Todd Sharpville – Medication Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Möglicherweise ist Todd Sharpville der einzige Blueser und Songwriter mit aristokratischen Wurzeln. Jedenfalls trägt er den Spitznamen „Worlds First Blue-Blooded Bluesman“ und ist als solcher seit 30 Jahren als Musiker in der britischen Bluesszene aktiv. Musikalisch sozialisiert wurde er bereits in seiner Kindheit u. a. durch Freddie King, T-Bone Walker, BB King, Eric Clapton, Buddy Guy und Lightnin‘ Hopkins. Außerdem verbindet ihn eine langjährige Freundschaft mit Larry McCray.

Auf seiner neuen Scheibe „Medication Time“ (sie erscheint am 20. Mai auf CD und am 24. Juni als LP) thematisiert er mit den darauf enthaltenen 12 Tracks einen 16 Jahre zurückliegenden Lebensabschnitt, der ihm aufgrund seiner Scheidung und der damit verbundenen Trennung von seinen Kindern und anschließenden Suizidgefährdung, einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Heilanstalt einbrachte.

Larry McCray half ihm durch diese schwere Zeit und somit war für Todd Sharpville klar, dass Larry McCray an dem Album einfach mitwirken musste. Sie trafen sich also in West Greenwhich Rhode Island um „Medication Time“ einzuspielen und von dem zweifachen BMA-Gewinner Duke Robillard produzieren zu lassen.

Los geht‘s auf der Scheibe mit einem eigenwillig gesungenen Bob Dylan-Cover von „Walk Out In The Rain“, in welchem unser adeliger Sänger seine unverkennbar raue Stimme zur Geltung bringt, so wie sie auch in weiteren Songs auf der CD zu hören ist, bevor es mit „Get Outta My Way“, einer flotten R‘n‘B-Nummer mit temporeichen Bläsersätzen und einer einprägsamen Hookline weitergeht. Auch „House Rules“ (mit stakkatohaftem, hackenden Rhythmus), „Brothers From Another Mother“ (funkiger Big Band Sound und einem Duett mit Larry McCray), das fröhlich und zuversichtlich klingende „Stand Your Ground“ mit dezenten Americanaschnipseln, sind der R‘n‘B Ecke zuzurechnen.

Todd Sharpville kann allerdings auch ruhig und beschaulich. Da sind der einfühlsame Slowblues „Tangled Up In Thought“ und das etwas düstere „Medication Time“, wo Sharpville seine Verzweifelung förmlich zelebriert. Und wenn es die Bezeichnung „very Slowblues“ gäbe, dann träfe sie ganz bestimmt auf „Silhouttes“ zu, ein Stück das fast nur von Sharpvilles Stimme mit Pianobegleitung getragen wird.

Zwei wunderbare Rocksongs sind „God Loves A Looser“ und die Bruce Springsteen-Adaption „Red Headed Woman“ als äußerst schmissiger Rock’n’Roll bzw. Boogie-Woogie-Feger. Besonders hervor zu heben ist aber ein weiterer Coversong. Diesmal stammt das Original von Mark Knopfler. Wer kennt es nicht das Intro zu „Money For Nothing“, hier allerdings in einer sehr schrägen, aber tollen Harp-Version und einem schönen Duett mit Sugar Ray Norcia … einfach genial. Schließlich endet die Scheibe mit einem weiteren Slowblues „I Don‘t Need To Know Your Name“.

Mit „Medication Time“ hat Todd Sharpville ein durchaus beachtenswertes Album vorgelegt. Es macht neugierig auf seine anstehende Europatournee im Mai und Juni diesen Jahres, auf der ihn sein langjähriger Freund und Bruder im Geiste Larry McCray als Gast begleiten wird.

Label: Dixiefrog Records / Bertus Musikvertrieb
Stil: Blues

Tracks:
01. Walk Out In The Rain
02. Get Outta My Way
03. Tangled Up In Thought
04. House Rules
05. Brothers From Another Mother
06. Medication Time
07. God Loves A Loser
08. Money For Nothing
09. Silhouettes
10. Stand Your Ground
11. Red Headed Woman
12. I Don‘t Need To Know Your Name

Todd Sharpville
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