Warren Haynes – Million Voices Whisper – CD-Review

Die Geschichte der Allman Brothers  dürfte sich aller spätestes mit dem Ableben der beiden wichtigsten und prominentesten Akteure Gregg Allman und Dickey Betts wohl endgültig erledigt haben. Dennoch braucht man sich über die Erhaltung des Spirits dieser Musik auch in kreativer Hinsicht wohl keine Sorgen zu machen.

Immerhin gibt es ja noch viele Sprösslinge der beiden Protagonisten, die ebenfalls auf musikalischem Parkett unterwegs sind und eben auch Warren Haynes, der seit seinem Einstieg, ich meine es wäre bei „Seven Turns“ gewesen, ein überaus langjähriges Mitglied war und die DNA der Band dementsprechend verinnerlicht hat.

Haynes, ein ‚Hans Dampf in allen Gassen‘ (u. a. solo, Gov’t Mule, The Dead) ist jetzt mal wieder mit einer Solo-Platte unterwegs und hat sich mit Derek Trucks einen weiteren ehemaligen ABB-Kumpanen für sein neues Werk „Million Voices Whisper“ für drei Songs mit ins Boot geholt. Reichhaltige Slide-Garantie somit inbegriffen.

Beim verspielten Opener „These Changes“ lassen die beiden im hinteren Bereich direkt eine „Blue Sky“-Gedächtnis-Solo-Passage vom Stapel, dass einem sofort das Herz aufgeht. Trucks ist dann noch an der herrlichen Southern Soul-Ballade „Real, Real Love“, ursprünglich gemeinsam mit Gregg Allman geschrieben und gleichzeitig mein Lieblingsstück des Longplayers, sowie beim abschließenden 9 1/2-minütigen „Hall Of Future Saints“, wo Haynes seine persönlichen Blues-Legenden in einem typischen ABB-Jam seiner Handschrift huldigt.

Weitere namhafte Akteure finden sich mit Lukas Nelson and Jamey Johnson beim starken „Day Of Reckoning“ und Saundra Williams mit zum Teil herrlichen Backing Vocals in gesangstechnischer Hinsicht ein, John Medeski an den Keyboards, der langjährige Schlagzeuger Terence Higgins (von der Dirty Dozen Brass Band) und Gov’t Mule-Bassist Kevin Scott (schön trocken und knöchern), sowie  Greg Osby am Saxophon setzen instrumentell die Akzente im Hintergrund.

„Go Down Swinging“ offeriert den Swing de Südens, „You Ain’t Above Me“ hätte auch auf Warrens damalige Debütscheibe „Tales Of Ordinary Madness“ gepasst. Erste Single ist „This Life As We Know It„, ein Track über die universelle Botschaft für die Umarmung der positiven Veränderungen und den Blick nach vorne durch eine neue Linse – eine, die im Inneren beginnt, von der der GRAMMY Award ausgezeichnete Haynes ergänzt „Das Lied hat eine sehr aufbauende Botschaft und auch musikalisch ist es einfach ein sehr positiver Song. Ein Stück, mit dem wir uns alle identifizieren können. Es geht darum, sich vorwärts zu bewegen und viele Dinge zu überwinden, aber auch darum, sich im Leben und mit sich selbst wohl zu fühlen.“

„From Here On Out“ und „Till The Sun Comes Shining Through“ stehen für seine Songwriting-Kunst, Melodisches und Emotionalität stilvoll zu kombinieren, das freakige „Lies, Lies, Lies > Monkey Dance > Lies, Lies, Lies“ (8 1/2 Minuten) und das treibend-stampfend groovende „Terrified“ (knapp 7 Minuten) werden erneut die Glückshormone der Jam-Fans in den ABB- und Gov’t Mule-Gemeinden zu Haufe freisetzen.

„Million Voices Whisper“ beinhaltet eine Reihe von kraftvollen, gefühlvollen Tracks, die die eloquente Musikalität eines dreifach talentierten Blues Rockers mit dem glühenden Geist eines vitalen, kreativen Künstlers auf dem Höhepunkt seiner Kräfte verbinden, heißt es im Begleittext dieses wirklichen Highlights. Dem bleibt aus meiner Sicht nichts hinzufügen. Warren Haynes in Weltklasse-Form!

Fantasy Records/Concord/Universal Music (2024)
Stil: Southern (Jam) Rock

Tracks:
01. These Changes (feat. Derek Trucks)
02. Go Down Swinging
03. You Ain’t Above Me
04. This Life As We Know It
05. Day Of Reckoning (feat. Lukas Nelson and Jamey Johnson)
06. Real, Real Love (feat. Derek Trucks)
07. Lies, Lies, Lies > Monkey Dance > Lies, Lies, Lies
08. From Here On Out
09. Till The Sun Comes Shining Through
10. Terrified
11. Hall Of Future Saints (feat. Derek Trucks)

Warren Haynes
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Texas Hippie Coalition – Gunsmoke – Album-Review

Review: Michael Segets

Das mit Computertechnik erstellte Cover von „Gunsmoke“ erinnert von der Ästhetik an „Red Dead Redemption“. Die auf den Betrachter zufliegenden Kugeln sind ein originelles Detail. Der aufblitzende Sheriff- oder Marshal-Stern an einer Figur mag etwas irritieren, da die Männer eher wie Bad Guys wirken. Wie dem auch sei, der erste Blick legt die Vermutung nahe, dass die Musik einer härteren Gangart folgt. Texas Hippie Coalition – abgekürzt THC – bezeichnen ihren Stil als Red Dirt Metal.

