The Builders And The Butchers – Support: Dustin Hamman – 20.05.2026, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

Ein geschätzter Kollege von mir ist quasi Stammgast im Kölner Blue Shell und schwärmt ständig von der Location sowie den dortigen Konzerten. Nun ergab sich mit dem Konzert von The Builders And The Butchers endlich mal eine passende Möglichkeit, mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Das stimmungsvolle Blue Shell bildet tatsächlich den perfekten Raum für handgemachte Musik und der Bandleader Ryan Sollee, der vor zwei Jahren wohl schon mal vor Ort war, freute sich, zurück zu sein.

Als Support brachte er seinen Freund Dustin Hamman mit. Der sympathische Songwriter wirkte auf angenehme Art etwas kauzig. So trat er in Socken auf und erzählte einen Traum, bei dem Grobi von der Sesamstraße eine zentrale Rolle spielte. Am Anfang wurde Hamman durch einen Scheinwerfer geblendet, was er mit Humor nahm. Abhilfe bot eine Sonnenbrille, die ihm aus dem Publikum gereicht wurde. Später griff er auf ein Käppi zurück.

Mit Titeln wie „Stoned“, „ Good Timin‘“, „Comfort“ und „Feelings“ zog Hamman das Publikum auf seine Seite. Bei „Ocean Bound“ sangen die Anwesenden dann auch bereitwillig den Refrain mit. Beeindruckend war, wie Hamman die Gelegenheit nutzte, den Sound einer Trompete zu imitieren, die auf der Studioversion (mit seinem Projekt Run On Sentence) zu hören ist.

Zum Abschluss des circa halbstündigen akustischen Sets holte er sich Unterstützung bei der Rhythmussection der Headliner – Justin Baier (Drums) und Willy Kunkle (Bass) – sowie dem Gitarristen Paul Seely. Hamman bot mit seiner abgenutzten Gitarre, die neben dem regulären ein weiteres Loch aufwies, einen lockeren und unterhaltsamen Einstieg in den Abend in bester Folk-Manier.

Line-up: Dustin Hamman
Dustin Hamman (Vocals, Guitar)
with
Justin Baier (Drums)
Willy Kunkle (Bass)
Paul Seely (Guitar)

Nach einer kurzen Pause kam dann Sollee mit seinen fünf Mannen auf die Bühne. Schlagartig wurde es nicht nur auf der Bühne voll, sondern auch vor ihr enger. Schon mit den ersten Tönen explodierte Sollee förmlich und legte – ständig in Bewegung – ein Tempo vor, das er bis zum Ende des Auftritts durchhielt. The Builders And The Butchers stiegen mit zwei hervorragenden Stücken ihres aktuellen Albums „No Tomorrow“ ein: „Raise My Son“ und „Blood/Death“. Später gab es noch mit „Mother Mary“, dem einzigen langsam gespielten Song, sowie mit „One Winged Bird“ Kostproben der Scheibe.

Im Anschluss an die beiden neuen Songs zum Auftakt ging die Reise mit „Devil Town“, „Strangers Blood“, „Redemption Sound“ und „Black Dresses“ weiter. Fehlen durften natürlich auch nicht „The Coal Mine Fall“ und „Hellfire Mountain“. Das Programm bot also einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen von The Builders And The Butchers mit Schwerpunkten auf Songs des selbstbetitelten Debüt-Longplayers (2007) sowie seines Nachfolgers „Salvation Is A Deep Dark Well“ (2009).

Gegen Ende des Hauptsets begeisterte das sehr starke „Bottom Of The Lake“ und das mit kurzen Bemerkungen von Sollee eingeleiteten „Vampire Lake“. Nach meinem Eindruck wurden mehrere Titel im Vergleich zu den Studioaufnahmen etwas schneller gespielt. Besonderen Druck entwickelten die Songs, wenn sich Ray Rude von den Keys ans zweite Schlagzeug begab und gemeinsam mit Justin Baier die Stücke kräftig vorantrieb. The Builders And The Butchers ist es gelungen, auch live ihren eigenen Sound zu entwickeln, der sie von anderen Folkrock-Bands abhebt. Hervorzuheben waren die mehrstimmigen Gesangspassagen, die im Blue Shell voll zur Geltung kamen. Wenn Gitarrist Paul Seely, Bassist Willy Kunkle und Geiger Matthew Radtke gemeinsam mit Sollee einstimmten, wirkte es nicht nur akustisch wie eine Mauer, sondern auch optisch, da die Sänger auf der schmalen Bühne geschlossen zusammenstanden.

Das Versprechen, das Sollee im Vorfeld der Tour gab, die Leute zum Toben, Schwitzen und Bewegen zu bringen, löste er in Köln ohne Frage ein, wobei er selbst als Vorbild diente. Er nutzte den begrenzten Raum aktiv, wirbelte über die Bühne und verlies diese mehrmals, um ein Bad in der Menge zu nehmen. Unter den circa hundert Besuchern war eine große Anzahl eingefleischter Fans vertreten. So wurde mitgesungen, Biergläser erhoben und Damen auf den Schultern getragen. Das Blue Shell erlebte eine ausgelassene Rock-Party, die den Höhepunkt dann während der zwanzigminütigen Zugabe erlebte.

Zuvor handelten die Fans noch die Titel der verbleibenden Stücke mit dem Bandleader aus. Auf Wunsch spielten The Builders And The Butchers „Spanish Death Song“, bei dem Sollee seine akustische gegen eine elektrische Gitarre tauschte. Danach folgte „Barcelona“ und für den abschließenden Klassiker der Band „Bringin‘ Home The Rain“ wurde Dustin Hamman nochmal auf die Bühne geholt. Bei dem letzten Stück kochte die Stimmung im Saal dann endgültig über.

Das Sextett bescherte dem Publikum einen lauten, schweißtreibenden Abend, der mit der Sperrstunde zu Ende ging und sicherlich im Gedächtnis bleibt. Im Anschluss an das straight durchgespielte Set nahmen sich The Builders And The Butchers nach getaner Arbeit Zeit für einen gemütlichen Ausklang mit den Fans.

Beim Sichten der Fotos ist mir ein Aufkleber auf der Bassgitarre von Kunkle aufgefallen, der einen deutlichen Bezug zu Deutschland hat. Daraufhin war ich mir über die Bandbesetzung unsicher, zumal die Vorstellung der Mitglieder während des Konzerts unterging. Meine nachträgliche Anfrage beantwortete Sollee umgehend, was in Musikerkreisen nicht selbstverständlich ist. Dafür und für die problemlose Akkreditierung sei ihm hier herzlich gedankt.

Line-up: The Builders And The Butchers
Ryan Sollee (Lead Vocals, Guitars)
Justin Baier (Drums)
Willy Kunkle (Bass, Vocals)
Paul Seely (Electric Guitar, Vocals)
Matthew Radtke (Viola, Vocals)
Ray Rude (Keys, Drums)

Text und Bilder: Michael Segets

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