Sister Hazel – Sand, Sea & Crash Debris – CD-Review

 

Die Band Sister Hazel wurde 1993 von Andrew Copeland und Ken Block in Gainesville, Florida, gegründet und liefert seit ihrem gleichnamigen Debütalbum im Jahr 1994 stetig niveauvolle und gute Musik zwischen Pop, Rock sowie Country- und Southern Rock ab.

Das Quintett steht für Attribute wie Konstanz, Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, immer in Verbindung mit einem gewissen Leistungsanspruch – Dinge, die auch in meinem eigenen Leben durchgehend eine Rolle bis zum heutigen Tage spielen – was die Truppe, ohne sie persönlich zu kennen und da verlasse ich mich einfach auf meine Menschenkenntnis, äußerst sympathisch wirken lässt.

Trotz dieser langen Zeit und vielen tollen Veröffentlichungen laufen sie bei uns in Deutschland  überwiegend unter ferner liefen und sind eher Insidern bekannt, lediglich ihr Song „All For You“ schaffte es 1997 auch in unsere Radiostationen und verhalf ihnen hier zumindest zum Status eines One-Hit-Wonders.

Seit Beginn performt und kreiert man in unveränderter Besetzung mit den beiden o. a. Personen Andrew Copeland und Ken Block sowie Ryan Newell (guitars), Jett Beres (bass, vocals) und Mark Trojanowski (drums). „Sand, Sea & Crash Debris“ ist, wenn man die Zusammenfassung ihrer vier, auch hier größtenteils besprochenen EPs als Doppel-CD „Elements“  berechtigter Weise hinzuzählt, ihr elftes Studioalbum.

Sämtliche zehn Tracks wurden wieder von den Bandmitgliedern in verschiedensten Konstellationen unter Zuhilfenahme einiger Co-Writer, darunter bekannte Leute wie Kyle Jacobs und Billy Montana, komponiert. Die CD beginnt für Sister Hazel-Verhältnisse mit dem krawallig dahinpolternden „Complicated You“ ungemein rockig, Gitarrist Ryan Newell, der ja viele Vorbilder wie Jimi Hendrix oder Eric Clapton aus den Siebzigern sein Eigen nennt, lässt sogar ein paar Thin Lizzy-Reminiszenzen aufblitzen.

Mit „All Goes By So Fast“ (mit fiependen 90er-Synthies), dem E-Gitarren-shuffligen und tanzbaren Gute-Laune-Ohrwurm „Love You More“ sowie dem nach Karibik-Flair lechzenden „Coconut Trees“ (mit Ukulele und Xylophon-artigen Synthies) identifiziere ich die drei potentiellen Single-Kandidaten.

Ganz stark auch das leicht psychedelisch-angehauchte Powerstück „Hole In Your Life„, das in U2-/John Farnham-Heartland-Manier euphorisierende „Live Again„,  als auch das emotional gesungene, wunderschöne „Beautiful Rain“

Am Ende geht es mit den von Jett Beres kreierten und geführten „When Love Takes Hold“ und „Lay Your Worry Down“ sogar noch progressiv southern-rockig zu, Newell offeriert bei letztgenanntem Song auch noch mal seine E-Gitarrenkünste der Marke Outlaws (furioses Solo am Ende). Beim Outro des Liedes darf man sich dann sogar noch über einen kurzen Jon Lord-mäßigen Orgel-Hall freuen.

Fazit: Mit dem von Ben Jackson und Sister Hazel produzierten elften Album „„Sand, Sea & Crash Debris“ ersticken die Protagonisten jeden Anflug von vermeintlichen Abnutzungserscheinungen schon im Keime. Ganz im Gegenteil – das Quintett ist intern breiter aufgestellt denn je und die Kreativität scheint ungebrochen. Somit erhält man erneut bewährte Sister Hazel-Ware, mit der es sich, wie immer, zu beschäftigen lohnt. Tolle Musik!

