Amanda Shires – Take It Like A Man – CD-Review

Review: Michael Segets

Wenn man Amanda Shires lediglich auf ihre Rolle als Ehefrau von Jason Isbell und Mitglied seiner Band The 500 Unit reduziert, dann geschieht ihr sicherlich Unrecht. Als Violinistin, die unter anderem Aufnahmen mit John Prine, Neal Casal, Todd Snider , Justin Townes Earle und Blackberry Smoke vorzuweisen hat, erarbeitete sie sich einen hervorragenden Ruf. Mit The Highwomen, eine Kollaboration zwischen ihr, Brandi Carlile, Natalie Hemby und Maren Morris, startete Shires 2019 ein viel beachtetes Bandprojekt. Die mehrfach ausgezeichnete Texanerin veröffentlicht nun ihr siebtes Soloalbum „Take It Like A Man“.

Die Zwangspause der Pandemie nutzte Sie, um sich auf das Schreiben neuer Songs zu konzentrieren, bei denen sie vor allem ihre familiären Beziehungen bearbeitet. In einem kreativen Schub entstanden innerhalb eines Monats 26 Stücke. Zehn davon schafften es schließlich auf den Longplayer, wobei sie sich für die musikalische Umsetzung hauptsächlich bei Lawrence Rothman Unterstützung holte.

Der Opener „Hawk For The Dove“ stellt zugleich das Highlight des Albums dar. Die erste Single – im Pressetext als Southern Gothic bezeichnet – beeindruckt durch ihre dunkle Atmosphäre und geht direkt in die Gehörgänge. Der düstere Hall von Isbells Gitarre erinnert an Gunner & Smith. Shries glänzt bei einem kurzen, kratzigen Geigensolo. Zudem wirkt ihr Sopran hier eher lasziv als süßlich, wie bei einigen anderen Stücken. Weniger expressiv und deutlich reduzierter, aber gleichfalls stimmungs- und spannungsvoll sind „Don’t Be Alarmed“ und „Fault Lines“.

Shires liefert perfekt produzierte Songs ab, die überwiegen opulent arrangiert sind. Dass Streicher durchgängig präsent sind, versteht sich fast von selbst. Daneben übernimmt manchmal ein Klavier die Führungsrolle („Empty Cup“, „Everything Has Its Time“), mal fallen die Bläser („Stupid Love“) besonders auf. Wie die zweite Single „Take It Like A Man“ bewegen sich die meisten Stücke insbesondere in der ersten Hälfte des Albums im unteren Tempobereich.

Das einzige Stück mit einem Upbeat ist das lockere „Here He Comes“. Der Titel wurde als letzter aufgenommen, wurde aber in der Mitte des Albums geschickt platziert. In der zweiten Hälfte des Longplayer zieht Shires das Tempo gemäßigt an und gibt ihren Kompositionen „Bad Behavior“ und „Lonely At Night“ leicht jazzige Züge mit. Die Klangfarbe ihrer Stimme würde man wahrscheinlich eher im Country verorten, aber Shires setzt ihre Stimme durchaus variabel ein und steht gesanglich bei sämtlichen Songs ihren Mann.

In den dunklen Momenten fesselt Amanda Shires Album „Take It Like A Man“. Vor allem mit dem expressiven „Hawk For The Dove“ setzt sie ein Ausrufezeichen als Songwriterin und Musikerin. Darüber hinaus finden sich auf dem Album gelungene Balladen, sauber arrangiert mit vollem Begleitprogramm durch Streicher, Bläser und Keys. Diese werden bei einem eher auf Harmonien bedachtem Publikum in Nashville und Umgebung sicherlich Anklang finden.

ATO Records/PIAS-Rough Trade (2022)
Stil: Americana

Tracks:
01. Hawk For The Dove
02. Take It Like A Man
03. Empty Cup
04. Don’t Be Alarmed
05. Fault Lines
06. Here He Comes
07. Bad Behavior
08. Stupid Love
09. Lonely At Night
10. Everything Has Its Time

Amanda Shires
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion

Lola Kirke – Lady For Sale – CD-Review

Just in dem Moment, wo sich die üblichen gesellschaftlichen Teile unseres Landes, mal wieder über ein harmloses Ballermann-Feier-Liedchen namens „Layla“ echauffieren (was am Ende nur wieder dazu führt, dass sich die Komponisten, dank der medialen Aufmerksamkeit, maximal ins Fäustchen lachen), hat auch Sounds Of South seinen ersten Riesenskandal!

