12-4-2 – 10.09.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Endlich wieder mal ein Gig für mich im Schwarzen Adler nach dem Lockdown! Ernst Barten und sein Team hatten alles Erdenkliche und Vorgeschriebene bewältigt, um die Kultlocation in Rheinberg-Vierbaum in der Corona-Zeit auch rockmusikalisch wieder in Gang zu bringen.

Mit dem Projekt 12-4-2 (12 Guitar Strings – 4 Bass Strings – 2 Drum Sticks), alias Ben Granfelt (Lenningrad Cowboys, Wishbone Ash, Guitar Slingers), Stratocaster-Ass Thomas Blug, Martin Engelien (Klaus Lage Band, Go Music) und Berni Bovens hatte er auf hochkarätige Musiker gesetzt.

Angesichts der tollen Besetzung war es nicht zu verstehen, dass sich gerade mal zwischen 30-40 Zuschauer an dem für 90 Leute ausgelegten Abend eingefunden hatten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Ernst Barten vor Beginn des Gigs. Viele der üblichen Stammgäste waren vermutlich immer noch wegen des vermeintlichen Ansteckungsrisikos und einer gewissen Verunsicherung auf der heimischen Couch verharrt.

Die anwesenden Leute sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Profis wie Granfelt, Blug, Engelien und Bovens zeigten sich von der spärlichen Kulisse unbeeindruckt und performten, als wenn sie vor ausverkaufter Hütte spielen würden.

Während sich Blug und Bovens ganz auf ihr exzellentes spielerisches Können konzentrierten, führten die beiden charismatischen Persönlichkeiten Granfelt und Engelien mit Ansagen durch den Abend, wobei Engelien sich einige Male zur schwierigen kulturellen Situation ausließ, sich für das Vertrauen der Betreiber und Besucher bedankte, aber auch seine Freude zum Ausdruck brachte, dass endlich wieder erste Schritte gemacht werden, um die Szene langsam wieder in Gang zu bringen. Er appellierte angesichts der bevorstehenden kühleren Zeiten, Vertrauen in die Behörden und Clubs zu leisten, die alles dafür tun, um ein Ansteckungsrisiko nahezu gen Null zu minimieren.

Das Quartett begab sich dann samt diverser Instrumentalnummern (u. a. „One Earth“ aus Engeliens Corona-Hilfe-Album), einiger Cover-Stücke („Baker Street“, Breathe“) und Liedern aus Granfelts („My Soul To You“, „Melodic Relief“, „Faith, Hope & Love“, Wayward Child“, „Almighty Blues“, „Going Home“) und Blugs („My House Is Green“, „I Won’t Forget“, „The Witching Hour“) Solo-Fundi auf einen Streifzug durch die Rockmusik und umriss dabei fast alle Facetten von Blues-, klassischen, Prog-, Southern- bis hin zu Melodic Rock-Anleihen.

Hier standen natürlich die filigranen E-Gitarren-Künste der beiden Hexer Granfelt (Les Paul und Stratocaster) und Blug (Stratocaster) im Vordergrund, die unzählige quirlige Soli abließen, sich duellierten, aber sich dann auch durchgehend in der hohen Kunst des sich ‚blind‘ verstehenden Twinspiels zusammenfanden.

Engelien beweis mit seinem energiegeladenen, treibenden und anpassungsfähigen Pumpspiel und diverser Solo-Grooves, dass er noch lange nicht zum alten Eisen der Tieftöner-Szene zählt, und gab phasenweise auch den gut gelaunten Moderator zwischen Granfelt und Blug. Den Schmunzler des Abends hatte jedoch Drummer Berni Bovens auf seiner Seite, als er ein eher bedächtig-langsames, im Jazz verankertes Drum-Solo servierte und dann gegen Ende auf die Uhr schaute, nach dem Motto „ich bin jetzt fertig, wann steigt ihr endlich wieder ein, Jungs?“.

Mit dem schon vom Titel her prädestinierten Granfelt-Rausschmeißer „Going Home“ als Zugabe beendete der Vierer unter tosendem Applaus des Publikums zwei fulminante Stunden, bei denen absolute Spielfreude und filigranes Können im Vordergrund des Geschehens standen.

