Texas Hippie Coalition – Stoned Cowboys – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum begeht die Texas Hippie Coalition (THC) mit einem Doppelschlag. Sie bringt zeitgleich ihren neunten und zehnten Longplayer heraus. Wenn man sich nun fragt, warum nicht ein Doppelalbum in den Regalen steht, dann lautet die Antwort, dass die getrennte Veröffentlichung durch die unterschiedlichen Stile gerechtfertigt ist. „Stoned Cowboys“ und „Band Of Outlaws“ unterscheiden sich musikalisch deutlich.

Beim letztgenannten Werk verfolgen THC konsequent das, was sie Red Dirt Metal nennen. Das Quintett um Bandleader Big Dad Rich brettert ohne Kompromisse los. Verschnaufpausen gönnt sich die Band kaum. Zwar gibt es mal ein Intro oder eine Passage, die etwas zurückgenommen sind, aber die Songs gehen durchweg ein hohes Tempo mit ordentlichem Wumms. „Band Of Outlaws“ erscheint noch einen Tick härter und konsequenter als „Gunsmoke“. Die Zielgruppe liegt hier eindeutig auf Metal-Fans.

Etwas anders verhält es sich bei „Stoned Cowboys“. Die CD könnte für unseren Leserkreis interessanter sein. Wenn Big Dad Rich zum Einstieg bei „Damned Ol‘ Country Song“ verspricht, „we’re about to go Country“, dann legt er das Genre auf seine eigene Art und Weise aus. „Stoned Cowboys“ ist letztlich ein Rockalbum, das mehrfach auf den Country rekurriert. So kommt beim erwähnten Stück eine Geige zum Einsatz oder etwas Slide bei dem erstklassigen „Songs In The Rain“. „High In The Saddle“ oder „Rope The Wind“ gehen nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch noch als Countrybeiträge durch.

Kräftig schallende Gitarren, treibender Rhythmus sowie der Gesangsstil beim Opener „Fire Fire“ und dem folgenden „Last Of The Outlaws“ zeigen, dass die Band im Rock der härteren Gangart verwurzelt ist. Während „No Relations“ deutlich erdiger in Richtung Southern angelegt ist, stammen Rhythmus und Gitarrenlauf bei „Down Comes A Hammer“ aus der Hardrock-Sparte. „Bring Me The Moon“ vereint die beiden Spielarten des Rock.

Die Songs des Albums bleiben melodiös und wären mit den brachial wirkenden Stücken von „Band Of Outlaws“ nicht ohne Bruch vereinbar gewesen. Gesanglich zeigt Big Dad Rich – beispielsweise auf „Put The Gun Down“ – einige Facetten, die ich bei den anderen mir bekannten Veröffentlichungen von THC noch nicht wahrgenommen hatte. Die Bandkonstellation mit Cord Pool und Nevada Romo an den Gitarren, Rado Romo am Bass sowie Joey Mandigo am Schlagzeug ist seit „Gunsmoke“ allerdings konstant geblieben. Das Cover zeigt die Portraits der Musiker in Stein gemeißelt. Mount Rushmore und Deep Purple lassen hier grüßen. Aber der Albumname ist natürlich wieder doppeldeutig.

Der Genre-Mix aus Hardrock, Southern und Country, den die Texas Hippie Coalition auf „Stoned Cowboys“ verfolgt, habe ich in dieser Kombination noch nicht oft gehört. Big Dad Rich und seine Mannen legen ein originelles Album vor, das den Spieß umdreht und nicht Country mit Rock kombiniert, sondern Rock mit Country. Das funktioniert.

BIGDADRECORDS (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Fire Fire
02. Last Of The Outlaws
03. Put The Gun Down
04. No Relation
05. Damned Ol’ Country Song
06. Writing Songs In The Rain
07. High In The Saddle
08. Bring Me The Moon
09. Down Comes A Hammer
10. Rope The Wind

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Texas Hippie Coalition – Gunsmoke – Album-Review

Review: Michael Segets

Das mit Computertechnik erstellte Cover von „Gunsmoke“ erinnert von der Ästhetik an „Red Dead Redemption“. Die auf den Betrachter zufliegenden Kugeln sind ein originelles Detail. Der aufblitzende Sheriff- oder Marshal-Stern an einer Figur mag etwas irritieren, da die Männer eher wie Bad Guys wirken. Wie dem auch sei, der erste Blick legt die Vermutung nahe, dass die Musik einer härteren Gangart folgt. Texas Hippie Coalition – abgekürzt THC – bezeichnen ihren Stil als Red Dirt Metal.

