Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon – I. Crescent – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In einem außergewöhnlichen Gesamtkunstwerk aus 4 Studio-Alben mit zugehörigen Begleitfilmen auf dem eigenen You-Tube-Kanal präsentiert die Tedeschi Trucks Band ihr neues Projekt “I Am The Moon”, dessen erster Longplayer “I. Crescent” am 03.06.2022 veröffentlicht wird. Die ungewöhnliche Konzeption, mehrere Alben hintereinander jeweils in 4-wöchigem Abstand zu releasen, wurde von Mike Mattison, dem Sänger der Band, bereits im Mai 2020 initiiert. Die Idee benötigte fast zwei Jahre, einschließlich der filmischen Sequenzen von Regisseur Alex Lambert bis zu den Fans.

Thematisch geprägt ist “I Am The Moon” durch das leidenschaftliche Monumental-Epos “Layla & Majnun” (ca. 100 Seiten) des persischen Poeten Nizame Ganjavi (12. Jahrhundert), der mit seinem Gedicht schon das musikalische Meisterwerk “Layla and Other Assorted Love Songs” von Eric (Derek) Clapton and the Dominos beeinflusste. TTB hatten dieses Masterpiece bereits beim Lockn’ Festival 2020 gecovert und offenbar die dichterische Dynamik von Textinhalten und komplexen Handlungen der Erzählung kennengelernt. Diese moderne Form und musikalische Aufarbeitung ist die Episoden-Folge “I Am The Moon”.

In 24 eigenen Songs hat die Band die mythische Geschichte über ein unglücklich verliebtes Paar in eine neue Perspektive übernommen und im Songwriting interpretiert. Entstanden sind dabei mehr als 2 Stunden Musik, die weit über das bisherige Blues-Rock-Image hinausgehen und im vorliegenden Teil “I. Crescent” den stets brillianten Gibson-Sound und Tedeschis blues-rockige Vocals in eine getragene Soul-Blues-Stimmung verwandeln. Ein Touch New Orleans Jazz wird bei “Fall In” in familiäre Southern-Rock Elemente integriert, sodass eine fröhliche Background “Mardi Gras”-Passage im Kontext des Themas fast orientalisch anmutet.

Neben dem Titelsong bildet “Round The Sun” den Balladen-betonten Teil des Albums, mit starker Horn-Sektion und jammenden Saiteninstrumenten. Das 12-minütige Instrumentalstück “Pasaquan” schließt “Crescent” gebührend ab und beeindruckt durch übermächtige Song-Konturen, die allen Beteiligten ihren Solo-Platz einräumen und den alten Allman Brothers-Spirit wiederbeleben. Mit dem Projekt “I Am The Moon”, aufgeteilt in die 4 Ausgaben “I. Cresent”, (03.06.), “II. Ascension”, (01.07.), “III. The Fall”, (29.07.) und “IV. Farewell”, (26.08.) – mit jeweiligen filmischen Vorab-Inszenierungen – hat die Tedeschi Trucks Band erneut den Versuch unternommen, ein konzeptionelles Gesamtwerk hochambitioniert vorzulegen.

Die eindrucksvolle Kreativität und musikalische Entwicklungsfähigkeit der Tedeschi Trucks Band bestechen in einer spürbar vitalen Intensität der Aufnahmen, sodass der erste Teil “I. Crescent” auch für die folgenden Episoden-Alben eine gespannte Erwartungshaltung uneingeschränkt beibehält.

Fantasy-Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Hear My Dear
02. Fall In
03. I Am The Moon
04. Round The Sun
05. Pasaquan

The Tedeschi Trucks Band
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Oktober Promotion

 

Jane Lee Hooker – 02.06.2022 – Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Als einzige Show in NRW machten Jane Lee Hooker Stop im Zentrum Altenberg in Oberhausen. Umso erstaunlicher war es, dass der Club im Zuschauerraum doch größere Lücken aufwies, wo die New Yorker Band doch vor Corona ähnliche Locations gut gefüllt hatte. So zeigte sich an diesem Abend für den Veranstalter, wie so oft in der jetzigen Zeit, dass es schwer ist, Musikfans zu aktivieren.

Kurz nach 20 Uhr betraten die fünf Musiker die Bühne und nach einer kurzen Begrüßung der Fans, die während des gesamten Konzertes gut Stimmung machten, legte die Band gleich los wie die Feuerwehr. Nahezu ohne Pausen jagte ein Song den anderen. In den Stücken wurden Fans des Hard Rocks, Southern Rocks aber auch des Blues Rocks bedient. Insgesamt kann man sagen, dass es knapp 100 Minuten Powerrock gab.

Fronterin Dana Danger Athens bewies neben ihren gesanglichen Fähigkeiten, und ihrem gestenreichen Auftreten (zuweilen mit rollenden Augen), dass sie auch das Keyboard beherrscht. Ihr gelang es schnell, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, indem sie so machen spaßigen Flirt einging.

