Catfish – 16.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Nachdem wir uns zwei Tage zuvor noch bei Joe Bonamassa zum Hochseeangeln in großen Blues Rock-Weltmeeren befunden hatten, galt es an diesem Abend, wieder in die eher etwas übersichtlicheren genretypischen Gewässer, zurückzukehren.

Diesmal hatten wir den Haken, wie schon vor knapp einem Jahr an gleicher Stelle, im urigen Leverkusener topos in Richtung Catfish ausgeworfen, vor geraumer Zeit immerhin noch Gewinner des British Blues Awards.

Klemens Kübber hatte uns unsere bewährten Plätze direkt vor der Bühne reserviert, sodass wir, wie sooft, von den üblichen trinkfreudigen rheinischen Stammgastfrohnaturen in diesem Lokal umgeben waren, die natürlich auch ihren ehrenwerten Anteil an der hervorragenden Stimmung bei diesem Gig hatten.

Hauptverantwortlich war allerdings die erneut starke Leistung des Quartetts, bestehend aus dem Führungsduo Matt und Paul Long, das im Leadgesangsbereich (überwiegend Matt, Paul mit ein paar Stücken wie u. a. dem progressiven „Ghosts“, „Loan Me A Dime“ oder „Big Shot“) sowie den tragenden Instrumenten E-Gitarre und Keyboards, den Stempel aufdrückte und der sich im Hintergrund befindlichen, gut harmonierenden Rhythmussektion mit Bassist Adam Pyke und Schlagzeuger Kevin Yates.

Allein Paul Longs Keyboard-Equipment nahm gefühlt schon fast die Hälfte der kleinen Bühnenfläche im topos ein. Demnach war für den Rest ‚Musizieren auf engstem Raum‘ angesagt.

CF_300Das Quartett hat mit „Burning Bridges“ seit einigen Tagen ein, im wahrsten Sinne des Wortes, brandneues CD-Werk am Start (Review auch demnächst bei uns), ein integrierter Showeffekt in Machart des Albumtitelbildes wäre allerdings im kleinen topos von recht ambitionierter und eher nicht empfehlenswerter Natur gewesen…

Die Briten stiegen dann mit dem flotten „Break Me Down“ aus diesem Silberling in den insgesamt in zwei Sets aufgeteilten Gig ein, dem mit u. a. „Leading Me On“, „The Root Of All Evil“ (schön Southern rockig), “Soulbreaker“ und das sogar mit dezentem Metal-Touch und epischem Flair umwobene „Exile“ (die drei letztgenannten auch vom neuen Longplayer), bis zur Pause folgten. Bereits jetzt schon eine starke Vorstellung.

Der zweite Durchgang stand besonders im Zeichen des stimmgewaltigen und gitarrentechnisch versierten Matt Long. Aber auch der eher in sich gekehrte Bassist Adam Pyke blühte nicht nur bei seinem Solo in „Big Shot“ auf, wo er filigran seine lange dünnen Griffel über den sechsaitigen Tieföner (fast in E-Gitarren-Manier) fliegen ließ.

Hier hießen die Stationen dann „Broken Man“, „Too Far To Fall“ (von Paul gesungener Stampfrocker), „Archangel“ (sehr emotional), mein Highlight „Better Days“ (launiger Blues Rock-Stampfer, dezent Southern) mit integriertem Reggae-Bridge und das großartige „Make It Rain“ (grandioses E-Solo von Matt mit Leisespielphase und krachendem Ende), zu Ehren ihres verstorben früheren Mitspielers, als furioser Abschluss des Hauptteils.

Die stimmungsträchtige Zugabe „Breaking Up Somebody’s Home“ brachte mit launigem Mitgröl-Interaktionsteil, wo auch die besagten Frohnaturen wieder ungehemmt zum Zug kamen, die Statik des denkmalgeschützen topos sinnbildlich ins Wanken. Danach hatten sich die sympathischen Musiker ihren Feierabend redlich verdient, besonders der durchgeschwitzte Matt Long, saß richtig groggy auf seinem Stuhl am Rande der Merchandising-Ecke.

Fazit: Catfish boten auch bei ihrer zweiten Stippvisite im topos eine tadellose, mitreißende Leistung, die ihre Beliebtheitswerte im Genre  somit auch über Großbritannien hinaus nachhaltig steigern müsste. Eine lebensnahe Band, die man aus besagten Gründen hier immer wieder gerne aufsuchen wird! Und wie heißt es im Anglerlatein in etwa doch so schön: „Kommt der Wind aus Westen, beißt der Wels am besten.”

