The Wallflowers – Exit Wounds – CD-Review

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Review: Michael Segets

Es gibt wahrscheinlich kaum Berichte über The Wallflowers, in denen nicht zumindest in einem Nebensatz erwähnt wird, dass Bandleader Jakob Dylan, der Sohn von Bob ist. Dieser Review des neuen Albums „Exit Wounds“ der Wallflowers macht dahingehend keine Ausnahme. Dabei hat Jakob Dylan selbst schon die magische 50 überschritten und ist auch musikalisch längst den Kinderschuhen entwachsen.

Wenn schon nicht auf den Nobelpreis, so kann er doch auf zwei Grammys zurückblicken und hat seinen eigenen Weg im gleichen Metier wie sein Vater erfolgreich eingeschlagen. Nach Goethe soll man Kindern Wurzeln und Flügel geben. Dies scheint Bob Dylan bei seinem Sohn gelungen zu sein. Jakob selbst greift dieses sprachliche Bild bei seiner Single „Roots And Wings“ auf, allerdings aus der Perspektive der älteren Generation.

The Wallflowers wurden 1990 von Jakob Dylan offiziell ins Leben gerufen und brachten 1992 das erste Album raus. Bis 2012 folgten fünf weitere Longplayer. Danach war in Sachen Wallflowers erst einmal Pause. Dylan veröffentlichte in der Zwischenzeit zwei Alben unter eigenem Namen. Nun belebt er seine Band erneut, wobei Wiederbelebung eigentlich der falsche Ausdruck ist: Bis auf den Frontmann gibt es keine Konstanten in der Besetzung. Multiinstrumentalist Butch Walker, Gitarrist Val McCallum, Keyboarder Aaron Embry sowie Bassist Whynot Jensveld und Schlagzeuger Mark Stepro bilden das derzeitige Line-up der Wallflowers.

„Exit Wounds“ ist ein homogenes Album geworden, dessen Tracks sich überwiegend im Midtempo oder etwas darunter bewegen. Die ersten beiden Songs „Maybe Your Heart’s Not In It No More” – ebenfalls vorab ausgekoppelt – sowie „Roots And Wings” haben einen erdigen Grundton. Nach dem lockeren und leicht poppigen „I Hear The Ocean (When I Wanna Hear Trains)” schlägt „The Dive Bar In My Heart” rockigere Töne an. „Move The River”, bei dem Brian Griffin an den Drums sitzt, rockt zumindest im Refrain und zählt zu den songtechnisch auffälligsten Tracks des Albums.

„Who’s That Man Walking ‘Round My Garden” kann als ein Highlight des Longplayers gelten. Die gradlinige Nummer im Garage-Sound – mit treibenden Keys gewürzt – scheppert kräftig. Auf der anderen Seite des Spektrum finden sich gelungene Balladen – allen voran „Darlin’ Hold On“, auf dem Shelby Lynne als Duett-Partnerin von Dylan glänzt. Bei einigen anderen Titeln, so auch bei „I’ll Let You Down (But Will Not Give You Up)”, steuert sie Harmonien bei. Hier und auch bei „Wrong End Of The Spear” ist Dylans Gesang besonders eindringlich.

„The Daylight Between Us” bildet den Abschluss eines Albums, das sich thematisch um Verluste und Veränderungen dreht. Die Kerben, die das Leben oder die Mitmenschen schlagen und die wohl jeder mit sich herumträgt, boten den Anstoß für den Titel „Exit Wounds“ und durchziehen als konzeptioneller Gedanke die Songsammlung.

Mit „Exit Wounds“ meldet sich Jakob Dylan mit seinen Wallflowers ohne Qualitätsverluste im Vergleich zu den vorangegangenen Alben zurück. Durch die Band im Rücken wirkt Dylans Sound voll und rockig. Dabei liefern The Wallflowers vor allem mit ihren ruhigeren Songs feine Kost ab. Vielleicht sollte man den Midtempo-Stücken ein paar Durchläufe gönnen, denn unter ihnen fehlt der ganz große Ohrwurm, der sich sofort festsetzt. In Gänze stellt „Exit Wounds“ ein willkommenes Lebenszeichen von Dylans Bandprojekt dar.

Um nochmal Goethe zu bemühen: Man sollte jeden Tag ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, darüber hinaus ein treffliches Gemälde betrachten sowie ein vernünftiges Wort sprechen. Wenn man „Exit Wounds“ von The Wallflowers auflegt, erfüllt man die beiden ersten Empfehlungen des Literaten. Für die anderen beiden Aufgaben bleiben dann die restlichen Stunden des Tages.

New West Records (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Maybe Your Heart’s Not In It No More
02. Roots And Wings
03. I Hear The Ocean (When I Wanna Hear Trains)
04. The Dive Bar In My Heart
05. Darlin’ Hold On
06. Move The River
07. I’ll Let You Down (But Will Not Give You Up)
08. Wrong End Of The Spear
09. Who’s That Man Walking ‘Round My Garden
10. The Daylight Between Us

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