Joe Bonamassa – Live At The Greek Theatre – CD-/DVD-Review

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Was für ein monumentales Rockmusikwerk in allen Belangen! Joe Bonamassa, gefilmt bei einem Konzert im altehrwürdigen Greek Theatre in Los Angeles, einer imposanten, 1929 errichteten Freiluftbühne, angelehnt an einen griechischen Tempel.

2 DVDs (eine enthält den Konzertfilm, die zweite einige Bonus-Features (u. a.  ein ausführliches Interview mit Joes Eltern), dazu das Ganze noch auf zwei CDs (identisch mit dem Konzertmitschnitt), bieten eine Allround-Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. Hier heißt es wirklich, es sich wie im Kino, mit irgendwelchen Leckereien und Getränken vor der heimischen Anlage gemütlich zu machen und dann einfach nur das Gebotene zu genießen. Ich persönlich habe seit geraumer Zeit einen  relativ großen Fernseher, da wirkt alles fast doppelt phänomenal!

Hier wurde an nichts gespart, grandiose Aufnahmen aus allen Perspektiven, ein regelrechter Bilder- und nicht zu vergessen, natürlich auch Musikrausch. Ich hatte zunächst immer ein wenig Probleme mit dem Protagonisten. Seine Stimme sagte mir nicht ganz so zu, dazu bin ich nicht der Freund von übertriebenen Frickeleien, gerade in diesem Genre oft zur Selbstinszenierung dienend. Erst seine letzte Scheibe „Blues Of Desperation„, die er ja mit Nashville-Musikern eingespielt hatte, brach eigentlich das letzte Eis.

Auch bei diesem Gig sind mit Reese Wynans (keys) und Michael Rhodes (bass) zwei gestandene Recken aus Music City dabei, ein Genuss ihrer unaufgeregten, aber spielerisch umso brillanteren Art zu Musizieren beizuwohnen. Rhodes bildet mit dem erfahrenen, kraftvoll an den Trommeln agierenden, Anton Fig die Rhythmusfraktion. Als Liebhaber von weiblichem Backgroundgesang, wurde hier mit den drei australischen Damen Juanita Tippins, Jade MacRae und Mahalia Barnes (diese mit kurzen lead vocals-Parts – sehr beeindruckeende Röhre), groß aufgefahren. Die drei schlängeln sich zumeist, schön anzusehend, synchron zum Takt ihrer gesungenen Uuhs und Aahs.

Dem nicht genug. Mit Lee Thornburg (trumpet), Ron Dziubla und Paulie Cerra (beide saxophone) gibt‘ dazu noch eine fett plusternde Bläser-Fraktion, jeder auch mal zwischendurch mit individuellem Solo. Lediglich Kirk Fletcher (The Mannish Boys) kann Einem als Zweit-Gitarrist ein wenig Leid tun, ihm ist natürlich die Postion des sich unterordnenden Teamplayers, in Form von Rhythmus-Gitarrenspiel, zugeteilt. Er hat aber auch zwei unaufgeregte Solo-Einsätze.

Irgendwelche Songs (22 Stücke in Form einer Hommage an die Blueser Albert King, B.B. King und Freddie King) explizit herauszunehmen macht wenig Sinn, im Prinzip ist jedes Stück gelungen. Bonamassa streift hier den Blues der drei Kings mit rockigen, rhythmischen, mal souligen, als auch swingenden (teilweise erzeugen die Bläser einen voluminösen Big Band Sound) Interpretationen, dies teilweise demnach oft  im Retro-Ambiente (einige Songclips kann man sich vorab in unseren Musiknachrichten ansehen).

Seine Stimme wurde hervorragend zur Musik ausgesteuert, gefällt mir diesmal sogar richtig gut. Seine filigranen Saitenzaubereien präsentiert er dabei auf einem sich abwechselnden Arsenal von hoher Beanspruchung gezeichneter, arg gebeutelt, aussehender E-Gitarren. Joe lässt natürlich in jedem Lied ein bis zwei fulminante Soli los, hat aber in Nashville wohl mittlerweile auch gelernt, wann die Zeit zum Loslassen gekommen ist.

So fühlt man sich nach dem abschließenden herrlichen „Thrill Is Gone“ innerlich fast genötigt, sich vor dem Fernseher mit dem im Greek Theatre anwesenden begeisterten Publikum zu erheben und den zurecht erspielten Standing Ovations ebenfalls Folge zu leisten. Absolut grandios. À la bonne heure, Herr Bonamassa, samt Ensemble! Ganz großes Kino, passender Weise, anders kann man es wirklich nicht formulieren. Vergleichbar ungefähr mit Claptons Geschichte in der Royal Albert Hall. Joe Bonamassa ist mit diesem Werk endgültig in den Sphären der ganz großen Blueser aller Zeiten angekommen.

Im Bonus-Material gibt es ein Interview mit Joes sympatischen, auf dem Teppich gebliebenen Eltern, wobei  Joes Step by Step-Entwicklung von der ersten kleinen Mini-Gitarre bis zum großen Blues Rock-Star fachmännisch reflektiert wird (sein Vater ist/war ja selbst Musiker). U. a. wird Joes heimatliches Zimmer gezeigt und seine ersten Auftrittsorte. Dazu gibt es filmische Impressionen mit der ganzen Band im Vorfeld des Konzertmitschnittes und eine Bildergalerie mit erstklassigen Konzertschnappschüssen (tolles Lehrmaterial für und anstehende Konzertfotografen).

Ein weiterer Leckerbissen ist der Videoclip zu „Riding With The Kings“. Hier stiehlt die o. a. Mahalia Barnes im Studio dem Protagonisten mit ihrem unglaublich rotzigen Gesang die Show. Joe erkennt weise, die Sinnlosigkeit nach der ersten Strophe, sich mit diesem Vulkan vokal zu messen und belässt es dann damit, sich auf sein Gitarren-Können zu beschränken. Toller Song.

