Eric Steckel – Grandview Drive – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Dass Eric Steckel mit gerade mal 30 Jahren zu einem der besten Bluesgitarristen zählt, hatte schon John Mayall erkannt. Nun diverse Jahre nach dem Lob Mayalls, einige Alben später und immer noch eher am Beginn einer Musikerkarriere, hat Steckel mit „Grandview Drive“ seinen mittlerweile siebten Longplayer herausgebracht. Mit diesem Werk untermauert der Musiker aus den Staaten seine Extraklasse.

Dies bezieht sich nicht nur auf seine Künste die Saiten der Gitarre zu beackern, er sticht auch durch exzellentes Songwriting hervor. Dabei bedient er nicht nur die Bluesfans, sondern beweist, dass man auch im Trio einen klasse Southern Rock bringen kann. Auf seiner eigenen Webseite wird sein Stil als Heavyblues bezeichnet, was auch nicht unpassend ist.

Zugegeben, auf dem Album kann er mehrere Gitarren übereinander einspielen und setzt auch das Piano gekonnt als harmonisches Instrument ein. Dass er die Songs aber auch zu dritt dynamisch und kraftvoll auf die Bühne bringen kann, hat er unlängst bewiesen, als er ein Programm im Dortmunder Musiktheater Piano spielte, wo knapp die Hälfte dieser CD auf der Setlist standen. Gekonnt ist eben gekonnt.

Nun aber zum Eigentlichen. Mit „Take My Love To Town“ geht es sofort southernrockig los. Knallharte Riffs, gemischt mit einer Prise Boogie und Blues, entwickelt sich ein harter Rocksong in Richtung Molly Hatchet mit diversen Soli, wo er sich nicht hinter den dementsprechenden Legenden zu verstecken braucht.

Bei „Dream For 2“ nimmt er zunächst den Fuß vom Gaspedal. Ruhig beginnend mit Pianoklängen folgt ein Rocksong, der mich im späteren Verlauf, wenn die Gitarrenarbeit, aber auch der Gesang einsetzen, an die Glanzzeiten Santanas zu Zeiten von „Inner Secrets“ erinnert.

Dass Eric Steckel auch den klassischen, eher ruhigen Blues in den Fingern und der Stimme hat, zeigt er beim passend betitelten „Same Old Blues“ Sich am Piano begleitend, zaubert er eine innige Stimmung, in die dann ein für ihn eher langsames Gitarrensolo, passend zur Grundstimmung, einsetzt.

Ein Kracher ist das hart rockende „Best Of You“, mit einem sehr virtuosen Solo Richtung Allman Brothers. Das neu aufgelegte „When Ignorence Turns To Bliss“ ist ein klasse Southern Song, der auch auf eine der alten Skynyrd-Platten gepasst hätte. Der an und für sich ruhige Grundrhythmus des Stückes wird dabei mehrfach von absolut furiosen Soli zerrissen.

Was Steckel dann aus dem Marshall Tucker-Klassiker „Can’t You See“ macht, ist dann wahre Extraklasse. Aus dem eher beschaulichen Original entfacht er in phasenweise einen Song mit knallharten Gitarrensoli.

Ruhiger wird es beim balladesken „Good Days, Bad Days“. Hier setzt Steckel auch unterstützend da Piano ein. In diesem verträumten Song zeigt er, dass er neben brachial und schnell, auch gefühlvoll seine Saiten bearbeiten kann. Sehr harmonisch und passend ist auch sein Gesang.

Mit Gitarrenriffs, die an Frees „All Right Now“ erinnern, beginnt „You Never Will“. Auch im weiteren Verlauf bleibt er auf der Free- oder Bad Company-Linie und zeigt, dass man deren Stil auch in die Moderne transportieren kann.

„Since I Been Loving You“ ist ein eher ruhiger Bluessong, in den er zunächst immer in Sequenzen kurz seine Gitarre aufjaulen lässt, bevor er sich zum Ende hin, in einem Gitarrengewitter entlädt, wobei er auch noch das Piano partiell einsetzt.

