Lori McKenna – The Balladeer – CD-Review

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Review: Michael Segets

Der Titel „The Balladeer“ von Lori McKenna neuem Album ist Programm. Sie präsentiert sich als hervorragende Balladensängerin und ausgereifte Songwriterin. Produzent Dave Cobb (Jason Isbell, Shooter Jennings) erweist sich wieder einmal als Garant dafür, den Sound erdig auf den Punkt zu bringen, sodass die Songs pur und für sich wirken.

Alle zehn Tracks wurden mit Band eingespielt: Cobb übernimmt die akustische und elektrische Gitarre, Philip Towns glänzt an den Keys, Chris Powell (Schlagzeug) sowie Brian Allen (Bass) geben den Rhythmus vor. Kristen Rogers steuert auf den meisten Stücken den Gesang im Background bei. Karen Fairchild und Kimberly Schlapman begleiten McKenna auf dem eingängigen, radiotauglichen Opener „This Town Is A Woman“.

McKenna verfasste alle Songs selbst; „Good Fight“, „When You’re My Age” sowie „Two Birds” zusammen mit Hillary Lindsey und Liz Rose. Als Songwriterin genießt McKenna einen außergewöhnlichen Ruf in der Americana- und New Country-Szene. Nicht umsonst nahmen eine ganze Reihe von Musikern ihre Titel auf.

Von den Künstlern, die auch auf SoS zu finden sind, können Carrie Underwood, Little Big Town, Hunter Hayes, The Cadillac Three, Eli Young BandWade BowenFaith Hill und Tim McGraw genannt werden. Die zweifache Grammy-Gewinnerin wirkte ebenso bei der zweiten Single „Always Remember Us This Way” des Soundtracks „A Star Is Born“ mit. In ihrer zwanzigjährigen Karriere kann McKenna also auf einige Erfolge zurückblicken.

Ihre Texte auf „The Balladeer“ sind retroperspektiv angelegt. Der Longplayer erhält dadurch eine persönliche Note, trifft aber durchaus die Gedankenwelt von Personen, die die Fünfzig überschritten haben. An das Aufwachsen mit den Geschwistern („Maria“) und die wilden Jugendjahre in der Schule („Stuck In High School“) denkt wohl jeder in dieser situierten Lebensphase mal zurück.

Schwingt bei diesen Songs die Rolle der eigenen Eltern mit, findet bei den musikalisch etwas reduzierterem „When You’re My Age“ und dem Schlusstrack „‘Till You’re Grown“ ein Perspektivwechsel statt. Die Sorge um den Nachwuchs und die Hoffnung, dass dieser seinen Weg gehen wird, kommen dort zum Ausdruck. Schließlich bildet das spannungsreiche Mit- und Gegeneinander in Beziehung bei einigen Stücken („The Dream“, „Good Fight“, „Two Birds“) den thematischen Schwerpunkt.

Beim Songwriting beweist McKenna ein Gespür für harmonische Melodien. Anspieltipps sind „Good Fight“, „Stuck In High School “ und “When You’re My Age”, die die musikalische und inhaltliche Spannbreite des Albums widerspiegeln.

Mit Ausnahme des titelgebenden „The Balladeer“ setzt sie auf längere Refrains, welche den Wiedererkennungswert steigern. Die Lieder gewinnen ihre Intensität letztlich aus den Lyrics, die zwar persönlich gefärbt sind, aber viele Facetten bieten, in denen sich der Hörer mit seinen eigenen Erlebnissen oder Erinnerungen wiederfindet. „The Balladeer“ spricht daher vermutlich eher ein gereiftes Publikum an.

CN Records-Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. This Town Is A Woman (feat. Karen Fairchild and Kimberly Schlapman)
02. The Balladeer
03. Marie
04. The Dream
05. Uphill
06. Good Fight
07. Stuck In High School
08. When You’re My Age (feat. Hillary Lindsey and Liz Rose)
09. Two Birds
10. ‘Till You’re Grown

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Jimmie Allen – Bettie James – Digital EP-Review

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Dunkelhäutige Musiker sind auch heute noch  in der Countrymusikwelt eher eine Seltenheit. „White Country matters“ möchte man da fast sarkastisch anmerken. Und wenn man ehrlich ist, haben es bisher außer Legende Charley Pride und Darius Rucker (beide sind hier vermutlich bei einem der stärksten Tracks der EP „Why Things Happen“ nicht grundlos vertreten) keine Künstler geschafft, nachhaltig Erfolge zu verbuchen.

Kane Brown, Sunny War, Blanco Brown, Lil Nas X oder Cowboy Troy sind Interpreten (meist aus dem Hip Hop- und Rap-Metier), die mal sporadisch auftauchen, sich aber dann auch wieder schnell ihren Hauptgenres widmen oder halt in der Bedeutungslosigkeit der Countrywelt verschwinden.

Mit Jimmie Allen könnte es zumindest wieder etwas Zuwachs geben. Der bei der 10. Staffel von American Idol (2011) frühzeitig ausgeschiedene 34-jährige Singer/Songwriter hat es geschafft (z. B. unter Mithilfe von Kontest-Gewinner Scotty McCreery), seither präsent zu bleiben und ergatterte sogar beim Broken Bow Gruppen-Unterlabel Stoney Creek Records, Major-kompatible Konditionen, Grundvoraussetzung, um überhaupt im Business mitmischen zu können.

Allen dankte es mit einem erfolgreichen Debütalbum („Mercury Lane“ – Platz 11 in den Country-Album-Charts) und zwei Top-10 Singles („Best Shot“ und Make Me Want To“ – in den Radio-Charts sogar beide Nr. 1). Seine Musik bewegt sich dabei im Stile von Leuten wie Thomas Rhett, Brett Young oder Sam Hunt, etc., die mit ihrem Country-Pop-Strategien ja ebenfalls äußerst erfolgreich unterwegs sind.

Auch sein neues Kollaborationswerk „Bettie James“ (Vater James Allen und seiner Großmutter Bettie Snead gewidmet – beide vor geraumer Zeit verstorben) geht gut an: Die aktuelle Single “This Is Us” mit Noah Cyrus ist die von Fans bislang am schnellsten angenommene Single und verzeichnet bis heute mehr als 25 Millionen Streams. Und das ist eigentlich der belangloseste Track des Werkes!

Die insgesamt sieben Stücke bieten, allesamt für sich gesehen, absolut klasse und modern instrumentierten melodischen, hitverdächtigen Stoff in Duettaufmachung.

Die ganz starke Phase beginnt,  wenn ab „Made For These“ die großen Stars wie Tim McGraw bei „Made For These“ (schön ihn mal wieder singen zu hören, klasse Slide-Solo in der Mitte), Brad Paisley  bei „Freedom Was A Highway“ (herrlicher 90er-Rock der Marke Richard Marx, Mister Mister & Co., filigranes Paisley-E-Gitarrensolo) und besagtes „Why Things Happen“ unter Mitwirkung von Pride und Rucker, ihren speziellen Glanz neben Allen verbreiten.