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Catfish
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topos Leverkusen

Daddy Long Legs – Lowdown Ways – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach The Suitcase Junket bin ich mit Daddy Long Legs wieder eher zufällig über einen Musiker gestolpert, der durch seinen eigenwilligen Sound hervorsticht und für Sounds-Of-South-Fans interessant sein könnte. Die Wurzeln von Daddy Long Legs liegen im Blues. Er nennt Howlin‘ Wolf, Leadbelly, Screamin‘ Jay Hawkins sowie Dr. Feelgood als Einflussgrößen. Vor diesem Hintergrund gibt Daddy Long Legs seinen Songs einen kräftigeren Schuss Rock und eine Note Country, Gospel oder Protopunk mit.

„Daddy Long Legs“ ist ein Roman von Jean Webster, der Anfang des 20. Jahrhunderts einigen Erfolg hatte und mehrere Adaptionen für Film und Bühne nach sich zog. Als Musical wurde er 1955 mit Fred Astaire verfilmt. Die Titelfigur ist ein unerkannt bleibender Wohltäter. Wenigstens hinsichtlich der Anonymität gibt es da Parallelen zum Musiker. Den Geburtsnamen des Leadsängers und virtuosen Blues-Harp-Spielers habe ich nämlich nicht herausgefunden. Bekannt sind hingegen die Namen seiner Begleiter. Murat Aktürk ist an den Gitarren und Josh Styles an Drums sowie Percussion aktiv.

Das in New York ansässige Trio veröffentlicht mit „Lowdown Ways“ bereits sein viertes Album. Es bleibt auf ihm seinem Sound, der durch die oftmals verzerrte Stimme des Frontmanns, die intensive Mundharmonika, schepperndes Schlagzeug sowie die knarzenden Gitarrenriffs geprägt wird, treu.

„Theme From Daddy Long Legs“ stimmt mit stampfendem Rhythmus auf den Longplayer ein. Die Anleihen beim Gospel scheinen hier bereits durch und werden später bei „Be Gone“ noch deutlicher. Nach dem Opener nimmt „Lowdown Ways“ Fahrt auf. Es folgen zwei rockige Stücke: das starke „Pink Lemonade” und das leicht countryfizierte „Ding Dong Dang“. Die Rhythmusarbeit auf beiden Tracks ist originell. Die erinnert bei „Mornin‘ Noon & Nite” anfänglich an John Lee Hookers „Boom Boom“ und treibt den Song ordentlich an. Das Schlagzeug von Josh Styles klingt dabei einfach prima.

Der Mittelteil des Albums erhöht das Tempo nochmals mit den beiden Boogies „Glad Rag Ball“ und „Winners Circle“. Das gradlinig countryrockende „Célaphine” lässt vor dem inneren Auge den Tanzsaal einer Landkirmes im mittleren Westen vorbeiziehen. Daddy Long Legs legt sich mit der Blues Harp kräftig ins Zeug. Anders als beim vorhergehenden „Bad Neighborhood” ist hier die Verzerrung der Stimme des Leadsängers zurückgenommen. Bei den meisten Stücken passen sich die Effekte, mit denen die Stimme verfremdet wird, sehr gut ein. Auf Dauer sind sie eventuell etwas viel, vor allem, wenn der Klang von oft gespieltem Vinyl imitiert wird.

Hörbar ist das gewollte Kratzen in den Höhen bei „Back Door Fool“. Der schön runde Country-Song bringt durch die akustische Gitarrenbegleitung ansonsten eine willkommene Abwechslung. Dass Daddy Long Legs auch ohne Technik eine gewisse Varianz in seine Stimme legen kann, beweist er auf dem bluesigen „Snagglepuss“. Der mit leichter Punk-Attitüde gespielte Country Rocker „Wrong Side Of The River” bildet den Abschluss des Albums und stellt noch vor „Pink Lemonade“ meinen Anspieltipp dar.

Der bluesinfiltrierte Roots Rock von Daddy Long Legs bewegt sich abseits des glattgebügelten Mainstreams und ist damit erfrischend anders. Knackige Songs, die etwas schräg mit den Traditionen umgehen, zeichnen Daddy Long Legs aus. Auf Dauer mögen die exzessiv eingesetzten Verzerrungen anstrengen, daher wird man „Lowdown Ways“ vielleicht nicht mehrfach hintereinander durchlaufen lassen, aber immer wieder mal auflegen.