„Promised Land“ hat einen tollen Groove, in dem man sich ein klein wenig an die sehr positiven Songstrukturen des jungen Peter Frampton erinnern kann. Das Album schließt Steckel mit „Solid Ground“, einem harter Bluessong ab, in dem natürlich nicht das entsprechende Solo zum Ende des Songs fehlen darf.

Eric Steckel ist mit „Grandview Drive“ eine beeindruckende Platte gelungen, in dem er, bis auf die Drums, alle Instrumente selbst eingespielt hat und sich als Multiinstrumentalist präsentiert. Der Titel „Grandview Drive“, es gibt in eine gleichnamige Straße mit traumhaften Blick in Illinois, kann spätestens nach diesem Album auch auf Steckel angewendet werden.

Hier gibt es berechtigte Aussichten, dass ein begnadeter Gitarrist, sich im Blues, aber auch im Southern-Genre etablieren wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dem sympathischen Musiker, wenn die Welt sich nach Corona, wieder in gewohnten Bahnen dreht, um zu erleben, wie Mr. Fasthand die Gitarre erklingen lässt.

Eric Steckel – Gitarren, Piano, Bass, Gesang
Don Plowman – Drums, Percussion

Eric Steckel Music (2020)
Stil: Heavy Blues, Southernrock

Tracks:
01. Take My Love To Town
02. Dream For 2
03. Same Old Blues
04. Best With You
05. When Ignorence Turns To Bliss
06. Can`t You See
07. Good Days, Bad Days
08. You Never Will
09. Since I Been Loving You
10. Promised Land
11. Solid Ground

Eric Steckel
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Eric Steckel – 12.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In Anbetracht der momentanen Situation – Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt – ist es schwer, einen ganz normalen Konzertbericht zu verfassen. Schon einige Zeit vor Veranstaltungsbeginn schilderte mir Jenny Dore vom Musiktheater Piano und Veranstalter 3dog Entertainment sichtlich geschockt die momentane Situation.

Im Laufe des Tages erfolgten schon mehrere Absagen durch Künstler für Konzerte in den nächsten Wochen, was insbesondere für kleinere Veranstaltungsorte existenzgefährdend sein könnte. Bei ausbleibenden Besuchern oder abgesagten Konzerten bleiben die laufenden Kosten, für Mitarbeiter, Gebäude, Gagen etc. bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass Andeutungen der Politik, dass es Hilfestellungen geben werde, diese auch an den richtigen Adressen, im benötigten Maße ankommen.

Nun aber zum Erfreulichen. Das Konzert von Eric Steckel und Band fand, wie geplant, statt. Steckel hatte sich im Vorfeld geäußert, dass er ja da wäre, warum sollte er dann nicht spielen. Nach und nach kamen die Besucher, mache kauften auch Karten für spätere Konzerte. Ein kleiner Lichtblick zumindest, dass man trotz des derzeitigen Wirrwarrs eine Zukunft sieht, wenn irgendwann wieder Normalität eintritt.

Kurz nach Acht legte dann Eric Steckel vor leider viel zu wenig Besuchern los wie die Feuerwehr. Trotz der überschaubaren Besucherzahl ließ er sich die sichtbar gute Laune, seine Musik zu präsentieren, nicht nehmen. Mit „Solid Ground“, einem hart rockenden Bluessong präsentierte er den Fans direkt ein Stück vom aktuellen Album „Grandview Drive“.

Schon beim Opener kam die spielerische Extraklasse Steckels zur Geltung, wobei ihm Joe Kamps am Bass und Tony Boyd eine solch fette Rhythmusgrundlage hinlegten, dass er sich mit exzessiven Soli darauf austoben konnte. An dem Strickmuster, welches die Anwesenden von Beginn an begeisterte, änderte sich bei „Juke Joint“ nichts. Bluesgrundlage, harte Gitarrenriffs, rasante Soli und eine dazu passende bluesige Stimme.

