhen und Tiefen. Wir müssen uns durchkämpfen, überleben.
Ich denke, dass ich zur rechten Zeit mit den richtigen Personen zusammen war und dieser Geist war während der Aufnahme lebendig. Wir waren verrückt zu dieser Zeit, sind spät aufgestanden, haben Frauen aufgerissen, wie wahnsinnig Rock ‘n Roll gespielt – aber gleichzeitig waren wir einsam und ängstlich in der Dunkelheit. Wir waren zugleich weinend und fröhlich, traurig und verdammt glücklich. Ich musste ehrlich sein und auf meine Gefühle und Stimmung hören.

Sounds Of South: Gibt es einen Song auf dem Album, der Dir besonders am Herzen liegt?
Paul Cauthen: Ja natürlich. Mein Favorit ist wohl “Give ‘Em Peace”. Das ist meine Botschaft an die ganze Welt, weil jeder einen Bezug zu dieser alten Botschaft hat. Viele Leute sagten dies vor mir – John Lennon und jeder sonst. Normalerweise werden Leute, die das sagen, erschossen (lacht). Aber weißt Du, ich fühle, dass es auf uns ankommt. Zum Beispiel, wenn du auf deinem Weg zur Arbeit jemanden siehst, der Hilfe braucht und du gibst ihm etwas. Wenn du so in deinem täglichen Geschäft tätig bist und wenn das jeder so macht, wird die Welt besser. Wir müssen das zusammen machen, weil keine einzelne Person die Welt verändern kann.

Sounds Of South: Du hast für „Holy Ghost Fire“ ein aufwendiges Video gedreht. Wie wichtig sind Dir Deine Musikvideos?
Paul Cauthen: Ja, der Western. Wir machten das Video draußen in der Wüste. Wir schnitten es in der Nähe von Joshua Tree mit. Wir hatten einen Haufen wunderschöner Frauen aus Los Angeles. Sie kamen rein, als meine Freundin da war. Ich sollte mit diesen Frauen spielen und meine Freundin war „Woaahh“ (lacht). Oh Mann, es war wunderbar. Gute Leute und gute Schauspieler waren dabei. Es schafft eine tolle Zeit, wenn du alle auf eine Wellenlänge bringst, wenn du versuchst, kreativ zu sein und als Einheit zusammenarbeitest. Es fühlt sich an, als wärst du in der Champion League. Du fühlst dich wie ein Champion – wie Freddie Mercury.
Diese Videos sind mir sehr wichtig. Ich glaube, eine visuelle Aussage kann das gesamte Verständnis eines Songs verändern und die Weise, wie jemand über ihn denkt. Als Künstler arbeitet es in einem ganz anderen Bereich des Gehirns. Du kannst eher mit Bildern arbeiten, als Musik zu hören. Es erreicht die jungen Leute über all die Plattformen und Möglichkeiten, die es gibt. Traurig, aber das Radio wird älter und weniger wichtig. Soziale Medien sind schneller.

Sounds Of South: Als Setting für das Video von „Holy Ghost Fire“ wählst Du den Wilden Westen. Magst Du Westernfilme?
Paul Cauthen: Ich liebe alle Westernfilme. Ich liebe John Wayne und “The Good, The Bad and The Ugly” – alle diese Spaghetti-Western. Sie sind schön gemacht, haben gute Stories und es macht Spaß, sie anzuschauen.

Sounds Of South: Wenn Du in einem solchen Film mitspielen würdest, was wäre deine bevorzugte Rolle?
Paul Cauthen: Ich würde in einem Film wahrscheinlich den Helden spielen. Ich will John Wayne sein (lacht)! Der Bösewicht wäre auch cool. Der Schurke zu sein, bringt auch eine Menge Spaß. Aber normalerweise wirst du getötet – hoffentlich (lacht).

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It was your last show in Germany today. Which impressions from Germany and your tour will you remember?
Paul Cauthen: I enjoyed that the people in Germany were so kind and their very good reception to the music. They really opened their arms and embraced us as a family when we came over here. I played a crazy show outside Berlin, and then we went to Berlin and we drank too much. Berlin kind of stung me a little bit. But yeah, beautiful people here in Germany. Next year I’ll be back. We do our tour in the States and then, probably September or October of next year I’ll come back here.