Croakin‘ Poet Records (2024)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Complicated You
02. All Goes By So Fast
03. Hole In Your Life
04. Love You More
05. Live Again
06. Making It Up
07. Beautiful Rain
08. Coconut Trees
09. When Love Takes Hold
10. Lay Your Worry Down

Sister Hazel
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Kaylor Girl Promotion

Dwight Yoakam – Brighter Days – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Country-Star Dwight Yoakam muss hier wohl nicht eigens vorgestellt werden. Zuletzt fiel er mir als Schauspieler in „Cry Macho“ von Clint Eastwood auf. Mit rund vierzig Auftritten in Film- und Fernsehproduktionen fährt Yoakam also auf zwei künstlerischen Schienen. Seine größten musikalischen Erfolge feierte er in den 1980ern und 1990ern. 2022 war er mit Lucinda Williams und Steve Earle auf Tour, ansonsten ist es in den letzten Jahren deutlich stiller um ihn geworden. Sein vorangegangenes Studioalbum liegt nun schon acht Jahre zurück. An den Songs für „Brighter Days“ mit zwölf Originalbeiträgen und zwei Covern arbeitete er drei Jahre.

Yoakam muss nichts mehr beweisen und macht das, wofür er steht: New Traditional Country. Am Anfang seiner Karriere fasste er in Nashville nicht Fuß, da er sich mit den Pop-Einflüsse, die in der dortigen Country-Szene Einzug hielten, nicht anfreunden konnte. Der in Kentucky geborene Yoakam zog daher nach Los Angeles weiter. In seiner neuen Heimat perfektionierte er seinen eigenen Stil, der sich an den Bakersfield-Sound anlehnt. „California Sky“ atmet dann auch den Hauch der Westküste. „A Dream That Never Ends“ passt zu einem Sonnenuntergang über dem Pazifik. Der Song erinnert an The Traveling Wilburys, auch wenn der Harmoniegesang nicht so dominant ist wie bei der Supergroup.

Die meisten Beiträge auf „Brighter Days“ schwofen im Midtempo. Sie sind eingängig und radiotauglich, wirken aber rückwärtsgewandt. Überraschungen bleiben aus und auch wenn Yoakam sich bei „I Don’t Know How To Say Goodbye (Bang Bang Boom Boom)“ Post Malone ins Studio holt, kann kaum von einer Verjüngungskur gesprochen werden. Das Stück bleibt eine traditionsverbundene Nummer und passt sich so in das Album ein, das wenig Höhen und Tiefen kennt. Gelegentlich schlägt Yoakam gemäßigt rockende Töne an („If Only“), mal lässt er es ruhiger angehen („Hand Me Down Heart“). Unaufgeregt folgt Yoakam bekannten Pfaden.

Abwechslung bringt Yoakam auf die Scheibe, wenn er sich dem Rock ‘n Roll zuwendet. Dies tut er bei „Every Night“ und „Can’t Be Wrong“. Letztgenannter Track zählt neben dem Opener „Wide Open Heart“ zu den Songs, die mich am meisten mitnehmen. Gelungen ist auch die Country-Rock-Version von „Keep On The Sunny Side“ der Carter Family. Demgegenüber fällt das Cover „Bound Away“ im Vergleich mit dem Original von Cake ziemlich glatt aus.

Dwight Yoakam meldet sich mit „Brighter Days“ zurück. Professionell produziert, wie man es von ihm kennt, reiht sich das Album in die Liste seiner Veröffentlichungen ein. Yoakam bleibt seinem Stil treu und so werden die neuen Songs bei den Traditionalisten unter den Country-Fans und seinen 1.3 Millionen Facebook-Followern sicherlich positive Resonanz erzeugen. Im November promotet Yoakam sein Werk mit Konzerten in Florida und Texas, bei denen er mit The Mavericks, Gary Allen und Joshua Ray Walker unterwegs ist.