Mit „Feels Like Home“ brachte Steckel einen Hauch von Southern Rock ins Piano. Dabei braucht er sich weder stimmlich noch mit dem Gitarrensolo hinter Genregrößen zu verstecken und spätestens jetzt war jedem klar, warum John Mayall schon vor Jahren lobende Worte für den heute 30-jährigen Steckel fand, als er schon mit 18 Jahren sein ersten Album veröffentlichte.

Nach diesem fulminanten Einblick in die frühen Schaffensphasen war wieder neuer Stoff angesagt. Nach “Take My Love To Town” folgte das fast balladesk beginnende “Can’t You See”, das er dann gitarrentechnisch mit einem ausladenden Solo der Marke Allman Brothers Band abschloss. Bei “When Ignorence Turns To Bliss“ , einem Song von seinem Debüt, welchen er auf dem aktuellen Silbering noch einmal neu auflegte, wurde es dann wieder bluesiger, wobei erneut das quirlige Gitarrenspiel begeisterte.

“Best With You” spiegelte vom Titel ein klein wenig die Stimmung im Piano wieder, wo sowohl die Band wie auch die Zuschauer gemeinsam das Beste aus den wiedrigen Begleitumständen machten. Mit “We’re Still Friends” zog dann zunächst ein Hauch von Melancholie durchs Piano, ein langsamer Bluessong, bei dem zu Beginn einige Töne an Jimi Hendrix erinnerten, der sich von einem riesigen Bild neben der Bühne vermutlich wohlwollend und staunend das Treiben auf der Bühne betrachtete.

Die Hauptbestandtteile bildeten zunächst ein langsames Solo Steckels, in bluesiger Manier eines Gary Moores, und ein Drumsolo von Tony Boyd, der scheinbar versuchte, den Putz von den Wänden des Piano zu holen. Fein auch wie sich Steckel und Kamps am Bass zum Ende des Liedes hin regelrecht duellierten.

“Empty Promises” , ein klasse Southern Rocker läutete dann langsam das Ende der fulminaten Show ein, dem mit “Tennessee” noch ein zunächst harter Bluestrack folgte, in den Steckel aber wieder Klasse Soli in bester Southern-Manier einstreute, die zuweilen auch in Richtung der guten alten Outlaws gingen.

Unter brandendem Jubel der Fans verließ die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit noch mit “She’s 19 Years Old “ noch eine letzte Zugabe nachzulegen.

Ein etwa 100-minütiges Konzert hatte so einen würdigen Abschluss gefunden, und Steckel wird vermutlich nicht das letzte Mal in Dortmund Halt gemacht haben. Von diesem recht jungen Musiker ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, ob in Richtung Southern- oder Bliues Rock spielt dabei keine Rolle, beides war an dem Abend in Dortmund Klasse!

Ein Dank geht wieder einmal an Jenny Dore vom Musiktheater Piano für die Akkreditierung und, dass es gelungen ist, solch einen Ausnahmegitarristen ins Piano zu holen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun feststehenden Absagen der nächsten Konzerte ein baldiges Ende haben werden und es wieder zu solchen Highlights kommt, wie dem mit Eric Steckel!

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Tony Boyd – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Eric Steckel – 18.10.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Der erst 28-jährige Amerikaner Eric Steckel hat bereits eine glänzende Musikerkarriere hinter sich: Seine erste Scheibe brachte er im zarten Alter von 12 Jahren heraus und bereits ein Jahr später durfte mit John Mayall und den Blues Bluesbreakers spielen, was einem musikalischen Ritterschlag gleichkommt.

Jetzt, fünf Jahre und zahlreiche Alben später, stand der junge Ausnahmegitarrist zum ersten Mal auf der Bühne der gut gefüllten Kulturrampe und ich harrte gespannt der Dinge, die da kommen sollten. Mit etwas Verspätung ging’s dann endlich los.

In den folgenden eineinhalb Stunden brannten Steckel und seine beiden niederländischen Begleiter (Schlagzeug und Bass) ein schweißtreibendes und im wahrsten Sinne des Wortes ‚pausenloses Feuerwerk‘ ab. Steckel liebt den Blues nicht nur, er lebt ihn auch.