Der als Single herausgegebene Titeltrack spezifiziert dann auch was man sich aus der Verbindung von Red Dirt und Metal vorzustellen hat. Der mit akustischer Gitarre einsteigende Track wuchtet, wenn nach einer Minute die elektrische aufdreht, aus den Boxen. Das Stück spielt im Folgenden mit zurückgenommenen und vorwärtsgehenden Passagen, was mir gut gefällt. „Gunsmoke“ motivierte auf alle Fälle, sich das gesamte Album vorzunehmen.

Der Beiträge des Longplayers bewegen sich überwiegend zwischen Hardrock und Metal. Der Sound ist nie breiig und die Songstrukturen bleiben erhalten, wobei den Refrains durchaus ein Wiedererkennungswert zugeschrieben werden kann. „Dead Man“, „Test Positive“ und „Bones Jones“ gehen ohne Kompromisse oder große Schnörkel zur Sache. „Million Man Army“ reiht sich dort ebenfalls ein, wobei sich die Nummer durch den Background im Chorus und Cord Pools auffälligem Gitarrensolo von den anderen abhebt. Wenn man sich die Gehörgänge durchpusten lassen möchte, sind die Songs keine schlechte Wahl.

Den Rhythmus treiben Rado Romo (bass) und Joey Mandigo (drums) voran. Die beiden Gitarristen Cord Pool (lead guitar) und Nevada Romo (rhythm guitar) liefern das, was von ihnen genreentsprechend erwartet wird. Sänger Big Dad Ritch singt oder schreit, was das Zeug hält. Mit seiner imposante Erscheinung macht der Frontmann seinem Namen alle Ehre. Er ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Band, die seit ihrer ersten Veröffentlichung (2008) zahlreiche Umbesetzungen durchlief. In der Mitte der 2010er Jahre verzeichnete die Texas Hippie Coalition einige Platzierungen in diversen US-Charts. Ich wage keine Prognose, ob es ihr nunmehr achtes Album in die einschlägigen Hitlisten schafft.

Für die SoS-Leserschaft sind wahrscheinlich die Tracks interessant, auf denen zumindest Einflüsse des Southern Rock durchscheinen. Auf „Baptized In The Mud“ sowie „Droppin Bombs“ hört man diese heraus. Als Vergleichspunkt zu Texas Hippie Coalition wird gelegentlich Molly Hatchet herangezogen. Beim starken „Eat Crow“ kommt eher Hogjaw in den Sinn. Mit „She’s Like A Song To Me“ und „I’m Gettin High“ bringt die Band schließlich zwei langsame, melodiöse Songs zu Gehör, die durchaus in der Southern- oder Red-Dirt-Ecke zu verorten sind. Während THC beim erstgenannten Titel auf einen voluminösen Sound setzt, ergänzt durch ein paar filigranere Einsprengsel von Cord Pool an den Saiten, kommt „I‘m Gettin High“ zum Abschluss überraschend reduziert daher. Der öfter in den Texten aufgegriffene Faible von Big Dad Ritch für Rauch aller Art findet hier nochmal seinen Ausdruck.

Wer sich nichts unter Red Dirt Metal vorstellen kann, sollte sich die Texas Hippie Coalition anhören. Die Hälfte der Tracks auf „Gunsmoke“ fällt in den Geltungsbereich von SoS. Die andere Hälfte des Albums bleibt dem Hardrock oder hörbarem Metal verpflichtet.

MNRK Heavy (2024)
Stil: Red Dirt Metal

Tracks:
01. Dead Man
02. Baptized In The Mud
03. Bones Jones
04. She’s Like A Song To Me
05. Droppin Bombs
06. Gunsmoke
07. Eat Crow
08. Million Man Army
09. Test Positive
10. I’m Gettin High

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MNRK Heavy
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Beth Hart – You Still Got Me – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das inzwischen schon fast als Klassiker eingestufte Vorgängeralbum “A Tribute To Led Zeppelin” (2022) hat die Wartezeit etwas verkürzt: Nun hat Beth Hart ihr insgesamt 11. Studiowerk “You Still Got Me” vorgelegt; eine leidenschaftlich emotionale Produktion, gefüllt mit überstarken Songs, die unter die Haut gehen. Die hochtalentierte, Grammy-nominierte, US-Singer/Songwriterin (u. a. mit 3 European Blues Awards) veröffentlicht seit 1993 eigene Solo-Scheiben und hat insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa (u. a. “Black Coffee”) zurecht jede Menge weitere Fans erreicht. Jetzt vertiefen die Storytelling-Tracks und kraftvollen Kompositionen diese Verbindung.

Maßgeblich beteiligt war wieder Kevin Shirley, der bereits die Longplayer mit Bonamassa und das Solo-Album “Bang Bang Boom Boom” (2012) produzierte. Los geht die Scheibe mit “Savior With A Razor”, einem rockigen Opener, angeführt von Slashs Guns N’ Roses-Gitarre, während Beths Stimme die mitreißende Hymne vorwärts treibt. “Sie (Beth) ist eine unglaubliche Sängerin und Texterin…und eine echte Freundin. Sie ist unglaublich”, lobt Slash die Zusammenarbeit, die sich ebenso auf sein neues Studioalbum “Orgy Of The Damned” erstreckt. Dieses Teamplayer-Format schätzt auch Blues-Gitarrist Eric Gales, der auf dem zweiten Stück “Sugar N My Bowl” die elektrische Saitenzauberei übernahm. Das neben diesen groovigen Funk-Soul Tracks selbstverständlich Platz ist für bluesige und jazzige Chansons, z. B. “Drunk On Valentine”, ist typisch Hart; Etta James und Ella Fitzgerald sind dabei durchaus in Reichweite.

