Neal Black And The Healers – Wherever The Road Takes Me – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Neal Black ist seit 30 Jahren in Sachen Texas Blues, Rock und Roots Musik auf den Bühnen der Welt und in Studios unterwegs. In dieser Zeit spielte er auch mit so namhaften Szenegrößen wie Robben Ford, Popa Chubby, Fred Chapellier, Alabama Slim, Stevie Ray Vaughan, George Thorogood, Savoy Brown und, und, und. Die Liste ließe sich fast beliebig verlängern. Parallel dazu nahm er seit 1993, 13 Alben für Dixiefrog Records auf und erwarb sich nicht umsonst den Beinamen „Master Of High Voltage Texas Boogie“.

Nun liefert er mit seinem neuesten Doppelalbum „Wherever The Road Takes Me“ einen Rückblick über 30 Schaffensjahre mit vielen seiner Lieblingssongs ab. CD 1 besteht aus 18 Studioaufnahmen und CD 2 enthält acht Live-Mitschnitte. Mit von der Partie als Gastmusiker sind auch so namhafte Blueser wie z. B. die oben erwähnten Robben Ford, Popa Chubby und Fred Chapellier, unterstützt von einigen der besten Backing Musicians der Branche.

In seiner Musik vereint er Blues, Rock und Roots Music, immer gepaart mit seiner interessanten rauen Stimme, die gesanglich zuweilen an Chris Rea erinnert, sowie tollen Bläsersätzen, Mundharmonikaeinlagen und virtuosen Gitarrenkünsten.

Dies alles ist natürlich auch genauso auf „Wherever The Road Takes Me“ zu hören. Die Scheibe ist abwechslungsreich und wird dadurch nie langweilig. Da sind fetzige Rock‘n‘Roll- und Boogie-Nummern bei: „Did You Ever“, „Handful Of Rain“ (ein stampfender Boogie á la ZZ Top) oder der wilde Boogie „I‘m Gonna Cry“.

Ebenso aber auch tief-schwarze Blues-Titel mit Mississippi-Charakter und leicht swampigen Elementen („Worried About It“, „New York City Blues“ oder „Sunrise In Prison“). Und für alle, die es etwas beschaulicher und melodiöser mögen, hält die Scheibe einiges parat.

Da sind z. B. „The King Of San Antone“, eine wunderschöne Ballade im Fingerpicking-Style, oder das ausgefallene „Bad Rose Tattoo“ mit Mandolineneinlage sowie „Saints Of New Orleans“, ein balladesker Titel. Die übrigen Songs auf CD 1 bewegen sich alle im „normalen“ Bluesbereich mit viel Mundharmonika- und Pianoeinsatz, mal mit jaulenden Gitarren („Justified Suspicion“), mal mit Trompeten und dezenten Slideeinlagen („Hotel In México“) oder sind einfach nur slowbluesig-schön (z. B. „Misery“ und „It Hurts Me Too“).

CD2 steht, wie bereits gesagt, ganz im Zeichen der Live-Musik. „Did You Ever“, „Lost Without You“ und „Handful Of Rain“ waren schon auf CD 1 zu hören, hier als Liveaufnahme wirken die Songs aber noch einmal wesentlich spritziger, als sie es ohnehin schon sind. Auch „Goodbye Baby“, „Chicken Shack Cognac“ und „Streamline Woman“ sind wilde, furiose Rock‘n‘Roll- und Boogie-Tracks, die mächtig in die Beine gehen. Einzig das ruhige „I Can See Clearly Now“- Cover fällt da aus dem Rahmen.

„Wherever The Road Takes Me“ ist eine klasse und immer wieder überraschende Scheibe, die den Zuhörer mitzureißen vermag. Neal Black und seinen Heilern ist mit dem Album ein richtig guter Wurf gelungen, er ist tatsächlich und ohne Wenn und Aber der „Master Of High Voltage Texas Boogie“. Von daher gibt es von mir für dieses Doppelalbum des Texaners klare fünf Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung.

Label: Dixiefrog Records / Bertus Musikvertrieb
Stil: Blues

Tracks CD1:
01. All For Business
02. Hotelroom in México
03. Jesus And Johnny Walker
04. Worried About It
05. Did You Ever
06. The King Of San Antone
07. Handful Of Rain
08. Cry Today
09. Lost Without You
10. Bad Rose Tattoo
11. Mississippi Doctor
12. New York City Blues
13. Justified Suspicion
14. Sunrise In Prison
15. Saints Of New Orleans
16. Misery
17. I‘m Gonna Cry
18. It Hurts Me Too

Tracks CD 2:
19. If I Had Possession Over Judgement Day (Live)
20. Goodbye Baby (Live)
21. Did You Ever (Live)
22. Lost Without You (Live)
23. Handful Of Rain (Live)
24. Chicken Shack Cognac (Live)
25. I Can See Clearly Now (Live)
26. Streamline Woman (Live)

Neal Black & The Healers
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V2 Records

49 Winchester – Fortune Favors The Bold – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Winchester Street im Russell County, Virginia, hat in der letzten Zeit ein größeres, mediales Interesse erfahren. Grund dafür ist die musikalische “Liebeserklärung” der Band 49 Winchester, die vor 8 Jahren in dem rund 2000 Einwohner zählenden Städtchen gegründet wurde und nun auf ihrem 4. Album “Fortune Favors The Bold” der entlegenen Heimat ein Denkmal setzt.