Sounds Of South: “My Gospel” already had an innovative sound, but your new album “Room 41” breaks new ground through electronic drums and more danceable beats. What were your sources of inspiration?
Paul Cauthen: Yeah, you know, I wanted to experiment with the sounds. I didn’t want to be put in a box where I have to sound like this or to sound like that. I want to sound cool and fresh – not just like something what you hear every time you turn on the radio. I put a drum-machine on and some other stuff to make it sound funkier. Because I love how this makes me feel.

Sounds Of South: Do you have any ideas in which direction your music will go in the future? Are you going “back to the roots” or are you turning forward to a more experimental course?
Paul Cauthen: I think the next music I’ll make is probably going to be just a good old country record, you know. I am listening to a lot of Merle Haggard and Waylon Jennings records and I think just a good old country record would be good. Something that is strictly country and not really gospel like my first one. It was gospel and kind of R&B.

Sounds Of South: You already worked with a couple of people for “Have Mercy” and for “Room 41”. Who would you like to work with in the future?
Paul Cauthen: Yeah, I would love to work with Rick Rubin (laughs) of course, or with T-Bone Burnett. I’d like to work with Dan Auerbach from the Black Keys or Jack White – people that would be different than just me and my normal records. Cause I can do what I do, but what producer can I work with, that makes me thinking outside of my own box?

Sounds Of South: Your lyrics are characterized by difficult personal experiences. Is there a central statement in your album “Room 41”?
Paul Cauthen: Yeah, me and another couple of people actually had our hands deep into this record. I was in a hotel for two years and I had just broken up with my fiancé. We were gonna get married when we broke up before our wedding. And I ended up living in this hotel and doing this whole record. The message is: No matter how low you might get in life you can always pull yourself out with good family and friends around you. Just surround yourself with good people! You know, we all have our ups and downs. We have to fight through, be a survivor.
I think I was together at the right time with the right people and the spirit was alive during this record. We’ve been crazy at these times – staying up late, hooking up girls, playing rock and roll like crazy – beside being alone in the dark and scared. Crying and happy – sad and hell of glad – all in one. I just had to be honest, listening to my soul and spirit.

Sounds Of South: Is there a song which is particularly important to you?
Paul Cauthen: Yeah of course, my favourite is probably “Give ‘Em Peace”. It is just my message to the whole world, because everybody can relate to this old message. Many people said it before me – John Lennon and everybody else. Usually people that say that get shot (laughs). But you know, I just feel like it’s up to us. Like when you’re on your walk to work and you see somebody that may need some help lending to helping them then. Like, be active in your day to day walk and if everybody does this, the world is better. Because not one person alone can change the world, we have to do it together.

Sounds Of South: You made an ornate video for “Holy Ghost Fire”. How important are your music videos to you?
Paul Cauthen: Yeah, the Western. We made it all out in the desert. We cut the video out near Joshua tree. And we got a bunch of beautiful girls from Los Angeles. They came in and my girlfriend was there. I gonna act with these girls and my girlfriend was like “Woaahh”. Yes, it was beautiful, man. Good people and good artists all around. It just creates a good time when you get everybody on the same level, if you try to be creative and work together as a unit. It kinda feels like you are on a Champions league. You feel like you’re already champions – like Freddie Mercury.
These videos are very important to me. I think visual messages can change the whole comprehension of a song and how somebody thinks about it. And it works in a whole different side of your brain as an artist. You can work on some visuals rather than listening to the music. It reaches the young people, through the platforms and other opportunities you have. It’s sad – but radios getting older and becoming smaller and social medias are faster.

Sounds Of South: The setting of “Holy Ghost Fire” is the Old West. Do you like western movies?
Paul Cauthen: I love western films. Love ‘em all. I love John Wayne and “The Good, The Bad and The Ugly” – all these spaghetti westerns. They are all just beautifully made, good stories and fun to watch.

Sounds Of South: If you would be playing in such a film, which role would you prefer?
Paul Cauthen: If I was playing in a film, probably the hero. I wanna be John Wayne (laughs)! Man, a villain would be cool too, being the bad guy is fun. But you usually end up being killed hopefully (laughs).