Während er seine Stromgitarre bearbeitet, meint man zu sehen, wie sein Körper und Geist förmlich mit der Musik verschmelzen, während sein Drummer, angestachelt vom treibenden Bass, sich seine Seele geradezu aus dem Leib trommelt.

Wenn Eric Clapton gemeinhin als Mr. Slowhand bezeichnet wird, dann ist Steckel genau das Gegenteil, er ist Mr. Fasthand: die Finger seiner rechten Hand fliegen geradezu über den Gitarrenhals. So muss sich ‚Satriani auf Speed‘ anhören.

Dem Publikum hat’s gefallen, die Funken sprangen vom ersten Moment an über und nach zehn Songs – gefühlt dauerte ein Stück wohl kaum weniger als zehn Minuten – mussten Steckel und seine Jungs natürlich noch einmal für eine Zugabe ran, bevor sie sich den begeisterten Leuten an Ihrem Merchandise-Stand widmen konnten.

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Ruud Gielen – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Jörg Schneider

Eric Steckel
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Guitar Heroes Festival – 21.-23.09 2018 – Festivalnachlese

(14) HK - Gerds Ansage mit der Laura Cox Band

Die Entschleunigung rasanter Saitenläufe … oder auch Guitar-Heroes irgendwo im Nirgendwo

Es gibt Leute, die pimpen ihr Auto, fliegen in der Weltgeschichte rum, cruisen durch die Weltmeere oder züchten Büffel.

Der Biobäcker Gerhard Lorenzen, seines Zeichen passionierter ‚Musikverrückter‘, kann über solche Anwandlungen vermutlich nur schmunzeln – und veranstaltet seit 2007 Rock- und Blueskonzerte bei sich Zuhause in Joldelund, einer 715-Seelen Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig Holstein. Drei Bundesstraßen und eine Bahnlinie sind jeweils etwa 10km entfernt … wahrlich eine (rock- und bluesmusikalische) Metropole.

Nein, falsche Fährte, was sich zunächst wie beißender Spott liest, entpuppt sich schnell als der (Noch?)Geheimtipp für alle Anhänger rockiger Bluesmusik oder bluesiger Rockmusik und Artverwandtes.

Genau dies wollten diesen Frühherbst ein Genre-Veteranenquartett aus Oldenburg/Bremen genauer unter die Lupe nehmen und starteten an einem Freitag-Vormittag bei viel Wind und aufgewirbeltem Staub – mit einem kleinen Caravan inklusive Vorzelt im Gepäck – zeitig gen Norden eine Fahrt ins vorfreudige Ungewisse.

Nach 3 ½ Stunden problemloser Fahrt (vom Navi – oder Fahrer mal abgesehen) erreichte der Vierer das Ziel irgendwo im Nirgendwo. Das Headquartier von Gerd – auch liebevoll und augenzwinkernd ’Gerds Juke Joint’ genannt – kam zunächst wenig spektakulär rüber (mit Ausnahme eines durch die Wand geknallten Autos), was sich im Laufe des Wochenendes aber noch gehörig ändern sollte.

Also … wohin mit dem Caravan? Ganz einfach … quasi in Gerds „Garten“ … bloß keine Obstbäume beim rangieren beschädigen! Erste Bullies, Wohnmobile und Caravans waren auch bereits vor Ort. Nun noch schnell vor dem drohenden Regen das rollende Schlafklo vernünftig ausgerichtet, Vorzelt enttüdelt und unfallfrei aufgebaut, die Mistral-Sturmverspannung ob der drohenden Nordwinde angebracht, Stühle und Tische aufgeklappt, den Bluetooth-Krawallmacher in Stellung gebracht und schlussendlich die Kühlbox geöffnet … das Joldelunder Festival der etwas anderen Art konnte beginnen!

Warum der etwas anderen Art?