Trotz aller verständlicher Enttäuschung war Ernst Barten angesichts der tollen Vorstellung zum Schluss aber doch sichtlich erleichtert, endlich wieder echtes ‚Rockmusikleben‘ in den Adler gebracht zu haben. Man kann nur wünschen, dass er zum anstehenden Ana Popovic-Gig am 15. und 16. Oktober – Corona hin oder her – wieder mit der verdienten Resonanz belohnt wird.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Berni Bovens (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Ally McMirror – Never – CD-Review

Die Anfänge zu Ally McMirrors Scheibe „Never“ gehen vermutlich ins Jahr 2011 oder noch eher zurück. Da brachten die Herren Fred Zahl und Jimi Jamison unter dem Namen One Man’s Trash eine schöne, sich auch in meinem Portfolio befindliche Melodic Rock-Platte namens „HiStory“ heraus.

Das war mit einer Scheibe aus dem gleichen Jahr in Zusammenarbeit mit Bobby Kimball wohl auch das letzte musikalische Lebenszeichen des legendären Survivor-Sängers, der ja bekanntlich 2014 an einem Herzinfarkt verstorben war.

Da sich die beiden One Man’s Thrash-Stücke „She Shines“ und „Long Time“ auch auf dieser CD in modifizierter Form ebenfalls unter Mitwirkung Jamisons wiederfinden, gehe ich stark davon aus, dass hier Gesangsspuren von damals, mit in die jetzt von Ally McMirror besungenen Tracks hinzugefügt, beziehungsweise integriert wurden.

Kommen wir nun aber zur Protagonistin des Werkes. Hinter Ally McMirror verbirgt sich eine gebürtige Berlinerin namens Ute Spiegel, die lange Zeit als Krankenschwester tätig war, bis sie ihre eigentliche Passion fürs Ranchreiten und Singen entdeckte.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die beste Sängerin im ganzen Land?“ hieß es wohl schon einige Zeit später. Und so wurde sie 2018 von Fred Zahl für die achte Staffel von ‚The Voice Of Germany‘ angemeldet, kam aber mit der Performance von Chers „Heart Of Stone“ allerdings nicht über die ‚Blind Auditions‘ hinaus.

Ihr nun von Fred Zahl komplett eingespieltes und produziertes Debüt „Never“ bietet eine schöne, weitestgehend angenehm ins Ohr fließende Mischung aus melodischem Rock, manchmal mit einem ganz dezenten Countrytouch.

Der Opener „Hellride“ erinnert mich irgendwie an einstige Sachen von Roxette („Joyride“). Sass Jordan, Texas, Eve Selis, Robin Beck, Chrissie Hynde oder Sari Schorr sind weitere Namen die mir beim Durchlaufen der Lieder in den Sinn kommen.

Als Highlights entpuppen sich dann auch die beiden o. a. Stücke mit ‚Jamison-Beteiligung‘, das eingängige balladeske Titelstück „Never“ und besonders die Schlussphase mit den letzten vier Tracks, in der der das Countryfeeling omnipräsenter wird.

Was mir nicht so gefällt, ist die sehr gesangslastige und auch etwas, wie am PC, zusammengestellt wirkende Produktion. Bei Songs wie „I Told You“ oder „Matter Of Passion“ hört sich McMirrors Stimme zudem ein wenig ‚leiernd‘ an.

Trotzdem ist „Never“ eine Platte, die sich insgesamt sehen lassen kann und einen lang gehegten Wunsch der Künstlerin, und zwar Dinge, die man sich erträumt, nicht aufzuschieben, sondern in die Tat umzusetzen, authentisch reflektiert.

Band Line-up:
Fred Zahl: all instruments
Ally McMirror: voice

Starhouse Records (2018)
Stil: Melodic Rock / Country Rock

Tracklist:
01. Hellride
02. She Shines
03. Never
04. I Told You
05. Anyway
06. What If
07. Matter Of Passion
08. Prayer
09. Red Rabbit
10. Long Time
11. Quiet

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FM – Atomic Generation – CD-Review

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Ich muss ja unumwunden zugeben, dass ich auch so etwas wie ein ‚Warmduscher-Gen‘ in mir trage. Nicht nur der Tatsache wegen, dass ich jeden Morgen vor dem Weg zur Arbeit warm dusche, sondern, dass ich, was das Thema Musik betrifft, auch immer ein gewisses Faible für Sachen aus dem Melodic Rock-Bereich habe, der vielen Hörern oft zu seicht daher kommt.