Allein schon das musikalisch beeindruckende „Why Things Happen“, mit einem plakativen Video ergänzt, bietet sich ja angesichts der vielen diskussionswürdigen Ereignisse, beziehungsweise Vorkommnisse (nicht nur in den USA), nahezu an, hier ein großes Statement zu setzen. Könnte man aus meiner Sicht spielend zu einem der Anwärter zum ‚Song des Jahres‘ bei den einschlägigen Awards gestalten. Den Grammy könnte man wahrscheinlich schon vorbestellen.

Schön und zum Piepen ist auch der schräge Altmänner-Männerchorgesang der Oak Ridge Boys am Ende von „When This Is Over“. Weitere Beteiligte auf der EP sind noch Interpreten wie , Rapper Nelly („Good Times Roll“), die Damen  Mickey Guyton („Drunk And I Miss You“), Rita Wilson und  Tauren Wells („When This Is Over“).

“Ich bin ein Fan jedes Künstlers dieses Projekts, und es war mir eine große Ehre, dass jeder einzelne ein Teil davon war”, sagt Allen über seine Partner bei dieser mit Ash Bowers zusammen produzierten EP. “Jeder hat durch seine Musik das Leben meines Vaters und meiner Großmutter und auch mich berührt. Ich bin stolz auf diese Musik und dankbar für alle Autoren, die mir geholfen haben, „Bettie James“ zu erschaffen.”

Insgesamt ein kluger Schachzug des Labels zum richtigen Zeitpunkt, die Popularität von Jimmie Allen zu festigen, beziehungsweise weiter auszubauen. Könnte glatt zum Abräumer in 2020 avancieren.

Stoney Creek Records / BBR Music Group / BMG (2020)
Stil: New Country (Pop)

Tracklist:
01. Good Times Roll
02. Drunk and I Miss You
03. Made For These
04. Freedom Was A Highway
05. Why Things Happen
06. When This Is Over
07. This Is Us

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Tim McGraw – Southern Voice – CD-Review

Respekt, Respekt! Tim McGraw hält auch auf seinem bereits 12. Longplayer „Southern Voice“ sein hohes Niveau, und das trotz der riesigen Erfolge. Nach wie vor sind keine Anzeichen von „Müdigkeit“ oder gar von Schwächen bei ihm wahrnehmbar. Er knüpft mit diesem Werk vielleicht sogar wieder ganz nah an seine starken Zeiten an, die ihn Ende der neunziger Jahre in den Superstarstatus hievten. Auffällig einmal mehr das sorgfältig ausgesuchte, exzellente Songmaterial, zumeist im Midtempo-Bereich, das ihm wie auf den Leib geschneidert ist.

Auch diesmal setzte Tim wieder weitestgehend auf Konstanz. Eingespielt wurden sämtliche Stücke, bis auf das finale „Love You Goodbye“, mit seinen Dancehall Doctors (Billy Mason, John Marcus, Bob Minner, Jeff McMahon, Denny Hemingson, Darren Smith, Dean Brown und David Dunkley), die zudem seit Jahren einen Garanten für McGraw’s grandiose Live-Vorstellungen abgeben. Produziert hat Tim, wie schon bei den Vorgängern, zusammen mit seinen Langzeitweggefährten Byron Gallimore und Darren Smith.

Im Vorfeld zu „Southern Voice“ hatte es allerdings hinter den Kulissen gewaltig im Gebälk geknistert, nachdem Curb Records eine dritte Greatest Hits-Kompilation ohne Zustimmung McGraws veröffentlicht hatte. Insider mutmaßen bereits, dass dies die letzte Zusammenarbeit McGraw/Curb gewesen sein könnte. Schön, dass die Qualität von „Southern Voice“ aufgrund der internen Querelen überhaupt nicht gelitten hat, im Gegenteil: Der als Sohn eines Baseballspielers in Delhi, Louisiana geborene, mittlerweile auch vermehrt als Schauspieler tätige und sozial überaus stark engagierte McGraw scheint in seiner Paradedisziplin noch mal richtig angreifen zu wollen.

Den Auftakt bestreitet Tim zunächst mit der wunderschönen, entspannt instrumentierten Ballade „Still“, die sich im Verlauf des Songs emotional steigert und mit einem sehr schönen E-Gitarren-Solo verziert wurde. Das folgende „Ghost Town Train (She’s Gone)“ bietet für McGraw recht ungewöhnliches Retro-Western-Countryflair. Der Song lebt von seiner flockigen Instrumentierung aus klassischem Drumming, Baritone-E-Gitarren-Klängen, garniert mit Fiddle- und Steeleinlagen und einer filigranen Akustikgitarrenpassage.

Etabliert hat sich auch die Zusammenarbeit von Tim mit den Warren Brothers, die gleich drei Stücke auf diesem Silberling komponiert haben: „Good Girls“, eine atmosphärische Ballade (schöne Mandolinentupfer), mit surrendem E-Gitarren-Führungsriff, das locker dahingleitende „If I Died Today“, sowie das auch ihrer eigenen Musik sehr stark ähnelnde, ironisch getextete „I’m Only Jesus“ (psychedelischer Ausklang mit markantem Wah-Wah-E-Gitarren-Spiel). McGraw scheint zurecht einen großen Gefallen an den Songs der beiden gefunden zu haben. Die erste Single „It’s A Business Doing Pleasure With You“ hat bereits im Vorfeld die Top-15 der Charts erreicht.

Ein launiger Seitenhieb auf die Jet-Set-Girls der heutigen Zeit, gebracht im Stil von „Keep your Hands To Yourself“, dem Dan Baird-/Georgia Satellites-Klassiker, dessen flotte, gitarrendominierte, Southern Rock-typische Gestaltung (satter E-Gitarren-Rhythmus, klasse Solo) für viel Auflockerung sorgt. Apropos Southern Rock: Mit dem Titelstück „Southern Voice“ haut Tim einen richtigen Genre-Kracher heraus. Der Song huldigt diverse Musiker, wie Hank Williams, Tom Petty, die Allman Brothers und Charlie Daniels mit markanter Refrainzeile („We’re just boys, makin’ noise, with a Southern voice“), beinhaltet in erträglicher Form ein wenig amerikanischen Patriotismus, glänzt aber vor allem durch viel Power und zwei starken genre-typischen E-Gitarren-Passagen (am Ende mit Twin-Teil und anschliessendem, dynamischem Solo). Ein Klasse-Song, der Southern Rock-Freunden bestens gefallen dürfte.