Weil hier ein funkensprühender, glühender, für die Sache brennender Enthusiast mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten – ohne jegliche kommerzielle Auswüchse(!) – etwas in atemberaubend privater Atmosphäre auf die Beine stellt, was sich grundlegend vom Zeitgeist unterscheidet … und zwar sehr wohltuend. Hier wird noch das Kredo Entschleunigung bei gleichzeitig beschleunigter Saitenarbeit großgeschrieben. Eine wahrhaft nicht alltägliche Konstellation!

Und so begab sich pünktlich um 19.45 Uhr das erwartungsfrohe Quartett auf den ausgebauten Scheunen-Dachboden des Biobäckers Gerd. Nicht ohne auf dem Weg dorthin einem Getränkewagen, einem Frühstücks- und Imbissbereich und einem Festzelt zu begegnen. Oben angekommen war erst recht Staunen angesagt. Sehr viel Holz, tolle Balkenkonstruktionen (fast wie ein Kirchenschiff!), ganz hinten im Raum ein kleiner Tribünen-Loungebereich, in der Mitte ein großzügiges Theken-Sit-in-Konzept, ein vergleichsweise kleines Mischpult, eine kleine Bühne für einen Kameramann, der sich als Bassist von Lake herausstellen sollte und schließlich der recht schmale Raum vor der eigentlichen Konzertbühne auf der Frontseite der Scheune.

Von dieser Bühne aus begrüßte Punkt 20.00 Uhr das Herz dieser Veranstaltung seine Gäste, gab einen kleinen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und kündigte den ersten Act an – ein YouTube-Phänomen aus der Region von Paris … die Laura Cox Band, die letztes Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hatten.

Im Kontext des angekündigten Line-Ups hatte sie es nicht leicht, zumal auch der Sound noch nicht der beste war. Aber sie brachte zusammen mit ihren Mitstreitern am Schlagwerk, Bass und zweiter Gitarre als Opener ordentlich Feuer und Stimmung in die Bude. Insgesamt ließ das Line-Up an diesem Wochenende auf recht rockigen Blues schließen, natürlich gemäß des Veranstaltungstitels explizit Guitar-Solo-lastig.

In diesem Zusammenhang geriet der Vortrag der Laura Cox Band eher zu einer Rock-Party, die auch vor Schlachtrössern wie „Foxy Lady“ (weniger gelungen) und „Jumpin’ Jack Flash“ (deutlich mehr gelungen) nicht halt machte. Es war an diesem Wochenende die einzige Band mit zwei Gitarristen und den am wenigsten ausgeprägten Saitensoli, entsprechend zählte die Kompaktheit und das rockige „Los-Geh“- Potential der meisten Songs.

Eine technisch nicht besonders anspruchsvolle Band, die eher das Herz als das Hirn ansprach und folgerichtig als Anheizer gut Dampf auf den Kessel geben konnte. Die sehr lockere, offene, kommunikative Art von Laura Cox kam überdies sehr gut an. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der weitere Weg der Dame gestalten wird.

Nach der Umbaupause enterte dann der Niederländer Julian Sas mit seiner derzeit wahrhaftig formidablen Band die kleine Bühne und … räumte auf ganzer Linie ab! Das Publikum und die Musiker befeuerten sich zunehmend in einen Rausch, Gitarre und Orgel (Roland Bakker) wurde nebeneinander, miteinander und gegeneinander viel Raum gelassen, Rob Heijne (Schlagzeug) und Fotis Anagnostou (Bass) hielten nicht nur den Laden zusammen, sondern setzten virtuos und mit enormem Druck auch eigene Akzente, während ihr Chef traumhaft die Saiten nicht nur glühen, sondern vor allem auch „singen“ ließ. Bluesrock, Classic-Rock, Jam-Rock, Boogie-Rock, Rock’n’Roll … es blieben keine Wünsche offen und entsprechend euphorisiert brachte das Publikum die ebenfalls euphorisierte Band noch zu offensichtlich nicht geplanten Zugaben!

