Eric Steckel – Support Rovar – 22.05.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Das letzte Mal sah ich Eric Steckel am 13.03.2020 im Musiktheater Piano. Es war das letzte Konzert, bevor es einen Tag später endgültig zum Lockdown durch Corona kam, der die Kulturszene für einen langen Zeitraum beeinflusste und unter dessen Folgen jetzt noch die Clubs und Musikszene leiden, was sich auch an vielen Absagen, mangels Kartenvorverkauf, Krankheit oder auch an geringen Zuschauerzahlen zeigt, die kaum genügen, um die Kosten zu decken, den Club aufzuschließen.

Immerhin hatten sich an einem sonnigen Sonntagabend doch so viele Zuschauer im Saal des Piano eingefunden, dass das Bild nicht so trostlos war, wie bei einigen Gigs, die ich in der letzten Zeit besucht hatte. Dennoch blieb genug Luft nach oben übrig.

Schon gegen 19:45 Uhr begannen die drei jungen Musiker von Rovar die Anwesenden mit ihrer Mischung aus Grunge und Hardrock auf Betriebstemperatur zu bringen. In ihrem knapp 40-minütigen Auftritt gelang es dem Trio, Werbung in eigener Sache, für ihre erste EP und das anstehende erste Album zu machen.

Line-up Rovar:
Luca Mewes: guitar, vocals
Paul Ulrich: bass
Bennet Fuchs: drums

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann fast unbemerkt von den Besuchern Eric Steckel mit seiner Band die Bühne, während aus den Lautsprechern noch die Musik von Molly Hatchet erklang. Steckel stöpselte seine Gitarre ein und übertönte dann die Hintergrundmusik mit einem kurzen Soundscheck, der es nicht nur lautstärkemäßig in sich hatte und fast eine Art Intro zum Konzert darstellte.

Danach folgten, knapp zwei Stunden Powerrock mit Vollgas auf der Überholspur. Was mit „Solid Ground“ und dem ZZ Top-Klassiker „Waiting For The Bus“ noch relativ ruhig begann, sollte sich mit zunehmender Konzertdauer zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickeln.

Neben einigen Coversongs standen Tracks des aktuellen Albums „Grandview Drive“ im Mittelpunkt, wobei „Can´t You See“ Southern Rock-Flair ins Piano brachte. Die Gesangspassagen, die durch harte Gitarrenriffs unterbrochen wurden, hätten auch der Marschall Tucker Band gut zu Gesicht gestanden und zum Ende spielte Steckel sich mit einem southern-typischen Solo in einen regelrechten Rausch.

Spätestens hier hatte er das Publikum mit seiner Spielfreude und seiner positiven Ausstrahlung für sich eingenommen. Selten habe ich aber auch gesehen, mit welcher Freude ein Musiker auf die Resonanz der Zuschauer reagierte, dass man das Gefühl haben konnte, sodass sich Zuschauer und Band in einer Wechselbeziehung immer weiter anstachelten. Steckel jagte mit seinen Fingern teilweise über die Gitarrensaiten, dass man dieser Geschwindigkeit kaum folgen konnte, traf dabei aber jede Note auf den Punkt.

In einer jammenden Phase überließ Steckel seinen beiden Kompagnons, welche ansonsten die Grundlage für den Sound legten, die Bühne, und so konnten Jos Kamps mit einem tollen Basssolo, in das er den Rhythmus von „Another One Bites The Dust“ einbaute und Henri van den Berg an den Drums zeigen, dass sie weit mehr sind als nur Begleitmusiker. Jos Kamps übernahm zuweilen sogar die Rolle des Animateurs, in dem er gestenreich, aufgrund der phantastischen Leistungen Steckels an der Gitarre, das Publikum aufforderte, diesen weiter anzufeuern.

Mit einer scheinbar nicht endenden Version von „Tennessee“, mit krachenden Soli Steckels und stampfenden Bassläufen, ging es ins jammende Finale mit „Best With You“ und nach zwei Stunden Powerrock wurde ein toller Konzertabend beendet, der schon jetzt eine Vorfreude auf das nächste Mal gemacht hat, mit einem dann hoffentlich rappelvollen Piano.

Line-up Eric Steckel:
Eric Steckel: guitar, lead vocals
Jos Kamps: bass
Henri van den Berg: drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Steve Earle & The Dukes – Jerry Jeff – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Steve Earle, selbst schon längst eine Ikone, würdigt mit seiner neuen Veröffentlichung Jerry Jeff Walker, einen Wegbereiter des Outlaw-Country. Inklusive „Jerry Jeff“ brachte Earle bislang vier Tribute-Alben heraus, die er verstorbenen Musikern widmete, die seinen Lebensweg prägten. Seine enge Verbindung zu diesen kommt dadurch zum Ausdruck, dass er die Longplayer stets mit deren Vornamen betitelt. Den Anfang machte „Townes“ (2009) für Townes van Zandt. Zehn Jahre später folgte „Guy“ in Erinnerung an Guy Clark. Im vergangenen Jahr erschien „J. T.“ als Abschied von seinem Sohn Justin Townes Earle.

Earle lernte noch vor seiner musikalischen Karriere Jerry Jeff Walker in Nashville kennen und arbeitete als dessen Fahrer. Er sieht in Walker seinen ersten Lehrmeister und erst später folgte die Freundschaft mit seinen Mentoren Van Zandt und Clark. „Jerry Jeff“ bildet daher den Abschluss seiner Verneigung vor seinen frühen Förderern. Anders als Van Zandt und Clark wird Walker oft nur mit einem Song in Verbindung gebracht: „Mr. Bojangles“ ist sein einziger großer und oft gecoverte Hit. Earle interpretiert diesen Titel ebenfalls, will mit dem Longplayer aber zugleich die Erinnerung an Walker als Songwriter wach halten, der mehr war als ein One-Hit-Wonder.

