
Review: Jörg Schneider
Nach seinem Studium der klassischen Musik und des Jazz in Los Angeles kehrte Seth Lee Jones 2010 in seine Geburtsstadt Tulsa zurück, gründete seine Firma SU Guitars und baut/restauriert seither hauptberuflich Gitarren. Nebenbei tritt er aber auch noch, natürlich als Gitarrist, mit seiner eigenen Band auf.
Nun hat er mit seinen Bandmates Bo Halford am Bass und Matt Teegarden hinter der Schießbude bei Horton Records eine eigene Scheibe mit neun feinen Blues-Covern herausgebracht, alles persönliche Favoriten der drei Jungs und auf unzähligen Liveauftritten in Tulsas legendärem Club „The Colony“ feingeschliffen und neu interpretiert.
So wundert es dann auch nicht, dass die Aufnahmesession angeblich nur einen knappen Tag gedauert hat und die Songs direkt und unbeschnitten, in einem Guss also und ohne Overdubs, ihren Weg aufs aufs Band gefunden haben.
Mit dabei sind unter anderem bekannte Titel von Muddy Waters („I Can‘t Be Satisfied“), Johnny Winter („It Was Raining“), Howling Wolf („You Gonna Wreck My Life“), Don Williams („Tulsa Time“) und Ray Charles („Mary Ann“).
Schnörkellos und deftig brettern die Jungs voller Energie zumeist im Chicagostil durch die rockigen Bluesklassiker, so dass einem fast Hören und Sehen vergeht, woran auch Jones‘ authentische Stimme einen nicht unerheblichen Anteil hat und drücken den Songs ihren eigenen unverwechselbaren Stempel auf.
Schade nur, dass lediglich neun Tracks auf dem Album sind. Von mir aus hätten es gern mehr sein können, die Scheibe wäre garantiert nicht langweilig geworden. So bleibt nur zu hoffen, dass Seth Lee Jones und seine Truppe möglichst bald Zeit finden ein Nachfolgealbum zu produzieren. Also, ihr Blues-Affinicados, stürmt am 10. September die Plattenläden und holt Euch die Scheibe. Es lohnt sich, versprochen!
Seth Lee Jones – guitar
Bo Hallford – bass
Matt Teegarden – drums
Horton Records (2021)
Stil: Blues Rock
Tracks:
01. I Can’t Be Satisfied
02. Half a Mind
03. Driving Wheel
04. It Was Rainin‘
05. Moving Me (Way Too Fast)
06. Desiree
07. You Gonna Wreck My Life
08. Tulsa Time
09. Mary Ann
Seth Lee Jones Review: Michael Segets Hatte ich zuletzt mit Blick auf die Newcomer Morgan Wade und Leah Blevins vermutet, dass eine Riege junger Musikerinnen in der Americana-Szene neue Akzente setzt, bestätigt Riddy Arman mit ihrem Debüt diese These. Anders als die vorgenannten Musikerinnen geht Arman im Landleben auf und tradiert im stärkeren Maße den Mythos des amerikanischen Westens. Dies schlägt sich musikalisch in der reduzierten, akustischen Instrumentierung und ihrer größeren Nähe zum Country nieder. In Ohio aufgewachsen durchstreifte Arman die Vereinigten Staaten, arbeitete auf verschiedenen Ranches und machte Abstecher nach New York und New Orleans. Die Singer/Songwriterin findet ihren Frieden allerdings in der Abgeschiedenheit der Farmen mit Viehzucht und Ackerbau. Dies spiegelt sich in ihren Texten wider, in denen sie die Ambivalenz dieses Lebens auslotet. Auf der einen Seite steht die Schönheit und Erfüllung, die die Arbeit in der Natur und mit den Tieren bietet. Diesen Aspekt heben „Old Maid’s Draw“ sowie „Herding Song“ in ruhiger Weise hervor. Die belastende Stille und die Isolation, die sich fern der Städte und Mitmenschen breit machen kann, thematisiert Arman auf der anderen Seite. Das mit Streichern begleitete „Both Of my Hands“ transportiert diese eindrucksvoll und auch „Help Me Make It Through The Night“ – ein Titel von Kris Kristofferson – greift die Einsamkeit auf. Wie Wade und Blevins nutzt Arman ihr Debüt, um ehemalige Beziehungen Revue passieren zu lassen. Auf „Half A Heart Keychain” und dem etwas kräftiger instrumentalisierten „Too Late To Write A Love Song” reflektiert sie deren Scheitern. In die gleiche Kerbe schlägt „Barbed Wire”. Sehr schön entfaltet sie dort den Dualismus des Cowboy-Mythos zwischen Autarkie und sozialen Bindungen. Der Stacheldraht symbolisiert die Grenze dieser beiden Pole. Arman ist wahrscheinlich zu jung, um den Western „Mit stahlharter Faust“ mit Kirk Douglas zu kennen, aber dieser Klassiker kommt mir bei diesem Thema in den Sinn. Gerahmt wird das Werk durch zwei Titel, die sich mit Familiengeschichten befassen. Den Anfang macht „Spirits, Angels, Or Lies”, der vielleicht emotional am meisten berührt. Der Text beruht auf einer wahren Begebenheit: In der Nacht, in der Johnny Cash verstarb, erschien er Armans Vater am Krankenbett – einen Monat vor seinem eigenen Tod. Am Ende der CD steht „Problems On My Own”. Der Track versinnbildlicht die Emanzipation von der Familie und der Vergangenheit. Das Erstlingswerk von Arman erscheint auf dem Label La Honda Records, das auch Colter Wall und Vincent Neil Emerson unter Vertrag hat. Arman, deren Songs zwischen Country und Folk changieren, befindet sich dort also in guter Gesellschaft. Das selbstbetitelte Debütalbum von Riddy Arman reiht sich in eine Folge interessanter Veröffentlichungen ein, die junge Musikerinnen wie Morgan Wade oder