Radney Foster – For You To See The Stars – CD-Review

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Abschließen möchte ich das Jahr mit einem der ganz großen Singer/Songwriter unseres Metiers, unserer Zeit, mit Radney Foster. Hier schon einige Male besprochen, hat der Anwaltssohn, geboren 1959 in Del Rio, Texas, im September mit „For You To See The Stars“ ein weiteres, unaufdringliches Meisterwerk geschaffen.

Bekannt wurde Radney zunächst Mitte der Achtziger Jahre mit seinem Partner Bill Lloyd als Duo Foster & Lloyd (übrigens 2011 auch mit einem durchaus passablen Comeback-Album „It’s Already Tomorrow“ kurzzeitig wieder präsent), bevor er sich 1992 auf eigene Pfade begab.

Seine Songs wurden durch viele Künstler wie u. a. Keith Urban, Sara Evans, Dixie Chicks oder Hootie & The Blowfish gecovert, nicht zu vergessen auch seine Tätigkeiten als Produzent zweier Alben für die Randy Rogers Band.

Mit dem Brille-tragenden Foster (einer der wenigen in der Branche), verbindet man schon von seinem rein äußerlichen Erscheinungsbild, einen gewissen Intellekt, der sich im Rahmen seiner Texte, in Kombination mit seinem immer etwas steif wirkenden Gesang (aber mit einer ungemeinen Markanz)  und der dezent introvertiert klingenden Musik bestätigt.

„For You To See The Stars“ (übrigens parallel von Radney auch als Buch mit zehn Kurzgeschichten aufgelegt), beginnt sofort mit dem Titelstück, einer Ode an das ‚Prinzip Hoffnung‘, das sich thematisch auch durch dieses Werk fortführt. Frei nach dem Motto, egal was auch passiert, es gibt irgendwo immer Licht am Ende des Tunnels.

Das grassige, familiäre „Greatest Show On Earth“ (wunderbar mit den typischen Instrumenten wie u. a. Akustikgitarre, Fiddle und Mandoline in Szene gesetzt) bildet mit seiner Spielfreude und dem fröhlichem Unterton, einen Ausgleich zum etwas schwermütigen  Vorsong.

„It Ain’t Done With Me“ erinnert sofort an countryrockige Sachen von Pat Green oder Jack Ingram. Die Skynyrd-umwehten Gitarren-Soli werden auch Southern Rock-Freaks begeistern. Das eher durch Keith Urban zu Bekanntheitsgraden gelangte „Raining On Sunday“ (hier jetzt als Neuauflage der Altversion Fosters von 1999 nochmals modifiziert) ist so ein Track, bei dem man sofort ein gewisses Etwas spürt und der auf dem Fuße (für immer) hängen bleibt. Zweifellos ein ganz großer Moment in Radneys kreativem Schaffensspektrum.

Mit dem der Veteranen-Thematik zugewendeten „Belmont And 6th“, dem Filmmusik-tauglichen „Rock And Roll Slow Dance“, der Ballade „While You Were Making Time“ (wäre ein Cover-Kandidat für Joe Cocker gewesen, wenn er noch leben würde), dem politischen Country-Storyteller „All That I Require“ und dem swampigen „Howlin‘ (Richtung CCR/Tony Joe White) bekommt man die geballte Ladung Fosterscher Musik-Divergenz, immer unter der Prämisse eines hohen Anspruchs, geboten.

Das melancholische „Sycamore Creek“ (plus instrumentelle Reprise im Anschluss) mit herrlichen weiblichen Harmoniegesängen, wunderbaren Piano- und Steelfills) interpretiere ich mal frei als Danksagung des dreifachen Familienvaters an die Toleranz und Ausdauer seiner Frau, seinem (genialen) musikalischen Treiben, über die Jahre hinweg, den nötigem Freiraum einzuräumen.

Fazit: Mit „For You To See The Stars“ untermauert Radney Foster erneut seinen Status als einer der ganz großen intellektuellen Musikpoeten des Country/Roots/Red Dirt-Genres und darüber hinaus. Am Ende dieses, in jeder Hinsicht packenden und faszinierenden Werkes, sind ‚goosebumbs on your skin‘ eine unweigerliche Begleiterscheinung!

Devil’s River Records (2017)
Stil: Country (Rock) / Singer/Songwriter

01. For You To See The Stars
02. Greatest Show On Earth
03. It Ain’t Done With Me
04. Raining On Sunday
05. Belmont And 6th
06. Rock And Roll Slow Dance
07. While You Were Making Time
08. All That I Require
09. Howlin‘
10. Sycamore Creek
11. Sycamore Creek (Instrumental Reprise)

Radney Foster
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Keith Urban – Defying Gravity – CD-Review

Urban

Das Warten hat ein Ende! Keith Urbans fünftes Studioalbum ist da – und wie man es eigentlich schon erwarten konnte: Es ist wieder eine absolute Meisterleistung von Keith geworden. Flotter und „rockiger“ als der Vorgänger (der Balladenanteil ist wesentlich geringer), voller sprudelnder Frische, beweist er nachdrücklich, dass an ihm in Sachen rockigem Modern New Country mit ein paar gepflegten „Pop-Sensibilities“ absolut kein Weg vorbei geht.

Produziert hat Keith sein neues Werk, wie gehabt, zu großen Teilen mit Dann Huff (ein Lied alleine). Beide haben natürlich wieder ein klangvolles Musikerteam um sich versammelt (u.a. Chris McHugh, Jimmie Lee Sloas, Tim Akers, Charlie Judge, Stuart Duncan, Eric Darken, Russell Terrell, Jerry Flowers sowie die, neben Keith selbst, prächtige Gitarrenarbeit zuliefernden Parade-Gitarristen, Tom Bukovac und Adam Shoenfeld). Huff spielt dazu noch diverse Saiteninstrumente (Akustik- E- Gitarre, Mandoline, Ganjo).

Auch Keith beweist einmal mehr sein ganzes Allround-Können: Neben der Produktion, bei Gesang und Background Vocals, einer instrumententechnischen Bandbreite mittels verschiedenster Gitarren – alle Soli (Keith posiert im Booklet vor seiner beeindruckenden Gitarrensammlung), Ganjo, Bazouki, Mandoline, sowie kompositorisch mit acht von elf Tracks (seine immer noch sprudelnden Ideen beim Komponieren, u.a. mit namhaften Co-Writern wie Monty Powell, John Shanks, Rick Nowels sind aller Ehren wert).

