High South – 28.04.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Geplant war das Konzert von High South schon in 2020, um das kurz zuvor erschienene Album „Peace, Love & Harmony“ zu promoten. Doch nach wenigen Shows wurde die Europatournee wegen Corona abgebrochen und nun konnte der damals abgesagte Termin in Köln endlich nachgeholt werden. In der Zwischenzeit hatte Phoenix Mendoza die Band verlassen, mit Devon Ian Pangle fanden Jamey Garner und Kevin Campos aber einen dritten Frontmann, der schon in der John Fogerty Band auf sich aufmerksam gemacht hatte.

In den zwei Sets präsentierte die Band fast das vollständige aktuelle Studioalbum und das danach aufgenommene Livealbum. Dabei spickte die Band die eigenen Songs mit einigen Coversongs, die erkennen ließen, welche Künstler die Musiker von High South inspirieren. Besonders hervorzuheben waren dabei das Kasey Musgraves-Cover „Slow Burn“, „Love The One You´re With“ von CSNY, „Take It Easy“ von den Eagles als letzter Song des zweiten Sets, sowie die letzten beiden Zugaben “Folsome Prison Blues“ und „The Weight“ von Johnny Cash bzw. The Band.

Ganz im Stile der adaptierten Songs performten die drei Amerikaner ihre eigenen Songs im Gegensatz zum Album ohne Begleitmusiker und nur mit akustischen Gitarren, wobei Jamey Garner bei einigen Stücken die Gitarre bei Seite legte und stattdessen mit abwechslungsreichen Mundharmonikaspiel überzeugte. Die besondere Note aller Stücke waren allerdings die Harmoniegesänge. Jeder der Drei hatte natürlich seine Soloparts und zuweilen entstand bei Wechselgesängen der Eindruck von regelrechten Dialogen.

So zauberte High South ein folkiges Westcoast Feeling in den Yardclub und sorgte für den einen oder anderen Sonderapplaus des enthusiastisch mitgehenden Publikums. Ein Highlight war auch, als die Band im zweiten Set bei „Honestly“ endgültig auf Vollakustik umstieg, sich vor die Mikros stellte, die Stecker aus den Gitarren zog und wie zum Beginn der Bandhistorie auf jede Verstärkerleistung verzichtete, um ihr ganzes stimmliches Volumen in die Waagschale zu werfen.

In der ersten Zugabe „Peace Love & Harmony“ erinnerte Garner passend zum Titel an die schweren Coronazeiten und die gegenwärtige Weltsituation. Die Menschen mögen sich diese drei Worte zu Eigen machen und so für eine bessere Welt sorgen.

Mit der an diesem Abend abgegebenen Visitenkarte ist von High South noch einiges zu erwarten. Dazu gehörte auch der Auftritt nach dem Konzert, wo die drei Protagonisten geduldig Autogrammwünsche erfüllten und sich mit einigen Fans zusammen fotografieren ließen.

Ein Dank mal wieder an den Yard Club für die wie immer freundliche Aufnahme.  Ebenso muss immer wieder erwähnt werden, dass Markus Neu als Booker den Mut hat, auch hier nicht so bekannten Musikern eine Chance zu gewähren, in der Region Fuß zu fassen.

Line-up:
Jamey Garner – vocals, guitar, harp
Kevin Campos – vocals, guitar
Devon Ian Pangle – vocals, guitar

Text und Bilder: Gernot Mangold

High South
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Knoll Music Management
Die Kantine/Yard Club

Dana Fuchs – Borrowed Time – CD-Review

Wer für ein Janis Joplin-Musical als Hauptakteurin verpflichtet wird, muss eine gute Stimme haben. Dass dies dann auch zweifelsohne bei Dana Fuchs der Fall ist, davon konnten wir uns vor gut vier Jahren, als diese Welt noch in Ordnung zu sein schien, live bei ihrem schweißtreibenden Gig im Dortmunder Musiktheater Piano überzeugen.

Da war sie musikalisch in der souligen Blues Rock-Szene unterwegs. Die in New Jersey geborene Protagonistin ist aber in Florida aufgewachsen. Für Psychologen ein klarer Fall – das muss, gerade bei Musikern, irgendwann einmal aufgearbeitet werden, wenn man quasi mit Lynyrd Skynyrd & Co. überall groß geworden ist.

