Marc Broussard – S.O.S. 4: Blues For Your Soul – CD-Review

Es soult ganz schön im Blues in diesen Tagen. Nachdem das Jungtalent Connor Selby in unserem Magazin mit seinem souldurchtränkten Bluesalbum vorgelegt hat, wird heute, am gleichen Tag, auch das neue Werk von Marc Broussard, „S.O.S. 4: Blues For Your Soul“, veröffentlicht, und wer wäre für solch eine Art von Musik nicht mehr prädestiniert als der aus Louisiana stammende Singer-Songwriter mit seiner grandiosen Stimme?

Das ungewöhnliche an meiner Beziehung zu Broussard ist, dass sie eigentlich durch ein Melodic Rock-Ding ausgelöst wurde. Im Rahmen eines Interviews mit dem The Ladder-Gitarristen Gerhard Pichler lernte ich einen Bekannten von ihm kennen, der mir damals Broussards Frühwerke (wie u. a. „Carenco“ oder „Keep Coming Back“) wärmstens empfiehl. Diese besorgte ich mir dann auch wenig später und war in der Tat begeistert.

Live sah ich ihn dann erstmals 2015 im Musiktheater Piano in Dortmund vor sehr spärlicher Kulisse und dann nochmals drei Jahre später im diesmal rappelvollen Pitcher in Düsseldorf. Seit er albentechnisch hier bei uns deutlich besser promotet wird, scheint auch der Bekanntheitsgrad mit zu steigen. Den nächsten Step dürfte Marc jetzt im Rahmen seiner S.OS.-Cover-Alben-Reihe (Save Our Souls) machen, die mit der Idee von ihm ins Leben gerufen wurden, Geld für die unterprivilegierte Jugend in den Staaten zu sammeln.

Hierfür konnte er nämlich diesmal keinen geringeren als Joe Bonamassa gewinnen, der für den Longplayer nicht nur sein eigenes Label zur Verfügung stellte, sondern auch auf drei Tracks ganz kräftig mit in die Saiten greift, wie u. a. beim famosen Little Milton-Klassiker „That’s What Love Will Make You Do“, der hier mit ein Highlight darstellt.

Broussard dazu: „Little Milton in Angriff zu nehmen, war eine gewaltige Aufgabe. Er hatte eine epische Stimme, die mich eingeschüchtert hat. Ich hoffe nur, ich bin ihm gerecht geworden. Ich wollte es nicht übertreiben, aber wir wollten ihm unseren Stempel aufdrücken. Ich bin so froh, dass wir das geschafft haben.“

Auch in Sachen Produktion sind Smokin Joe und sein langjähriger Kollege und Kooperationspartner Josh Smith, der hier beim deltabluesigen „Locked Up In Jail (Prison Blues)“ seine E-Gitarre herrlich grummeln lässt, mit involviert. Mit JJ Grey bei “ Asked for Water“ und Eric Krasno bei „I Like To Live the Love“ standen weitere, in diesem Magazin bekannte Größen parat, die für zusätzlichen Glanz im Retro-umwobenen Soul-Blues-Konglomerat sorgen.

Aus dem Rahmen fällt ein wenig das recht aggressiv und psychedelisch performte Son House-Stück „Empire State Express“, bei dem man bei entsprechender Lautstärke doch schon gute Nerven und Durchhaltevermögen mitbringen muss.

Am Ende ist dann mit den beiden relaxten Nummern „Driving Wheel“ und „When Will I Let Her Go“ nochmals Bonamassa-Time. Wenn man ganz fies sein möchte, könnte man unterstellen, dass der stimmlich ja nicht unbedingt eine Übergröße abgebende, aber immer nach Perfektion strebende Blues Rock-Gigant (obwohl er sich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht ja deutlich verbessert hat) auf diesem Werk mal die Gelegenheit genutzt hat, zu prüfen, wie sich seine Musik mit einem phänomenalen Sänger wie Marc Broussard anhört…

Aber das ist natürlich völliger Quatsch. Hier geht es wirklich eindeutig um die gute Sache und dieser werden Broussard, Bonamassa & Co. absolut gerecht. Ein regelrechtes Freudenfest für Blues- und Soul-Freunde der guten alten Retroschule, von absoluten Klasseleuten und einem begnadeten Sänger perfekt in die heutige Zeit transformiert. Somit steht jetzt schon fest, dass für diese an „S.O.S. 4: Blues For Your Soul“ von Marc Broussard kein Weg vorbei führen wird.

Überaus erfreulich ist auch, dass Marc in diesem Jahr im September wieder in unseren Sphären live zu sehen sein wird, u. a. auch wieder im Musiktheater Piano in Dortmund (siehe dazu auch unsere Konzerttipps).