Filmisch und organisatorisch verantwortlich zeigen sich Joes-Langzeit-Begleiter Kevin Shirley und Ron Wiseman, die hier ebenfalls einen exzellenten Job erledigt haben. Dieses Gesamtkunstwerk ist ein Muss für jeden Fan guter Musik. Sounds Of South verneigt sich vor Joe Bonamassa und seinem Team. Nie wurden Begriffe wie ‚Weltklasse‘ und ‚Perfektion‘ in Sachen Blues exakter definiert!

Mascot Label Group (2016)
Stil: Blues Rock

DVD1:
01. Beginnings
02. See See Baby
03. Some Other Day, Some Other Time
04. Lonesome Whistle Blues
05. Sittin‘ On The Boat Dock
06. You’ve Got To Love Her With A Feeling
07. Going Down
08. I’ll Play The Blues For You
09. I Get Evil
10. Breaking Up Somebody’s Home
11. Angel Of Mercy
12. Cadillac Assembly Line
13. Oh, Pretty Woman
14. Let The Good Times Roll
15. Never Make You Move Too Soon
16. Ole Time Religion
17. Nobody Loves Me But My Mother
18. Boogie Woogie Woman
19. Hummingbird
20. Hide Away
21. Born Under A Bad Sign
22. The Thrill Is Gone
23. Riding With The Kings

DVD2:
01. Growing Up Joe (A conversation with Joe’s parents)
02. Riding With The Kings (Official Music Video)
03. Caveman’s Hacked iPhone (Behind The Scenes)
04. Joe’s Big Fat Greek (Photo gallery)

Joe Bonamassa
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Stolen Rhodes – Bend With The Wind – CD-Review

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Man muss heute nicht unbedingt aus dem Süden der USA stammen, um guten Southern Rock zu spielen. Die Kalifornier Robert Jon & The Wreck z. B. haben das in letzter Zeit eindrucksvoll bewiesen und zählen mittlerweile eindeutig zur Speerspitze des Genres und haben so manchem arrivierten Act der Sparte längst den Rang abgelaufen.

Auch Stolen Rhodes, ein Quartett, ursprünglich gegründet in Monmouth County, New Jersey, samt ihrer Mitglieder um Multi-Instrumentalist und Bandleader Matt Pillion (vocals, guitars, keys, saxophone), sowie Kevin Cunningham (guitars, vocals, dobro), Dan Haas (bass, vocals) und Eric Skye (drums, vocals), scheint sich auf diesem Terrain ebenfalls pudelwohl zu fühlen und bringt mit ihrem neuen Longplayer „Bend With The Wind“ sehr viel frischen Wind in die Szene.

Erfahrungen hat man bei Events wie der ‚Simple Man Cruise‘ oder als Support von Lynyrd Skynyrd, der Marshall Tucker Band oder Blackberry Smoke mittlerweile zu Genüge gesammelt.

Das neue Werk startet direkt mit zwei Krachern („Sunshine Prophet“ – Gute Laune-Uptempo-Nummer, „Good Time Charlie“ – satter Southern Boogie) ordentlich durch. Auch das Tucker-umwehte, atmosphärische „Devil From Above“ (mit typischem MTB-E-Solo, raunzende Orgel) weiß zu überzeugen.

Auf „Preacherman“ (Boogie mit furiosem Sax-Solo) und „So Long“ (gluckerndes E-Piano, Dobro, Harp) lassen sie auch keinen Zweifel an einer gewissen existierenden Country-Affinität. Balladen-Freunde kommen bei den beiden sehr melodiösen „Save Me“ und „Makin‘ Money“ auf ihre Kosten. In Zeilen wie „There’s too much makin‘ money, but not enough makin‘ love“ weißt Pillion schonungslos auf eines der vielen Grundübel unserer Zeit hin.

„Nowhere Fast“ (dezentes Bad Co.-Flair) und „Get On Board“ (Slide-trächtig, ABB-/Skynyrd-Note Richtung „Voodoo Lake“) bedienen die Klientel der klassischen Rockbands vergangener Tage. Am Ende huldigt man dann noch den großen ‚Boss‘ mit einer 7-minütigen, Saxofon-trächtigen Fassung seines „Rosalita (Come Out Tonight)“. Launig, gut gespielt, aber im Gesamtkontext eher fremd wirkend, was den guten Gesamteindruck des Albums aber keines Falls schmälern soll.

Die Produzenten David Ivory (dieser hat laut O-Ton der Musiker großen Einfluss auf die Band, was speziell die Songgestaltung angeht) und sein Assistent Joe Lam haben einen guten Job gemacht und Pillions Gesang (erinnert stark an Chris Thompson) sowie die instrumentellen Leistungen des Vierers sehr schön transparent herausgearbeitet.

„Bend With The Wind“ von den Stolen Rhodes reiht sich nahtlos in den Reigen der vielen starken Southern Rock-Neuveröffentlichungen des Jahres 2016 ein. Ein absolut empfehlenswertes Album. Teenage Head Music hat die Band aus diesem Grunde richtiger Weise auch unter ihre Fittiche genommen und eine Tour für 2017 angekündigt. Da kommt doch schon mal einiges an Vorfreude auf!