Und tatsächlich wartet die Sängerin und Songschreiberin mit einem wirklich starken, Southern Rock-umwehten Album mit dem Titel „Borrowed Time“ auf. Zu Gute kommt ihr auch hier wieder, wie bereits oben erwähnt, ihre rauchig kratzige Stimme, die bei einer Frau am Mikro in diesem Genre praktisch Pflicht ist.

Für das Album hat sie sich ein wenig aus den Fängen vom musikalischen Langzeitpartner Jon Diamond gelöst, der auf diesem Werk allerdings weiter Gitarre spielt. In Sachen Produktion hat sie sich mit Bobby Harlow (Detroit Cobras, Samantha Fish) und Teddy Tudrick externe Hilfe ins Haus geholt, letztgenannter sorgt als zusätzlicher Saitenzupfer für den Southern-typischen E-Gitarrensound.

Das Werk ist umrundet vom Led Zeppelin-/Skynyrd-umwehten Opener „Double Down On Wrong“ und dem finalen Stomper „Star“, die beide so psychedelisch und wild daherkommen wie Danas prachtvolle Mähne. Zwischendurch gibt es dann  viel Southern Rock-Feeling, wo immer die typischen Einflüsse von Skynyrd („Blue Mist Road“ im Aufbau mit ein wenig „The Last Rebel“-Flair, „Nothing You Own“ mit toller „Tuesday’s Gone“-Reminiszenz), den Black Crowes (u. a. bei Save Me“) oder auch den guten alten Stones („Hard Road“, „Not Another Second On You“) durchschimmern. Bei den temperamentvolleren Sachen erinnert sie mich vom Gesang her oft an Sass Jordan.

Bei den langsameren Nummern wie dem herrlichen „Call My Name“ und dem Harp-getränkten „Lonely Lie“ schwebt Fuchs in rootsigen Sphären einer Lucinda Williams.  Das sich dynamisch steigernde Titelstück „Borrowed Time“ hätte zu früheren Zeiten auch in das Repertoire von einem John Mellencamp problemlos gepasst. 

Insgesamt eine schlaue Entscheidung von Dana, sich mal im Southern Rock zu beweisen. Das ist ihr vollkommen gelungen und sie wird mit dieser tollen Scheibe ihre etatmäßige Anhängerschaft aus dem Blues-Bereich sicherlich um eine erhebliche Anzahl von Leuten aus der Südstaaten Rock-Fraktion erweitern, die ihr zudem garantiert viel Respekt für diese famose Leistung zollen werden. Sie heißt also nicht umsonst mit Nachnamen Fuchs!

Ruf Records (2022)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. Double Down On Wrong
02. Blue Mist Road
03. Call My Name
04. Save Me
05. Curtain Close
06. Hard Road
07. Borrowed Time
08. Nothing You Own
09. Not Another Second On You
10. Lonely Lie
11. Last To Know
12. Star

Dana Fuchs
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Ruf Records

Jonah Smith – 23.04.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der amerikanische Singer/Songwriter Jonah Smith macht während seiner Europatour auch Halt in der Krefelder Kulturrampe. Mit seiner Begleitband betrat er unter dem Applaus der etwa zur Hälfte gefüllten Kulturrampe die Bühne und spielte ein Konzert in zwei Sets, das es in sich hatte und ein volles Haus verdient gehabt hätte.

Schnell sorgte Smith dafür, dass der Funke auf die Besucher übersprang. Es wurde im Takt mitgetanzt und es war zu erkennen, wie die Fans die Musik regelrecht aufsaugten, was natürlich auch auf der Bühne ankam und sich in den Gesichtern der Musiker wiederspiegelte.

Smith begeisterte mit seiner vollen, klaren, oft souligen Stimme, wobei die Bandbreite der Songs sich nicht in einer Stilrichtung einordnen ließ. Es waren Einflüsse von Americana, Country, Soul, Blues, Folk und auch Southern Rock erkennbar, sodass für ein abwechslungsreiches kurzweiliges Konzert gesorgt war.

Beim verträumten „Easy Prey“ fühlte man sich zurückgesetzt in Zeiten, als die Eagles „Desperado“ veröffentlichten, wo Smith auch mit starken Keyboardspiel glänzte. Zum Ende des ersten Sets lieferte er mit dem leicht souligen „My Morning Scene“ und „World Of Love“, das vom Songwriting auch zu Tom Petty gepasst hätte, noch einmal zwei Kracher.