Ktba Records (Rough Trade) (2023)
Stil: Soul Blues Rock

Tracks:
01. I’ve Got To Use My Imagination
02. I’d Rather Drink Muddy Water
03. That’s What Love Will Make You Do (feat. Joe Bonamassa)
04. Cuttin‘ In (feat. Roddie Romero)
05. Dreamer
06. Empire State Express
07. Love The Time Is Now (feat. Bobby Junior)
08. I Asked For Water (feat. JJ Grey)
09. I Like To Live The Love (feat. Eric Krasno)
10. Locked Up in Jail (Prison Blues) (feat. Josh Smith)
11. Driving Wheel (feat. Joe Bonamassa)
12. When Will I Let Her Go (feat. Joe Bonamassa)

Marc Broussard
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Another Dimension

Drayton Farley – Twenty On High – CD-Review

Review: Michael Segets

„Twenty On High“ hat seine Gänsehautmomente. Die sind vor allem Farleys Gesang geschuldet, der an manchen Stellen brüchig oder verletzlich wirkt und so pures Gefühl transportiert. Drayton Farley zählt zu einer neuen Generation von Songwritern, die einen frischen Wind in die Americana-Szene bringen. Ich denke da beispielsweise an die Kollegen Ian Noe, Arlo McKinley oder Vincent Neil Emerson. Farley tourte bereits mit Nikki Lane und promotet sein neues Album unter anderem mit Wiskey Myers, Lukas Nelson & Promise Of The Real sowie 49 Winchester.

Farleys vierter Longplayer mit zehn Eigenkompositionen erscheint auf seinem eigenen Label Hargrove Records. Als Produzenten konnte er Sadler Vaden (Jason Isbell And The 400 Unit) und für die Tontechnik Matt Ross-Spang (Lucero) gewinnen. „Twenty On High“ ist Farleys erstes Album, das er mit kompletter Bandbesetzung einspielte. Die Band gibt meinem Favoriten und zugleich der ersten Auskopplung „Norfolk Blues“ dann auch einen kräftigen Drive mit.

Die anderen Stücke sind ruhiger und lassen den Melodien Raum. Der Titeltrack oder auch der Opener „Stop The Cloud“ sind eingängige und stimmungsvolle Songs im Midtempo. „Above My Head“ wirkt zunächst etwas zahm, hat aber im hinteren Teil seine dynamischen Momente. Eine besondere Intensität entwickeln „Wasted Youth“ durch das Slide-Gitarrenspiel sowie „How To Feel Again“, das zwischen semi-akustischen und opulent arrangierten Parts wechselt. Die Ausflüge, die Farley in Richtung Country mit „Something Wrong (Inside My Head)“ und mit „Devil’s In NOLA“ unternimmt, bewegen sich in bekannten Bahnen und nehmen mich nicht so mit.

Bei den beiden Balladen am Ende des Albums scheint dann aber wieder seine Klasse als Songwriter auf. Katie Crutchfield (Waxahatchee) unterstützt Farley gesanglich auf „The Alabama Moon“. Hier sorgen Klavier und Geige für eine atmosphärische Untermalung. Beim abschließenden „All My Yesterdays Have Passed“ konzentriert sich die Begleitung auf die akustische Gitarre. Die Musik soll nach Farleys Vorstellung den Texten dienen. Über diese gibt er seiner Gefühls- und Gedankenwelt Ausdruck. Die persönlichen Einblicke, die er gewährt, wirken authentisch und sind manchmal mit einer Prise humorvoller Distanz gewürzt.

Drayton Farley hofft, dass ihm mit „Twenty On High” der Durchbruch gelingt. Es wäre ihm zu wünschen. Als Sänger mit eindringlicher Stimme und als Songwriter, der etwas zu erzählen hat, liefert er eine beachtenswerte Scheibe ab, die einige großartige Momente bereithält.

Hargrove Records – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Stop The Cloud
02. Norfolk Blues
03. Wasted Youth
04. Above My Head
05. Twenty On High
06. Something Wrong (Inside My Head)
07. Devil’s In NOLA
08. How To Feel Again
09. The Alabama Moon
10. All My Yesterdays Have Passed

Drayton Farley
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Eamonn McCormack – Same – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Nach dem hoch gelobten Album „Storyteller“ legt McCormack mit seinem selbstbetitelten Album nach. Dabei bleibt der begnadete Gitarrist sich in den Aussagen seiner Texte treu und erzählt Geschichten, die eine tiefe Bedeutung für ihn haben. Begleitet wird er auf dem Album von seiner langjährigen Begleitband mit den beiden jungen deutschen Musikern, Edgar Karg am Bass und Max Jung Poppe an den Drums.

Die Scheibe beginnt mit dem gefühlvollen langsamen melancholischen Blues-Song „Living Hell“, in dem McCormack beschreibt, was Drogen anrichten können. Gerade in den ruhigen Stücken zeigt sich die spielerische Stärke, wie das Trio passend zur Thematik der Titel die Instrumente einsetzt. Neben den ruhigen Nummern kann McCormack aber auch anders. Genannt sei da insbesondere die Hommage an Lemmy von Motörhead. Im stampfenden „Hats Off To Lemmy“ gelingt es ihm, den Stil von Motörhead in Richtung Blues zu transferieren.

So begleitet McCormack sein Gefühlsleben und Erlebtes instrumental hinterlegt, sodass nicht nur ein musikalisch starkes Bluesalbum entstanden ist, sondern es sich auch lohnt, in die Texte hinein zu hören. Auch auf dem nach sich selbst betitelten Album ist er ein Storyteller, der zum Nachdenken anregen kann.

Musikalisch offeriert das Trio, dass es den Blues im Blut hat. McCormack lässt seine Gitarre mal gefühlvoll singen, um schon kurz danach knallharte Soli oder Riffs einzustreuen. Dabei kann er sich voll auf seine beiden Begleiter verlassen, die McCormack alle Möglichkeiten geben, seine Spielkunst zu zeigen.