Das ‚Corpus Delicti‘ heißt diesmal Lola, beziehungsweise Lola Kirke (der Name klingt ja schon fast Pornostarmäßig), in Wirklichkeit ist sie aber die Tochter von Bad Company-Drummer Simon Kirke), die auf dem Cover ihres Albums, um das es geht, mit sehr luftigem Oberteil, an das Dollarzeichen geheftet sind, ziemlich freizügig posiert, und das provokanter Weise auch noch mit „Lady For Sale“ betituliert ist. Und es kommt noch schlimmer, im Innenteil präsentiert die langmähnige Protagonistin ihre Rückansicht nur mit ein paar Cowboystiefel an den überkreuzten Beinen bekleidet, ansonsten aber so, wie sie von ihren Erzeugern erschaffen wurde. Ich bin total erschüttert!

Wenn es sich bei Lola Kirke nicht um eine britische Amerikanerin handeln würde, hätte ich jetzt spontan die Tagesthemen, das heute-journal, Anne Will, Maischberger, und wie sie alle heißen, gebeten, sofort zu übernehmen. Darf man solch ein offensichtlich sexistisches Werk in diesem Magazin überhaupt besprechen, bzw. promoten?

Ich meine ja, zumal man merkt, wenn man sich mit den Texten der Lieder etwas intensiver befasst (alle im Einsteckbooklet der CD enthalten), dass es sich bei diesem Werk nicht um niedere Motive handelt, sondern eher um Provokation als Mittel zum aufrichtigen Diskurs.

Über die von Lola Kirke überwiegend mit Austin Jenkins (der hat auch die Instrumente eingespielt und produziert) kreierten Songs ist musikalisch schnell geschrieben. Im Prinzip ist das eingängiger Pop im Stile der Achtziger/Neunziger Jahre (sie hat dafür die typische Stimme), zum Teil in Discofox-Manier tanzbar (u. a. „If I Win“, „Lady For Sale“), mit polternden Drums und gluckernden Synthies, aber auch mit Bariton-E-Gitarren-Hooks, Dobro  und leiernden Steelgitarren und sogar einmal mit etwas unterschwelligem TexMex-Flair („The Crime“). Das gibt dem Gesamtkontext eine dezente ironische Note.

Im Prinzip kommt die gesamte Scheibe so, als wenn sich die Sternchen der damaligen Zeit wie Cyndie Lauper, Pat Benatar oder Madonna, aus einer Sektlaune heraus, mal  eine Countrypopplatte gewagt hätten. Als Blaupause dafür steht für mich der Song „Better Than Any Drug“ den man sich unter dem verlinkten Video anhören, bzw. ansehen kann. Wenn man einen gewissen Humor und eine Portion Gelassenheit sein Eigen nennen kann, wird man dieser fast skurril anmutenden CD am Ende auf jeden Fall etwas abgewinnen. Lola Kirke – ein echtes Countrypop-Luder oder tatsächlich doch eine ernsthafte Frauenaktivistin?

Label: Third Man Records
Stil: (Country) Pop

Tracklist:
01. Broken Families
02. If I Win
03. Better Than Any Drug
04. Lady For Sale
05. Pink Sky
06. Stay Drunk
07. The Crime
08. Fall In Love Again
09. No Secrets
10. By Your Side

Lola Kirke
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V2 Records

Dennis Johnson – Revelation – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach „Slide Avenue“, „Slide Show“ und „Rhythmland“ bringt der autodidaktische Gitarrist Dennis Johnson dieser Tage wieder ein musikalisch fettes Album mit zehn Klassesongs heraus, die seinen Ruf als Weltklasse-Slide-Gitarrist eindringlich untermauern. Unterstützt wird er dabei u. a. von dem bekannten Jazz- und Rock-Schlagzeuger Anton Fig (Joe Bonamassa) und dem unglaublich guten Pianisten Bob Fridzema (Walter Trout, Joanna Shaw Taylor, Robert Jon & The Wreck). Außerdem ist noch der Bassist Jonathan Stoyanoff (u. a. Robert Cray, B.B. King, Marceo Parker) mit von der Partie.

Herausgekommen ist eine großartige Scheibe mit lauter Blues-Rockern und Roots-Rhythmen, beides oft angereicht Gospel- und Countryelementen. Alles natürlich mit Slidegiuitar-Klängen ohne Ende.

Das Album startet mit einer sehr hörenswerten Coverversion des Freddie King-Blues-Klassikers „Going Down“, von dem es auch wohlbekannte Interpretationen von Joe Bonamassa und Jeff Beck gibt, gefolgt von dem furios treibenden Slidestück „Talk To You“. Mit „Revelation“ schließt sich ein Americana beeinflusster Slow-Blues als Instrumentalstück an und Gospeleinflüsse wiederum finden sich nach einem kurzen Countryintro in dem lebensfrohen „Salvation Bound“, sowie in der äußerst schwungvollen Nummer „Two Lights“. Auch „Please Don‘t Go“ wartet mit leichter Countrystimmung auf.