Die beiden Gitarristinnen Tina T-Bone Gorin und Tracy Hightop wechselten sich in der Rhythmus- und Soloarbeit ab und legten so manche feurigen Soli aufs Parkett und sparten dabei nicht mit dem dazu gehörenden Posen. Grundlage des Sounds war das rhythmische Treiben von Hail Mary Zadroga am Bass und vom Hahn im Korb Lightnin` Ron Salvo am Schlagzeug, die auch mit kurzen eingestreuten Soli glänzen konnten.

Herausragend bei den Songs waren „Mama Said“, der Kracher „Mean Town Blues“ von aktuellen Album „Rollin´“ mit dem der Hauptact abgeschlossen wurde und der dafür sorgte, dass lauthals Zugaben gefordert wurden. Nachdem  eine entfesselte Stimmung durch „Manish Boy“ und „Runaway Train“ dafür gesorgt hatte, dass die Band nochmals die Bühne betrat, hatte man den Eindruck hatte, dass überlegt wurde, was noch gespielt werden könne.

Drummer Ron Salvo, der erst seit dem letzten Album bei der Band ist, zuckte auf jedem Fall mit den Schultern (hatte er den anvisierten Song vielleicht noch nie gespielt?) und es folgte als Abschluss noch eine tolle Version von „Wade In The Water“.

Ohne große Umschweife begab sich die Band, nachdem das Licht im Saal angegangen war, an den Merchandising-Stand und stand für Klatsch und Tratsch, Fotosouveniers und das Signieren von Fanartikeln bereit. Ein toller Konzertabend mit einer sympathischen Band fand so einen harmonischen Abschluss, der mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Lightnin` Ron Salvo (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jane Lee Hooker
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SittichBooking
Zentrum Altenberg Oberhausen

Allen-Forrester Band – 01.06.2022 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Drei Konzerte innerhalb von sechs Tagen, das war für mich nach der langen Corona-Phase und den dadurch bedingten Entbehrungen samt beruflicher Veränderung, durchaus erstmal eine Herausforderung. Von Whitesnake in einer Arena, ging es über Larkin Poe in einer mittelgroßen Location wieder zurück in die von mir präferierten, kleineren Clubgefilde, diesmal in Sachen der Allen-Forrester Band in die geliebte Kulturrampe zu Krefeld.

Verkehrte Welt, unser Team bestand mit Michael Segets und mir aus zwei Schreiberlingen, die etatmäßigen Fotografen standen nicht zur Verfügung. Und so einigten wir uns im Rahmen unserer mitgeführten Amateurkameras, dass Michael das Knipsen und meine Wenigkeit das Schreiben übernimmt und wir am Ende mal gucken, was so an Bildern herauskommt.

Die Allen-Forrester Band ist ein Rock-, Blues und Southern Rock-Projekt der beiden amerikanischen Musiker Josh Allen und Ben Forrester, das durch die deutsche Rhythmusfraktion Hendrik Herder und Matthias Böhm ergänzt wird, beide übrigens im gesamten Verlauf fulminant mitagierend.

Das Quartett hat aktuell eine Live-CD am Start, aus der dann Tracks wie u. a. „Mr. Boss Man“ (auch an diesem Abend der Opener nach Pilles Ansage), „Say My Name“, „Too Late“, „This Evening“, „Don’t Keep Me Wondering“ und die beiden Skynyrd-Cover „Whiskey Rock-A-Roller“ sowie „Workin‘ For MCA“, ausgiebig vorgestellt wurden.

Die Rollenverteilung ist dabei eindeutig festgelegt, Josh Allen gibt mit seiner hervorragend zur Musik passenden, rau-kratzigen Stimme den Fronter, der dazu im E-Gitarrenbereich (mit Stratocaster und Telecaster) überwiegend den Zuspieler für den filigran auf einer Gibson Les Paul zu Werke gehenden Ben Forrester abgibt, zwischendurch aber auch mit kurzen Twins und Soli sein Können an den Saiten beweist.

Herder und Böhm hatten die Funktion der Treiber inne, ließen in den zwei gespielten Sets dabei immer wieder sowohl kraftvolle Rhythmen los, als auch gefühlvolles Gespür aufblitzen.

Im ersten Part zählten das southern-soulige „Oh Carolina“, die Ballade „Phases Of The Moon“ und das atmosphärische Southern-Stück „Wiser Time“ zu meinen Favoriten. Nach der halbstündigen Pause zur Kompensierung der Flüssigkeitshaushalte, gab es für mich nach rockigem Beginn mit „Don’t Keep Me Wondering“ und „Shake Your Magnolia“ den Höhepunkt in Teil 2 mit „Too Late“, in dem Forrester im Mittelteil ein grandioses ‚Leise‘-Spiel-Solo vom Stapel ließ, bei der man in der Rampe eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Die verzückte Audienz wurde dann aber durch einen krachenden Donnerdrumschlag von Böhm abrupt wieder in die Realität zurückbefördert, wo Allen dann mit Gesang und weiterem E-Solo, den Song ausklingen ließ. Wie im Fluge war dann mit einer dynamischen Cover-Version von „Workin‘ For MCA“ (unter Beteiligung der wie so oft wild vor der Bühne tanzenden ‚Kulturrampettes‘) das Ende des Hauptteils eingeläutet.