An den Opener „Gettin‘ By“, bei dem Earle den Text abwandelt und ihm so eine persönliche Wendung gibt, schließt sich „Gypsy Songman“, eine weitere flotte Country-Nummer an. Später schlägt der Dancehall-Stampfer „Makes Money (Money Don’t Make Me)“ mit fideler Geige in eine ähnliche Kerbe. Dass in Earles eigenen Kompositionen Elemente von Walkers Musik einflossen, bleibt dabei unverkennbar. Während „Charlie Dunn“ noch klar im Country-Genre verhaftet ist, geht „Hill Country Lane“ in Richtung Americana. Neben diesen Midtempo-Songs finden sich ein paar langsame Stücke („Little Bird“, „My Old Man“) auf dem Longplayer.

Besonders bemerkenswert sind die beiden letzten Titel des Albums. „Wheel“ ist eine gefühlvolle Americana-Ballade, auf der Earle ungewohnt sanft wirkt. Auch das funktioniert und der Funke springt über. Während sich Earle hier auf seine Dukes verlassen kann, die ihn souverän bei den leiseren Tönen unterstützen, verlässt er sich bei „Old Road“ ganz auf die Kraft seiner Stimme. Die Solo-Performance, lediglich mit Mundharmonika begleitet, verströmt Intensität pur. Bereits bei „Heaven Ain’t Goin‘ Nowhere“, das „Ghost Of West Virginia“ (2020) eröffnet, ist ein ähnlich reduziertes, gospelnahes Stück zu finden.

Mit „Jerry Jeff“ als posthume Hommage an Jerry Jeff Walker setzt Steve Earle mit seinen Dukes die Reihe von Tribute-Alben fort, mit der er seine persönliche Bindung zu den jeweiligen Musikern aufarbeitet. Wie bereits auf den vorangegangenen Werken sind Earles Versionen der Songs von einem tiefen Respekt vor den Originalen geprägt. Auch im Fall von Walker, dessen Musik im Country und Americana angesiedelt ist, tritt der Einfluss, den sie auf Earles eigene Kompositionen hatte, deutlich zutage. Earle ruft so eine Traditionslinie in Erinnerung, die er mit seinen eigenen Songs weiterführt und oftmals auch überflügelt.

Wie zuvor bei „J. T.“ sind digitale Veröffentlichung und die Herausgabe von LPs beziehungsweise CDs zeitlich auseinandergezogen. Während damals diese Veröffentlichungspolitik noch einen symbolischen Sinn machte, da die digitale Version zum Geburtstag von Justin Townes Earle erschien, bleiben die Gründe dunkel, warum die Hardcopies von „Jerry Jeff“ erst im August erhältlich sind. Vielleicht hängt die vorgezogene digitale Publikation mit der ausgiebigen Tour zusammen, die für den Sommer durch die Vereinigten Staaten angekündigt ist.

New West Records (2022)
Stil: Country, Americana

Tracks:
01. Gettin’ By
02. Gypsy Songman
03. Little Bird
04. Makes Money (Money Don’t Make Me)
05. Mr. Bojangles
06. Hill Country Rain
07. Charlie Dunn
08. My Old Man
09. Wheel
10. Old Road

 

 

Steve Earle
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New West Records
Oktober Promotion

Kenny Neal – Straight From The Heart – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Auf seinem neuesten Album „Straight From The Heart“ frönt Kenny Neal seinen musikalischen Wurzeln, deren Ursprung in der am Mississippi gelegenen Hauptstadt des US-Bundesstaates Louisiana, Baton Rouge, liegen.

Hier vermischen sich viele Einflüsse aus Jazz, Blues und R’n’B zu einer ganz eigenen, teils swampigen, Südstaaten- Musikmischung, die Kenny Neal auf seiner Scheibe hingebungsvoll verarbeitet. Unterstützung erhält er dabei u. a. von „Rockin’ Dopsie Jr & The Zydeco Twisters“, die in den Südstaaten für ihren flotten Boogie Woogie an Mardi Gras bekannt sind, sowie von dem Blues Newcomer Christone „Kingfish“ Ingram (er ist allerdings nicht verwandt mit Bobby Ingram von den Southern Rockern Molly Hatchet). Weiteren Support für die CD liefert übrigens Tito Jackson, der der zweitälteste Bruder von Michael Jackson ist und mit diesem bereits in den 70’er Jahren mit den „Jackson Five“ Charterfolge verzeichnete.

Das Album wartet mit elf Songs auf, die alle irgendwie durch R’n’B-Stilelemente geprägt sind. Es gibt voll tönende Bläser zum hören, die in den schnelleren Stücken („Mount Up On The Wings Of The King“ mit Christone ‚Kingfish“ Ingram, „ I Got To Tell Somebody“) für beschwingte Rhythmen sorgen, stimmungsvolle Mundharmonika-Einlagen („It’s Been So Long“) und schöne Piano-Untermalungen, z. B. in dem Slowblues „Someone Somewhere“.