Nachdem Keith mit seinem Vorgänger „Love, Pain & The Whole Crazy Think“ verstärkt versucht hatte, mit einigen eingestreuten, modernen Beats, sich auch dem europäischen Markt etwas mehr zu öffnen, gelingt es ihm diesmal wieder auf sehr angenehmste Art und Weise sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich seine wunderbare. von so herrlichen Melodien geprägte, unverwechselbare New Country-Musik, die ihn in den Satten zum absoluten Siperstar werden liess. „Defying Gravity“ fühlt sich dabei an, wie ein zeitgemäßes Update seiner wohl stärksten Platte „Golden Road“ und ist von daher im Ranking seiner Werke dementsprechend hoch einzustufen.

Der flotte Opener „Kiss A Girl“ (mittlerweile unter den ersten Zwanzig in den Single-Charts) schickt sich an, die erste Single „Sweet Thing“ (bereits eine Nummer 1 – beide übrigens zusammen mit Monty Powell komponiert), in Kürze zu beerben. Großartig auch das dezent keltisch anmutende „If Ever I Could Love“, das mit surrenden Twin-Gitarren, stampfenden Trommeln, Mandolinen- und Fiddlespiel zudem ein herrrliches Heartland-Flair versprüht. Bei der atmosphärischen, blusigen Ballade „’Til The Summer Comes Around“ entlockt Keith seiner Stratocaster Töne, die man ähnlich sonst nur von Mark Knopfler geboten bekommt.

„My Heart Is Open“ bietet eingängigen, poppigen Gute-Laune-New Country, das von seinem langjährigen The Ranch-Gefährten und Tour-Bassisten Jerry Flowers mitkomponierte „Hit The Ground Runnin’“ rockt richtig dynamisch in Southern-Manier, wobei Keith ein herrliches E-Gitarren-Solo, Skynyrd’scher Prägung, abfeuert. Ein rollendes, markantes Akustik Gitarrenriff durchzieht das melodische „Only You Can Love Me This Way“, „Standing Right In Front Of Me“ besticht durch eine angenehm soulige Note, die vornehmlich durch ein grooviges Piano erzeugt wird. Ein sehr schöner Song zum Relaxen. Lust auf den nächsten Karibik-Urlaub versprüht das in Jimmy Buffet-/Kenny Chesney-Manier dargebotene „Why It Feel So Long“, wobei Bruce Bouton an der Steel Gitarre (inkl. Solo) die prägnanten Akzente zu setzen vermag.

Die Radney Foster-/Georgia Middleman- Kreation „I’m In“ gab es auch schon mal von den Kinleys. Keith Urban setzt hier auf Dynamik, abwechslungsreiche Tempobreaks, sowie zwei klasse E-Gitarren-Soli. Eine starke Nummer! Das Piano-trächige „Thank You“ (hier von Tim Akers und Charlie Judge gespielt) zum Ausklang ist (wie schon auf dem Vorgänger „Got Right This Time“) als erneute Liebeserklärung an Nicole Kidman zu deuten und wird sicher auf folgenden Konzerten wieder emotional im Urban’schen Alleingang vorgetragen.

„Defying Gravity“ bietet insgesamt wieder alles, was Keith Urban-Fans an ihm mögen: Seine unverbraucht juvenile Stimme, melodische, eingängige Songs, die man spätestens nach zwei Hördurchgängen abgespeichert hat (demnach hoher Widererkennungswert), die für ihn typischen peppigen Ganjo (Banjo)untermalungen und jede Menge filigrane Gitarrenarbeit. Es werden viele (fast immer radiotaugliche) Musik-Facetten gestreift, aber letztendlich wieder gekonnt und harmonisch unter dem New Country-Deckmantel zusammen geführt. Manchmal wirkt Urban gar wie ein Tom Petty des Country. Ganz große Klasse!

Capitol Nashville (2009)
Stil: New Country

01. Kiss a Girl
02. If I Could Ever Love
03. Sweet Thing
04. ‚Til Summer Comes Around
05. My Heart Is Open
06. Hit the Ground Runnin‘
07. Only You Can Love Me This Way
08. Standing Right in Front of You
09. Why’s It Feel So Long
10. I’m In
11. Thank You

Keith Urban
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Keith Urban – Livin‘ Right Now – Live – DVD-Review

Urban

Keith Urban live auf DVD! Nach den ganzen Studio-Erfolgsalben der letzten Jahre hat der australische New Country-Superstar dem digitalen Zahn der Zeit Tribut gezollt und ist nun endlich für jedermann auch im Wohnzimmer live auf der Bühne zu bewundern. Gefilmt wurde im denkwürdigen Wiltern Theatre von Los Angeles der letzten Station seiner abgelaufenen, aktuellen US-Tournee. Herausgekommen ist ein überwältigendes Dokument, das das längst vermutete Können des sympathischen Mädchenschwarms auch live noch einmal nachhaltig untermauert.

Urban ist ein großartiger Gitarrist, ein talentierter Songwriter, ein wunderbarer Sänger und ein hervorragender Entertainer, der trotz seiner offensichtlichen Klasse auf übertriebene Selbstdarstellung verzichtet, und vor allem die Leistungen seiner ebenfalls starken Mitmusiker zu keinem Zeitpunkt in den Hintergrund stellt. Und der es natürlich auch glänzend versteht, das Publikum in seinen Bann zu ziehen – alles ohne große Effekthascherei! Eine relativ schlichte, aber recht geräumige Bühne in einem wunderschönen Theater mit steil nach oben heraufgehenden Sitzplätzen (auf denen es allerdings kaum einen der Anwesenden gehalten hat), im Hintergrund nur das Monkey-Logo auf einem Bühnenvorhang dem Zeichen von Keiths Online-Community. Keith im schlichten T-Shirt mit Jeans und darunter verborgenen Cowboystiefeln.

Auch der Rest des Line-Ups in legerer Kleidung. Es zählt halt nur die musikalische Qualität. Und dieser dynamische Set hat es einfach in sich! Nach kurzem Akustik-Intro fegt er direkt mit den beiden flotten, knackigen New Country(rock)-Nummern „Days Go By“ und „Better Life“ los, quasi der identische Auftakt wie bei seinem so erfolgreichen letzten Album „Be Here“. Mit „Raining On Sunday“ folgt die erste, dieser „Killer“-Balladen. Starkes Telecaster-Solo am Anfang, nach der offiziellen Begrüßung des Publikums, eine herrliche Melodie, plus einem weiteren, filigranen E-Gitarren-Solo! Bei „You Won“ zeigt erstmals Multi-Instrumentlist Chad Jeffers seine Qualitäten beim Dobro-Gegenspiel zu Urban’s flotten, würzigen Gitarreneinlagen.