Blues-Fans, insbesondere, die den eher rockigen Stil eines Rory Gallagher lieben, kann dieses Album seines Landmanns wärmstens empfohlen werden. Zudem sollte in den Programmen der Musikclubs nachgeschaut werden, wann McCormack dort wieder auftritt, auch um sein aktuelles Werk zu präsentieren. Denn er ist mit seiner Band nicht nur ein guter Studiomusiker, sondern auch immer ein absoluter Live-Garant!

Band:
Eamonn McCormack: Gitarren, Mundharmonika, Gesang
Edgar Karg: Bass
Max Jung-Poppe: Schlagzeug und Percussion

SAOL Records (2023)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Living Hell
02. Hats Off To Lemmy
03. Rock`n`Roll Boogie Shoes
04. Lady Lindy
05. Living In The Now
06. Letter To My Son
07. Geronimo
08. Angel Of Love
09. Social Media Blues
10. The Magic Of Slieve Language

Eamonn McCormack
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Robert Jon & The Wreck – 26.02.2023, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Zum Abschluss der Wintertour spielen Robert Jon & The Wreck in der Harmonie mit Meghan Parnell und Dave Barnes von Bywater Call als Support ein begeisterndes Konzert. Schon beim zweiten Song „Do You Remenber“ entwickelt sich eine Stimmung, zu der Stammkunden der Harmonie sagten, dass sie so etwas hier selten erlebt haben. Im Vergleich zum Tour-Auftakt spielt die Band in der sehr gut besuchten Harmonie ein leicht verändertes Set und es gelingt den Kaliforniern noch einmal spielerisch einen drauf zu setzen.

Regelrecht angetrieben vom Publikum legen die fünf Musiker mit „Ride Into The Light“, dem krachenden „Waiting For Your Man“, dem groovenden „High Time“ direkt nach, um beim Westcoast-Song „Who Can You Love“, der durch Harmoniegesänge und Gitarrenpassagen leicht an die legendären Eagles erinnert, etwas ruhiger wird und die Ballade „Gold“ zum Träumen einlädt.

Danach kommen Momente, die das Konzert unvergesslich und auch einzigartig machen. Meghan Parnell kommt mit auf die Bühne und unterstützt den bestens gelaunten Robert Jon Burrison bei „Oh Miss Carolina“ mit starken Backgroundgesang. Bei „Shine a Light On Me Brother“ stößt dann auch noch Dave Barnes als zusätzlicher Gitarrist hinzu, der mit Henry James feine Soli beisteuert.

Ein besonderes Highlight ist dann das Cover des The Band-Klassikers „The Weight“. Dabei teilen sich Robert Jon, Meghan Parnell und Henry James in den Strophen den Sologesang und letztgenannter zeigt, dass er nicht nur ein exzellenter Gitarrist ist, sondern auch über eine gute Stimme verfügt, was man auch beim Background Gesang in den meisten Songs bemerkt. Stark auch die instrumentalen Solopassagen von Henry James und Dave Barnes, der auch ein Meister des Slidens ist sowie Jake Abernathie an den Keyboards.

Zum Abschluss folgt dann der Southern-Feger „Cold Night“. Sunnyboy Warren Murrel am Bass und Andrew Espantman, der mit einem ständigen Lächeln die Drums beackert, legen eine fette Soundgrundlage, in die dann insbesondere Henry James und Dave Barnes sich regelrechte Gitarrenduelle liefern., die zu mehrfachen Szenenapplaus führen, in die zuweilen auch noch Robert Jon einsteigt, dass der Begriff Guitar Armee wieder zum Leben erweckt wird. Wer denkt, dass nach diesem Rausschmeißer nichts mehr geht, wird schnell eines Besseren belehrt.

Nach lautstarken Zugabe Forderungen kommen die fünf Burschen von Robert Jon & The Wreck noch einmal auf die Bühne, um sich mit dem zweiteiligen „Last Light On The Highway“, dass sich vielleicht zu einer Hymne der Band entwickeln kann, musikalisch vom Bonner Publikum zu verabschieden.

Schon wenige Minuten nach der Show standen alle beteiligten Musiker den Fans für Andenkenfotos und Smalltalk parat. Man darf gespannt sein, was Robert Jon & The Wreck im Sommer bei einigen Festivals und im Herbst bei einer ausgedehnten Europatour auf die Beine stellen werden und ob eine nochmalige Steigerung erfolgt, was nach dem Abend schwer vorstellbar ist. Eine weitere frage ist, ob Bywater Call, dann mit kompletter Besetzung, nach der gelungenen Werbung in eigener Sache, einen ähnlichen Weg geht wie RJTW.

Ein besonderer Dank an Manny Montana (Mr. Teenage Head Music) und die Harmonie für die Akkreditierung für dieses Highlights.

Text und Bilder: Gernot Mangold

Line-up Robert Jon & The Wreck:
Robert Jon Burrison – lead vocals, guitar
Hanry James – guitar, vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, vocals
Jake Abernathie – keyboards

Line-up Support:
Meghan Parnell – vocals
Dave Barnes – guitars

Robert Jon And The Wreck
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Bywater Call
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Teenage Head Music
Harmonie, Bonn

Connor Selby – Connor Selby – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Connor Selby war mir bis dato völlig unbekannt und ich musste zunächst einmal ein wenig googeln, um etwas über ihn herauszufinden. Also, der Brite ist nicht mit dem viel zu früh verstorbenen Blueser Mark Selby verwandt, wie man eventuell vermuten könnte. Dennoch entpuppt er sich auf der CD als melancholischer Bluesbarde, der in seinem jungen Alter bereits mit einer beeindruckenden Vita aufwarten kann.