Doch der Reihe nach: Als 4 Nachbarschaftsfreunde 2014 begannen, gemeinsam Songs zu schreiben und unter dem Bandnamen 49 Winchester ihr Debüt-Album in Eigenregie veröffentlichten, folgten sie von Anfang an ihren eigenen Ideen. Diese konsequenten Independent-Jahre wurden mit den Alben “Wind” (2018) und “III” (2020) fortgesetzt, wobei zahlreiche Festivalauftritte und Tournee-Termine zunehmenden Erfolg brachten. Das führte schließlich dazu, dass die “rapidly rising band” nun bei New West Records ihren neuen Longplayer “Fortune Favors The Bold” released.

Die Vorab-Single “Annabel” kennzeichnet gleich von Beginn an den melodischen Sound von 49 Winchester, sowie das exzellente Story-Telling des Songwriters, Gitarristen und Sängers Isaac Gibson. Insgesamt gilt für alle Stücke: ein bodenständiger Alt-Country-Rock-Folk und Southern-Soul-Stil wird konsequent kombiniert. In der “Heimweh-Ballade” an seine Hometown in “Russell County Line” (“If you wonder where my heart is”) krönt Gibson seine Leidenschaft mit einem Gänsehaut-Poetic-Country-Feeling: ein Flaggschiff-Song! Neben dem Singer/Songwriter Gibson glänzen Chase Cafin (Bass), Bus Shelton (Electric-Guitar), Noah Patrick (Steel-Guitar), Don Eanes (Piano, Hammond B3, Keys) und Dillon Cridlin (Drums) auf dem neuen Album, das zusammen mit Stewart Myers in verschiedenen Studios produziert wurde.

Wiederentdeckte musikalische Traditionen zu integrieren und gleichzeitig die eigenen Songs zu behaupten, verwirklichen 49 Winchester auch im wunderbaren Southern Rock-Titel “All I Need” mit entsprechenden Skynyrd-Riffs, starken Hammond-Keys und passenden Gibson Lead-Vocals. Dass seine Stimme neben eigenen Akzenten ebenso ein John Fogerty-Muster drauf hat kann beim schnellen “Hillbilly Daydream” nacherlebt werden. Eine ebenso Story- und Refrain-orientierte Nummer ist “Damn Darlin’” (”Oh, Nashville you broken my heart”) – mit tollem Hammond-Solo, schöner Lyric-Bridge, sowie einer Erinnerung an Tom Petty-Variationen im neuen Gewand: ein Straight Banger!

Mit dem Titel-Song “Fortune Favors The Bold” folgt ein Mid-Tempo-Track, ein immer wieder herrlicher Hammond-Sound trifft auf klasse Vocal Begleitung und wird zielsicher zum Top-Song aufgebaut. Für den Country-Blues “Second Chance”, dürfte als Konzertausgabe sicher viel Live-Potenzial möglich sein; ebenso wie bei der eindrucksvollen Southern-Ballade “Neon”, die ihre Strahlkraft erst nach und nach entwickelt. Das letzte Stück “Last Call” wird zum schnellen J.J. Cale/CCR-Piano-Rock und rundet das Album als Rock’n’Roll “Oldie” Nummer perfekt ab.

49 Winchester haben mit ihrem 4.Album endgültig das Durchbruch-Release auf Klassiker-Niveau erreicht. Schon vor diesem Masterpiece hatten die Southern Rocker von Whiskey Myers die Zeichen der Zeit erkannt und 49 Winchester für die kommende Tour als Vorband gebucht. Auch dies bestätigt: “Fortune Favors The Bold”!

New West Records (2022)
Stil: Southern-Rock, New Country

Tracks:
01. Annabel
02. Man’s Best Friend
03. Russell County Line
04. All I Need
05. Hillbilly Daydream
06. Damn Darlin’
07. Fortune Favors The Bold
08. Second Chance
09. Neon
10. Last Call

49 Winchester
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Oktober Promotion

Danny Bryant & Bigband – 06.05.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Knapp zweieihalb Jahre lag das letzte Konzert von Danny Bryant mit seiner Bigband mittlerweile zurück und war bei Bryant in positiver Erinnerung geblieben. Er betonte schon zu Beginn des Konzerts, wie er sich freue, wieder im Piano aufzutreten, da die Termine in Dortmund von der Atmosphäre her für ihn immer etwas Besonderes waren. Schnell entwickelte sich, auch durch die klasse Bandleistung, eine gute Stimmung in dem leider nur knapp zur Hälfte gefüllten Saal.

Bryant spielte in den knapp 120 Minuten Spielzeit eine bunte Mischung alter und neuer Songs vom aktuellen Werk „The Rage To Survive“. Hervorragend war vom neuen Album „Invisible Me“, dem Bryant mit seiner Stimme und gekonnten Soli seinen Stempel aufdrückte und durch die Bläsersektion ein gewaltiger Sound erzeugt wurde.

Die absoluten Höhepunkte der Show hob sich Bryant allerdings bis zum Ende auf. In einer Lang-Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihre Soloanteile, dass auch Paul Mallatratt am Bass und Dave Raeburn an den Drums mit feinen Soli ihr Können direkt beweisen konnten, was dem geneigten Zuhörer allerdings zuvor schon nicht verborgen geblieben war.