Eigenproduktion (2016)
Stil: (Southern) Rock

01. Sunshine Prophet
02. Good Time Charlie
03. Devil From Above
04. Preacherman
05. Save Me
06. Nowhere Fast
07. Get On Board
08. Makin‘ Money
09. So Long
10. Rosalita (Come Out Tonight)

Stolen Rhodes
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Teenage Head Music

Dirt River Radio, 02.09.2016, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbilder

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Die Sounds Of South-Filiale Westfalen, alias Peter Schepers, war bei den Pub Country Rockern Dirt River Radio erneut vor Ort und liefert schöne Bilder des Gigs im Dortmunder Blue Notez Club, der übrigens gerade sein fünf-jähriges Bestehen gefeiert hat. Sounds Of South gratuliert hiermit nochmal herzlichst.

Bilder: Peter Schepers

Dirt River Radio
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Teenage Head Music
Blue Notez Club, Dortmund

Dirt River Radio – 26.08.2016, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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So ein wenig ähnlich wie ‚Kulturrampenmacher‘ Markus Peerlings, ist es sowohl Jörg Schneider, der als Fotograf sein Debüt für Sounds Of South feierte, als auch mir gegangen. ‚Pille‘ hatte in seiner Startansage zum Auftakt der von Teenage Head Music präsentierten „Postcards From The Road“-Europa-Tournee der Aussie-Pub-Countryrocker Dirt River Radio betont, wie ihm in der Sommerpause doch die Leute und die tolle Live-Atmosphäre in ’seinem‘ Club gefehlt haben und er an diesem Abend richtig heiß auf geile Mucke war.

Heiß war auch die Temperatur an diesem Abend, dass selbst die Hitze-erprobten DRR-Burschen aus St. Kilda, Melbourne, ordentlich ins Schwitzen gerieten, was natürlich zum Teil auch der energiegeladenen Performance beim Spielen ihrer Stücke geschuldet war. Die beiden Bandleader Alex Raunjak und Heath Brady, jeweils mit einer korpulenten weißen wie schwarzen Gretsch-E-Gitarre ‚bewaffnet‘ und ihre Rhythmus-Sektion, bestehend aus Anthony Casey (Bass) und Matt Bray (Drums) rockten von der ersten Minute an mit dem herrlich schrammligen Opener „Chase The Sun“ (mit schönen Harp-Einlagen) forsch und unbekümmert los.

Natürlich standen bei ihrem eindreiviertel-stündigen Auftritt (inklusiv vier Zugaben) Stücke aus ihrem neuen, in den Starlöchern stehenden Album „Sun City White“, als auch den beiden Vorgängern „Come Back Romance, All Is Forgiven“ sowie „Rock’n’Roll Is My Girlfriend“ im Fokus. Das rhythmisch country-rockige „The Ballad Of Jackie Favour“ (schön heulendes E-Solo) steigerte direkt die Vorfreude auf ihr neues Werk, das mit den beiden Tracks „Cocksucking Blues“ und „Postcards From The Road“ in Form einer Kurz-EP ja bereits im Vorfeld auch bei uns beworben worden war. Beide Stücke wurden später natürlich auch gespielt, wobei der „Cocksucking Blues“ mit seinem starken E-Gitarren-Intro einen der Höhepunkte des Abends darstellte.

„Die schön melancholisch vorgetragene Ballade „Broken English Baby“, das Tex-Mex-umwehte „Black-Eyed Mondays“ und das ruhige „American Beer“ veranlassten den gehörig ins Schwitzen geratenen Alex Raunjak, sich seines Teenage Head T-Shirts zu entledigen und, zur Freude der anwesenden Ladies, fortan mit freiem Oberkörper zu performen.

Das bluesige „New York City“ (wieder mit Harp) und das humorvolle „Lady Motherfucker“ (Song über eine verflossene Dame von Alex mit integriertem Acapella Bridge) brachte der Band weitere Sympathien des Publikums ein. Beim keltisch-umwehten „The Boys In The Public Bar“ und dem folgenden, in Stones-Manier gebrachten „Hard Road“ bewies dann auch der kauzige Zweitgitarrist Heath Brady sein vokales Können. So hatte Fronter Alex Raunjak ein wenig Zeit, sich auf seine emotionale, im Alleingang gebrachte Hommage an seinen Vater („Sun City White“) innerlich vorzubereiten.

Das rhythm’n’bluesige „I’ll Be The One“ (wieder Gesang Brady), das schön balladeske „All My Friends“ und das den Hauptteil abschließende „Fuck You – I Miss You“ (mit kurzem Drum-Solo von Bray) bildeten die letzten Stationen. Die stürmisch geforderten Zugaben ließen nicht lange auf sich warten, wobei die beiden atmosphärischen „Song For You“ und „The River“ nochmal klangvolle Akzente setzten.

Dirt River Radio spielten sich mit einem launigen, aber auch sehr sympathisch, emotional und intensiv vollzogenen Debüt-Gig in Europa in die Herzen der anwesenden Kulturrampen-Besucher. Eine gelungene Einstimmung in die zweite Konzerthälfte des Jahres! Die Jungs ziehen jetzt weiter zu einem Festival in Belgien und haben mit weiteren Auftritten hierzulande, in Holland, Frankreich, der Schweiz und Spanien noch ein ordentliches Programm zu absolvieren. Möge ihnen viel Zuschauer beschert sein, ein Besuch dieser Aussie-Boys lohnt sich garantiert!

Großer Dank an Pille, Manny von Teenage Head Music und Jörg Schneider für die starken und lebhaften Bildeindrücke!

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Dirt River Radio
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Andy Frasco And The U.N. – Happy Bastards – CD-Review

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Schon beim Blick auf das farbenfrohe Cover-Artwork von „Happy Bastards“, dem neuen Album von Andy Frasco And The U.N. kriegt man schon irgendwie gute Laune. Auch die Bilder innen, ein wenig in Warholscher Manier, zeigen u. a. einen, nicht nur der wilden Haare wegen, elektrisiert wirkenden Bandleader. Das neue Werk erscheint zum ersten Male unter der Flagge des Blues (Rock)-spezialisierten Ruf-Labels.

