John Moreland – LP5 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Früher mit The Black Gold Band und The Dust Bowl Souls unterwegs, veröffentlicht John Moreland sein fünftes Album allein unter seinem Namen. Der Longplayer trägt den bezeichnenden Titel „LP5“. Mit ihm schlägt der in Texas geborene und zurzeit in Tulsa, Oklahoma, lebende Singer/Songwriter ein neues Kapitel in seiner musikalischen Laufbahn auf.

Bislang im Folk-orientierten Americana – gelegentlich mit einem rockigen Einschlag – unterwegs, setzt Moreland bei seinem neuen Werk auf Keys und Percussion beziehungsweise Elektronik bei der Begleitung seiner angerauten Stimme. Konstant geblieben sind seine tiefgründigen Texte, die sich um Themen wie Selbstdefinition („Harder Dreams“) Vertrauen („When My Fever Breaks“) oder Tod („In Times Between“) drehen.

Um seine neuen Ideen zu realisieren, holte sich Moreland Matt Pence (Jason Isbell) als Produzenten. „LP5“ wirkt leichter und poppiger als seine vorherigen Alben. Die Songs unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Rhythmen, sind aber durchgehend im unteren Tempobereich angesiedelt. Durch die verspielten, längeren Instrumentalpassagen bei fast allen Titeln fallen die beiden kurzen Einsprengsel „Two Stars“ und „For Ichiro“ als Einzelbeiträge kaum auf, wenn man die Scheibe durchlaufen lässt.

Der angenehm rauchige Gesang von Moreland steht in einem Kontrast zu der eher poppigen Untermalung („Terrestrial“, „I Always Let You Burn Me To The Ground“). Bei dem mit elektronischen Beats unterlegten „A Thought is Just A Passing Train” wird die Stimme teilweise verzerrt. Gegen Ende des Stücks verliert es sich in experimentellen Spielereien. Der Titel erinnert stilistisch an das letzte Werk von Paul Cauthen.

Insgesamt bleiben die Songs sehr ähnlich und wenig aufregend. Durch den schönen Refrain sticht „East October“ heraus. „Learning How To Tell Myself The Truth“, „In Times Between“ und besonders „Let Me Be Understood“, bei dem Moreland zur Mundharmonika greift, haben einen etwas erdigeren Sound, der an die vorherigen Werke von Moreland anknüpft.

Die Qualität von Morelands Songwriting wird auf dem Album „LP5“ von der glatten Produktion, von der poppigen Begleitung sowie von den instrumentalen Schlenkern oftmals verdeckt. Bei seinem Versuch, den Sound zu innovieren, verliert Moreland seine Stärke, die eben in der stripped-down Darbietung seiner Texte liegt, aus den Augen. Um dieses Können von Moreland kennenzulernen, empfiehlt sich daher, mit den beiden starken Alben „High On Tulsa Heat“ (2015) oder „Big Bad Luv“ (2017) einzusteigen.

Old Omens/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Pop

Tracks:
01. Harder Dreams
02. A Thought is Just A Passing Train
03. East October
04. Learning How To Tell Myself The Truth
05. Two Stars
06. Terrestrial
07. In Times Between
08. When My Fever Breaks
09. I Always Let You Burn Me To The Ground
10. For Ichiro
11. Let Me Be Understood

John Moreland
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