Leah Blevins dieses Jahr vorlegen. In der thematischen Ausrichtung ähnlich, zeigen alle drei Künstlerinnen ein selbstständiges Profil. Im Vergleich zu ihren Kolleginnen setzt Arman weniger auf eingängige Melodien, stattdessen wirken ihre Songs besonders pur und unverstellt. Ihnen haftet eine gewisse Schwere und Sprödigkeit an, die durchaus einen eigenen Charme entwickeln. La Honda Records – Thirty Tigers (2021) Tracks: Riddy Arman Mensch, endlich! Ich muss schon zugeben, dass mich das bisherige Konzertgeschehen in diesem Jahr bis auf kleine Ausnahmen weitestgehend ‚kalt‘ gelassen hat. Klar, Corona-bedingt, gab es ja nun mal auch nicht das große Angebot. Eine der wenigen Southern-Bands, die sich in diesem Jahr über den großen Teich traut (auch Dank ihres mutigen Promotors Teenage Head Music), ist, wie bereits in meinen Ausführungen zu ihrem aktuellen brandneuen Album „Shine A Light On Me Brother“ angekündigt, einer unserer Lieblingsacts in diesem Magazin, Robert Jon & The Wreck. Die schlugen jetzt zum ersten Mal hier in NRW wieder am schönen Freideck der Kölner Kantine auf, bevor sie gegen Ende des Monats, am 29. September, noch mal im Krefelder Schlachtgarten zu sehen sein werden. Kantinen-Mastermind Marcus Neu durfte sich bei bestem Spätsommer-Wetter über 120 Besucher freuen, die am Ende zurecht schier aus dem Häuschen waren. Das Quintett mit Leader Robert Jon Burrison, Henry James, Warren Murrel, Andrew Espantman und Steve Maggiora (der mittlerweile auch bei Supergroup Toto an den Tasten) verwandelte das chillige Kantinen-Areal mit seiner grenzenlosen Spielfreude und ansteckenden Energie, in einen südstaatlichen Freiluft-Hexenkessel. Meine Mutmaßung, dass ihr neues Werk „Shine A Light On Me Brother“ den Mittelpunkt der zweiteiligen Setliste bilden würde, stellte sich zumindest an diesem Abend als falsch heraus, lediglich das tolle „Everday“ mit grandioser, an „Blue Sky“ erinnernder E-Gitarrenpassage von Henry James zur Mitte des ersten Sets und der Titeltrack im zweiten Teil schlugen hier zu Buche, was aber angesichts der langen Pause seit 2019 nicht sonderlich schlimm war, denn die Band hat mittlerweile soviel exzellentes Songmaterial in petto, dass man äußerst variabel agieren kann. Im Fokus stand mehr der Vorgänger „Last Light On The Highway“, der ja aus bekannten Gründen hier live auch noch nicht vorgestellt werden konnte. Apropos Henry James: Der rein äußerlich wie eine Mischung aus Phil Lynott und Jimi Hendrix daher kommende spindeldürre Hungerhaken ließ mit seinen langen Griffeln derartig viele quirlige und hochkarätige Power-Soli auf seinen beiden Spielgeräten (Gibson SG und Gibson Firebird) ab, dass ein Wechselbad aus Staunen und Begeisterung auf den Gesichtern aller Anwesenden deutlich auszumachen war. Da musste selbst der uns gegenüber sitzende Redakteur Andre Wittebroek des befreundeten holländischen Blues Magazine des öfteren bewundernd die Stirn runzeln und tief durchatmen, sowas hat er von seinen Blues-Schrammlern vermutlich noch nie geboten bekommen (lol). Auch die genre-typische Twin-Arbeit von Henry mit Burrison war eines der vielen Highlights des Gigs. Der Leader, sichtlich erfreut wieder in Deutschland zu sein und auch uns vor „Everyday“ beim Erblicken des neuen Logo-Schildes kurz begrüßend, ließ wieder seine ganze Aura walten und bestach auch durch seinen hervorragenden charismatischen Gesang, der von James, Maggiora und Drummer Espantman im Background unterstützt wurde. Der sich immer wieder auch durch sein sympathisches Auftreten auszeichnende Steve Maggiora, deutete mit seinem variablen Tastenspiel (HT-Piano, Organ, E-Piano, Synthie) über den gesamten Verlauf an, warum ihn Steve Lukather ins Toto-Line-up beordert hat. Das zweite Leichtgewicht (aber nur von der körperlichen Statur her) Andrew Espantman hämmerte wie gewohnt schwindelerregend mit seinen Sticks über die Felle und Becken seines Schlagzeugs, dass selbst die ruhigeren Tracks wie „Oh Miss Carolina“, „Death Of Me“, „This Time Around“, „Tired Of Drinking Alone“ oder der Klassiker der Band „Cold Night“ (die Mehrfach-Soli von James waren hier wie aus einer anderen Sternennacht) eine immense Intensität und Kraft ausstrahlten. Gegen soviel geballte Energie hatte es der Bediener des Tieftöners, Warren Murrel, natürlich schwer, anzupumpen, er wuselte aber trotzdem regelrecht angesteckt mit. Vielleicht gibt man ihm als Belohnung mit einem kleinen eingestreuten Bass-Solo auch mal Gelegenheit, sich ein bisschen zu profilieren. Nach dem überragenden „“Cold Night“ ging eigentlich nichts mehr, da aber bis 22:00 Uhr noch genügend Zeit war, konnte die mittlerweile längst von den Sitzen gerissene Kantinen-Audienz dem kalifornischen Quintett mit „High Time“ dann noch eine launig groovende Retro-Southern-Nummer als Zugabe entlocken. Als Belohnung dafür wurden die Musiker noch gegen Ende des Liedes durch die sich in unserer direkten Nachbarschaft befindliche, sehr trinkfreudige Blues Power Cologne-Fan-Gemeinde biertechnisch