In den Magazinen, die ich vor Sounds Of South mitgegründet und -gestaltet habe, gab es immer sehr viele schöne Scheiben aus dem Hause Frontiers Records, die ich leidenschaftlich gerne besprochen hatte und heute überwiegend, aufgrund der anderen Gegebenheiten dieser Seite, leider aufgegeben habe.

Aber in gewissen Fällen, machen wir hier ja auch mal Ausnahmen, und da FM schon immer eine meiner großen Favoriten-Bands des Genres war und jetzt mit einem brandneuen Album „Atomic Generation“, ihrem bereits elften Longplayer, am Start ist, möchte ich nun einfach ein paar Zeilen loswerden.

Filigran spielen und wunderbar ins Ohr gehende Melodien und Songs kreieren, können die Interpreten der Sparte ja wie Sand am Meer, bei FM fällt die Sache aber natürlich mit ihrem umtriebigen Fronter Steve Overland, der für mich einen der herausragenden Sänger der zeitgenössischen Rockmusik abgibt.

Das schöne an diesem Mann ist, dass seine Gesangskünste, zum Polarisieren geradezu einladen. Man mag ihn oder eben nicht, dazwischen geht so gut wie gar nix. Kein anderer Fronter kann meiner Ansicht nach, mit seiner einerseits weinerlichen Stimme, so gut ‚weich spülen‘, um dann aber im anderen Moment wieder auf eine Rockröhre vom Niveau eines Paul Rodgers umzuschwenken.

FM (ansonsten noch dabei standesgemäß Pete Jupp, Merv Goldsworthy, Jem Davis und Jim Kirkpatrick) werden 2018 wieder fleißig auf Festivals unterwegs sein, wie unter anderem dem MelodicRock Fest 5 in Chicago, IL (ihr USA-Debüt),  dem diesen verwandten MelodicRock Fest Scandinavia und natürlich auf dem Frontiers Rock Festival im April. Mir würde es allerdings noch besser gefallen, wenn sie ihr neues Album „Atomic Generation“, auch mal hier in unseren einschlägigen Locations, in eigener Sache, live vorstellen würden.

Vom rockigen, mit pathetischen ‚Ohohoh‘-Gesängen angetriebenen Opener „Black Magic“ bis zum finalen, eher ruhig und melancholisch gehaltenen „Love Is The Law“ (mit Steel- und Dobro-ähnlichen Slidetönen), beinhaltet das Werk eigentlich die gesamte Klaviatur an Stilen, die man im Genre vornehmlich kombinieren kann, wobei auf dieser CD Overlands Stimme, Hamoniegesänge, wohl-dosierte Keys und die typischen quirligen E-Gitarren-Soli von Jim Kirkpatrick meist im Vordergrund stehen.

Anspieltipps sind in einem durchgehend tollen Werk (sofern man Melodic Rock-affin ist), das nahezu hitverdächtige, Mike & The Mechanics-umwehte „Too Much Of A Good Thing“, das schön in Bad Co.-Tradition gebrachte, dreckig rockende „In It For The Money“ oder  das fast schon in Earth Wind & Fire-Sphären soulende „Playing Tricks On Me“.

Hinzukommen noch das an 38 Special, zu Max Carl-Zeiten erinnernde, dezent southern-rockige „Make The Best Of What You Got“,  das treibende „Follow Your Heart“ (tolle Synthie-/E-Solo-Kombi gegen Ende), sowie das an Robert Hart  bei Bad Company reminiszierende „Do You Love Me Enough“ oder der Orgel-/Synthie-durchzogene Stampfer „Stronger“ (starker emotionaler Gesang von Steve).