Überraschend findet sich jedoch ebenfalls ein moderner Old School Country-Rock in der Tracklist und bringt eine dicke Danksagung an den Man In Black (“Wanna Be Big Bad Johnny Cash”). Der Sprung in die folgende Klavierballade “Wonderful World” ist für Beth Hart nur ein kleiner und ein zusätzliches, unbedingtes Meisterstück des Albums, welches die Interpretin als überragende, soulige Stilistin feiert. Permanent im Gedächtnis bleibt der post break-up Song “Little Heartbreak Girl” und erhebt nicht zuletzt durch den einfallsreichen Klavier Tempo-Wechsel den berechtigten Anspruch, in die erste Reihe der Rock-Balladen aufzusteigen: Lyrisch eine Empowerment-Hymne, die einen Hauch von Traurigkeit, aber einen Sturm von Optimismus versprüht.

Kein Weg vorbei führt eindeutig am Titelsong. “I Still Got You” ist ein Masterpiece Love Story Track, eine Heart and Soul Ballade, die vielleicht nur Beth Hart in dieser charismatisch intensiven Weise singt und damit an Janis Joplin ebenso erinnert. Die filmreife Interpretation und die puren Emotionen des Gesangs heben den powervollen Epos in die obere “Etage” essentieller Musikstücke, eine Naturgewalt an Substanz und Inspiration, jedoch leider wegen der Länge von 6 Minuten kaum radiotauglich. Dabei ist es durchaus der Mut zu den überlangen Balladen, der dem Album “I Still Got You” insgesamt die persönliche Signatur, die berührende Authentizität und die seltene Magie verleiht, die Beth Hart als unbändige Sängerin und Musikerin erfolgreich ausstrahlt. Erleben kann man sie mit dem neuen Album auch auf Deutschland-Tournee, z. B. im November in Köln, Hamburg oder Berlin.

Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues Rock, Soul

Tracks:
01. Savior With A Razor (feat. Slash)
02. Suga N My Bowl (feat. Eric Gales)
03. Never Underestimate A Gal
04. Drunk On Valentine
05. Wanna Be Big Bad Johnny Cash
06. Wonderful World
07. Little Heartbreak Girl
08. Don’t Call The Police
09. You Still Got Me
10. Pimp Like That
11. Machine Gun Vibrato

Beth Hart
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The Lowdown Drifters – In Time – Album-Review

Review: Michael Segets

SoS kann behaupten, eine internationale Leserschaft zu haben. Über einen Beitrag zu American Aquarium ist Ryan Klein, der Manager der Lowdown Drifters, auf unsere Website aufmerksam geworden und schickte Besprechungsmaterial zum neuen Album der Band über den großen Teich. Er dachte, dass „In Time“ zu SoS passt. Er hat Recht, das tut der Longplayer wie die Faust aufs Auge.

Jeder Song ist ein Treffer. Die acht Stücke sind zudem ideal auf dem Werk, bei dem The Lowdown Drifters den Produzenten Wes Sharon (John Fullbright, Turnpike Troubadours) gewinnen konnten, angeordnet. Den Auftakt macht der Titeltrack „In Time“. Dem straight forward gespielten Roots Rocker schieben The Lowdown Drifters den Country Rocker „Ghost“ nach. Der Einstieg hat richtig Schwung, der mit „Awful Truth“ zurückgefahren wird. Das Duett von Leadsänger John Cannon, der über eine ausdrucksstarke Stimme verfügt, und Raina Wallace bewegt sich im Midtempo und leitet dramaturgisch geschickt zum stimmungsvollen „Burn“ über. Die Ballade bekommt durch den begleitenden Gesang von Wallace nochmal eine extra Portion Gefühl mit. Das Songwriting erinnert an das von BJ Barham (American Aquarium), bewegt sich also auf sehr hohem Niveau. Statt auf die Steel Pedal setzen The Lowdown Drifters allerdings auf die Geige, um Atmosphäre zu erzeugen.

Mit „Fatherless“ zieht die Geschwindigkeit wieder an und steigert sich nochmal mit dem losrollenden „Nothings Scared“. Während beim erstgenannten Stück die Gitarre eher dezente Akzente setzt, bekommt sie beim letztgenannten mehr Raum, die sie energisch nutzt. Eine Piano-Passage sorgt bei „Nothings Scared“ für eine zusätzliche Varianz im Sound. „Streets Of Aberdeen“ läutet mit kräftigem Rhythmus und vollen Gitarren dann das ruhigere Ende des Longlayers ein, der mit „Trucker Speed“, einschließlich eines längeren Geigensolos, seinen harmonischen Abschluss findet. Mit acht Tracks ist das Werk zwar nicht besonders umfangreich, dafür finden sich aber auch keine überflüssigen Füller auf ihm.