Das zweite Set eröffnete die Band mit einer tollen Version des Steve Winwood-Klassikers „Can´t Find My Way Home“ bei dem Ben Forrester, wie bei fast allen Songs, mit toller Gitarrenarbeit glänzen konnte, um mit dem 2006 veröffentlichten „When We Say Goodnight“ einen Track nachzulegen, den Bonnie Raitt auch auf ihrem aktuellen Album parat hat, was nochmals das starke Songwriting Smiths zeigt.

Höhepunkte im zweiten Set waren für mich aber die Southern Rock-angehauchten „Buzzing Flies“ und „Killing Time“ mit typischen Southernsoli von Forrester und groovendem Pianospiel von Smith. Schön war auch „Lights on“, als Smith das Keyboard an Drummer Simon Danninger übergab, der hier auch exzellente Harmoniegesänge beisteuerte, während Smith bewies, dass er auch die akustische Gitarre spielen kann.

Mit „Skyscraper Blues“ wurde der Hauptteil des Konzerts beendet. Hier zeigte die Rhythmussektion ihre Klasse, wo insbesondere Bassist Johannes Göller mit einem feinen Basslauf begeistern konnte. Nach entsprechenden Zugabeforderungen legte die Band noch „Tell It To The Mountain“ und “I Shall Be Released“ nach. In der Ankündigung zum letzten Song, erinnerte Smith noch einmal an Levon Helm von The Band, mit welchem er früher öfter zusammengearbeitet hatte, dessen Todestag sich dieses Jahr zum zehnten Mal jährt.

Nach etwa 120 Minuten Spielzeit war dann ein tolles Konzert einer sympathischen Band beendet, die sich nach dem Konzert in der Kneipe der Rampe zum Smalltalk unter die Gäste mischte und so den Abend ausklingen ließ.
Es bleibt zu hoffen, dass dieser begnadete Musiker wieder den Weg nach Krefeld findet und dann eine volle Hütte vorfindet. 

Line-up:

Jonah Smith – vocals, keyboards, guitar
Ben Forrester – guitar
Johannes Göller – bass
Simon Danninger – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jonah Smith
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Kulturrampe Krefeld

Gerry McAvoy’s Band Of Friends – 21.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

Line-up:
Jim Kirkpatrick (lead vocals, electric guitar)
Paul Rose (electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Brendan O’Neill (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla

Band Of Friends
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Musiktheater Piano, Dortmund

Blues Caravan – 20.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ähnlich wechselhaft wie in diesen Zeiten ging es scheinbar auch beim diesjährigen Blues Caravan 2022 zu. Zunächst war mit Eddie 9V, Ghalia Volt und Katie Henry geplant, dann sollte es Ryan Parry an der Gitarre richten, was dann allerdings von Will Jacobs erledigt wurde. 

An diesem Abend im schönen Dortmunder Piano wurde Ghalia Volt durch den Wirbelwind Whitney Shay ersetzt, die ja schon 2020 ihre Visitenkarte abgegeben hatte. Die nicht nur musikalisch kraftvolle Rhythmusfraktion bestand dann etatmäßig aus Ex-Rozedale-Drummer Denis Palatin und Tomek German. Denis hatte die Bühne mit seinen eigens für den Blues Caravan künstlerisch hergestellten Windfängern optisch aufgewertet. Er kann also nicht nur auf Felle und Becken trommeln.

Pünktlich um 20:00 Uhr sagte Mastermind und Labelinhaber Thomas Ruf seine ‚Schäfchen‘ an und es wurde mit dem obligatorisch kreierten Titelsong zur Reihe „Hop On A Ride“ dynamisch im Voll-Line-up mit wechselnden Leadgesangsparts der einzelnen Protagonisten losgelegt. 

Feststellen konnte man im für einen Mittwoch-Abend ordentlich gefüllten Piano, dass die Musiker (Palatin mal ausgenommen), deutlich jünger waren, als die, wie so oft in der Blues-Szene, in die Jahre gekommene Kundschaft (ich schließe mich da natürlich mit ein…).  Aber schön, dass zumindest auf der Künstlerseite der Nachwuchs nicht abzubrechen scheint.

Nach dem launigen Auftakt durfte dann zunächst Will Jacobs sein Können offenbaren. Er präsentierte sich bei Songs wie u. a. „One Day At A Time“, „Have You Ever Loved A Woman“ (klasse hier sein phasenweise ohne Mikro performter Gesang), „Funky Woman“ oder „Got Your Mojo Working“ als guter Sänger und mit seinem Spiel auf Stratocaster und Gibson Les Paul als quirlger und variabler E-Gitarrist. Er beherrscht die Bandbreite von Blues, Soul, Rock bis dezent hin zum Country souverän. Eine starke Vorstellung von ihm.