Wer das Publikum der Rampe kennt, weiß, dass so eine starke Vorstellung, nicht ohne Zugaben ihr Ende findet. Und so ließen sich Allen, Forrester & Co. nicht lange bitten und gaben mit „Forbidden Fruit“ und extra für den Kollegen und großen Jam-Freund Michael Segets, noch eine Adaption des Allman Brothers-Klassikers „Whipping Post“ zum Besten. Klasse hier wie Forrester mit einem Trommelstock in der linken Hand, Böhm in ABB-Butch Trucks-Manier quasi phasenweise als Zweitdrummer unterstützte.

Auf der Rückfahrt, die drei Gigs Revue passierend, fragte ich mich spontan, warum die Allen-Forrester Band vor nur knapp 40 Zuschauern kämpfen muss und Larkin Poe (und da will ich deren Leistung wirklich nicht schmälern, die war wirklich klasse) unter fast gleicher Quartett-Konstellation, locker mal 1.300 Leute aktivieren kann.

Gut, aus männlicher Sicht bin ich, optisch gesehen, natürlich auf der Seite der Mädels, aber wenn man die reine musikalische Gesamtleistung (Gesang, Songmaterial, spielerische Umsetzung), betrachtet, liegt hier, wenn man ehrlich ist, die Allen-Forrester Band eigentlich ein Stück weit vorne. So kommt man zu später Stunde, wie so oft, zur Einsicht, dass das Leben auf dieser Welt manchmal doch ziemlich ungerecht sein kann…

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar
Ben Forrester – electric guitar, bgv
Hendrik Herder – bass, bgv
Matze Böhm – drums

Bilder: Michael Segets
Text  und Bilder (s/w): Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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Kulturrampe Krefeld

Kristin Mooney – Hydroplane – CD-Review

Kristin Mooneys erste nennenswerten musikalischen Aktivitäten begannen Mitte der neunziger Jahre, als sie für die ebenfalls aus ihrem Heimatstaat Minnesota stammenden Singer/Songwriter Peter Himmelman (verheiratet mit Bob Dylans Adoptivtochter Maria) und Martin Zellar (Gear Daddies) für deren Aufnahmen Background-Vocals beisteuerte. Schnell war klar, dass sie deutlich mehr Potential vorzuweisen hatte und mit „Living Alone“ begann dann 1998 konsequenterweise ihre Solokarriere.

Sechs Jahre später folgte ihr gleichnamiges Zweitwerk, 2007 schickte sie mit „Hydroplane“ das nächste Album auf den Weg, das es jetzt von mir zu beleuchten gilt. Auch bei dieser CD verfährt sie, wie bei ihren beiden Vorgängern, nach einer strikten, kurzen und knappen 10-Song-Strategie, frei nach dem Motto ‚Qualität statt Quantität‘, wobei sie bis auf einen Titel alles selbst komponiert hat, singt und auch Akustik- und E-Gitarre zu bedienen versteht. Obwohl ich nach den anfänglichen Hördurchgängen gar nicht so begeistert war, musste ich mein Erst-Urteil nach und nach revidieren. Es ist eine typische Scheibe, die wächst, je öfter man sie hört (besonders empfehlenswert mit Kopfhörer).

Sie bietet einen schönen, entspannten Mix aus rootsiger Popmusik („As We Fly“, „Echo Lake“, „The Way Things Do“ – hier erinnert sie vor allem stimmlich an eine relaxte Sheryl Crow), vermischt mit ein wenig Country (manchmal dezent grassig – „Hydroplane“, „Launderland“) aber auch zum Teil mit einem leichten, mexikanischen Mariachi-Flair (erzeugt durch eine unaufdringliche Trompete bei „Tiny Faces“ und „Mexican Highway“) durchzogen.

Umgarnt hat sie ihre Songs mit kleinen, intelligenten und voller Metaphern steckenden Geschichten (Texte sind im Booklet abgedruckt). Wie es bei intellektuellen Menschen oft der Fall ist, blinzelt bei zwei, drei Stücken manchmal leider auch ein gewisser Hang zur Selbstverliebtheit durch, dem dann aber meist durch die hervorragenden Musiker-Leistungen (klasse Eric Heywood, E-Gitarre/Steel-Gitarre) geschickt entgegengesteuert wird.

Insgesamt ist Kristin Mooneys „Hydroplane“ ein schönes, anspruchsvolles Album für ruhige Stunden, vornehmlich für o.a. Klientel geworden, bei dessen Kauf man weder im Regen stehen gelassen wird, noch dass erhöhte Ausrutschgefahr besteht.