The Lowdown Drifters sind seit zehn Jahren aktiv. Neben John Cannon und Raina Wallace gehören Dylan Welsh, Josh Willaert und Drew Harakal zum Quintett. In den letzten Jahren tourten die Band, beflügelt durch den Erfolg von „Fire In Her Eyes“, das sich auf der CD „Last Call For Dreamers“ (2019) findet, unermüdlich durch die USA. Kürzlich teilten sich The Lowdown Drifters mit Casey Donahew die Bühne und pünktlich mit der Veröffentlichung der neuen Scheibe treten sie zusammen mit Shane Smith & The Saints sowie Red Shahan im Ryman Auditorium, Nashville, auf.

The Lowdown Drifters sind keine Newcomer, aber die Neuentdeckung des Jahres für mich. „In Time“ fügt zeitgemäße Country-Stücke, deren Pegel mal in Richtung Rock und mal in Richtung Americana ausschlägt, gekonnt zusammen. Mit seinen Tempovariationen hält der Longplayer den Spannungsbogen aufrecht. „In Time“ hat alles, was man sich von einem Album wünscht: tolle, abwechslungsreiche und optimal zusammengestellte Songs.

Gold Towne Music (2024)
Stil: Country and more

Tracks:
01. In Time
02. Ghost
03. Awful Truth
04. Burn
05. Fatherless
06. Nothings Sacred
07. Streets Of Aberdeen
08. Trucker Speed

The Lowdown Drifters
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Gold Towne Music

Hamburg Blues Band – 05.10.2024 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Zu den Klängen von Hans Albers Reeperbahn-Song betritt die Hamburg Blues Band die Bühne mit dem Ton eines Nebelhorns eines Schiffs. Die Band nimmt von da an die Fans auf eine rasante Fahrt mit knackigen Rock- und Blues- Songs. Gert Langes prägnante Stimme bringt den Blues in die Stücke und im zweiten Teil des Konzerts stößt der mittlerweile 84-jährige Chris Farlowe dazu und zeigt, dass er stimmlich noch voll auf der Höhe und dazu noch ein humorvoller Entertainer ist.

Krissy Matthews fegt zuweilen wie ein Irrwisch über die Saiten und setzt mit seinen gold-glitzernden Schuhen für einen schmunzelnden Seitenhieb von Farlowe. Reggie Worthey am Bass und Eddie Filip an den Drums sorgen wie gewohnt für eine fette Rhythmusarbeit. Nach etwa 100 Minuten beendet das Nebelhorn die zuweilen emotionale musikalische Reise der Hamburg Blues Band an diesem Abend.

Neben den eigenen Songs wie „Stony Times“ oder „Try Me Again“ kann Matthews mit „Hairdrying Drummer Man“ einen eigenen Track beisteuern und auch Farlowe bringt mit „I´ll Sing The Blues For You“ und „Shaky Grounds“ eigene Stücke. Stark ist auch, wie die Band, neben einigen eingestreuten Coversongs, den Small Faces-Hit „All Or Nothing“ gewissermaßen wiederbelebt.

Die Fans, die an dem Abend im Piano waren, werden ihr Kommen nicht bereut haben, wer weiß, wie oft man Chris Farlowe noch als Gastmusiker begrüßen darf.

Line-up:
Gert Lange (lead vocals, electric guitar)
Krissey Matthews (lead guitar, vocals)
Reggie Worthey (bass, vocals)
Eddie Filip (drums)
Special guest: Chris Farlowe (lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Hamburg Blues Band
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Musiktheater Piano

Elles Bailey – 17.10.2024, Luxor Live, Arnheim – Konzertbericht

Kommt Elles nicht zu uns, müssen wir halt zu Elles. Das war so ein wenig das Motto, als wir uns entschlossen, den Gig von Elles Bailey im niederländischen Arnheim zu besuchen. Nicht zuletzt auch wegen der schönen Location, aus der wir ja bereits diverse Male über andere Interpreten wie u. a. Sass Jordan oder KIng King schon berichtet haben.

Unser Weg führte uns aus organisatorischen Gründen durch Nijmegen und besagtes Arnheim  und ich muss schon angesichts der Infrastruktur einen gewissen Neid attestieren. Unsere Nachbarn machen sehr vieles richtig, hier sitzen augenscheinlich Menschen mit Visionen in den entsprechenden Gremien.

Tempolimit auf Autobahnen, was ein entspanntes Fahren ermöglicht, futuristische Brücken, die man ohne mulmiges Gefühl unter- beziehungsweise überquert, gleiches gilt für die zentral gelegenen, elektrifizierten Bus-/Bahnhöfe und Parkhäuser, Fahrradwege mit breiten Abständen zum Autoverkehr, keine Schlaglöcher u den Straßen weit und breit, alte Häuser mit neuer Bausubstanz stilvoll vermischt. Eine Freude sich dort zu bewegen, währenddessen man in unseren Gefilden den Eindruck hat, dass in hiesiger Politik und den involvierten Amtsstuben, das einzig visionäre ist, wie man mit geringstem Aufwand und möglichst früh an die üppigen Pensionszahlungen gelangt.

In unserem Lande erreichte die hochtalentierte Protagonistin trotz aller Bemühungen (auch unsererseits) bis dato ein eher überschaubares Publikum, nach unserer Ankunft am Luxor Live mussten wir erkennen, dass für sie momentan auch im bluesbegeisterten Holland noch nicht die Bäume in den Himmel wachsen.

