The Cadillac Three – Interview

Gut zwei Jahre nachdem wir mit den Jungs von The Cadillac Three schon einmal gesprochen hatten, sind wir von Oktober Promotion um ein weiteres Interview gebeten worden, dem wir natürlich gerne nachgekommen sind. Das hatten Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason vor ihrem Konzert in einem Büroraum oberhalb des Luxors diesmal preiszugeben:

Sounds Of South: Schön euch wieder zusehen. Ihr seid jetzt schon mehrfach im Luxor in Köln aufgetreten. Was zieht euch immer wieder hierhin, was gefällt euch an diesem Club?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir lieben den ‚Duftstoff‘ dieser schwitzigen Rock Clubs. Wir kommen aus den Staaten hierher und spielen vor diesen wirklich Southern Rock-verrückten Deutschen. Das gibt uns ein heimisches Gefühl. So macht es hier dann einfach eben großen Spaß!

Sounds Of South: Im Sommer habt ihr auf einigen Festivals gespielt. Wo ist für euch der Unterschied zu Konzerten in Clubs wie dem Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) Es ist eigentlich nur die Größe, nehmen wir mal als Vergleich das Ramblin‘ Man-Festival. (Jaren) Die Energie bei beiden ist aber meist dieselbe. Es war dort wohl mit die größte Zuschauermenge, vor der wir mit einigen anderen Bands gespielt haben, aber ich persönlich mag  diese Gigs hier mehr, weil sie in einer viel intimeren Atmosphäre stattfinden. Du schwitzt hier gemeinsam mit der Menge. Insgesamt sind  beide Sachen sehr schön, haben aber natürlich auch ihre kleinen Unterschiede.

Sounds Of South: Bei den Konzerten, die wir von euch bisher gesehen haben, habt ihr eure Songs eher hart gespielt. Gibt es einen Unterschied zu euren Performances in Amerika und Europa, speziell in Deutschland?
The Cadillac Three: (Kelby) Nicht wirklich, wir spielen eigentlich immer auf gleiche Art, egal, wo wir gerade sind. Die Musik überträgt sich einfach von alleine auf die verschiedenen Menschen auf diesem Erdball. (Jaren) Es ist schon eine wilde Sache. In den Staaten spielen wir zum Beispiel mit großen Countrystars, auch da machen wir einfach unser Ding.  Eigentlich ist es immer der gleiche verrückte Kram, aber es gefällt überall und das ist das Gute daran. Es hilft uns in unserer Entwicklung und auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Auch wenn wir fast immer die gleiche Setliste spielen, es überträgt sich auf sehr viele Audienzen. Die Country-Kundschaft liebt die harte Seite unserer Musik, die Rock-Gemeinde mag, dass wir hart sind, aber auch einiges bieten, was ihre Bands nicht liefern.

Sounds Of South: Ich gehe davon aus, dass die kreativen Synapsen bei euch nicht still stehen. Wie steht es bei euch mit neuem Songmaterial?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir haben neue Lieder! (Jaren) Wir arbeiten  an einer neuen Scheibe. (Neil) Wir spielen zur Zeit schon welche im Set. Wir sind dabei die Sache abzuschließen, sie wird irgendwann nächstes Jahr herauskommen. Wir arbeiten eigentlich immer an neuer Musik, auch wenn wir ein Album gerade abgeschlossen haben. Wir schreiben die ganze Zeit neue Songs, so sind sie dann halt wieder auf dem darauf folgenden Album.

Sounds Of South: Eure Besetzung ist in dieser Form etwas Besonderes. Gab es irgendwann einmal das Bestreben einen Bassspieler einzusetzen?
The Cadillac Three: (Kelby) Nein! Auf gar keinen Fall! (Jaren) Ein Typ in Berlin fragte mich letzte Nacht nach dem Gig das gleiche. (Kelby) Er war wahrscheinlich Bass-Spieler… (Jaren) Wir haben mit Kelby ja quasi einen Bass-Spieler. Er bedient auf seiner Pedal Steel beide Felder, wir sind da untereinander genügsam. Wir hatten zu Beginn mal an einem Punkt darüber nachgedacht, einen anderen Rahmen zu setzen, sind dann aber zum Entschluss gekommen, dass es einfach nicht mehr dasselbe wäre. Du kannst niemand anderen in diesen speziellen Mix hineinbringen. Wir sind schon so lange miteinander verbunden. Kelby macht solch einen fast schon wissenschaftlich coolen und so differenzierten Job, den andere Leute einfach nicht bieten. Es ist ein außerordentliches Element sowohl für die Band als auch für die Besucher. (Kelby) Es ist schon einzigartig.

Sounds Of South: Du hattest ja mit der Produktion von Steven Tylers Album einen echten Clou gelandet. Mit welchen prominenten oder auch nicht bekannten Musikern würdest du nochmal gerne kooperieren?
The Cadillac Three: (Jaren)  Die Steven Tyler-Geschichte war eine spaßige Sache aber auch absolutes Neuland für mich. Für uns alle wäre es toll, mal mit Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters) zu arbeiten. Ich war schon immer ein absoluter Fan von ihm. (Kelby) Wir würden natürlich auch gerne Tom Petty sagen, aber der ist ja leider nicht mehr unter uns, somit ist es wohl am Ende Dave Grohl.

Sounds Of South: Was waren für euch die herausragenden Alben/Bands 2019?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir alle lieben die Brent Cobb-Scheibe, er hat einen Super-Job gemacht. Wir finden eine Menge Bands gut, jetzt gerade auch welche aus Großbritannien, mit denen wir Freundschaft geschlossen haben. Da wären zum Beispiel die Rival Sons. Die Jungs sind klasse. Puh, irgendwie fragt mich das jeder… Bevor wir nach Europa gekommen sind, haben wir eigentlich durchgängig ZZ Top gehört und über ihre Musik diskutiert. Wir mögen auch vieles von Kurt Vile, der hat einige großartige Platten gemacht.