In „Painkiller“ konnte die Band dann die gesamte musikalische Bandbreite zeigen. Instrumental standen zunächst Marc Raner, bei der Ballade zunächst mit akustischer Gitarre und Stevie Watts am Piano im Vordergrund. Bryant beschränkte sich hier auf den Gesang und die anderen Musiker hielten sich eher zurück. In der Mitte des Songs kam es dann zu einem Pianosolo, während dessen Raner seine akustische Gitarre gegen die elektrische tauschte. Mit dem ersten Anschlag Raeburns an den Drums ging danach für mehrere Minuten die Post ab.

Raner und Bryant schossen sich die Soli regelrecht um die Ohren und die Bläsersektion setzte immer wieder stakkatoartige Segmente. Nach einer weiteren Zugabe beendete die Band unter dem Applaus der Besucher das Konzert und Bryant begab sich sofort zum Merchandising-Stand und stand geduldig den wartenden Fans zur Verfügung. Ein feiner Bluesabend mit einer spielfreudigen Band im Musiktheater Piano wurde so noch einmal positiv abgerundet.

Für Freunde der gepflegten Blues- und Rockmusik steht in den nächsten Wochen noch einiges im Piano auf dem Plan, dass es sich lohnt, mal auf die Webseite zu schauen und mit den Besuchen, den Veranstalter, wie auch die Bands zu unterstützen, da viele Konzerte in letzter Zeit mehr Besucher verdient gehabt hätten, als sich letztendlich eingefunden haben.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Lukas Bossardt (keys)
Marc Raner (guitars)
Finn Bradley (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

The Bros. Landreth – Come Morning – CD-Review

Drittes Album der beiden Brüder David und Joey Landreth alias The Bros. Landreth. Mit ihrem Debüt „Let It Lie“ sorgten die beiden Kanadier 2015 für großes Aufsehen in der Americana-/Roots-Szene und ergatterten dafür sogar einen JUNO-Award. Auch mir persönlich gefiel das Werk richtig gut.

2017 hatte ich dann erstmals die Gelegenheit eine Solo-EP („Whiskey„) von Joey begutachten zu dürfen, auch hier wurde der gute Eindruck, den das Duo hingelegt hatte, erneut bestätigt.

Mit dem Nachfolger der wieder vereinten Brüder „’87“ im Jahr 2019 hatte ich dann so meine dezenten Probleme. Das Songmaterial sprach mich nicht mehr so an wie beim Vorgänger, wenn auch ein akzeptables Ergebnis am Ende dabei zu Buche stand. Nunmehr also der dritte Streich der beiden mit „Come Morning“.

„Das übergreifende Thema hier ist die Hoffnung“, sagt Joey Landreth. „Viele der Songs berühren schwierige Themen, zum Beispiel das Verarbeiten emotionaler Traumata und das Zurückfinden zu einer neuen Stärke. Es ist ein Mythos, dass man diesen Prozess jemals beendet. Dave und ich haben diese Reise gerade erst angetreten; deshalb ist diese Platte auch eine Wiedergeburt dessen, was wir mit „’87“ erreichen wollten. Wir arbeiten uns durch den Schmerz, verarbeiten ihn, packen unser sprichwörtliches Gepäck aus und fangen an, vorwärts zu gehen. Beim letzten Mal sind wir nur auf dem Teppich gelaufen, unter den wir alles Mögliche gekehrt hatten.“

Und in der Tat spürt man bei jedem Song das Bemühen, Text, Musik und die Stimmungen der Musiker exakt wieder zugeben. In ihrem Streben nach Perfektion erinnern mich die beiden ein wenig an die Art von Steely Dan, nur mit einem Stil, der halt in Country-/Roots-Americana-Gefilden verwurzelt ist.

Center-Track und für mich ist das mit einem 90er-Shynthie-Gedächtnis Pump-Groove angetriebene „Drive All Night“ das zunächst im vorderen Teil in der Langversion gebracht wird und als Ausklang nochmals in einer abgeschnittenen Radio-Version serviert wird.

Der Rest auf diesem Album ist größtenteils entspannte, unaufgeregt nachdenkliche, immer melodsiche Roots-Country-Americana-Musik, teils sanft soulig und auch Barroom-mäßig ausstaffiert, für die man die entsprechende Ruhe zum intensiven Zuhören mitbringen muss.

The Bros. Landreth finden wieder langsam zu alter Stärke und Geschlossenheit zurück und beweisen mit „Come Morning“ dass bei ihnen musikalisch noch lange nicht aller Tage Abend ist.

Cake Records (2022)
Stil: Country Folk

01. Stay
02. What In The World
03. Drive All Night
04. Shame
05. You Don’t Know Me
06. After The Rain
07. Don’t Feel Like Crying
08. Curduroy
09. Come Morning
10. Back To Thee
11. Drive All Night (Radio Edit)

The Bros. Landreth
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Networking Media

Delbert McClinton – Outdated Emotion – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Ich war schon immer ein Flüchtling vor dem Gesetz der Durchschnittswerte.“ sagt Delbert McClinton, der vom Rolling Stone Magazin als ‚Godfather of Americana Music‘ betitelt wird, sehr selbstbewusst über sich. Nun ja, der 81-jährige ist vierfacher Grammy-Preisträger und Empfänger des Lifetime Achievement Award der „Americana Music Association. Delbert McClinton kann sich das daher, nicht nur aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, wohl auch leisten. Sein 27. Studioalbum „Outdated Emotion“ wird sich allerdings trotzdem daran messen lassen müssen.