Ich hatte insgeheim auf einen ordentlich besuchten Hauptsaal gehofft, die Realität reichte aber nur für die kleine, aber feine Alternativ-Location, der sogenannte Bovenzaal, den wir zumindest jetzt auch mal kennengelernt haben, und der mit ca. 100 Besuchern, dann auch räumlich optimal, aber angenehm befüllt war.

Der flotte Opener „Enjoy The Ride“ vom aktuellen Album „Beneath The Neon Glow“ kam dann einer Ansage gleich, den Ritt durch ihr Programm samt gut ausgewählter  Stücke ihrer bis dato erschienen Studio-Alben, voll zu genießen. Flockig ging es weiter mit „Leave The Light On“ und „Ballad Of A Broken Dream“ (Elles neben ihrem Keyboarder James Graham am Piano). Bei Tracks wie dem Retro-umwehten „1972“ oder dem ersten ruhigeren Track, „Silhouette In A Sunset“, hatte sie sich warm gesungen und legte im weiteren Verlauf eine grandiose Vokal-Performance hin.

Klasse dabei auch die immer wieder die akzentuierte Unterstützung durch die junge Demi Marriner in den Harmoniegesängen. Diese untermalte desweiteren  die routinierte Rhythmusgebung des eingespielten Duos mit Matthew Jones an den Drums und Matthew Waer am Bass mit ihrem feinen Akustikgitarrenspiel. Letztgenannter wusste mit seiner Achtziger Kräusel-Haarpracht, Tom Selleck-Gedächtnis-Schnäuzer und rosa lackierten Fingernägeln auch optische Eindrücke zu hinterlassen.

Joe Wilkins, Baileys kongenialer Partner im musikalischen Bereich, brillierte natürlich wieder mit starkem E-Gitarrenspiel, wüste Slideeinlagen (u. a. bei „Hell And High Water“ und „Medicine Man“) und qiurlige Soli inbegriffen. Einfach nur famos die Gesangsvorstellung von Elles beim verzweifelt klingenden „What’s The Matter With You“, in der ihre ganze stimmliche Vehemenz bestens zum Vorschein kam.

Eines meiner Lieblingsstücke des Abends war das flockige „Truth Ain’t Gonna Save Us“, das man damals auch locker auf Fleetwoods Macs Megaseller „Rumors“ hätte packen können. Emotional wurde es bei „Let It Burn“, launig wieder bei „The Game“ und dem Ironischen „If This Is Love“ (mit klasse HT-Piano von Graham), entsprechend ihrer Erklärung, dass dieser Wellenverlauf bei ihren Konzerten ein typisches Merkmal sei.

Und kaum hatte man sich versehen, war mit dem starken „Riding Out The Storm“ samt furiosem Instrumentalausklang schon das Ende des Hauptteils erreicht. Klar, dass die begeisterte Audienz das Sextett nicht ohne Zugaben in den Feierabend schicken wollte.

Der Wunsch einer Zuschauerin den CCR-Klassiker „Long As I Can See The Light“ zu performen, scheiterte am Veto von Elles und ihrem Keyboarder, dafür wurde dann nach dem Gänsehaut erzeugenden atmosphärischen „Turn Off The News“ noch „Perfect Strom“ vom „Wildflower“-Album in einer bärenstarken Version als zusätzlicher Song zwischen den eigentlich nur zwei geplanten Zugaben aus dem Hut gezaubert.

Den herrlichen Rausschmeißer (inklusiv wildem E-Solo von Wilkins) bildete dann „Sunshine City“, wo die Fronterin  wie es ja auch schon auf ihrem tollen Live-Album „Live At the Fire Station“ zu hören war, ihrer bis dato starken Mitsängerin Demi Marriner ein kurzes Leadgesangssolo-Intermezzo gewährte.

Aus meiner Sicht ein fulminanter Auftritt von Elles Bailey und ihrer hervorragenden Begleitband. Man kann nur hoffen, dass, auch wenn für sie wohl in unseren Breitengraden trotz überragender Leistungen erstmal weiter musikalisches ‚Klinken putzen‘ angesagt ist, bei diesem Gesangs und Songwriting-Talent der Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit ist. Wir denken positiv und prognostizieren, dass beim nächsten Mal in Arnheim, der große Saal zum Zuge kommt.

Insgesamt wieder eine Reise in unser Nachbarland, die sich gelohnt hat, auch wenn wir auf der Rückfahrt kurz nach der Grenze noch das Vergnügen einer nächtlichen Polizeikontrolle über uns ergehen lassen mussten. Passend zu Ihrem aktuellen Bekanntheitsstatus war dann folgender Dialog: Polizist: „Wo kommen Sie her? Wir: „Von einem Elles Bailey-Konzert aus Arnheim. Polizist: „Kenn ich nicht.“

Line-up:
Elles Bailey – lead vocals, piano, percussion
Joe Wilkins – electric guitar, slide guitar, vocals
Matthew Waer – bass, vocals
Matthew Jones- drums
James Graham – keys
Demi Marriner – vocals, acoustic guitar, percussion

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Elles Bailey
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Luxor Live, Arnheim

Midland – Barely Blue – Deluxe Version – CD-Review

Seit Midland, alias Sänger und Gitarrist Mark Wystrach, Bassist und Sänger Cameron Duddy sowie Leadgitarrist und Sänger Jess Carson mit ihrem Superhit „Drinkin‘ Problem“ (wie heißt es so schön im Volksmund: „Ich habe kein Problem mit Alkohol, sondern ohne Alkohol…!“) im Jahr 2017 durch die Decke gegangen sind, ist das Trio aus den höheren Gefilden des Country-/New Country in Nashville nicht mehr wegzudenken.