Somit ist das FM-Review zu „Atomic Generation“ beendet. Jetzt erst mal als Ausgleich zur Sitzerei und Tipperei ’nen Stündchen Joggen gehen und danach ’ne schöne Dusche! Warm natürlich…

Frontiers Records (2018)
Stil: Melodic Rock

01. Black Magic
02. Too Much Of A Good Thing
03. Killed By Love
04. In It For The Money
05. Golden Days
06. Playing Tricks On Me
07. Make The Best Of What You Got
08. Follow Your Heart
09. Do You Love Me Enough
10. Stronger
11. Love Is The Law

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Steve Lukather & Band – 26.03.2009, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Eigentlich ist es eher einem Zufall, bzw. meiner bekannten Passion für den Southern Rock zu verdanken, dass meine bessere Hälfte und ich diesem Konzertabend beiwohnten. Das klingt zunächst im Kontext mit Steve Lukather etwas merkwürdig, ich bemühe mich aber das Rätsel in den nächsten Zeilen aufzulösen.

Ich bin mir zwar relativ sicher, dass ich bereits durchaus Berührungspunkte mit Steve Lukather hatte (vermutlich aber eher unbewusst, d.h. in meiner Plattensammlung, insofern, dass dieser auf diversen Tonträgern anderer Interpreten mitgewirkt hat), aber von ihm selbst oder seiner allseits bekannten Band Toto ist in der Dausschen Sammlung Fehlanzeige zu vermelden. Der primäre Auslöser für den Besuch dieses Gigs war mein Kontakt zu Craig deFalco, Bandleader einer von mir sehr geliebten und hoch geachteten Southern Rock Band mit dem Namen Laidlaw, den ich vor geraumer Zeit mal für unser Magazin interviewt hatte. Hä, werden viele jetzt denken, spinnt oder halluziniert der Daus jetzt endgültig.

Nein, denn jetzt kommt die Auflösung: Dieser hatte mir in einem Mail-Kontakt offeriert, dass er mit Steve Lukather gut befreundet ist und aus diesem Grund als Gitarrentechniker für seine aktuelle ‚Ever Changing Times‘-Tour angeheuert wurde. Er hatte mir spontan angeboten, sich sowohl um Gästelistenplätze zu kümmern (was sich allerdings dank unserer netten Beziehung zu Underdawg-Promotion erübrigt hatte – danke an Sandra für die unkomplizierte Akkreditierung), als auch nach dem Konzert für ein kurzes Pläuschchen zur Verfügung zu stehen.

So besorgte ich mir zur Vorbereitung schnurstracks Steves aktuelles Album. Nach vier bis fünf Hördurchgängen begann der Silberling allmählich immer besser zu gefallen, so dass sich dann auch eine gewisse Vorfreude aufs Konzert einstellte, obwohl eigentlich eh klar war, dass man in einen so anerkannten Musiker vom Kaliber eines Steve Lukather normalerweise auch blindes Vertrauen investieren kann.

Ein kleinen Dämpfer gab es dann doch. Bei meiner Recherche im Vorfeld hatte ich in einem Forum gelesen, dass Lukather beim Gig auf der Burg Satzvey angeblich einen schlechten Tag erwischt haben sollte, der Funke zum Publikum wäre einfach nicht über gesprungen. An diesen Abend im verregneten Bochum (übrigens Lukathers einziges Konzert in NRW), um es vorwegzunehmen, war aus meiner Sicht zumindest nach nichts davon zu spüren. Ganz im Gegenteil. direkt beim Opener „Crooked“ / „Twist“ wurde richtig straight geradeaus und gut gelaunt gerockt, wobei Steve erste filigrane Fingerübungen an seinem Arbeitsgerät (dem von Anfang an beeindruckt wirkenden und gut mitgehendem Publikum) ablieferte.

Die nächsten rund zwanzig Minuten standen dann ganz im Zeichen des neuen Albums. Mit „Ever Changing Times“ (herrlich melodisch dargeboten), „How Many Zeros“ (mit fetter Gitarrenpassage) und „Stab In The Back“ (inkl. Wah Wah-Gitarre gegen Ende) gab es eine ordentliche Dosis, die nur zwischenzeitlich vom ebenfalls recht geradlinig rockenden „Live For Today“ (glänzendes Lukather-E-Solo) unterbrochen wurde. Steve merkte man an, dass er sich in der rappelvollen Zeche sichtlich wohl fühlte. Er lächelte und gab sich sogar recht redselig, nippte am vom Publikum gereichten Bier und verteilte ein Küsschen an Craig deFalco (stellte ihn auch kurz vor), der den ganzen Abend dank Lukathers munterer Gitarrenwechselei Schwerstarbeit zu verrichten hatte . Es folgte eine humorvolle Anekdote bezüglich seines Sohnes Trevor, der ja bereits auch auf musikalischen Pfaden waltet und in „Ever Changing Times“ mit involviert war.