Eigenproduktion (2007)
Stil: Singer/Songwriter

01:As We Fly
02:In The Grass
03:Echo Lake
04:Hydroplane
05:Tiny Faces
06:The Way Things Do
07:Mexican Highway
08:Toledo
09:I Say A Little Prayer
10:Launderland

Kristin Mooney
Hemifran

David Newbould – Power Up! – CD-Review

Review: Michael Segets

Das space-ige Cover von „Power Up!” im Comicstil ist schon eigenwillig. Auch musikalisch geht David Newbould seinen eigenen Weg und scheint sich wenig um Konventionen zu scheren. Er scheut nicht vor ungewöhnlichen, zwischen Rock und Americana angesiedelten Arrangements zurück. Diese funktionieren mal besser, mal sind sie gewöhnungsbedürftig, wenn man wie ich eher ein Freund gradliniger Songs ist.

„Power UP!“ startet zwischen Rock und Funk mit dem temporeichen Titelsong. Newbould unterlegt seinen Gesang mit Hall, streut ein Sprachintermezzo und ein Saxophon-Solo ein. Nach dem wilden Einstieg mit einigen Soundvariationen kommt „Peeler Park“ zunächst gradlinig rockend daher, bevor es mit einem expressiven Gitarrenpart eine härtere Gangart anschlägt. „Blood On My Hands“ und „The Lawn“ sind im Vergleich gemäßigter. Mit ihrem akzentuierten Rhythmus und vollem Sound wirken sie ebenfalls rockig, wobei sie auch als opulenter Americana durchgehen könnten. Newbould zeigt gesanglich viele Facetten. Vor allem bei „Blood On My Hands“ erzeugt er Gänsehautmomente, allerdings sind ein paar langgezogene Passagen auch überbordend.

Mit „Home Depot Glasses“ fährt Newbould das Tempo deutlich runter. Er trägt die John Prine gewidmete zweite Vorabauskopplung im Sprechgesang vor. Bereits im letzten Jahr erschien „Ready For The Times To Get Better“. Der von Allan Reynolds geschriebene Song stellt ein Highlight auf der CD dar. Untermalt durch die Geige von Kristen Weber entwickelt er einen schönen Retrocharme. Mein unangefochtener Favorit auf dem Album ist allerdings „Last Letter“. Mit kräftigen Gitarren und dynamischen Background Vocals von Bee Taylor hat der rhythmische Song gehörig Power.

In der zweiten Hälfte finden mit „One Last Dance“ und „That Was Another Time“, das mit einer dramatischen Spannungskurve Fahrt aufnimmt, nochmal am Rock orientierte Titel ihren Platz. Daneben verläuft „Sunrise Surprise“ in ruhigen Americana-Bahnen. Newbould verzichtet hier auf überraschende Arrangements oder gewollt ausdrucksstarken Gesang und liefert so einen soliden Song ab. Das abschließende „Diggin‘ In“ ist ebenfalls semi-akustisch gehalten, wobei es mit einem kurzen instrumentalen Jam endet.

Der Kanadier, der über New York schließlich in Nashville gelandet ist, veröffentlicht seit fast einem Vierteljahrhundert seine Musik und hat bislang zehn LPs und EPs herausgebracht. Mit Ausnahme des bereits erwähnten „Ready For The Times To Get Better“ stammen alle Songs des neuen Albums aus der Feder von Newbould, wobei der Opener von Scot Sax, der die CD auch produzierte, mitgeschrieben wurde.

Auf „Power Up!“ lässt David Newbould seiner Kreativität freien Lauf und beweist als Komponist und Sänger eine große Bandbreite. Bei manchen Arrangements und stimmlichen Variationen wäre weniger vielleicht mehr gewesen, aber durch sie hebt sich Newbould von anderen Musikern ab, die in Sachen Rock und Americana unterwegs sind.

Blackbird Record Label (2022)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Power Up!
02. Peeler Park
03. Blood On My Hands
04. The Lawn
05. Home Depot Glasses
06. Ready For The Times To Get Better
07. Last Letter
08. One Last Dance
09. That Was Another Time
10. Sunrise Surprise
11. Diggin’ In

David Newbould
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Blackbird Record Label
JohThema Promotions

Juke Joint Jonny And The Kindred Spirits – Just Folkin Around – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Juke Joint Jonny und seine Gleichgesinnten (Kindred Spirits) das sind natürlich Juke Joint Jonny selbst (6- und 12-saitige Gitarre sowie Steel Guitar), Steve Rusin (Mundharmonika, Gitarre), Dave Peterson (E-Bass), Ben Bernstein (Kontrabass, Basstrommel) und Mike Stevens (Percussion und Maultrommel). Allein die Instrumentierung zeigt schon, dass es sich bei Juke Joint Jonny‘s neuer Scheibe „Just Folkin Around“ um ein traditionelles Œvre handelt.