Bei den übrigen Stücken „32-20 Blues“, „Don‘t Owe You A Thing“ und „Ramblin“ handelt es sich um zum Abtanzen einladende, flotte Shuffle. Wobei letztgenannter Song durch seine markante Hookline durchaus Ohrwurmqualitäten besitzt.

„Revelation“ ist insgesamt ein durchweg gute Laune verbreitendes Album, das so richtig gut zum derzeitigen Sommerwetter passt. Es hat tolle Grooves, wunderbare Slidegitarrenklänge und ist wohl arrangiert. Ein tipptopp Album also, das in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen sollte.

Label: Booda Lee Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Going Down
02. Talk To You
03. Revelation
04. Salvation Bound
05. 32-20 Blues
06. Please Don‘t Go
07. Lonesome Valley
08. Ramblin
09. Two Lights
10. Don‘t Owe You A Thing

Dennis Johnson
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The Local Honeys – The Local Honeys – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Neben bekannten Namen, wie u.a. Ricky Skaggs und Loretta Lynn, hat der Radio-Sender WSKV-FM aus Stanton, Kentucky, in seiner aktuellen Liste überregional erfolgreicher, einheimischer Musiker inzwischen auch “The Local Honeys” aufgenommen. Montana Hobbs (Vocals, Banjo) und Linda Jean Stickley (Vocals, Guitar) konnten bereits mit den Alben “Little Girls Acting Little Men” (2017) und “The Gospel” (2020) auf sich aufmerksam machen. Auch mit ihrem selbstbetitelten neuen Longplayer “The Local Honeys” und professioneller Unterstützung von Produzent Jesse Wells sowie Tyler Childers Begleitband, “The Food Stamps “, ist ein selbstbewusstes Werk entstanden.

Neun Eigenkompositionen und als erstes Stück das Jean Ritchie-Cover “The L&N Don’t Stop Here Anymore”, eine Ballade über das Zechensterben in der Gegend – bekannt durch Johnny Cashs Version – bilden einen bemerkenswerten Querschnitt von Bluegrass, Folk, Roots, Newgrass und Country. Mit “Last Mule In The Holler” folgt der nächste Song ebenfalls dem typischen Storytelling-Schema und wird in hervorragender Geschichten-erzählender Stilrichtung noch von “Dead Horses” und der modernen Murder-Ballade “The Ballad Of Frank & Billy Buck” – die jeweils als Anspieltipp zu empfehlen sind – übertroffen.

Die akustische Produktion legt großen Wert auf die klaren Stimmen der beiden Sängerinnen und auf dominierende Banjo und Fiddle Begleitung, die in der ländlichen Heimat der “Local Honeys” traditionell das wahre Country-Lebensgefühl reflektieren. True-old time Country-Music mit zeitgenössischen Lyric-Perspektiven kommen bei “Dear Woodrow” (einem Country-Swing) und dem Rockabilly Titel “If I Could Quit” voll zur Geltung.

Einfach schöne, hörenswerte Stücke, deren Melodien im Ohr bleiben und gelegentlich an die musikalische Verwandtschaft irischer Folk-Vorfahren erinnern, können außerdem bei der herrlichen Lebensmotto-Geschichte “Better Than I Deserve” und dem abschließenden Song “Throw Me In The Thicker (When I Die) “ – auch wiederholt mit wachsender Begeisterung – als gute Unterhaltung empfunden werden.

Montana Hobbs und Linda Jean Stickley haben ihr bodenständiges Songwriting, wie sie es nennen, “in an Album about finding themselves” eingebracht, stolz auf ihre Herkunft und liebevoll im Detail. Wer traditionsreiche Country, Folk und Bluegrass-Melodien mit emotionalen Texten mag, sowie harmonische Gesangsstimmen mit US-Mountain-Music verbindet, wird bei dem Album “The Local Honeys” voll auf seine Kosten kommen.