Mit seinem neuesten Werk hat sich McClinton nach eigener Aussage den Traum erfüllt, ein Album mit Songs zu produzieren, die ihn seit seiner Jugend am meisten beeinflusst haben. So finden sich auf der Scheibe insgesamt 16 Tracks u. a. von Hank Williams mit drei flotten Americana-Standards („Settin‘ The Woods On Fire“, „Jambalaya“ und „Move It On Over“), von Jimmy Reed („Ain‘t That Lovin‘ You“ und „I Ain‘t Got You“) sowie von Little Richard mit der wilden pianogetriebenen Boogie-Woogie-Nummer „Long Tall Sally“. Hinzu gesellen sich dann auch noch fünf eigene Songs

Die Scheibe startet mit dem Klassiker „Stagger Lee“, einem flotten Shuffle über den schwarzen Zuhälter und Kutscher Lee Shelton, der am Heiligabend 1895 seinen Kumpel William „Billy“ Lyons ermordete. Nach dem bereits erwähnten „Settin‘ The Woods On Fire“ folgt mit „The Sun Is Shining“ ein gemütlicher eigenkomponierter Shuffle bevor es mit „One Scotch, One Burbon, One Beer“, ursprünglich von Amos Milburn komponiert, weitergeht. Hier klingt allerdings die John Lee Hooker-Version des Songs von 1962 wesentlich authentischer als McClintons neue Adaption.

Aus McClintons eigener Feder stammen die Americana-Titel „Two Step Too“ und „Money Honey“, der sehr schöne Piano- und Percussionblues „Conneticut Blues“ und der Midtemposong „Sweet Talkin‘ Man“. Zwischendurch taucht dann noch der 1973‘er Slowblues von T-Bone Walker „I Want A Little Girl“ auf, der später auch von Eric Clapton gecovert wurde, auf.

Die beiden Rausschmeißer bilden zum Abschluss der Pianoblues „Hard Hearted Hannah“ von Milton Ager und „Call Me A Cab“, wiederum eine Eigenkomposition von McClinton in Form eines halbminütigen Sprechgesanges mit Kontrabassbegleitung.

Mit „Outdated Emotion“ kehrt Delbert McClinton mit seiner warmen Stimme zu den Wurzeln seiner Musik zurück, wobei er von kraftvollen Bläsersätzen und einer starken Rhythmusfraktion unterstützt wird. So schließt sich also der Kreis, indem McClinton altbekannten Tunes aus Rock, Blues, Jazz und Country ein neues Leben einhaucht. Americanafans wird beim Hören dieser Scheibe sicherlich das Herz aufgehen, Delbert McClinton ist und bleibt der „Godfather Of Americana Music“.

Label: Hot Shot Records/Thirty Tigers
Stil: Americana

Tracks:
01. Stagger Lee
02. Settin‘ The Woods On Fire
03. The Sun Is Shining
04. One Scotch, One Burbon, One Beer
05. Long Tall Sally
06. Two Step Too
07. I Want A Little Girl
08. Ain‘t That Lovin‘ You
09. Jambalaya
10. Conneticut Blues
11. I Ain‘t Got You
12. Move It On Over
13. Hard Hearted Hannah
14. Sweet Talkin‘ Man
15. Money Honey
16. Call Me A Cab

Delbert McClinton
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Oktober Promotion

Miranda Lambert – Palomino – CD-Review

Trotz all ihrer Erfolge und Auszeichnungen habe ich, Asche auf mein Haupt, Miranda Lambert erst seit ihrem Album „Wildcard“ so richtig auf dem Schirm. Das gefiel mir außerordentlich gut und so war ich froh, dass Sony uns jetzt die Möglichkeit gewährte, ihren achten Longplayer „Palomino“ zu begutachten.

Wenn man mit allen bisherigen Werken auf Platz 1 in den Billboard Country Album Charts gelandet ist, impliziert das mittlerweile immer eine hohe Bürde im Rahmen eines Nachfolgers, zumal Lambert ihren kompositorischen Beitrag in der Regel selbst leistet. Auch diesmal sind es wieder satte 15 Songs geworden.

Den Löwenanteil hier hat sie dabei mit Luke Dick und Natalie Hemby auf ihrer Farm in Tennessee kreiert, drei Stücke („In His Arms“, „Geraldene„, „Waxahachie„), die sie mit den uns gut bekannten Jon Randall und Jack Ingram zuletzt als Demoversionen („The Marfa Tapes“) veröffentlicht hatte, sind jetzt als toll umgesetzte Vollversionen dabei, wovon besonders das an „Jolene“ erinnernde „Geraldene“ mit seiner southern-rockigen Art zu gefallen weiß.

Eingespielt mit exzellenten Leuten wie u. a. Fred Eltringham (The Black Crowes), dem Bassisten/Keyboarder Ian Fitchuk (Sam Hunt), Rob McNelley (Joe Bonamassa, Beth Hart, Buddy Guy), Kenny Greenberg (diesmal steel guitar!), Sarah Buxton (bgv) sowie den McCrary Sisters (bgv), wurden Dinge rund um das Reisen, das sich Bewegen von A nach B und was damit so alles verbunden sein kann, thematisch aufgearbeitet. Also quasi ein Konzeptalbum.