Und tatsächlich ist es eine sehr klassische Bluesscheibe, beeinflusst vom Blues der 50‘er Jahre. Juke Joint Jonny‘s Stil ist daher auch eine Mischung aus Deltablues, Piedmondblues mit Ragtime Anleihen und teilweise dezent mit Chicagoblues gewürzt.

Auf „Just Folking Around“ sind zwölf Songs verewigt, von denen elf Tracks Coverversionen bekannter Bluestraditionals von u. a. Taj Mahal („Done Changed My Way Of Living“, „Fishin Blues“), Willie Dixon („Don‘t Go No Further“), Robert John & Elmore James („Dust My Broom“) und Leo Kottke („Sailor’s Grave On The Prairie“) sind. Aber auch eine Version von Dylans Ballade „Tomorrow Was A Long Time“ ist mit dabei. Lediglich „Terre Haute Blues“ ist eine Eigenkomposition von Juke Joint Jonny und Steve Rusin.

Was die eher ruhige Scheibe absolut hörenswert macht, sind Juke Joint Jonny‘s Gitarrenkünste an der Steel-Guitar und sein Fingerpicking auf der Akustikgitarre. Leider gibt es das sonst nur noch selten durchgängig auf einer Platte zu hören. Insgesamt fällt es schwer einen der Songs als besonders gut hervorzuheben, sie sind nach meiner Ansicht alle herausragend. Wenn überhaupt, dann sind es „Dirty Rat“ und „Terre Haut Blues“ mit leichten Ragtime-Einflüssen sowie das ursprünglich von Leo Kottke stammende Instrumentalstück „Sailor‘s Grave On The Prairie“.

„Just Folkin Around“ ist ein echter Bluesleckerbissen für Traditionalisten und insbesondere für Fans des Deltablues. Mich hat die Scheibe jedenfalls total begeistert. Hoffentlich findet sie reichlich Käufer, auch wenn „Juke Joint Jonny And The Kindred Spirits“ hierzulande noch recht unbekannt sein dürften. Es wäre den Jungs zu gönnen.

Label: Independant
Stil: Blues

Tracks:
01. I Can’t Be Satisfied (McKinley Morganfield)
02. Walkin Blues (Eddie „Son“ House“)
03. Done Changed My Way Of Living (Taj Mahal)
04. Driftin Blues (Charles Brown, Johnny Moore & Eddie Williams)
05. Tomorrow Was A Long Time (Bob Dylan)
06. Dirty Rat (John Mooney)
07. Terre Haut Blues (John Rizzo & Steve Rusin)
08. Blow Wind Blow (McKinley Morganfield)
09. (You Need Meat) Don’t Go No Further (Willie Dixon)
10. Dust My Broom (Robert Johnson & Elmore James)
11. Fishin Blues (Taj Mahal)
12. Sailors Grave On The Prairie (Leo Kottke)

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Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Larkin Poe
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Ferris & Sylvester
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Live Music Hall, Köln

Whitesnake – Support: Europe – 27.05.2022 – Rudolf-Weber-ARENA, Oberhausen – Konzertbericht

Wenn ich meine mittlerweile unzähligen Konzertbesuche resümiere, muss ich feststellen, dass die Sparte der klassischen Hard Rock-Acts dabei eigentlich sträflich vernachlässigt wurde. Bei intensivem Überlegen komme ich vielleicht mit Bands wie u. a. Rose Tattoo, Thunder, UFO, Great White, Bruce Dickinson, Gary Moore oder Heart und ein paar anderen, vielleicht gerade mal auf etwas über zwei Hände voll.

Da war es natürlich an der Zeit, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn sich eine Kulttruppe wie Whitesnake im nahegelegenen Oberhausen in der Rudolf-Weber-ARENA angesagt hat. Die Spanne, solche Bands, mit denen man von frühester Jugend an sozialisiert wurde, zu erleben, wird ja auch nicht mehr gerade größer…

Und für Whitesnake steht natürlich ein Name, nämlich das Hard Rock-Urgestein David Coverdale. Seine lange Karriere wurde abgesehen von seinem Projekt mit Jimmy Page durch zwei große Phasen vornehmlich geprägt, die mit Deep Purple von 1973 bis 1977, und halt seine 1978 gestartete, bis in die heutigen Tage währende Whitesnake-Ära. Mir persönlich stand, bei allem Respekt vor Deep Purple, immer sein zweites Parade-Projekt musikalisch näher.

Den Auftakt an diesem Abend bildete jedoch eine Band, die sich 1986 mit einer hymnischen Key-Synthie-Hook und der simplen Refrainzeile „It’s the final countdown, the final countdown“ in das Langzeit-Gedächtnis, ich behaupte mal einfach, eines jeden Musikhörers, eingenistet hat. Man möge zu dem Lied stehen, wie man will, ich nenne es große Songwriting-Momente.