Yep Roc Records/Red Eye Worldwide/H’Art (2019)
Stil: Blues, Roots Rock

Tracks:
01. Theme from Daddy Long Legs
02. Pink Lemonade
03. Ding Dong Dang
04. Mornin‘ Noon & Nite
05. Glad Rag Ball
06. Bad Neighborhood
07. Célaphine
08. Winners Circle
09. Back Door Fool
10. Snagglepuss
11. Be Gone
12. Wrong Side Of The River

Daddy Long Legs
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Yep Roc Records
Red Eye Worldwide
H’Art

Paul Thorn – Best Of – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Elvis Presley hat die Karrieren vieler bekannter Musiker nachhaltig beeinflusst und ihnen teilweise sogar buchstäblich die „Tanzschritte“ der Rockmusik beigebracht. Zu ihnen gehören die US-Rockstars Bruce Springsteen, Tom Petty und Billy Joel, die alle drei stolz betonen, wie Elvis sie förmlich zum Rock’n’Roll verleitet hat und seine Bühnenauftritte zu einem Paradigmenwechsel in ihrem Leben führten.

Der 54-jährige Paul Thorn war zu Beginn von Elvis legendären Shows noch zu jung, um die gleiche Begeisterung zu entwickeln. Aber seine Verbindung zum „King“ entsteht, als er mit seiner Familie nach Tupelo, Mississippi, zieht – dem Geburtsort von Elvis Presley. Zum Songwriting wurde er jedoch nicht unbedingt musikalisch von Elvis motiviert, sondern eher durch dessen Fähigkeiten als Entertainer.

Als Sohn eines Geistlichen entdeckte Thorn früh den Gospelgesang. Bis zu seinen ersten Musikveröffentlichungen dauerte es aber noch einige Zeit und erst als Mitt-dreißiger konnte Thorn seinen Erstling „Hammer and Nail“ (1997) herausbringen.

Auf der vorliegenden Best-of-Scheibe hat Paul Thorn wesentliche Tracks der vergangenen 20 Jahre zusammengefasst, dazu Hits und Fan-Wünsche. Angefangen mit „I Don’t Like Half The Folks I Love“ vom „Pimps and Preachers“-Album (2010) wird eine bunte Mischung von Americana bis Gospel präsentiert, die zu seinem zweiten Studioalbum „Ain’t Love Strange“ von 1999 zurückreicht („Burn Down The Trailer Park“ und „I Have A Good Day Every Now & Then“). Von seinem Debüt Album „Hammer and Nail“ (1997) ist leider kein Song vertreten, was diese Best-of-Fassung etwas schmälert.

Zu jeder Compilation gehört mittlerweile fast standardmäßig auch ein bislang unveröffentlichter Track. In diesem Fall schließt die Scheibe mit dem schönen „Rose City“ ab, das im rockigen Country-Sound entfernt an Stones-Klassiker erinnert. Ein nettes Beiwerk ist der Download-Code zu einem Konzert mit Band aus dem Jahre 2016, als er im Ryman Auditorium in Nashville, TN eine Acoustic-Show ablieferte.

Paul Thorn wird in der Musikszene sehr geschätzt und konnte zum Beispiel schon mit Sting, Mark Knopfler, John Hiatt und John Prine zusammenarbeiten. Im Vergleich zu vielen anderen Berufsmusikern kann Thorn die in langen, harten Jahren gewonnene Lebenserfahrung, u.a. als Fabrikarbeiter, Soldat oder Profi-Boxer, in die natürliche Glaubwürdigkeit seiner Songs einbringen. Er weiß worüber er singt, wenn er sogenannte „working-man-songs“ spielt. Bruce Springsteen musste kürzlich z.B. sehr ironisch – in seiner umjubelten Broadway Show – zugeben, er habe die Fabriken, über die er in seinen Songs schreibt, nie von innen gesehen.

Die Best-of-LP von Paul Thorn ist eine meisterliche Zusammenstellung aus einem abwechslungsreichen und authentischen Repertoire und zwei Jahrzehnten Americana, Country, Blues, Gospel und Southern Rock. Die Gelegenheit, diesen bodenständigen und vielseitigen Singer/Songwriter live zu erleben, sollte man bei seinen ersten Deutschland-Terminen im Herbst unbedingt wahrnehmen.