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Michael Segets
Transkription und Übersetzung: Serafina Segets

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Paul Cauthen – Room 41 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Paul Cauthen, ehemaliger Frontmann der Sons Of Fathers, hatte in den letzten Jahren mit physischen und psychischen Problemen zu kämpfen, zog sich aber durch seine Arbeit an „Room 41” aus dem Sumpf. Der Titel des Albums bezieht sich auf das Hotelzimmer, in dem er fast zwei Jahre aus dem Koffer lebte.

Der Kampf mit den inneren Dämonen klingt in den Texten immer wieder an, So auch bei den ersten Auskopplungen „Cocaine Country Dancing“ sowie „Holy Ghost Fire”. Zum letztgenannten gibt es ein sehenswertes narratives Video im Netz, in dem Cauthen in die Rolle eines seelisch zerrissenen Predigers im Wilden Westen schlüpft.

Bei der Auswahl der Singles beweist Cauthen das richtige Gespür. Die Songs sind die stärksten auf dem Werk. Sie weisen in die Richtung, die Cauthen bei circa der Hälfte der Stücke einschlägt. Die Country-basierten Titel werden dort mit einem (tanzbaren) Beat unterlegt und durch Funk- oder R&B-Elemente angereichert. Dieser ungewöhnliche Mix funktioniert. Auch „Big Velvet” oder „Freak” schlagen in diese Kerbe.

Die experimentelle Herangehensweise macht „Room 41“ interessant. Bemerkenswert ist sicherlich auch die Stimme von Cauthen. Sein Bariton wird gelegentlich mit dem von Waylon Jennings verglichen, manchmal hört er sich aber auch nach Johnny Cash oder Colter Wall an. Wenn sich Cauthen richtig in die Brust wirft, schießt er an einzelnen Stellen leicht über das Ziel hinaus, sodass einige Stücke tendenziell in Bombast abgleiten.

„Prayed For Rain“ ist so eins, das mit einer akustischen Gitarre beginnt und dann mit vollem Klangteppich auf den Höhepunkt zusteuert. Das Pathos in Cauthens Stimme liegt hier noch auf der Grenze. Bei „Angel“ überschreitet er diese, indem er die Töne langzieht und zudem zeitweise in die Kopfstimme wechselt.

Der hervorragende Harmonie- und Backgroundchor unterstützt die Dynamik bei mehreren Songs, die nicht mit einem Tanzbeat unterlegt sind. Sehr auffällig ist er bei „Give ‘em Peace“ oder bei „Can’t Be Alone“, das stimmungsvoll durch Klavieranschläge in Moll eröffnet wird. Gegen Ende baut Cauthen in das Stück wimmernde Keys oder Synthesizern ein.

Einige Titel sind also eher gewöhnungsbedürftig arrangiert. Nach mehreren Durchläufen entwickeln die Songs aber einen eigenwilligen Reiz. Sogar die eher kritisch gesehenen Punkte integrieren sich nach mehrmaligem Hören in die jeweiligen Songstrukturen.

Unter den ruhigeren Tracks sind „Slow Down“ sowie „Lay Me Down” meine Favoriten. Dort verzichtet Cauthen auf ausgiebige Experimente. Eine Reduktion hätte vielleicht auch die Eingängigkeit von manch anderen Songs erhöht. Aber dadurch, dass ich die CD nun einige Male durchgehört habe, schwinden meine anfänglichen Bedenken bezüglich der expressiven Stellen immer mehr. Die etwas sperrigen Elemente machen mittlerweile sogar Spaß und steigern den Wiedererkennungswert.

Paul Cauthens „Room 41“ ist ein Longplayer, der zuerst probegehört werden sollte, damit man entscheiden kann, ob man sich auf das Werk einlassen will. Die Singles vermitteln einen guten Eindruck von einem Teil der CD.

Mutige und ungewohnte Klangkombinationen lotet Cauthen ebenfalls bei den anderen Titel aus. Insgesamt gelingen ihm einige innovative Kompositionen, die direkt ins Ohr beziehungsweise ins Tanzbein gehen, den anderen muss man Zeit geben.