„Blacktop“ erweist sich dann als erste „richtige“ Countrynummer, wieder mit wohl dosierten Dobro-Ergänzungen und orientalisch anmutendem Gitarrenflair. Keith genießt zum erstenmal das Bad in der Menge. Publikumsnah zeigt er sich auch, als er eine „kusswillige“ junge Dame auf die Bühne bittet, nachdem er aber vorher höflicherweise nachfragte, ob dieser „Kuß“ nicht doch eher für ihren Partner bestimmt sei. Zu dem Zeitpunkt war ein sich über fünf Lieder erstreckender Akustik-Set im Gange, wobei ein Duett mit der vokal glänzend aufgelegten Katrina Elam und die tollen Balladen „Grace Of God“ und „You’ll Think Of Me“ herausragen. Country der Extraklasse auch bei Dave Dundas’ aufgepeppter Oldie-Klamotte „Jeans On“, brillantes Dobro-Solo wieder von Chad Jeffers! Elektrisch und recht rockig wird es dann wieder ab „She’s Gotta Be“, wobei der bis dahin fulminante E-Gitarren-Rhythmusarbeit abliefernde Chris Rodriguez ein ausgedehntes Telecaster-Solo zum Besten geben darf.

Das Urban in allen Rocksparten spielend leicht zurecht kommen würde, untermauert er bei „You Look Good In My Shirt“. Eine Southern–lastige Rock-Performance der Güteklasse A, wobei Keith seine Riffs (Mischung aus Stones und Skynyrd) mit der Leichtigkeit des Seins vom Stapel lässt und sich vor lauter Freude mit dem zweiten Gitarristen auf dem Bühnenboden wälzt. Macht richtig Laune, zu sehen, wie Urban und die Band das Publikum immer weiter in Stimmung bringen, ja wirkt regelrecht ansteckend! Der Tom-Petty-Klassiker „Free Fallin’“ enthält u. a. ein tolles Organ-B3-Intro vom ansonsten eher dezent agierendenen Pianisten Steve King und einen ungemein unterhaltsamen Gesangs-Schlag-Abtausch mit dem in allen Belangen textsicheren Publikum, wobei ständige Einblendungen junger hübscher Damen einen Rückschluss auf eine hohe Frauenquote im Publikum zulassen.

„Somebody Like You“ fetzt dann wieder richtig los, tolle Banjo-Fills und Keith’s Rückkoppelungseffekte inbegriffen. Nach einem Urban-Solovortrag am Piano, der recht traditionell angehauchten Nummer „Who Wouldn’t Wanna Be Me“ mit viel Mandoline und Banjo, geht mit „These Are The Days“, diesmal dezent auf Bluegrass getrimmt, ein bärenstarker Gig zu Ende, der keinen Wunsch offen lässt. Großartige Leistung von Urban & Co.! Wer Karten für seine vier anstehenden bereits ausverkauften Konzerte in Deutschland besitzt, darf sich glücklich schätzen. Dieses Werk ist das beste Beispiel! Keith at his very best!

Und nicht genug damit: Es gibt noch weitere Bonbons auf dieser DVD: Zunächst drei Songs vom Soundcheck, die nicht im Konzert gebracht werden. Keith zweimal solo, nur mit Akustik-Gitarre „You’re not alone tonight“ und „Don’t shut me out) und einmal mit Band („“Homespin love“ aus alten Zeiten mit seiner ehemaligen Band „The Ranch„), dann noch eine Bildergalerie und zu guter letzt gar noch einen brandneuen, bislang unveröffentlichten Song, diesen allerdings lediglich im Audio-Format. „Most People I Know (Think I’m Crazy)“ ist ein recht rockiges, knackiges Stück mit Siebziger Flair, mit Beatlesquen Harmonies und nach The Who klingendem Pianospiel, sowie einem ausgiebigem, leicht psychedelisch anmutendem, fulminanten, kernigen E-Gitarren-Solo gegen Ende. Klasse! Wie die komplette DVD!

„Livin’ Right Now“ zeigt einmal mehr, warum Keith Urban aus dem Reigen der Großen in Nashville nicht mehr wegzudenken ist. Gratulation! Ein tolles, rund 100-minütiges Konzert! Enthält ein feines, 3-fach aufklappbares Booklet mit einigen schönen Fotos! Die DVD, im exzellenten Dolby 5.1 Surround-Sound, ist „code free“ und somit auf jedem Player abspielbar.

Capitol Nashville (2005)
Stil: New Country

01. These Are The Days
02. Days Go By
03. Better Life
04. Raining On Sunday
05. You Won
06. You’re My Better Half
07. Blacktop
08. Grace Of God
09. The Hard Way
10. Making Memories Of Us
11. Jeans On
12. You’ll Think Of Me
13. She’s Gotta Be
14. You Look Good In My Shirt
15. Free Fallin‘
16. Somebody Like You
17. Tonight I Wanna Cry
18. Who Wouldn’t Wanna Be Me
19. These Are The Days
20. You’re Not Alone Tonight (Sound Check)
21. Don’t Shut Me Out (Sound Check)
22. Homespun Love (Sound Check)

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Keith Urban – Love, Pain & The Whole Crazy Thing – CD-Review

Urban

Bereits mit seiner letzten CD „Be Here“ hatte sich Keith Urban endgültig in die Riege der Superstars von Nashville katapultiert und diesen Status wird er mit seinem neuen, klasse Werk „Love, Pain & The whole Crazy Thing“ weiter festigen. In letzter Zeit überschlugen sich die Ereignisse um Urban, vor allem, was seine „Medienpräsenz“ angeht. Ganz aktuell die Meldung: Keith Urban gewinnt bei den 40. CMA-Awards die heiß begehrte Trophäe zum „Sänger des Jahres“! Davor erhielt er bereits verdientermaßen seinen Lohn und wurde zum „Entertainer Of The Year“ gewählt.

Es folgte der „breitgetretene“ und übertriebene Rummel um seine Hochzeit mit Schauspielerin Nicole Kidman. Dann, kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums, die Meldung, dass sich Keith wegen Drogenproblemen in eine Klinik hat einliefern lassen. All dieser aufgebauschte „Regenbogenpresse-Zirkus“ interessiert hier herzlich wenig, denn auf dem neuen Alben sprechen die musikalischen Fakten für sich, und die signalisieren beste Vitalität und Frische! Ihm ist abermals ein ausgezeichnetes Album gelungen, das, „so sicher wie das Amen in der Kirche“, wieder großartig einschlagen wird.