Multinational in Essex, Connecticut und Dubai aufgewachsen, wurde er als Teenager von Musikern wie Eric Clapton, Ray Charles, Bill Withers oder Sam Cooke geprägt, entdeckte aber auch seine Liebe zur amerikanischen Rootsmusik und stand 2019 als Twen bereits als Opener für The Who im Wembley Stadium auf der Bühne, gefolgt von Auftritten mit Pearl Jam, den Stereophonics und anderen. Nun hat er sein Erstlingswerk „Connor Selby“ aus dem Jahr 2021, diesmal mit vier zusätzlichen Bonustracks, warum auch immer erneut veröffentlicht.

Vielleicht liegt es an der Auswahl der dem „Sounds Of South“-Magazin für ein Review zur Verfügung gestellten CDs, dass bei dem Rezensenten der Eindruck entstanden ist, viele Bluesmusiker würden zur Zeit ihre Songs sehr soulig und in Bläserarrangements eingehüllt präsentieren. Da macht auch Connor Selbys Wiederveröffentlichung keine Ausnahme. Auch er springt, zumindest teilweise, musikalisch auf diesen „Retrozug“ auf. Was handwerklich und musikalisch auch ziemlich gut gemacht ist. Da gibt es nichts zu kritisieren, aber es bleibt das Gefühl alles irgendwie schon einmal gehört zu haben.

Stilistisch bewegen sich die Tracks zwischen Slow- und Midtempoblues („I Can‘t Let You Go“, „If You’re Gonna Leave Me“, „The Man I Ought To Be“, „Anyhow“, „Starting Again“ und „Love Letter To The Blues“), Singer-Songwriter („Hear My Prayer“, „Waiting On The Day“) und etwas flotteren Nummern („Falling In Love Again“, „Show Me A Sign“, „My Baby Don‘t Dig Me“), allesamt auf eingängigen Melodien basierend und den Gehörgängen schmeichelnd. Mir persönlich hat am besten der Bonustrack „I Shouldn‘t Care“, ein klassischer Chicagoblues, gefallen.

Selbys Songs ziehen Dich nicht unweigerlich auf die Tanzfläche, sind aber für entspannte Abende bestens geeignet oder um sie bei einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden im Hintergrund laufen zu lassen. Sie sind zeitlos melancholisch und irgendwie auch elegant. Und bei genauerem Hinhören entdeckt man bei einigen Stücken sogar dezente Southernanleihen a la Allman Brothers oder Lee Roy Parnell. Als noch junger Bluesmusiker hat Connor Selby sicherlich noch viel Potential, wenn es ihm gelingt, seine Songs mit einem höheren Wiedererkennungswert auszustatten. Ab dem 3. März ist die Scheibe im Handel.

Provogue Records / Mascot Label Group (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. I Can’t Let You Go
02. Falling In Love Again
03. If You’re Gonna Leave Me
04. Emily härter Rhythmus
05. The Man I Ought To Be
06. Hear My Prayer
07. Show Me A Sign
08. Anyhow
09. Waitin’ On The Day
10. Starting Again
11. I Shouldn’t Care (Bonus Track) chicagoblues
12. Love Letter To The Blues (Bonus Track)
13. My Baby Don’t Dig Me (Bonus Track)
14. The Deep End (Bonus Track)

Connor Selby
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Various Artists – Stoned Cold Country. A 60th Anniversary Tribute Album to The Rolling Stones – CD-Review

Review: Michael Segets

2022 jährte sich die Gründung der Rolling Stones zum sechzigsten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums findet sich auf „Stoned Cold Country“ das Who-Is-Who des Country ein, um sich vor der legendären Band zu verneigen. Viele Songs der Stones sind in das kulturelle Bewusstsein eingegangen und gehören zur Sozialisation dazu, egal welche Musikrichtung man favorisiert.

Die Stones prägten nicht ausschließlich den Rock, sondern strahlten mit ihrem Werk in weitere Bereiche der populären Musik aus. Produzent Robert Deaton verfolgte daher die Idee, eine Hommage aus Sicht des Country auf die Beine zu stellen. Dafür versammelte er gestandene und aufstrebende Musikerinnen und Musiker der Szene, die nun mit ihren eigenen Versionen von Stones-Klassikern auf „Stoned Cold Country“ vertreten sind.

Vielleicht überrascht es auf den ersten Blick, dass bei einem Tribute zum Sechzigsten nicht die gesamte Schaffenszeit bei der Songauswahl berücksichtigt wurde. Die neu interpretierten Titel decken lediglich eine Periode von eineinhalb Dekaden ab. Stimmig gewählt ist der Opener des Samplers „(I Can’t Get No) Satisfaction“ – performt von Ashley McBryde – als erster Nummer-1-Hit der Stones in den USA, dem Heimatland des Country. Der Track aus dem Jahr 1965 stellt zugleich das älteste Stück dar, das für den Longplayer ausgewählt wurde. „Miss You“ (1978) ist das jüngste, das von Jimmy Allen gesungen wird.