La Honda Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. The L&N Don’t Stop Here Anymore
02. Last Mule in the Holler
03. Dead Horses
04. Dear Woodrow
05. The Ballad of Frank & Billy Buck
06. Toadstool
07. Better Than I Deserve
08. Dumbass, Nebraska
09. If I Could Quit
10. Throw Me in the Ticket (When I Die)

The Local Honeys
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Oktober Promotion

Carrie Underwood – Denim & Rhinestones -CD-Review

Es gibt Personen in der Geschichte der weiblichen Evolution, mit denen diese es echt gut gemeint hat. Carrie Underwood ist zweifellos eine von ihnen: Blendendes Aussehen mit langer blonder Mähne, eine tolle Charakterstimme, überaus großes musikalisches Talent und dazu noch das Selbstbewusstsein und die Intelligenz, daraus Kapital zu schlagen. Stehvermögen und etwas Glück kommen sicherlich auch noch dazu.

Das aus Oklahoma stammende Mädel nahm 2005 bei American Idol teil, siegte und mauserte sich bis heute mit neun Alben, so kann man es fast sagen (vielleicht abgesehen noch von Kelly Clarkson), zum einzig verbliebenen Superstar des Kontests.

„Denim & Rhinestones“ ist nun der aktuelle Silberling. Wie nicht anders zu erwarten, heißt es in einem solchen Stadium, den Status-Quo in der Riege der großen Künstler des Business zu wahren. Trotzdem leicht gemacht, wie viele Ihrer Kollegen auf ihrem Niveau, hat es sich Carrie nicht.  Statt sich die passenden Songs bei den Hitschreibern der Szene auszusuchen, hat sie bei elf der insgesamt zwölf Stücke selbst Hand angelegt.

Und da gibt es dann natürlich das typische Konglomerat an Stücken, um den größtmöglichen Interessentenkreis anzusprechen. Der Start mit den beiden knackigen New Countrytracks „Denim & Rhinestones“ und „Velvet Heartbreak“ (mit dezentem Heartland-Flair) ist richtig stark (damit könnte auch die ab Mitte Oktober geplante Tour mit Jimmie Allen als Support, perfekt eröffnet werden). Single ist dann allerdings das poppige, mit einem effektvollem Video in Szene gesetzte  „Ghost Story„. Im Pop-/R&B-Bereich gefallen dann auch  das mit 90er-Synthies umwehte „Faster“ und das soulige „Wanted Woman“.

„Hate My Heart“, „Burn“, Crazy Angels“, „Pink Champagne“ und „Poor Everybody Else“,  entpuppen sich allesamt als moderne kraftvolle Countryrocker mit etwas Southern- oder reinem Rock-Flair bei den E-Gitarren. Wunderbar ist dann das vom umtriebigen Nashville-Studiomusiker Ilya Toshinsky mit einer Mandoline verzierte „She Don’t Know“, das dem Song einen Touch seiner alten Band Bering Strait vermittelt. Am Ende lässt es Carrie dann bei „Garden“ mit schönen Dobro-Fills von Bryan Sutton melancholisch ruhig ausklingen.

Insgesamt ist das von Carrie mit David Gracia zusammen produzierte Werk aber wieder ein eindrucksvolles ‚Dokument‘ der Stärke. Dass Carrie Underwood für ihren Beruf brennt wie kaum eine andere, erkennt man nicht nur am enthaltenen Powersong „Burn“ (mit starker Vocal-Performance). Vielleicht ist dieser Umstand auch ein weiterer Grund für diese atemberaubende und kontinuierliche Entwicklung…

 

Capitol Records Nashville (2022)
Stil: New Country (Pop)

01. Denim & Rhinestones
02. Velvet Heartbreak
03. Ghost Story
04. Hate My Heart
05. Burn
06. Crazy Angels
07. Faster
08. Pink Champagne
09. Wanted Woman
10. Poor Everybody Else
11. She Don’t Know
12. Garden

Carrie Underwood
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Universal Music Deutschland

Robert Jon & The Wreck – Wreckage Vol. 2 – CD-Review

Review: Michael Segets

Robert Jon & The Wreck touren regelmäßig durch Europa und haben stets neues Material im Gepäck. Wenn sie kein aktuelles Album am Start haben, dann gibt es halt eine Kompilation von Sidetracks. Für die Songperlen, die nicht den Weg auf einen regulären Longplayer gefunden haben, riefen sie 2017 die „Wreckage“-Reihe ins Leben. Dieses Jahr lag die Fortsetzung „Wreckage Vol. 2“ am Merchandise-Stand.

Die zehn Songs stammen von vier Studiosessions in Kalifornien, Tennessee und New York. Während die ersten beiden Tracks nachträglich mit zusätzlichen Background-Vocals versehen wurden, spielte die Band die anderen Aufnahmen direkt live ein. Die Scheibe klingt daher streckenweise etwas rauher als die letzten. Robert Jon & The Wreck vergrößerten in den zurückliegenden Jahren ihre musikalische Bandbreite und entfernten sich stückchenweise von dem erdig-rockenden Sound, der „Glory Bound“ (2015) prägte. Dadurch erschloss sich die Band neue Hörerschichten, was sich auch bei dem gemischten Publikum der Konzerte zeigt.