Perpetual Obscurity Records (2016)
Stil: Americana, Country, Blues

Tracklist:
01. I Don’t Like Half The Folks I Love
02. Mission Temple Fireworks Stand
03. Snake Farm
04. Pimps And Preachers
05. Long Way From Tupelo
06. Burn Down The Trailer Park
07. Bull MT. Bridge
08. What The Hell Is Goin‘ On?
09. What Have You DoneTo Lift Somebody Up?
10. Old Stray Dog & Jesus
11. I Have A Good Day Every Now & Then
12. Rose City

Bonus Download: The Acoustic Show
01. A Lot Of Good Reasons
02. I Backslide On Friday
03. I Hope I’m Doin‘ This Right
04. Hammer & Nail
05. That’s Life
06. Turnip Greens
07. Don’t Let Nobody Rob You Of Your Joy
08. She Won’t Cheat On Us
09. Everything’s Gonna Be Alright

Paul Thorn
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Black Pike Favorites

Kiefer Sutherland – Reckless & Me – CD-Review

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Es gibt, was meinen Musikgeschmack betrifft, eigentlich nur zwei Schauspieler aus dem amerikanischen Show Business, die bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Und das sind bisher Kevin Costner und John Corbett. Mit dem Kanadier Kiefer Sutherland (Sohn von Ehren-Oscar-Preisträger Donald Sutherland), bei uns in erster Linie durch zahlreiche Spielfilme wie u. a. „Young Guns“, „Flatliners“, „The Jury“ oder die Echzeitserie „24“ (als Jack Bauer) bekannt, gesellt sich jetzt ein weiterer hochkarätiger Akteur hinzu.

War sein Debütalbum „Down In A Hole“ schon nicht von schlechten Eltern (man erinnere sich nur an das grandiose „Going Home“), legt er jetzt mit „Reckless & Me“ ein absolutes Country Rock-Meisterwerk nach. Produziert (als auch kompositorisch und instrumentell involviert) hat es erneut sein Freund Jude Cole (früher Mal in Moon Martins Backgroundband tätig, heute auch Producer u. a. von Lifehouse). Auch das Engros der Musiker (Brian MacLeod, Jim Cox, Greg Leisz und die Backgroundsänger/innen Chaz Mason, Samantha Nelson und Carmel Echols) hat zum großartigen Ergebnis dieses Werks wieder beigetragen.

Wer Sutherland bis dato durch die Synchron-Stimme von Tobias Meister im Kopf hat, wird zunächst durch das wunderbar rauchige Vokalorgan des 52-jährigen Medien-Omnisassas beeindruckt, das für das wunderbare Konglomerat aus Country-, Southern Rock und Americana-Zutaten, natürlich prädestiniert ist. Warum ist „Reckless & Me“ noch ein wenig stärker als der Vorgänger?

Das Songmaterial ist einfach einen Tick besser, melodischer, es greift effektiver ineinander, es packt einen irgendwie viel intensiver. Der bekannteste Track dürfte der Opener „Open Road“ sein, den hat Kiefer vor einiger Zeit – ich trau es mich kaum zu schreiben – in der Helene Fischer Show im Duett mit ihr performt hat (wenn man ehrlich ist, mit respektablem Ergebnis, besonders die Blondine überrascht mit Carrie Underwood in Nichts nachstehenden, countryesken Vocals). Hier auf dem Silberling kommt er natürlich in weniger effekthascherischer Weise im Midtempobereich, etwas downgestrippt und mit nur dezenten Harmoniegesängen.

Das mit herrlichen Pianoklimpereien durchzogene, temperamentvolle und treibende „Something You Love“ geht durch Mark und Bein. Bruce Springsteen und Bob Seger lassen grüßen, ein Killertrack für’s Live-Repertoire. Die Southern Soul-Ballade „Faded Pair Of Blue Jeans“ mit seinen, wie durch einen lauen Wind smooth wehenden Twin-Gitarren, erzeugt Gänsehaut, der Titeltrack besticht dagegen durch seine schwermütige bluesige Note (klasse Bariton-E-Gitarre, grandiose Slide-Soli).

Das in Kid Rock-Manier lässig dahin schunkelnde „Blame It On Your Heart“ (HT-Piano, launige ‚Oh yeah‘-Harmonie-Gesänge, Steel-Geleier) beschließt die erste Hälfte. Mit dem Bakersfield-Countryfeger „This How It’s Done“, dem Tex-Mex-umwehten „Agave“ („La Grange“-reminiszierende E-Hook“, Salsa-Note) und dem
dem saucoolen Southern-Schwofer „Run To Him“ (klasse weibliche Harmonies, tolles HT-Piano-Solo, Organ, Slide-Solo) folgt ein fantastisches und facettenreiches Trio. Einfach toll, wobei auch immer wieder Kiefers anpassungsfähiger raspeliger Gesang erwähnt werden muss!