New West Records/Pias – Rough Trade (2019)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. Holy Ghost Fire
02. Prayed For Rain
03. Cocaine Country Dancing
04. Slow Down
05. Big Velvet
06. Can’t Be Alone
07. Freak
08. Angel
09. Give ‘em Peace
10. Lay Me Down

Paul Cauthen
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New West Records
Oktober Promotion

Paul Cauthen – 30.08.2019, Platzhirsch Festival, Dellplatz, Duisburg – Konzertbericht

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Das Platzhirsch Festival in Duisburg bietet über drei Tage ein vielseitiges Kultur- und Musikprogramm. Dieses Jahr hielt es mit Paul Cauthen einen hochkarätigen Act der Alternative-Country-Szene bereit. Die ihm zugestandene Dreiviertelstunde von 18.45 Uhr bis 19.30 Uhr nutzte Cauthen vor allem, um Titel seines nächste Woche erscheinenden Albums „Room 41“ zu präsentieren.

Zum Einstieg holte er mit „Holy Ghost Fire“ die Besucher des Festivals vor der großen Bühne des Dellplatzes zusammen. Das mitreißende Stück, zu dem es ein tolles Video gibt, war ein gelungener Auftakt des Konzerts. Im Laufe der nächsten Minuten füllte sich dann auch der Platz in Duisburgs Zentrum zusehends.

Mit „Big Velvet“ und „Freak“ spielte Cauthen zwei weitere countrybasierte Songs von seinem aktuellen Longplayer, die mit einem modernen, tanzbaren Beat unterlegt sind. Diese setzten die Menge konsequent in Bewegung. Darüber hinaus heizten die beiden Knaller „Still Drivin‘“ und „Saddle“ von seinem Solo-Debüt „My Gospel“ (2016) den Zuhörern gehörig ein.

Auf der Setlist standen weiterhin „My Cadillac“ und „Everybody Walkin‘ This Land“ seiner EP „Have Mercy“ (2017), sodass Cauthen einen kurzen Überblick über seine Solo-Karriere bot.

Etwas ruhiger angelegt waren „Prayed For Rain“ und „Give ‘em Peace“ – Cauthens persönlichem Favoriten von seiner Scheibe „Room 41“. Die Stücke waren aber dennoch mit einem kräftigen Rhythmus unterlegt, den Matt Pence am Schlagzeug und Ben Barauas am Bass erzeugten.

Die Stimmvarianz in Cauthens Bariton ist beeindruckend. Manchmal hört er sich wie Johnny Cash an, manchmal unternimmt er Ausflüge in ungeahnte Höhen. Gernot kamen gelegentlich Parallelen mit Elvis Presley in den Sinn – ein Vergleich, den Cauthen sehr freute.

Youngster Parker Twomey am Keyboard und Charley Wiles an der Gitarre steuerten vor allem gegen Ende des Konzerts einige kurze, aber gelungene Einlagen bei. Mit „Cocaine Country Dancing“ verabschiedete sich die Band. Der Frontmann verließ die Bühne, während seine Mitstreiter den Song zu ende jammten.

Der lang anhaltende, tosende Applaus holte Cauthen erneut zurück, obwohl das Hauptset bereits das Zeitbudget um einige Minuten überzogen hatte. Bei der Zugabe „Have Mercy“ begleitete er sich selbst mit seiner akustischen Gitarre und brachte so seine Show stimmungsvoll zum Abschluss.

Cauthens Auftritt überzeugte dermaßen, dass etliche Hörer den Merchandise-Stand umlagerten und sich zu Spontankäufen seiner Tonträger und T-Shirts hinreißen ließen. Mit seinem Konzert machte er auf alle Fälle Werbung in eigener Sache.

Ein Kompliment muss ebenfalls an die Veranstalter des Platzhirsch Festivals gehen. Sie bieten Künstlern die Möglichkeit, einem Publikum zu begegnen, dass sonst wenig Kontakt mit hierzulande nicht so populären Musikrichtungen hat.

Für Cauthen geht es nach seiner Stippvisite in Deutschland zurück in die Vereinigten Staaten. Er plant aber, im Herbst des kommenden Jahres wieder durch Europa zu touren.

Nach dem Konzert ergab sich die Gelegenheit, ein Interview mit Paul Cauthen zu führen. Dieses folgt ebenso wie die Besprechung seines neuen Albums in den nächsten Tagen bei SoS.

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Line-Up:
Paul Cauthen (lead vocals, guitar)
Charley Wiles (guitar, vocals)
Parker Twomey (keys, vocals)
Ben Barauas (bass, vocals)
Matt Pence (drums)

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Platzhirsch Festival