Der als Single herausgegebene Titeltrack spezifiziert dann auch was man sich aus der Verbindung von Red Dirt und Metal vorzustellen hat. Der mit akustischer Gitarre einsteigende Track wuchtet, wenn nach einer Minute die elektrische aufdreht, aus den Boxen. Das Stück spielt im Folgenden mit zurückgenommenen und vorwärtsgehenden Passagen, was mir gut gefällt. „Gunsmoke“ motivierte auf alle Fälle, sich das gesamte Album vorzunehmen.

Der Beiträge des Longplayers bewegen sich überwiegend zwischen Hardrock und Metal. Der Sound ist nie breiig und die Songstrukturen bleiben erhalten, wobei den Refrains durchaus ein Wiedererkennungswert zugeschrieben werden kann. „Dead Man“, „Test Positive“ und „Bones Jones“ gehen ohne Kompromisse oder große Schnörkel zur Sache. „Million Man Army“ reiht sich dort ebenfalls ein, wobei sich die Nummer durch den Background im Chorus und Cord Pools auffälligem Gitarrensolo von den anderen abhebt. Wenn man sich die Gehörgänge durchpusten lassen möchte, sind die Songs keine schlechte Wahl.

Den Rhythmus treiben Rado Romo (bass) und Joey Mandigo (drums) voran. Die beiden Gitarristen Cord Pool (lead guitar) und Nevada Romo (rhythm guitar) liefern das, was von ihnen genreentsprechend erwartet wird. Sänger Big Dad Ritch singt oder schreit, was das Zeug hält. Mit seiner imposante Erscheinung macht der Frontmann seinem Namen alle Ehre. Er ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Band, die seit ihrer ersten Veröffentlichung (2008) zahlreiche Umbesetzungen durchlief. In der Mitte der 2010er Jahre verzeichnete die Texas Hippie Coalition einige Platzierungen in diversen US-Charts. Ich wage keine Prognose, ob es ihr nunmehr achtes Album in die einschlägigen Hitlisten schafft.

Für die SoS-Leserschaft sind wahrscheinlich die Tracks interessant, auf denen zumindest Einflüsse des Southern Rock durchscheinen. Auf „Baptized In The Mud“ sowie „Droppin Bombs“ hört man diese heraus. Als Vergleichspunkt zu Texas Hippie Coalition wird gelegentlich Molly Hatchet herangezogen. Beim starken „Eat Crow“ kommt eher Hogjaw in den Sinn. Mit „She’s Like A Song To Me“ und „I’m Gettin High“ bringt die Band schließlich zwei langsame, melodiöse Songs zu Gehör, die durchaus in der Southern- oder Red-Dirt-Ecke zu verorten sind. Während THC beim erstgenannten Titel auf einen voluminösen Sound setzt, ergänzt durch ein paar filigranere Einsprengsel von Cord Pool an den Saiten, kommt „I‘m Gettin High“ zum Abschluss überraschend reduziert daher. Der öfter in den Texten aufgegriffene Faible von Big Dad Ritch für Rauch aller Art findet hier nochmal seinen Ausdruck.

Wer sich nichts unter Red Dirt Metal vorstellen kann, sollte sich die Texas Hippie Coalition anhören. Die Hälfte der Tracks auf „Gunsmoke“ fällt in den Geltungsbereich von SoS. Die andere Hälfte des Albums bleibt dem Hardrock oder hörbarem Metal verpflichtet.

MNRK Heavy (2024)
Stil: Red Dirt Metal

Tracks:
01. Dead Man
02. Baptized In The Mud
03. Bones Jones
04. She’s Like A Song To Me
05. Droppin Bombs
06. Gunsmoke
07. Eat Crow
08. Million Man Army
09. Test Positive
10. I’m Gettin High

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