Die beiden Endstücke gehen dann mit autobiografischem Charakter einher. In der etwas Pathos-getränkten, wunderbar melodischen Ballade „Saskatchewan“ kochen ein wenig die Kindheits- und Heimatgefühle des Protagonisten hoch, während das grassige „Song For A Daughter“ seiner mittlerweile ins Frauenalter entrückten Tochter Sarah, die es ja ebenfalls bereits zu gehobenen Schauspielehren gebracht hat, gewidmet sein dürfte.

Hier sieht man vorm geistigen Auge Kiefer auf der Veranda seiner Villa nach ein paar Gläschen Whiskey im Kreise seiner Mitmusiker sitzen, die seine melancholischen Schwelgereien bezüglich des mittlerweile groß gewordenen Mädels, mit den typischen Instrumenten wie Akustikgitarre, Mandoline, Akkordeon & Co. begleiten. Ein emotionaler Abschluss mit relativ niedrig gehaltenem Kitsch-Faktor.

Kiefer Sutherland hat mit „Reckless & Me“ einen Longplayer hingelegt, der ohne Zweifel zu den ganz großen Jahres-Highlights zählen wird. Wer Musiker wie Bruce Springsteen, Bob Seger, John Mellencamp, Tom Petty, John Corbett, Will Hoge, John Hiatt und Konsorten mag, kann bedenkenlos zugreifen und wird, so behaupte ich es mal, begeistert sein. Was meine persönlichen Überraschungen betrifft, hat mich kein Album seit Kid Rocks „Born Free“ so schnell wieder in positiver Hinsicht vereinnahmt. Dicke Kaufempfehlung!

BMG Rights Management
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Open Road
02. Something You Love
03. Faded Pair Of Blue Jeans
04. Reckless & Me
05. Blame It On Your Heart
06. This How It’s Done
07. Agave
08. Run To Him
09. Saskatchewan
10. Song For A Daughter

Kiefer Sutherland
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Networking Media

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars – Live In Concert – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Kai Strauss zählt zum kleinen Kreis europäischer Bluesmusiker, denen auch amerikanische Kollegen und Kritiker einen authentischen Stil attestieren. Seit 2010 tritt Kai Strauss unter eigenem Namen auf, zuvor tourte er mit seiner Band „The Bluescasters“ und Memo Gonzales, einem texanischen Sänger und Bluesharp-Spieler quer durch Europa. In 2014 gründete er die Band „Kai Strauss & The Electric Blues All Stars“ mit der er bisher u. a. vier CDs veröffentlichte.

Inzwischen wird Kai als einer der großen europäischen Blueser gehandelt, immerhin heimste er seit 2014 schon vier deutsche Blues Awards ein. Zusätzlich spielt Strauss auch auf zahlreichen Veröffentlichungen bekannter Musiker wie z. B. Tommy Schneller oder Bid Daddy Wilson als Gastmusiker mit.

Auf dem neuen Livealbum, bestehend aus zwei Silberlingen in einem ansprechend gestalteten Cover, liefert der Protagonist mit seiner Truppe insgesamt 14 starke Tracks im typischen Chicagoblues-Stil der späten 60er Jahre mit insgesamt rund 1 1/2 Stunden Spieldauer ab. Schade ist allerdings, dass die Live-Athmosphäre dabei teilweise nicht so gut rüberkommt, was aber der musikalischen Brillanz des Albums keinen Abbruch tut.

Kai Strauss beherrscht einen sehr klaren und sauber differenzierbaren Gitarrenstil. Alle Stücke wurden fein abgemischt, vielfach mit toll arrangierten Bläsersätzen („Did You Wrong“). Und wohltuender Weise kommen sämtliche Songs auch ohne wildes Gitarrengeschrammel aus, so dass man sich gut den Feinheiten des Sounds von Kai Strauss und seinen Mitstreitern hingeben kann.

Das Album enthält flottere und tanzbare Nummern, wie z. B. den Opener „Gotta Let You Go“, „Let Me Love You Baby“, oder den Stampfer „Ain’t Gonna Rumble No More“. Aber auch reine Slowblues-Stücke („Highway Blues“, „Hard Life“, „Put That Bottle Down“) werden dem Hörer geboten. Das ganze Set reichert Strauss dann zusätzlich noch mit Boogie-Woogie-beseelten Krachern an: „Judgement Day“ oder das sehr temporeiche „Get The Ball Rolling“ mit den typischen, hackenden Pianopassagen.