Via Records – Thirty Tigers (2024)
Stil: Country

Tracks:

01. Wide Open Heart
02. I’ll Pay The Price
03. Bound Away
04. California Sky
05. Can’t Be Wrong
06. I Spell Love
07. A Dream That Never Ends
08. Brighter Days
09. I Don’t Know How To Say Goodbye (Bang Bang Boom Boom) (feat. Post Malone)
10. If Only
11. Hand Me Down Heart
12. Time Between
13. Keep On The Sunny Side
14. Every Night

Dwight Yoakam
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Henrik Freischlader – 07.11.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Dass Henrik Freischlader zu den angesagtesten Blues-Musikern Deutschlands gehört, zeigt sich auch dadurch, dass der Schwarze Adler schon einige Wochen vor dem Konzert ausverkauft war.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Freischlader mit seinem Bassisten Rene Pütz und Drummer Leon Mucke die Bühne und begrüßt sichtlich gut gelaunt die Fans, die ihn mit Applaus aufnehmen. Passend beginnt er das über zweistündige Konzert mit zwei Sets, indem er mit dem Titelsong „The Blues“ von seinem ersten Album quasi die Überschrift des Abends setzt, um mit „Free“ direkt den Bogen zum letzten Studiowerk zu spannen. Die Songauswahl ist so geschickt gewählt, dass sich die gesamte Energie des Powertrios entladen kann.

Freischlader setzt mit zahlreichen oft minutenlangen Soli Akzente und heimst dafür mehrfach verdienten Szenenapplaus ein. Aber auch seine beiden Bandmitglieder zeigen neben der Rhythmusarbeit in kurzen Soloeinlagen und zum Ende des Konzertes mit einem mehrminütigen Bass- und Drumsolo, wo Freischlader ihnen die Bühne überlässt, das sie ihre Instrumente perfekt einzusetzen wissen.

In einem Konzert ohne Längen, wenn man von den langen aber abwechslungsreichen Gitarrensoli einmal absieht, begeistert die Band mit Tracks wie „Disappointed Woman“, „The Bridge“ oder „The Sky Is Crying“, um mit einer entfesselten Version von „Foxy Lady“ als Zugabe einen hochklassigen Bluesabend unter dem tosendem Applaus der Anwesenden im Schwarzen Adler zu beenden.

Line-up:
Henrik Freischlader – vocals, guitar
Rene Pütz – bass
Leon Mucke – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Joe Flip – Old Soul: Live – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Joe Flip, ein mir bis dato mir völlig unbekannter amerikanischer Bluesrocker, dessen Markenzeichen es ist, auf handgefertigten Gitarren aus Ölkanistern zu spielen, stellte Ende September sein drittes Album vor. „Old Soul: Live“ heißt das Werk, auf dem er sich an Blues- und Blues Rock-Klassikern der letzten Jahrzehnte von Stevie Ray Vaughan („Pride and Joy“), Jimi Hendrix („Little Wing“, „Voodoo Child“), Ray Charles („Mess Around“), ZZ Zop („Tube Snake Boogie“, „Tush“, Just Got Paid“, „La Grange“), Freddy King („I‘m Tore Down“), Robert Nighthawk („Anna Lee“), Johnny Otis („Willie and the Hand Jive“) und Elmore James („The Sky Is Crying“) in teils elegischer Breite abarbeitet, alle in einem Club live gespielt und aufgenommen.

Die meisten der Songs kommen schweißtreibend und mit einer ungestümen Spielfreude daher und verleiten unwillkürlich zum Mitzappeln, wobei sie ihre Nähe zum den Originalen nicht verleugnen, aber dennoch Joe Flips Handschrift tragen. Einzig „Anna Lee“, in der Urfassung ein traditioneller Slowblues von Robert Nighthawk aus dem Jahr 1949, verwandelt sich unter den Fingern von Joe Flip in ein wildes und furioses, kaum wieder erkennbares Instrumentalstück. Das absolute Gegenstück dazu ist Elmore James‘ ruhige Komposition „The Sky Is Crying“ von 1960, die Joe Flip in ein modernes Gewand im Stil des Chicagoblues packt.