Im weiteren Verlauf wurde dann der Fokus mehr auf ausgedehntes Jammen und Improvisieren gelegt, wobei sich Steves Begleitmannschaft nach und nach auch ausgiebig in den Vordergrund spielen durfte. Zum Piepen dabei Bassist Carlitos Del Puerto, der mit obercooler Sonnenbrille einem Zwillingsbruder von Lenny Kravitz gleich kam. Alles gipfelte dann in einem munteren Instrumentenwechsel. Lukather übernahm das Keyboard, Steve Weingart wurde zu einem (richtig guten) E-Solo verdammt, und Drummer Eric Valentine bekam bei seinem intensiven Solo sogar die Augen verbunden. Auch der zweite Gitarrist, Ricky Z., erhielt ausreichend Gelegenheit, einige E-Läufe und recht gute Harmoniegesänge einzustreuen.

Nach Zweieinviertelstunde wurde mit dem dezent karibisch anmutenden „Hero With 1000 Eyes“ (inkl. Oohooh-Mitgesang des Publikums) der Hauptset beendet. Die unweigerlich folgenden Zugaberufe wurden mit einer eigenwilligen Lukather-Interpretation des Pink Floyd-Klassikers „Shine On You Crazy Diamond“ belohnt. Mit „Road Goes On“ ließ Steve dann mit einer reinen Solo-Performance akustisch einen hervorragenden und abwechslungsreichen Abend ausklingen, der keine Wünsche offen ließ, sofern man nicht mit dem Anspruch gekommen war, zahlreiche Toto-Klassiker serviert zu bekommen.

Mir, dem genrefremden Rockfan hat das Konzert jedenfalls großen Spaß bereitet und ich bin froh einem solchen Gitarrenkünstler mal live beigewohnt zu haben. Am Ende gab es noch den verabredeten Small Talk mit Craig deFalco, der einen äußerst netten und sympathischen Eindruck hinterließ. Er besorgte mir sogar die Setliste und reichte noch einige Original-Lukather-Plektrons. Craig verriet mir, dass der neue Laidlaw-Silberling in ca. zwei Monaten fertig sein soll und auch mit Lukather-Beteiligung aufwarten kann. Also, insgesamt ein runder Abend, der mir im Gedächtnis haften bleiben wird und mit eindeutiger Besuchsempfehlung für die noch folgenden Lukather-Gigs endet.

Steve Lukather
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Frontiers Records
Zeche Bochum
Underdawg-Promotion

Jim Peterik – Above The Storm – CD-Review

Jim Peterik ist ohne Zweifel das, was man im Musikbusiness als eine echte Persönlichkeit bezeichnen kann, egal ob man sie mag oder nicht. Der erste Gedanke ist immer noch der berühmte Song „Eye Of The Tiger“, der unzertrennbar mit der Band Survivor assoziiert wird, für die Jim Keyboards spielte und deren geistiger Leader er war.

Wie ich bereits in meinem Review der ersten Scheibe von Pride Of Lions erwähnte, hat Peterik auch starken Einfluss auf die Southern-Rock-Szene gehabt – zum Leidwesen der meisten Hardliner – half aber Bands wie 38 Special, Lynyrd Skynyrd oder der Henry Paul Band kommerzielle Erfolge zu landen. Seine letzten Projekte World Stage und Pride Of Lions waren für mich eher ein Grund, sich von seinem musikalischen Input abzuwenden.