Die drei Musiker, die sich eher zufällig auf der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes kennengelernt hatten, sind seither mit jeder neuen Veröffentlichung immer mehr gereift und bieten so gut wie immer Qualitätsware an.  Für ihr neues Werk „Barely Blue“ (hier mit zwei zusätzlichen Songs in der Deluxe-Version), das thematisch eine Reise durch die Einsamkeit, der Männlichkeit und die Kraft der Widerstandsfähigkeit in Zeiten von Herzschmerz behandelt, konnten sie zum ersten Mal Dave Cobb als Produzenten gewinnen.

„Dave Cobb war ein Produzent, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten wollten, seit wir Metamodern Sounds in Country Music von Sturgill Simpson gehört hatten“, merkt Mark Wystrach an. „Daves vielseitiger musikalischer Hintergrund und seine Herangehensweise, das Aufnehmen als Erlebnis zu betrachten, machten ihn zur perfekten Wahl für uns. Bei „Barely Blue“ haben wir wirklich das Gefühl, dass Dave uns geholfen hat, genau den Sound zu finden, den wir schon lange gesucht hatten.“

Cobb stellte bei vielen  Stücken immer einzelne Instrumente ein wenig in den Vordergrund, beim Opener „Lucky Sometimes“ zum Beispiel ist es eine nölende Harp, beim Titelstück tritt eine fiepende E-Gitarre mit Steelergänzungen in den Vordergrund, „Better Than A Memory“ wird von einer knisternden Akustikgitarre mit Flamenco-Touch geführt,  „Old Fashioned Feeling “ und „Halfway To Heaven“ enthalten ein wenig Duane Allman-Gedächtnis-Slide.

Eine CD, auf der sich nur zehn Stücke befinden, wovon dann auch noch zwei („Vegas“ und „Lone Star State Of Mind“) in verschiedenen Versionen als die beiden Bonustracks serviert werden, als Deluxe-Ausgabe zu benennen, halte ich, gelinde gesagt, für recht kühn, aber an Selbstbewusstsein hat es den Burschen ja noch nie gemangelt. 

„Lone Star State Of Mind“, das für mich stärkste Stock des Werkes, erhält in der Bonusversion durch die hölzernen kauzigen Zusatzvocals von Paul Cauthen tatsächlich nochmal eine besondere Note.

So bekommt man auf „Barely Blue“ quasi acht neue melodische, Melancholie-umwobene Ohrenschmeichler, die aus meiner Sicht genau das Midland-Flair ausstrahlen, wofür sie ihre Fans lieben. Die große bahnbrechende Veränderung sehe ich hier trotz Dave Cobb eigentlich nicht.

Big Machine Records (2024)
Stil: Country

Tracks:
01. Lucky Sometimes
02. Barely Blue
03. Better Than A Memory
04. Old Fashioned Feeling
05. Vegas
06. Baby It’s You
07. Halfway To Heaven
08. Lone Star State Of Mind
09. Vegas (feat. Kaitlin Butts)
10. Lone Star State Of Mind (feat. Paul Cauthen)

Midland
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Lime Tree Music

Absolva – 04.10.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Absolva sorgen wieder einmal für eine sehr gut gefüllte Kulturrampe in Krefeld. Erfreulich ist, dass sich im Publikum auch viele jüngere Fans finden, was zeigt, dass handgemachte Rock Musik nicht nur für ein älteres Publikum interessant ist.

Schnell gelingt es der Band bei einem sehr gut abgemischten Sound und einer schönen Beleuchtung der Bühne für beste Stimmung zu sorgen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Appleton Brüder, die abwechseln den Part der Sologitarre übernehmen und bei einigen Songs und in den Heavymetal und Hard Rock Sound auch das Stilelement der Twin Guitars einfließen lassen. Diese Passagen erinnern zuweilen sogar durch keltische Soundelemente an Wishbone Ash, nur eine Spur härter. Die Leadvocals übernimmt zum Großteil Chris Appleton, der nicht mit zum Teil weit aufgerissenen Augen fast diabolische Züge einfließen lässt. Aber auch sein Bruder Luke zeigt bei einigen Songs seine gesanglichen Fähigkeiten.

Karl Schramm am Bass, der oft headbangend zeigt, wie belastbar die Halswirbelsäule sein kann und Martin Mcne, der an den Drums zeigt, dass er auch gefühlvoll spielen kann, bilden eine starke Rhythmusgrundlage für die beiden Fronter.
Neben altbekannten Songs wird mit „The Thrill Of The Case“ ein Stück eingestreut, was für das im nächsten Jahr zu erscheinende Album vorgesehen ist. Den Worten Chris Appletons nach planen Absolva auch nächstes Jahr in der Kulturrampe wieder einkehren zu wollen, da kann man gespannt sein, was es an neuen Songs geben wird.

Es kann resümiert werden, dass es ein Abend war, an dem sowohl die Fans, wie auch die Band ihren Spaß hatten, da die Stimmung unter den Fans auch ihre Wirkung auf die Band hatte und so eine besondere live Atmosphäre entstanden ist, die sich nach dem Konzert auch im Kneipenbereich fortsetzte, wo die Band noch lange mit den Fans verweilte, was auch oft das Besondere an den „intimen“ Clubkonzerten ist.