„Wreckage Vol. 2“ spiegelt die Facetten der Truppe wider und bedient so die Fans jedweder Glaubensrichtung. Für die Rocker sind die straighten „She’s A Fighter“, „Waiting For Your Man“, das auch in der Kulturrampe performt wurde, und „On The Run“ die herausragenden Stücke. Bei „On The Run“ ist der Titel Programm. Herrlich ist hier das fingerfertige Klimpern von Steve Maggiora. Wer eher die soulige Seite von Robert Jon mag, der wird mit „Rescue Train“ und dem leichten „The Weight“ glücklich. Die Instrumental-Fetischisten kommen mit den beiden rund zehnminütigen Beiträgen „Cannonball“ und „Witchcraft“ auf ihre Kosten.

Auf dem Longplayer finden sich darüber hinaus mit „Old Hotel Room“ und „Dark Roses“ zwei langsamere Southern-Tracks. Beide sind stimmungsvoll und entwickeln dennoch dynamische Spannungskurven, wobei „Dark Roses“ noch mehr Energie versprüht. Bei dem vielleicht stärksten Stück des Longplayers legt Robert Jon Burrison viel Gefühl in seinen Gesang. Andrew Espantman bearbeitet kräftig Felle und Becken und gibt zusammen mit dem Bassisten Warren Murrel den Rhythmus vor. Henry James Schneekluth und Steve Maggiora sorgen dann an Gitarre beziehungsweise Keys für die melodischen Feinheiten. Schließlich geben Robert Jon & The Wreck „Something To Remember Me By“ eine funkige Ausrichtung, die ich so noch nicht bei ihnen gehört habe.

Nach dem Ende der Europatour lässt sich mit „Wreckage Vol. 2“ die Wartezeit auf das nächste Album von Robert Jon & The Wreck gut überbrücken. Die Zusammenstellung von Sidetracks bietet eine bunte Mischung aus gradlinigen Rockstücken, spannungsvolle Balladen bis hin zu verspielten Instrumentalepen. Hinzu treten etwas Soul und Funk. So dürfte für jeden Fan der Band etwas dabei sein, was den Kauf lohnt.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Southern Rock and more

Tracks:
01. She’s A Fighter
02. Waiting For Your Man
03. Rescue Train
04. The Weight
05. Old Hotel Room
06. Dark Roses
07. On The Run
08. Cannonball
09. Something To Remember Me By
10. Witchcraft

Robert Jon And The Wreck
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Kulturrampe

StratCat Willie & The Strays – On A Hot Tin Roof – CD-Review

Review: Jörg Schneider

StratCat Willie Hayes hat in seiner mehr als einem halben Jahrhundert andauernden und u. a. von B. B. King, T-Bone Walker und Johnny Winter beeinflussten Blueserkarriere mit zahlreichen Größen des Bluesbiz, vornehmlich in den Staaten, gemeinsam auf der Bühne gestanden. In 2020 nahm er sein erstes Album „On The Prowl“ auf, eingespielt mit seiner Band The Strays. Und nun, zwei Jahre später, folgt sein zweiter Longplayer „On A Hot Tin Roof“, ebenfalls aufgenommen mit den Strays.

Allein das Betrachten des witzig gestalteten Covers bringt schon jede Menge Vorfreude und macht äußerst neugierig auf die Tunes des Albums. Irgendwie kommen einem da sofort die Straycats in den Sinn, mit denen die Mucke stilistisch sogar einige Gemeinsamkeiten hat. Die zwölf flotten Lieder der CD sind allesamt Eigenkompositionen und absolut vielfältig. Sie pendeln zwischen Rockabilly und Blues und bringen viel Spaß.

Der fröhlich swingende Opener „Have A Blues Party“, sozusagen ein „After-Pandemie-Song“ mit Gebläseunterstutzung, macht richtig gute Laune und animiert zum Tanzen, ein echter Partykracher. Nicht minder schmissig kommt der fetzige Titelsong „Hot Tin Roof“ daher, eine Mischung aus Rockabilly und Blues.