Essenziert wird dies mit der einzigen Fremdkomposition, dem Mick Jagger-Stück „Wandering Spirit“, das hier als lässiger countryesker Rockabilly-Feger (herrliche Backs der McCrary Sisters) zelebriert wird. Für weitere launige Momente sorgt die Kultband The B-52’s mit ihren Hamoniegesängen bei der vergnügten Charakterstudio „Music City Queen“ (lustig hier auch das schräge HT-Klimper-Solo zu Ehren von Jerry Lee Lewis, der auch im Text erwähnt wird).

Was diesmal besonders gefällt, ist die Mischung aus melancholischen und sinnierenden Momenten, die in countryfolkigen Tracks wie „In His Arms“, „Tourist“ (herrlicher Ohrwurm), „That’s What Makes The Jukebox Play“, „If I Was a Cowboy“, „Pursuit Of Happiness“ oder „Carousel“ in Storytelling-Manier zum Ausdruck gebracht wird und diesen stimmungsvollen New Country-Stücken (immer mit einem Schuss Humor und wohl dosiertem modernen Touch), wie den zuvor genannten Liedern oder aber auch zum Beispiel im starken Opener „Actin‘ Up„. 

Alles gipfelt am Ende dann natürlich im Zusammenspiel mit Mirandas famosen Gesang (phasenweise wie eine Stevie Nicks), der jede Stimmungslage nahe zu in Perfektion wiedergibt. Am Ende stellt ich nur noch die Frage, ob der Texanerin mit „Palomino“ ihr achtes Nr. 1-Album in Folge gelingt und Morgan Wallens Dauerbrenner „Dangerous“ mal wieder vom Thron gestoßen werden kann. Verdient hätte sie es mit dieser Bravour-Leistung in jedem Fall!

Columbia / Sony Nashville (2022)
Stil: New Country

01. Actin‘ Up
02. Scenes
03. In His Arms
04. Geraldene
05. Tourist
06. Music City Queen feat. The B-52’s
07. Strange
08. Wandering Spirit
09. I’ll Be Lovin’ You
10. That’s What Makes The Jukebox Play
11. Country Money
12. If I Was a Cowboy
13. Waxahachie
14. Pursuit Of Happiness
15. Carousel

Miranda Lambert
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Sony Music

Michael Schenker – Support: Everdawn, 04.05.2022, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Etwa drei Jahre liegt der letzte Auftritt von Michael Schenker in NRW mittlerweile zurück. Damals war es ein Gastspiel mit dem Michael Schenker Fest mit vier verschiedenen Sängern. Diesmal war die Besetzung an den Vocals geringer und Robin McAuley, der auch beim Fest dabei war, war einziger Frontmann.

Ansonsten war sonst nur Steve Mann, der aber auch zuvor in der Vergangenheit öfter mit Schenker zusammengearbeitet hatte, als zweiter Gitarrist und Keyboarder übrig geblieben. Die Rhythmussektion ersetzte Schenker mit Barend Corbois am Bass und Bodo Schopf an den Drums, der den verstorbenen Ted McKenna schon bei den letzten Konzerten ersetzt hatte.

Nachdem die Tore der Zeche ab 19:00 Uhr geöffnet wurden tröpfelten die Besucher zunächst eher in die Halle, dass sich um 19:30 etwa 40–50 Gäste im Konzertsaal befanden. Dann änderte sich ab 20:30 schlagartig, als um 20:00 Uhr  die aus New Jersey kommende Band Everdawn die Bühne betrat.

Etwa 40 Minuten präsentierten die Amerikaner um Frontfrau Alina Gavrilenko und den Gitarristen Richard Fischer Songs, die sie selber als Ultra Melodic Metal bezeichnen. Harte Gitarrenriffs, stampfende Bass- und Drum-Rhythmen verschmelzen dabei mit der sehr hohen Stimme der Fronterin und dem Keyboardspiel, das den Songs zuweilen eine gewisse Milde einhauchte. Es gelang ihnen, den Besuchern, die vor allem wegen Schenker gekommen waren, die Wartezeit zu verkürzen, was sich auch an dem Applaus der Zuschauer zeigte.

Um 21.00 Uhr betrat Michael Schenker nach einer relativ kurzen Umbaupause mit seinen Instrumentalisten die Bühne. In einer Ansage sagte Schenker, dass das folgende „Ascention“ seinem leider zu früh verstorbenen Drummer Ted McKenna gewidmet ist. Erst nach diesem instrumentalen Feuerwerk kam auch Sänger Robin McAuley suf die Bühne. Und es sollte in dem knapp 120 Minuten dauernden Konzert ein bunter Mix aus Songs folgen, an denen Michael Schenker in seiner mittlerweile 50 Jahre dauernden Karriere beteiligt war.

Schnell war der Funke auf das begeisternd mitgehende Publikum übergesprungen und es entwickelte sich ein toller Hard Rock-Abend. An den Gesichtern der Musiker konnte man erkennen, mit welcher Freude sie die Tracks spielten, und wie sie es genossen, die Resonanz der Zuschauer zu bekommen.

Dem „Cry For The Nations“ folgenden „Doctor Doctor“, der ersten UFO-Darbietung, konnte man etliche Besucher mitsingen sehen. McAuley ist gesanglich noch absolut auf der Höhe und hatte, wie auch im weiteren Konzert mit dem einen oder anderen Fan Augenflirts. Schön war, dass Schenker den anderen Musikern immer wieder die Möglichkeit gab, sich in der Frontline zu präsentieren und nicht irgendwo im Bühnenhintergrund ein Schattendasein zu fristen.