direkt vom Fass versorgt, das sie zur Entlastung des Bedienpersonals gleich mehrfach direkt zu sich an den Tisch beordert hatte. Nach dem Gig zeigten sich alle, an diesem Abend Anwesenden am Merchandising-Stand hochzufrieden und wir machten natürlich mit den Jungs noch das obligatorische Foto mit dem neuen Logo für die VIP-Galerie. Wir freuen uns schon jetzt auf Teil 2 mit Robert Jon & The Wreck im ebenfalls schönen Krefelder Schlachtgarten. Wird sicherlich erneut eine heiße Geschichte! Line-up: Bilder: Gernot Mangold Robert Jon & The Wreck Review: Gernot Mangold Hot’n’Nasty um Mastermind Malte Triebsch, aus dessen Feder alle Songs dieses Albums stammen, hat sich zu einem der besten deutschen Blues Rock Acts entwickelt. Nicht umsonst wurde das Quartett 2020 mit dem German Blues Award als beste Band ausgezeichnet. Mit dem Album „Burn“ beweist die Band, dass dieser Titel nicht umsonst verliehen wurde. Malte Triebschs feines Händchen im Songwriting vereint viele Spielarten des modernen Blues und bezieht sowohl das Genre des klassischen Hard Rocks als auch den Southern Rock mit ein. Somit ergibt sich insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Album. Robert Collins zeigt, dass er zu jedem Song die passende Stimmlage einbringen kann. Schön ist dabei sein klarer Ausdruck, sodass die zum Teil sehr zeitkritischen Texte auch gut zu verstehen sind. Malte Triebsch setzt neben der Rhythmusarbeit immer wieder feine passende Gitarrensoli ein, die zuweilen kleine Sahnehäubchen bilden. Dass es sich mit Jacob Müller am Bass und Dominique Ehlert an den Drums um studierte Musiker handelt, hört man durchgehend in allen Tracks. Auf den Punkt gespielte Töne sowie meist im Hintergrund gesetzte Akzente, offerieren das musikalische Feeling der beiden, die so eine Grundlage für den vollen und auch harmonischen Sound legen. Einen erheblichen Anteil hat mit Sicherheit auch die wunderbar transparente Produktion von Martin Meinschäfer, der nicht umsonst auch weitere deutsche Bluesgrößen wie Kai Strauss, Tommy Schneller oder Henrik Freischlader produziert. Mit „Burn“ ist Hot’n’Nasty ein Werk gelungen, das dafür sorgen könnte, dass der Traum, den Robert Collins im Song „Superstar“ besingt, wahr wird und der große Durchbruch gelingt. Freunden des Blues Rocks aber auch der Rockmusik allgemein kann dieses Album nur wärmstens empfohlen werden, auch um die Zeit bis zur nächsten Tour zu verkürzen. Es erwartet den Hörer handgemachter Power Blues Rock vom Feinsten ohne digitalen Schnickschnack, gespickt mit einigen schönen balladesken Songs. Line-up: Robert Collins: Vocals Sonic Revolution (2021) Tracklist: „Shine A Light On Me Brother“ heißt das neue Werk von Robert Jon & The Wreck. Ich behaupte mal, dass wohl kein anderes Magazin aus unseren Breitengraden das kalifornische Quintett um ihren Leader Robert Jon Burrison journalistisch so ins Licht gesetzt hat, wie wir es bisher getan haben. Wir waren von Anfang an dabei, als die Jungs vor gerade mal 30 Zuschauern, ihre ersten Gehversuche in unseren Landen getätigt haben, wir haben ihre kontinuierliche gute Entwicklung mit vielen Artikeln begleitet, ihren überraschenden Umbruch samt dem Gang in diese schwere Corona-Zeit mit verfolgt und sind auch jetzt wieder zur Stelle, wo es heißt, Licht am Ende des Covid-Tunnels zu erblicken und das nächst höhere Level in Sphären von Blackberry Smoke zu erklimmen. 2019 war eigentlich der Grundstein gelegt, ein klasse Album „Take Me Higher“ herausgebracht (dazu mit „Last Light On The Highway“ ein weiteres im Entstehen), Auftritte bei der Ramblin Man Fair mit Größen wie Foreigner und der Chris Robinson Brotherhood oder bei der Sea Mediterranean Blues Cruise mit Joe Bonamassa, Peter Frampton oder Eric Gales, um in 2020 nicht nur bei Festivals, sondern auch in größeren Hallen, live durchzustarten. Keyboarder Steve Maggiora wurde parallel sogar in das neue Line-up von Toto integriert. Dann grätschte, wie für viele Menschen, Corona böse dazwischen. Wie nicht anders zu erwarten, blieben die Burschen nicht untätig. Funktionierend wie ein Schweizer Uhrwerk gibt es zur anstehenden Europa-Herbst-Tournee das neue, oben angeführte Werk. Aus meiner Sicht ist es nicht nur bis dato ihr bestes, sondern auch kommerziell ambitioniertestes Album geworden. Ihre musikalische Unbekümmertheit und Unabhängigkeit bleibt weitestgehend erhalten und dennoch spürt man omnipräsent eine gewisses Bestreben, sich weiteren ‚Kundenkreisen‘ zu öffnen. Zuträglich sind da sicherlich auch die, auf den angesprochenen Events geknüpften Beziehungen. Wer kann sich schon den Luxus leisten, die Backgrounddamen von Joe Bonamassa, Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes), Juanita Tippins und Prinnie Stevens, anheuern zu können? Die geben vielen Tracks und Burrisons etatmäßig gutem Gesang natürlich ordentliches Zusatzfeuer. Bestes Beispiel ist direkt der im Skynyrd-Stil der Neunziger Jahre gehaltene Opener und Titelsong „Shine A Light On Me Brother„. Was