Sehr gefällig ist auch der eher gemächlich fließende Boogie „I Ain’t Buying It“. Seinen krönenden Abschluss findet der Doppelplayer schließlich in dem elegisch breit angelegten, neun minütigen „Shades Of Earl“ mit längeren, fast jazzig anmutenden, Gitarren- und Keyboardeinlagen im Mittelteil.

Mit dem vorliegenden Live-Album ist Kai Strauss und seinen Mannen ein authentisches Blues-Konglomerat ganz im Stil der alten Meister des Chicagoblues gelungen. Für Enthusiasten dieses Genres, die Wert auf sauberes Gitarrenspiel und feine Arrangements legen, eine klare Kaufempfehlung.

Continental Blue Heaven (2019)
Stil: Blues

Tracks CD 1:
01. Gotta Let You Go
02. Highway Blues
03. Aint’t Gonna Rumble No More
04. Judgement Day
05. Did You Wrong
06. Hard Life
07. Get The Ball Rolling

Tracks CD 2:
01. The Blues Is Handmade
02. The Game Ain’t Worth Playing No More
03. Let Me Love You Baby
04. Put That Bottle Down)
05. Got To Be Some Changes Made
06. I Ain’t Buying It
07. Shades Of Earl

Kai Strauss & The Electric Blues Allstars
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H’Art

Vanja Sky – 12.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Vanja Sky, im Rahmen von Rufs Blues Caravan, bereits letztes Jahr an der Seite von Mike Zito und Bernard Allison durch Deutschland tingelte und dort auch schon überzeugte, besuchte Sie erstmals den Kölner Yard Club im Rahmen Ihrer ersten Solotour.

Die junge Kroatin, die erst seit wenigen Jahren Gitarre spielt, hatte ihr Debutalbum „Bad Penny“ im Gepäck, von dem sie auch fast jeden Song spielte und ergänzte erwartungsgemäß ihre Show mit mehreren Coversongs. Wie meist im Yard Club, der leider mit etwa 40-50 Fans nur mäßig besucht war, begann das Konzert recht pünktlich gegen 20:15 Uhr.

Vanja in einem weißen Kleid mit roten Blumen gekleidet, brachte auch durch ihre erfrischende und natürliche Art eine regelrechte Wohlfühlstimmung in den Club und interagierte immer wieder mit dem Publikum.

Mit dem Opener „Hard Working Woman“ legte Sie direkt einen feinen Bluessong aus der eigenen Feder hin. Unterstützt wurde Sie dabei von Ihrer Band, Eduard Jimmy Matesic an der zweiten Lead Guitar, der mit einigen starken Soli glänzte, Hanser Schüler an den Drums und Roger Inniss, Rufs Tausendsassa am Bass.

Dem Cream-Klassiker „Strange Brew“, den Sie gekonnt aufs Parkett legte, ließ sie mit „Do You Wanna?“, „Inside Pain“ und „Give Me Back My Soul“ drei Songs vom eigenen Album folgen, ehe Sie sich an Stevie Ray Vaughns „Pride & Joy“ wagte und mit dem selbst geschrieben „Crossroads Of Life“ einen der Höhepunkte des Konzerts folgen ließ.

Psychedelisch beginnend, steigerte sich das Stück mit hohen Wiederekennungswert in eine starke Bluesnummer, die mit dem entsprechenden Applaus belohnt wurde. Dem frühen Fleetwood Mac Klassiker „Oh Well“ gab Sie mit Ihrer Stimme eine ganz eigene Note.

Schön war dabei, wie die Band harmonierte, Vanja sich immer wieder zu Matesic begab, um sich in Soli zu duellieren oder, Seite an Seite mit Inniss stehend, performte. Beiden, wie auch dem Drummer Hanser Schüler war anzumerken, mit welchem Spaß sie bei der Sache waren und sie die positive Stimmung aus dem Publikum aufnahmen.

Danach legte Sky die elektrische Gitarre für einen Song auf Seite und spielte eine gefühlvolle Version des Traditionals „House Of The Rising Sun“, das durch die Animals bekannt wurde. Dies tat sie in einer solch intensiven Art, dass ihre Begleiter mit geschlossenen Augen, scheinbar träumend, in den Song einsetzten.