Frasco bekennt sich laut eigener Aussage zwar auch zum Blues, möchte diesen allerdings in eine völlig konträre Richtung interpretieren. Seine Musik soll Leute in positive Stimmung bringen, erst wenn er Leute mit lachenden und zufriedenen Gesichtern seine Konzerte verlassen sieht, hat er einen guten Job gemacht, so der aus LA stammende Kalifornier.

Bunt ist ebenfalls die Zusammenstellung seiner Band. Seine Mitstreiter Ernie Chang (saxophone), Shawn Eckels (guitars, vocals), Andee Avila (drums, vocals), Supaman (bass) und einige Gastmusiker kommen aus den Niederlanden, Deutschland, Missouri, Tennessee und Texas. Kein Wunder also, dass sich das auch auf die stilistische Songvielfalt auswirken musste.

Und die ist auch beeindruckend hoch. Hier gibt es von Blues/Rhythm’n‘ Blues („You’re The Kind Of Crazy I Like“, „Blame It On The Pussy“ – mit Blues Brothers/James Brown-Flair), über Discopop („Doin‘ It“ – Richtung Bee Gees), Reggae- („Here’s To Letting You Down“)/Calypso- („Let’s Get Down To Business“) Klänge, Rock, Rock’n’Roll, Gospel („My Recovery“ mit „When The Saints Go Marching In“-Anleihen), Funk und Southern Soul, fast alles geboten, was einen in beste Feier-Laune versetzen kann.

Meine persönlichen Favoriten sind die Stücke, die in Richtung Southern Soul schwenken. Da wären die drei schön atmosphärisch ruhigeren Sachen wie „Tie You Up“, das großartige „Make it Work“ (Saxophon-lastig, tolles Southern Rock-mäßiges E-Gitarren-Fills-Spiel,  würde auch zu JJ Grey toll passen) und „Good Ride“ (klasse Sax, starkes E-Solo, hallendes Organ)  oder auch das, an die Dirty Guv’nahs erinnernde, rotzig freche „Mature As Fuck“.

Bandleader Andy Frasco beeindruckt mit einer, wie es nicht anders zu erwarten war, vokalen Bandbreite, die von bluesig-melancholisch  bis rotzig-euphorisch alles bietet. Ich mag es, wenn sich Sänger auch im Studio, sich so richtig spürbar, voller Emotionen reinhängen. Frasco ist ohne Zweifel, so einer.

Fazit: Diese, mit vermutlich etwas Ironie im Hintergedanken, selbst ernannten Bastarde um Andy Frasco und seine U.N.s  machen wirklich einen zufriedenen und glücklichen Eindruck. Ihre Scheibe „Happy Bastards“ ist eine musikalische Bereicherung für jede gute Party. Ach ja, lieber Andy, und nicht zu vergessen, auch ich als eigentlicher Southern Rock-Fan habe dieses Review mit einem Lächeln im Gesicht beendet! Guter Job, Jungs!

Ruf Records (2016)
Stil: Party Blues & More

01. Tie You Up
02. You’re The Kind Of Crazy I Like
03. Doin‘ It
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Here’s To Letting You Down
07. When You’re Lonely (Fill You Up)
08. (Oh My My) Can’t Get You Off My Mind
09. Let’s Get Down To Business
10. Blame It On The Pussy
11. Good Ride
12. My Recovery

Andy Frasco And The U.N.
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Ruf Records

The Cadillac Three – Bury In My Boots – CD-Review

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2. Album von The Cadillac Three! Das Trio um seinen charismatischen Bandleader Jaren Johnston, macht dort unverhohlen weiter, wo es 2014 mit seinem Debüt „Tennessee Mojo“ so herrlich unbekümmert begonnen hatte: Eine coole Mischung aus relativ einfach und wild gespieltem/gesungenem Southern Rock mit unterschwelliger Redneck-Attitüde, sowie dezenten New Country-Bezügen.

Apropos New Country: Dieser Jaren Johnston ist schon eine interessante Person. Namhafte Größen der Nashville-Zunft wie u. a. Tim McGraw, Keith Urban, Eric Church als auch zuletzt Aerosmith-Chef Steven Tyler bei seinem Erstlingsexperiment in dieser Sparte, vertrauten bereits bei diversen Adaptionen auf die kreativen Kräfte des umtriebigen Songwriters und landeten Nr.1-Hits.

Beim TC3-Projekt scheinen die Uhren aber anders zu ticken. Auch wenn Big Machine Records sicherlich ebenfalls ein Label ist, dass gerne Charterfolge feiert, lässt man Johnston sowie seine beiden Mitstreiter und Langzeitkumpels Kelby Ray und Neil Mason hier eher an der langen Leine. Die dürfen sich eigentlich im Rahmen ihrer Ideen relativ freizügig in Wort und Musik austoben und das ist gut so.

Anführer Jaren Johnston erweist sich neben seinen beiden Bandkumpanen natürlich bei den, fast ausschließlich von ihm erdachten und gesungenen Texten (dazu kommen noch einige prominente Co-Writer wie Luke Laird, John Nite, Jimmy Robbins, Brent Anderson, Jerrod Niemann), als wahrer Wortakrobat, in dessen Lieblingsvokabular Begriffe wie ‚Whiskey‘ und ‚Hips‘ eine überaus gern gewählte Option darstellen.