Das Konzept des Jubiläumsalbums erhebt also nicht den Anspruch einer repräsentativen Werkschau der Stones durch die Brille des Country, sondern verfolgt die Idee, dass die jeweiligen Musiker die Titel aussuchen, die für sie besondere Bedeutung besitzen. Dass dabei überwiegend die Wahl auf die Klassiker der Rolling Stones fiel, verwundert dann schließlich doch nicht. Zugleich wird deutlich, dass die Band vor allem in den sechziger und siebziger Jahren Maßstäbe setzte, die bis heute nachwirken. Ihre Songs dieser Zeit üben einen weitaus größeren Einfluss auf nachfolgende Musikergenerationen aus als die späteren Werke. Besonderen Nachhall findet „Sticky Fingers“ (1971) auf dem Tibute. Marcus King wählt von der Scheibe die aufgekratzte Nummer „Can`t You Hear Me Knocking“, Maren Morris und Little Big Town die Balladen „Dead Flowers“ beziehungsweise „Wild Horses“.

Die Versionen auf der Compilation orientieren sich deutlich an den Originalen, die stets sofort wiederzuerkennen sind. Es wird nicht krampfhaft versucht, die Songs völlig neu zu erfinden. Stattdessen covern die Musiker die Klassiker mit ihren Mitteln und in ihrem Stil. Insgesamt hört man natürlich mehr Slide, Geige oder Mandoline, sodass die Song vom Classic Rock in den Roots Rock übertragen werden.

Newcomer Elvie Shane liefert eine beeindruckende Version von „Sympathy For The Devil“ ab. Weiterhin finden sich eine Handvoll Musiker, die noch nicht in der Interpretenskala von SoS auftauchen. Zu diesen gehört auch Koe Wetzel, der mit „Shine A Light“ das Album beschließt. Zu den weniger bekannten Interpreten zählt The War And Treaty, die zusammen mit den Brothers Osborne die erste Single „It’s Only Rock ’N‘ Roll (But I Like It)“ bestreiten. Vielleicht überrascht die Beteiligung von Elle King („Tumbling Dice“). Ihre ersten Single-Erfolge sind ja nicht unbedingt dem Country zuzuordnen, allerdings zeigt sie mit ihrem aktuellen Longplayer „Come Get Your Wife“ eine beachtenswerte Wendung zum New Country.

Eher zu erwarten war die Mitwirkung von Steve Earle („Angie“). Earle mischt ja gerne bei Tribute-Alben mit, beispielsweise bei denen für Billy Joe Shaver oder Neal Casal. Dabei sind seine Beiträge stets hörenswert. Darüber hinaus finden sich weitere alte Bekannte wie Brooks & Dunn („Honky Tonk Women“) und Eric Church („Gimme Shelter“) für die Zusammenstellung ein.

Da die Qualität der musikalischen Interpretationen durchweg hoch ist, erscheint es unangemessen, einzelne besonders hervorzuheben. Dennoch sei auf die Titel der Zac Brown Band und von Lainey Wilson hingewiesen. Die Version von „Paint It Black“ der Zac Brown Band übertrifft in meinen Ohren das Original. Lainey Wilson gewinnt „You Can’t Always Get What You Want“ eine neue, wunderbar ausgewogene Facette ab.

Eine beachtliche Riege von Country-Musikerinnen und -Musikern nimmt sich den Hits der Rolling Stones aus den sechziger und siebziger Jahren an. Solche Klassiker zu interpretieren, stellt eine Herausforderung dar, die sämtliche Beiträge meistern. Den Musikern gelingen eigenständige Versionen, bei denen der Respekt vor dem Original mitschwingt. Mit genretypischer Instrumentalisierung und erdigem Sound entsteht so eine Hommage, die die Stones-Songs in den Roots Rock transformiert.

Erstklassige Songs und erstklassige Musikerinnen und Musiker – was soll da auf „Stoned Cold Country“ schon schiefgehen? Die Interpreten aus der Country-Szene beweisen, dass sie rocken können. So bleibt das Tribute-Album vielleicht nicht nur eine Retroperspektive und Verneigung vor den Rolling Stones, sondern gibt ihnen einen Impuls, auch zukünftig die Verbindung von Rock und Country zu suchen.

New West Records – Redeye/Bertus (2023)
Stil: New Country / Roots Rock 

Tracks:
01. (I Can’t Get No) Satisfaction – Ashley McBryde
02. Honky Tonk Women – Brooks & Dunn
03. Dead Flowers – Maren Morris
04. It’s Only Rock ’N’ Roll (But I Like It) – Brothers Osborne & The War And Treaty
05. Miss You – Jimmy Allen
06. Tumbling Dice – Elle King
07. Can’t You Hear Me Knocking – Marcus King
08. Wild Horses – Little Big Town
09. Paint It Black – Zac Brown Band
10. You Can’t Get Always What You Want – Lainey Wilson
11. Sympathy For The Devil – Elvie Shane
12. Angie – Steve Earle
13. Gimme Shelter – Eric Church
14. Shine A Light – Koe Wetzel

New West Records
Redeye Worldwide
New West Records
Bertus
Oktober Promotion

Tas Cru – Riffin’ The Blue – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Mit seinem neuesten Album „Riffin‘ The Blue“, welches am 3. März in die Läden kommt, ist Tas Cru schon wieder ein kleines Meisterwerk geglückt. Dieses Mal mit Unterstützung des Ausnahmegitarristen Mike Zito, Bruce Katz an den Keys (Ronnie Earl & The Broadcasters, Delbert McClinton, Joe Louis Walker, Greg Allman and Friends) sowie sechs weiteren hochkarätigen Studiomusikern, zu denen auch seine Stammsängerin Mary Ann Casale zählt.

„Riffin‘ The Blue“ enthält 11 Originalsongs und wurde von Tas Cru (Jahrgang 1953) selbst produziert. Sofort beim Titelsong „Riffin‘ The Blue“ darf Mike Zito in die Saiten greifen und zusammen mit Tas Cru, der an der Rhythmusgitarre das Tempo vorlegt, einen shuffelligen Blues-Rocker in Mike Zito-Manier abliefern. Mit „Brown Liquor Woman“ folgt dann eine flotte Rock‘n‘Roll-Nummer, in der Tas Cru eine Resonatorgitarre bespielt und Bruce Katz ein wildes Pianosolo beisteuert.

„Stand Up“ ist ein äußerst rhythmischer Song, der Reggae-Elemente mit gospelig-souligen Einflüssen vermischt und im Refrain etwas an Bob Marleys Intonation in „Get Up, Stand Up“ erinnert, bevor mit „One More Time“ ein gefühlvoller Slowblues zu Gehör gebracht wird, der mit einem Barmusik-Pianointro beginnt, welches sich durch den gesamten Song zieht und durch Tas‘ Gitarre aufgegriffen wird. „Throw It All Away“ besticht durch eine eingängige Hookline und die Melodien von „Crazy Getting In My Way“ sowie „Heal My Misery“ sind ziemlich funky angelegt.

„House Of The Blues“ ist dann, wie sollte es anders sein bei dem Titel, ein richtig schöner Blues mit glasklaren Gitarrenlicks und Keyboarduntermalung. Beschwingt und lebensfroh geht es dann mit „Let It Happen“ und „Miss This Man“ weiter, letzterer Song ein schwungvoller Boogie mit reichlich Pianogehämmer, gemeinsam von Tas Cru und Mary Ann geschrieben. Das melancholische „Memphis Gone“ bildet schließlich den Rausschmeißer. In dem Midtempostück sind alle Musiker nochmals gemeinsam zu hören über die Rhythmusgruppe und Bruce Katz an den Keyboards, Mike Zito mit der Slidegitarre, bis hin zu den harmonischen Background-Stimmen.

Insgesamt ist Tas Crus‘ „Riffin‘ The Blue“ ein ausgezeichnetes Album. Die Mischung moderner und traditioneller Elemente inklusive Reggae-, Gospel-, Soul- und Funkschnipseln, kommt gut rüber und macht das Werk spannend und abwechslungsreich. An der Scheibe werden also nicht nur reine Bluesfans Gefallen finden, zumal sie auch handwerklich wahnsinnig gut gemacht und abgemischt ist. Eine sehr empfehlenswerte Scheibe!

Subcat Records (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. Riffin’ The Blue
02. Brown Liquor Woman
03. Stand Up!
04. One More Time
05. Throw It All Away
06. Crazy Getting In My Way
07. Heal My Misery
08. House Of The Blues
09. Let It Happen
10. Miss This Man
11. Memphis Gone Mike

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Lucero – Should’ve Learned By Now – CD-Review

Review: Michael Segets

„Back In Ohio” von „When You Found Me“ (2021) begleitet mich immer noch beständig bei Autofahrten. Ziemlich genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Albums schiebt Lucero nun das nächste nach. Erneut vertraut die Band dem Produzenten Matt Ross-Spang, der bei vielen einschlägigen Musikern seine Finger mit im Spiel hatte. Jason Isbell, Will Hoge, Margo Price, Arlo McKinley, Lori McKenna, Paul Thorn und Old Crow Medicine Show sind einige von ihnen.

Die Ursprünge der zehn neuen Songs liegen in den Sessions der letzten beiden Longplayer. Die Band verfolgte die Ansätze seinerzeit jedoch nicht weiter, da sie konzeptionell nicht auf die jeweiligen Werke passten. An der Qualität der Stücke lag es nicht, dass sie nicht den Weg auf die Scheiben fanden, denn Lucero liefern mit „Should’ve Learned By Now” wieder ein empfehlenswertes Album ab.

Lucero wollte ein Rockalbum mit weniger ernsten Themen aufnehmen. Neben rockigen Nummern sind aber auch Balladen und Midtempo-Songs vertreten. Dennoch bleibt der Grundtenor im Rock verhaftet, wovon die beiden Singles „One Last F. U.“ sowie „Buy A Little Time“ Zeugnis ablegen. Starke Gitarren mit passenden Soli von Brian Venable in Kombination mit dem Gesang von Ben Nichols, dessen manchmal nasal klingende Stimme ich mag, zeichnen die Stücke aus. Die Songs werden „Back In Ohio“ ernsthafte Konkurrenz auf meinen nächsten Playlists machen. Ihnen steht der Titeltrack „Should’ve Learned By Now” in nichts nach. Rick Steff an den Tasten setzt hier größere Akzente als in den vorher genannten Nummern. Bei dem dunkler wirkenden Song leisten Roy Berry am Schlagzeug und John C. Stubblefield am Bass ganze Arbeit und treiben ihn mit entsprechendem Rhythmus an.

Mit dem lockeren, gradlinigen „Macon If We Make It“ und dem gitarrendominierten „Nothing’s Alright” lässt die Band nichts anbrennen. Das etwas langsamer angelegte „At The Show“ entwickelt einen schönen Drive. Dort erinnern einzelne Passagen an Reckless Kelly – eine Assoziation, die mir stellenweise schon beim vorherigen Longplayer kam. Die Keys nehmen hier eine tragende Rolle ein, welche ihnen auch bei „She Leads Me“ und dem gedämpften „Raining For Weeks“ zukommt. Eine runde, stimmungsvolle Ballade liefert Lucero mit „Drunken Moon“, bevor das kurzweilige Werk mit der stringenten Country-Nummer „Time To Go Home“ dann seinen Abschluss findet.

In der Gesamtschau übertrifft „Should’ve Learned By Now” den Vorgänger. Lucero legen ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Rockalbum nach, auf dem sich viele Titel finden, die nachhallen. Die Songs können als erdig, ehrlich und gradlinig beschrieben werden. Sie vereinen damit wesentliche Attribute, die Rock ’n Roll ausmachen. Ob dieses Jahr noch eine stärkere Veröffentlichung in Sachen Roots Rock folgt, bleibt abzuwarten. Lucero haben mit „Should’ve Learned By Now” in jedem Fall ein Referenzwerk geschaffen, an dem sich andere messen lassen müssen.

Liberty & Lament – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. One Last F. U.
02. Macon If We Make It
03. She Leads Me
04. At The Show
05. Nothing’s Alright
06. Raining For Weeks
07. Buy A Little Time
08. Should’ve Learned By Now
09. Drunken Moon
10. Time To Go Home

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Elle King – Come Get Your Wife – CD-Review

Kommen wir mal wieder zu den bisherigen musikalischen Versäumnissen in meinem Leben. Die in Ohio aufgewachsene Elle King, Tochter von Comedian Rob Schneider und des ehemaligen Modells London King, ist wieder so ein Fall. Sie ist seit 2015 im Business unterwegs und har bereits zwei Alben veröffentlicht, die unbemerkt an mir vorüber gegangen sind.

Ich bin auf ihren Namen erstmals bewusst im Rahmen des bald erscheinenden Stones-New Country-Samplers (kein April-Scherz!) gestoßen, der uns bereits zur Besprechung vorliegt (der geschätzte Kollege Segets wird hier demnächst seine Eindrücke dazu schildern), wo sie eine sehr gelungene Version von „Tumbling Dice“ mit beisteuert.

Daraufhin habe ich mir noch ihr gerade, seit kurzem auf dem Markt befindliches Album „Come Get Your Wife“ mit freundlicher Unterstützung von Sony Music zur Besprechung besorgt. Und es hat sich zweifellos gelohnt. Schon mit den ersten lässigen Banjo-Introtönen des hier insgesamt auch überragend agierenden Todd Lombardo und ihrer grandiosen Stimme, die man zunächst eher im Indie-Pop verorten würde, bahnt sich beim Opener „Ohio“ ein ganz besonderes Gebräu an, das auch im weiteren Verlauf durchgehend zu begeistern weiß.

Elle hat neben einigen klug ausgesuchten Fremdkompositionen den überwiegenden Teil der Tracks mit einigen Co-Writern selbst komponiert, dazu hat sie, abgesehen von einem Lied, auch die Produktion zusammen mit Star-Producer Ross Coppermann übernommen. Apropos Ross Copperman: Ich hoffe, ich tue ihm nicht unrecht, gefühlt bringe ich ihn immer mit sehr modernen Produktionen, oft mit den heute üblichen technischen Spielereien in Sachen Keyboards, Loops etc., in Verbindung, um auch eine gewisse Pop-Kompatibilität zu gewährleisten.

Keine Ahnung, ob Elle direkt ein Veto eingelegt hat, aber hier wurde eine knackige, organische (New) Countryplatte mit vielen Facetten erschaffen, die mit allen klassischen Countryinstrumenten von den bekannten Nashville-Studio-Könnern eingespielt wurde, trotzdem aber auch ungemein modern und kräftig wirkt.

Für das eher kommerzielle Moment gibt es mit Miranda Lambert („Drunk (And I Don’t Wanna Go Home„) und Dierks Bentley (beim launigen Barsong „Worth a Shot„) zwei prominente Duett-Partner, die dann auch als Singles vorab erschienen sind. Ziemlich melodisch geht es in der ersten Hälfte auch noch beim grandiosen, mit herrlichem Gospelflair umgarnten Southern Christian Rock-Song „Try Jesus“ (könnte auch von Third Day sein) und dem flockigen „Lucky“ zu, hier sei aber auch noch das rotzig-frech gesungene, slide-trächtige Southern-Redneck-Country-Stück „Before You Meet Me“ zu erwähnen.

Mit „Tulsa“ wendet sich das Blatt zu deutlich traditioneller konzipierten Klängen, wobei immer wieder das Banjo oder auch Steel (Dan Dugmore) involviert sind. „Crawlin‘ Mood“ sowie das textlich zwiespältige „Bonafide“ schlagen in die gleiche Kerbe – traditionell, aber absolut knackig und ohne Staub von gestern.

Das treibende „Blacked Out“ (mit klasse E-Solo) wird sicherlich die Southern-Freunde begeistern und das folgende „Out Younder“ überzeugt mit seinem coolen Country Rock-Groove. Und wie es dann auf einer durch und durch begeisternden Scheibe eben so ist, gibt es am Ende mit „Love Go By“ noch eine gospelige Killer-Country-Soul-Nummer, die mich entfernt an „Wrecking Ball“ von Eric Church erinnert.

Wenn Rob McNelly am Anfang nur in die E-Saiten greift und sich Elle zunächst mit ihrer eigenwilligen Stimme darüberlegt, ist Gänsehaut garantiert. Sobald dann  auch noch die restlichen Instrumente und die Gospel-Harmoniegesänge einsetzen, ist man zum Ausklang vollends geflasht. Ein Hammersong!

Mein Tipp zu Elle Kings „Come Get Your Wife“ kann von daher nur ohne jedes ‚Wenn und Aber‘ lauten: „Kommt Leute, schnappt euch dieses megastarke Album!“

RCA Nashville / Sony (2023)
Stil: New Country

01. Ohio
02. Before You Meet Me
03. Try Jesus
04. Drunk (And I Don’t Wanna Go Home) feat. Miranda Lambert
05. Lucky
06. Worth a Shot feat. Dierks Bentley
07. Tulsa
08. Crawlin‘ Mood
09. Bonafide
10. Blacked Out
11. Out Yonder
12. Love Go By

Elle King
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Sony Music

Savoy Brown – Blues All Around – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

“Blues All Around” heißt das neue Album der Band “Savoy Brown” und reflektiert die jahrzehntelange musikalische Lebenseinstellung und Erfahrung von Mastermind und Gitarrist Kim Simmonds. Alle Songs, wieder von Simmonds geschrieben, verbinden in ihrer energiegeladenen Ausstrahlung eine ansteckende Begeisterung mit genialer Spielkunst und setzen von Beginn an das Blues-Rock-Markenzeichen einer Studio-Live-Produktion: vorneweg mit “Black Heart” einer satten Nummer, die mit treibender Kraft die Initiative ergreift, gefolgt von “Going Down South”, angesiedelt in südstaatlichen ZZ Top-Gefilden und passenden Harmonica-Sounds, die Simmonds zu standesgemäßen E-Solo Parts serviert. Die stampfende Blues Power des “Gypsy Healer” verdient ebenso eine Top-Bewertung, wie der darauf folgende eigentliche Titel-Track in feiner Blues-Maßarbeit, eben “Blues All Around”.

Savoy Brown, die von Kim Simmonds 1965 im Alter von 18 Jahren gegründet wurden und bereits damals mit Meilenstein-Alben, wie “Blue Matter” (1969), “A Step Further” (1969) oder “Street Corner Talking” (1971) u.a. Klassiker der Blues-Rock-Szene herausbrachten, haben in stetig wechselnden Besetzungen über 40 Longplayer produziert. Kim Simmonds spielte als ständiges Mitglied seiner Band immer im Spitzenbereich internationaler Blues-Künstler und konnte so auch 2017 mit “Witchy Feelin” ein Nummer 1 Billboard-Album feiern.

Eine ähnliche Einstufung verdienen ebenfalls viele Songs auf “Blues All Around”. Der scheinbar von Stevie Ray Vaughan inspirierte Boogie “Texas Love”, der groovende Shuffle “Winning Hand”, sowie “Hurting Spell” als Best of Blues Rock bewahren ihre Simmonds typische Eigenständigkeit in der Einheit aus Songschreiber, Sänger, Gitarrist und Lebensinhalt: Blues All Around.

So ist auch das letzte Stück des Albums “Falling Through The Cracks” – vielleicht eine Hommage an John Lee Hookers zum Teil traurige Stilelemente – ein “Abschieds-Blues”. Ein musikalisch wieder in jeder Hinsicht ausdrucksstarker, aber im Text pessimistisch wirkender Simmonds: “Time I face the facts, ….it feels like I’m …falling through the cracks”. Das als Intro der Scheibe kurz angespielte Stück offenbart seine vollständige Wahrheit erst am Ende: scheitern und durch alle Raster fallen als Ergebnis aller Bemühungen.

Kim Simmonds ist am 13.12.2022 nach langer Krankheit verstorben. Einer der führenden britischen/US “Old School” Blues Gitarristen, in einer Reihe mit Peter Green, Mick Taylor und Eric Clapton wird in den Credits zum neuen Album zitiert: “Life is energy, Music is energy. I try to …play the music I’ve loved since I was a young teenager”. Ein Lebensmotto, das fast über zwei Generationen Blues-Fans immer neue Lebensfreude bereitet hat, ist auf der LP nochmal komprimiert allen gewidmet.

Das brillante Album “Blues All Around” generiert das breite Songspektrum aus Kim Simmonds leidenschaftlicher Blues-Seele, der seinen Antrieb bis ins hohe Alter und bis an die Grenze der Belastbarkeit schöpferisch ausgiebig nutzte. Als besondere Empfehlung sei auf den legendären “Savoy Brown Boogie” (22 Minuten live in Detroit, 1969) verwiesen, der natürlich nur ein atomares Bruchteil an bleibender Erinnerung ausgleichen kann. Thanks Kim!

Quarto Valley Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Falling Through
02. Black Heart
03. Going Down South
04. Gypsy Healer
05. Blues All Around
06. Texas Love
07. Winning Hand
08. Hurting Spell
09. Can’t Go Back To My Hometown
10. California Days Gone By
11. My Baby
12. Falling Through The Cracks

Savoy Brown
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