Produziert haben das Werk erneut Keith selbst und Dann Huff, bei zwei Tracks der Protagonist alleine. Diesmal legt man dabei den Fokus nicht nur auf den New Country-Markt, sondern startet, noch deutlicher als es sich bereits beim Vorgänger andeutete, zum Großangriff auf die Arrivierten des Rockpops zwischen Bryan Adams und Tom Petty. Der dabei auszuführende Spagat, die alte Klientel nicht zu vergraulen und neue Fans hinzu zu gewinnen, ist dabei geradezu vorzüglich gemeistert worden.

Bester Beweis: Die erste, rockig poppige, aber durchaus von einem schönen New Country-Flair durchwehte, knackige, mit einem prachtvollen, fetten Gitarrensolo vom begnadeten Gitarristen Urban ausgestattete Single „Once In A Lifetime“ (bereits auf dem Vormarsch Richtung Platz 1 der Billboard Country-Singles-Charts)! Auffällig ist, dass sehr viele der meist von Keith (zum Teil mit bekannten Leuten wie Monty Powell oder John Shanks) komponierten Stücke jenseits der Fünf Minuten-Marke liegen, was außerordentlich viel Spielraum für Urbans Gitarrenausflüge, sowie für die Instrumentalleistungen der Nashville Star-Riege (u. a. Chris McHugh, Tom Bukovac, Dann Huff, Jimmy Lee Sloas, Eric Darken, Jonathan Yudkin, Dan Dugmore) bedeutet. Die Stimme von Keith wirkt frisch, jung und unverbraucht wie eh und je.

Der Sound ist ungemein fett, knackig und dynamisch ausgefallen. Highlights in einer auf durchgehend hohem Niveau befindlichen CD sind Songs wie „Shine“, ein poppig angehauchter Ohrwurm mit Piano, ganz dezenten Streichern, aber auch mit richtig filigranen, Southern-rockigen E-Gitarren-Passagen, die so wunderbar schmalzige Coverversion der allseits bekannten Ballade „I Can’t Stop Loving“, „Faster Car“, ein knackiges Stück im 70er-Party-Retro-Sound mit druckvollen Bass-Läufen und Bläsereinlagen, das flockig melodische „Stupid Boy“ (satte Drums, tolles Akustik-/E-Gitarren-Spiel), das fantastische, sehr Country-belassene, den Opfern des Hurricanes „Katrina“ gewidmete Stück „Raise The Barn“, ein satter Gute-Laune-Kracher mit Southern-Rock-Tendenzen (gesanglich unterstützt von Brooks & Dunns Ronnie Dunn), „Tu Compania“, untermalt von einem schönen, hier benanntem „Ch-Ka-Ka“-Percussion-Rhythmus, mit klasse B(G)anjospiel, leichtem Bluegrass-Feeling, sowie recht sexy gehauchten Harmony-Vocals einer Vanessa Millon (Spanish Senorita), und die Urban „One-Man Show“ bei „Got Right This Time“.

„Love, Pain & The Whole Crazy Thing“ ist ein starkes Album geworden. Ein Werk, das geradezu perfekt auf Keith Urban’s Charisma ausgerichtet zu sein scheint! Keine Frage, die Scheibe wird ein Riesen-Hit werden und die eh schon große Anhängerschaft des, daran kann auch keine Negativ-Schlagzeile etwas ändern, überaus sympathischen Performers (wer diesen immer gut gelaunt rüberkommenden Strahlemann einmal live erlebt hat, wird das bestätigen) weiter wachsen lassen.

Capitol Records Nashville (2010)
Stil: New Country

01. Once In A Lifetime
02. Shine
03. I Told You So
04. I Can’t Stop Loving You
05. Won’t Let You Down
06. Faster Car
07. Stupid Boy
08. Used To The Pain
09. Raise The Barn
10. God Made Woman
11. Tu Compania
12. Everybody
13. Got It Right This Time

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Keith Urban – Get Closer – CD-Review

Keith

6. Studio-Album von Keith Urban, wieder auf absolutem Spitzen-Niveau! Nachdem alle musikalischen Schwergewichte der New Country-Szene wie Sugarland, Taylor Swift, Jason Aldean, Toby Keith, Kenny Chesney, Darius Rucker und diverse andere in der vorweihnachtlichen Zeit ihre neuen CDs in Stellung gebracht haben, zieht jetzt mit Keith Urban ein weiterer Top-Interpret nach. Die vorher ausgekoppelte Single und der Opener des Werks „Put You In A Song“ (typischer, rhythmisch treibender, sehr dynamischer New Country mit klasse E-Gitarren), wurde geschrieben von Keith mit seinem australischen Gitarrenkollegen Jedd Hughes und Sarah Buxton, die auch schon sein „Stupid Boy“ als Co-Autorin begleitetet hatte.

Hier spielt Keith eine markante Bouzouki, die er noch kurzerhand vor Beginn der Writing-Session mit Hughes und Buxton in einem Musik-Shop gekauft hatte. Der Song hat bereits mit steigender Tendenz die Top-15 der Billboard-Country-Singles-Charts erklommen. Ein starkes Banjo- und E-Intro, das ein wenig an Warren Zevons Klassiker „Lawyers, Gund And Money“ erinnert, bildet den Auftakt für das rockige „You’re Gonna Fly“, bei dem es ein Genuss ist, drei so genialen Saitenzauberen wie Urban, Ilya Toshinsky und Dann Huff zuzuhören.

Mit involviert ist sogar Dann’s Bruder David bei der Percussionarbeit (beide waren ja zusammen Part der legendären 80er-Kultband Giant) und die weibliche Hälfte von Little Big Town in persona von Karen Fairchild und Kimberly Schlapman im Background. Eine hochklassige Besetzung – ein hochklassiger Song! Die angenehme Ballade „All For You“ bestätigt einmal mehr Urban’s variable Gesangsqualität. Piano, schöne E-Gitarren-Fills plus surrendes Solo halten diesen Track weit außerhalb der Kitschreichweite. Mit Richard Marx als weiterem prominentem Co-Autor dürfte „Long Hot Summer“ zum nächsten Hitanwärter avancieren: Klasse Melodie, die von enormer positiver Energie getragene Dynamik, wie man sie bei Keith und seinen unzähligen Chartbreakern kennt , dazu die exzellente Saitenarbeit in Form von Mandoline, Banjo, Akustik- und E-Gitarren, bereiten, wie auch bei den Musikern selbst deutlich spürbar, einfach großen Spiel- und Hörspaß.