Da hatte es dann das erst weit nach Mitternacht auftretende einstige Gitarren-„Wunderkind“ Eric Steckel doch sehr schwer, das Publikum bei der Stange zu halten, zumal er leider keine Taste an Bord hatte und somit nicht ansatzweise das umsetzen konnte, was insbesondere sein derzeit aktuelles Album „Polyphonic Prayer“ verspricht. Immerhin ist Herr Steckel nicht nur ein Saitenartist, sondern auch außerordentlich versiert auf den Tasten unterwegs.

In Joldelund spielte er allerdings als Power-Trio und zerschredderte konsequent jeglichen Song-Ansatz. Schade, denn er hat selbige eigentlich sehr wohl im Repertoire. Für alle selbst aktiven Gitarristen unter uns gab es sicherlich interessante Erkenntnisse, für alle anderen war es zu fortgeschrittener Stunde eher anstrengend und so leerte sich auch unübersehbar das Auditorium.

Am nächsten Vormittag wurde dann zum Frühstück den Bio-Backwaren (gefühlt 15 verschiedene Sorten!) gehuldigt, die in großen Kisten für einen (sehr!) fairen Betrag zur Verfügung gestellt wurden, einschließlich Bio-Kaffee und Bio-Milch. Derart gestärkt ließ das Genre-Veteranenquartett im trotz teilweise unwirtlichen Wetters gemütlichen Vorzelt den Bluetooth-Speaker qualmen, so dass zumindest das ganze Umfeld auf den aktuellsten Stand der (Blues-)Rock/Classic-Rock/Country-Rock/Americana-Neuveröffentlichungen gebracht wurde.

Zusätzlich musizierten ab 14.00 Uhr insgesamt vier regionale Bands im Festzelt um die Gunst der Aufmerksamkeit, was auch sehr achtbar gelang!

Punkt 20.00 Uhr eröffnete dann die Sean Webster Band (UK/NL) den zweiten Abend … und räumte – von vielen unerwartet – gleich zu Beginn ultimativ ab!
Sean Webster, der „erst“ mit 14 Jahren die Gitarre für sich entdeckte und sich dabei von den drei ’Kings’ (Albert, Freddie, B.B.), Mark Knopfler, Robert Cray, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore und vor allem Eric Clapton beeinflussen und inspirieren ließ, bestach umgehend mit einem außerordentlich gefühlvollen, gleichwohl energetischen Saitenspiel wie Gesang und präsentierte hochmelodische Songs bis hin zur fantastisch und geradezu beängstigend intensiv vorgetragenen Cover-Version von „I’d Rather Go Blind“ (Etta James).

Das Genre-Veteranenquartett erkannte hier messerscharf den Saitenartisten alter britischer Schule und erfreute sich zusammen mit dem völlig aus den Häuschen geratenen Publikum über eine singende, seufzende, leidende, jubilierende Saitenarbeit und feierte einen Protagonisten, der zu tollen Songs gesanglich sein Innerstes nach außen kehrte.

Unterstützt wurde er dabei von einer niederländischen Band, wobei Ruud Gielen am Schlagwerk und Floris Poesse am Bass ein wunderbar agiles wie federndes Rückgrat bildeten und Hilbrand Bos an der Taste willkommene Akzente setzte.

Insgesamt ein fulminanter Auftritt voller Leidenschaft, Spielfreude, hinreißender Soli und genauso hinreißendem Gesang. Das anfangs noch zurückhaltende Publikum warf zunehmend jegliche Zurückhaltung über Bord und stachelte den sichtlich freudig überraschten Sean Webster und seine Mannen zu absoluten Höchstleistungen an, die in offensichtlich drei gar nicht geplanten Zugaben gipfelten. Im Anschluss wurde der Merchandise-Stand geradezu gestürmt … und das völlig zu Recht!