mich diesmal besonders überzeugt, ist vor allem die Melodik und Eingängigkeit der Refrains. Man braucht gerade mal zwei Hördurchgänge, um bereits das Langzeitgedächtnis zur nachhaltigen Abspeicherung zu animieren. Steve Maggiora klimpert sehr viel in Billy Powell-typischer HT-Manier und lässt die Orgel meist organisch hallen, das ‚Wunderkind‘ Henry James an der Lead-Gitarre spielt seine Soli nie ausufernd, sondern fast wie bei Spitzen-Gitarristen in Nashville, immer genau auf den Punkt. Das mit Crowd-Harmoniegesängen und Bettsschem Solo durchzogene, herrlich dahinschunkelnde „Everday“ avanciert dabei zu meinem derzeitigen Lieblingssong. „Ain’t No Young Love Song“ mit seiner euphorischen Springsteen-Note dürfte der erfolgversprechendste Single-Kandidat sein. Das bluesige „Chicago“ wurde schön passend zum Titel mit plusternden Bläsern und Sax-Solo bestückt. Im melancholischen „Hurricane“ offeriert Burrison seine countryeske Seite, beim fluffigen „Desert Sun“ weiß das „Jessica“-mäßige Akustikgitarren-Intro samt folgendem ABB-Flair zu gefallen. Als Pendant/Update zum früheren „Mary Anne“ erweist sich „Anna Maria“, das atmosphärisch packende „Brother“ mit Blackberry Smoke- und Outlaws-Tupfern als weiteres Highlight und das im treibenden Bakersfield-Stil gehaltene „Radio“ (klasse die Tippeldrums von Andrew Espantman, tolle kurze HT-Piano-/E-Gitarren-Duelle) gibt sich am Ende überhaupt nicht radio-tauglich, sondern eher als launiger Party-Kracher. „We gotta keep movin‘ in the right direction“ singt Robert Jon Burrison im stampfenden „Movin'“ mit klarer Strategie nach vorne, überzeugend aus sich heraus. Angesichts ihrer kontinuierlichen und exzellenten Leistungen können wir hier nur ein glasklares „Yes you are!“ konstatieren. Wir freuen uns daher schon sehr, der Umsetzung der neuen Stücke von „Shine A Light On Me Brother“, die sicherlich morgen, dem 02.09.2021 auf der Open Air Bühne der Kölner Kantine einen Schwerpunkt bilden werden, beiwohnen zu dürfen. Der dazu fällige Konzertbericht als weiteres Spotlight auf die Band versteht sich von selbst… Eigenproduktion (2021) Tracks: Robert Jon And The Wreck Nach einigen erfolgreichen Konzerten im letzten Jahr ging das von Martin Engelien ins Leben gerufene Projekt 12-4-2 nun weiter. Die zwölf Gitarrenseiten wurden wie zuvor von Ben Granfelt und Thomas Blug bedient, der Viersaiter, wie gewohnt, vom Meister selbst, nur die zwei Drumsticks wechselten in die Hände von Mel Gaynor, der schon bei den Simple Minds aktiv war. Pünktlich nachdem die Regenschauer sich weiter Richtung Süden verzogen hatten, kündigte Pille Peerlings die Band an und unter dem Applaus von etwa 90 Besuchern, die trotz der unsicheren Wetterlage den Weg zum Schlachtgarten gefunden hatten, betrat die Band im wieder schön illuminierten Gelände die Bühne. Schon beim einleitenden Instrumental „One Earth“ zeigte die Band, welch exzellente Musiker auf der Bühne stehen. Granfelt und Blug schmissen sich ähnlich wie bei Wishbone Ash, wo Granfelt auch einige Jahre spielte, fast synchron twinguitarmäßig, die Melodien zu und die Rhythmusfraktion sorgte für eine volle, energiegeladene Grundlage und glänzte zuweilen auch mit starken Soloeinlagen. Es folgte eine bunte Mischung aus Songs, meist aus der Feder Granfelts und Blugs, welche mit einigen Coversongs gespickt waren, die es in sich hatten. Nach dem Intro kündigte Granfelt mit einem Augenzwinkern den ersten eigenen Song an und es folgte eine starke Version des Gerry Rafferty Klassikers „Baker Street“ wo das Saxophon gar nicht vermisst wurde, da Granfelt und Blug an den Gitarren dies durch krachende Soli ersetzten. Danach zeigte der von Granfelt als bester deutscher Gitarrist auf der Bühne vorgestellte Thomas Blug, bei „My House Is Green“, dass er ein genau so feines Händchen im Songwriting wie an den Gitarrensaiten hat. Dass der Song instrumental war, fiel gar nicht großartig auf, da man zuweilen das Gefühl hatte, die beiden Gitarristen würden ihr Instrumente singen lassen. Beim folgenden „Breathe“ zeigte ein stimmlich bestens aufgelegter Granfelt, dass er mit Sicherheit zu der Topgarde der Gitarristen zählt, wobei er hier auch von Blug unterstützt wurde und die zweistimmigen Gitarren dem Song ein ganz neues Flair gaben. Nahtlos reihte sich das psychedelisch angehauchte Instrumental „Melodic Relief“ von Granfelts letzter Platte an, welches mit einigen jammenden Passagen aufwartete, wo alle Musiker ihr Können zeigen konnten. Das verträumte „Faith, Hope & Love“ mag manchem als Wisbone Ash-Cover vorgekommen sein, es stammte aber aus Granfelts Zeit bei der Band und aus seiner Feder. Stark war hier, wie sich Granfelt und Blug perfekt ergänzten und für Begeisterung bei den Besuchern sorgte. Zum Ende des Sets kam dann ein furioser Auftritt vom Drummer Mel Gaynor. Eine deftig rockende Version von „Superstition“, mit treibenden Drumbeats wurde von ihm passend dynamisch gesungen. Nach einer kurzen Pause ging es dann mit „Freeway Jam“ und „Victorious“ weiter. Bei der Anmoderation seines Songs „Hey Stranger“ sorgte Ben Granfelt mit einer Freudschen Fehlleistung für Applaus. Er schilderte Situationen, wenn er auf Tourneen durch Städte geht, in Cafes sitzt, z. B. auch in Krefeld und man mit Fremden ins Gespräch kommt und sich vorstellt und er sich dann als Ben Krefeld benannte, was Engelien später bei der Vorstellung von ihm noch einmal unter dem Applaus der Besucher später aufnahm. Das folgende „I Won’t Forget“ von Blug war eine passende Einleitung für „My Soul To You“ von der gleichnamigen Scheibe von Granfelt, wo er die Gitarre im Stile eines Mark Knopflers erklingen ließ. Zum Ende des zweiten Sets folgten Blugs „Whitching Hour“ und das fulminante „Almighty Blues“, angekündigt als ein Stück, das so 20 – 25 Minuten dauert. Warum die Zeitangabe von Bedeutung für Pille Peerlings und Kolja Amend von Bedeutung war, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Ein Solo der vier Musiker jagte das nächste und man hatte den Eindruck sie würden sich in einen regelrechten Rausch spielen, was für Standing Ovations sorgte. Unter lautstarken Zugabeforderungen verließ die Band die Bühne und wurde von Peerlings und Amend in Empfang genommen. Was kaum einer bemerkt hatte, der Schlachtgarten bekam Besuch vom Ordnungsamt, das eine Beschwerde eines besorgten Krefelder Bürgers erhalten hatte, die zeigte, dass es neben Corona noch andere, vielleicht viel schlimmere und nachhaltigere Probleme für die Kultur unter freiem Himmel gibt: Nämlich Spaßbremsen, die um 22:30 Uhr nicht in der Lage sind, Musik von Außen zu ertragen. Vielleicht hätte es ja auch gereicht, die Fenster zu schließen oder einfach die Glotze etwas lauter zu machen. Es gab auf jedem Fall die Auflage, dass das Konzert nach dem gerade begonnenen Song zu beenden sei. Dass danach weiter Züge über die direkt neben dem Gelände liegende Bahntrasse rumpelten, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wegen der sehr stringenten Ansage des Ordnungsamtes machten sich die beiden Veranstalter Sorgen, da sie dachten, die 20 – 25 Minuten wären ein Scherz gewesen, aber schnell erkannten Sie, dass der Song für mehrere Jampassagen ausgelegt war. Die Band kam dann noch einmal auf die Bühne, um sich zu verabschieden und es wurde erklärt, warum es keine weiteren Stücke gab. Trotz dieses abrupten Endes erlebten die Besucher ein ganz starkes Konzert, auch ohne das obligatorischen „Going Home“ bei Gigs mit Ben Granfelt und alle Anwesenden werden mit Sicherheit erneut dabei sein, wenn diese Musiker wieder zusammen auftreten. Dies wird dann aber vermutlich unter anderen Voraussetzungen stattfinden. Bei den Konzerten im letzten Jahr stellten Granfelt und Blug fest, dass es richtig Spaß bereitet, gemeinsam was zu machen. Dies veranlasste Engelien zur Überlegung, Mel Gaynor an den Drums dazu zu holen und aus dem temporären Projekt eventuell eine eigenständige Band zu machen. In diesem Fall darf man sich schon jetzt auf eine absolut starke Liveband freuen. Line-up: Text und Bilder: Gernot Mangold Ben Granfelt Das das recht gut gefüllte Open Air-Gelände an der Kantine zeigte, dass die Pioniere des Krautrocks noch immer ihre treue Fangemeinde haben. Erstaunlich war, dass sich auch einige jüngere Musikfans eingefunden hatten, die sich für die Mischung aus progressivem- und Hard Rock begeistern können. Das Line-up von Birth Control hatte sich seit dem Bestehen Ende der 60er Jahre immer wieder verändert, wobei der Tod von Bandgründer Nossi Noske 2014 der gravierendste Einschnitt war. Die aktuelle Besetzung ab 2016 darf im Gewissen aber auch als ‚back to the roots‘ gesehen werden. Mit Peter Föller als Leadsänger und an der Gitarre und Manni von Bohr an den Drums stießen zwei Musiker zu der Band, welche schon einige Jahre in den 70ern dabei waren. Pünktlich um 19:30 Uhr betrat Marcus Neu, der Booker der Kantine die Bühne und kündigte das Quintett an, welches in den zwei jeweils etwa 60-minütigen Sets eine bunte Mischung aus Klassikern von den Alben der 70er Jahre und vom letzten noch mit Nossi Noske eingespielten Werk „Here And Now“, das 2016 veröffentlicht wurde, präsentierte. Mit „The Work Is Done“ eröffnete die Band psychedelisch das Konzert, in dem Peter Föller mit einer kleinen Glocke die Klangstäbe seiner Chimes anschlug und so das Startsignal für furiose, knapp zwei Stunden Livemusik gab. Martin ‚Ludi‘ Ettrich begeisterte schon im ersten Track mit langen Soli, was sich in allen Songs wiederholte und erzeugte bei einigen Stücken mit der Talkbox ein besonderes psychedelisches Flair. Sascha Kühn an den Keyboards und Organ hielt sich rein optisch eher an der rechten Bühnenseite im Hintergrund, gab aber der Soundstruktur eine ganz besondere Note, mit furiosen Soli oder in dem er regelrechte Klangteppiche auf die Bühne zauberte. Die Rhythmusfraktion um den zuweilen stoisch den Bass zupfenden Hannes Vesper und das ‚Tier‘ Manni von Bohr an den Drums sorgte für eine Klasse Grundlage der Songs, konnte aber auch