Sounds Of South: Wer hat (außer euch) am ehesten das Potential, den Southern Rock populär zu halten, die ehemaligen ‚Alphatiere‘ (Skynyrd, Molly Hatchet) sind ja mittlerweile doch beträchtlich in die Jahre gekommen.
The Cadillac Three: (Kelby) Niemand außer uns! (Jaren) Wir müssen da vorsichtig mit der Antwort sein, das hat uns schon mal Ärger eingebracht. Blackberry Smoke machen einen hervorragenden Job, ich liebe die Jungs. Black Stone Cherry natürlich, die auch  hier waren. Es passieren gerade viel Dinge, ihr habt diese Band aus Kalifornien (Robert Jon & The Wreck) eingangs vor dem Interview erwähnt. Wir haben einige Southern Rock Bands in Großbritannien erlebt. Ich glaube wir sind mit die besten Botschafter der Dinge, die diese Bands einst begonnen haben. Wir machen eine recht spezielle Sache, ähnlich wie ZZ Top, aber natürlich stilistisch ganz anders. So mitten drin in der direkten Nähe zu den Allman Brothers sehe ich Blackberry Smoke. Aber es gibt auch einige coole Bands aus Nashville, wie The Steel Woods zum Beispiel, die auch ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Lukas Nelson (Sohn von Willie Nelson) hat auch eine tolle Scheibe herausgebracht.

Sounds Of South: Welchen Stellenwert haben Online-Magazine wie unser Sounds Of South für euch?
The Cadillac Three: (Jaren) Ich bekomme jeden Morgen Google-Updates, was online bezüglich meines Namens oder des von The Cadillac Three passiert. (Neil) Wir kennen eigentlich recht viele. (Jaren) Sie sind für unsere Weiterentwicklung sehr hilfreich.

Sounds Of South: Wie sehen eure Planungen für das Jahr 2019 im Groben und Ganzen aus? Werdet ihr wieder in Deutschland präsent sein?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir werden wieder ziemlich viel touren, da ja das neue Album ansteht. (Jaren) Wir werden eine große Tour zusammen mit der Charlie Daniels Band und Travis Tritt spielen. (Kelby) Auch einige Gigs zusammen mit Marshall Tucker. (Neil) Wir werden die Country Fuzz Tour als Headliner anführen, im Sommer und Herbst auch wieder hierhin zurückkehren.

Sounds Of South: Wie hat sich dein Leben durch Sohnemann Jude verändert? Habt ihr schon den ersten Song zusammen geschrieben…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren lachend) Wir jammen schon ein wenig, er spielt schon ganz gut Drums. Dabei ist er gerade mal zwanzig Monate alt. Wir nehmen ihn in den Staaten schon des öfteren mit zu den Konzerten, wann immer es geht. Hierhin ist es aber noch zu weit. Er ist schon richtig besessen, er erfährt alles ziemlich authentisch. Mein Vater, der Vater meiner Frau als auch meine Frau sind alle Drummer, so hat er es wohl schon im Blut. Klar, dass er auch uns alle ein wenig verändert hat, wir fühlen uns älter und reifer. Für mich persönlich hat der Tag, wo es früher acht Stunden Beschäftigung waren, jetzt 16 Stunden, dieser übliche Schlafloskram, du weißt schon. Aber es ist schon unterhaltsam, ihn von der Bühne mit seinen Kopfhörern beobachten, wie er unsere Shows verfolgt.

Danke für das Interview, wir wünschen euch eine gute Heimreise, frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It’s great to see you again. As far as I know you guys have performed a couple of times in the Luxor Cologne. What do you like most about it?
The Cadillac Three: (Jaren) We love the gamone of these sweaty Rock clubs. We came up playin‘ the States and it’s a feeling at home but you’re playing for these crazy Germans that are really in the Southern Rock.  It’s a sweaty Rock’n’roll club, so it’s a lot of fun.

Sounds Of South: In summer you played a few festivals. What is the difference for you to gigs like these in the Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) It’s just the seize, really, for example when we played Ramblin‘ Man. (Jaren) The energy of both is mostly the same, it was probalby the biggest crowd we’d ever played for with a couple of bands, but I like these things more, it’s so intimate, you are sweating on each other with the crowd,  they are both amazing, but they have their kinda differences both.

Sounds Of South: The Cadillac Three concert songs we have seen so far here were really hard played. Are there any differences about your performances between America, Europe and especially in terms of Germany?
The Cadillac Three: (Kelby) Not really, we play the same no matter where we are, the music translates to all the different types of people all over the world. (Jaren) It’s pretty wild, cause we are playing in the States with big country artists and we came out playing the same thing tonight. It’s sweaty, drunken and buffoon, the same stupid shit every night, it works everywhere, but that’s what’s been so good. It helps our band grow every night and cross through the different situations. We do play the same set every night, but it’s catering to a lot of audiences. The Country genre loves our heavier side of that, the rock genre loves us, because we are heavy, but having a lot of different things other bands don’t have in genre.

Sounds Of South: I presume that your creative synapsis do not stand still. What about any new song materials?
The Cadillac Three: (Kelby) We have new songs! (Jaren) We are working on a new record. (Neil) We are playing a few in the live sets. It is done, we are finishing it now, so it will be out some time next year. We are always working on new music, even when we are finishing an album like we did right now, we writing new stuff all the time, so it could be easily to be on the next album.