Sehr ruhig, sogar schon fast ein wenig „grassig“ (Akustikgitarre, Banjo), gewährt „Without You“ eine kurze Zeit des Innehaltens (starkes Fiddlespiel von Stuart Duncan). Ein weiteres, absolutes Highlight ist der mit über fünf Minuten währende Track „Georgia Woods“, den Keith mit Darrell Brown kreiert hat. Sehr atmosphärischer Gesang in den Strophen, ein Powerrefrain und fast schon psychedelisch anmutende, ausgedehnte E-Gitarrenpassagen nehmen den Hörer in ihren Bann. Erneut ein Beweis, welch anspruchsvolle Lieder, auch abseits der Charts, der erneut prächtig aufgelegte Superstar in seinem Songwriting-Köcher auf Lager hat.

„Right On Back To You“ und das abschließende „Shut Out The Lights“ enthalten dann wieder alle Zutaten für einen kommerziell erfolreichen Hit: Schöne Melodie, Akustikgitarrenuntermalung, Piano, E-Gitarren-Fills, Powerrefrain, E-Gitarren-Solo. Keith Urban ist mit „Get Closer“ ein weiteres, sehr starkes Album in seiner spektakulären Karriere gelungen, das wie der erfolgreiche Vorgänger „Defying Gravity“ wieder einige Hits hervorbringen wird. Angenehm, dass hier nicht versucht wurde, dies mit aller Gewalt durchzudrücken, eher im Gegenteil sogar, Urban hat sich wieder etwas in Richtung seiner „Golden Road“-Phase zurückbesonnen und setzt mehr auf musikalische Finessse. Produziert haben er und Dann Huff, ein Team, dass stets für höchste Qualität bürgt. Top!

Capitol Nashville (2010)
Stil: New Country

01. Put You In a Song
02. You Gonna Fly
03. All For You
04. Long Hot Summer
05. Without You
06. Georgia Woods
07. Right On Back To You
08. Shut Out the Lights

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Keith Urban – Fuse – Deluxe Edition – CD-Review

KU

Auch wenn Keith Urbans Alben der letzten Jahre immer von Erfolg und Qualität gekrönt waren (das letzte „Get Closer“ beinhaltete immerhin auch wieder drei Nr. 1-Hits), hatte man ein bisschen das Gefühl, dass sich, selbst in der Zusammenarbeit mit Produzent Dan Huff, ein wenig so etwas wie Routine eingeschlichen hatten. Folgerichtig hat Urban mit einer ganzen Armada von neuen, teilweise sogar richtig überraschenden Produzenten (u.a. Butch Walker, Jay Joyce, Russ Copperman, Mike Elizondo, Nathan Chapman, dem norwegischen Duo Stargate und natürlich auch Dan Huff) für seinen aktuellen Silberling „Fuse“ einen ganz neuen Weg beschritten.

Wer jetzt ein wildes Sammelsurium nach dem Motto „Zuviele Köche verderben den Brei“ befürchtet, dem sei vorweggenommen, das es eine gute Entscheidung war. Das Ganze hat blendend funktioniert und wir erleben einen Keith Urban, der selten so motiviert und ambitioniert zur Sache ging, wie hier auf „Fuse“. Besonders seine E-Gitarren- und berühmten Ganjo-Darbietungen sind teilweise atemberaubend. Alle Produzenten brachten ihr 1A-(Song) Material ein (von arrivierten Schreibern), dazu ein paar moderne Loops und Programmings, die aber nicht wirklich störend sind. Im Gegenteil, sämtliche Tracks verlaufen äußerst harmonisch ineinander (sehr gute Songanordnung), ohne dabei auch nur einen Moment das typische Urban-Flair zu verlieren.

Die erste Single „A Little Bit of Everything“ (auch untypisch erst an elfter Stelle des Albums platziert) marschiert seit ihrer Auskoppelung bereits in Richtung Spitze. Ein schöner, melodischer Countrypop-Song mit eingängigem Refrain, Urbans altbewährter Ganjo-Untermalung und tollem E-Gitarren-Solo. Markant hier auch die stotternd eingeflochtene E-Ukulele. Dan Huff, scheinbar bei der Ehre gepackt, liefert sich mit Urban beim voller Power aufwartenden Opener mit Heartland-Countryflair, „Somewhere In My Car“, packende Gitarrenduelle (grandioses E-Gitarren-Solo von Keith, stark Huffs an U2 erinnerndes Rhythmus-E-Gitarrenspiel). Autos sind ja schon immer ein beliebtes Urban-Thema: Auch hier gibt es mit „Cop Car“ (angehme Powerballade) und dem fluffigen Gute-Laune-Song „Red Camaro“ noch weitere Stücke dieser Art.

Selbst die Arbeit mit dem norwegischen Pop-Duo Stargate funkioniert bei „Shame“ (ruhiger Unterton, aber mit Powerrefrain, dezente Ganjountermalung) perfekt. Auf „Good Thing“ erleben wir den wohl am härtesten rockenden Keith Urban der letzten Jahre. Was für ein fettes E-Führungsriff und ein ebenso fettes E-Gitarren-Solo, das man gut und gerne als Southern Rock-tauglich bezeichnen kann. Klasse. Auch auf „Love’s Poster Child“ gibt es richtig Redneck-verdächtigen Countryrock. Chris Cagles „The Chicks Dig It“ oder Brantley Gilberts „Kick It In The Sticks“ lassen grüßen. Klasse! Kein Major-Album zur Zeit ohne schillernde Gaststars! Und auf dem Niveau hilft man sich scheinbar gerne aus.

Für „We Were Us“ (als zweite Single auserwählt) holte sich Keith die Ehefrau Blake Sheltons, die ebenfalls zur Zeit groß auftrumpfende Miranda Lambert (solo, Pistol Annies) zum Duett mit ins Boot, bei „Raise ‚Em Up“ sorgte Produzent Jay Joyce für das Aufeinandertreffen mit seinem Spezi Eric Church, wobei sich beide gesanglich auf Augenhöhe begegnen. Die schöne Pianoballade „Heart Like Mine“ (sehr angenehm mit Strings und Mandolinenklängen verziert) bildet einen schönen Abschluss des Haupteils. Die drei zusätzlichen Lieder der von uns angebotenen Deluxe-Ausgabe (alles andere macht auch keinen Sinn), stehen dem Rest wirklich in nichts nach! Tolles, neues Album des New Country-Superstars, der sich auch damit wieder selbst treu bleibt und mit 16 (!) prächtigen Songs für Begeisterung sorgt.