Europe nur auf dieses Stück zu reduzieren, würde dem skandinavischen Quintett gegenüber aber nicht gerecht. Die Band ist immerhin auch schon seit 1979 im Geschäft, hat elf Alben produziert und wurde auch bei ihrem knapp 60-minütigen, beherzten Auftritt vom Publikum ordentlich mitgetragen.

Ihr Fronter Joey Tempest erwies sich dabei vokal als auch bewegungsmäßig in Bestform. Auffälligster Akteur neben ihm war bei Songs wie u. a. „Walk The Earth“, der schönen Ballade „Carrie“, „Heart Of Stone“, „Last Look At Eden“, „Ready Or Not“, „Superstitious“ oder „Cherokee“, Gitarrist John Norum, der mit vielen quirligen Soli auf den unterschiedlichsten E-Gitarren (oft mit einer Flying-V) zu überzeugen wusste.

Paradoxerweise empfand ich den Megahit „The Final Countdown“ zum Abschluss, trotz riesiger Stimmung in der ARENA, als schwächstes Lied der Europe-Setliste, in einer ansonsten starken und zurecht mit viel Stimmung und Applaus honorierten Vorstellung.

Line-up Europe:
Joey Tempest: lead vocals, guitar
John Norum: Guitars, bgv
John Leven: bass
Ian Haugland: drums, bgv
Mic Michaeli: keys, bgv

Erfahrene Profis wie David Coverdale und seine Begleiter wissen solche atmosphärischen Begebenheiten natürlich zu ‚lesen‘ und gaben, nach ca. 30 Minuten Umbaupause und dem The Who-Einspieler „My Generation“ von Anfang an Gas. „Bad Boys“ und „Slide It In“ rockten unter dem Antrieb des wie entfesselt trommelnden Tommy Aldridge sofort heftig los, bis es bei „Love Ain’t No Stranger“ die ersten Gänsehautmomente zu vermerken gab.

Mit „Hey You (You Make Me Rock)“ kam dann das einzige Stück des momentan aktuellen Studiolongplayers „Flesh & Blood“. „Slow An‘ Easy“, „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ und der Opener „Fool For Your Loving“ von ihrem wohl stärksten Album „Ready An‘ Willing“ (für mich persönlich jedenfalls), ließen kaum Zeit durchzuatmen.

Apropos Durchatmen: Der nun bereits 70-jährige Fronter nahm sich ab diesem Zeitpunkt spürbar seine kurzen Zwischenpausen, was ich allerdings für völlig legitim halte. So eine Hard Rock-Shouter Performance, und das über zig Dekaden und so einem Alter, vornehmlich in den großen Arenen der Welt, ist nun mal kein gemütlicher Singer-Songwriter-Abend.

Und so rückten seine Bandmitglieder Reb Beach (mit amerikanisch-typisch lässiger, aber technisch brillanter E-Gitarre), Dino Jelusić (mit Synthie-Umhängekeyboard, das er zum Teil in Hendrix-Manier rückseitig auf den Schultern bearbeitete) und Joel Hoekstra (viel in kniender Poser-Haltung bei seinen Einlagen) mit einem Instrumental-Intermezzo stärker in den Fokus.

Nach dem fantastischen „Crying In The Rain“ (einer meiner Favoriten des Gigs) ging es fließend in ein Drumsolo von Tommy Aldridge über, das sich noch wilder als seine wüste Lockenmähne auf dem Haupte entpuppte. Das toppte die ohnehin schon eingebrachte Energie bei den Liedern nochmals. Unglaublich was sich da an Kraft und Koordinationsfähigkeiten mit Sticks (die dann irgendwann ins Publikum flogen) und Händen (damit machte er dann unvermindert weiter) an dynamischer Energie entlud.

Es kam zur Vorstellung der Band, in der David jeden einzelnen (inklusiv der attraktiv anzusehenden Bassistin Tanya O’Callaghan) zu sich nach vorne nahm, und ein paar kurze, würdigende Worte zu deren Background verlor. Die Chemie innerhalb des Kollektivs scheint zu stimmen. Der Ohrwurm „Is This Love“ war danach gut gewählt und über das wieder rockige „Give Me All Your Love“ ging es dann zum Whitesnake-Klassiker schlechthin, „Here I Go Again“, über, das von Band und Publikum zugleich vokal zelebriert wurde. Tolle Momente im Rund der ARENA!

Wer geglaubt hatte, dass es das jetzt gewesen sei, wurde eines Besseren belehrt. Mit einer furiosen Version von „Still Of The Night“ folgte noch weiteres Highlight der Show. Dem nicht genug. Coverdale spannte mit „Burn“ dem gleichnamigen Titelstück des 1974 erschienenen Werks, den Bogen zurück zu seiner alten Band Deep Purple und fackelte samt seiner Mitstreiter die Rudolf-Weber-ARENA regelrecht ab, wobei sich auch der zweite Keyboarder Michele Lupi dann mit einem Jon Lord-Gedächtnis-Orgel-Solo expliziter ‚zeigen‘ konnte.