Line-up:
Christopher Appleton – vocals, guitar
Luke Appleton – guitars, backing vocals
Karl Schramm – bass, backing vocals
Martin Mcnee – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Absolva
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Kulturrampe

Various Artists – Petty Country – A Country Music Celebration Of Tom Petty – CD-Review

Review: Michael Segets

Der vor sieben Jahren plötzlich verstorbene Tom Petty hinterließ tiefe Spuren in der Geschichte des Rock. Sein Werk dient vielen Musikern als Inspirationsquelle und dementsprechend oft werden seine Songs gecovert oder als Referenzpunkte herangezogen. Für „Petty Country – A Country Music Celebration Of Tom Petty“ fanden sich namhafte Vertreter der Country-Szene zusammen, um ihn und seine Musik zu feiern. Drei Viertel der Interpreten sind alte Bekannte bei Sounds-Of-South. Wie nicht anders zu erwarten, finden sich viele Hits von Petty unter den Titeln. Angesichts seines umfangreichen Outputs, verwundert es nicht, dass ebenso viele Stücke fehlen, die eine Aufnahme auf das Tribute-Album verdient hätten. Das hinterlassene Songmaterial hätte sicherlich ein Doppelalbum gerechtfertigt.

Sich an ein Cover von Tom Petty heranzuwagen, ist ja nicht ohne. Petty hatte seinen eigenen Stil, gesanglich ist er unverwechselbar und der Sound – auch wenn er ihn in seiner Laufbahn durchaus variierte – weist einen hohen Wiedererkennungswert auf. Ein bloßes Nachspielen funktioniert nicht. Die Herausforderung besteht darin, den Songs eine individuelle Note mitzugeben. Dies gelingt den Musikern auf dem Sampler durchgängig. Sie transformieren die jeweiligen Stücke meist behutsam, sodass sie direkt zu identifizieren bleiben. Die vorliegenden Versionen klingen insgesamt erdig, wie man es von Vertretern der Country Music erwartet. Wie Pettys Originale bleiben aber auch die entsprechenden Interpretationen oft dem Rock verhaftet, sodass das Album stellenweise durchaus in Richtung Roots oder Country Rock geht.

Die ausgewählten Titel decken die Jahrzehnte von Pettys Karriere ab. Der Bogen spannt sich von den frühen Klassikern aus den siebziger Jahren über seine großen Hits in den Achtzigern und Neunzigern bis zu seinem letzten Album mit der von ihm wiederbelebten Band Mudcrutch aus dem Jahr 2016. So dürfen natürlich „American Girl“ (Dierks Bentley) und „Breakdown“ (Ryan Hurd) von Pettys erstem Longplayer mit den Heartbreakern nicht fehlen. Wynonna liefert eine wunderbare Version von „Refugee“ und damit zugleich ein Highlight der CD ab.

Die achtziger Jahre vertreten Titel von den Alben „Southern Accents“ (1985) und „Full Moon Fever“ (1989). Ebenfalls dieser Dekade zuzuordnen ist „Stop Draggin‘ My Heart Around“. Lady A covert das ursprünglich von Stevie Nicks und Tom Petty gesungene Duett. Die starken Werke „Hard Promises“ (1981), „Long After Dark“ (1982) und „Let Me Up (I’ve Had Enough)“ (1987) sind zu meiner Überraschung nicht berücksichtigt. Von den Sessions zum letztgenannten Werk stammt allerdings „Ways To Be Wicked“, dem sich Margo Price annimmt. Bei der Konzeption des Tribute lag der Fokus nicht auf einer repräsentativen Werkschau, sondern auf den persönlichen Verbindungen der Interpreten zu den einzelnen Songs.

Dolly Parton gibt sich bei „Southern Accents“ die Ehre. Rhiannon Giddens macht aus dem ursprünglich aufgekratzten „Don’t Come Around Here No More“ eine langsame, soulige Nummer. Der Track verändert das Original erheblich, aber sehr gelungen. Mit „Runnin‘ Down A Dream“ (Luke Combs), „I Won’t Back Down” (Brothers Osborne), „Yer So Bad” (Steve Earle) und „Free Fallin’” (The Cadillac Three) sind gleich vier Songs des erfolgreichen „Full Moon Fever” auf dem Tribute zu finden.

Songs aus den Neunzigern suchten sich die Eli Young Band („Learning To Fly“), Midland („Mary Jane’s Last Dance“) und Thomas Rhett („Wildflowers“) aus. „You Wreck Me“ (Georg Strait) fällt etwas aus dem Rahmen, da es der einzige Live-Mitschnitt auf der CD ist. Altmeister Willie Nelson greift sich „Angel Dream (No. 2)“ heraus.