Bluesrockig mit viel Brass wird‘s dann mit der Aufforderung zum Tanz „Let‘s Dance“ und auch die wilde Rockabilly-Nummer „Way Too Fast“ juckt kräftig in Beinen und Füßen. „Redneck Woman“ und „In The End“ sind mit ihren jaulenden Gitarrenriffs wiederum mehr durch Blueselemente geprägt. Ausruhen kann sich der geneigte Zuhören schließlich mit den nachfolgenden Stücken „Guilty“ und „Cryin‘“, letzterer ein Slowblues im Stil von Gary Moore.

Mit „My One True Love“ und „Together“ geht es dann wieder rockabillymässig zurück auf die Tanzfläche, wobei das sich anschließende Instrumentalstück „Mezcal“ frappierend an den Texmexrocker „Tequila“ erinnert. Mit dem Fetzer „Runnin‘ With The Strays“ geht die Scheibe dann nach zwölf überaus lebenslustigen Tracks viel zu früh zu Ende.

„On A Hot Tin Roof“ ist definitiv nichts für Tanzmuffel, alle Anderen werden an der Scheibe ihre helle Freude haben. Sie bietet flotte, optimistische Mucke und gute Laune im Überfluss. Für mich ist sie eine der besten Scheiben, die ich dieses Jahr besprechen konnte, glatte fünf ***** für dieses Teil! Kaufen könnt ihr sie übrigens seit Mitte Juni.

Label: Independent
Stil: Blues, Rockabilly

Tracks:
01. Have A Blues Party
02. Hot Tin Roof
03. Let‘s Dance
04. Way Too Fast
05. Redneck Woman
06. In The End
07. Guilty
08. Cryin‘
09. My One True Love
10. Together
11. Mezcal
12. Runnin‘ With The Strays

StratCat Willie
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Neil Young & Crazy Horse – Toast – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Mit „Toast“ bringt Neil Young mit Crazy Horse ein Album heraus, das thematisch das Ende von Beziehungen, aber  auch in deren Entstehung beschreibt. Entsprechend düster, zuweilen melancholisch ist die Grundtendenz der Songs, die insbesondere Fans der Phasen mit Crazy Horse begeistern werden.

Eingespielt wurde es schon um die Jahrtausendwende, aber in der Form nicht veröffentlicht. Neben Tracks, die dann auf anderen Alben veröffentlicht wurden, sind auch drei bisher nicht veröffentlichte Stücke. Nun war für Young wohl aber der Moment gekommen, das Werk in seiner ursprünglichen Form herauszubringen.

Beim Hören der Lieder kommen Gedanken auf, dass Young nur eigene Beziehungen und Lebensphasen verarbeitet, es gibt auch den Anschein, dass ‚The Old Man‘ ein Resümee über seine über 50 jährige Musikerkarriere mitteilt. Wer weiß, wie lange Young, der in diesem Jahr 77 Jahre alt wird, weiter so eindrucksvolle Musik herauszubringt und auch auf einer Tour promoten wird.

Der eher lieblich erscheinende, ruhige Opener „Quit“ startet mit „Don`t Say You Love Me“ mit einer klaren Ansage. Mit den folgenden Songs wird einmal mehr die Energie von Neil Young und Crazy Horse deutlich. Harte Gitarrenriffs, Youngs unverkennbare Stimme und eingestreute Orgelklänge.

Insbesondere das dann auf „Are You Passionate“ in 2001 veröffentlichte, fast schon hymnische „Going Home“ begeisterte mich schon, als ich es erstmals zu diesem Zeitpunkt live hörte. Ein Song, der auch als Abschluss eines Konzertes taugt. Ich will nicht von einer Abschiedstour sprechen, welche manche Bands in einer Endlosschleife ziehen. Bei Young ist eher zu erwarten, dass er spontan den Entschluss fasst und dies nicht plant.

Nach den rockigen Nummern „Timberline“ und „Gateway Of Love“, im Stile der NYCH-Sachen aus den Zeiten zwischen 1980 und 2000 beweist Young mit „How Ya Doin`“, dass er nicht nur hart kann. Lieblicher Gesang, verträumte Gitarrentlinie und die Untermalung durch die Hammondorgel, zaubern einen melancholischen Song auf die Platte, die sich mit verlorengegangenen Gefühlen beschäftigt.

Das über 13 Minuten gehende Midtempostück „Boom Boom Boom“ rundet das Album ab und offenbart die spielerische Vielfältigkeit der Band. Kurze dezente Gitarrensoli zaubern eine zuweilen psychedelische Atmosphäre, in der sich auch jazzige Elemente wiederfinden.