Fazit: Insgesamt ein unterhaltsamer kurzweiliger Gig mit zwei spielfreudigen und starken Hard Rock Bands, die auch nach all den Jahren nichts von ihrer Anziehung verloren haben. Von daher mein beeindruckter Appell in Richtung Coverdale & Co., frei nach einem berühmten Woody Allen-Film: Play it again, David!

Line-up Whitesnake:
David Coverdale: lead vocals
Reb Beach: electric guitar, bgv
Joel Hoekstra: electric guitar, bgv
Michele Lupi: keys, bgv
Dino Jelusić: keys, bgv
Tanya O’Callaghan: bass, bgv
Tommy Aldridge: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Whitesnake
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Eric Steckel – Support Rovar – 22.05.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Das letzte Mal sah ich Eric Steckel am 13.03.2020 im Musiktheater Piano. Es war das letzte Konzert, bevor es einen Tag später endgültig zum Lockdown durch Corona kam, der die Kulturszene für einen langen Zeitraum beeinflusste und unter dessen Folgen jetzt noch die Clubs und Musikszene leiden, was sich auch an vielen Absagen, mangels Kartenvorverkauf, Krankheit oder auch an geringen Zuschauerzahlen zeigt, die kaum genügen, um die Kosten zu decken, den Club aufzuschließen.

Immerhin hatten sich an einem sonnigen Sonntagabend doch so viele Zuschauer im Saal des Piano eingefunden, dass das Bild nicht so trostlos war, wie bei einigen Gigs, die ich in der letzten Zeit besucht hatte. Dennoch blieb genug Luft nach oben übrig.

Schon gegen 19:45 Uhr begannen die drei jungen Musiker von Rovar die Anwesenden mit ihrer Mischung aus Grunge und Hardrock auf Betriebstemperatur zu bringen. In ihrem knapp 40-minütigen Auftritt gelang es dem Trio, Werbung in eigener Sache, für ihre erste EP und das anstehende erste Album zu machen.

Line-up Rovar:
Luca Mewes: guitar, vocals
Paul Ulrich: bass
Bennet Fuchs: drums

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann fast unbemerkt von den Besuchern Eric Steckel mit seiner Band die Bühne, während aus den Lautsprechern noch die Musik von Molly Hatchet erklang. Steckel stöpselte seine Gitarre ein und übertönte dann die Hintergrundmusik mit einem kurzen Soundscheck, der es nicht nur lautstärkemäßig in sich hatte und fast eine Art Intro zum Konzert darstellte.

Danach folgten, knapp zwei Stunden Powerrock mit Vollgas auf der Überholspur. Was mit „Solid Ground“ und dem ZZ Top-Klassiker „Waiting For The Bus“ noch relativ ruhig begann, sollte sich mit zunehmender Konzertdauer zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickeln.

Neben einigen Coversongs standen Tracks des aktuellen Albums „Grandview Drive“ im Mittelpunkt, wobei „Can´t You See“ Southern Rock-Flair ins Piano brachte. Die Gesangspassagen, die durch harte Gitarrenriffs unterbrochen wurden, hätten auch der Marschall Tucker Band gut zu Gesicht gestanden und zum Ende spielte Steckel sich mit einem southern-typischen Solo in einen regelrechten Rausch.

Spätestens hier hatte er das Publikum mit seiner Spielfreude und seiner positiven Ausstrahlung für sich eingenommen. Selten habe ich aber auch gesehen, mit welcher Freude ein Musiker auf die Resonanz der Zuschauer reagierte, dass man das Gefühl haben konnte, sodass sich Zuschauer und Band in einer Wechselbeziehung immer weiter anstachelten. Steckel jagte mit seinen Fingern teilweise über die Gitarrensaiten, dass man dieser Geschwindigkeit kaum folgen konnte, traf dabei aber jede Note auf den Punkt.

In einer jammenden Phase überließ Steckel seinen beiden Kompagnons, welche ansonsten die Grundlage für den Sound legten, die Bühne, und so konnten Jos Kamps mit einem tollen Basssolo, in das er den Rhythmus von „Another One Bites The Dust“ einbaute und Henri van den Berg an den Drums zeigen, dass sie weit mehr sind als nur Begleitmusiker. Jos Kamps übernahm zuweilen sogar die Rolle des Animateurs, in dem er gestenreich, aufgrund der phantastischen Leistungen Steckels an der Gitarre, das Publikum aufforderte, diesen weiter anzufeuern.

Mit einer scheinbar nicht endenden Version von „Tennessee“, mit krachenden Soli Steckels und stampfenden Bassläufen, ging es ins jammende Finale mit „Best With You“ und nach zwei Stunden Powerrock wurde ein toller Konzertabend beendet, der schon jetzt eine Vorfreude auf das nächste Mal gemacht hat, mit einem dann hoffentlich rappelvollen Piano.