Er blieb dann auf der Bühne, um die zierliche Katie Henry zu supporten, die dann ihre Stärken am E-Piano, aber auch an der Telecaster-E-Gitarre in Roots-Manier einbrachte. In Ihrem Programm hatte die sympathische Amerikanerin natürlich überwiegend Tracks wie „Nothing To Lose“, „Empty Cup“, „On My Way“ oder „Bury Me“ aus dem vom Kollegen Schneider zurecht hochgelobten aktuellen Album „On My Way“ am Start. Von der jungen Dame ist noch einiges in Zukunft zu erwarten. Klasse Mädel!

Folgerichtig bestritt dann die temperamentvolle Whitney Shay den Abschlusspart der Solovorstellungen. Die umtriebige rothaarige Kalifornierin verwandelte dann die Bühne des Pianos mit Tracks wie „Love’s Creeping Up On You“ „Getting In My Way“, „Boy, Sit Down“, „A Woman Rules The World“, „Stand Up!“ und „Get Down With It“ in eine Rhythm and Blues- und Soul-Arena. Eine ansteckende Performance voller Energie!

Am Ende schloss sich mit der Rückkehr von Katie Henry dann wieder der Kreis und mit u. a. „Voodoo Woman“ und dem CCR-Klassiker „Fortunate Son“ sowie zweier Zugaben („You Got To Move“) gab es einen schönen Ausklang mit allen Beteiligten.

Während der Pause und nach dem Gig standen die Akteure dann mit Thomas Ruf den Besuchern zur Verfügung und wir konnten auch noch unsere Bilder für die VIP-Galerie schießen. Eine weitere überzeugende Ausgabe des Blues Caravan-Konzepts. Weiter so Thomas Ruf & Co.!

Line-up:
Will Jacobs (lead vocals, electric guitar, vocals)
Katie Henry (lead vocals, electric guitar, Keys, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, percussion, vocals)
Tomek Germann (bass)
Denis Palatin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Will Jacobs
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Katie Henry
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Whitney Shay
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Joshua Hedley – Neon Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für Joshua Hedley war es mit 19 Jahren sicherlich keine einfache Entscheidung, von Naples, Florida nach Nashville, TN., zu gehen, um dort in Kneipen und Clubs auf Konzertbühnen Country-Music zu spielen. Der Gitarrist, Fiddle-Player, Songwriter und Sänger lernte so von der „Pieke“ auf sein musikalisches Handwerk, während seine Freunde zum College gingen.

Künstler, wie Ray Price, George Jones und Glen Campbell waren in dieser Zeit seine Vorbilder und die Vorliebe für Old-School-Country bestimmte die Stilrichtung seines Debut-Albums „Mr. Jukebox“ (2018). Dessen Titel kam durch Hedleys bemerkenswerte Bühnenfähigkeit zustande, auf Wunsch des Publikums nahezu jeden klassischen Country-Song stilecht nachzuspielen.

Auf seinen ersten Longplayer folgten schließlich ein Auftritt in Nashvilles größter Konzertarena als „Opener“ für Jack White (The White Stripes) und die ersten Planungen für das Nachfolgealbum „Neon Blue“. Rechtzeitig konnte Hedley seinen Alkoholkonsum wieder in den Griff bekommen und mit einigen Co-Writer-Freunden die Anforderungen der erfahrenen Produzenten Skylar Wilson und Jordan Lehning erfüllen. Entstanden ist dabei eine Art Konzeptalbum, das den Country-Sound zu Beginn der 90er Jahre einfängt und in zeitgenössischen Arrangements nostalgisch und zugleich modern interpretiert.

Zutaten für die melodiösen Songs sind vor allem swingende Fiddle-Parts und wimmernde Steel-Guitars, die in ihrer traditionellen Ausrichtung mit stark betonten Refrains typische Stücke „der alten Country-Schule“ aufbauen. Selbst Alleskönner, wie Garth Brooks wären mit Titeln, wie „Broke Again“, „Wonder If You Wonder“ oder „Neon Blue“ in ihrem Element: energiegeladener Country-Rock vom Feinsten!