Produziert hat der Dreier sechs Stücke selbst, bei den restlichen haben die beiden Koryphäen auf diesem Gebiet, Dan Huff (spielt hier auch Bouzouki und Gitarre) und Justin Niebank, Hand angelegt. Niebank hatte ja schon seiner Zeit bei Blackberry Smoke, die musikalisch durchaus als Seelenverwandte zu TC3 durchgehen (zumal Johnston und Charlie Starr auch recht ähnlich singen), für den entscheidenden Impuls in Sachen Karrieresprung gesorgt.

Die 14 Stücke des Albums bieten wieder, wie schon beim Vorgänger, unterhaltsame und abwechslungsreiche, frech und frei von der Seele weg gespielte Stücke, bei denen aber Johnstons Fähigkeiten, eingängige und markante Refrains und Hooks zu kreieren, offenkundig in Erscheinung treten. Diverse Stücke wären prädestiniert für andere Kollegen der Nashville-Garde. Kein Wunder, dass die sich teilweise um seine Songs reißen. Die neue Sprayer-Hymne „Graffitti“ oder das poppige „This Accent“ sind ganz heiße Kandidaten.

Toll das Titelstück mit seinen Stimmungswechseln und satten E-Gitarrentushs, atmosphärische Sachen wie „Drunk Like You“, „Buzzin'“ (herrliche Bariton-E-Gitarre) oder „Runnin‘ Red Lights“, der relaxte Abhängsong „Ship Faced“ (klasse hier das lustige Namenswortspiel ‚Bimmy Juffett‘ zu Ehren eines der Hauptvertreter dieser chilligen Song-Gattung) oder hippe rhythmische Tracks (teilweise mit angerappten Sprechgesang) wie „Slide“, „Party Like You“, das knackige „Soundtrack To A Six Pack“ (man kann sich denken, welcher bei den Jungs gemeint ist…) oder anzügliche „Hot Damn“.

Heimatverbundenheit wird im swampig stampfenden „Peace Love & Dixie“ bekundet. Gleiches gilt für „The South“, bei dem mit Georgia Florida Line, Dierks Bentley und Mike Eli (Eli Young Band) in den Acapella-umwehten Gesangsbridges ein großes, namhaftes Gastaufgebot zugegen ist. „White Lightning“ (auf dem Vorgänger im Akustik-Ambiente) ist jetzt in einer schönen Vollversion präsent.

Fazit: The Cadillac Three haben sich mit „Bury Me In My Boots“ als Kollektiv wieder ein Stück weiterentwickelt. Zum Trübsal blasen gibt es wahrlich keinen Anlass! Sounds Of South freut sich schon jetzt auf das Konzert der Burschen im November in Köln, über das natürlich berichtet wird. Sollten die Jungs ähnlich drauf sein, wie bei ihrem Gig als Support von Eric Church vor zwei Jahren, wird ein ebenfalls geplantes Interview sicherlich eine eine Mordsgaudi werden… Fürs Album gibt es jetzt schon mal ’ne Bestnote! These boots rock…, and don’t forget the whiskey!

Big Machine Records (2016)
Stil: Country Rock

01. Bury Me In My Boots
02. Slide
03. Drunk Like You
04. Graffiti
05. Buzzin‘
06. Party Like You
07. Ship Faced
08. Soundtrack To A Six Pack
09. White Lightning
10. The South
11. This Accent
12. Peace Love & Dixie
13. Hot Damn
14. Runnin‘ Red Lights

The Cadillac Three
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Blackfoot – Southern Native – CD-Review

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Starkes Comeback von Blackfoot! Ich habe die Band eigentlich zum größten Teil seit ihrer „Siogo“-Scheibe (damals noch als LP) aus den Augen verloren und Neuigkeiten, nur noch so am Rande mitbekommen. Natürlich habe ich zur Kenntnis genommen, dass mit dem Wechsel ihres Leaders Rickey Medlocke zu Lynyrd Skynyrd, die Band ihr Markenzeichen/Aushängeschild verloren hatte und man mit neuen Sängern und Intrumentalisten sporadisch immer wieder in Aktion (teilweise so gar ganz ohne Original-Mitglieder, Jackson Spires ist ja 2005 verstorben) getreten ist.

Erstaunlich ist aber wirklich, wenn man sieht, wer so alles in der Zwischenzeit, in der Vita der Truppe, Indianer spielen durfte. Da treten interessante Namen wie u. a. der ehemalige Axe-Chef Bobby Barth, Mark Mendoza, Neal Casal(!), die Skinny Molly-Leute wie Jay Johnson oder Mike Estes zu Tage, von denen man manche hier nicht unbedingt vermutet hätte.

Aktueller Fakt ist, dass die beiden verbliebenen Gründungsleute neben Medlocke, Charlie Hargett und Greg T. Walker, aus welchen Gründen auch immer, in anderen Bands, unter anderem Namen tätig sind, und Rickey mit Rick Krasowski (guitar, vocals), Tim Rossi (vocals, guitar), Brian Carpenter (bass) und Matt Anastasi (drums), ein komplett neues Line-up formiert hat. Medlocke fungiert jetzt mehr als Strippenzieher im Hintergrund (hat aber als Produzent, Songwriter, Gitarrist und Backgroundsänger einen erheblichen Teil zum Gelingen des neuen Projekts beigetragen).

Wenn die Band nicht Blackfoot heißen würde und man nicht immer unweigerlich im Kopfkino gezwungen wird, Vergleiche anzustellen, sondern als ein brandneuer Southern Rock-Act in Szene getreten wäre, hätte es vermutlich überschwänglich gute Kritiken gehagelt. Das Album „Southern Native“ macht durchgehend Spaß, vieles erinnert mich ein wenig an das damalige tolle Debüt der Regulators, das ja später, auch aufgrund seiner schwierigen Bezugsmöglichkeit, quasi Kultstatus erlangte.