mit gekonnter Soloarbeit überzeugen. Rein optisch hatte man auch fast das Gefühl, die Drums würden die ganze Bühne einnehmen. Peter Föller, der neben dem Gesang bei den meisten Songs auch als zweiter Gitarrist überzeugen konnte und Martin „Ludi“ Ettrich moderierten abwechselnd humorvoll zwischen den Liedern und hatten so von Beginn an das Publikum hinter sich gebracht. Schön war, dass die Band sich nicht nur auf die alten Klassiker wie z.B. „Plastic People“ oder „Back From Hell“ verließ, sondern mit „Right Place Wrong Time“ oder „Wasting My Time“ auch einige Stücke vom aktuellen Longplayer spielte. Mit „I Don’t Mind“ präsentierte die Band sogar einen Song der auf dem nächsten Album erscheinen soll. Harte rockende Beats wechselten hier mit eher ruhigen gesanglichen Passagen, welche mich auch stimmlich an manche Sachen aus den letzten Jahren der Karriere von David Bowie erinnerten. Die Premiere vor Publikum war an der Resonanz erkennbar gut gelungen und direkt im Anschluss an den Song zeigte Manni von Bohr in einem mehrminütigen Schlagzeugsolo, warum er zu den besten deutschen Drummern gehört. Bei „Lost In The Sea“ hatte Sascha Kühn seinen großen Auftritt und zuweilen fühlte man sich in manchen Passagen an Deep Purples „Perfect Strangers“ erinnert. Klasse Hard Rock vermischt mit progressiven Rock. Dann gegen 21:30 war es endlich soweit: Hannes Vesper bediente statt des Basses zunächst den Synthesizer und das von den meisten lang ersehnte „Gamma Ray“, das auch textlich gut zur heutigen Zeit passt, wurde in einer ‚Extendet version‘ gespielt. Animiert von den Zugabeforderungen und den noch verbleibenden etwa zehn Minuten bis 22:00 Uhr, wenn auf dem Open Air-Gelände die Musik enden muss, wurde noch „Live in The Here & Now“ zu Ehren von Nossi Noske gespielt und ein gelungener Konzertabend wurde würdig abgeschlossen. Es war schön zu sehen, mit welcher Freude und Begeisterung die Musiker spielten, dass schon jetzt eine gewisse Vorfreude auf das kommende Album aufkommt und die Geschichte des Krautrocks so seine Fortsetzung finden wird. Line-up: Bericht und Bilder: Gernot Mangold Ich muss mich an dieser Stelle mal explizit bei unseren befreundeten Agenturen in den Staaten bedanken, die uns immer wieder mit hervorragender Musik versorgen, die unter normalen Umständen vermutlich an uns vorbeigegangen wäre. Die morgen erscheinende CD von Ericson Holt ist erneut so ein tolles Beispiel. „99 Degrees“ ist das mittlerweile dritte Album des in Key West, Florida, lebenden Musikers, für das er grandiose Mitstreiter wie u. a. die wunderbaren Backgroundsängerinnen The McCrary Sisters, den Mehrfach-Grammy-Gewinner Kevin McKendree (Delbert McClinton, Buddy Guy) am B-3-Organ, E-Gitarrist Joe MacMahan (Allison Moorer, Hayes Carll), Bassist Dave Santos (The Neville Brothers, John Fogerty) und Drummer Kenneth Blevins (John Hiatt, Sonny Landreth) angeheuert hat. Das wunderbar klimpernde Pianospiel von Ericson, das mich in seiner Klarheit ein wenig an das von Bruce Hornsby erinnert, hat schon fast therapeutische Wirkung auf die Wut und Fassungslosigkeit, die sich in diesen Zeiten zum Teil in einem angesammelt hat. Famos auch, wie er immer wieder mit McKendrees hallender Orgel ‚korrespondiert‘ und sein angenehmer Gesang mit den sensationell gospelnden McCrary Sisters harmoniert. Dazu spielt er noch eine sehr passable Akustikgitarre. Die Tracks bewegen sich überwiegend im entspannten und balladesken Midtempobereich, lediglich das dixie-umwehte „Walkin‘ On Bourbon Street“ vermittelt ein authentisches Stimmungsbild vom launigen und bunten Treiben rund um das Rotlicht-Quarter von New Orleans. Auch der mit 7 Minuten 38 Sekunden längste Song, das cool shuffelnde „I’m Gonna Pay“, hebt sich von der ansonsten ruhigen Atmosphäre ab und ist eine wahrhafte Demonstration der spielerischen und gesanglichen Klasse aller beteiligen Akteure. Dieses und noch das eine oder andere Stück wären auch zu Lebzeiten für einen Joe Cocker prädestiniert gewesen. Bluesiger Southern Soul würde ich insgesamt als Oberbegriff für die Stilisierung verwenden. Richtig stark auch die nur ganz sanft und sparsam dosierten Bläser-Arrangements, gespielt von Jim Hoke und Roland Barber. So gibt es vom schön südstaatlichen Opener „Walkin‘ In Our Sleep“ (mit zwei E-Gitarren-Soli) bis zum final flehenden „Have Mercy“ durchgehende Spielfreude zu exzellentem Songmaterial zu begutachten. Das ruhige, von Melancholie und Sinnlichkeit getragene „Empty Without A Secret“, der grandiose fiebernde Titelsong „99 Degrees“ oder die von einem ganz dezenten „Hotel California“-Vibe unterlegte Ballade „Help Us Now“ sind einfach zum Niederknien. Irgendwie kommt mir auch ein Radney Foster als Referenz immer wieder in den Sinn. Gäbe es in diesem Jahr nicht diesen unschlagbar erscheinenden Megakracher von Morgan Wallen, wäre Ericson Holt mit „99 Degrees“ bei mir wohl ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres. Deshalb im wahrsten Sinne des Wortes zum Titel ‚absolutely