Die übrigen Tracks sind wie gesagt bekannte Knaller, in den denen der amerikanische Bluesrocker eindrucksvoll beweist, dass er nicht nur auf hohem Niveau Gitarre spielen kann, sondern auch stimmlich überzeugt. Insgesamt ein feines Album für flippige Blues Rock-Aficionados.

Tracks:
01. Pride And Joy
02. Little Wing
03. Mess Around
04. Just Friends
05. Tube Snake Boogie
06. I‘m Tore Down
07. Anna Lee
08. Willie And The Hand Jive
09. The Sky Is Crying
10. Tush
11. Just Got Paid
12. La Grange
13. Voodoo Child (Slight Return)

Joe Flip
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Patricia Vonne – 27.10.2024 – to hoop, Rheinberg, Konzertnachlese

Patricia Vonne bringt bei ihrem ersten Besuch im Rheinberg-Alpsrayer to hoop den Flair der mexikanisch-spanisch beeinflussten Südstaaten mit auf die Bühne. Ihre familiäre Herkunft unterstreicht sie deutlich, in dem sie zwischen englischen und spanischen Texten, wo das mexikanische Temperament ein belebendes Element ist, switcht.

Nicht nur durch ihre Gesangsqualitäten und das Gitarrenspiel auf der akustischen Gibson (einmal wechselt sie auf die Rickenbacker von Robert LaRoche und übernimmt die Leadguitar) begeistert Vonne die Musikfans, sie ist auch eine ausgezeichnete Entertainerin mit Schauspielfähigkeiten. Mal gibt sie Kastagnetten einsetzend eine Flamenco-Tänzerin, um kurze Zeit später wie ein Matador ihre Musiker zu lenken. Auch das Publikum, mit dem sie in ständiger Interaktion ist, wird mehrfach Teil der Show, sowie eine langjährige Freundin, die sie für einen Track gesanglich unterstützt.

Dabei kann sie sich voll auf ihre Band verlassen. Robert La Roche bringt mit seiner Rickenbacker eine gewisse Härte in die Songs und sorgt für einige fetzige Soli. Bernhard Weichinger an den Drums und Bassist Harmen de Bresser zeigen während des gesamten Konzertes, dass sie Meister ihres Fachs sind und auf den Punkt den Rhythmus, mit einer spielerischen Leichtigkeit vorgeben.

Das Konzert, aus dessen starker und abwechslungsreicher Setlist „Que Maravilla“, „Top Of The Mountain“ und das rockige „Rebel Bride“ herausragen, hätte mit Sicherheit mehr als die anwesenden Fans, die voll auf ihre Kosten gekommen sind, verdient gehabt. Ein Blick auf die Veranstaltungen im to hoop lohnt sich auf jedem Fall, Sami Durak, hat neben Konzerten und anderen Events in diesem Jahr auch fürs nächste Jahr einige Überraschungen in der Planung.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Patricia Vonne
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To Hoop

Samantha Fish – 20.10.2024 – Kantine, Köln – Konzertnachlese

Im letzten Jahr brachte Samantha Fish mit Jesse Dayton den „Death Wish Blues“ auf die hiesigen Bühnen. Jetzt geht sie wieder solo auf Tour und macht den Schritt von Clubs auch in größere Locations wie die Kantine in Köln. Kurz nach 20 Uhr betritt Fish mit ihrer Band bei gedämpftem blauen Licht und wabberndem Nebel die Bühne in der Kantine.

Direkt geht das Frontlicht auf Samantha Fish, die mit enger schwarzer Lederhose und Lederweste die Fans charmant begrüßt. Wer sie allerdings auf ihr Outfit reduziert, wird der Musikerin aus Kansas nicht gerecht. Mit einer weißen Gibson SG, die im Kontrast zur schwarzen Kleidung zu glänzen scheint, sorgt mit dem rockigen „Kick Out The Jams“ direkt für beste Stimmung. Der gut abgemischte Sound lässt auch ihre Stimme zur Geltung kommen.