Das schon vor über 20 Jahren aufgenommene „Toast“ zeigt, wie zeitlos die Musik Youngs ist, wobei seine Werke textlich meist sehr zeitkritisch sind. Für Neil Young-Fans ist das Album ein Muss, wer sich mit dem kanadischen Amerikaner bisher nicht befasst hat, hat mit diesem Album die Möglichkeit, das Spezielle an Neil Young und Crazy Horse zu erfahren, ohne auf ein „Greatest Hits“-Album zurückzugreifen.

Man darf gespannt sein, was Young noch so in seinem schier unendlichen Fundus finden wird, oder ob er vielleicht sogar noch ein absolut neues Album nachfolgen lässt. Schafft er bei den Studioalben gar noch die Fünfziger-Marke zu erreichen? Wenn man die CSNY- und Buffalo Springfield-Veröffentlichungen hinzuzieht, wäre diese allerdings schon weit überschritten.

Band:
Neil Young: guitar, piano, harmonica, vocals.
Billy Talbot: bass, vocals.
Ralph Molina: drums, vocals.
Frank Sampedro: guitar, piano, vocals

Reprise Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. Quit – are you passionate 2001
02. Standing In The Light Of Love
03. Goin`Home – are you passionate 2001
04. Timberline
05. Gateway Of Love
06. How Ya Doin`
07. Boom Boom Boom

Neil Young Archives
Oktober Promotion

Arlo McKinley – This Mess We’re In – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach der Veröffentlichung von „Die Midwestern“ (2020) stand Arlo McKinley in den Startlöchern, als Musiker durchzustarten und seine Karriere voranzutreiben. Eine große internationale Tour war geplant, bevor ihn die Pandemie auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Damit nicht genug, kam es noch zu mehreren Todesfällen in Familie und engem Freundeskreis. McKinley blickt also auf schwere Zeiten zurück, einschließlich Alkohol- und Drogensucht. Mit „This Mess We’re In“ kämpft er sich aus diesem finsteren Tal, bereit nach vorne zu blicken.

Mit der Vorgeschichte und dem Titel dürfte klar sein, in welche Richtung die elf Songs des Albums gehen. Es ist keine Partyscheibe geworden, sondern ein getragenes und introvertiertes Werk, das sich für ruhige Stunden anbietet. Der zweiundvierzigjährige McKinley gewährt dem Hörer einen Einblick in sein Innenleben und nimmt ihn mit auf eine Reise durch seine bisherigen Lebenserfahrungen. In diesen findet man seine eigenen durchaus in der einen oder anderen Hinsicht wieder, sodass man eine Beziehung zu den Songs aufbaut. Durch die reflexive Selbstbeobachtung in den Texten finden sich Parallelen zu BJ Barham, der mit American Aquarium unlängst „Cicamacomico“ vorlegte. Neben diesem reiht sich „This Mess We’re In“ nun als weiteres, diesjähriges Referenzwerk ein, an dem sich andere Musiker in Sachen Authentizität messen lassen müssen.

Bei der Produktion vertraute McKinley erneut Matt Ross-Spang (Jason Isbell, The Allman Betts Band, Charley Crockett), der bereits „Die Midwestern“ betreute. Wie auf dem vorangegangenen Album setzt McKinley bei den Arrangements seiner Songs auf eine vollständige Bandbegleitung, diesmal durch orchestrale Streicher ergänzt. Auf dem Titelstück und auf „I Wish I“ sind die Streicher besonders opulent vertreten, passen sich in der Kombination mit einem Klavier aber sehr gut in die melancholische Stimmung der Songs ein. McKinley findet so eine Alternative zur Steel Pedal, die sich häufiger als Untermalung im Americana findet.

Bei anderen Stücken übernimmt eine akustische Gitarre die Führungsrolle, so bei „Dancing Days“ oder beim Opener „I Don’t Mind“, bei dem die Streicher später kräftig einsteigen. Elektrische Gitarren werden seltener ausgepackt, sorgen aber bei „Rushintherug“ für einige Akzente. Die Songs bewegen sich im unteren („Stealing Dark From The Night Sky“)
bis mittleren („Back Home“) Tempobereich, unterscheiden sich jedoch aufgrund der Refrains, die oft einen hohen Wiedererkennungswert haben, sowie durch rhythmische Variationen („Where You Want Me“) voneinander. Die Spannweite reicht von leicht countryfizierten Balladen („City Lights“) bis zu fast hymnischen Beiträgen („Here’s To The Dying“).

Die Scheibe überzeugt durch das ausgereifte Songwriting, das sich bei mehrmaligen Durchläufen immer mehr erschließt, und die angenehme Klangfarbe von McKinleys Stimme. Das Album wirkt homogen, aber niemals langweilig. Das Stück, das sich direkt von den anderen abhebt ist „To Die For“. Der rockigste Track auf dem Longplayer geht sofort ins Ohr und bekommt, wenn die Orgel einsetzt, eine gewaltige Wucht. Der mittig platzierte Song bildet so einen gelungenen Kontrast zu den anderen und schafft es sicher auf meine persönliche Bestenliste von 2022.

