Southern Rock Junkies – Back To The Roots Vol. 1 – Do-CD-Review

Rob Hiemer ist ein Southern Rock-Verrückter. Ähnlich wie beim Heroinsüchtigen das Verlangen nach dem nächsten Schuss, ist er auf der Suche nach dem nächsten Southern Rock-Trip, bedingt durch einen Song, ein Album oder einer dieser typischen Gigs, wie es sie an Intensität wohl nur in diesem Genre gibt. Ein Southern Rock Junkie eben.

Auch auf dem neuen SRJ-Doppel_CD-Werk „Back To The Roots – Vol. 1“ zeigt er sich wieder als ‚Hans Dampf in allen Gassen‘. Die insgesamt auf zwei Silberlinge verteilten 27 Songs hat er selbst geschrieben, gesungen, Bass gespielt, produziert und selbst die Covergestaltung hat er sogar übernommen. Ok, ein paar seiner Bandkumpels durften dann zumindest an ihre Instrumente ran.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen, eine Southern Rock-Radio-Sendung moderiert er auch noch bei Home Of Rock, das einst als eines der ersten Online-Musik-Magazine seiner Art zu Beginn des Internetzeitalters loslegte (mit klasse Redakteuren – auch ich war einer der Gründerväter), aber das dann irgendwann sein vermeidbares und unrühmliches Ende, zumindest in dieser Form fand.

Die Southern Rock Junkies entstanden, soweit ich mich erinnere, im Rahmen einiger legendärer Treffen von Southern Rock-Gleichgesinnten im Spreewald, an denen ich leider nie teilhaben konnte, weil sie immer genau in meine Urlaubszeit fielen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Rob und meine Wenigkeit sich schon mal persönlich gegenüber gestanden haben. Vermutlich werden wir aber an unzähligen SR-Konzerten gemeinsam partizipiert haben, ohne es vermutlich gewusst zu haben.

Mit einer ähnlichen Band habe ich früher ja auch so meine Erfahrungen gemacht, Ende der 90er Jahre blühte eine Band in meinem heimatlichen Ort Rheinberg namens Street Survivors kurz auf, die ein Album namens „Southern Rock Will Never Die“ herausbrachte (wo ich den Titelsong mitgeschrieben hatte). Sie schaffte es vorübergehend ins Vorprogramm von Acts wie Molly Hatchet, Doc Holliday und Wishbone Ash, verschwand dann aber genau so schnell wieder, wie sie sich ihre Ambitionen in Luft aufgelöst hatten.

Auf ähnlicher Stufe ist das Werk der Southern Rock Junkies einzuordnen. Man spürt zu jeder Zeit das Engagement,  mit eigenen Kreationen, sich mehr als nur eine Covertruppe zu positionieren. Die Musik bewegt sich naturgemäß im Dunstkreis der mehr oder weniger heute kaum noch kompositorisch tätigen Ikonen der Zunft wie Outlaws (von denen kommt ja zumindest immer noch was), Skynyrd, Hatchet und Doc Holliday (beide Bands sehr stark vom Einfluss her vertreten).  Deren Bruce Brookshire ist auf diesem Werk auch dezent mit von der Partie. Zu gefallen wissen der jederzeit spürbare Enthusiasmus, der oft flotte Drive, als auch die vielen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, die für dieses Genre unabdingbar sind.

Trotzdem versuche ich mich meistens um solche Reviews zu drücken, weil man, wenn man dazu gebeten wird und ehrlich sein will, auch ein paar Wahrheiten aussprechen muss, mit denen man eigentlich lieber eher ‚hinterm Berg‘ halten möchte. Das will ich, besonders, wenn es sich dabei um so nette und sympathische Menschen handelt, wie beim Rob, dann doch möglichst vermeiden.

Punkt 1, nicht so schlimm – das Coverartwork. Ich war ja durch Rob’s Facebook-Posts und die SRJ-Webseite schon im Vorfeld gewarnt. So ein wildes Sammelsurium an Farben, Schriften und  Bildern, das sucht schon Seinesgleichen und lässt einen Menschen, der seit über 30 Jahren in der Werbebranche arbeitet, wirklich staunend zurück. Man ist fast geneigt, sich so eine Brille zu besorgen, die man beim Beobachten einer Sonnenfinsternis trägt, um einen nachhaltigen Augenschaden zu vermeiden… Aber geschenkt!

Punkt 2 – leider bei 27 Tracks ein durchgehendes Moment – der für meine Gehörgange nur schwer kompatible Gesang. Hier werde ich wohl noch lange warten müssen, bis ich mal in diesem Land einen zweiten Sänger auf der Stufe eines Stefan Kossmann (Flatman) erleben werde. Beim verpeilten „Sorry We Are Stoned“ hätte ich ihn noch als belustigendes Stilmittel verbucht, aber ansonsten wird einem schon echtes Durchhaltevermögen abverlangt. Selbst meine Frau hat mir da schnell die rote Karte gezeigt und auf das Existieren von Kopfhörern verwiesen…

Insgesamt muss man aber das Engagement und die vermutlich auch nicht üppig vorhandenen Mittel berücksichtigen, die bei der Realisierung eines solchen Projekts immer eine Rolle spielen. Hier hat man ja schließlich kein Major Label im Rücken. Von daher überwiegt eher der Spaß an der Sache. Auch „Back To The Roots Vol. 1“ von den Southern Rock Junkies zählt zu der Musik, die, wie im Southern Rock oft üblich, meist erst nach einigen Bierchen und live in geselligem Rahmen, ihre Wirkung am Besten entfaltet. Also, Weitermachen Rob & Co.!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
CD1
01. Introductory (Gerry Casey)
02. Happy As A Man Can Be
03. Cheerz For Rock N Roll
04. Never Too Late To Rock N Roll
05. Back To The Roots
06. Baby Play My Rock N Roll Again
07. Sorry We Are Stoned
08. Take My Blues Away
09. Ticket To Paradise
10. A Man Can Never Have Too Many Guitars
11. Quarantine Blues
12. Vamos Muchachos
13. Southbound
14. Edge To Midnight

CD2
01. Rock N Roll Dreams
02. Rock Is In My Head
03. Turn Your Radio On
04. Crazy Kind Of Love
05. Home of Rock Will Never Die
06. Lanky Wanky Crazy Night
07. Once At Night
08. Mexican BBQ
09. Don’t Wanna Die
10. Valerie
11. Just For The Rockers
12. Halleluhja Rock N Roll
13. Home Is Where The Music Is

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