hot stuff‘! Die CD kommt in einem vierseitigen Hochglanz-Pappschuber mit eingelegtem Booklet, das alle Texte der ausnahmslos von Holt verfassten Kreationen enthält. Aller höchste Zeit sich auch mit seinen Vorgängerwerken „The Blue Side“ und „Broken Beauty“ auseinanderzusetzen. Conch Town Music (2021) Tracks: Review: Michael Segets Woher nimmt der 73jährige die Energie, am laufenden Band Alben herauszubringen, auf denen er wie ein Jungspund rockt? Mit „The Day The Earth Stood Still“ veröffentlicht Willie Nile den vierten Longplayer in den letzten fünf Jahren. Seit seinem Debüt im Jahr 1980 stehen jetzt zwanzig Tonträger im Katalog, wenn die Live-CDs und seine EP mitgezählt werden. Dabei kam es nach dem zweiten Album zu Rechtsstreitigkeiten, die seine musikalische Karriere erst einmal ausbremsten. Nach zehnjähriger Abstinenz meldete sich Nile erst Anfang 1990er zurück. Mit „Streets Of New York“ startete er dann 2006 richtig durch. Seitdem scheint seine Produktivität keine Grenzen mehr zu kennen. Nach „New York At Night“ (2020), einem Stimmungsbild seiner Wahlheimat, wendet sich Nile nun in seiner scharfzüngigen Art wieder politischen und sozialkritischen Themen zu. Er knüpft damit an „Children Of Paradise“ (2018) an, was sich auch im Stil der Covergestaltung zeigt. Willie Nile macht auf „The Day The Earth Stood Still” wieder sein Ding. „Where There’s A Willie, There’s A Way” ist daher das Programm der CD. Der Song weist Anleihen bei The Clash auf und sollte dementsprechend laut gehört werden. „Off My Medication” lässt es ebenso richtig krachen. Wofür die Jugend Aufputschmittel braucht, erreicht man im Alter wohl bereits, wenn die Medikamente weggelassen werden. „Sanctuary“ rockt hingegen in melodiöseren Bahnen. Bei „Expect Change“ und „Time To Be Great” setzt Nile die eingeschlagene Richtung fort. Ein Schelm, wer die Titel als Abgesang auf die Ära Trump sieht. „The Justice Bell For John Lewis” würdigt den im letzten Jahr verstorbenen, afro-amerikanischen Bürgerrechtler und Kongressabgeordneten der Demokraten. Anfänglich auf Klavierbegleitung reduziert entwickelt der Song später hymnische Züge. Neben den zeitgeschichtlichen Bezügen greift Nile aber auch die Liebesthematik auf, die wohl zeitlos ist. Dies tut er beim Midtempo-Stück „Way Of The Heart“ sowie beim über weite Passagen akustisch gehaltenen „I Will Stand“. „I Don’t Remember You“ hat vor allem im Einstieg einen Country-Einschlag. Die harmlos wirkende Melodie versieht Nile mit einem wunderbar bissigen Text. Auf dem Longplayer sind also wieder einige äußerst gelungene Willie-Nile-Werke zu hören. Zu meinen Favoriten zählen der Titelsong, der zu den besten gehört, die sich auf seinen letzten Werken finden, sowie „Blood On Your Hands“, das durch die Beteiligung von Steve Earle zusätzlichen Reiz gewinnt. Willie Nile liefert in schneller Folge hochwertige Alben ab. „The Day The Earth Stood Still” reiht sich ohne Qualitätsverlust in seine Veröffentlichungen der letzten Jahre ein. Nile spielt mit leichten Modifikationen seines Sounds, wobei dessen Wiedererkennungswert erhalten bleibt. Insgesamt gelingt ihm so eine abwechslungsreiche Scheibe, auf der die kräftig rockenden Songs den Gesamteindruck prägen. River House Records/Indigo (2021) Tracks: Erfolgreiche und talentierte Musiker haben in der Regel den großen Vorteil mit ebenso erfolgreichen und angesagten Produzenten zusammenarbeiten zu können. Anderson East ist nicht erst seit seinem Durchbruch mit dem Vorgänger „Encore“ 2018 in diese Kategorie einzuordnen. East und seine Band haben weltweit ausverkaufte Shows gespielt (wir durften seinem energiegeladenen Gig in Köln beiwohnen) und waren zu Gast u. a. bei angesagten TV-Shows wie „Jimmy Kimmel Live!“ (ABC), „The Late Show with Stephen Colbert“ (CBS), „CBS This Morning Saturday“, „TODAY“ und „Late Night with Seth Meyers“ (NBC) oder „Austin City Limits“ (PBS). Bei „Encore“ und auch auf „Delihah“ zuvor hatte er bereits mit dem in diesen Zeiten omnipräsent erscheinenden Producer Dave Cobb bereits hervorragend zusammengearbeitet. Da ist es natürlich irgendwie klar, dass man dieses funktionierende Konstrukt auch für das neue Werk „Maybe We Never Die“ beibehalten möchte, zumal beide seither auch labeltechnisch miteinander verflochten sind. Dass Cobb, der dafür bekannt ist, besonders auf die stimmliche Ausstrahlung seiner Protagonisten fokussiert zu sein, immer mal für eine Überraschung gut ist, zeigt sich besonders auf diesem Werk. Auch hier merkt man sofort, dass er eindeutig die vokale Präsenz von East in den Vordergrund stellt und stimmlich wieder eine tolle Leistung aus ihm ‚herausgekitzelt‘ hat, aber der Sound und die Stimmung des Werkes differieren zum Vorgänger erheblich. Wir bewegen wir uns zwar wieder klar in der Gattung Soul, dennoch hat man das Gefühl sich in ganz anderen Sphären zu befinden. Während auf „Encore“ alles auf ein warmes southern-souliges Flair mit typischen Bläser-Arrangements ausgerichtet war (wie ich sie auch vom