Südsaaten-Atmosphäre verströmen auch Midtempo-Lieder wie „I Didn’t Know at The Time“, „You Had To Be There“ oder das abschließende „Love You Goodbye“ (u.a. unter Mitwirkung von Shannon Forrest, B. James Lowry, Tom Bukovac, Dan Dugmore), die mit viel Pathos im Stile von Referenzgrößen wie Travis Tritt, Montgomery Gentry oder den Van ZantBrüdern von McGraw vorgetragen werden. Einen Hauch von Sentimentalität bringt dann nochmal das balladeske und sehr authentisch gesungene „Forever Seventeen“. Ingesamt eine sehr starke Vorstellung von Tim McGraw! Feinste New Country-Musik von exquisiter Qualität! Guter Stoff als Grundlage für die längst fällige und hoffentlich bald in Angriff zu nehmende Live-DVD!

Curb Records (2009)
Stil: New Country

01. Still
02. Ghost Town Train (She’s Gone)
03. Good Girls
04. I Didn’t Know It At The Time
05. It’s A Business Doing Pleasure With You
06. If I Died Today
07. Mr. Whoever You Are
08. Southern Voice
09. You Had To Be There
10. I’m Only Jesus
11. Forever Seventeen
12. Love You Goodbye

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Tim McGraw – Emotional Traffic – CD-Review

Tim McGraw bezeichnet sein neues Album “Emotional Traffic”, das elfte Studiowerk seiner fortwährenden Bilderbuchkarriere, als das beste, das er je gemacht hat. Und keine Frage, auch „Emotional Traffic“ wird seinen Status als einen der ganz Großen der Countryzunft weiter fest zementieren. Wie immer hat McGraw auch diesmal, wie so oft zuvor, seinen feinen Spürsinn bei der Auswahl der richtigen Tracks walten lassen und hat traumwandlerisch sicher wieder einmal den Zahn der Zeit getroffen. Eine der ganz großen Stärken von ihm! Die Zweifel, dass die schon länger anhaltenden Querelen mit seinem Label (Tim und Curb Records zanken sich wegen differierender Meinungen in Sachen Vertragserfüllung immer noch vor Gericht herum, McGraw will die erfolreiche Liason ja spätestens mit dieser Scheibe beenden), vielleich negative Auswirkungen auf seine Leistung haben könnten, hat er jedenfalls eindrucksvoll vom Tisch gewischt.

Das Album ist richtig klasse und man sollte es vielleicht als versöhnlichen Abschluss einer nahezu perfekt funktionierenden Beziehung sehen. Aber im Juli dieses Jahres soll die Chose ja in die nächste Runde gehen… Schade, doch wie dem auch sei, McGraw, ein Profi durch und durch, hat sich von den Geschehnissen weder beeindrucken noch persönlich hängen lassen. Der bereits auf dem „Number One Hits“-Sampler präsentierte und auch auf diesem Album vertretene Vorbote „Felt Good On My Lips“ (ein flockiger Sommersong) hatte ja wieder die Pole-Position der Country-Single-Charts erklommen. Als zweite Single schickt sich jetzt „Better Than I Used Be“ (eine sehr warmherzige, mit schöner Steel-Begleitung und -Solo versehene Countryballade) mit besten Aussichten an, die Erfolgsleiter emporzuklimmen.

Ganze starke Kost bietet aber schon der Opener „Halo“, ein Track voller Atmosphäre, starkem Refrain und toller E-Gitarrenarbeit, vielleicht einer der besten Tracks, die Tim je abgeliefert hat. Ein großartiger Auftakt! Recht auffällig wieder seine mittlerweile schon fast traditionelle, intensive Zusammenarbeit mit den Warren-Brüdern (Brad und Brett), die ihre eigene musikalische Karriere ja so gut wie auf Eis gelegt haben, aber als Songlieferanten dick im Geschäft sind (so befindet sich auch beispielsweise ihr mit den Beavers-Brüdern für Toby Keith kreiertes, launiges „Red Solo Cup“ aktuell in den Spitzenregionen der Charts).

„I Will Not Fall Down“ (mit Tim und Martina McBride geschriebener, klassischer, kräftiger New Country mit emotionalem Powerrefrain), „The One“ und „Hey Now“ (beides groovige, dezent bluesige Gute-Laune-Songs, die bestens auf Tim’s Live-Entertainerqualitäten zugeschnitten sind) sowie das anfangs erwähnte „Felt Good On My Lips“ machen ein Drittel des Werkes aus. Stark auch das von Dee Ervine 1969 geschriebene, wieder aus der Traufe gehobene „One Part, Two Part“, bei dem Gattin Faith Hill tolle Harmoniegesänge abliefert.

Extravagant Tims Duett mit dem R&B-Sänger Ne-Yo (dessen Stimme erinnert hier ein wenig an die von Rascal Flatts-Leader Gary LeVox) beim melodischen „Only Human“, das ebenfalls wie „The One That Got Away“ (klasse Gesang von Tim, tolle E-Gitarre – könnte aus der „Set This Cicus Down“-Phase stammen) und auch das recht atmosphärisch abschließende „Die By My Own Hand“ weiteres Hitpotential verspricht. Produziert hat Tim wieder mit Langzeitbegleiter Byron Gallimore, an Musikern ist eine ganze Armada von Klasseleuten vertreten.

Fazit: Mit „Emotional Traffic“ hat Tim McGraw nochmal ein ganz starkes Zeichen in seiner Karriere gesetzt. Ein mehr als würdiger Abschluss der vermeintlich zu Ende gehenden McGraw/Curb-Ära. Top!

Curb Records (2012)
Stil: New Country

01. Halo
02. Right Back At Ya
03. One Part Two Part
04. I Will Not Fall Down
05. The One
06. Better Than I Used To Be
07. Touchdown Jesus
08. The One That Got Away
09. Felt Good On My Lips
10. Hey Now
11. Only Human
12. Die By My Own Hand

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Tim McGraw – Tim McGraw & The Dancehall Doctors – CD-Review

Nachdem ich den Weihnachtsurlaub und die letzten Wochen dazu genutzt habe, meiner anderen kreativen Ader (nein, es geht nicht um das Analysieren der genialen Spielzüge von Rot-Weiss Essen) in Form der Erstellung eines 2,00 m x 1,30 m großen Gemäldes zu widmen (allerdings inbegriffen einiger Nervenzusammenbrüche nach Fertigstellung, bei der Befestigung in gut 4,50 m Höhe…), als auch den Nachholtermin für unser ausgefallenes Symposium zu organisieren, kam mir der recht dürftige Nachschub an Rezensions-CDs, was meine Richtung betrifft, ganz gelegen.

Da es jedoch mittlerweile wieder kribbelt und ich ein wenig abergläubisch in Sachen erstem Artikel 2003 bin (nachdem die schöne Dreamcatcher-CD einen lebhaften Reigen toller Musik in der abgelaufenen Saison eröffnet hatte), habe ich, um auch auf der sicheren Seite zu stehen, den guten Tim McGraw zum Auftakt auserwählt. Und der aktuell wohl unangefochtene Superstar der New-Countryszene liefert erneut spitzenmäßige Arbeit ab.