Hervorzuheben ist auch der R’n’B-Titel „Two Timing“ mit Tito Jackson und Neals Tochter Syreeta, die gegen Ende des Songs die Background Vokals beisteuert. Am besten haben mir persönlich allerdings die Tracks gefallen, in denen „Rockin’ Dopsie & The Zydeco Twisters“ mitwirken: das gemächlich dahin rollende „Louise Ana“ mit Akkordeon und Washboard sowie der fetzige und gute Laune verbreitende Rausschmeißer „New Orleans“ mit wiederkehrenden Versatzstücken aus dem bekannten Gospel „Down By The Riverside“.

Mit „Straight Farm The Heart“ ist Kenny Neal ein gefälliges und hörenswertes Südstaaten-beeinflusstes R’n’B- Album mit schönen Bläsersätzen, Pianoeinlagen und Mundharmonikastücken gelungen. Neals warm klingende Gitarre und seine sonore Gesangstimme haben daran sicherlich einen großen Anteil. Handwerklich und klanglich gibt es an dem Album nichts auszusetzen, es bietet aber auch keine großartigen Überraschungen. Trotzdem ist es sehr schön zu anzuhören und lädt zum Abhängen in der Nachmittagssonne ein, vorzugsweise mit einem Bourbon Whiskey in der Hand.

Label: Ruf Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Blues Keep Chasing Me
02. Mount Up On The Wings Of The King, feat. Christone „Kingfish“ Ingram
03. I’ll Play The Blues For You
04. Two Timing, feat. Tito Jackson
05. Louise Ana, feat. Rockin’ Dopsie Jr And The Zydeco Twister
06. It Don’t Cost Nothing
07. Bon Temps Rouler, feat. Rockin’ Dopsie Jr And The Zydeco Twister
08. It’s been So Long
09. Someone Somewhere
10. I Got To Tell Somebody
11. New Orleans

Kenny Neal
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Ruf Records

Alannah McCready – Back To Me – EP-Review

Review: Stephan Skolarski

Die sportliche Karriere auf hohem nationalen Liga-Niveau hatte die US-Hockey-Spielerin Alannah McCready noch nicht lange beendet, als 2015 bereits ihr erstes Album “Love Hangover” veröffentlicht wurde. Die von ihrer Mutter ‚geerbte‘ Liebe zur Country-Music sowie Disziplin und Ehrgeiz, versetzten die talentierte Sportlerin schnell in die Lage, auch im Songwriter-Bereich ihr Debüt und das Folgewerk “Ricochet Heart” (2018) auf den Weg zu bringen. Die ausgekoppelte Single “Last Girl Standing” war bereits ein stattlicher Achtungserfolg.

Ihre athletische Mentalität bewahrte Alannah McCready auch in der langen Corona-Zeit davor, ihren Status als Musikerin aufzugeben. Ihr neues EP-Projekt, das überwiegend im Co-Writing mit Will Gittens entstanden ist, symbolisiert McCreadys Stilrichtung des modernen Country-Sounds. Die Lead-Single “Something Like That” teilt ihre eingängige Pop-Country-Silhouette gerne mit Anteilen von Folk und Soul, sowie ungefilterten Lyrics über Beziehungserfahrungen. Dem schönen Auftaktsong folgt die innige Folk-Country-Ballade “On My Own”; mit akustischer Begleitung und Streichereinlagen werden gefühlvolle Grundgedanken der anspruchsvollen Produktion harmonisch musikalisch untermalt.

Ein etwas unerwarteter Break bildet der raue Hard-Rock Track “Back To Me”, eine Girl-Power-Hymne, deren natürliche und vielseitige Vocals auch Art-Verwandten Sängerinnen, wie z. B. Trisha Yearwood und Martina McBride Respekt abverlangen dürfte. Das im Gegensatz hierzu im Contemporary-Country eingespielte Stück “Take It Slow” wirkt ausgesprochen gefühlsbetont und vorsichtig, jedoch als easy-listening Song zeitgemäß frisch. Abgerundet wird die EP von “Can I Call”: Alannah McCready und Will Gittens im angenehmen tender-hearted Duett-Rhythmus, ein intensiver Power-Love-Song mit Hit-Potenzial!

Die EP “Back To Me” von Alannah McCready verbindet die Ausstrahlung der noch jungen Country-Sängerin mit ihrem wide-range Music-Style und einer ausdrucksstarken Songauswahl. Die inzwischen auch im Songwriting gewachsene Sängerin blickt einer vielversprechenden musikalischen Perspektive entgegen.

Eigenproduktion (2022)
Stil: New Country

Tracks:
01. Something Like That
02. On My Own
03. Back To Me
04. Take It Slow
05. Can I Call ft. Will Gittens

Alannah McCready
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AristoPR

Southern Rock Junkies – Back To The Roots Vol. 1 – Do-CD-Review

Rob Hiemer ist ein Southern Rock-Verrückter. Ähnlich wie beim Heroinsüchtigen das Verlangen nach dem nächsten Schuss, ist er auf der Suche nach dem nächsten Southern Rock-Trip, bedingt durch einen Song, ein Album oder einer dieser typischen Gigs, wie es sie an Intensität wohl nur in diesem Genre gibt. Ein Southern Rock Junkie eben.

Auch auf dem neuen SRJ-Doppel_CD-Werk „Back To The Roots – Vol. 1“ zeigt er sich wieder als ‚Hans Dampf in allen Gassen‘. Die insgesamt auf zwei Silberlinge verteilten 27 Songs hat er selbst geschrieben, gesungen, Bass gespielt, produziert und selbst die Covergestaltung hat er sogar übernommen. Ok, ein paar seiner Bandkumpels durften dann zumindest an ihre Instrumente ran.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen, eine Southern Rock-Radio-Sendung moderiert er auch noch bei Home Of Rock, das einst als eines der ersten Online-Musik-Magazine seiner Art zu Beginn des Internetzeitalters loslegte (mit klasse Redakteuren – auch ich war einer der Gründerväter), aber das dann irgendwann sein vermeidbares und unrühmliches Ende, zumindest in dieser Form fand.