Nach „Wildflowers“ (1994) schuf Petty nach meiner Einschätzung keine durchweg überzeugenden Alben mehr. Von seiner Spätphase geht wahrscheinlich auch kein so prägender Einfluss auf andere Musiker aus. Auf der Zusammenstellung ist sie vielleicht aus diesem Grund unterrepräsentiert. Dass Petty aber auch im neuen Jahrtausend gute Songs produzierte, zeigt Chris Stapleton. Dieser macht aus „I Should Have Know It“ einen hervorragenden Roots Rocker, der zu meinen Favoriten auf der Compilation zählt. Schließlich spielt Jamey Johnson „Forgive It All“, sodass zumindest Pettys letzte Scheibe noch gewürdigt wird.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Hervorragendes Songmaterial von renommierten Musikern aus der Country-Ecke performt. Was kann da schief gehen? Nichts! Die Country-Gilde sitzt fest im Sattel und zieht die Hüte vor Tom Petty. „Petty Country“ ist eine posthume Verbeugung vor einem der ganz Großen der Rockgeschichte, die zeigt, dass Genregrenzen fließend sind.

Ein paar unveröffentlichte, von Tom Petty selbst eingespielte Stücke hält die am 18. Oktober erscheinende Deluxe-Version von „Long After Dark“ bereit.

Universal (2024)
Stil: Country, Country Rock

Tracks:
01 I Should Have Known It – Chris Stapleton
02 Wildflowers – Thomas Rhett
03 Runnin’ Down A Dream – Luke Combs
04 Southern Accents – Dolly Parton
05 Here Comes My Girl – Justin Moore
06 American Girl – Dierks Bentley
07 Stop Draggin’ My Heart Around – Lady A
08 Forgive It All – Jamey Johnson
09 I Won’t Back Down – Brothers Osborne
10 Refugee – Wynonna
11 Angel Dream (No. 2) – Willie Nelson
12 Learning To Fly – Eli Young Band
13 Breakdown – Ryan Hurd
14 Yer So Bad – Steve Earle
15 Ways To Be Wicked – Margo Price
16 Mary Jane’s Last Dance – Midland
17 Free Fallin’ – The Cadillac Three
18 I Need To Know – Marty Stuart And His Fabulous Superlatives
19 Don’t Come Around Here No More – Rhiannon Giddens
20 You Wreck Me (live) – George Strait

Tom Petty

Harlem Lake – The Mirrored Mask – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Motivation der niederländischen Band Harlem Lake, mutig über die Grenzen musikalischer Genres hinauszugehen und eine couragierte Verschmelzung verschiedenster Stilrichtungen konsequent zu verfolgen, hat ihr in kurzer Zeit zum Durchbruch verholfen.

Bodenständig und – wie sie es selbst beschreiben – mit beiden Beinen in den “muddy lowlands” ihrer Heimat verwurzelt, stehen Harlem Lake zu ihren blues-geprägten Ursprüngen, die sie sehr einfallsreich mit Americana, Rock und auch Pop verbinden. Southern-rockige Töne tun manchmal ein Übriges, um die kraftvollen und leidenschaftlichen Kompositionen souverän in eigenständige Soundcollagen zu tragen. Obwohl erst 2021 gegründet, gelang es der Band aus der Großstadt-Gemeinde Harlemmermeer bereits 2022, den prestigeträchtigen Preis der European Blues Challenge abzuräumen.

Wesentlich hierfür waren der Erfolg ihres Debutalbums “A Fool’s Paradise” (2021) sowie u. a. mitreißenden Tour-Auftritte wie im Schwarzen Adler, Rheinberg. Mit der selbst produzierten Scheibe “Volition Live” (2023) – inkl. Horn-Section und Background-Vocals wurden 13 begeisternde Titel mitgeschnitten. Das nun vorliegende 2. Album “The Mirrored Mask” festigt die Blues-basierte, dynamische Spielweise von Harlem Lake und präsentiert eine abwechslungsreiche Songlist. Produzent Guido Aalbers (z. B. Coldplay, Muse, No Doubt) balancierte die Tracks zwischen modernen und klassischen Arrangements.

Höhepunkte, u. a. die drei Vorabsingles (“Fooled Again”, “Carry On” und “The Thoughts Of You”), die vom rasanten Rhythmus-Groove à la Dire Straits, über Little Feat-betonte Guitar-/Horn-Sounds bis zum gefühlvollen Americana-Epos, sind reichlich vertreten. Immer vorne dabei die mitreißende und emotional wandlungsfähige Stimme von Janne Timmer, die auch als Frontfrau die starke Präsenz der Band mit verkörpert.

Ein mächtiger Bläser-Hintergrund fordert im Titelsong die Leidenschaft der Leadgitarre und der Vocals offen heraus und animieret nahezu unausweichlich zum Abschluss bei den schnellen Partyrockern “Temptation” und “Jack In The Box” (mit sich austobenden Gitarren und Keyboards) zum Tanzen!

Mit ihrem Follow-up “The Mirrored Mask” haben Harlem Lake erneut eine Blues-rockende Scheibe vorgelegt, die ihre vielen musikalischen Farben talentiert und liebevoll mit Americana und Soul anreichert und standesgemäß die Rock’n’Roll-Tradition als Herausforderung versteht. Ab dem 11.10. tourt die Band quer durch die Niederlande und Deutschland, und ein Konzertbesuch bietet die passende Gelegenheit, das Album in physischer Form (CD oder LP) gleich mit nach Hause zu nehmen.

Jazzhaus Records (2024)
Stil: Blues Rock, Americana

Tracks:
01. Carry On
02. Fooled Again
03. To Tell You I’m Sorry
04. Beggars Can’t Choose
05. The Thought Of You
06. Crying IN The Desert
07. The Desert
08. Prelude
09. The Mirrored Mask
10. Temptation
11. Jack Is In The Box

Harlem Lake
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