Diesmal verzichtete er auf das gewohnte Who-Is-Who der Nashville-Studiomusiker und gab seiner langjährigen Live-Band, den Dancehall Doctors, die Gelegenheit, starke, wie immer, mit viel Feingefühl ausgewählte Lieder zu präsentieren. 15 Songs, mit einer fürs Genre nicht üblichen Spieldauer von 66 Minuten, lassen den McGraw-Fan, wie mich, frohlocken.
Der Opener „Comfort Me“ geht in die gleiche Kerbe wie „The Cowboy In Me“ vom letzten Album „Set This Circus Down“. Danach liefern sich kurzweilige Balladen a là „Tickin‘ Away“, „Red Ragtop“, „That’s Why God Made Mexico“ (mit herrlichem Barroom-Flair), „She’s My Kind Of Rain“, „All We Ever Find“ sowie „I Know To Love You Well“ und rockige Nummern wie „Illegal“ (klasse Southern Gitarren!), „Who Are They“ (aus der Feder von Brad und Brett Warren) oder „Real Good Man“ ein harmonisches Wechselspiel.

Dazwischen einige Midtempostücke wie z.B. „Home“, „Sleep Tonight“ und „Sing Me Home“, das mich stark an Jackson Brownes Running On Empty erinnert. Den Abschluss bildet der witzig gemachte Elton John-Klassiker „Tiny Dancer“, bei dem Tim den Herrn mit den vielen Brillen im Refrain durch Hochziehen der Stimme vortrefflich imitiert. Insgesamt eine wunderbar gelungene CD, die nach wie vor nur von meinem absoluten Favoriten „All I Want“ übertroffen wird
.
Jedenfalls hat Mr. McGraw mit kontinuierlichem Schaffen den Thron von Garth Brooks, der bei mir immer noch Sympathiepunkte aufgrund der geleisteten Pionierarbeit besitzt (immerhin der einzige, der sich mal hier in good ol‘ Germany für Konzerte blicken ließ), endgültig bestiegen.

Tja, mein guter Tim! Wäre es nicht auch mal an der Zeit, Dir die Warren Brothers als Support zu schnappen und endlich hier aufzulaufen? Ich garantiere dir genauso volle Hallen, wenn nicht noch längere LaOlas als bei Garth, und eine Fangemeinde, die dich grenzenlos lieben wird! Bitte glaub es mir…

Curb Records (2002)
Stil: New Country

01. Halo
02. Right Back At Ya
03. One Part Two Part
04. I Will Not Fall Down
05. The One
06. Better Than I Used To Be
07. Touchdown Jesus
08. The One That Got Away
09. Felt Good On My Lips
10. Hey Now
11. Only Human
12. Die By My Own Hand

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Faith Hill – When The Lights Go Down – DVD-Review

Ich war zugegebenermaßen relativ enttäuscht, als ich mir vor einiger Zeit ihre CD „There You’ll Be“ zugelegt habe. Von New Country keine Spur, die Produktion empfand ich trotz hochkarätiger Musikerbesetzung ein wenig blass und langweilig. So ging ich an diese Thanksgiving-Fernsehproduktion mit eher gemischten, ja sogar ein weinig skeptischen Gefühlen heran, zumal fünf Stücke des o.a. Werkes hier ebenfalls eingebunden wurden, allerdings in überarbeiteter Form, wie sich im Verlauf herausstellen sollte.

Und, um es vorwegzunehmen, ich habe bisher keine Sekunde dieser DVD bereut. Wirklich sehr unterhaltsam und angenehm gemacht. Bei einer so schönen Frau wie Faith Hill hört das Auge eben mit. So zum Beispiel beim Auftakt-Smash-Hit „When The Lights Go Down“. Faith im schwarzen, langen, tief ausgeschnittenen Glitzerkleid, braungebrannt, zart geschminkt, mit lockig nach hinten toupiertem blondem Haar, umringt von einem großen Orchester und ihren Musikern in einem mit Holzfußboden bestücktem, großen Studio in Los Angeles, im dezenten Lichtspiel mit an der Decke hängenden Reflektoren in atmosphärische Bilder gesetzt.  Ihre Stimme kann sich in der prächtigen Akustik richtig ausleben, Gitarrist Dann Huff setzt mit einem tollen Kurz-Solo ein erstes Zeichen. Eine Delikatesse für Auge und Ohr!

Sollte man meinen, dass so eine Geschichte völlig auf den Hauptakteur fokussiert ist, so wird man angenehm überrascht. Zweifelsohne dreht es sich um Faith Hill, aber die Künstlerin bettet sich durch ihr unaufdringliches Verhalten – von Arroganz oder Affektiertheit keine Spur – in ein perfektes Gesamtkonzept fließend ein. Man spürt, dass sie das starke Fundament, auf dem sie steht, zu schätzen weiß.

Wie sagte mal ein Fußballtrainer, ich meine es war Huub Stevens, damals noch tätig bei einem Essener Vorstadt-Klub: „Der Star ist die Mannschaft.“ In diesem Fall würde ich es so formulieren: Der Star ist die Band, und Faith ein sicherlich nicht unwichtiger Teil davon. Da wären Drummer Vinnie Colaiuta, der seine Trommeln nicht erbarmungslos, sondern mit viel Gefühl bearbeitet oder der mit einer viel zu großen Schlägerkappe bedeckte Bassist Paul Bushnell, der mit groovenden Kopfbewegungen den Rhythmus der Songs lebt und mitgestaltet. Der vollbärtige Keyboarder Greg Matheison, mit seinem zum Zopf nach hinten gebundenem grauem Haar, der bei der Neukonzeption von „Let Me Let Go“, auf Zuruf von Faith, um dem Song einen Gospeltouch zu verpassen, mal so eben spontan die Hammond Orgel dazwischen streut.

Nicht zu schweigen von den beiden Gitarristen. Wunderbar filigrane Arbeit von Michael Thompson und Musikkoordinator Dann Huff an den Akustik-, Rhythmus- und Leadgitarren, einfach Weltklasse. Man höre sich „Breathe“ an. Dafür wurde Carlos Santana verpflichtet. Ziemlich niedlich, wie Faith ihn ehrfürchtig in seinem Zimmer besucht, um den Song durchzusprechen und außer Fassung vor Glück zu sein scheint, mit einer solchen Legende arbeiten zu dürfen. Dabei ist sie doch längst selbst ein großer Star, der sich hinter niemandem verstecken braucht.