Hanser bewies hier, dass er neben dem druckvollen Schlagzeugspiel auch mit viel Ruhe und Gefühl sein Instrument spielen kann, um so nicht die traumhafte Atmosphäre zu zertrümmern und nur leichte Akzente zu setzen.

Dem bluesigen „All Night“ folgten das rockige „Don‘t Forget To RnR“ und das Black Crowes-Cover „Twice As Hard“, in dem alle Musiker tolle Soli einbrachten. Besonders hervorzuheben ist hier das mehrminütige Agieren von Roger Inniss an seinem 6-Saiter, bei dem er eindrucksvoll offenbarte, was aus diesem Instrument mit dem nötigen spielerischen Können heraus zu holen ist.

Mit dem leicht balladesken „Married Man“ gab Sky dann Einblicke in Ihr Seelenleben. Schön war zu sehen, wie das Publikum diesen speziellen Moment wahr nahm und scheinbar anmutig lauschte, so auch Inniss, der erst später mit seinem Bass einsetzte.

Gegen Ende des Konzertes legte Sie mit „Bad Penny“, dem ganz stark interpretierten, „Going To My Hometown“, bei dem Matesic sie an der Mandoline begleitete und „Shadow Play“, drei Songs ihres Idols Rory Gallagher hin.

Es mündete darin, dass Sie selbst, auf der Bühne liegend, ihre Gitarre bespielte und Matesic ihr anschließend ganz im Stile eines Gentlemans, wieder aufhalf.

Nach einer eigenwilligen, gesanglich starken Version von „Whole Lotta Love“ gab es als letzten Song noch eine hart rockende Version des Troggs Klassikers „Wild Thing“ und die Band verabschiedete sich vom gut mitgehenden Audienz.,

Der anhaltenden Applaus dafür sorgte, dass mit einem stark vorgetragenen, groovenden „Hit Me With The Blues“ einer der stärksten Songs, die fällige Zugabe bildete. Nach etwa 90 Minuten war der gelungene Auftritt der Nachwuchskünstlerin beendet.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Ecke glatt zu schleifen, aber in punkto Publikumsnähe, positiver Ausstrahlung, braucht sie sich vor wenigen in der Szene zu verstecken.

Es wird spannend, wie sich die junge Kroatin weiter entwickeln wird. Mit der Unterstützung der heutigen Musiker, ist zu erwarten, dass man in der Zukunft noch einige Positives von ihr hören wird, und sie auch bei den weiteren Konzerten der Tour, ihre Fans begeistern wird.

Ein Dank auch an Marcus Neu, der immer wieder jungen Künstlern im Yard Club die Chance gibt, sich zu beweisen. Schön wäre es, wenn dies auch besuchsmäßig mehr gewürdigt werden würde, dass dies in Zukunft entsprechend fortgesetzt werden kann.

Line Up:
Vanja Sky – Vocals, Gitarre
Eduard Jimmy Matesic – Gitarre, Mandoline
Roger Inniss – Bass
Hanser Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Ruf Records
Yard Club Köln

Brandon Santini – The Longshot – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der Blueser Brandon Santini ist wahrlich ein musikalisches Arbeitstier. Er ist jahrein, jahraus mit 250 Konzerten weltweit unterwegs und hat sich dadurch in der Bluesszene im Laufe der Zeit einen Namen gemacht, was ihm fünf ‚Blues Music Award’-Nominierungen und drei ‚Blues Blast Magazine Award‘-Nominierungen eingebracht hat.

Mit seinem neuen Album „The Longshot“ verlässt Brandon Santini nun die traditionellen Bluespfade, auf denen er lange erfolgreich unterwegs war, um die beiden Seiten seiner Seele, die zwischen Blues („Beggin’ Baby“, ein schöner, eher traditioneller Blues) und Rock („Don’t Come Around Here“, einem wild pulsierenden Klopper) pendeln, zu einem Ganzen, teilweise mit relaxten Südstaatenanleihen („Broken Bones“, ein typischer Countryblues), zu vereinen.

In dieser Bandbreite präsentiert sich die komplette Scheibe, wobei allerdings die etwas ruhigeren Töne überwiegen. Da sind z. B. das balladenhafte, im Singer-Songwriter-Stil gehaltene, mit leichter Keyboarduntermalung ruhig fließende „One More Day“ oder das stilistisch an Chris Rea erinnernde „Drive You Off My Mind“. Entspannt und eingängig sind auch fast alle übrigen Titel des Albums. Mit „Heartbreaker“ hat Santini einen gemächlichen Midtempo Blues hingelegt und auch „Back To You“ bietet eine ruhige, etwas schleppende Grundmelodie mit Ohrwurmqualitäten.