Dies lag aber auch an der geschickten, meist ausgewogenen Bühnenausleuchtung, wo Schenker nur bei einigen seiner von filigran bis brachialen Soloarbeit mit Spots klar in den Vordergrund gestellt wurde. Vor dem Licht steht eigentlich der Sound, der so abgemischt war, dass die Instrumente eindeutig zu identifizieren waren und auch so ausgesteuert waren, dass McAuleys Gesang in der Wucht, insbesondere der Drums und des Basses ,nicht unterging.

Nach einigen MSG-Stücken, wie „Warrior“ oder „Arena“ durfte sich mit „In Search Of Peace Of Mind“ auch ein alter Scorpions-Track (vermutlich sogar der erste, den er als Teenager selbst schrieb) aus den relativ kurzen Phasen seiner Anfangsband einreihen, aus der er ausstieg, um danach in der erfolgreichsten UFO-Zeit mitzuwirken.

Mit „Lights Out“ brachte die Band den Saal zum Kochen. Corbois bewies, dass er nicht nur ein begnadeter Bassist ist, sondern auch durch sein Auftreten und Posen dazu beiträgt, visuell die Fans aufzupuschen. Überhaupt muss gesagt werden, dass Corbois und Drummer Bodo Schopf einen stampfenden Sound vorlegten, der durch den Gitarristen und Keyboarder Steve Mann noch verfeinert wurde. 

Nach „Lights Out“ verließ McAuley für einen Song die Bühne und überließ Michael Voss das Mikro, der dann das sehr melodische, eher ruhige „After The Rain“ sang. Nachdem die Fans für einen Song lang etwas heruntergekühlt wurden, gab es kein Halten mehr. Ein famoser Hard Rock_Kracher jagte regelrecht den anderen und Schenker baute mit dem wieder etwas ruhigeren „A King Has Gone“, das Ende des Monats auf dem neuen Album erscheinen wird, ein Stück aus der Zukunft ein, was beim Publikum sehr gut ankam.

Als die ersten Töne von „Rock Bottom“ erklangen, brandete Applaus durch die Halle und Schenker zeigte in minutenlanger Soloarbeit, was so alles aus einer Gitarre zu entlocken ist. Dabei offerierte er seine gesamte spielerische Bandbreite, die weit über den Hardrock hinausgeht und zuweilen auch klassische Elemente beinhaltet.

Wer gedacht hätte, nach diesem fast schon monomentalen Song könne nichts mehr kommen, wurde eines Besseren belehrt. Praktisch ohne große Pausen folgten „Shoot Shoot“, “Let It Roll“, „Natural Thing“, „Too Hot To Handle“ und „Only You Can Rock Me“, bei denen sich die Musiker scheinbar in einen Rausch spielten und es auch die Besucher auf der kleinen Tribüne nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Zum Ende des Fegers schnappte Schenker sich sein Handy und knipste ins Publikum, um deutlich zu machen, dass dieser Abend auch für die Band etwas Besonderes war. Ein besonderer Dank geht neben dem an die Band für die tolle Musik auch an  a.s.s.concerts & Promotion und an die wie immer sehr freundlichen Mitarbeiter der Zeche.

Line-up MSG:
Michael Schenker – Guitars, Backing Vocals
Robin McAuley – Lead Vocals
Bodo Schopf – Drums
Barend Courbois – Bass, Backing Vocals
Steve Mann – Guitars, Keyboard, Backing Vocals

Line-up Everdawn:
Alina Gavrilenko – Lead Vocals
Mike LePond – Bass
Dan Prestup – Drums
Boris Zaks – Keyboards
Richard Fischer – Guitars, Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker
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Everdawn
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a.s.s. concerts & promotion gmbh
Zeche, Bochum

Aaron Raitiere – Single Wide Dreamer – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Wer das Glück hatte, auf der Songwriters Expo (2020) in Ventura, Kalifornien, Aaron Raitiere Solo mit Akustik-Versionen vorab zu erleben, bekam einen kleinen Vorgeschmack von “Single Wide Dreamer”, dem lang erwarteten, ersten Longplayer des hochtalentierten Singer/Songwriters. So eröffnet das Debüt-Album auch gleich mit drei Songs aus der Ohrwurm-Kategorie.

Das Titelstück hat Klassiker-Qualität, mit seinem Wortspiel-Refrain und typischen Sprechgesangs-Parts erinnert es an Songs von Kris Kristofferson und Johnny Cash. Die starken Refrain-betonten Lyrics in “Everybody Else” folgen dem Schema eines Geschichten-erzählenden melodischen Country-Titels. Diese Feel Good-Mentalität heimatlicher Verbundenheit verkörpert Raitiere ebenfalls in “For The Birds” – angeblich geschrieben am Tag nachdem sein Haus in Flammen aufging – ein flockig-lockerer Folk-Track mit starker E-Gitarre und coolem Text.

Aaron Raitiere, der über einen Uni-Abschluss in Geschichte verfügt, sieht sich auch in der Tradition berühmter Country-Künstler, wie Ramblin’ Jack Elliott und insbesondere Shel Silverstein, der in seinem grandiosen Songwriting als Wortspiel-Akrobat hohe “Hürden” setzte. Die Gute-Laune-Prägung herrlicher Story-Songs kommt bei “Cold Soup” und “At Least We Didn’t Have Any Kids” geradezu überlegen und songtechnisch hervorragend zur Geltung. Mit “Dear Darlin’” folgt danach ein genial-zerbrechlicher Love-Letter-Song: ein akustisches Sprechgesang Melodram, unschlagbarer Schreibkunst – einfach liebevoll gemacht!