Da werden wieder etliche Hits abfallen. Schwungvoll, melodisch, wenn’s drauf ankommt, rockig, hin und wieder emotional balladesk, gesanglich top, gitarrentechnisch ebenso – „Fuse“ zeigt Keith in blendender Verfassung! Wunderbar auch das mit skurrilen Lichteffekten in Szene gesetzte und bebilderte Coverartwork mit allen Texten und Infos. Ein überaus gelungenes Werk, das in seiner Gesamtheit wieder an die großen „Golden Road“- und „Be Here“-Zeiten des Australiers erinnert. Alles richtig gemacht, Keith Urban!

Capitol Nashville (2013)
Stil: New Country

01. Somewhere in My Car
02. Even the Stars Fall 4 U
03. Cop Car
04. Shame
05. Good Thing
06. We Were Us
07. Love’s Poster Child
08. She’s My
09. Come Back to Me
10. Red Camaro
11. Little Bit of Everything
12. Raise ‚Em Up
13. Heart Like Mine
14. Black Leather Jacket
15. Gonna B Good
16. Lucky Charm

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Keith Urban – Same – CD-Review

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Eine Frage, die mich schon lange bewegt, ist folgende: Wie würde mein perfektes New-Country-Album aussehen? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen sein, um ein Werk zu produzieren, das kommerziell, aber auch in qualitativer Hinsicht höchsten Ansprüchen standhalten kann?

Zunächst suche man sich einen optisch attraktiven Künstler, der eine recht gute Stimme besitzen sollte. Ideal wäre, wenn er Instrumente spielen könnte, noch besser, wenn er dazu auch noch kompositorisches Talent in sich birgt. Man gebe ihm Zeit, einiges an Spielraum, um sich frei zu entfalten, und stelle ihm teilweise erfahrene Co-Writer an die Seite.

Das Ergebnis ergänze man durch ein paar, gut bedachte Fremdkompositionen, so dass eine wohl dosierte Mischung aus peppigen, modernen Uptemponummern und schönen Balladen entsteht, ohne aber auch traditionelle Elemente außer Acht zu lassen.

Zur Einspielung der CD nehme man das Non-Plus-Ultra der Nashville-Studio-Szene und einen gestandenen Musiker als Produzenten.
Unter Abwägung aller Dinge, gelange ich immer wieder an ein Album in meiner Sammlung, nämlich das von Keith Urban.
In Neuseeland geboren, in Australien aufgewachsen, lernt er als siebenjähriger Bub Gitarre zu spielen, beeinflusst durch Songs von Künstlern wie Dolly Parton und Don Williams. Seine Gitarrenspieltechnik prägen Dire Straits-Frontmann Mark Knopfler und Fleetwoord Mac’s Lindsey Buckingham.

Schon früh ist ihm, trotz erster Erfolge in Down Under, klar, dass sein Weg nach Amerika führen wird. Nach einigen Zwischentrips Ende der Achtziger, einer ersten CD mit einer Band, namens The Ranch, und ersten Gastauftritten als Gitarrist auf Werken von Garth Brooks und den Dixie Chicks, ist es 1999 endlich soweit. Keith veröffentlicht sein erstes Soloalbum, das er als Opener von Stars wie Dwight Yoakam und Tim McGraw/Faith Hill, aber auch schon bald als Headliner dem Publikum vorstellt.

Höhepunkte für mich, in einer durchweg auf hohem Niveau stehenden CD, sind das Gute-Laune-Stück „It’s A Love Thing“, „But For The Grace Of God“ (tolle Performance dieses Liedes auch bei der Abschlussfeier der Paralympics in Sidney), das mich ein wenig an den Siebziger-Jahre-Hit „Seasons In The Sun“ von Terry Jacks erinnert oder das cool-relaxte „A Little Luck Of Your Own“.

Eine Kostprobe seiner Fingerfertigkeit auf der Gitarre liefert er beim groovenden Instrumental „Rollercoaster“.
Keith Urban, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird die Erfolgsleiter emporklettern und schon bald zu den nicht mehr wegzudenkenden Größen in Nashville’s New-Country-Szene gehören.

Capitol Records Nashville (1999)
Stil: New Country

01. It’s A Love Thing
02. Where The Blacktop Ends
03. But For The Grace Of God
04. Your Everything
05. I Wanna Be Your Man (Forever)
06. A Little Luck Of Your Own
07. You’re The Only One
08. If You Wanna Stay
09. Don’t Shut Me Out
10. Out On My Own
11. Rollercoaster
12. I Thought You Knew

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Keith Urban – Love, Pain & The Whole Crazy World Tour – DVD-Review

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Es erfüllt mich schon ein bisschen mit Stolz, dass ich wohl in unseren Gefilden mit einer der ersten war, die das Schaffen von Keith Urban zu einer Zeit beleuchtet haben, als dieser hier noch völlig unbekannt war, und treffsicher seine, wie die Zukunft dann in der Realität auch zeigte, rosigen Aussichten im Musik-Business voraussagte. Mittlerweile ist der mit Nicole Kidman verheiratete Keith Urban einer der ganz großen Stars in Nashville und auch mit einer der wenigen Botschafter des New Country, die sich mal hier in Deutschland blicken lassen.

Grund dafür sicherlich, dass Urban durch den pop-rockigen Touch in seinen Stücken hier einigermaßen gut für den Otto-Normal-Musikhörer in Sachen Mainstream-Rock a là Bon Jovi & Co. vermarktet werden kann, was man in unsäglicher Form mit Europa-tauglichen Versionen seiner letzten CDs schon vorzubereiten gedachte. Da platzt einem New Country-Liebhaber wie mir die Hutschnur und tut einem glänzenden Musiker, der sein instrumentelles Handwerk so virtuos beherrscht wie Keith Urban, großes Unrecht. Schande über diese sogenannten Marketingstrategen! Anders herum ist man froh über jeden Act des Genres, der sich überhaupt hier mal die Ehre gibt.