Line-up Eric Steckel:
Eric Steckel: guitar, lead vocals
Jos Kamps: bass
Henri van den Berg: drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Steve Earle & The Dukes – Jerry Jeff – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Steve Earle, selbst schon längst eine Ikone, würdigt mit seiner neuen Veröffentlichung Jerry Jeff Walker, einen Wegbereiter des Outlaw-Country. Inklusive „Jerry Jeff“ brachte Earle bislang vier Tribute-Alben heraus, die er verstorbenen Musikern widmete, die seinen Lebensweg prägten. Seine enge Verbindung zu diesen kommt dadurch zum Ausdruck, dass er die Longplayer stets mit deren Vornamen betitelt. Den Anfang machte „Townes“ (2009) für Townes van Zandt. Zehn Jahre später folgte „Guy“ in Erinnerung an Guy Clark. Im vergangenen Jahr erschien „J. T.“ als Abschied von seinem Sohn Justin Townes Earle.

Earle lernte noch vor seiner musikalischen Karriere Jerry Jeff Walker in Nashville kennen und arbeitete als dessen Fahrer. Er sieht in Walker seinen ersten Lehrmeister und erst später folgte die Freundschaft mit seinen Mentoren Van Zandt und Clark. „Jerry Jeff“ bildet daher den Abschluss seiner Verneigung vor seinen frühen Förderern. Anders als Van Zandt und Clark wird Walker oft nur mit einem Song in Verbindung gebracht: „Mr. Bojangles“ ist sein einziger großer und oft gecoverte Hit. Earle interpretiert diesen Titel ebenfalls, will mit dem Longplayer aber zugleich die Erinnerung an Walker als Songwriter wach halten, der mehr war als ein One-Hit-Wonder.

An den Opener „Gettin‘ By“, bei dem Earle den Text abwandelt und ihm so eine persönliche Wendung gibt, schließt sich „Gypsy Songman“, eine weitere flotte Country-Nummer an. Später schlägt der Dancehall-Stampfer „Makes Money (Money Don’t Make Me)“ mit fideler Geige in eine ähnliche Kerbe. Dass in Earles eigenen Kompositionen Elemente von Walkers Musik einflossen, bleibt dabei unverkennbar. Während „Charlie Dunn“ noch klar im Country-Genre verhaftet ist, geht „Hill Country Lane“ in Richtung Americana. Neben diesen Midtempo-Songs finden sich ein paar langsame Stücke („Little Bird“, „My Old Man“) auf dem Longplayer.

Besonders bemerkenswert sind die beiden letzten Titel des Albums. „Wheel“ ist eine gefühlvolle Americana-Ballade, auf der Earle ungewohnt sanft wirkt. Auch das funktioniert und der Funke springt über. Während sich Earle hier auf seine Dukes verlassen kann, die ihn souverän bei den leiseren Tönen unterstützen, verlässt er sich bei „Old Road“ ganz auf die Kraft seiner Stimme. Die Solo-Performance, lediglich mit Mundharmonika begleitet, verströmt Intensität pur. Bereits bei „Heaven Ain’t Goin‘ Nowhere“, das „Ghost Of West Virginia“ (2020) eröffnet, ist ein ähnlich reduziertes, gospelnahes Stück zu finden.

Mit „Jerry Jeff“ als posthume Hommage an Jerry Jeff Walker setzt Steve Earle mit seinen Dukes die Reihe von Tribute-Alben fort, mit der er seine persönliche Bindung zu den jeweiligen Musikern aufarbeitet. Wie bereits auf den vorangegangenen Werken sind Earles Versionen der Songs von einem tiefen Respekt vor den Originalen geprägt. Auch im Fall von Walker, dessen Musik im Country und Americana angesiedelt ist, tritt der Einfluss, den sie auf Earles eigene Kompositionen hatte, deutlich zutage. Earle ruft so eine Traditionslinie in Erinnerung, die er mit seinen eigenen Songs weiterführt und oftmals auch überflügelt.

Wie zuvor bei „J. T.“ sind digitale Veröffentlichung und die Herausgabe von LPs beziehungsweise CDs zeitlich auseinandergezogen. Während damals diese Veröffentlichungspolitik noch einen symbolischen Sinn machte, da die digitale Version zum Geburtstag von Justin Townes Earle erschien, bleiben die Gründe dunkel, warum die Hardcopies von „Jerry Jeff“ erst im August erhältlich sind. Vielleicht hängt die vorgezogene digitale Publikation mit der ausgiebigen Tour zusammen, die für den Sommer durch die Vereinigten Staaten angekündigt ist.

New West Records (2022)
Stil: Country, Americana

Tracks:
01. Gettin’ By
02. Gypsy Songman
03. Little Bird
04. Makes Money (Money Don’t Make Me)
05. Mr. Bojangles
06. Hill Country Rain
07. Charlie Dunn
08. My Old Man
09. Wheel
10. Old Road

 

 

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