Die ’neuen‘ Blackfoot geben von vorne herein Gas. Die Begründung liefern sie im Titel, mit dem, von powernden E-Gitarren (inkl. quirligem Solo) und polternden Drums getragenen Opener, „Need My Ride“. Er erinnert mich an „Need For Speed“ vom o. a. Regulators-Werk . Direkt mal ein satter Auftakt! Auch der folgende Titelsong „Southern Native“ lässt das Herz der, der etwas härteren Gangart zugeneigten Southern Rock-Klientel, höher schlagen. Teilweise sogar Headbangtauglich. Herrlich hier vor allem die rotzigen weiblichen Backing-Gesänge von Stacy Michelle. Eigentlich schade, dass sie nur bei diesem Lied eingestreut wurden.

Das bluesig-balladeske und sehr melodische „Everyman“ gewährt eine knapp sechs-minütige Durchschnaufpause nach den beiden ersten ziemlich tempogeladenen Liedern. Das starke riffige „Call Of A Hero“ hat so ein dezentes Lenny Kravitz-Flair, aber natürlich in der Southern-Variante. Mit dem atmosphärischen „Take Me Home“ und dem knarzig dahinrauschenden „Whiskey Train“ beginnt eine Phase, wo die Band, den Spirit der Originaltruppe ein wenig aufleben lässt.

Bei Erstgenanntem lässt das Intro dezente „Diary Of A Working Man“-Reminiszenzen aufkommen (enthält später auch tolle Twin-E-Gitarren), beim blues-rockigen „Whiskey Train“ (auch wieder mit furiosen E-Gitarrenparts) versucht Rossi, Medlockes Gesangstil von einst, dosiert mit einzubringen. Zwei tolle Stücke. Auch der stampfende „Satisfied Man“ bietet mit den heulenden E-Gitarren und verspielten Soli, Southern Rock-musikalische Genugtuung. Die gut umgesetzte Fassung von Crosby Stills Nash & Youngs Klassiker „Ohio“ ist ebenfalls richtig passabel.

Das Slide-durchzogene „Love This Town“ knallt nochmal richtig heavy, bevor das Tex-Mex-Intrumental „Diablo Loves Guitar“ mit spanischer Akusikgitarre und Sanatana-mäßigen E-Gitarren-Einlagen, zum Abschluss ein wenig Spielraum gewährt, den vorangegangenen Rest des Albums, nochmal innerlich Revue passieren zu lassen.

Fazit: Auch wenn man sich über den Sinn und Zweck eines solchen Projekts ohne Original-Bandmitglieder sicherlich streiten kann und Tim Rossi vokal eher wenig Charisma versprüht, aber dafür einen grundsoliden und angenehm zu hörenden Sänger sowie starken Gitarristen abgibt (hier kommt natürlich auch wieder automatisch das bereits o. a. Kopfkino ins Spiel: Was wäre wohl gewesen, wenn Medlocke wieder das Front-Mikro übernommen hätte…), ist „Southern Native“ eine wirklich starke Southern (Hard) Rock-Platte geworden, mit allem Drum und Dran, was Fans des Genres seit den Anfangstagen Spaß macht. Denn was zählt, ist letztendlich das musikalische Ergebnis. Und das stimmt absolut. Eine der ganz großen Überraschungen des Jahres 2016. Ein klares ‚Must-Have‘ für Southern- und auch Hard Rock-Liebhaber!

Loud & Proud Records, 2016
Stil: Southern (Hard) Rock

01. Need My Ride
02. Southern Native
03. Everyman
04. Call Of A Hero
05. Take Me Home
06. Whiskey Train
07. Satisfied Man
08. Ohio
09. Love This Town
10. Diablo Loves Guitar

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The Delta Saints – 12.07.2016, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Die Delta Saints begeistern in Krefeld! Zum Ende ihrer Europa-Tournee hatten sich die vier Jungs aus Nashville in der Kulturrampe gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen angesagt. Gernot und ich hatten uns für den letzten Gig ihres Aufenthaltes in unseren Breitengraden entschieden und sollten unser Kommen nicht bereuen, nachdem der Gig vom Vorabend in den sozialen Medien bereits in höchsten Tönen gelobt worden war.

Ich persönlich habe die Burschen, seit meinem schon etwas länger zurückliegenden Review zu ihrer EP „A Bird Called Angola„, ehrlich gesagt, etwas aus den Augen verloren, allerdings ihre allerseits angepriesene Weiterentwicklung schon zur Kenntnis genommen. Von daher, schön, dass jetzt die Gelegenheit da war, die Band mal persönlich live zu erleben.

Die Kulturrampe war auch bei der zweiten Auflage wieder sehr gut gefüllt, um 20:45 Uhr griff sich Pille Peerlings das Mikro für die Ansage und das Quartett, bestehend aus Frontmann Ben Ringel (lead vocals, guitars), den barfüßig agierenden Dylan Fitch (guitars, vocals) und David Supica (bass) sowie dem starken Drummer Vincent Williams, ließen mit „Chicago/Boogie“ direkt mal ihre Groove- und Jam-Qualitäten auflodern.

Für mich immer wieder faszinierend, welch großartige Reife und Spielkunst diesen doch recht jungen Typen aus den Staaten zu attestieren ist. Ok, irgendwo ist klar, wer aus Music City kommt und sich dort durchzusetzen weiß, der muss einfach was drauf haben.

Und so spielten sich die vier, unter Führung ihres burschikosen Leaders Ben Ringel (meist eine markant erscheinende Resonator-Gitarre bedienend), durch einen sehr abwechslungsreichen gestalteten und instrumentell anspruchsvollen Gig. Ringel und Fitch tauschten dabei zum Teil ihre Gitarren auch mal untereinander aus. Der diesmal fehlende Keyboarder wurde insgesamt eigentlich ganz gut kompensiert.