Trotzdem hat mich, den Southern-Rock-Liebhaber, bei der Ankündigung seines neuen Solo-Projektes „Above The Storm“ die Involvierung der Van Zant-Brüder doch wieder weichgekocht. Der furiose Auftakt mit den zwei exzellenten Stücken „Live Life“ und „Burning With A Reason“ kommt mir bald schon vor wie eine persönliche Entschuldigung an meine Adresse für die bei Pride Of Lions ertragenen Leiden. Zwei wirklich hervorragende Rocker mit herrlichen Gitarren und richtig Bums wissen absolut zu begeistern. Leider sind auf dem Promo-Exemplar keine Co-Songwriter benannt, aber hier düfte gerade Donnie Van Zant seine Spuren hinterlassen haben, die Songs hätten auch auf einem 38 Special-Album eine gute Figur abgegeben. Gerade beim zweitgenannten Stück ähnelt Peteriks Gesang sehr stark dem Mittleren des berühmten Bruder-Trios. Puh, wenn das so weitergeht, müsste die Scheibe ein Highlight des Jahres 2006 werden.

So stark wie der Anfang, genauso stark dann aber bei den nächsten zwei Stücken der Schwenk wieder in Richtung seines Pride Of Lions-Projektes. Erneut diese schmalzigen, Musical-kompatiblen-Songs, wenn auch instrumentell und durch die hervorragende Background-Sängerin Lisa McClowry perfekt in Szene gesetzt. Meine Gehörgange sind für derartige Schmachtfetzen einfach nicht ausgelegt. Überhaupt, Musicals sind generell ein Grauen für mich, selbst der Besuch unter Androhung von Waffengewalt hätte wahrscheinlich nur die Entscheidung zum Märtyrertod zur Folge. Diese Songs passen mit Ihrer übertriebenen Emotionalität durchaus in diese Schiene. Es sind leider auch nicht die letzten des Werkes…

Kommen wir lieber zu den weiteren guten Nummern. „At This Time Of Night“ mit kratzig-funkigen Gitarrenriffs und klasse Zusammenwirken von Piano, Organ, knackige Drums, toller Gesang von Jim; „Secrets Of A Woman“ erscheint dank der fetten Performance der Horn-Section, den temperamentvollen weiblichen Backs und dem starken E-Solo wie eine Mischung aus Molly Hatchets „Lady Luck“ und 38 Specials „Wild-Eyed Southern Boys“, eine super temperamentvolle Nummer; „Hiding For Yourself“ fand ja schon den Weg auf das letzte 38 Special-Album, ebenfalls auch von Peterik gut interpretiert; und dann kommt sie doch noch, die erste Ballade, die ich aus Jims Feder so richtig gut finde, „Midnight In My Soul“, die ohne den typischen Bombast auskommt, und von den starken E-Gitarrenfills und den Harmonies von Lisa McClowery pure Rock-Atmosphäre eingehaucht bekommt.

So lautet das Gesamtfazit. Sechs wirklich klasse Nummern, stehen sechs aus o.a. Gründen nervigen Songs gegenüber, das Lied „Stand And Be Counted“ (ginge noch so gerade mit viel Wohlwollen als Don-Barnes-Stück auf einem der letzten 38 Special-Albums durch) steht genau in der Mitte der insgesamt 13 Nummern. Instrumental ist natürlich alles perfekt eingespielt, Peteriks Gesang ist nichts, was einen vom Hocker haut, aber auch nicht unangenehm, die Anordnung der Stücke lässt einen ein Wechselbad der Gefühle durchleben.

Jim Peterik hat, und das kann man ihm sicher auch nicht übel nehmen, versucht, es möglichst vielen seiner Fans recht zu machen, für mich allerdings wäre Weniger hier Mehr gewesen. So kann man hier eher von ein paar Wetterkapriolen sprechen, aber ein echter Melodic-Rock-Sturm sieht aus meiner Sicht anders aus. Zum Glück gibt es ja, zumindest für die wirklich gelungenen Stücke, die Programmiertaste am CD-Player.

Frontiers Records (2006)
Stil: Rock

01. Live Life
02. Burning With A Reason
03. Above The Storm
04. In The Days We Have
05. Stand And Be Counted
06. At This Time Of Night
07. A Kiss To Remember You By
08. The God In You
09. Secrets Of A Woman
10. A Talent For Loving You
11. Hiding From Yourself
12. Midnight In My Soul
13. We Believe

Jim Peterik
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Frontiers Records