Auch Glen Campbell hätte bestimmt mit „Found In A Bar“, „Free“ oder „Let’s Make A Memory“ ebenfalls sicher keine Probleme gehabt. Das zum Mitsingen auffordernde Stück „Bury Me With My Boots On“ klingt nach einem altbekannten Klassiker und die Balladen „Down To My Last Lie“ oder „Old Heartbroke Blues“ markieren eine abwechslungsreiche Songfolge.

Diesen „Good-Old-Country-Style“ hat Joshua Hedley lange Jahre in Robert’s Western World, einem Szene-Honkytonk am Rande von Music-City in stundenlangen Konzerten eingeübt. Er nennt die Location liebevoll eine selten gewordene, zeitlose „Oase“, eine Bastion der musikalischen Nostalgie des ursprünglichen Country, deren Bühne er immer verbunden bleibt und dies zum Abschluss des Longplayers mit der Heimweh-Hymne „River In The Rain“ mehr als eindrucksvoll symbolisiert.

Joshua Hedleys zweites Album „Neon Blue“ vermittelt die absolute Verbundenheit mit der Musik, die er mit einfachen Worten beschreibt: „The sound is modern, but it’s still discemibly country“! Eine Aussage, die in ihrer großzügigen Bescheidenheit als Understatement eines Anwärters auf eine Nominierung für das „Album Of The Year“ uneingeschränkt neue Fans bescheren dürfte.

New West Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Broke Again
02. Country & Western
03. Old Heartbroke Blues
04. The Last Thing In The World
05. Down To My Last Lie
06. Free (One Heart)
07. Neon Blue
08. Bury Me With My Boots On
09. Found In A Bar
10. Let’s Make A Memory
11. Wonder If You Wonder
12. River In The Rain

Joshua Hedley
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Oktober Promotion

Charley Crockett – Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley – CD-Review

Review: Michael Segets

Charley Crocketts Veröffentlichungen folgen Schlag auf Schlag, zuletzt im Halbjahresrhythmus. Die Schlagzahl kann er einlegen, da er sich gerne am Fundus der Country- oder Bluesgeschichte bedient und ältere Titel covert. Unter seinem alter ego Lil‘ G. L. greift er auf „Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley” erneut in die Schatzkiste des Countrys aus vergangenen Tagen.

Ähnlich wie Lucinda Williams, die sich in ihrem Coverprojekt Beiträgen des Genres aus den 1960ern zuwandte, gewinnt auch Crockett den Songs einen eigenen Sound vor allem durch seinen Gesang ab. Da seine Arrangements semi-akustisch gehalten sind, wirken sie jedoch in einem stärkeren Maße traditionsverbunden. Mit seinem New Traditional Country schwimmt Crockett zurzeit auf einer Erfolgswelle. Er verzeichnet mittlerweile 155 Millionen Streams – die Hälfte davon im vergangenen Jahr. Sein letztes Album „Music City USA“ hielt sich sechs Wochen auf Platz 1 der Americana-Radio-Charts. Crockett hat also wenig Grund, etwas grundlegend zu ändern.

Bei der Auswahl der Stücke meint Crockett allerdings, ein Risiko eingegangen zu sein, da er auf keine geläufigen Titel setzt. Mit Ausnahme von Willie Nelson („Home Motel“) ist mir die Riege der Songwriter unbekannt. Dies sagt natürlich wenig über die grundsätzliche Qualität der Musik, aber insgesamt bleiben die einzelnen Tracks und Interpretationen tastsächlich kaum im Ohr.

Wie gewohnt setzt Crockett auf Twang und Steel Pedal („Lonely In Person“, „Jukebox Charley“, „Out Of Control“). Etwas Varianz bringt er durch Pfeifen („Where Have All The Honest People Gone”) und Doo Wop im Background („Heartbreak Affair”) ein. Ein paar Balladen („Same Old Situation”) stehen neben den Midtempo-Stücken in herkömmlicher Country-Manier („Battle With The Bottle”, „ Between My House And Town”). Insgesamt stellt „Jukebox Charley” ein unaufgeregtes und unaufregendes Album dar, das sich an Traditionalisten richtet.

Aber Crockett kennt seine Zielgruppe und beweist mit der Auswahl seiner ersten Single einmal mehr ein sicheres Händchen. „I Feel For You” ist der beste Track des Longplayers und spricht mit einem eingängigen Refrain sowie einer souligen Performance nicht allein die Country-Enthusiasten an. Weitere Highlights des Albums sind der lockere Opener „Make Way For A Better Man” sowie das Traditional „Diamond Joe”. Kurz vor Schluss folgt dann noch „Six Foot Under”, das unter den Songs hervorsticht.