Sounds Of South: Your line-up is something special. Have you ever thought to involve a bass player?
The Cadillac Three: (Kelby) No! (Jaren) A guy in Berlin asked me that question last night, too.  (Kelby) He probably was a bass player… (Jaren) We do have a bass player! Kelby is covering both grounds, we are frugal with each other. We thought about it some point when we were starting, bringing another frame, but it just wouldn’t be the same. You can’t through someone else in this mix, cause we are so close, the fact that Kelby is doing such a scientific cool different thing that other people aren’t doing. It is a really exciting element for our band and the spectators, too. (Kelby) It’s a unique thing.

Sounds Of South: You used to be indeed very successful with the production of Steven Tyler’s album. With which prominent or less prominent musicians would you love to work with in future?
The Cadillac Three: (Jaren) The Steven thing was a lof fun, but it was a bucket list moment. For all of us it would be a great fun to work with Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters).  I’ve always been a huge Dave Grohl fan. (Kelby) We use to say Tom Petty but he passed away,  so it’s tough – so it would be probably Dave Grohl.

Sounds Of South:What albums /bands were the most outstanding ones in 2018.
The Cadillac Three: (Jaren) We all loved the Brent Cobb record, he did a great job on that.  We like a bunch of bands, especially from the UK we became friends with, for example the Rival Sons. We love those guys. Ooh everyone asks me that shit… We constantly heard ZZ Top before we went to Europe and talked about their music. We love a lot of Kurt Vile. I think he is making some great records.

Sounds Of South: Who (except you guys) will rather have the biggest potential to keep Southern Rock alive/popular? The former alpha animals like Skynyrd or Molly Hatchet e. g. became meanwhile pretty old…
The Cadillac Three: (Kelby) Just us, nobody else! (Jaren) We must be careful probably to answer this, because we got some trouble one time. Blackberry Smoke is doing a great job, I love those guys. Black Stone Cherry obviously, they are still doin‘ really great over here. There’s a lot of cool things happening, you mentioned a band from California earlier (before the interview), we saw some Southern Rock bands over here in the UK. I think we are the best torch carriers. We are doing something very unique, it’s our aproach to what those guys did, it’s close to ZZ Top, but something different. Right on the middle the next the Allman Brothers is Blackberry Smoke, no question, you know. But there are lot of cool bands from Nashville like The Steel Woods, they are doing their own take on what these guys pay. Lukas Nelson made a killer record, too.

Sounds Of South: Which rank has an online magazine like ours in your mind?
The Cadillac Three: (Jaren) I get google updates on my phone concerning my name or The Cadillac Three every morning. (Neil) We know a lot of them. (Jaren) They are very helpful for us kinda building what we are doing.

Sounds Of South:What are the plans in 2019 so far? Are you guys going to take on tour next year again?
The Cadillac Three: (Kelby) A lot of touring you know, like we have new songs recorded and the new album’s coming out at some point. (Jaren) We do a tour with The Charlie Daniels Band and Travis Tritt. (Kelby) Some shows with Marshall Tucker. (Neil) we headline Country Fuzz Tour, we’ll be back here summer and fall.

Sounds Of South: How has changed your life since the birth of your son Jude? Have you already written a song together…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren laughs) We jammed quite a bit, he’s playin‘ drums pretty well. He’s 20 month old, we got to bring him on the road pretty lot in The United States whenever we can, but we haven’t done the journey over here with him yet. He’s obsessed in music, he gets it very honestly, you know. My dad, my wife’s dad and my wife are drummers, he’s easy up with it. It changed all of us a little bit, it make us all feel older and more mature. But the main thing that has changed in me is he gets up early and your day  – where it used to be 8 hours before – is now 16 hours long – the doing without sleeping shit…, you know. But it is very amazing being on stage and seeing him with the head phones on watching our shows.

Sounds Of South: Thanks for the interview, good luck for your trip home, merry Christmas, keep healthy and a successful 2019!

Bilder: Gernot Mangold
Interview/Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion

Larkin Poe – Venom & Faith – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die beiden Schwestern Rebecca und Megan Lovell haben sich mit Larkin Poe nach ihrem Ur-Ur-Opa benannt. Dabei ist ihre Musik alles andere als rückwärtsgewandt. Sie kombinieren Roots-Musik mit verschiedenen Elementen anderer Musikstile wie dem Pop oder sogar dezentem Rap. Sie entziehen sich damit der einfachen Kategorisierung. Tendenziell überwiegt auf „Venom & Faith“ eine Art progressiver Blues. Mehrere Titel zeichnen sich durch akzentuierte Wiederholungen des Textes oder durch Breaks bei Rhythmus oder Melodien aus, die interessant sind und zum konzentrierten Zuhören anhalten.

Bereits als Teenager veröffentlichten Rebecca und Megan als Lovell Sisters – damals noch mit ihrer Schwester Jessica – zwei Bluegrass/Americana-Alben. Ab 2010 sind sie als Duo unter dem derzeitigen Bandnamen produktiv. Auf ihr Konto gehen fünf EPs und vier Longplayer. Sie arbeiteten bereits mit T Bone Burnett, Elvis Costello, Marcus Mumford (Mumford & Sons), Rhiannon Giddens, Kristian Bush (Sugarland) und Steven Tyler (Aerosmith) zusammen. Mit Jackson Browne und Don Henley (Eagles) standen sie anlässlich des Tom-Petty-Tributs in Los Angeles auf der Bühne.

Megan spielt Lap Steel, während Rebecca akustische und elektrische Gitarre, Banjo, Omnichord sowie die Percussion übernimmt. Beide singen und bedienen die Keyboards. Die Multiinstrumentalistinnen sind damit weitgehend autonom, zumal Drums und Rhythmus aus dem Computer stammen.

Ich habe lieber, wenn Schlagzeug und Bass von Menschen beigesteuert werden, weil ich meine, dass dadurch mehr Leben in die Songs kommt. Obwohl ich auf „Venom & Faith“ nur in einigen Momenten behaupte, dass ich heraushören könnte, dass eine Maschine die Rhythmusarbeit übernimmt – und das wahrscheinlich auch nur, weil ich es weiß.

Am ehesten hört man die Drum-Maschine bei „Honey Honey“ – aus einer der Textzeilen des Songs ist der Albumtitel entliehen – und bei „Fly Like An Eagle“. Durch die Beats erscheinen die Titel in einem poppigen Gewand, entwickeln aber durch sehr schöne Gesangspassagen ihren eigenen Reiz. Auch die eher gleichmäßigen Stücke „California King“ und „Ain’t Gonna Cry“ ziehen nach mehrmaligem Hören in ihren Bann.

Der Vergleich zu den Allman Brothers, als deren kleine Schwestern die Damen von Larkin Poe gelegentlich bezeichnet werden, drängt sich bei „Venom & Faith“ nicht unbedingt auf. Richtig ist aber, dass beispielsweise auf „Blue Ridge Mountain“ ein Southern-Hauch mitschwingt. Deutlich schlägt er bei „Mississippi“ durch, bei dem Tyler Bryant an der Resonator-Gitarre zu hören ist.

Mit Klatschen und Gesang nimmt „Sometimes“ einen dynamischen und Gospel-ähnlichen Einstieg. Nacheinander steigen dann Drumline und Horn Section ein, die dem von Bessie Jones und Alan Lomax geschriebenen Stück einen gehörige Drive geben. Auch „Bleach Blonde Bottle Blues“ ist treibend und nicht nur durch die „Kicks“ im Leadgesang durchaus spannend.

Dass sich Larkin Poe neben den modernisierten Spielarten auch auf den eher reduzierten Blues verstehen, zeigt das Duo mit „Good And Gone“. Zudem covern sie den eher traditionell angelegten Titel „Hard Time Killing Floor Blues” von Skip James. Die Songs des 1969 verstorbenen Bluesmusikers aus Bentonia, Mississippi, werden anscheinend von den jüngeren Künstlern gerade wiederentdeckt, denn Robert Connely Farr covert auf seinem gerade erschienenen „Dirty South Blues“ ebenfalls ein Stück von ihm.

Kaum eine Scheibe habe ich vor der Besprechung so oft gehört, wie „Venom & Faith“. Das Album eignet sich weniger zum Nebenherhören, sondern erfordert das Eintauchen in die Songstrukturen. Es belohnt dann aber mit abwechslungsreichen Klangvariationen und fesselnden Hörerlebnissen.

Ende November kommen die Schwestern für vier Konzerte nach Deutschland und Österreich, von denen bereits jetzt zwei Termine ausverkauft sind.

Tricki-Woo Records (2018)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Sometimes
02. Bleach Blonde Bottle Blues
03. Honey Honey
04. Mississippi
05. California King
06. Blue Ridge Mountains
07. Fly Like An Eagle
08. Ain’t Gonna Cry
09. Hard Time Killing Floor Blues
10. Good And Gone

Larkin Poe
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

 

The Cadillac Three – Interview

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Kurz vor ihrem Gig im Kölner Luxor, standen uns die drei Burschen von The Cadillac Three Rede und Antwort. Jaren Johnston übernahm als Chef auch hier mit einem Höllen-Slang und -tempo schnell das Ruder, aber auch seine beiden Kumpel Neil Mason und Kelby Ray schalteten sich sporadisch immer wieder in das Gespräch ein.

Sounds Of South: Hi, schön euch zu treffen. Zum zweiten Mal in Deutschland/Europa! Ich hab euch damals zusammen mit Eric Church gesehen.  Was ist anders als beim ersten Mal?

Jaren: Wir haben gestern Abend in Berlin gespielt. Der wesentliche Unterschied zu damals ist, dass wir diesmal als Headliner agieren, die Besucherzahl stetig wächst, was wir natürlich sehr gerne sehen (ich bat Jaren höflich, sein Sprechtempo etwas zu drosseln). Einfach gesagt, wir sind sehr begeistert!

Sounds Of South: Ihr habt euer neues Album „Bury Me In My Boots“ am Start, wie beurteilst du/ihr eure Entwicklung im Vergleich zum Vorgänger.

Jaren: Ich denke, es ist ein perfekter Schritt in die Richtung, wo wir hinwollten und wo wir jetzt auch sind. Die eine Hälfte besteht aus unserem typisch stampfenden Southern Rock, aber auch mit einer gewissen Entwicklung, in der anderen Hälfte wird mit Stücken wie „This Accent“, „Graffitti“, „White Lightning“ und „Running Red Lights“ eine größeres Abbild unseres Schaffens präsentiert. Also nicht nur die swampige Geschichte , sondern auch eine große Weiterentwicklung, aber die unsere Wurzeln weiter im Auge behält.

Sounds Of South: Gab es seitens Big Machine Druck in Richtung Charts/Verkaufszahlen?

Neil: Wir hatten überhaupt keinen Druck in Sachen Charts (Gelächter)! Kelby: Im Großen und Ganzen haben sie uns machen lassen, was wir wollten. Also nicht eine Art Druck, zu sein, was wir nicht sind. Jaren: Wahrscheinlich ist ihr Ansinnen, mehr Erfolg für uns zu erzeugen, ja auch richtig, aber es ist offensichtlich, dass das, was wir gerade spielen, im Moment richtig gut läuft. Von daher sind sie begeistert.

Sounds Of South: Du bist in Nashville ein derzeit absolut angesagter Songwriter. Woher entspringen deine Ideen, wie sieht ein typischer Jaren Johnston Song aus?

Jaren: Ich umreiße meine Erlebnisse, wir reisen bekannter Weise sehr viel in der Welt herum, wir treffen viele interessante Leute und erleben demnach auch interessante Sachen. Also gibt es auch viele Dinge, über die man schreiben kann, wie Liebe, sich Betrinken, Prügeleien oder auch über das gute alte Deutschland (Kelby). Es ist jedes Mal verschieden, und hoffentlich irgendein guter Stoff, über den man sich dann auslassen kann.

Sounds Of South: Wann entscheidet sich, ob es eher ein Cadillac Three Song wird oder eher in Richtung anderer Interpreten geht.

Neil: Wir warten erst immer ab, ob wir unsere besseren Stücke weggeben. In Nashville ist es mittlerweile sehr leicht an Songs ranzukommen, die man nicht selbst geschrieben hat. Manchmal bist du so begeistert, dass du einen Track am liebsten sofort an Keith Urban, Tim McGraw und Eric Church oder an wen auch immer, geben möchtest, aber wir nehmen uns erst mal die Zeit, das Lied selbst einzuspielen, um sicher zu sein, dass es nicht das ist, was wir für uns behalten möchten. Auch hier ist es jedes Mal anders. Jaren: Wenn ich nicht sicher bin, gebe ich ihn zunächst an Jim (Jimmy Robbins?). Wir geben einen Song der offensichtlich gut ist, natürlich nicht fahrlässig aus den Händen, da sind wir jetzt schon deutlich aufmerksamer. Kelby: Einige Lieder wollen wir natürlich bevorzugter spielen als andere, aber manchmal muss man auch einsehen, dass sie besser zu anderen Interpreten passen.

Sounds Of South: Wer sind deine Lieblings-Co-Writer und warum?

Jaren: Wir haben einige, wenige Nashville Jungs, mit denen wir Bier trinken und die mit uns gerne ihre Zeit verbringen. Wenn wir in den Staaten unterwegs sind, nehmen wir schon mal jemanden mit in den Tourbus, um mit uns zu komponieren (Kelby: und Bier, als auch Whisky zu trinken…), es ist zum Teil ein ziemlich törichter Aufenthalt für sie, sie können dann, für ein paar Tage, mal dem Leben eines Rock Stars frönen (grinst). Aber in der Regel sind es Leute wie Jeremy Stover, Andrew Dore oder Ryan Hunt, die sich bei uns auch richtig wohl fühlen.

Sounds Of South: Was ist aus Sicht eines begnadeten Kreativen wie dir, der wohl genialste Song aller Zeiten?

Kelby: Wie viel Zeit haben wir? Jaren: Da ist in erster Linie der Beatles-Katalog, wo man viel findet, Leonard Cohen, der gerade verstorben ist, sein „Halleleluhjay“ ist unheimlich brilliant,  wir sind riesengroße Tom Petty-Fans, mein Beatles-Lieblingssong ist übrigens „While My Guitar Gently Weeps“. Es ist natürlich klar, dass wir von ganz unterschiedlichen Stellen Einflüsse aufsaugen, aber es ist so gut wie unmöglich zu sagen, was ‚der‘ genialste Song ist. Wir hören uns viele Sachen an.

Sounds Of South: Wie war die Zusammenarbeit mit einem Star wie Steven Tyler (dessen erstes Country-Album du ja zum Teil mit unterstützt/produziert hast)? Plauder doch mal bitte ein wenig aus dem Nähkästchen.

Jaren: Das war schon eine coole Sache. Mit Steven zusammen zu arbeiten ist erstmal eine Sache, wo du dich erst mal zwickst, ob das überhaupt wahr ist, weil du quasi mit seinen Liedern und seiner Stimme aufgewachsen bist. Er ist einer der größten Rock Stars auf der Welt, die jemals gelebt haben, er schrieb schon mit Siebzehn Stücke wie „Dream On“. Und da sitzt du jetzt in einem Raum mit ihm und er fragt dich um deine Meinung, da flipst du natürlich aus. Wir sind seitdem richtig gute Freunde. Es war ein großer Spaß und wir haben sehr viel von ihm gelernt. Wir haben viel Stoff von seiner Band für uns mitgenommen, aber auch ZZ Top ist ein gutes Beispiel. Wir würden auch gerne 45 Jahre auftreten, und da sind solche Acts in der Lage zu, sie haben einfach eine Passion für ihre Musik.

Sounds Of South: Welche Bedeutung hat für euch der Southern Rock, der ja vorwiegend Thema unseres Magazins ist?

Jaren: Eine gewaltige! Das Genre gab uns eine Stimme, falls du weißt, was ich meine. Drei Jungs aus Nashville, Tennessee, nicht Country genug, spielten Southern Rock. Es gab schon immer Bands mit einer gewissen Outlaw-Mentalität, die nicht so in die Country-Sparte passten, aber in den Southern Rock, und zwar einige der größten Bands, die jemals in Amerika existierten wie z. B. die Allman Brothers oder Lynyrd Skynyrd, die ja heute noch touren. Die Southern Rock-Geschichte ist für uns eine schöne Sache. Für viele suggeriert es eine lange Karriere.

Sounds Of South: Was sagst du zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen?

Kelby: Ich glaube jeder war schon ein bisschen überrascht, yeah, haha. Wir waren zu dieser Zeit unterwegs und warten erstmal, bis wir zu Hause sind und schauen, wie sich die Sache dann entwickeln wird.

Sounds Of South: Verbringt ihr Drei auch viel private Zeit miteinander oder gibt es da eine strikte Trennung?

Kelby: Nein! Neil: Niemals (Gelächter)! Jaren: Wir sind als Kinder zusammen aufgewachsen, haben die gleiche Schule besucht, wir verbringen viel Zeit zusammen, besuchen die gleichen Geschäfte und Bars, wir leben aber nicht im gleichen Haus, falls es das ist, was du meinst.

Sounds Of South: Ihr seid ja sehr lustige Typen. Was würde passieren, wenn ihr jeden Morgen um Sieben aufstehen und dann den ganzen Tag in einem Büro verbringen müsstet?

Jaren: Wir würden diese verdammte Band natürlich sofort auflösen (Gelächter)! Dazu hätten wir aber wohl keinen Mut. Musik ist, was wir können und sich gut für uns anfühlt, und, wo wir immer gut waren. Kelby: Musik ist definitiv deutlich spassiger!

Sounds Of South: Danke für das Interview!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: Hi Jaren, nice to meet you. You guys are about to come to Germany/Europe for the second time. I saw you opening for Eric Church. What’s been different?

Jaren: We played our first show in Berlin yesterday, now as a headliner, there were a lot of more people, a lot of fun, the crowd is constantly growing, we were enyoying it (I politely asked Jaren to speak a little more slowly, collective laughter). Ok, simply said, we were excited!

Sounds Of South: You’re supporting your current album „Bury Me In My Boots“. What do you think about your development in comparison to the predecessor/debut?

Jaren: I think it’s a perfect step to where we want to go and where we’ve been to. Half of the record is that kind of Southern stompin‘ thing that we do and there’s some growth in the record, the other half is songs like „This Accent“, „Graffitti“, „White Lightning“ and „Running Red Lights“ that kinda show a bigger picture I guess for us not just the Southern swampy thing you know. I think it shows a mass of growth but it still sticks to our roots.

Sounds Of South: You have a contract with Big Machine Records. Did you get any pressure on the charts or sales?

Neil: We haven’t much pressure on the charts (laughter)! Kelby: They let us do what we want. Not that kind of pressure from them tryin‘ to be what we are not. Jaren: They’re probably right to have us more success on the charts but I think it’s the evident that what we are doing is workin‘ at the moment. They were excited.

Sounds Of South: You’re one of the most popular songwriters in Nashville. From where do you get your ideas? What’s the typical Jaren Johnston song?

Jaren: I just pull my life experiences, we travel a lot obviously through the world, we meet a lot of interesting people and you experience a lot of interesting things so there’s plenty of things to write about, whether it’s love, gettin‘ drunk, fightin‘ or old Germany (Kelby), it’s different every time. So hopefully it just keeps happen in that way.

Sounds Of South: When will you make your decision on Cadillac Three song or a track for an other artist?

Neil: We’re waitin‘ to give away some of our better songs. It’s easy in Nashville to pitch a song you didn’t write. You might write something you get excited about and wanna give it to Keith Urban, Tim McGraw and Eric Church or somebody, but we take a second to play the songs for each other to make sure it isn’t something we wanna keep for ourselves. It’s different every time. Jaren: If I’m not sure I first give it to Jim (Jimmy Robbins?). We don’t give away something that is really good, we are more conscious now, definitely. Kelby: Some songs we wanna play more than other songs that you write, but they sound better for someone else.

Sounds Of South: Who are your favorite co-writers and why?

Jaren: We have quite a few, a bunch of Nashville guys that we’re drinkin beer and gettin‘ along with. Touring in the States we’ll bring out somebody to the tour bus every weekend to write with us (Kelby: and drink beer and whiskey…). It’s kinda stupid vacation for them, they can live a rock star life for a couple of days (grinning), but that are more Nashville guys like Jeremy Stover, Andrew Dore, Ryan Hurt, they feel comfortable travelling with us.

Sounds Of South: What do you think – as a very creative songwriter – what’s been the most ingenious song of all times.

Kelby: How long do we have? Jaren: It goes to the Beatles catalogue where you can find much, Leonard Cohen who’s just passed away, the „Halleleluhjay“ song is pretty brillant, we’re huge Tom Petty fans, my favorite Beatles song of all times is „While My Guitar Gently Weeps“. What is obviously, we draw influences from a lot of different places, it is tough to say what is the most ingenious song. We have a lot of songs we look at, too.

Sounds Of South: How was the work with superstar Steven Tyler (you partly supported/produced his first country album), please spill the beans!

Jaren: It was very cool. Workin‘ with Steven is one of the things you pinch yourself with, ‚cause you grew up listening to his records an his voice. You know he’s one of the greatest rock stars in the world, that ever lived, he wrote things like  „Dream On“ when he was seventeen years old.  So you sit in a room and he’s asking you how you do what you do and you’re freaking out your mommy you gotta play cool and since now we’ve got become really good friends. Its just a lot fun, we learned a lof of things from him, we take a lot of stuff from his band as well as ZZ Top for example, we wanna still be kickin‘ 45 years, and that’s something they’d been able to do, they had that passion for music they do.

Sounds Of South: What kind of relevance has Southern Rock – which plays a very important role in our magazine – for you?

Jaren: It’s huge, they gave us a voice, you know what I mean, three guys from Nashville, Tennessee, we were not country enough, we’re playin‘ Southern Rock. There’s always been bands with an outlaw mentality, that couldn’t fit in the country, but in the Southern Rock, which is really nice, because a lof of these bands are the biggest that ever lived in America like the Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd, who are still touring today. The Southern Rock thing is a nice place for us to be, it seems to a lot of careers to be long.

Sounds Of South: What do you think about the president elect. Have you been surprised?

Kelby: I think everyone was surprised, yeah, haha. We haven’t been home, but we wait until we get home and let it process.

Sounds Of South: Do you three usually spend most of your private time together?

Kelby: No! Neil: Never (laughter)! Jaren: We grew up as kids, as friends, we went to school together you know, we do spend a lot of time together, always the same bars and stores, but we don’t go home to live in the same house, if that’s what you mean.

Sounds Of South: Let’s conclude the interview with a funny question. What actually will happen, if you work in an office five days a week in a regular job, but you have to get up seven o’clock in the morning.

Jaren: We quit the fuckin‘ band (laughter)! That wasn’t in a courage for us, music is what we can do, cause this feels always right to us, and we’ve always been good at this. Kelby: Music is much more fun, defenitely!

Sounds Of South: Thanks for the interview!

Bilder: Gernot Mangold
Interview/Text: Daniel Daus

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The Cadillac Three – Support Tyler Bryant & The Shakedown – 16.11.2016, Köln, Luxor – Konzertbericht

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Das langsam auf’s Ende zu gehende Jahr hatte noch mal ein heiß ersehntes Highlight für uns parat. In Zusammenarbeit mit Oktober Promotion (danke hier an Olli Bergmann & Co. für die perfekte Organisation) wurde uns ein Interview mit Jaren Johnston und seinen Jungs im Kölner Luxor ermöglicht, dem dann natürlich im Anschluss auch noch das Konzert folgte. Aufgrund der großen Nachfrage war der Gig recht kurzfristig vom MTC dorthin verlegt worden.

Zunächst peitschten jedoch Tyler Bryant & The Shakedown (Tyler Bryant, Caleb Crosby, Graham Whitford, Noah Denney) aus Nashville ziemlich hart und heftig ein. Eine typische Anheizerband der besseren Sorte, die auch vom Publikum sehr gut angenommen wurde. Mir fehlte ein wenig der Wiedererkennungswert bei den meisten Songs, trotzdem waren viel Talent und einige gute Ansätze bei den Burschen unverkennbar. Die stärkste Phase begann, als Fronter Tyler Bryant eine Dobro zum Einsatz brachte. Hängen blieben Songs wie „Mojo Workin‘“, das fetzige „House That Jack Built“ und die Abschlusstracks wie das Delta-bluesige „Last One Leaving“ und „Lipstick Wonder Woman“ (mit wilder Drum-Attacke von Caleb Crosby) mit einer abgekoppelten Trommel direkt am Bühnenrand. Das Quartett erntete am Ende zu Recht tosenden Applaus.

Kurz nach 22:00 Uhr betraten The Cadillac Three die Bühne und ließen mit dem Opener „Back It Up“ und „Tennessee Mojo“ von ihrem Debüt den Laden sofort brodeln. Auch das Trio um Leader Jaren Johnston wählte an diesem Abend eine ziemlich barsche und kraftstrotzende Gangart, dass man, vom Stil her, eigentlich schon von Southern Hard Rock sprechen kann. Trotzdem merkte man sofort, dass hier eben ein Songwriter wirkt, der Stücken, eine Aura verleihen kann.

Nicht umsonst zählt Jaren (übrigens eine Whiskey Myers-Mütze tragend) seit geraumer Zeit zu den hippesten Leuten in Music City auf diesem Gebiet, bekannter Weise zählen absolute Größen wie Steven Tyler, Keith Urban, Tim McGraw, Jake Owen u. v. m., auf der Liste der dankbaren Abnehmer seiner Ideen.

„Party Like You“ hieß die erste Nummer aus ihrem aktuellen Werk „Bury Me In My Boots“ gefolgt vom stampfenden „I’m Southern“ und „I’m Rockin‘“, bei dem der Titel Bände sprach. Das Titelstück des neuen Albums „Bury Me In My Boots“ ließ aufgrund des markanten und mitgrölbaren Refrains den Laune-Pegel erstmals richtig in die Höhe schießen. Knackig und rhythmisch ging es mit „Slide“ weiter. „Drunk Like You“ mit schönem Slide-Solo von Kelby Ray auf einer seiner diversen Lap Steel-Teile und das wunderbare „Running Red Lights“ gewährten eine kurze Phase der inneren Einkehr.

Über „Whiskey Soaked Redemption“, „Peace Love & Dixie“, dem swampigen „Down To The River” ging es schon zügig Richtung Ende des Haupteils, der mit “Days Of Gold” nach knapp 70 Minuten sein kurzweiliges Ende fand.

Die erste Zugabe „Honey Bee“ erwies sich als schöne Geste der Wertschätzung in Richtung Tyler Bryant & The Shakedown. Der Tom Petty-Klassiker wurde von beiden kompletten Bands im Kollektiv performt, was natürlich ein riesen Tohuwabohu auf der Bühne implizierte. Das vom Publikum vehement eingeforderte „White Lightning“ trieb den Stimmungspegel in weitere Höhen, am Ende sogar noch getoppt vom herrlichen Rausschmeißer „The South“, bei dem es dann natürlich kein Halten mehr gab.

Nach ihrem begeisternden Auftakt in Berlin, haben The Cadillac Three auch die Herzen ihrer Kölner Zuhörerschaft im Sturm erobert. Man merkte, dass die Jungs von der überschwappenden Begeisterung und auch der Textsicherheit ihrer Audienz in unserem Lande sichtlich angetan waren. So verließen final beide Seiten diesen unterhaltsamen Event mit glücklichen und zufriedenen Gesichtern. Eine typische Win-Win- Situation – was will man am Ende  von so einem November-Abend, mitten in der Woche, mehr? Also, ganz klar: Alles im Lack bei The Cadillac Three!

Line-up: The Cadillac Three
Jaren Johnston (lead vocals, guitars)
Neil Mason (drums, vocals)
Kelby Ray (lap steel, vocals)

Line-up: Tyler Bryant & The Shakedown
Tyler Bryant (lead vocals, eletric guitar, dobro)
Caleb Crosby (drums, vocals)
Graham Whitford (eletric guitar, vocals)
Noah Denney (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere – CD-Review

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Eigentlich hat sich mein Magazin ja auf die Fahne geschrieben, Bands und Interpreten zu supporten, die in unseren Gefilden eher nur von Insidern wahrgenommen werden oder für solche interessant sein könnten. Aber, wenn ein ein Superstar wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler ein Country-Album in Angriff nimmt, geht das natürlich auch an Sounds Of South nicht spurlos vorbei.

Und alles, was in Nashville in Sachen Produzenten (T-Bone Burnett, Dan Huff, Marti Fredriksen, Jaren Johnston), an Musikern (eine ganze Armada u. a. mit Tom Bukovac, Stuart Duncan, Ilya Toshinsky, Fred Eltringham, Chris McHugh, Dennis Crouch, Rebecca Lovell) und Songwritern (The Warren Brothers, Hillary Lindsey, Rhett Akins, Chris DeStefano, Brett James, Troy Verges, Eric Paisley, etc.) Rang und Namen hat, stand für den schillernden hochdekorierten Sänger Spalier.

Man merkt sofort, dass das ganze Projekt von absolut gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist. Tyler, der fast alle Tracks mitgeschrieben hat, ist der Spaß sichtlich anzuhören, er fühlt sich im Rahmen all dieser Nashville-Könner pudelwohl, und legt ein vokale Performance hin, die ihres Gleichen sucht. Er hängt sich sprichwörtlich ‚richtig rein‘. Und auch die Musiker und Mitschreiber aus dem Country-Mekka haben ihm die Songs quasi auf den Leib zugeschnitten, bzw. so einfühlsam eingespielt, dass sich sein (immer ein wenig rotzig klingender) Gesang optimal entfalten kann. Es hat alles wirklich ‚Hand und Fuß‘. Absolute Profis eben!

Nachdem er mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Love Is Your Name“ direkt die Top-20 der Billboard Country Hot Songs erreicht hatte, hat man bei den restlichen 14 Songs quasi die ‚Qual der Wahl‘, was da noch so an Zählbarem rausgeholt werden kann. Schon der atmosphärische Opener „My Own Worst Enemy“ mit dem toll unterlegten Akkordeon nimmt absolut gefangen. Klasse hier direkt der selbstironische Teint, der auch bei einigen anderen Tracks wie die z. T. kammermusikartigen „It Ain’t Easy“ und „Somebody New“ (mit Mandoline, Fiddle), „What Am I Doin‘ Right“ (mit etwas Tesla-Unplugged-Feeling) oder das stonesk rockende „The Good, The Bad The Ugly In Me“ immer wieder zum Vorschein kommt. Tyler weiß um seine kleinen Schwächen und kann sich selbst in den Texten ein wenig auf die Schippe nehmen. Das hat echt was Sympathisches.

Weitere Highlights sind Stücke wie der Titelsong, bei dem der ebenfalls ‚bunte Vogel‘, Cadillac Three-Chef Jaren Johnston maßgeblich involviert ist (schönes Intro: Johnston fragt, ob Steven eine Botschaft für die heutigen Kids hätte, der antwortet keck: „We’re All Somebody From Somewhere“ und dann legt der schön rebellisch klingende Song mit einer klirrenden Mandoline los), das mit sommerlicher Ukulele und Dobro bestückte „Make My Own Sunshine“, das eingängige „Gypsy Girl“ (Gast an der Akustikgitarre: Lindsay Buckingham), das hitverdächtige „Only Heaven“ (mit typischem Dan Huff E-Gitarren-Solo), das poppige „Red White & You (schönes Wortspiel) oder das Cajun-gefärbte „Sweet Lousiana“.

Am Ende zeigt der Protagonist beim unter die Haut gehenden, mit fröstelnden mit Cello und Violine unterlegten „Jamie Got A Gun“ Flagge für Opfer von häuslichem Missbrauch oder Gewalt. Hierzu hat er mit der Organisation Youth Villages eine wohltätige Stiftung namens ‚Janie’s Fund’ins Leben gerufen. Vorbildlich! Den starken Abschluss einer durchgehend fesselnden CD bildet das viel gecoverte und vornehmlich durch Janis Joplin berühmt gewordene „Piece Of My Heart“. Ob Tyler dieser Version das Wasser reichen kann, möge jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist, dass diese Fassung auch klasse ist (grandiose Backings von der auch bei uns geschätzten Rebecca Lynn Howard).

Fazit: Die spannende Frage, ob Steven Tyler Country kann, ist abschließend mit einem eindeutigen ‚Ja‘ zu beantworten. Hier passt alles bis ins kleinste Detail zusammen (dazu noch ein aufwendiges Cover-Artwork mit tollen Bildern von Steven und allen Texten). Absolute Kaufempfehlung. Experiment gelungen!

P.S.

Was habe ich eigentlich soviel geschrieben? Der Meister persönlich hat das Ganze sehr komplex so zusammengefasst:
MY OWN WORST ENEMY discovered that WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE but HOLD ON he (WON’T LET GO), like everything else, IT AIN’T EASY but when LOVE IS YOUR NAME it helps, yet I still find I need to MAKE MY OWN SUNSHINE with assistance from a GYPSY GIRL and maybe SOMEBODY NEW, however, it’s ONLY HEAVEN that really sees THE GOOD, THE BAD, THE UGLY AND ME but I see the RED, WHITE & YOU all the way down to SWEET LOUISIANA I ask myself, WHAT AM I DOIN’ RIGHT? because JANIE’S GOT A GUN but this world has a PIECE OF MY HEART. Noch Fragen?

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. My Own Worst Enemy
02. We’re All Somebody From Somewhere
03. Hold On (Won’t Let Go)
04. It Ain’t Easy
05. Love Is Your Name
06. I Make My Own Sunshine
07. Gypsy Girl
08. Somebody New
09. Only Heaven
10. The Good, The Bad, The Ugly & Me
11. Red, White & You
12. Sweet Louisiana
13. What Am I Doin‘ Right?
14. Janie’s Got A Gun
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Steven Tyler
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