In Deutschland wird Keith in kleinen Schritten aufgebaut. Zunächst gab es Auftritte in kleinen Locations (u.a. Alter Wartesaal in Köln), dann folgte ein Gastauftritt in „Wetten Dass“, um seine Konzerte bei uns (in mittleren Hallen) im Rahmen seiner hier auf DVD beleuchteten Welttournee zu promoten. Ich hatte das Vergnügen bei seiner überzeugenden Vorstellung im Kölner E-Werk mit dabei zu sein (Backstage-Aufnahmen von Keith hier auch kurz im Bonusmaterial verewigt). Wie wenig Fingerspitzengefühl bei uns im Vorfeld an den Tag gelegt wurde (fast schon eine Art Beleidigung Urbans und der New Country-Fangemeinde), bewies man bereits damit, dass irgend so ein deutscher Pop-Boygroup-Fuzzi als Support gebucht wurde, dem nach seinem schnellen Absturz auf Solopfaden wieder in die Spur geholfen werden sollte. Der machte aber richtigerweise kurz vorher den Rückzieher, wohl wissend, dass er spätestens nach fünf Minuten (oder weniger) vom fachkundigen New Country-Publikum von der Bühne gebuht worden wäre. So ergab es sich, dass die beiden starken Musiker aus Urbans Begleitband, Jerry Flowers (welch eine Röhre) und Chris Rodriguez bei ein paar spontan eingespielten Stücken auch ihr Gesangskönnen aufblitzen lassen konnten.

Relativ schnell, nur wenige Monate später, wurde Urban dann noch für ein paar wenige Konzerte in großen Hallen angekündigt, was aber ohne neue CD (die war ja gerade erst vor der Welttournee erschienen) völliger Schwachsinn gewesen ist und dann natürlich mangels Nachfrage (oder offiziell, aus terminlichen Gründen) wieder gecancelt wurde. Sicherlich die bessere Variante ist, jetzt diese DVD erst mal als eine Art Bewerbungsvideo ins Rennen zu schicken und, wenn ein neues Album erstellt ist, dann den Run ausschließlich auf die großen Hallen zu starten (auch wenn ich ihn lieber wieder im kleineren Rahmen sehen würde).

Kommen wir nun zur DVD. Sie bietet einen grandiosen Querschnitt seines letzten Albums „Love Pain & The Whole Crazy Thing“ sowie einen gut gewählten Auszug seiner Restwerke. Grandiose Filmaufnahmen aus allen nur erdenklichen Winkeln und Perspektiven, tolle Videoeffekte auf einer Riesen-Leinwand hinter der Bühne, ein glänzender Sound, grandios und filigran spielende Begleitmusiker (Chris Rodriguez – Guitars, Bass, Ganjo, Background Vocals; Jerry Flowers – Bass, Guitars, Piano, Background Vocals; Brian Nutter – Guitars, Ganjo, Keys, Background Vocals; Brad Rice – Guitars, Ganjo, Mandolin, Background Vocals; Chris McHugh – Drums) und ein alles gebender, leicht erkältet wirkender Keith Urban als Center, ohne sich aber zu sehr in den Vordergrund zu stellen, bieten alles, was das Herz eines auf Qualität bedachten Musikliebhabers begehrt.

Das macht unheimlich viel Spaß und bietet großes Musikkino fürs heimische Wohnzimmer. Klasse und auch sehr publikumsdienlich gewählt ist der große Laufsteg inmitten der hier für diesen Silberling ausgewählten Halle, der am anderen Ende noch mal zu einem kleineren Rund führte und dort auch für die hinteren Ränge beste Sichtposition für einen eingestreuten Unplugged-Part bot. Ein Augenschmaus ist immer wieder auch den lausbubenhaft wirkenden Chris McHugh trommeln zu sehen, einen der wohl besten Drummer auf dieser Erde, der sich im Rahmen dieses DVD-Projektes auch als musikalischer Direktor betätigte.

Das abschließende „Everybody“ wird dann passender Weise dem Publikum seiner Welttournee gewidmet und am Ende mit einer Weltkugel, die sich auf der Leinwand in ein Herz verwandelt, effektvoll abgeschlossen. Beim Bonusmaterial gibt es kleine Einblicke in das Drumherum nach und vor den Konzerten, am meisten beieindruckend sind die wirklich nicht gekünstelt wirkenden Abschlussbemerkungen eines emotional aufgewühlten und zu Tränen gerührten Keith Urban angesichts des letzten Konzertes der Tour. Eine witzige Idee die als Bühne dargestellte Fotogalerie, bei der die Bilder auf der echten Konzertleinwand eingespielt wurden.

Und wer mal sehen möchte, was für ein fingerfertiger Gitarrist Keith Urban ist, kann sich mit garantiertem Staunen ein paar Lehrminuten in Sachen Saitenakrobatik beim Making Of-Film von „You Look Good In My Shirt“ geben lassen. Insgesamt eine grandiose DVD, die Keith Urban als einen sympathischen und begnadeten Vollblut-Musiker, Songschreiber und Entertainer ausweist, der zu jeder Zeit bereit ist, für sein Publikum eine große und vor allem ehrlich rüberkommende Show abzuliefern. Wer ihn noch nicht live gesehen hat, dem gilt die Empfehlung sich ihn und seine hervorragende Begleitband in den großen Hallen lieber anzuschauen, als zum x-ten Male die arrivierten Acts, die einem mündigen Rockmusikfan eigentlich schon aus den Ohren raushängen müssten. Und ich wette, dass Keith Urban, seine New Country-Roots nicht verleugnen wird, wer immer auch hierzulande wieder seine Geistesblitze marketingtechnisch einzubringen versucht. Absolute Kaufempfehlung für diese DVD, hier passt einfach alles!

Capitol Records Nashville (2008)
Stil:  New Country

01. Once In A Lifetime
02. Where The Blacktop Ends
03. Shine
04. Raining On Sunday
05. Stupid Boy
06. Used To The Pain
07. You’re My Better Half
08. Making Memories Of Us
09. You’ll Think Of Me
10. I Told You So
11. Days Go By
12. You Look Good In My Shirt
13. Tonight I Wanna Cry
14. Who Wouldn’t Wanna Be Me
15. Somebody Like You
16. Got It Right This Time (The Celebration)
17. Better Life
18. Everybody

Features.
19. Making Of The Tour Footage
20. Behind The Scenes Outtakes
21. Photo Gallery
22. Studio Footage of „You Look Good In My Shirt“

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Keith Urban – Golden Road – CD-Review

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Schon als ich das erste Werk von Keith Urban beleuchtete, wusste ich, dass der Blondschopf seinen Weg gehen würde.
Jetzt liegt mir seine zweite Scheibe vor und bestätigt eigentlich meine getätigten Vermutungen. Dem Sonnyboy ist wieder ein Meisterwerk gelungen und sein vielfältiges Talent spielt dabei eine große Rolle. Er hat wieder den Hauptanteil der Songs geschrieben, singt, spielt vorzüglich Gitarre und Banjo, dazu kommt, dass er alle Stücke selbst oder unter Mithilfe von Dann Huff produziert hat.