Mit den letzten zwei Tracks von „The Longshot“ bringt Santini dann noch einmal seine rockige Seite zum Klingen. „Evil Is Going On“ ist ein ziemlich flotter, leicht Country beeinflusster, swingender Rockabilly Shuffle, während „Somebody’s Gotta Go“ recht rockig-heavy daher kommt.

Insgesamt hat Brandon Santini mit „The Longshot“ ein ernergiegeladenes, stilistisch farbenfrohes, modernes Album abgeliefert, ohne dabei seine traditionellen Blueswurzeln zu leugnen, was nicht zuletzt auch durch die virtuosen Mundharmonika-Sätze in den einzelnen Stücken zum Ausdruck kommt. Von Santini wird in Zukunft sicherlich noch mehr Gutes zu hören sein. Wir sind gespannt!

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Come Around Here
02. Beggin‘ Baby
03. One More Day
04. Drive You Off My Mind
05. Heartbreaker
06. Broken Bones
07. Back To You
08. My Worried Mind
09. Going Home
10. Evil (Is Going On)
11. Somebody’s Gotta Go

Brandon Santini
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American Showplace Music

Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Andreas Diehlmann Band – Your Blues Ain’t Mine Tour, Live 2019 – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Gerade erst hat Andreas Diehlmann sein beachtenswertes und starkes Album „Your Blues Ain’t Mine“ veröffentlicht, da schiebt er auch schon ein Live-Album mit gleichnamigen Titel nach. Eingespielt hat er es natürlich in seiner Heimatstadt Kassel im Liveclub „Theaterstübchen“, wieder begleitet von Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an der Schießbude. Außerdem liefert Volker Zeller auch wieder gesangliche Unterstützung.

Obwohl der Titel beider Alben gleich ist, ist es der Inhalt nicht. Nur drei Songs haben es vom Studioalbum aufs Livealbum geschafft. Das ist zum Einen natürlich der namensstiftende Titelsong beider Alben „Your Blues Ain’t Mine“, sowie die beiden Stücke „I Don’t Know“ und „Head Down Low“. Alle drei Stücke klingen im Vergleich zu den Studioaufnahmen dank Diehlmanns präsenter abgemischten, rauchigen Stimme mit Assoziationen an whiskeydurchtränkte Nächte, ‚dreckiger‘ und damit noch authentischer und ehrlicher.

Ansonsten ist der Longplayer prall (insgesamt 14 Tracks) mit neuem Material gefüllt. Wobei neu relativ zu verstehen ist, denn bei 5 Songs handelt es sich um bärenstarke Coverversionen von Peter Greens „Oh Well“, die durch Hendrix bekannt gewordenen Stücke „All Along The Watchtower“ und „Hey Joe“, sowie die Klassiker „Going Down“ von Don Nix und „Purple Rain“ von Prince.

Die restlichen Songs bewegen sich zwischen rhythmisch stampfenden und southernmässig angehauchten Melodien mit ZZ Top-Einschlag („Come On And Get It“) und einem, wie es sich gehört, zum Abzappeln einladenden, zündenden Rock’ n Roll Shuffle („Rita“). Mit „Gone“ und „Hard Times“ stehen dann zwei weitere typische Bluesnummern auf dem Programm.

Der erstere Titel ist ein schöner Slowblues in Moll und das andere Stück ein klassischer Chicagostyle Blues mit filigranen, teils aber auch schrammelnden Riffs im Mittelteil. Mit „Gonna Raise Hell“ geht‘s dann noch einmal richtig heavy zur Sache: ein pumpender Rocksong, der auch aus der Feder einer Metalband stammen könnte.

Insgesamt also ein starkes, authentisches Album auf dem Andreas Diehlmann und seine Jungs ihre besonderen Livequalitäten offenbaren. Und Diehlmanns Stimme ist, wie gesagt, Blues pur. Jungs, ihr müsst unbedingt auch mal in unseren Gefilden live zu sehen und zu hören sein. Wir warten auf Euch!

Eigenproduktion 2019
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Oh Well
02. Come On And Get It
03. Gone
04. Your Blues Ain’t Mine
05. All Along The Watchtower
06. I Don’t Know
07. Going Down
08. Rita
09. Hard Times
10. Opposites Attract
11. Head Down Low
12. Gonna Raise Hell
13. Hey Joe
14. Purple Rain

Andreas Diehlmann Band
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Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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