Über das dezent psychedelisch angehauchte „Momma“, zwei brandneue Stücke (u. a. „California“), das zeppelineske „Sometimes I Worry“ (klasse Slide-Solo) und dem shuffligen „Heavy Hammer“ ging es in einen eher akustisch dominierten Part über.

Hier performte Ringel das seiner Frau gewidmete „Out Of Sea“ sehr schön emotional im Alleingang und „Paradise“ zusammen mit Fitch, der hier die Resonator-Gitarre spielte und Ben auch vokal ergänzte. Klasse hier ebenfalls sein Slide-Solo. In diesem Fahrwind begann auch das megastarke Fleetwood Mac-Cover „The Chain“ (mit ein wenig unterschwelligem Neil Young-Flair in Szene gesetzt), bei dem Supica und Williams dann nach gewisser Zeit für eine starke Instrumentalpassage wieder dazu stießen. Toller Song!

Mit dem atmosphärischen „Butte La Rose“ und einem furiosen Stück, bei dem David Supica solierte und das am Ende so richtig abging (was für ein fetter Groove), kam schon die Zielgrade in Sicht. Das mit tollen Tempo- und Rhythmuswechseln bedachte „Deathletter Jubilee“ (dazwischen mit Acapella-umwobenen Gesangsbridge) beendete um 22:05 Uhr den tollen Hauptteil.

Die begeisterten Zuschauer ließen die Schutzpatronen des Deltas erst gar nicht von der Bühne und bekamen dann mit „Take Me Home“ noch eine Zugabe geboten, bei der Vincent Williams in seinem integrierten Drum-Solo (in einer Hand ein Tambourine schüttelnd und in der anderen mit dem Drumstick sein Arbeitsgerät gleichzeitig beackernd) mit eigenwilliger und anspruchsvoller Vorstellung glänzte. Das war’s, die Burschen hatten spielintensive Wochen hinter sich und waren sichtlich froh, den letzten Abend dann noch ein wenig unter den Leuten bei Bierchen und Smalltalk ausklingen lassen zu können.

Fazit: Ein tolles Konzert, das Spaß machte und allseits strahlende Gesichter hinterließ. Man darf sich schon jetzt wieder auf ihre hoffentlich stattfindende Rückkehr im nächsten Jahr freuen. Bis dann und gute Heimkehr, Delta Saints!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere – CD-Review

Steven Tyler_Were All_300

Eigentlich hat sich mein Magazin ja auf die Fahne geschrieben, Bands und Interpreten zu supporten, die in unseren Gefilden eher nur von Insidern wahrgenommen werden oder für solche interessant sein könnten. Aber, wenn ein ein Superstar wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler ein Country-Album in Angriff nimmt, geht das natürlich auch an Sounds Of South nicht spurlos vorbei.

Und alles, was in Nashville in Sachen Produzenten (T-Bone Burnett, Dan Huff, Marti Fredriksen, Jaren Johnston), an Musikern (eine ganze Armada u. a. mit Tom Bukovac, Stuart Duncan, Ilya Toshinsky, Fred Eltringham, Chris McHugh, Dennis Crouch, Rebecca Lovell) und Songwritern (The Warren Brothers, Hillary Lindsey, Rhett Akins, Chris DeStefano, Brett James, Troy Verges, Eric Paisley, etc.) Rang und Namen hat, stand für den schillernden hochdekorierten Sänger Spalier.

Man merkt sofort, dass das ganze Projekt von absolut gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist. Tyler, der fast alle Tracks mitgeschrieben hat, ist der Spaß sichtlich anzuhören, er fühlt sich im Rahmen all dieser Nashville-Könner pudelwohl, und legt ein vokale Performance hin, die ihres Gleichen sucht. Er hängt sich sprichwörtlich ‚richtig rein‘. Und auch die Musiker und Mitschreiber aus dem Country-Mekka haben ihm die Songs quasi auf den Leib zugeschnitten, bzw. so einfühlsam eingespielt, dass sich sein (immer ein wenig rotzig klingender) Gesang optimal entfalten kann. Es hat alles wirklich ‚Hand und Fuß‘. Absolute Profis eben!

Nachdem er mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Love Is Your Name“ direkt die Top-20 der Billboard Country Hot Songs erreicht hatte, hat man bei den restlichen 14 Songs quasi die ‚Qual der Wahl‘, was da noch so an Zählbarem rausgeholt werden kann. Schon der atmosphärische Opener „My Own Worst Enemy“ mit dem toll unterlegten Akkordeon nimmt absolut gefangen. Klasse hier direkt der selbstironische Teint, der auch bei einigen anderen Tracks wie die z. T. kammermusikartigen „It Ain’t Easy“ und „Somebody New“ (mit Mandoline, Fiddle), „What Am I Doin‘ Right“ (mit etwas Tesla-Unplugged-Feeling) oder das stonesk rockende „The Good, The Bad The Ugly In Me“ immer wieder zum Vorschein kommt. Tyler weiß um seine kleinen Schwächen und kann sich selbst in den Texten ein wenig auf die Schippe nehmen. Das hat echt was Sympathisches.

Weitere Highlights sind Stücke wie der Titelsong, bei dem der ebenfalls ‚bunte Vogel‘, Cadillac Three-Chef Jaren Johnston maßgeblich involviert ist (schönes Intro: Johnston fragt, ob Steven eine Botschaft für die heutigen Kids hätte, der antwortet keck: „We’re All Somebody From Somewhere“ und dann legt der schön rebellisch klingende Song mit einer klirrenden Mandoline los), das mit sommerlicher Ukulele und Dobro bestückte „Make My Own Sunshine“, das eingängige „Gypsy Girl“ (Gast an der Akustikgitarre: Lindsay Buckingham), das hitverdächtige „Only Heaven“ (mit typischem Dan Huff E-Gitarren-Solo), das poppige „Red White & You (schönes Wortspiel) oder das Cajun-gefärbte „Sweet Lousiana“.