„This Mess We’re In“ besticht durch seine lyrischen Qualitäten und seine mehrschichtigen Kompositionen. Arlo McKinley kleidet seine authentisch wirkende Auseinandersetzung mit seinen vergangenen Krisen in ruhige Songs und setzt dabei auf ausgiebige Streicherarrangements. Während das Gesamtwerk nach wiederholten Durchläufen einen immer größeren Eindruck hinterlässt, liefert McKinley mit „To Die For“ einen herausragenden Einzeltitel ab, der sich unmittelbar in die Gehörgänge einbrennt.

Oh Boy Records – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Americana

Tracks:
01. I Don’t Mind
02. City Lights
03. Back Home
04. Stealing Dark From The Night Sky
05. To Die For
06. Dancing Days
07. This Mess We’re In
08. Rushintherug
09. Where You Want Me
10. Here’s To The Dying

Arlo McKinley
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Robert Jon & The Wreck – 10.07.2022 – Bospop, Ospel – Festivalkonzertbericht

Zum Abschluss der knapp zweieinhalb Monate dauernden Europatour mit über 60 Konzerten spielten Robert Jon & The Wreck noch einmal auf dem Bospop Festival, bevor es am Tag danach wieder nach Kalifornien geht. Das Line-up war wie ganz zu Beginn der Tour verändert, da Steve Maggiora schon zu Toto gestoßen war, um dort die Europatour fortzusetzen. Ersetzt wurde er wie zuletzt durch den holländischen Tastenmann Bob Fridzema.

Mit einer leichten Verspätung begannen die Kalifornier mit ihrem niederländischen Gast ihren Auftritt auf der Nebenbühne im Festivalzelt, welches sich aber auch zu High Noon bestens gefüllt hatte. Schon mit den ersten Songs nahm die Band das Publikum mit, welches rhythmisch mitklatschte und mit Szenenapplaus nicht sparte. Sichtlich geflasht von dieser Resonanz schilderte Robert Jon, das dies, nach der langen Tour ein besonderer Moment sei.

Aus den Gesprächen von Fans ging hervor, dass dieser Auftritt für sie schon jetzt einer der musikalischen Höhepunkte des Festivals war. Diese Meinungen sind natürlich als objektiv zu betrachten und es liegt fern Bands miteinander zu vergleichen. Was aber auf jedem Fall gesagt werden kann, dass die Band an diesem Sonntag bei den Besuchern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Dabei zeigte sich, dass es sich bei Robert John & The Wreck um eine Band handelt, in der alle Musiker ihre Anteile haben, wobei sich der charismatische und stimmlich bestens aufgelegte Robert Jon, der auch mit einigen Gitarrensoli glänzte und Hernry James, der das eine oder andere Solo regelrecht durch das Zelt schoss, visuell im Vordergrund standen.

Aber auch der bestens aufgelegte Andrew Espantman, der aus dem Lächeln gar nicht mehr herauskam, setzte mit kurzen Drumsoli Akzente, wie auch Warren Murrel der posend den einen oder anderen Basslauf beisteuerte. Besonders erwähnt sei auch der Gastauftritt von Tastenvirtuose Bob Fridzema, der die Stimmung, die durch das Auftritt ausgelöst wurde ,regelrecht aufsog.

Ein Highlight war natürlich, wie sich Fridzema und Henry James bei „Cold Night“ die Noten regelrecht zuschmissen und sich Robert Jon, Henry James und Warren Murrel in typischer Southern-Pose einer Guitararmy positionierten und in den Song einen jammenden Soloteil einbauten. Nach bestens aufgenommenen Clubkonzerten bewiesen Robert John & The Wreck, dass sie auch eine größere Zuschauerzahl mit ihrem Southern Rock begeistern können.

Es bleibt abzuwarten, ob die Band bei Festivals im nächsten Jahr näher an das Ende eines Tages rutschen werden. Nach diesem Auftritt wäre es nicht verwunderlich. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Manny Montana von Teenage Head Music, der es ermöglichte, dass ich den Auftritt in Bildern festhalten durfte und als Gast an dem Tag eingeladen war.

Line-up:
Robert Jon Burrison – vocals, guitar
Henry James – guitar, backing vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, backing vocals
Bob Fridzema – keyboards, backing vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon & The Wreck
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Bospop
Teenage Head Music