Bassist Ron Johnson und Jamie Douglass an den Drums sorgen für eine fette transparente Rhythmusgrundlage, auf der sich Fish mit diversen staken Soli austoben kann. Mickey Finn an den Keyboards unterlegt die Songs mit einigen Klangteppichen, kann aber auch mit Solopassagen glänzen, wo er sich zuweilen mit Fish die Noten hin und her schmeißt.

Ein Highlight ist „Bulletproof“, wo sie slidend über ihre Zigarrenbox-Gitarre fegt. Einen Kontrast zu den meist härter gespielten Stücken bildet „Need You More“, wo sie zur Akustikgitarre greift und für einen Moment etwas Tempo aus der Show nimmt.

In einer über 10-minütigen Version von „Black Wind Howlin´“, haben alle Musiker in jammenden Phasen die Möglichkeit sich zu ‚zeigen‘ und individuelle ihre Spielstärke in den Vordergrund zu stellen. Fish fegt auch hier zeitweise slidend über die Saiten ihrer Supro Belmont Red. So beendet Samantha Fish mit ihrer Band unter frenetischem Applaus zunächst den Gig. Lautstarke Zugabeforderungen sorgen dann dafür, dass die Band schnell wieder auf die Bühne kommt.

Mit dem rockigen „Goin´Down South“ beendet Fish das Konzert, wie sie es begonnen hat, mit der weißen Gibson SG. Der angedeutete Blitz auf dem schwarzen Gitarrengurt kann symbolisch dafür gesehen werden, dass sie mit ihrer Band wie ein Gewitter über die Kölner Kantine gezogen ist und so in der Domstadt Werbung in eigener Sache gemacht hat, sodass sich beim nächsten Mal aus einer ansehnlich gefüllten Kantine eine proppevolle Kantine entwickeln wird. Dieser engagierte Auftritt hätte das auch schon verdient gehabt.

Line-up:
Samantha Fish – guitars, vocals
Ron Johnson – bass
Jamie Douglass – drums
Mickey Finn – keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Samantha Fish
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3Dog Entertainment
Kantine Köln

Steve Leon & The Accusations – Borrowed Time Bonanza – CD-Review

Review: Michael Segets

Kurz nach ihrer Debüt-EP „Louche” bringen Steve Leon & The Accusations nun ihr erstes Album heraus. „Borrowed Time Bonanza“ knüpft an ihre erste Veröffentlichung an und bewegt sich weiterhin im Indie-Folk. Die Band zeigt sich jedoch gereift, wobei die Instrumentalisierung etwas voller erscheint und nun deutlicher in Richtung Alternative Country geht. Die zehn von Steve Leon geschriebenen Stücke wurden analog aufgenommen und in unveränderter Bandbesetzung wie die EP eingespielt. The Accusations sind weiterhin Mila Francis, Yannick Hermans, Bouke Cools, Kristof Van de Vliet und Tim Martens.

Das Sextett aus Belgien setzt auf Songs, die eine spezielle Mischung aus Indie und Country bieten. Das Songwriting wandelt eher auf Independent-Pfaden, die instrumentale Begleitung mit Pedal Steel und Dobro, für die Bouke Cools zuständig zeichnet, sowie Geige und Mandoline – jeweils von Mila Francis gespielt – ist eher für den Country charakteristisch. Der Opener „You Blind Me“ verweist mit seinem Rhythmus und Twang am deutlichsten auf den Country und auch die Single „Bound To Break“ kann dort noch verortet werden. Die anderen Stücke bleiben von ihrer Grundanlage eher im Independent-Bereich. Sie bewegen sich im unteren bis mittleren Tempobereich. Die Vorgeschichte der Bandmitglieder in diversen Punk-Bands scheint dabei nicht durch.