Am Ende zeigt der Protagonist beim unter die Haut gehenden, mit fröstelnden mit Cello und Violine unterlegten „Jamie Got A Gun“ Flagge für Opfer von häuslichem Missbrauch oder Gewalt. Hierzu hat er mit der Organisation Youth Villages eine wohltätige Stiftung namens ‚Janie’s Fund’ins Leben gerufen. Vorbildlich! Den starken Abschluss einer durchgehend fesselnden CD bildet das viel gecoverte und vornehmlich durch Janis Joplin berühmt gewordene „Piece Of My Heart“. Ob Tyler dieser Version das Wasser reichen kann, möge jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist, dass diese Fassung auch klasse ist (grandiose Backings von der auch bei uns geschätzten Rebecca Lynn Howard).

Fazit: Die spannende Frage, ob Steven Tyler Country kann, ist abschließend mit einem eindeutigen ‚Ja‘ zu beantworten. Hier passt alles bis ins kleinste Detail zusammen (dazu noch ein aufwendiges Cover-Artwork mit tollen Bildern von Steven und allen Texten). Absolute Kaufempfehlung. Experiment gelungen!

P.S.

Was habe ich eigentlich soviel geschrieben? Der Meister persönlich hat das Ganze sehr komplex so zusammengefasst:
MY OWN WORST ENEMY discovered that WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE but HOLD ON he (WON’T LET GO), like everything else, IT AIN’T EASY but when LOVE IS YOUR NAME it helps, yet I still find I need to MAKE MY OWN SUNSHINE with assistance from a GYPSY GIRL and maybe SOMEBODY NEW, however, it’s ONLY HEAVEN that really sees THE GOOD, THE BAD, THE UGLY AND ME but I see the RED, WHITE & YOU all the way down to SWEET LOUISIANA I ask myself, WHAT AM I DOIN’ RIGHT? because JANIE’S GOT A GUN but this world has a PIECE OF MY HEART. Noch Fragen?

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. My Own Worst Enemy
02. We’re All Somebody From Somewhere
03. Hold On (Won’t Let Go)
04. It Ain’t Easy
05. Love Is Your Name
06. I Make My Own Sunshine
07. Gypsy Girl
08. Somebody New
09. Only Heaven
10. The Good, The Bad, The Ugly & Me
11. Red, White & You
12. Sweet Louisiana
13. What Am I Doin‘ Right?
14. Janie’s Got A Gun
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Steven Tyler
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Dirt River Radio – The Cocksucking Blues / Postcards From The Road – Song-Review

Die seit 2007 ihr musikalisches Unwesen treibende Aussie-Band, Dirt River Radio, schickt jetzt im Vorfeld ihres geplanten dritten Albums „Sun City White“, schon mal zwei Songs auf einer CD/EP als Appetizer ins Rennen.

Meine beiden früheren, geschätzten Kollegen Jochen v. Arnim und Steve Braun, hatten ihre Vorgängerwerke „Come Back Romance, All Is Forgiven“ und „Rock’n’Roll Is My Girlfriend“ an anderer Stelle ziemlich positiv begutachtet.

In der aktuellen Besetzung, bestehend aus Heath Brady, Danger Alexander, Ross Hetherington, Mark Down Prices, Sarah Fagan und Kellie Fernando-Bird, setzt die aus St. Kilda, Melbourne, stammende Formation, ihren beschrittenen musikalischen Weg, mittels launigem, Pub-tauglichen Countryrock, bedingungslos fort.

Produziert hat Richard Stolz, der für seine Arbeit mit recht ‚krawalligen‘ Acts aus gleicher Region wie After The Fall, Bodyjar und Behind Crimson Eys bekannt ist.

Der Opener „The Cocksucking Blues“ startet mit einem, fast zwei Minuten währenden, starken E-Gitarren-basierten Instrumental-Intro (dazu Becken-Drum-Rhythmus), bevor dann der Gesang einsetzt. Ein knarziger, recht heavy shuffelnder Rocker, der dazu noch im Mittelteil mit einer E-Gitarrenpassage als Vorbereitung fürs eigentliche Solo (inkl. kurzer Twin-Parts) glänzt. Ein toller Song, ein wenig an Sachen von Zak Daniels & The One-Eyed Snakes erinnernd. Klasse!

Der zweite Track „Postcards From The Road“ entpuppt sich als Kneipen-tauglicher und mitgrölbarer, von Akustikgitarre, Banjo und Bariton-E-Gitarre geführter, stampfender Countryrock, ergänzt durch weibliche Harmoniegesänge und ein quirliges Akustikgitarren-Solo.  Am Ende wird noch in ‚Cryin‘ in my beer‘-Tradition lauthals „I miss you, there’s nothing I can do“ intoniert. Ein Song, der vermutlich am besten seine Wirkung in biergeschwängerter Live-Atmosphäre entwickelt, was im kommenden August/September überprüft werden kann, wenn die Band unter Teenage Head Music-Regie in Europa touren soll.

Fazit: Als Appetizer zwar ganz schön, aber ein bisschen viel Aufwand für lediglich zwei Stücke, einer doch nicht gerade weltberühmten Band. Ein starker Song, der andere eher gut-gemeinte Durchschnittsware. Da fällt mir spontan ein Titel eines hiesigen Bochumer Barden ein: Was soll das?

Label bisher nicht bekannt (2016)
Stil: Pub Country Rock

01. The Cocksucking Blues
02. Postcards From The Road

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