Gig in der Domstadt in Erinnerung habe), durchziehen jetzt kühl, kammermusikartig, ja teilweise hypnotisch wirkende Loop-, Synthie-, String- und mollgetränkte Piano-Sequenzen die nach wie vor melodischen Tracks, die aber aus meiner Sicht eher in hippen neon-beleuchteten Tanzclubs in New York zur ihrer wahren Entfaltung kommen würden. Man höre sich mal das von einem groovenden, disco-mäßigen Gitarren- und Bass-Rhythmus geführte „Drugs“ an, dass durch Andersons Falsetto-Gesang fast in Bee Gees-Gefilden wildert. Beim starken Opener „Maybe We Never Die“ beißen sich warmer Strophengesang und falsetto-artiges Kreischen im Refrain förmlich. Trotzdem ein toller Song. Auch der trance-artig (be)rauschende „Jet Black Pontiac“ bohrt sich tief in das Musik-Langzeit-Gedächtnis. Teilweise meint man auch, einen modernen Mick Hucknell (Simply Red) vor sich zu haben („Madelyn“, „Hood Of My Car“, „If You Really Love Me“). Faszinierend auch das abschließende „Interstellar Outer Space“, bei der Easts emotionale Gesangs-Gala-Vorstellung zu sakral anmutendem Glockengeläut immer wieder von künstlich elfenhaft-piepsigen ‚Aahs‘, wie aus einer anderen Galaxie, durchzogen wird. Über das Album sagt der in Alabama geborene und in Nashville-lebende Singer-Songwriter: „Ich wollte mit dieser Platte etwas Einzigartiges schaffen. Ein Stück Musik, das in seiner Gesamtheit weiß, wo es steht und dennoch den Blick hinter den Vorhang wagt. Ich bin sehr stolz auf die Entstehungsgeschichte und das Endergebnis. Meine große Dankbarkeit gilt den Menschen, die ihre wundervollen Talente eingesetzt haben und dieses Album zu dem gemacht haben, was es ist. “ Am Ende sind es aber vor allem die eingängigen Refrains bei allen Liedern und die konsequente, musikalisch stimmige Machart, die das Werk „Maybe We Never Die“ von Anderson East zu etwas besonderem und gut hörbarem machen. Es hat schon, wenn man sich darauf einlässt, große Klasse, was Cobb und er da kreiert haben. Zu suchen hat es, wenn man allerdings ehrlich ist, in diesem Magazin so gut wie garnichts. Deshalb nur an recht variabel-ausgelegte Leute unter unserer Klientel zu empfehlen. Elektra/Low Country Sound (Warner Music) (2021) 01. Maybe We Never Die
Veröffentlicht am Kategorien AllgemeinSchreibe einen Kommentar zu Seth Lee Jones – Flathead – CD-Review
Riddy Arman – Same – CD-Review

Stil: Folk/Country
01. Spirits, Angels, Or Lies
02. Half A Heart Keychain
03. Barbed Wire
04. Both Of My Hands
05. Help Me Make It Through The Night
06. Herding Song
07. Old Maid’s Draw
08. Too Late To Write A Love Song
09. Problems On My Own
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Thirty Tigers
Oktober PromotionRobert Jon & The Wreck, 02.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)
Text: Daniel Daus
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Teenage Head Music
Kantine KölnHot’n’Nasty – Burn – CD-Review

Malte Triebsch: Guitars
Jacob Müller: Bass
Dominique „Gaga“ Ehlert: Drums
Stil: Blues, Rock
01. Anyway The Wind Blows
02. Like A Hammer
03. I Can’t Stand It Anymore
04. Superstar
05. Dark City
06. It Ain’t Easy
07. Connected
08. Too Good To Be True
09. Leavin‘
10. Too Much Babble
11. Gonna Do It Better
12. Stacy Lee
13. The Night BeforeRobert Jon & The Wreck – Shine A Light On Me Brother – CD-Review

Stil: Southern Rock
01. Shine A Light On Me Brother
02. Everyday
03. Ain’t No Young Love Song
04. Chicago
05. Hurricane
06. Desert Sun
07. Movin‘
08. Anna Maria
09. Brother
10. Radio
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Teenage Head Music
Vertrieb: In-Akustik12-4-2 – 26.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Mel Gaynor (drums, lead vocals)
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Thomas Blug
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Martin Engelien
Martin Engelien bei Facebook
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, KrefeldBirth Control – 22.08.2021, Kantine Open Air Bühne (Freideck), Köln – Konzertbericht

Peter Föller – vocals, guitar
Martin ‚Ludi‘ Ettrich – guitar, talkbox
Sascha Kühn – keyboards, organ
Hannes Vesper – bass
Manni von Bohr – drumsEricson Holt – 99 Degrees – CD-Review

Stil: Southern Soul Blues
01. Walkin‘ In Our Sleep
02. Clever Girl
03. Empty Without A Secret
04. 99 Degrees
05. Sweet On You
06. Beautiful World
07. Walkin‘ On Bourbon Street
08. I’m Gonna Pay
09. Help Us Now
10. Have MercyWillie Nile – The Day The Earth Stood Still – CD-Review

Stil: Rock
01. The Day The Earth Stood Still
02. Sanctuary
03. Where There’s A Willie, There’s A Way
04. Blood On Your Hands
05. The Justice Bell For John Lewis
06. Expect Change
07. I Don’t Remember You
08. Off My Medication
09. I Will Stand
10. Time To Be Great
11. Way Of The HeartAnderson East – Maybe We Never Die – CD-Review

Stil: Soul
02. Lights On
03. Madelyn
04. Drugs
05. I Hate You
06. Hood Of My Car
07. Falling
08. Jet Black Pontiac
09. Like Nothing Ever Happened
10. If You Really Love Me
11. Just You & I
12. Interstellar Outer Space