Die Songs bieten einige klangliche Einfälle und sind durchaus unterschiedlich aufgebaut. Die meisten Beiträge brennen sich aber nicht so ein, man sie lange im Ohr behält. Auffällig ist jedoch „Say It Out Loud“, das beinahe nach The Cure in einer countryfizierten Version klingt. Schöne Details finden sich in mehreren Stücken. Yannick Hermans hat bei „Clowns“ und dem getragenen „No Mirror“ gelungene Parts mit seiner Gitarre. Auch Mila Francis wertet die Songs auf, wenn sie ihren Ehemann Steve Leon am Mikro begleitet. Beispielsweise bei meinen beiden Favoriten auf dem Album der Ballade „Live Every Day“ und dem luftigen „Colours“ ergänzen sich die beiden prima.

So wie auf dem Cover Spielzeugcowboys neben Dinosauriern drapiert sind, treffen bei „Borrowed Time Bonanza“ mit Country und Independent-Music zwei Welten aufeinander, die sonst wenig Berührungspunkte haben. In sich ist das Werk stimmig, wenn man sich damit anfreunden kann, dass solche Stile gemixt werden. Die Songs von Steve Leon sind mit wenigen Ausnahmen im Indie-Folk verwurzelt und werden von ihm und The Accusations mit country-typischen Instrumenten und Arrangements versehen. Bei einer Einordnung der Musik als Alternative Country liegt die Betonung daher auf dem ersten Wort.

Off Label Records (2024)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. You Blind Me
02. Say It Out Loud
03. Bound To Break
04. Clowns
05. Live Every Day
06. Free
07. No Mirror
08. Until We Fall
09. Colours
10. Fiction

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Off Label Records
JohThema Promotions

Julian Sas – 19.10.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertnachlese

Julian Sas sorgt im Schwarzen Adler in Rheinberg für ein ausverkauftes Haus. Der Opener „Home Feelin´“ ist gut gewählt und vom ersten Moment ist zu sehen, dass die Bühne für Julian quasi das Wohnzimmer ist, in dem er alles tut, seine Gästen etwas zu bieten. Dabei ist der Schwarze Adler für ihn etwas wie ein Heimspiel. Mit seiner Band kehrt er zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum musikalisch wieder zu seinen Wurzeln als Powertrio zurück.

Mit Edwin van Huik am Bass und Lars-Erik van Elzakker an den Drums hat er kongeniale Mitmusiker, die auf der Bühne zu einer Einheit verschmelzen und bei vielen jammenden Phasen auf den Punkt wieder in den eigentlichen Song zurückfinden. Die Energie auf der Bühne springt sofort auf das begeistert mitgehende Publikum über, was die Niederländer scheinbar nochmals anzustacheln scheint.

Die rasante Fahrt wird nur einmal kurz vom melancholischen „Fallin´From The Edge“ unterbrochen, was seinem ehemaligen Bassisten gewidmet ist. Selbst dieser auf dem letzten Album leicht balladeske, noch mit Keyboards eingespielte Song, bekommt in der neuen Besetzung der Band einen raueren Charakter.

In einem abwechslungsreichen Konzert in zwei Sets mit über zwei Stunden Dauer, kommt durch die Variabilität der Songs keine Langeweile auf. Es geht vom Blues über Boogie zu Hard Rock und selbst Southern-stylische Soli entlockt er seinen Gitarren. Mit einer Extended-Version von „Hey Joe“, den hard rockigen „The Devil Got My Number“ und dem legendären „Bullfrog Blues“ beendet er mit einem finale furioso einen starken, schweißtreibenden Blues Rock-Abend im Schwarzen Adler.

Sas kündigte während des Konzerts schon an, dass man sich nächstes Jahr wiedersehen werde. Dann wird er ein neues Album, das erste, das er in der aktuellen Besetzung eingespielt hat, dabei haben. Wie gewohnt ließen es sich Julian und seine Band nicht nehmen, ausgiebig für die Fans nach dem Konzert für Smalltalk und Fotos bereit zu stehen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric guitar)
Edwin Van Huik (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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On Stage Group
Schwarzer Adler, Vierbaum

The Sheepdogs – Hell Together – EP-Review

Den Luxus, darüber zu nachzudenken, was besser ist – ein komplettes Album oder alternativ zweimal im Jahr eine EP zu veröffentlichen – kann man sich in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, vermutlich nur leisten, wenn man Herr seines eigenen Labels ist.