Charley Crockett ist ein Arbeitstier. Nicht nur die schnelle Folge seiner Veröffentlichungen, sondern auch sein unermüdliches Touren zeigen dies. Bis Mitte Mai sind 35 Auftritte in den USA angekündigt, dabei supportet er zweimal Willie Nelson. Wann er wieder nach Europa kommt, bleibt noch offen.

Mit „Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley” setzt Charley Crockett seine Reihe von Coveralben fort. Er nimmt sich eher unbekannten Songs aus der Frühzeit des Country an und arrangiert diese gewohnt stilvoll. Neben ein paar Highlights erscheinen die Titel und Interpretationen im Vergleich zu früheren Longplayern etwas schwächer. Crockett revolutioniert das Genre nicht, hält es aber in Erinnerung. Bislang ist das Konzept aufgegangen und so bleibt zu vermuten, dass auch dieses Album seine Hörer findet.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Make Way For A Better Man
02. I Feel For You
03. Lonely In Person
04. Diamond Joe
05. Where Have All The Honest People Gone
06. Home Motel
07. Jukebox Charley
08. I Hope It Rains At My Funeral
09. Heartbreak Affair
10. Battle With The Bottle
11. Out Of Control
12. Six Foot Under
13. Same Old Situation
14. Between My House And Town

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Steve Rothery – 17.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum einzigen Konzert in Deutschland trat Steve Rothery mit seiner Band im Dortmunder Musiktheater Piano auf. Nachdem am Nachmittag auf der Webseite des Pianos mitgeteilt wurde, dass es noch einige Restkarten für das Konzert gäbe, waren diese auch schnell verkauft.

Um 21:00 Uhr betrat die Band die Bühne und spielte zunächst mit „Morpheus“, „Old Man Of The Sea“ und „Summer`s End“ drei instrumentale progressive Stücke von Rotherys Soloalbum, die schon für gute Stimmung in der Konzerthalle sorgten.

Zum vierten Song betrat dann Martin Jakubski die Bühne und es folgte eine exquisite Auslese von Marillion-Songs. Dabei standen insbesondere TRACKS aus den ersten Jahren auf dem Programm, in denen der Band der Durchbruch als eine der angesehensten progressiven Rockbands gelang.

Yatim Halimi am Bass und Drummer Leon Parr sorgten für eine Rhythmusgrundlage, auf welche der komplexe Sound aufgebaut war. Im Mittelpunkt standen natürlich Steve Rothery, der mit gewaltigen Soli glänzte und Martin Jakubski, der stimmlich Fish, dem Sänger in den ersten Jahren von Marillion, in nichts nachstand. Unterstützt wurde er dabei vom sehr textsicheren stimmgewaltigen Publikum, das so manche Songzeilen übernahm.

Für den typischen und vollen Sound, für den Marillion auch bekannt ist, sorgten Ricardo Romano an den Keyboards, der neben dem Aufbau von Klangteppichen und starken Soli aus dem Hintergrund immer wieder das Publikum anstachelte, mitzugehen, obwohl das gar nicht nötig war, und der zweite Gitarrist, Dave Foster, dem Steve Rothery auch einige Soli überließ und der sich dabei auch als Meister seines Fachs zeigte.

Es ist schwer, aus den Liedern, die allesamt vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, irgendwelche hervorzuheben. Der bombastische Sound von Songs wie „Script For A Jester`s Tear“, „Incubus“ oder „Fugazi“ ließ das altehrwürdige Musiktheater Piano regelrecht in seinen Grundfesten beben. Nach etwa 90 Minuten beendete die Band mit „Afraid Of The Sunlight“ zunächst das Konzert und verschwand im Backstagebereich.

Zugabeforderungen in einer Lautstärke, wie ich Sie im Piano selten erlebt habe, sorgten dafür, dass die Band sich nicht lange bitten ließ und die Bühne wieder betrat. Passend zum Ostersonntag folgte als erste Zugabe „Easter“. Danach schilderte Rothery, dass ein Song vor 37 Jahren für den Durchbruch von Marillion verantwortlich war. Schon bei den ersten Tönen von „Keyleigh“ gingen die Arme im Publikum hoch, es wurde wie bei den anderen Tracks auch rhythmisch mitgeklatscht und Martin Jakubski hatte um die 400 Backgroundsänger.

