David Newbould – Power Up! – CD-Review

Review: Michael Segets

Das space-ige Cover von „Power Up!” im Comicstil ist schon eigenwillig. Auch musikalisch geht David Newbould seinen eigenen Weg und scheint sich wenig um Konventionen zu scheren. Er scheut nicht vor ungewöhnlichen, zwischen Rock und Americana angesiedelten Arrangements zurück. Diese funktionieren mal besser, mal sind sie gewöhnungsbedürftig, wenn man wie ich eher ein Freund gradliniger Songs ist.

„Power UP!“ startet zwischen Rock und Funk mit dem temporeichen Titelsong. Newbould unterlegt seinen Gesang mit Hall, streut ein Sprachintermezzo und ein Saxophon-Solo ein. Nach dem wilden Einstieg mit einigen Soundvariationen kommt „Peeler Park“ zunächst gradlinig rockend daher, bevor es mit einem expressiven Gitarrenpart eine härtere Gangart anschlägt. „Blood On My Hands“ und „The Lawn“ sind im Vergleich gemäßigter. Mit ihrem akzentuierten Rhythmus und vollem Sound wirken sie ebenfalls rockig, wobei sie auch als opulenter Americana durchgehen könnten. Newbould zeigt gesanglich viele Facetten. Vor allem bei „Blood On My Hands“ erzeugt er Gänsehautmomente, allerdings sind ein paar langgezogene Passagen auch überbordend.

Mit „Home Depot Glasses“ fährt Newbould das Tempo deutlich runter. Er trägt die John Prine gewidmete zweite Vorabauskopplung im Sprechgesang vor. Bereits im letzten Jahr erschien „Ready For The Times To Get Better“. Der von Allan Reynolds geschriebene Song stellt ein Highlight auf der CD dar. Untermalt durch die Geige von Kristen Weber entwickelt er einen schönen Retrocharme. Mein unangefochtener Favorit auf dem Album ist allerdings „Last Letter“. Mit kräftigen Gitarren und dynamischen Background Vocals von Bee Taylor hat der rhythmische Song gehörig Power.

In der zweiten Hälfte finden mit „One Last Dance“ und „That Was Another Time“, das mit einer dramatischen Spannungskurve Fahrt aufnimmt, nochmal am Rock orientierte Titel ihren Platz. Daneben verläuft „Sunrise Surprise“ in ruhigen Americana-Bahnen. Newbould verzichtet hier auf überraschende Arrangements oder gewollt ausdrucksstarken Gesang und liefert so einen soliden Song ab. Das abschließende „Diggin‘ In“ ist ebenfalls semi-akustisch gehalten, wobei es mit einem kurzen instrumentalen Jam endet.

Der Kanadier, der über New York schließlich in Nashville gelandet ist, veröffentlicht seit fast einem Vierteljahrhundert seine Musik und hat bislang zehn LPs und EPs herausgebracht. Mit Ausnahme des bereits erwähnten „Ready For The Times To Get Better“ stammen alle Songs des neuen Albums aus der Feder von Newbould, wobei der Opener von Scot Sax, der die CD auch produzierte, mitgeschrieben wurde.

Auf „Power Up!“ lässt David Newbould seiner Kreativität freien Lauf und beweist als Komponist und Sänger eine große Bandbreite. Bei manchen Arrangements und stimmlichen Variationen wäre weniger vielleicht mehr gewesen, aber durch sie hebt sich Newbould von anderen Musikern ab, die in Sachen Rock und Americana unterwegs sind.

Blackbird Record Label (2022)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Power Up!
02. Peeler Park
03. Blood On My Hands
04. The Lawn
05. Home Depot Glasses
06. Ready For The Times To Get Better
07. Last Letter
08. One Last Dance
09. That Was Another Time
10. Sunrise Surprise
11. Diggin’ In

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