Und so sitzen dann Faith, Carlos, Michael und Dann auf Barhockern in diesem anfangs erwähnten, großen Studio. Die beiden letztgenannten liefern mit ihrem akustischem Spiel ein fulminanten Teppich für Carlos typisch eingeworfene E-Gitarren-Riffs und Mrs. Hills klare Stimme. Als das Stück zu Ende ist pustet Faith ihre überwältigten Gefühle mit einem lauten Uuh heraus und das kann man nachempfinden. Wow, das war Gänsehaut pur! Nicht zu vergessen auch die drei Backgroundsänger Perry Coleman, Lisa Cochran und Bekka Bramlett. Letztere ein Energiebündel und blonder Irrwisch, die ihresgleichen sucht. Sie hat ebenfalls locker das Zeug zur Frontfrau.

So passt einfach, ob live oder im Studio eingespielt, ein Mosaiksteinchen ins andere. Wirklich mal eine lohnenswerte Alternative zum stümperhaften Bildmaterial, was man von unseren Musikfernsehsendern tagtäglich bis zum erbrechen vorgesetzt bekommt. Die live gespielten Lieder sind alle in einem kleinen Klub aufgenommen. Die Band ungezwungen und hautnah auf der Bühne. Da kann man richtig neidisch werden, hier in unserem Land leider undenkbar.

Die Musik hat sicherlich nichts mehr mit New Country zu tun, auch wenn sämtliche Akteure hauptsächlich im Genre beschäftigt sind, stört in diesem Fall aber nicht großartig. Es geht alles mehr in Richtung, wie Joe Cocker, Rod Stewart oder Tina Turner ihre Performances zu geben pflegen. Melodischer Pop-Rock würde ich sagen. Sämtliche Songs sind zwischen Midtempobereich und Powerballaden anzusiedeln.

Die Spielfreude steht einfach im Mittelpunkt. Da kriegt wohl selbst so ein alter Hase wie Dann Huff nostalgische Gefühle, in Erinnerung wohl an zurückliegende Giant-Zeiten, und zaubert bei „Back To You“ ein heavy-melodic-artiges Solo in den Song. Stark auch das funkig-dynamisch dahinrockende „Free“. Da kommt selbst der letzte Tanzmuffel aus den Hufen.

Interessant auch mal zu sehen, wie so ein Videoclip entsteht. Faith in Mitte von drei durchsichtigen weißen Leinwänden, auf denen nett anzusehende Mädels mit schrillen Plastikkopfbedeckungen ihre tänzerischen Fähigkeiten zum Besten geben. Durch Wandlungsfähigkeit besticht die Gute, ähnlich wie Shania Twain, beim „Pearl Harbor“-Titelstück „There You’ll Be“, wieder mit pompöser orchestraler Begleitung, das sie als Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere bezeichnet, bei dem sie äußerlich ein wenig Julia Roberts nahe kommt, oder richtig jugendlich mit glattem Haar und Mittelscheitel wirkend, bei der rockig aufgepeppten Version von „This Kiss“.

So richtig nett wird es dann für das männliche Auge beim angehängten Fotospezial. Ja, Gatte und ebenso Superstar Tim McGraw hat auch hier viel Feingefühl bewiesen. Ich kann mich zwar ebenfalls glücklich schätzen, eine attraktive Dame an meiner Seite zu wissen, aber wie fordert der Kollege Schneider doch immer so oft, auch den Blick mal über den Tellerrand zu werfen. In diesem Fall tat ich es sogar sehr gerne. Bildqualität und Sound sind sehr gut.

Warner Music Vision (2003)
Stil: New Country

01. When The Lights Go Down
02. The Way You Love Me
03. Free
04. Let Me Let Go
05. Cry
06. One
07. There You’ll Be
08. This Kiss
09. Breath
10. If You’re Gonna Fly Away

Bonus Tracks:
11. Stronger
12. Back To You

Faith Hill
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Tim McGraw – Let It Go – CD-Review

Drei Jahre mussten seine Fans warten, jetzt ist es endlich soweit, das neue Album „Let It Go“ von Superstar Tim McGraw ist da! Zu seinen expliziten Stärken gehörte es immer, klug und geschickt die für ihn maßgeschneiderten Songs auszuwählen. Das ist nun mal die bequeme Lage eines Megastars, denn die etablierten Songwriter „bombadieren“ ihn regelrecht mit interessanten Songs. Allerdings sollte auch der hohe Erfolgs-Druck nicht unerwähnt bleiben, denn von einem Tim McGraw erwartet man einfach immer eine starke Leistung. Doch alles kein Problem, das kriegt er auch diesmal wieder bestens hin.

Das Material ist sehr ausgewogen. Viele Balladen, doch eigentlich ist für jeden, der sich in der Countrymusic, welcher Couleur auch immer, heimisch fühlt, etwas dabei. McGraw ist ein Künstler, der immer wieder aufs neue das richtige Gespür für der Geschmack seiner großen Fangemeinde entwickelt, und dies auf höchstem musikalischen Niveau umsetzt. Die Zusammenarbeit mit seiner Liveband, den Dancehall Doctors, hat sich bei den letzten Alben auch im Studio sehr bewährt, was zur Folge hat, daß die Jungs auch diesmal wiede zum Zuge kommen. Man spürt keinerlei Unterschied zu den sonst Nashville-Kreisen involvierten klasse Studio-Musikern. McGraws Band spielt ungemein stark auf.

Lediglich der Langzeit-Weggefährte und Produzent Byron Gallimore, Ehefrau Faith Hill und ein paar arrivierte Backgroundsänger (Wes Hightower, Russell Terrell, Greg Barnhill) bilden dezente Ergänzungen zum exzellent eingespielten Bandgefüge. Die CD startet direkt mit der ersten Single „Last Dollar (Fly Away)“ aus der Feder von Big Kenny (vom ebenfalls angesagten Star-Duo Big & Rich), ein „familienfreundlicher“, melodischer und moderner Midtempo-„Gute Laune-Country-Pop“-Song mit feinem Accapella-Intro und einem lustigen Kinderchor am Schluss, der sich auch schon wieder auf Platz 2 der Billboard Country-Single-Charts positioniert hat und ungeduldig darauf wartet den Thron zu besteigen. „I’m Workin’“ (schöne Komposition vom Singer/Songwriter-Gespann Lori McKenna und Darrell Scott) und der Titelsong „Let It Go“ sind zwei, mit typisch McGraw’scher emotionaler Wärme ausgestattete „Mitfühl“-Songs.

Dass Tim durchaus auch auf traditionellem Countryparkett eine gute Figur abgibt, beweist er bei dem starken „Whiskey And You“ (eine herrliche „Cryin’ in my Beer“-Ballade mit klasse Telecaster-Spiel und hohem Steel-Anteil), „Kristofferson“ (da sagt der Titel eigentlich schon alles – im Stil der großen Country-Ikonen dargeboten) und das abschließende, kräftige „Shotgun Rider“ (sehr interessantes Songwriter-Trio mit Sherrie Austin, Anthony Smith und Jeffrey Steele), bei dem Gattin Faith Hill in bester Dolly Parton-Manier die Harmoniegesänge beisteuert. Hill ist übrigens auch beim „Liebes-Duett“ „I Need You“ in einer Strophe an vorderster Gesangs-Front mit von der Partie.