Die Sheepdogs haben aus diesem Grunde die Pfade der Majors verlassen und sind seit geraumer Zeit auf dem selbst gegründeten Right On Records-Label unterwegs. „Wir wollen einfach die Häufigkeit, Musik zu veröffentlichen, erhöhen und Dinge anders zu machen, als wir es in der Vergangenheit getan haben“, so Bassist und Bandmanager Ryan Gullen.

Damit kann die finale Entscheidung vorweggenommen werden, nachdem sie bereits zu Begin des Jahres die tolle EP „Paradise Alone“ vorweg geschickt hatten. Ich meine auch, dass man mit mehreren detaillierten Akzenten deutlich nachhaltiger in hier Erinnerung bleibt, zumal man mit „Hell Together“ ein weiteres Klasseteil hinterher schiebt und in wenigen Wochen auch noch mit Live-Präsenz aufwartet.

Auf „Hell Together“ (der Titel ist ein Wortspiel mit einem Augenzwinkern an den Vorgänger anknüpfend und die Idee, dass selbst wenn man etwas sehr Schwieriges durchmacht, und mit seinen Leuten zusammen ist, es diese Stärke des Gemeinsamen gibt, dass man sich Allem stellen kann), haben die Kanadier diesmal einen Track mehr drauf gepackt.

Der Einstieg mit den sehr 70er-umgarnten „Now Or Never“ (mit sehr beatlesken Harmoniegesängen, aber schönem E-Solo) und „Handle My Biz“ mit einer ständig präsenten Leierkasten Key-Synthie-Hook, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.

Hatte ich mich noch beim vorherigen Review zu Warren Haynes grandioser Scheibe „Million Voices Whisper“ über die Erhaltung des Allman Brothers-Spirits ausgelassen, so zählen zu den Wahrern dieser Musik sicherlich  auch die Protagonisten dieses Werkes, wie man unzweifelhaft an Stücken wie „My Home Is Burning“ und dem fantastischen Titelstück am Ende unzweifelhaft erkennen kann.

Erstgenanntes mit so einem esotherischen Zustz-Flair, das man u. a. auf „Brothers & Sisters“ vorfand, „Hell Together kommt wie ein modernes „Midight Rider“, Highlight sind die klimpernden Chuck Leavell-Piano-Gedächtnis-Einlagen, die Slide- und E-Gitarre fulminant vor sich her treiben. Ein 6 1/2-minütiger Song mit Southern-Klassiker-Ambitionen!

Das fluffige und melodische „The Working Man“ ist von den starken Vokalgruppen der 70er wie u. a. den Eagles, der Nitty Gritty Dirt Band, Crosby Stills & Nash oder America geprägt, hat aber eine klare Southern-Note. Neben dem Titeltrack mein persönlicher Favorit des Kurzwerks.

„Es hat etwas mit dem Aufwachsen in der Mittelschicht zu tun“, sinniert Fronter Ewan Currie, „wir müssen einfach weitermachen. Und so arbeiten wir immer noch sehr hart, wir konzentrieren uns, und ich habe das Gefühl, dass wir eine Menge wirklich guter Musik zu machen haben. Ich bin also sehr optimistisch und aufgeregt, weil ich das Gefühl habe, dass wir noch eine Menge kreativer Dinge zu sagen haben. It feels really good.“

Die Live-Wirkung der Songs von „Paradise Alone“ und „Hell Together“ kann man in Kürze antesten.