Die Southern Rock Junkies entstanden, soweit ich mich erinnere, im Rahmen einiger legendärer Treffen von Southern Rock-Gleichgesinnten im Spreewald, an denen ich leider nie teilhaben konnte, weil sie immer genau in meine Urlaubszeit fielen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Rob und meine Wenigkeit sich schon mal persönlich gegenüber gestanden haben. Vermutlich werden wir aber an unzähligen SR-Konzerten gemeinsam partizipiert haben, ohne es vermutlich gewusst zu haben.

Mit einer ähnlichen Band habe ich früher ja auch so meine Erfahrungen gemacht, Ende der 90er Jahre blühte eine Band in meinem heimatlichen Ort Rheinberg namens Street Survivors kurz auf, die ein Album namens „Southern Rock Will Never Die“ herausbrachte (wo ich den Titelsong mitgeschrieben hatte). Sie schaffte es vorübergehend ins Vorprogramm von Acts wie Molly Hatchet, Doc Holliday und Wishbone Ash, verschwand dann aber genau so schnell wieder, wie sie sich ihre Ambitionen in Luft aufgelöst hatten.

Auf ähnlicher Stufe ist das Werk der Southern Rock Junkies einzuordnen. Man spürt zu jeder Zeit das Engagement,  mit eigenen Kreationen, sich mehr als nur eine Covertruppe zu positionieren. Die Musik bewegt sich naturgemäß im Dunstkreis der mehr oder weniger heute kaum noch kompositorisch tätigen Ikonen der Zunft wie Outlaws (von denen kommt ja zumindest immer noch was), Skynyrd, Hatchet und Doc Holliday (beide Bands sehr stark vom Einfluss her vertreten).  Deren Bruce Brookshire ist auf diesem Werk auch dezent mit von der Partie. Zu gefallen wissen der jederzeit spürbare Enthusiasmus, der oft flotte Drive, als auch die vielen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, die für dieses Genre unabdingbar sind.

Trotzdem versuche ich mich meistens um solche Reviews zu drücken, weil man, wenn man dazu gebeten wird und ehrlich sein will, auch ein paar Wahrheiten aussprechen muss, mit denen man eigentlich lieber eher ‚hinterm Berg‘ halten möchte. Das will ich, besonders, wenn es sich dabei um so nette und sympathische Menschen handelt, wie beim Rob, dann doch möglichst vermeiden.

Punkt 1, nicht so schlimm – das Coverartwork. Ich war ja durch Rob’s Facebook-Posts und die SRJ-Webseite schon im Vorfeld gewarnt. So ein wildes Sammelsurium an Farben, Schriften und  Bildern, das sucht schon Seinesgleichen und lässt einen Menschen, der seit über 30 Jahren in der Werbebranche arbeitet, wirklich staunend zurück. Man ist fast geneigt, sich so eine Brille zu besorgen, die man beim Beobachten einer Sonnenfinsternis trägt, um einen nachhaltigen Augenschaden zu vermeiden… Aber geschenkt!

Punkt 2 – leider bei 27 Tracks ein durchgehendes Moment – der für meine Gehörgange nur schwer kompatible Gesang. Hier werde ich wohl noch lange warten müssen, bis ich mal in diesem Land einen zweiten Sänger auf der Stufe eines Stefan Kossmann (Flatman) erleben werde. Beim verpeilten „Sorry We Are Stoned“ hätte ich ihn noch als belustigendes Stilmittel verbucht, aber ansonsten wird einem schon echtes Durchhaltevermögen abverlangt. Selbst meine Frau hat mir da schnell die rote Karte gezeigt und auf das Existieren von Kopfhörern verwiesen…

Insgesamt muss man aber das Engagement und die vermutlich auch nicht üppig vorhandenen Mittel berücksichtigen, die bei der Realisierung eines solchen Projekts immer eine Rolle spielen. Hier hat man ja schließlich kein Major Label im Rücken. Von daher überwiegt eher der Spaß an der Sache. Auch „Back To The Roots Vol. 1“ von den Southern Rock Junkies zählt zu der Musik, die, wie im Southern Rock oft üblich, meist erst nach einigen Bierchen und live in geselligem Rahmen, ihre Wirkung am Besten entfaltet. Also, Weitermachen Rob & Co.!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
CD1
01. Introductory (Gerry Casey)
02. Happy As A Man Can Be
03. Cheerz For Rock N Roll
04. Never Too Late To Rock N Roll
05. Back To The Roots
06. Baby Play My Rock N Roll Again
07. Sorry We Are Stoned
08. Take My Blues Away
09. Ticket To Paradise
10. A Man Can Never Have Too Many Guitars
11. Quarantine Blues
12. Vamos Muchachos
13. Southbound
14. Edge To Midnight

CD2
01. Rock N Roll Dreams
02. Rock Is In My Head
03. Turn Your Radio On
04. Crazy Kind Of Love
05. Home of Rock Will Never Die
06. Lanky Wanky Crazy Night
07. Once At Night
08. Mexican BBQ
09. Don’t Wanna Die
10. Valerie
11. Just For The Rockers
12. Halleluhja Rock N Roll
13. Home Is Where The Music Is

Southern Rock Junkies
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Todd Sharpville – Medication Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Möglicherweise ist Todd Sharpville der einzige Blueser und Songwriter mit aristokratischen Wurzeln. Jedenfalls trägt er den Spitznamen „Worlds First Blue-Blooded Bluesman“ und ist als solcher seit 30 Jahren als Musiker in der britischen Bluesszene aktiv. Musikalisch sozialisiert wurde er bereits in seiner Kindheit u. a. durch Freddie King, T-Bone Walker, BB King, Eric Clapton, Buddy Guy und Lightnin‘ Hopkins. Außerdem verbindet ihn eine langjährige Freundschaft mit Larry McCray.

Auf seiner neuen Scheibe „Medication Time“ (sie erscheint am 20. Mai auf CD und am 24. Juni als LP) thematisiert er mit den darauf enthaltenen 12 Tracks einen 16 Jahre zurückliegenden Lebensabschnitt, der ihm aufgrund seiner Scheidung und der damit verbundenen Trennung von seinen Kindern und anschließenden Suizidgefährdung, einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Heilanstalt einbrachte.

Larry McCray half ihm durch diese schwere Zeit und somit war für Todd Sharpville klar, dass Larry McCray an dem Album einfach mitwirken musste. Sie trafen sich also in West Greenwhich Rhode Island um „Medication Time“ einzuspielen und von dem zweifachen BMA-Gewinner Duke Robillard produzieren zu lassen.

Los geht‘s auf der Scheibe mit einem eigenwillig gesungenen Bob Dylan-Cover von „Walk Out In The Rain“, in welchem unser adeliger Sänger seine unverkennbar raue Stimme zur Geltung bringt, so wie sie auch in weiteren Songs auf der CD zu hören ist, bevor es mit „Get Outta My Way“, einer flotten R‘n‘B-Nummer mit temporeichen Bläsersätzen und einer einprägsamen Hookline weitergeht. Auch „House Rules“ (mit stakkatohaftem, hackenden Rhythmus), „Brothers From Another Mother“ (funkiger Big Band Sound und einem Duett mit Larry McCray), das fröhlich und zuversichtlich klingende „Stand Your Ground“ mit dezenten Americanaschnipseln, sind der R‘n‘B Ecke zuzurechnen.

Todd Sharpville kann allerdings auch ruhig und beschaulich. Da sind der einfühlsame Slowblues „Tangled Up In Thought“ und das etwas düstere „Medication Time“, wo Sharpville seine Verzweifelung förmlich zelebriert. Und wenn es die Bezeichnung „very Slowblues“ gäbe, dann träfe sie ganz bestimmt auf „Silhouttes“ zu, ein Stück das fast nur von Sharpvilles Stimme mit Pianobegleitung getragen wird.

Zwei wunderbare Rocksongs sind „God Loves A Looser“ und die Bruce Springsteen-Adaption „Red Headed Woman“ als äußerst schmissiger Rock’n’Roll bzw. Boogie-Woogie-Feger. Besonders hervor zu heben ist aber ein weiterer Coversong. Diesmal stammt das Original von Mark Knopfler. Wer kennt es nicht das Intro zu „Money For Nothing“, hier allerdings in einer sehr schrägen, aber tollen Harp-Version und einem schönen Duett mit Sugar Ray Norcia … einfach genial. Schließlich endet die Scheibe mit einem weiteren Slowblues „I Don‘t Need To Know Your Name“.

Mit „Medication Time“ hat Todd Sharpville ein durchaus beachtenswertes Album vorgelegt. Es macht neugierig auf seine anstehende Europatournee im Mai und Juni diesen Jahres, auf der ihn sein langjähriger Freund und Bruder im Geiste Larry McCray als Gast begleiten wird.

Label: Dixiefrog Records / Bertus Musikvertrieb
Stil: Blues

Tracks:
01. Walk Out In The Rain
02. Get Outta My Way
03. Tangled Up In Thought
04. House Rules
05. Brothers From Another Mother
06. Medication Time
07. God Loves A Loser
08. Money For Nothing
09. Silhouettes
10. Stand Your Ground
11. Red Headed Woman
12. I Don‘t Need To Know Your Name

Todd Sharpville
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Randy McAllister – Power Without Power – CD-Review

Selten hat meiner Meinung nach der Titel eines Albums so gut gepasst, wenn man alle Dinge, die man innerhalb eines Reviews heranzieht, in ihrer Gesamtheit betrachtet. Das ‚Corpus Delicti‘ ist in diesem Fall die neue Scheibe „Power Without Power“ des texanischen Musikers Randy McAllister.

McAllister ist seit Ende der Achtziger Jahre musikalisch unterwegs und hat sich seitdem den Ruf eines exzellenten Sängers und Songschreibers ohne kommerziellen Background erarbeitet. Dazu attestiert man ihm ein außergewöhnliches Können am Schlagzeug und an der Mundharmonika.

Was mir als erstes sofort gefiel, ist das wunderbar schwarz/weiß gestaltete Hochglanz-Cover. Man erkennt sofort, dass es sich um ein Unplugged-Werk handelt und selbst die beiden sehr ungewöhnlich erscheinenden, komplett schwarzen Seiten im Innencover wirken trotzdem irgendwie passend. Die relevanten Infos findet man allesamt auf der Rückseite.

Wenn man dann den Silberling in den CD-Player geschoben und die erforderlichen Hördurchgänge hinter sich hat, vervollständigt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild.

Auch wenn das instrumentelle Portfolio ergänzend zu McAllisters tollem Gesang hier im Groben und Ganzen nur auf akustische Gitarren und seine Harp reduziert ist, entwickelt sich eine enorme Intensität. Der Protagonist und die beiden involvierten Gitarristen Brandon Hudspeth (alle Tracks außer 2) und Howard Mahan (Track 2, Rhythm on 6, 7, 10) lassen eben auch ohne Verstärker hier ihre ganze geballte Kraft walten.

Jack McAllister (Track 1 und 6) und Heather Newman bei „Donnie Downer“ steuern noch dezente Backgroundvocals hinzu, auf letztgenannten Lied sind auch noch ein paar Percussiongeräusche wahrnehmbar. Ansonsten gibt es rein akustischen Blues mit all seinen Facetten, der oft auch durch Randys starke Stimme, die mich immer wieder an Malford Milligan (u. a. Storyville, Big Cat) erinnert, eine unterschwellig rockige als auch soulige Note erhält. In den Soloparts duellieren sich häufig filigran gespielte Akustikgitarren mit viel Slide und McAllisters wüst plusternde Harpeinlagen.

Am Ende erhält man mit „Power Without Power“ von Randy McAllister einen unterhaltsamen, authentischen, nie langweilig werdenden, voller Dynamik und Energie strotzenden Longplayer, den man aber auch durchaus gerne mal später in einer elektrischen Variante hören würde. Ein klarer Tipp für Bluesfreunde!

Da Randy allen kommerziellen Musik-Verbreitungskanälen den Rücken gekehrt hat, wird „Power Without Power“ nur über McAllisters Homepage zu erwerben sein.

Reaction Records (2022)
Stil: (Acoustic) Blues Rock

Tracks:
01. Surprise!!!
02. Face First
03. (Somebody) Ease My Troublin‘ Mind
04. Envy’s Embrace
05. Son
06. Sweet Spot
07. C’Mon Brothers And Sisters
08. Not Everybody Leaves (Her Words)
09. Donnie Downer
10. Clear My Head
11. Like Nothing Else

Randy McAllister
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Matt Horan – You Ain’t Country – Vinyl-Review

Review: Michael Segets

Mit seinem starken Solo-Debüt „Tears From The Mountain” sowie dem begeisternden Auftritt in der Kulturrampe letztes Jahr, hat sich Matt Horan in mein Herz gespielt. Entsprechend gespannt war ich auf den dort angekündigten Longplayer.

Während er auf seinem ersten Album als American Folk Singer stilsicher allein mit Gitarre oder Banjo unterwegs war, holte er sich für „You Ain’t Country“ die C.A.F. Band (Country As Fuck Band) ins Boot. Eine Band im Rücken zu haben ist für Horan nichts Neues. Über eine Dekade war er der Frontmann von Dead Bronco.

Dead Bronco nahm zwar eine Tribute-EP für Hank Williams auf, die Ausrichtung der Band ging aber eher in Richtung Punk oder Dark Folk. Nach der Auflösung der Band will Horan mit seinen Soloprojekten einen anderen Weg gehen. Auf seinem aktuellen Album kehrt er zu seinen Wurzeln, die im Country liegen, zurück.

Seinem Hang zum frühen Country lässt Horan zum Abschluss des neuen Werks freien Lauf. Mit Jodeln und Pedal Steel feiert er ihn mit der Ballade „Call To My Kin“. Dieser Beitrag setzt sicherlich einen Kontrapunkt zu den anderen Stücken, obwohl zuvor der Honky Tonk „Going Insane“ mit seinem Twang musikalisch ebenfalls eher traditionellen Bahnen folgt. „Cocaine Carolina“ kann gleichfalls in die Kategorie der Stücke eingereiht werden, die sich deutlich am Country klassischer Machart orientieren.

Der bereits von Johnny Cash eingespielte Song stellt das einzige Cover neben den neun Eigenkompositionen dar. Diese schlagen meist ein ordentliches Tempo – wie der Titeltrack – an, wobei auch einzelne langsame Beiträge („Paid In Blood“) eingestreut sind.

Weit entfernt von dem oftmals glattgebügelten Sound der Marke Nashville lässt uns Matt Horan an seiner Interpretation des Country teilhaben. Seine unmittelbare und raue Auslegung typischer Genre-Elemente, teilweise angereichert durch eine alternativ-punkige Attitüde, loten dessen Möglichkeiten aus. Tradition und Progressivität stehen nebeneinander und verschmelzen bei einigen Kompositionen. „You Ain`t Country“ hält somit spannende und intensive Hörerlebnisse bereit.

Dort, wo Horan spielerisch mit den Elementen des Country umgeht, läuft er zu Hochform auf. Der Opener „That’s Evil“ und „Appalachia“ sind zwei Uptempo-Nummern, die einen herrlich ungeschliffen, wild wirkenden Sound anschlagen. Einen maßgeblichen Anteil daran hat Horans Gesang. Mit ihm punktet er ebenso bei „Abilene“ und „Prodigal Son“.

Neben dem Eröffnungstrack zählt der letztgenannte Song zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Ebenfalls bemerkenswert ist „Conversing With The Devil“. Bei dem Song entfernt sich Horan rhythmisch weiter vom Country als bei den anderen Tracks und erzeugt dabei eine besonders dunkle Atmosphäre.

Für den Rhythmus der C. A. F. Band sind Fernando Chiquito an den Drums und Chus Cardin am Upright Bass verantwortlich. Gabi Perez steuert Pedal Steel und Dobro bei. Mit seinem hervorragenden Gitarrenspiel unterstützte Alex Atienza Horan bereits bei der zurückliegenden Tour.

Dead Bronco kündigte noch für Mai und Juni einige Konzerte in Europa – auch wieder in der Kulturrampe – an. Nach der plötzlichen Auflösung der Band wurden die Auftritte abgesagt. Wann Horan zukünftig den alten Kontinent besucht, bleibt daher offen. Der Weltenbummler lebte in den letzten Jahren hauptsächlich in Spanien. Als junger Familienvater verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nun allerdings zurück nach Davie, Florida. Zu wünschen wäre, dass er sich dennoch – gegebenenfalls mit der C. A. F. Band – bald wieder in unseren Gefilden blicken lässt.

Cowboy Trash Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. That’s Evil
02. Going Insane
03. Prodigal Son
04. Abilene
05. Cocaine Carolina
06. Appalachia
07. Paid In Blood
08. You Ain’t Country
09. Conversing With The Devil
10. Call To My Kin

Matt Horan

FM – Support: Edge Of Forever, 10.05.2022, Resonanzwerk, Oberhausen – Konzertbericht

Im Prinzip stehen die Leute (uns eingeschlossen), die Konzerte besuchen, über die wir in der Regel berichten wie Southern- oder Blues Rock (abgesehen von der New Country-Sparte), der Urne mittlerweile näher als der eigentlichen Blütezeit ihres Lebens. Bei FM hätte ich das, ehrlich gesagt, auch ähnlich vermutet, da die Band ja auch sehr lange Zeit im Geschäft ist und aus Musikern besteht, die sich in unserer Altersklasse bewegen.

Aber weit gefehlt, das deutete sich schon an, als vor dem Eintritt in das Resonanzwerk in Oberhausen, zwei wildmähnige junge Mädels in knappen Fummel vor uns in Richtung Location stolzierten, die problemlos als Enkelinnen von Tom Kiefer und Brett Michaels durchgehen würden. Als die Location ihre endgültige Besucherzahl erreicht hatte (leider nur knapp 100), fühlte man sich angesichts der bunten Mischung aus Hard Rockern, Glam-Sleaze-/Melodic Rock-Fans und sonstigen Musikliebhabern fast wie in seine einstige Jugendtage zurückversetzt. Gernot und ich sind ja Kinder der Mucke von Mitte 70er bis Mitte der 90er Jahre. 

Als Vorgruppe betraten die italienischen Jungs von Edge Of Forever um 20:00 Uhr pünktlich die schön erhöhte Bühne des Resonanzwerks. Sie erspielten sich mit Songs wie „Get Up On Your Feet Again“, „Native Soul“, „Edge Of Life“, „Shift The Paradigm“, „Calling“, „Breath Of Life“, „Prisoner“, „Promised Land“ und „Feeding The Fire“ aus ihrer gesamten Bandhistorie und vom aktuellen Album „Seminole“ mit einem engagierten (Melodic) Hard Rock-Auftritt viele Sympathien. Liebhaber von Musik zwischen Bon Jovi, Survivor, Def Leppard, Thunder und House Of Lords & Co. werden ihre Freude gehabt haben.

Nach einer halben Stunde Umbaupause betrat der Hauptgrund unserer Anreise die Bühne. Trotz meiner eigentlichen Passionen zählte alles, was sich um Steve Overland und FM bisher abspielte (also z. B.  auch seine Seitenprojekte wie Shadowman, The Ladder oder Overland) schon immer zu einer meiner vielen Vorlieben. Zu diesen Projekten habe ich auch in früheren Magazinen einige Reviews verfasst, hier bei uns ist noch ein Interview zu finden, das ich mal im Rahmen einer The Ladder-CD, mit seinem zu dieser Zeit aktiven Gitarristen Gerhard Pichler gemacht habe.

Steve Overland gehört für mich neben Paul Rodgers und Danny Bowes zu den großen Dreien der britischen Rocksängerzunft. Und auch an diesem Abend offerierte er mit seinem variablen Gesang und seiner sympathischen Aura, dass er immer noch in bestechender vokaler Form ist.

Er und seine hervorragenden langjährigen Bandkollegen Pete Jupp und Merv Goldsworthy, sowie Jem Davis und Jim Kirkpatrick, der noch vor kurzem bei Band Of Friends bewies, dass er nicht nur einen begnadeten Melodic Rock-Gitarrist abgibt, sondern auch im Blues Rock-Genre an den Saiten sowie gesanglich, einiges zu bieten hat, wurden sofort vom Publikum enthusiastisch aufgenommen.

Overland und Co. eröffneten mit „Synchronized“ den Reigen ihres unterhaltsamen Programms, dass von toller Stimmung, tänzerischem Mitgehen der vielen ansehnlichen Mädels und diversen Mitsinginteraktionen gekennzeichnet war. Die Atmosphäre war prächtig.

So verging die Zeit mit Krachern wie „Bad Luck“, „Don’t Stop“, „Crosstown Train“, der herrlichen Ballade „Long Road Home“ (vom aktuellen Album „Thirteen“), dem Hit „Killed By Love“ und weiteren unterhaltsamen Tracks wie „Frozen Heart“, „Let Love Be The Leader“, „Tough It Out“, „I Belong To The Night“, „Metropolis“ (herrliche E-Gitarre Kirkpatrick) als Into zu „Over You“ bis zum rockigen Abschluss des Hauptteils „Turn The Car Around“, wie im Fluge. Mein Southern Rock-Herz wurde zwischenzeitlich aktiviert, wenn Kirkpatrick und Overland mit einigen Twin-Passagen an ihren E-Gitarren zu brillieren wussten.

Bei den Zugabestücken  „Story Of My Life“ und Other Side Of Midnight“, bei denen Overland aus Solidarität mit einem Ukraine-T-Shirt auch politische Stellung bezog, gab es unter den Anwesenden längst kein Halten mehr.  Das Kult-Quintett wurde zurecht am Ende stürmisch gefeiert.

Für mich persönlich kam es dann bei unserem Logobild im Anschluss an den Gig mit einem meiner absoluten Lieblingssänger zum krönenden Abschluss. Ein toller Abend, der an die guten alte Zeiten meiner Jugend erinnerte. Einen ähnlichen illustren Mix an jungen, alten und skurrilen Leuten im Publikum würde man sich übrigens bei allen Konzerten wünschen. Ein herzlicher Dank auch an KL concerts + promotion für die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up FM:
Steve Overland – Lead vocals, electric guitar
Jim Kirkpatrick – Eletric guitar, vocals
Pete Jupp – Drums
Merv Goldsworthy – Bass, vocals
Jem Davis – Keys, vocals

Line-up Edge Of Forever:
Alessandro Del Vecchio – Lead Vocals, keys
Nik Mazzucconi – Bass
Marco Di Salvia – Drums
Aldo Lonobile – Electric guitar

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

FM
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Resonanzwerk, Oberhausen

Bywater Call – 08.05.2022, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am Muttertag traten die Kanadier Bywater Call, zwei Tage nach einem hochgelobten Auftritt beim Moulin Blues im niederländischen Ospel, im Kölner Yard Club auf. Markus Neu war es somit gelungen, einen absolutes Highlight zu buchen.

Das sich aber ein so spezieller Abend entwickelte, war nicht zu erwarten. Um kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band die Bühne und die Sängerin Meghan Parnell schaute in den mehr als spärlich gefüllten Saal, überlegte kurz und machte eine bemerkenswerte und charmante Ansage: „Schön, dass ihr da seid, heute geben wir gewissermaßen eine private Show“. So entwickelte sich ein Gig, den alle Anwesenden so schnell nicht vergessen werden und alle gemeinsam das Beste aus der Situation machten.

Die sieben Kanadier legten ein 100-minütiges Konzert hin, das es in sich hatte. Dabei präsentierten sie neben Songs des ersten Albums auch einen großen Teil des in kürze erscheinenden neuen Longplayers, sowie zwei Coversongs von Paul Simon und The Band. Auf einzelne Lieder einzugehen, verzichte ich an dieser Stelle, da alle auf einem hohen Niveau waren und es mir schwer fallen würde, einzelne Stücke hervorzuheben.

Auffallend war, dass mehrmals ganz kurz zwischen den Songs abgestimmt wurde, welches Stück folgen sollte, und sich so je nach Stimmung verschiedene Setlisten ergeben können. Zwischen den Songs machte Parnell nicht nur Ansagen, sondern plauderte zuweilen mit den Anwesenden, die nicht mit verdientem Applaus sparten.

Wo ich vor etwa 2,5 Jahren schon von einem tollen Bandverständnis berichtete, hatte ich an diesem Abend das Gefühl, dass die Formation noch mehr miteinander verwachsen ist und sich das damals schon tolle Songwriting noch einmal gesteigert hat. Prägend sind zunächst einmal das Zusammenwirken der charismatischen zierlichen Sängerin Meghan Parnell und des Gitarristen Dave Barnes, das vom Rest der Band perfekt ergänzt wird. Alle Musiker haben mehrfach die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen.

Parnell überzeugte mit einem Stimmvolumen, das Seinesgleichen sucht und stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Jedoch begab sie sich öfters ganz an den Rand der Bühne, um diese den anderen zu überlassen. Barnes glänzte mal slidend oder fingerpickend mit einigen feinen eindrucksvollen Soli und ließ seine Gitarre zuweilen regelrecht singen. Dabei hielt er sich visuell aber meist eher im Hintergrund und war zuweilen regelrecht in seinem Spiel versunken.

Die starke Rhythmussektion um Basser Mike Meusel und Drummer Bruce McCarthy konnte selbst einige kurze Soli in die Musik einflechten. Keyboarder Alan Zemaitis untermalte die Songs nicht nur, sondern begeisterte mit furiosen aber auch gefühlvollen Soloeinlagen, wie auch Trompeter Stephen Dyte und Saxofonist Julian Nalli.

So präsentierte die Band ein Konzert, in der verschiedenste Musikstile geschickt verflochten wurden. Von Blues, über Soul, Folk bis hin zu Rockmusik fanden sich alle Musikrichtungen in ihrem ganz eigenen Stil wieder, der zur Zeit live zu den absoluten Highlights zählt.

Bywater Call werden in den nächsten Wochen in NRW noch Konzerte im Musiktheater Piano in Dortmund, im Zentrum Altenberg in Oberhausen und in der Kulturrampe in Krefeld geben. Freunde der genannten Musikrichtungen sollten sich dabei nicht die Chance entgehen lassen, diese begnadeten Musiker in den genannten Locations zu besuchen und für eine entsprechende Stimmung zu sorgen. Ich für meine Person werde es mir nicht entgehen lassen mich auf der Tour nochmals an der Musik der absolut sympathischen Kanadier zu erfreuen, die schon bald mehr als ein Geheimtipp sein werden.

Nochmals ein besonderer Dank an Markus Neu vom Yard Club, für den es mir an dem Abend leid tat, dass sein Booking mit einem Händchen für exzellente Musiker, nicht entsprechend von den Musikfreunden angenommen wurde. Auch an die Band, die es sich nicht nehmen ließ, den wenigen Anwesenden einen tollen musikalischen Abend zu bescheren und so einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bei dem sogar noch eine gefeierte Zugabe nachlegte.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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