Interessant auch die nicht so ganz countrytypischen Stücke, wie das soulig, entspannte „Suspicions“ (McGraw singt fast so introvertiert wie einst Robert Palmer, die instrumentelle Note erinnert, wegen des Klasse-E-Spiels am Ende, sogar dezent an Santana) und das folkig angehauchte, großartige „Comin’ Home“, die allerdings trotzdem, vor allem durch die Einbindung von Fiddle und Steelguitar harmonisch im Gesamtbild des Albums ihr Plätzchen finden. Die beiden vielleicht besten Nummern des Albums ergeben sich durch die mittlerweile auch schon obligatorische Zusammenarbeit mit den Warren Brothers.

Zum einen covert McGraw „Between The River And Me“ von deren letztem Werk „Well-Deserved Obscurity“ in ähnlich brillanter, rockiger Form (toll hier die Kombination von Mandoline und satten E-Gitarren-Riffs), zum anderen präsentiert er den voller Outlaw-Flair steckende Country-Southern-Rocksong „Train #10“, den er zusammen mit den beiden Brüdern geschrieben hat. Stark! Fazit:  Tim McGraw (in bestechend guter Gesangsform) und seine prächtig aufspielenden Dancehall Doctors haben mit „Let It Go“ das nächste Hit-Album geschaffen. Garantiert! Qualität und Erfolg stehen hier in einem angemessenen Einklang! Moderne Country-/New Countrymusik der absoluten Spitzenklasse!

Curb Records (2007)
Stil:  New Country

01. Last Dollar (Fly Away)
02. I’m Workin‘
03. Let It Go
04. Whiskey and You
05. Suspicions
06. Kristofferson
07. Put Your Lovin‘ On Me
08. Nothin‘ to Die For
09. Between The River and Me
10. Train #10
11. I Need You (mit Faith Hill)
12. Comin‘ Home
13. Shotgun Rider

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Faith Hill – Fireflies – CD-Review

In Sachen Faith Hill können wir mit zwei Nachrichten aufwarten. Einer Guten und noch einer Guten. Zum einen ist der weibliche Superstar (fünf Mehrfach-Platin-Alben, neun Nr. 1 Hits , mehrfache Grammy Gewinnerin) von ihrem Ausritt in bombastische Pop-Gefilde endlich wieder in heimatliche, „richtige“ (New) Country-Gefilde zurückgekehrt, zum anderen ist ihr nach fast dreijähriger Pause mit ihrem sechsten Silberling „Fireflies“ dabei auch noch eine solch starke Scheibe gelungen (vielleicht ist es sogar ihr bestes Album bis dato überhaupt), die zweifellos jede Menge Fans, die sich erbost von ihr abgewendet hatten, wieder zurück ins Boot holen wird.

Produziert hat Faith einmal mehr mit Dann Huff, mit dabei am Mischpult aber auch der etatmäßige Weggefährte ihres Ehemanns Tim McGraw, Byron Gallimore! Beim Durchblättern des umfangreichen Bookletts (mit allen Texten) fällt sofort auf, dass Faith bei der Auswahl der vielen exzellenten Songschreiber (u. a. The Warren Brothers, Rivers Rutherford, Darrell Scott, Craig Wiseman) diesmal insbesondere auf zwei Komponisten gesetzt hat. Mit John Rich (Part des angesagten und im Moment mega erfolgreichen Duos Big & Rich) und der zierlichen Americana-Singer/Songwriterin Lori McKenna wurden fast die Hälfte der 14 neuen Stücke abgedeckt, die sich trotz ihrer unterschiedlichen Ansätze wunderbar ins Gesamtgefüge des Albums integrieren.

Rich ist naturgemäß mehr für die lockere Gangart der Lieder verantwortlich, während McKenna der textlich anspruchsvolleren Note Genüge tut, aber auch erstaunlich schöne Melodien damit verbindet. Dazu sind sämtlich Songs, ob knackiger New Country oder traditionell verwurzelte, herrlich dahin fließende, entspannte Nummern in wunderbare, reine Arrangements verpackt. Das ist logischerweise nicht zuletzt ein Verdienst der, wie immer, überragend agierenden Musiker. Bis in die kleinsten Ecken, und gleich mehrfach, ist jedes Instrument mit den absoluten Könnern des Genres besetzt worden.

Wenn man sich allein die Liste der Background-Sängerinnen und -Sänger einmal anschaut, wird einem ganz flau im Magen. Vom Vulkan Bekka Bramlett, über Wes Hightower, Rhonda Vincent, Kelly Willis, Bret Warren, Perry Coleman, Lisa Cochran und einigen anderen, bis hin zu ihrem Gatten Tim McGraw reicht die Liste – alles absolute Hochkaräter. Letztgenannter „haucht“ bei der romantischen, aber kraftvollen Ballade „Like We Never Loved Before“ (aus der Feder von John Rich) so unnachahmlich dazwischen, dass dieser Song durchaus die Nachfolge des einst so erfolgreichen Duetts der beiden „It’s Your Love“ antreten könnte.

Als erste Single wurde jedoch „Mississippi Girl“ ausgewählt, auf „Fireflies“ nach dem, wie es der Titel schon verspricht, flockigen Sommersong „Sunshine and Summertime“ (getragen von einem relaxten Banjospiel), der das Werk mit angenehmer Temperatur eröffnet, als zweiter Song platziert. „Mississippi Girl“, ist ein knackiger, flotter Song mit leichtem Southern-Flair, durchsetzt von den schönen, rockigen Gitarrenriffs eines Tom Bukovacs, klasse Mandolinen-Begleitung von Darrell Scott, einem kleinen E- und Steel- Gitarren-Schlagabtausch der Herren Huff und Dugmore, dazu dezente Akkordeon-Untermalung von Tim Lauer! Das Stück hat bereits zurecht Platz vier der Country-Billboard-Charts mit Blick nach oben erklommen.

Wird wohl Faiths nächste Nummer 1 werden! Die allerletzten Zweifel der Countrygemeinde, daß Faith wieder auf die richtigen Pfade zurückgefunden hat, dürfte dann das großartige „Dearly Beloved“ vom Tisch wischen, wo richtig traditionell mit herzerfrischendem Gefiddel die Post abgeht, und so manche Squaredance-Truppe vor eine neue Aufgabe gestellt werden dürfte. Erwähnenswert, wie gesagt, aber auch die drei McKenna-Stücke „Stealing Kisses“, der wunderbare Titeltrack „Fireflies“ (mit toller Akustikgitarren- Mandolinen- und Dobroarbeit), sowie „If you Ask“, die dem Gesamtwerk viel Tiefe vermitteln und Faiths ganze Gesangsklasse offenbaren.