Auf Tour geht es diesen Monat in folgende Locations (alle Shows mit Support The Commoners)
13.11. München, Strom
14.11. Dresden, Beatpol
15.11. Berlin, Frannz
17.11. Hamburg, Bahnhof Pauli
26.11. Köln, Luxor

Right On Records (2024)
Stil Southern Rock & More

Tracklist:
01. Now Or Never
02. Handle My Biz
03. My Home Is Burning
04. The Working Man
05. Jeroboam
06. Hell Together

The Sheepdogs
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Oktober Promotion

Steve Earle – Alone Again … Live – CD-Review

Review: Michael Segets

Im Rahmen seiner „Townes”-Tour konnte ich Steve Earle nur mit Gitarre und Mundharmonika live erleben. Das ist nun auch schon fünfzehn Jahre her, aber seine Präsenz auf der Bühne und die Anekdoten, die sich damals hauptsächlich um seine Erlebnisse mit Townes Van Zandt drehten, sind mir noch gut in Erinnerung. Es liegen schon ein paar Konzerte und Aufnahmen von Earle vor, die er solo bestreitet. Diese ergänzt er mit „Alone Again … Live“. Das Album wurde bereits im Juli digital veröffentlicht, nun steht hierzulande die CD zum Verkauf und Vinyl folgt demnächst.

Einige seiner frühen Klassiker finden sich vor allem am Anfang der CD. „The Devil’s Right Hand“, „My Old Friend The Blues“, „Someday“, „Guitar Town“ und „I’Ain’t Ever Satisfied” werden zügig hintereinander weg gespielt. Zum Abschluss des Albums folgt mit „Copperhead Road” noch ein Titel aus den 1980ern, der im letzten Jahr zu einem offiziellen Song des Staates Tennessee erhoben wurde. Was immer das bedeuten mag.

Steve Earle wählt drei Tracks von „I Feel Alright“ (1996) („Now She’s Gone”, „South Nashville Blues” und „CCKMP”) und zwei von „Transcendental Blues”. Neben dem Titelstück seines Albums aus dem Jahr 2000 spielt er „The Galway Girl“, das nicht mit dem Lied von Ed Sheeran zu verwechseln ist. Earles Song ist älter und besser. Die Setlist überrascht dahingehend, dass Earle von seinen jüngeren Veröffentlichungen lediglich „It’s About Blood“ herausgepickt. Der Text dreht sich um ein Minenunglück in West Virginia und Earle nutzt die Gelegenheit, zu einem sozialkritischen Kommentar über Profiteure und Leidtragende des Systems.

Neben den relativ langen Ausführungen zu dem Stück, das von dem Album „Ghost Of West Virginia“ (2020) stammt, gibt Earle als Storyteller ein paar kürzere Anmerkungen und Anekdoten zum Besten. Sie sind persönlicher gehalten und mit einem Augenzwinkern versehen wie vor „Goodbye“ oder „Sparkle And Shine“. Ich finde, dass solche Zwischenbemerkungen zu Konzerten gehören, da sie zu deren speziellen Atmosphäre beitragen. Wenn man die Aufnahmen aber mehrmals gehört hat oder sich nur die Musik anhören möchte, ist ein Splitting von Vorteil, was sich bei der vorliegenden Scheibe zumindest bei „It’s About Blood“ angeboten hätte.

Steve Earle braucht nicht viel, um sein Publikum zu fesseln, wie „Alone Again … Live“ erneut beweist. Er vertraut auf die Kraft seiner Klassiker. Seine langjährigen Fans hätten sich eventuell eher Versionen seiner neueren Songs gewünscht, was nichts an der überzeugenden Vorstellung ändert, die der Mann aus Virginia gibt.

Missing Piece Records – Membran (2024)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. The Devil’s Right Hand
02. My Old Friend The Blues
03. Someday
04. Guitar Town
05. I’Ain’t Ever Satisfied
06. Now She’s Gone
07. Goodbye
08. Sparkle And Shine
09. South Nashville Blues
10. CCKMP
11. Transcendental Blues
12. It’s About Blood
13. Dominick St.
14. The Galway Girl
15. Copperhead Road

Steve Earle
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Missing Piece Records