Da hatte es der Haupt-Act des Festivals, Ryan McGarvey aus Albuquerque, New Mexico, tatsächlich schwer, trotz seiner unbestreitbar exorbitanten Fähigkeiten an den Saiten, das Publikum für sich zu gewinnen. Zu introvertiert und mit deutlich zu vielen elektronischen Spielereien ließ McGarvey seine musikalischen Inhalte zerfasern – sie rieselten quasi wie Sand durch die Finger. Er beeindruckte zwar insgesamt am Spielgerät, schredderte auch keinesfalls in der Manier eines Steckel, hatte ein solides neues Rhythmus-Fundament im Rücken, verlor sich aber leider im Effekte-Nirvana der unendlichen Möglichkeiten eines Ausnahmetalents.

Da brauchte es dann im Anschluss zur Beruhigung diverser Synapsen Nervennahrung. Auch diesbezüglich hatte Gerd außergewöhnliches zu bieten: Die weltbesten (Bio-)Pommes, Bio-Bratwurst, würziger Nacken im Brötchen und an der Theke mit einer keine Wünsche offen lassender Getränkeauswahl schließlich verboten leckere selbstgebackene Teigtaschen in verschiedenen Ausführungen … jegliche Selbstdisziplinierung zwecklos!

Da konnte dann der letzte Act des Abends kommen … wieder nach Mitternacht und diesmal eine gemeinhin selbst in Genre- und Nerdkreisen völlig unbekannte Band namens Snakewater aus Manchester.Einzige Konstante ist hier Sänger und Gitarrist Bobby Grant, der unverhohlen zugibt, dass sein großes Idol Gary Moore ist.

Vom Bandnamen her könnte ja eher die weiße Schlange als Bezugsgröße vermutet werden, stattdessen ertönte zur vorgerückten Stunde bluesgrundierter Classic-Rock, neben erwähntem Herrn Moore eher an Bad Company und Free gemahnend, wobei Bobby Grant explizit Paul Kossoff als seinen weiteren Helden pries. Aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen gab es hier bei allem Rock-Getöse die eine oder andere Songperle (Eigenbau) des gesamten Festivals zu entdecken!

Das „Guitar Heroes Festival“ in Joldelund wäre nicht komplett, gäbe es da nicht das inzwischen wohl legendäre Akustik-Set zum sonntäglichen Frühschoppen. Diesmal hatte Ryan McGarvey solo und ohne doppelten Boden die Ehre und sammelte dann auch prompt mit seiner Akustischen und fulminantem Spiel die Scherben des Vorabends auf, setzte sie wieder zusammen und fand zu seinen Songs zurück. Das anfangs noch ziemlich müde Publikum – diesmal wie in einem kleinen Theater brav sitzend – wachte zunehmend auf, um schließlich aus dem Gestühl zu schießen. Ryan McGarvey sollte zwingend mal eine Unplugged-Platte machen … dieser vormittägliche Auftritt war Dynamit, Weltklasse und bescherte dem Protagonisten dann doch noch verdiente CD-Verkäufe …

… und ließ insgesamt nur einen Schluss zu: Gerd weiß genau, was „seine“ Zielgruppe gerne hören möchte, denn er selbst verkörpert höchstpersönlich selbige geradezu exemplarisch. Ein durch und durch sympathischer Freak, der im Gegensatz zu vielen anderen mit ganz viel Enthusiasmus, Liebe und Engagement etwas aktiv auf die Beine stellt, um den Gegenstand seiner Begeisterung am Leben halten zu können. Nicht verschwiegen sei hierbei, dass dies ohne die Unterstützung seiner Familie und Freunden sicherlich nicht möglich wäre.

Deshalb sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass es von „Guitar Heroes in Joldelund“ sogar ein Independent-Movie in Kinolänge gibt, welches als eine Art Dokumentation wunderbar den Spirit dieser Veranstaltung veranschaulicht. Gerd sucht latent und fortwährend nach Möglichkeiten, diesen Film präsentieren zu können.

Das Genre-Veteranenquartett jedenfalls ruft uneingeschränkt zu jeder möglichen Unterstützung auf!

(Unser Dank gilt besonders auch Gerhard Harder für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Text: Olaf Oetken
Fotos: GH (Gerhard Harder) und HK (Henry Klompmaker)

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