Aufgepeppt wird die Geschichte dann mit tollen Gute-Laune-Nummern wie zum Beispiel „The Lucky One“, geschrieben von den Warren Brothers, allerdings nicht zu verwechseln mit deren Stück „The Lucky“, oder dem von einer kratzigen Mandoline geführten, leicht rootsigen „We’ve Got Nothing But Love To Prove“, das sogar ein kleines überraschend angedeutetes Steel-Reggae-Break enthält, auch ein kleines Indiz für die spürbare Spielfreude der beteiligten Akteure. Auffällig ist, wie mit zunehmender Spieldauer solche den ursprünglichen Country-Traditionen zuzuordnenden, typischen Intrumente wie Mandoline, Dobro, Fiddle, Akkordeon neben den allseits brillant dargebotenen Akustik- und E-Gitarrenparts von Bukovac, Huff, Greenberg und Co. für immer mehr Akzente sorgen.

Die mit gut 57 Minuten Spielzeit recht üppig ausgestatte CD lässt von vorn bis hinten keine Wünsche offen! Der „Back-To-The-Roots-Trip“ der immer noch blendend aussehenden Faith Hill macht richtig Spaß! Das ist die Faith Hill, die die Countryfans hören wollen! Kompliment, Mrs. Hill, und die alten Sünden sind verziehen! Übrigens. Sollte in Europa wieder eine nachträglich poppig eingefärbte Extra-Ausgabe dieses Albums erscheinen, bei uns gibt’s immer die Original US-Country-Ausgabe!

Warner Records (2005)
Stil: New Country

01. Sunshine And Summertime
02. Mississippi Girl
03. Dearly Beloved
04. I Ain’t Gonna Take It Anymore
05. Stealing Kisses
06. Fireflies
07. Like We Never Loved At All
08. I Want You
09. The Lucky One
10. If You Ask
11. We’ve Got Nothing But Love To Prove
12. You Stay With Me
13. Wish For You

Faith Hill
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Baerchen Records

Lori McKenna – Unglamorous – CD-Review

Fünftes Album von Lori McKenna, zum ersten mal unter einer „Major-Flagge“ und produziert von Tim McGraw und Byron Gallimore! Wundervoller, höchst anspruchsvoller, von Loris grandioser Songwriter-Kunst, Melodik und vorzüglicher Stimme getragener, genauso rootsig veranlagter, wie modern und radiotauglicher Americana-/New Country-Rock-Pop, der sie endgültig in der „ersten Liga“ etablieren dürfte. Die sehr gefragte, geschätzte und äußerst beliebte Singer/Songwriterin hatte ja in den letzten Jahren schon des Öfteren mit dem Faith Hill-/Tim McGraw-Clan zusammengearbeitet.

So schrieb sie beispielsweise einige sehr erfolgreiche Songs für deren letzte Alben und partizipierte auch an der diesjährigen U.S.-Tour der beiden. Unter diesen Vorzeichen dürfte eine Polarisierung nicht nur der McGraw-/Hill-Klientel, sondern der gesamten New Country-Szene vorprogrammiert sein. Recht so, denn Lori hat eine Menge zu bieten, auch abseits des Nashville-Mainstreams! Diverse Kritiker werden sicher nun „aufschreien“, dass die 36-jährige fünffache Mutter möglicherweise ihre bisher bewahrte Zwanglosigkeit der „heilen Independent-Welt“ zugunsten eines Nashville Major-Deals aufgeben könnte, doch die Sorgen sind völlig unbegründet. Zudem hat sie es absolut verdient, irgendwann einmal die Früchte einer kontinuierlich guten Arbeit zu ernten.

McGraw und Gallimore halten sich angenehm zurück und lassen der Künstlerin wirklich genug Freiheit und Spielraum , ihre eigenen Ideen und Intensionen umzusetzen. Die Songs klingen vielleicht nicht mehr ganz so „rough“ und unbehandelt wie früher, sind zum Teil etwas moderner und „mainstreamiger“ gehalten, doch das kommt richtig gut, denn Lori bewahrt zu jeder Sekunde des Albums ihre rootsigen Wurzeln und findet somit die nahezu perfekte Synthese zwischen rootsiger Americana-/Alternate Country-Musik und sehr melodischem, Nashville-kompatiblen Top 40 New Country-Rock-/Pop! Als prallten die Philosophien von Lucinda Williams, Linda Ronstadt, Faith Hill und Sheryl Crow aufeinander!

Klasse! Natürlich hilft auch die große Schar erfahrener 1A-Musiker wie Shannon Forrest, Bryan Sutton, Glenn Worf, Dan Dugmore, Tom Bukovac, Tony Harrell, Stuart Duncan etc. in beeindruckender Selbstverständlichkeit diesen Balanceakt zu bewältigen, sich nicht zu sehr von McKennas Ursprünglichkeit wegzubewegen. Dazu kommt noch jede Menge Background-Gesangs-Prominenz wie von Hill, McGraw und Gallimore persönlich, aber auch von Greg Barnhill, Bekka Bramlett, Kelly Willis und Buddy Miller, die alle ebenfalls mit vornehmer Zurückhaltung, jedoch wunderbar harmonisch ihren Beitrag leisten. Loris Stimme klingt frisch und variabel. Es scheint ihr sichtlich Freude zu bereiten ihre bewährten kleinen Alltagsgeschichten zu präsentieren.

Der großartige Eröffnungstrack „I Know You“ beispielsweise, beginnend mit einem schönen kurzen Baritone E-Gitarren-Intro, entwickelt sich mit vielen integrierten Tempowechseln zu einem interessant und peppig gestalteten Roots-Pop-Rock-Song, bei dem eine klasse Akustik-, E-Gitarren- und Mandolinenarbeit hervorstechen. Phantastisch auch das anschließende Titelstück „Unglamorous“, eine flotte, dynamische, von einem tollen Bass-Groove angetriebene, herrlich melodische, Americana-angehauchte New Country-Pop-Nummer! Einige Gänge runtergeschaltet wird dann bei „Your Next Lover“, wobei das melancholische Country-Flair des Songs durch dezente, in keinster Weise störende Streicherpassagen hervorgehoben wird. „I’m Not Crazy“ bewältigt McKenna danach in lockerer Sheryl Crow-Manier. Bei „Falter“ einem wundervollen, introvertiertem Kleinod, ist sie dagegen wieder ganz sie selbst.

Etwas poppiger wird es dann wieder bei dem schönen „Witness For Your Life“, besonders im Refrain. Das Lied erinnert ein wenig an die Sachen von Stevie Nicks. Schön hier die Mandolinen-Fills und das herrliche E-Gitarren-Solo von Tom Bukovac. Eine tolle „Cryin’ In My Beer“-Countryballade der etwas anderen Art gibt’s dann mit dem starken „Drinkin’ Problem“ (klasse Mandolinen-/Gitarren-Begleitung). Hier wird nicht voller Selbstmitleid vor sich hingesäuselt, sondern sich in bester McKenna’scher Art unverblümter den Tatsachen gestellt. Stark die von Tim McGraw auf den Punkt eingestreuten Harmony-Parts. Ebenfalls mit feiner Countrynote (Fiddle, Steel) werden bei „How To Survive“ in humorvoller Weise die Probleme einer Alltags-Beziehung reflektiert.

Das für Loris Verhältnisse recht aggressiv vorgetragene „Written Permission“ überrascht dann mit einem leicht psychedelisch angehauchten, Roots-poppigen Ambiente. Der forsch dahinpreschende Rhythmus hat viel pep! Bei den beiden großartigen Schlussnummern „Confetti“ (in der Art einer Nanci Griffith oder Mindy Smith) und dem autobiographischen „Leaving This Life“ (hier wird der Tod ihrer Mutter behandelt, als Lori gerade mal sechs Jahre alt war) findet McKenna dann wieder zu ihrer ursprünglichen, nachdenkliche Singer-/Songwriter-Mentalität zurück.

Fazit: Trotz der durchaus etwas moderneren musikalischen Gangart hat Lori McKenna mit „Unglamorous“ in keinster Weise „ihre Seele verkauft“. Im Gegenteil, ihre Songs klingen glaubwürdig wie eh und je. Toller, manchmal zurückhaltender, nachdenklicher, dann aber auch wieder sehr peppiger, würziger und flotter Roots-, Country-,-Rock-, Pop-, Singer-/Songwriter-Stoff einer Interpretin, die auch unter der „Major-Regie“ eine Menge zu sagen hat. „Unglamarous“ und überaus beeindruckend! Daumen senkrecht nach oben für Lori McKenna!

Warner Records (2007)
Stil: New Country / Singer/Songwriter

01. I Know You
02. Unglamorous
03. Your Next Lover
04. I’m Not Crazy
05. Falter
06. Witness to Your Life
07. Drinkin’ Problem
08. How To Survive
09. Written Permission
10. Confetti
11. Leaving This Life

Lori McKenna
Bärchen Records

Taylor Swift – Same – CD-Review

Man glaubt es kaum. Das Mädel ist erst 16 Jahre alt, sieht mit ihrer blonden Lockenmähne aus wie ein Engel, singt wie ein Engel und scheint mit fast sensationellem Talent gesegnet zu sein. Schon frühzeitig wurde ihre musikalische Veranlagung durch ihre Großmutter, eine professionelle Opernsängerin erkannt und von ihren Eltern gefördert. Ab dem 10. Lebensjahr trat sie bereits auf diversen Veranstaltungen auf. Ein Höhepunkt war sicher, als sie die Hymne der NBA Basketball-Truppe aus Philadelphia vor Tausenden von Fans singen durfte. Das war mit 11!

Ein weiteres Jahr später lernte sie Gitarre spielen und Songs zu schreiben. Heute, gerade mal im besten Teenager-Alter, konnte sie aus einem Fundus von mittlerweile über 200 eigenen Stücken die Auswahl für ihr Debüt-Album treffen. Respekt, Respekt! Unter die Fittiche genommen wurde sie durch Big Machine Records-Chef Scott Borchetta, wo sie sich mit Leuten wie Danielle Peck, Jack Ingram und Jimmy Wayne in sehr guter Gesellschaft befindet. Elf Songs, die sich alle im 3-4 Minuten Bereich befinden, schafften es letztendlich auf ihren Erstling, wovon die Single, gleichzeitig der Opener, eine angenehme, traditionell verwurzelte Countryballade (wunderschön mit Dobro, Akustikgitarre, Mandoline und Fiddle instrumentiert) mit dem recht medienwirksamen Titel „Tim McGraw“ bereits den Weg in die Top 20 der Billboard-Country-Singles-Charts angetreten hat. Das Stück versprüht ein dezentes Dixie Chicks-Flair, nicht nur aufgrund von Swifts Stimmähnlichkeit zu Nathalie Maines.

Immer wieder reichen sich in regelmäßigem Abstand schmalzfreie Balladen und poppig angehauchte Midtempo New Country-Stücke die Klinke in die Hand, wobei das Poppige nicht durch künstliche Effekthaschereien erreicht wird, sondern durch die sehr knackige, moderne Spielweise der beteiligten Klassemusiker, und das an den typischen, Country-fundamentierten Instrumenten. Wer von Banjo- und Dobro-Spiel fasziniert ist, kommt hier besonders auf seine Kosten. Ihr Produzent, ebenfalls sehr stark als Musiker involviert (Akustik-, E-Gitarre, Banjo, Drums, Bass, B3-Organ, Piano, Mandoline und Harmony Vocals!), Nathan Chapman, sorgte für einen sehr transparenten und klaren Sound. The Wreckers, SHeDAISY (bei „Pictures To Burn“ oder „Should’ve Say No“ und Our Song“), Deana Carter, Little Big Town (bei der schönen Ballade „Teardrops On My Guitar“), die bereits erwähnten Dixie Chicks (nochmals bei „Tied Together With A Smile“) oder sogar Sheryl Crow (bei „Stay Beautiful“) kann man als prominente Vergleichsgrößen anführen, was ein gewaltiges Maß an musikalischer Frühreife attestiert.

Insgesamt ein klasse Album, das man entspannt in einem Rutsch durchhören kann, ohne das ein Funke Langeweile aufkommt. Also, wenn es dieses Jahr um die Titel für den besten „Jungprofi“ bei den Awards in Nashville (sie ist mit ihren Eltern übrigens mittlerweile nach Tennessee gezogen) geht, dürfte Taylor Swift bei den Nominierungen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Sollte das Mädel weiter behutsam geführt werden, wovon man bei Label-Chef Borchetta ausgehen kann, ist der Weg zum Stardom nicht mehr in allzu weiter Ferne. Sehr gutes Debüt einer musikalisch reifen und talentierten Singer/Songwriterin (darf man schon jetzt sagen, mit gerade mal 16 Lenzen)! Die „enhanced“ CD enthält übrigens auch das „Tim McGraw“-Video und ihr Debüt bei der Grand Ole Opry, sowie ein reichlich bebildertes Booklet mit allen Texten und Credits. Beeindruckender Karrierestart, Miss Swift!

Big Machine Records (2006)
Stil: New Country

01. Tim McGraw
02. Picture To Burn
03. Teardrops On My Guitar
04. A Place In This World
05. Cold As You
06. The Outside
07. Tied Together With A Smile
08. Stay Beautiful
09. Should’ve Said No
10. Mary’s Song (Oh My My My)
11. Our Song

Taylor Swift
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