Seine langjährige Erfahrung in der Gilde der sehr geschätzten Songschreiber in Nashville, hat erfolgreiche Tracks für Ashley McBryde, Midland, The Oak Ridge Boys, Shooter Jennings, Brent Cobb, Miranda Lambert und Anderson East – um nur einige zu nennen – hervorgebracht. Die letzten beiden (East und Raitiere sind seit 15 Jahren befreundet) haben sich als Produzenten von “Single Wide Dreamer” persönlich engagiert und with a little help from their friends (z. B. Bob Weir, Dave Cobb, Ashley Monroe, Waylon Payne) hat East Überzeugungsarbeit geleistet: “Friends thought I needed a record”, so Raitiere.

Entstanden sind insgesamt (leider nur) 12 Albumtitel (bei wesentlich mehr Material), aber alle sämtlich zündende Aufnahmen, wie das ausgefallen, experimentelle, an typische Lou Reed Passagen erinnernde “Your Daddy Hates Me” oder das etwas von Paul Simon inspirierte “Worst I Ever Had”, dessen Folk-Kleinod-Charakter trotz rauher Stimmlage musikalisch erhalten bleibt. Aaron Raitieres starke individuelle Handschrift wird auch in der Love-Song-Ballade “Tell Me Something True” durch seine immer wieder anpassungsfähigen Vocals betont und bringt nicht nur hier textlich eine Meisterleistung.

Der aus Dauville, Kentucky, stammende Songwriter ist seit 2000 in der Musikszene gerade wegen seiner anspruchsvollen, einfallsreichen Texte ein vielbeschäftigter Master of Fine Arts. Seine Gabe, Witz und Ironie in Feinheiten gestylt mit musikalischen Stilmitteln passgenau zu verbinden, zeigt eindeutig der Titel “You’re Crazy”. Zum frühen Johnny Cash Rockabilly-Country-Rock wird ein parodiehaft übertriebener Lee Hazlewood/Lovin Spoonful Medley geboten (Crazy, aber mitreißend). Das hohe Niveau der gesamten Aufnahmen wird zum Schluss dann noch mal getoppt: durch den ultimativen Country-Werbe-Song “Time Will Fly”. Wieder ein leichtfüßiger Refrain-getragener Country-Rock, der den Longplayer in all seinen Varianten erfasst und zu voll aufgedrehter Lautstärke verleitet: Ein absoluter Ausklang für ein Top-Album!

Wenn ein Meister seines Fachs die musikalische Schatzkiste öffnet, entsteht ein Album, wie “Single Wide Dreamer” von Aaron Raitiere. Eine ultimative Produktion, die jederzeit 5 Sterne verdient und für die der Singer/Songwriter erneut eine Music-Award-Nominierung verdient hätte.

Dinner Time Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Single Wide Dreamer
02. Everybody Else
03. For The Birds
04. Cold Soup
05. At Least We Didn’t Have Any Kids
06. Dear Darlin’
07. Your Daddy Hates Me
08. Worst I Ever Had
09. Can’t Rain All The Time
10. Tell Me Something True
11. You’re Crazy
12. Time Will Fly

Aaron Raitiere
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Oktober Promotion

Joe Bonamassa – 03.05.2022, Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf – Konzertbericht

Es ist jetzt das dritte Mal, dass wir Joe Bonamassa in größerem Konzertrahmen beleuchten, zuletzt war es vor drei Jahren an gleicher Stelle wie an diesem Abend in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric HALLE. Mark Dehler von Netinfect Promotion hatte wie gewohnt klasse Arbeit im Rahmen der reibungslosen Akkreditierung geleistet, wir hatten tolle Plätze, quasi zentral und dicht an der Bühne. Herzlichen Dank hierfür! Gut 2.500 Zuschauer wollten Smokin‘ Joes aktuellem Programm an diesem Dienstag beiwohnen.

Pünktlich nach dem Einspieler von John Sebastians 70er-Nostalgiehithit ‘Welcome Back’ betrat der Protagonist in gewohnt weißem Hemd unter schickem Anzug mit seinem Weltklasse-Ensemble die Bühne, um direkt mit „Evil Mama“ und „Dust Bowl“ sich, seine Band und die anwesenden Leute, mit den ersten Soli auf Betriebstemperatur zu bringen. Wie gewohnt ging es in fließendem Wechsel an diversen E-Gitarren wie Gibson SG und ES, Les Paul (u. a. beim zum niederknienden Gary Moore-Cover „Midnight Blues“) , Fender Stratocaster und Telecaster zu Sache. 

Mit letztgenannter Gitarre performte er „The Heart That Never Waits“, das einzige Stück, das vom aktuellen Album „Time Clocks“ in die Setliste fand. Etwas schade, finde ich, man hätte gerne mehr aus diesem superben Werk gehört.  

Mehr als nur ein saitentechnischer Wasserträger war übrigens der uns auch gute bekannte Josh Smith, der dann gegen Ende immer mehr aufblühte und auch mit einigen Twins, Slides und Soli brillieren durfte.  Wie zum Beispiel beim, nach der Bandvorstellung stattfindenden, southern-rockigen „A Conversation With Alice“ oder dem launigen, in Bakersfield-Manier abgehenden „Lonely Boy“, bei dem die famose Nashville-Rhythmussektion mit Weltklasse-Drummer Greg Morrow (ich weiß garnicht, wieviele New Country-Scheiben ich schon reviewt habe, wo er partizipiert hat) und Steve Mackey (mit Spaß in den Backen), die beiden Gitarristen vor sich hintrieben.

Zu Urgestein Reese Wynans braucht man nicht viel zu erzählen, der klimperte wieder in allen Variationen (Orgel, E-Piano, Syhthie, HT-Piano) routiniert auf seinen beiden, über Eck stehenden Tasteninstrumenten. Nicht zu vergessen die beiden klasse aussehenden Backgroundsängerinnen Danielle De Andrea und Jade MacRae, die wieder ihre Aahs, Uuhs und Harmoniegesänge zum Besten gaben und auch in Sachen Synchron-Bewegungen, eine gute Figur abgaben.

Beim Finalstück des Haupteils „The Ballad of John Henry“ entlockte ‚Magier Joe‘ zunächst mit seinen Händen und dann mit bogenförmigen Bewegungen mit seiner Telecaster einem kleinen Kästchen berührungslos vibrierende Töne. Diese Effekte mit einem sogenannten Theremin sind allerdings nicht ganz neu und wurden schon von Jimmy Page auf dem Led Zeppelin-Uralt-Hit „Whole Lotta Love“ eingesetzt. Trotzdem natürlich ein schönes Motiv für unseren Knipser Gernot Mangold.

Die erste Zugabe gehörte dann Joe ganz allein. Da ließ er bei „Woke Up Dreaming“ ein wahres Gewitter auf der Akustischen ab, dass man Angst um seine Fingerkuppen haben musste. Das Finale eines insgesamt zwei Stunden währenden, superstarken Konzerts gab es dann mit dem von Joe und Will Jennings kreierten „Mountain Time“, das nochmals sehr atmosphärisches Southern Rock-Esprit à la Marshall Tucker Band versprühte und somit den überragenden Abschluss bildete.

Bereits ziemlich früh hatte es übrigens diesmal die Leute von den Stühlen gerissen und es wurde im Stehen mit gefiebert, geklatscht und dem Star temperamentvoll die Ehre erwiesen. Bonamassa, das muss man so klar sagen, hat den etablierten Platzhirschen des Blues-Genres längst den Rang abgelaufen. Insgesamt somit wieder eine große Show von Joe & Co. im Rahmen seiner Europa-Frühlings-Tournee, die danach in London (in der ehrwürdigen Royal Albert Hall) und Paris noch weitergeführt wird.

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Steve Mackey (bass)
Reese Wynans (keys)
Greg Morrow (drums)
Danielle De Andrea (vocals)
Jade MacRae (vocals, percussion)
Josh Smith (electric guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
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GeminiiDragon – Figthing Fire With Fire – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit dem Titel “Fighting Fire With Fire” hat die US-Sängerin Jessica Harper (unter ihrem Pseudonym GeminiiDragon) ein ambitioniertes Solo-Debüt veröffentlicht. Die aus Thibodaux, Louisiana, stammende Harper verbindet dabei traditionellen Blues Rock mit modernen Sound-Experimenten und ihre dynamisch-natürlichen Vocals bilden dabei die Basis für die musikalischen Arrangements.

Der zu Beginn platzierte Titel-Track kombiniert eine pulsierende Mischung aus Bass-geführten Intro und funkig, groovendem Rhythmus mit der unverwechselbaren Stimme und stellt eine Collage aus Blues, Soul und Rock in den Vordergrund des Songs. Die folgende Lead-Single des Albums “Just The Way It Is”, ausgestattet mit einem rauhen Texas-Guitar Riff, sendet deutliche Zeichen einer nachwirkenden Performance. GeminiiDragon, die unüberhörbar in ihrem Element agiert, wird zur treibenden Kraft einer couragierten Vocal-Inszenierung.

Mit Writing-Partner und Gitarrist Christian Simeon hat Jessica Harper alle Songs zusammen komponiert und Einflüsse von Koko Taylor und Nina Simone, aber auch von ZZ Top und Albert King u. a. einbezogen. Entstanden sind Titel, wie “Woman Scorned”, eine Melange aus Mississippi- und Chicago-Blues oder “Blacktop Good Man” als Anspieltipp für einen Love-Song und Heavy-Texas-Blues. Die Intention, auch ein sehr autobiographisches Stück mit persönlichen Lyrics einzuspielen, hat GeminiiDragon mit dem Song “Badder Than Eva” ebenso eindrucksvoll gemeistert und ermuntert zum Abschluss der Tracklist durchaus zu der Überlegung, die Repeat-Funktion nochmal zu wählen.

Dass es gelingen kann, Blues-Roots und Contemporary-Sounds vielversprechend zu kombinieren, hat GeminiiDragon mit ihrem ersten Longplayer überaus deutlich gezeigt. “Fighting Fire With Fire” ist ein zeitgenössisches Blues Rock-Album einer hervorragenden neuen Sängerin, welches auch mit Blick auf das große Potenzial von GeminiiDragon ein hoffnungsvoller Startpunkt sein dürfte.

Nepotism Recordings (2022)
Stil: Blues-Rock-Soul

Tracks:
01. Fighting Fire With Fire
02. Just The Way It Is
03. Huh Huh Huh
04. Woman Scorned
05. Blacktop Good Man
06. Crippled By Insanity (Swing Low)
07. Gotta Make You Wonder
08. Badder Than Eva

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Nepotism Recordings