Seine Lieder versprühen eine jugendliche Frische, die ihres Gleichen sucht; da ist gute Laune und pure Lebensfreude angesagt. Mir fällt spontan – nicht nur des Aussehens wegen – (ja Mädels, ihr bekommt was geboten) der Vergleich der „David Beckham des New-Country“ ein. Ein echter Allroundmusiker. Hören Sie sich die präzisen Gitarrensoli und -riffs an oder sein unverwechselbares unaufdringliches Banjospiel. Spaßfaktor hoch 10!

Zwischen jeder Menge knackiger Uptemponummern steckt immer wieder die eine oder andere Killerballade wie „You’ll Think Of Me“, das mich stark an Vince Gills „World’s Apart“ erinnert und herrlich leicht rüberkommt.

Dann gibt es wieder den Wechsel zum alten David Dundas-Hit Jeans On. Hören Sie sich mal an, wie der Junge den alten Schinken zu neuem Leben erweckt hat. Da schmeißt man sich wirklich am liebsten in die Jeans, brettert zum nächsten Flughafen, sehnsüchtig darauf wartend, im sonnigen Süden das Cabrio zu chartern (Kühltasche mit Sixpacks natürlich an Board), diese knackige CD in den Player zu schieben und einem netten Plätzchen am Meer entgegen zu rauschen.

Ein geiler Song auch „You Look Good In My Shirt“, ein echter Southern-Kracher mit filigranem Gitarrensolo, wo jede Konzerthalle in Wallung geraten wird. Ein leicht zu merkender Refrain, der zum Mitgrölen und Wippen mit den Cowboystiefeln einlädt. Klasse!

Überhaupt, auf diesem Album sucht man Schwächen vergeblich. Für mich eines der Highlights dieses Jahres!
Und Keith, wenn Du mir versprichst, Dich von irgendwelchen Spice Girls fernzuhalten, dann sind Dir meine Sympathien auch in Zukunft sicher…
„Golden Road“ gibt es natürlich bei Bärchen Records.

Capitol Records Nashville (2002)
Stil: New Country

01. Somebody Like You
02. Who Wouldn’t Wanna Be Me
03. Whenever I Run
04. What About Me
05. You’ll Think Of Me
06. Jeans On
07. You Look Good In My Shirt
08. You’re Not Alone Tonight
09. You Won
10. Song For Dad
11. Raining On Sunday
12. You’re Not My God incl. Hidden track

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Keith Urban – In The Ranch – CD-Review

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Nie machte eine Wiederveröffentlichung mehr Sinn als im Fall „Keith Urban In The Ranch“. Was für ein grandioses Album, bei dem man sich als Kenner der Szene spontan fragt, warum KU erst eine Solokarriere starten musste, um letztendlich Anklang bei der Masse der New-Country-Hörerschaft zu finden. Denn er und seine beiden Kumpels Jerry Flowers und Peter Clarke erledigen ihren Job par excellence.

Gut, im Prinzip regiert der Sonnyboy auch dieses Werk an allen Ecken und Enden, und nur in Nuancen kann man Unterschiede zu seinen bisherigen Soloscheiben feststellen. Diese Platte ist ohne Zweifel etwas rootsiger und erdiger, ja sogar etwas rockiger ausgefallen als zum Beispiel „Golden Road„, klingt aber trotzdem ungemein modern und frisch, so dass sie sicherlich auch für Liebhaber von Stilarten in der näheren Umgebung des New-Country interessant sein könnte.

Ergänzt wurde das Original von 1997 um zwei unveröffentlichte Songs: „Billy“, ein bluesiger Countryrocker und eine Coverversion von „Stuck In The Middle With You“. Gerade beim letztgenannten Stück der Herren Egan und Rafferty (Stealers Wheel), das ich eigentlich nie leiden mochte, gelingt es dem Trio in genialer Weise der alten Staubklamotte ein Komplettlifting zu verpassen. Fast so, als wenn man aus Angela Merkel eine Giselle Bündchen zaubern würde! Absolute Klasse!

Dazu kommen zwei Videoclips von „Walkin‘ The Country“ (herrlich flockig rhythmischer Song mit starker Banjo- und E-Gitarrenarbeit) und dem abwechslungsreichen Instrumentalstück „Clutterbilly“, wo KU einmal mehr beweist, welch großartiger Gitarrist in ihm steckt. Den Rest in möchte ich kurzen Stichworten schildern.

Flottere Nummern:
„Homespun Love“ – Semiakustischer Rhythm’N’Blues;
„Some Days You Gotta Dance“ – wie der Titel es bereits andeutet, tanzbares Gute-Laune-Rock’N’Roll-Stück;
„Freedom’s Finally Mine“ – Country-Rocker mit Southern-Flair;
„Hank Don’t Fail Me Now“ – NASCAR-Sampler-tauglicher Boogie mit schönem E-Solo.

Balladen/Midtempo:
„Just Some Love“ – tolle Melodie, kurze E-Gitarren- und Fiddleeinsätze;
„My Last Name“ – erinnert ein wenig an „The Thunder Rolls“ von Garth Brooks, sehr atmosphärisch;
„Desiree“ – starker Text, Tempowechsel beim Refrain, Einsatz von zweiter Gesangstimme, die sich nach Drew Womack von Sons Of The Desert anhört, ist allerdings im Booklet nicht erwähnt, mit überraschendem Mini-Southern-Gitarrenfinish;
„Tangled Up In Love“ – locker, entspannend mit wunderschöner spanischer Akustikgitarre und nettem Harmoniegesang;
„Man Of The House“, „Ghost In The Guitar“ – beide ein wenig westcoastgetränkt, könnten aus dem Eagles-Repertoire stammen, letztgenanntes mit dezentem „Hotel California“-Touch.

So kann man guten Gewissens feststellen, dass Keith Urban mit diesem Album nachhaltig unterstrichen hat, dass er ohne Wenn und Aber zu den ganz Großen der New-Country-Szene gezählt werden muss.

Das gute Teil ist natürlich bei Bärchen Records erhältlich, wie auch eine relativ günstige DVD mit sechs Videoclips von Stücken seiner jeweils letzten zwei Studiowerke, die recht nett anzuschauen sind, allerdings aber schon zum Teil schon in Country-Roads gezeigt wurden.

Capitol Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01. Walkin‘ The Country
02. Homespun Love
03. Just Some Love
04. Some Days You Gotta Dance
05. My Last Name
06. Desiree
07. Freedom’s Finally Mine
08. Hank Don’t Fail Me Now
09. Tangled Up In Love
10. Clutterbilly
11. Man Of The House
12. Ghost In The Guitar
13. Stuck In The Middle
14. Billy

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