„Keyleigh“ endet dann in einer Art Medley des „Misplaced Childhood“-Albums, in welche noch „Lavender“, „Blue Angel“ und „Heart of Lothian“ eingeflochten wurden. Auf dieses Highlight setzte die Band dann noch mit „Garden Party“ und mit „Market Square Heroes“, dem ältesten Song aus dem Jahr 1982, zwei Kracher mit furioser Gitarrenarbeit Rotherys drauf und riss damit sprichwörtlich das Piano ab. Nach 30 Minuten Zugaben verabschiedete sich die Band vom begeisterten Publikum und wurde dabei nochmals minutenlang gefeiert.

Ein denkwürdiger Abend, an den die Besucher, als auch die Verantwortlichen des Piano, sowie die Band, sich gerne erinnern werden, hatte so einen entsprechenden und verdienten Abschluss gefunden, der Lust auf Mehr macht.

Line-up:
Steve Rothery (electric guitar)
Martin Jakubski (vocals)
Dave Foster (guitar)
Yatim Halimi (bass)
Leon Parr (drums)
Ricardo Romano (keys)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Steve Rothery
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Musiktheater Piano, Lütgendortmund

Jason Aldean – Georgia – CD-Review

Was ich als Einleitung Ende letzten Jahres zu Jasons „Macon„-Album geschrieben hatte, gilt auch noch knapp ein halbes Jahr später zu Teil 2 seiner beiden Neuveröffentlichungen, „Georgia“. Kollege Morgan Wallen hat sich seit seinem Geniestreich zu Anfang des letzten Jahres auf der Pole-Position der Billboard Country-Alben Charts fest eingenistet. Bis auf ein paar kleine ‚Aufmucker‘ zwischendurch hat er die namhafte Konkurrenz seither bis zum heuten Tage nahezu düpiert.

Zumindest Jason Aldean scheint diesen Zustand nicht kampflos zu akzeptieren und legt mit „Georgia“ jetzt den zweiten Part seines ‚Heimat‘-Projekts vor. Die zehn neuen Songs wirken dabei deutlich massenkompatibler, hier wird gefühlt viel mehr mit Loops und Voice-Effekten gearbeitet, die eher bei jüngeren Generationen ankommen. Viele Tracks haben das Potential, wieder einen Nr.1-Hit in den Single-Charts abzuwerfen.

Trotzdem bleiben auch seine großen Stärken, das perfekte Interagieren zwischen emotional gesungenen Strophen, Bridges, Powerrefrains, sanften Akustikgitarren und hymnisch krachenden E-Gitarrensoli omnipräsent. Ich zähle wieder gleich sieben Songs (u. a. „Trouble With A Heartbreak„, „The State I’m In“, „God Made Airplanes“, „Rock And Roll Cowboy“), die man problemlos in eine Setlist für große Hallen- und Stadion-Konzerte integrieren kann. In der Beziehung macht ihm keiner seiner Wettbewerber so schnell etwas vor, auch ein Morgan Wallen vermutlich nicht.

Untermauert wird dies zudem mit den wieder fünf angehängten Live-Stücken aus dem Fundus seiner 26 bisherigen Nr.1-Hits, die diese immense Stimmung bei seinen Auftritten selbst beim Hören im heimischen Wohnzimmer praktisch hautnah widerspiegeln. Am Ende hält auch „Georgia“ das hohe Niveau seiner bisherigen Veröffentlichungen und ist sowohl für Jason Aldean-Liebhaber und New Country-Fans natürlich ein absolutes Muss! Im direkten Vergleich hat allerdings „Macon“ die Nase vorn.

Bmg Rights Management (Warner) (2022)
Stil: New Country

01. Whiskey Me Away
02. Trouble With A Heartbreak
03. The State I’m In
04. Midnight And Missin‘ You
05. Ain’t Enough Cowboy
06. God Made Airplanes
07. My Weakness
08. Holy Water
09. Rock And Roll Cowboy
10. Your Mama
11. Take A Little Ride (Live from Las Vegas, NV)
12. Burnin‘ It Down (Live from St. Louis, MO)
13. Any Ol‘ Barstool (Live from Knoxville, TN)
14. Rearview Town (Live from St. Louis, MO)
15. Blame It On You (Live from Manchester, TN)

Jason Aldean
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Networking Media

Old Crow Medicine Show – Paint This Town – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Band Old Crow Medicine Show nimmt seit zwanzig Jahren Alben auf. „Paint This Town“ stellt jedoch meinen ersten Berührungspunkt mit ihr dar. Beim ersten Durchhören wächst mit jedem Track die Spannung, was dem Sextett als nächstes einfällt. Es kommt selten vor, dass ein Longplayer eine solche Bandbreite unterschiedlicher Stile einfängt und dennoch authentisch wirkt. Rock ‘n Roll, Country, Southern, Hillbilly, Cowpunk bis hin zum Bluegrass sind auf der entsprechend abwechslungsreichen CD vertreten. Für „Paint This Town“ holte sich die Band Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Will Hoge, Lucero, Arlo McKinley) als Produzenten ins Boot.

Der Titeltrack „Paint This Town“, der das Werk eröffnet, könnte von (John Mellencmp Anfang der 1980er geschrieben sein. Bandleader Ketch Secor hat zwar eine weniger rauhe Stimme, aber die songtechnischen Anleihen beim Altmeister sind hier kaum zu überhören. Neben dem runden Rock ‘n Roll „Lord Willing And The Creek Don’t Rise” finden sich kräftig stampfende Stücke auf der CD, wie „Used To Be A Mountain“ oder das an (Daddy Long Legs erinnernde „John Brown’s Dream“.

Die beiden letztgenannten Songs haben eine punkigen Einschlag, der bei „Painkiller“ ebenso deutlich hervortritt. Der Bogen der Geige bringt dort die Saiten zum Qualmen. An dem Track haben moderne Hillbillys genauso Freude wie an dem durch das Banjo getriebene „Bombs Away“, das neben dem Titelstück bereits ausgekoppelt wurde. „Hillbilly Boy“ kommt demgegenüber gemäßigter und traditionsverbundener rüber.

Während der überwiegende Teil der Songs im mittleren bis oberen Tempobereich angesiedelt sind, reduzieren Secor und seine Mannen auch mal die Schlagzahl. Im Vergleich zu den semi-akustisch gehaltenen „New Mississippi Flag“ und „Reasons To Run“ geht „Gloryland“ eher in Richtung Country-Rock – getragen von den Keys von Cory Younts sowie mit gelungenen Mundharmonika-Passagen. Alle drei sind stimmungsvolle Titel. Höhepunkt unter den Balladen stellt jedoch „Honey Chile“ dar. Die dritte Vorabveröffentlichung versprüht einen kraftvollen Southern-Flair.

Ihrer Affinität zum Country lässt die Band auf „Deford Rides Again“ freien Lauf. Mit mehrstimmigen Gesang gibt Old Crow Medicine Show zum Abschluss einen flotten Bluegrass-Track zu Gehör.

Old Crow Medicine Show nehmen sich durchaus ernsten, aktuellen Themen an wie Rassenkonflikten, Umweltzerstörung oder auch der Pandemie. Dabei achten sie aber darauf, dies unterhaltsam und mit einem Hauch von Optimismus oder mit Humor zu tun. Sie sind daher dem Ansatz von (Jason Ringenberg nicht unähnlich. So lohnt sich ein Blick auf die früheren Videos oder auch ein Reinhören in die Songs der vergangenen Jahre, unter denen sich auch eine Kollaboration mit (Keb‘ Mo‘ findet.

Bemerkenswert ist zudem, dass von August bis Dezember 2020 ein wöchentlicher Live-Stream unter dem Titel Hartland Hootenanny mit Gästen lief, die auch den SoS-Lesern bekannt sein dürften: Will Hoge, (The Secret Sisters oder BJ Barham von (American Aquarium sind einige von ihnen. Die 30 Episoden sind auf der Homepage der Band archiviert.

„Paint This Town” von Old Crow Medicine Show stellt für mich das bislang überraschendste Album des Jahres 2022 dar. Das Konglomerat aus Rock, Country, Cowpunk, Southern und Hillbilly-Sound fügt sich auf abwechslungsreiche Art zu einer in sich stimmigen Einheit zusammen. Neben eingängigen Songs finden sich auch etwas verschrobene auf dem Longplayer, die dennoch gut hörbar bleiben und einfach Spaß machen.

ATO Records – Pias/Rough Trade (2022)
Stil: Rock, Country and more

Tracks:
01. Paint This Town
02. Bombs Away
03. Gloryland
04. Lord Willing And The Creek Don’t Rise
05. Honey Chile
06. Reasons To Run
07. Painkiller
08. Used To Be A Mountain
09. Deford Rides Again
10. New Mississippi Flag
11. John Brown’s Dream
12. Hillbilly Boy

Old Crow Medicine Show
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion