Sons Of Liberty – …Shinola – EP-Review

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Die Sons Of Liberty wurden von den beiden Southern Rock-liebenden Musikern Fred Hale und Andy ‘Moose’ Muse 2014 gegründet. Da sich im Königreich dieses Genre in Sachen Popularität immer noch in den Kinderschuhen bewegt, beschlossen die beiden, sich hier an der nötigen Missionarsarbeit zu versuchen, in Sachen New Country hat es bei den Briten ja auch irgendwann ganz erheblich gefunkt. Also, warum nicht ebenfalls im Southern Rock? Vielleicht hat man ja sogar eine potentielle Marktlücke entdeckt.

Die beiden Gitarristen fanden dann in Rob Cooksley (vocals, harmonica & whistle) sowie der Rhythmusfraktion Mark Thomas (bass, bgv) und Steve Byrne (drums & percussion) das endgültige Line-up, um die Inselhörer mit einem kräftigen musikalischen „Hell Yeah“ und dem typischen E-Gitarren-lastigen Sound des amerikanischen Südens zunächst als Coverband zu begrüßen.

Bisheriges Highlight des Quintetts war der Support von Skinny Molly, auch für dieses Jahr steht bereits einiges auf dem Tour-Programm. Part ihrer Auftritte wird mit Sicherheit jetzt aber die erste, in Eigenregie kreierte EP „…Shinola“ (in Anlehnung eines legendären Spruches „You don’t know shit from Shinola“, so in etwa wie „du kannst Scheiße nicht von Schuhcreme unterscheiden“, mit der die ehemalige polnische Lederwarenreinigungsfirma Shinola einst in den Staaten unverhofften Ruhm erlangte). Also im übertragenen Sinne wohl so ausgedrückt: Sons Of Liberty bürgen für musikalische Qualität.

Die ersten vier Stücke des Werkes halten sich dann auch an bewährte Zutaten aus dem etwas Hard Rock-lastigeren Bereich der Sparte. Cooksleys mitunter etwas hölzern wirkender Gesang liegt irgendwo in Bereichen von Gary Jeffries und Phil McCormack (zu dessen besseren Zeiten…) und passt somit ganz gut.

Demnach geht hier auch vieles in Richtung Molly Hatchet, Blackfoot, Copperhead, Preacher Stone, Skinny Molly und Co. Typische Musik, die man live gerne in Verbindung mit viel Biergenuss hört. Mein Lieblingstrack des Albums ist das, mit schönen Twin-Gitarren (inklusiv tollem Solo), pumpendem Bass und einem simplen Mitsingrefrain bestückte „Looking For a Good Time“.

Das Abschlusslied „The Brave“ suggeriert schon vom Titel her ein gewisses Driften in heroische Heartland Rock-Sphären, was sich im Verlauf dann auch bestätigt. Der am Ende sehr schön Tempo zulegende Song dürfte live ebenfalls zur Anhebung des Stimmungsbarometers erheblich beitragen. Insgesamt somit eine kurzweilige, launige und durchaus authentisch wirkende Sache, diese Debüt-EP.

Fazit: Auch die Briten können also Southern Rock. „…Shinola“ von den Sons Of Liberty ist ein erstes kleines Ausrufezeichen. Um die Landesgenossen in eine ähnliche Euphorie für dieses Genre wie den derzeitigen Nashville-Stoff zu versetzen, liegt aber aber noch ein ganz weiter Weg vor dem Bristol/South Wales-Fünfer. Deswegen ein  zünftiges und ermunterndes „Hell Yeah“ zurück von uns und viel Erfolg an die Söhne der Freiheit!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

01. Brotherhood
02. Fools Gold (Hell Yeah)
03. Free Man
04. Looking For A Good Time
05. Brave

Sons Of Liberty
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Gus G. – 11.05.2018, Essen, Turock – Konzertbilder

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Pünktlich um 20:00 Uhr betrat das Trio um Gus G. als Support von Jesper Binzer den gut gefüllten Club, um den Zuschauern mit einem kurzweiligen Hard Rock-Auftritt die Wartezeit zu verkürzen. Der griechische Hard/Heavy Rock-Gitarrist, der über Jahre in der Band von Ozzy Osborne spielte, wurde dabei von Dennis Ward, bekannt als Mitglied von Pink Cream 69 am Bass und den Lead Vocals sowie Will Hunt, welcher schon für Bands wie Black Label Society oder Evanesence die Drums bearbeitete, unterstützt.

Den knapp 45 minütigen Gig nutzte die Band, um dem gut mitgehenden Publikum, Songs des aktuellen Albums „Fearless“ vorzustellen. Für mich war einer der Höhepunkte der Darbietung, eine aufs Nötigste reduzierte Hard Rock-Cover-Version des Dire Straits-Klassikers “Money For Nothing”.

Line-up:
Gus G. (lead vocals, electric guitar)
Dennis Ward (bass, vocals)
Will Hunt (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gus G.
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Turock Essen

Reto Burrell – 09.05.2018, Freilichtbühne, Mülheim an der Ruhr – Konzertbericht

Burrell-Haupt

Reto Burrell hatte sich mit seiner Band im Rahmen der „Mittwochsreihe“ auf der Freilichtbühne in Mühlheim an der Ruhr angekündigt. Die Wetterprognosen waren sehr gut und der nächste Tag arbeitsfrei, also verabredeten sich Daniel und ich spontan für unser erstes gemeinsames Open-Air-Date. Da wir beide eher fototechnische Dilettanten sind, freute es uns, Karl Bongartz kurzfristig für die Bilder gewinnen zu können. Karl feierte seine Prämiere für Sounds Of South an diesem frühsommerlichen Abend bei einem Roots-Rock-Konzert vor toller Kulisse und großem Publikum.

Die Freilichtbühne wird von einer Felswand und reichlich Bäumen umschlossen, die ich in der Mühlheimer City nicht erwartet hätte. Mit Biergarten und ansteigender Wiese bietet sie ideale Voraussetzungen für stimmungsvolle Veranstaltungen. Obwohl sich schätzungsweise tausend Menschen einfanden, war die Atmosphäre sehr entspannt, was auch dem freundlichen und aufmerksamen Team der Regler Production zu verdanken war.

Pünktlich um zwanzig Uhr betrat Reto Burrell zusammen mit Ewald „Ewi“ Heusser an der elektrischen Gitarre, Valentin Plüss (alias Julien La Gaffe) am Bass und Mario Märchy am Schlagzeug die Bühne. Los ging’s mit „Shout It Out“, „Shampoo Or Gasoline“ und „On Top Of The Moon“. Die drei Rockstücke von dem aktuellen Album „Shampoo Or Gasoline” eröffneten das Konzert erhofft schwungvoll. Burrell interagierte von Beginn an ausgiebig mit dem Publikum und bezog es mit der Aufforderung zu klatschen oder mitzusingen oftmals ein.

Die erste Ballade „Tell Me Why“ bot dann eine Verschnaufpause, bevor Burrell mit „Swimming In Stars” versuchte, einen „Bruce Springsteen Moment“ zu erzeugen. Danach folgte das rockige „Where Is Robin Hood“, das ebenso wie das anschließende „Leaving Scars Behind“ von dem neuen Longplayer stammt.

Das Titelstück seiner CD „Lucky Charm“ leitete Burrell mit einem kurzen biographischen Einschub über Glücksbringer und Pechsträhnen ein. Im Verlauf des Abends kokettierte er mehrmals mit seiner Schweizer Herkunft und zeigte sich von Mühlheim sowie den angebotenen Caipirinhas begeistert. Cocktails sind für einen Roots-Rocker vielleicht nicht ganz stilecht, aber man weiß ja nicht, was in der Schweizer Musikszene so üblich ist. Jedenfalls versetzten die Rahmenbedingungen den Bandleader in Feierlaune.

Zum Abschluss des ersten Sets setzten Burrell und seine Mitstreiter mit „Uninvited Honesty“ ein Highlight des Konzerts. Der Song und das Publikum gingen richtig ab. Ewald Heusser lieferte ein ausgedehnteres Gitarrensolo und entlockte seinem Instrument einige Wah-Wah-Effekte, wofür er mit viel Applaus belohnt wurde.

In der zwanzigminütigen Unterbrechung bekamen die Besucher Gelegenheit, sich mit Getränken oder Snacks zu versorgen. Burrell stand in der Zeit für Gespräche oder Autogramme zur Verfügung.

Nach der Pause knüpfte die Band da an, wo sie aufgehört hatte. Der mitreißende Rhythmus von „This Is It“ holte das Publikum von den Zapfhähnen zurück. Mit „Dancing To The Rhythm Of The Rain“ spielte die Band den dritten Song des Albums “Go” in Folge. Im Studio begleitet Tift Merritt Reto Burrell, aber auch ohne den weiblichen Gesangspart, war das Stück eine runde Sache und lud zum Tanzen oder Wippen ein. Mario Märchy ließ sein Schlagzeug beim anschließenden „Shake It“ nochmal kraftvoll krachen, bevor Burrell zu einer Americana- und Westcoast-Phase überleitete.

Während des langsameren Intermezzos spielte die Truppe „Some Days“, „How Many Times” und „Blind (Everything Is Fine)“. Vor allem beim letztgenannten Track zog Burrell die Töne in manchen Gesangparts ziemlich lang. Davon bin ich ja kein Freund, aber die Live-Version sprach mich immerhin mehr an als die aus dem Studio.

Einige Songs von Burrell lassen den Vergleich zu denen von Will Hoge zu, so auch „A New Pair Of Shoes”, mit dem die Band gegen Ende des zweiten Sets erneut ordentlich aufdrehte. Die ausgelassene Stimmung wurde mit dem scheppernden „Raising To The Bait” und dem Tom-Petty-Cover „You Wreck Me” noch gesteigert.

Als Zugabe folgte das aus der Feder von Ryan Adams stammende „16 Days“, bei dem Heusser den Frontmann am Micro unterstützte. Mit „Ticket To Fly” endete das Konzert aus Rücksicht auf die Anwohner um 22.03 Uhr.

Wie schon bei der Besprechung der CD prognostiziert, funktionieren die Stücke von „Shampoo Or Gasoline“ live tadellos. Mit der Auswahl der Titel bewies Reto Burrell ein glückliches Händchen. Vor allem die Up-Tempo-Nummern von „Go“ wurden von dem Publikum begeistert aufgenommen. Der malerische Ort, die lauen Temperaturen, die gut aufgelegten Besucher, der kommunikative Bandleader sowie die ausgewogene Mischung aus Rock und Americana sorgten für einen vollständig gelungenen Konzertabend und eine ideale Einstimmung auf den Vatertag.

Line-up:
Reto Burrell (lead vocals, acoustic and electric guitar, harmonica)
Ewald Heusser (electric guitar, vocals)
Valentin Plüss (bass)
Mario Märchy (drums)

Bilder: Karl Bongartz
Text: Michael Segets

Reto Burrell
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Regler Produktion e.V.
Greywood Records

Luke Winslow-King – Blue Mesa – CD-Review

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Review: Michael Segets

Luke Winslow-King hat sich schon in früher Kindheit mit Musik beschäftigt und ist dieser auch in seinem schulischen und universitären Werdegang treu geblieben. Er genoss eine Ausbildung an der Jazz-Gitarre und besuchte ein Konservatorium für klassische Musik. Zwischenzeitlich arbeitete er als Musiktherapeut und als Musiklehrer an einer Schule für Blinde. Der stilistische Grenzgänger bewegt sich auf seinen Alben vor allem zwischen Blues, Folk, Country und Rock ’n‘ Roll – so auch auf seiner sechsten Veröffentlichung „Blue Mesa“.

Herzstück des Longplayers sind die langsamen Songs. Mit warmer, leicht angekratzter Stimme eröffnet Winslow-King auf „You Got Mine“ seine CD. Dezente Harmonien ergänzen seinen Gesang sehr stimmungsvoll, während die Bluesgitarre für die nötigen Akzente sorgt. Winslow-King hat den Titel zusammen mit der kürzlich verstorbenen „Washboard“ Lissa Driscoll geschrieben. Driscoll war eine lokale Blues-Größe in New Orleans, der Wahlheimat von Winslow-King.

Neben dem starken Einstieg zieht auch das zunächst einfach wirkende „Break Down The Walls“ direkt in den Bann. Gleiches gilt für „After The Rain“, das mit Slide und sanften Harmonien einen leichten Country-Touch bekommt. Hervorragend ist zudem der Abschlusstrack „Farewell Blues“, den Winslow-King für seinen an Krebs erkrankten Vater geschrieben hat. Sehr gefühlvoll sind hier Geige und klagende Gitarre. Zum Träumen laden „Blue Mesa“ und „Better For Knowing You“ ein. Ebenfalls zwei schöne Balladen mit ausgearbeiteter Gitarrenbegleitung, die mich aber nicht so packen wie die vorher genannten.

Zwischen die langsameren Stücke streut Winslow-King auch ein paar Nummern ein, die einen Zahn zulegen. Die erste Auskopplung „Leghorn Women“ ist eine davon. Der Swamp-Boogie kommt mit treibendem Schlagzeug und vollem Klangteppich daher, für den auch Mike Lynch (Bob Seger) an der Orgel sorgt. Im Gegensatz zu dem leidenschaftlichen und dynamischen Gitarrenspiel wirkt der Gesang von Winslow-King stellenweise vielleicht etwas distanziert oder unterkühlt. Bei dem lockeren Rock ’n‘ Roll von „Born To Roam“ passt hingegen schon beim ersten Hören alles perfekt zusammen.

Mit „Thought I Heard You“ liefert Luke Winslow-King eine solide Blues-Rock-Nummer ab. Soul versprüht „Chicken Dinner”, bei dem eine Abteilung Bläser für einen neuen Sound auf der CD sorgt.

Insgesamt legt Winslow-King ein abwechslungsreiches Album vor. Er greift Einflüsse unterschiedlicher Musikrichtungen auf, wobei es ihm gelingt, diese so zu verschmelzen, dass sein Album dennoch ausgewogen und homogen wirkt. Auflegen werde ich die Scheibe vor allem wegen der berührenden Balladen. Eine breite musikalische Ausbildung und umfangreiche kompositorische Kenntnisse können auch hinderlich sein, wenn es darum geht, Atmosphäre zu zaubern. Winslow-King schafft jedoch die Konzentration auf das Wesentliche und bringt seine Songs auf den Punkt, ohne sich in experimentellen Spielereien zu verlieren.

Bloodshot Records (2018)
Stil: Blues, Folk and more

01. You Got Mine
02. Leghorn Women
03. Blue Mesa
04. Born To Roam
05. Better For Knowing You
06. Thought I Heard You
07. Break Down The Walls
08. Chicken Dinner
09. After The Rain
10. Farewell Blues

Luke Winslow-King
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Bloodshot Records

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 07.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Die texanisch-niederländische Gruppe um Dede Priest und die Band Johnny Clark & The Outlaws konnten bereits mit ihrem Debütalbum „Flowers Under The Bridge“ überzeugen. Dem frischen und interessanten Blues-Country-Soul-Sound der Platte stand an diesem Abend die spannend erwartete Live-Bewährung bevor.

Das erste Stück „Superlovely“ wurde noch allein durch Johnny Clark & The Outlaws vorgetragen, ab dem zweiten Song „Did You Plan To Leave Me Now“ war dann auch Dede Priest mit von der Partie und eroberte die gesamte Location sofort mit ihrer souligen Stimme. Auf „Wade In The Water“ tauschte sie ihre Violine gegen die E-Gitarre und glänzte beim folgenden „You Are Love“ mit einem fulminanten Solo. Der nächste Track „Willie Mae“ stammt vom aktuellen Studioalbum und ist ihrer Blues-Heldin Big Mama Thornton gewidmet. Dabei besticht der Song durch eine wohltuende Kombination aus Wah-Wah Gitarre und Fiddle-Begleitung.

Das einzig wirklich langsame Stück dieses Konzertes ist der Slowblues „What It Is, Ain’t What It Ain’t“, der sich auf gut sieben Minuten ausdehnte.
Das Swamp Rock-artige „Drinking Again“ im typischen CCR-Rhythmus und der zum Chicago Blues arrangierte Slim Harpo-Song „Tee Na Nee Na Nu“ zeigten nochmal das perfekte Zusammenspiel von Dede Priest und Johnny Clark & The Outlaws.

Erfreulich war die offenkundige Bereitschaft von Dede und Johnny, dem Publikum immer wieder Hintergründe und Entstehungsgeschichten und die Inspiration für ihre Songs zu erzählen. So auch nach einer kurzen Pause bei „Helen’s Backyard“, das Dede für ihre Großmutter performte. Der Song „Alaska“ ist aus der Feder von Bandleader Johnny Clark und begeisterte auch live, wie alle Songs vom neuen Album, in Country-bluesiger Steve Earle-Manier.

Für die noch folgenden Stücke griff Johnny Clark zur Slide Gitarre, wobei Dede sich einen unkonventionellen Megafon-Einsatz beim hard-rockigen „Lynched At The Crossroad“ erlaubte und auf dem Titelsong des aktuellen Albums „Flowers Under The Bridge“ auch ihre Hard Rock-kompatible Stimme erklingen ließ. Das Repertoire dieses Abends wurde danach mit dem Country Bluegrass-Track „Strawberry Party“ harmonisch erweitert.

Seine beachtlichen Fähigkeiten an der Gitarre konnte Johnny Clark während „Cotton Candy“ mit einem ausgiebigen Solo à la Peter Green unter Beweis stellen, bevor das space-rockige „Won’t Last Long“ und das funkige „Jive Man“ die Hauptsetlist exzellent abrundeten. Ein besonderes Highlight wurde das Jimi Hendrix-Cover „Hey Joe“, das durch die Fiddle-Akzente einen neuen, stilistischen Pep erhielt und die Zugabe eindrucksvoll krönte!

Dede Priest ist eine imposante Bühnenerscheinung und durch ihre wandlungsfähige Stimme und ihre Präsenz und Ausstrahlung erkämpft sie sich die verdiente Aufmerksamkeit im Rampenlicht. Mit den Outlaws hat sie nicht nur eine Begleitband, sondern auch eine individuelle Bereicherung gefunden. Die variablen Spielarten aus Blues, Country und Soul der texanisch-niederländischen Formation haben einen mitreißenden Konzertabend hinterlassen und die Band hat sich als Geheimtipp „Live On Stage“ empfohlen.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Kulturrampe Krefeld

Mike Zito – First Class Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Bluesmusiker in den Vereinigten Staaten sein Geld zu verdienen ist aufgrund der Vielzahl hervorragender Künstler nicht leicht. Doch Mike Zito hat es inzwischen geschafft und blickt zufrieden auf das Erreichte: „Ich habe eine wunderbare Familie, ich bin clean und kann von der Musik leben.“ Sein mittlerweile 14. Studioalbum „First Class Life“ spiegelt dabei viele Abschnitte seines künstlerischen Werdegangs wieder.

Wie er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dank der Musik seine Drogenabhängigkeit überwinden konnte, diese Erlebnisse verarbeitet er u.a. in dem aktuellen Longplayer. Der 47-jährige Texaner wollte eine „richtige Bluesplatte“ einspielen und dieses Vorhaben ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Album wurde in seinem Heimatstaat Texas in wenigen Tagen aufgenommen und beginnt mit einer shakigen und spritzigen Blues-Rock Nummer, die an traditionelle Blues-Wurzeln des Mississippi-Deltas anknüpft. Der  ausdrucksstarke Titelsong „First Class Life“, könnte autobiographischer nicht sein, so deutlich versinnbildlicht er Zitos Aufstieg aus St. Louis zu einem hoch geschätzten Bluesmusiker („I got a second chance and living a first class life“).

Seine Performance bei der Blues-Supergroup „Royal Southern Brotherhood“, deren Mitbegründer er neben Cyrill Neville und Devon Allman war, hat ihm auch über Genre Grenzen hinaus, Erfolg und Anerkennung gebracht. Der Working Class-Slowblues „The World We Live In“ vermittelt seine geradlinigen Singer/Songwriter-Qualitäten und geht über in das amüsante „Mama Don’t Like No Wah Wah“, als Anspielung auf eine Erzählung über die US-amerikanische Bluessängerin Koko Taylor. Eher düsteren Desert-Rock Sound und gleichzeitige Rassismuskritik gibt es mit dem Song „Old Black Graveyard“ auf die Ohren, gefolgt von dem groovigen Blues „Dying Day“.

Zito beschäftigt sich auf seinem Album mit aktuellen Lebenssituationen und transportiert einen sozialkritischen Arbeiterklassen-Ethos. Das gesellschaftsrelevante „The World We Live In“ in seiner Soft Blues-Rock-Melodie oder das Rock ’n‘ Roll-Blues Stück „Trying To Make A Living“ formen ein soziales Gespür für die alltäglichen, existentiellen Fragen und Gedanken der ‚einfachen‘ Bevölkerung. So ist das Album auch eine musikalische Verarbeitung von Mike Zitos Vergangenheit.

Einflüsse von Savoy Brown, den frühen Fleetwood Mac, Stevie Ray Vaughan und auch Joe Bonamassa verbindet Mike Zito mit seinem persönlichen, eleganten Blues-Stil und „jongliert“ gekonnt die unterschiedlichsten Richtungen vom Delta- über den Chicago- bis hin zum Memphis-Blues. Der einzige Wermutstropfen der bleibt, ist leider, dass Zito sein qualitativ hochwertiges Gitarrenspiel und Repertoire nicht vollends darbietet. Die obligatorischen Gitarren-Blues-Riffs sind ein wenig zu kurz und zeigen nicht sein Können, das er bereits auf vorherigen Studioalben oder bei Royal Southern Brotherhood abgerufen hat.

Auf „First Class Life“ fühlt man Zitos Blues-Spirit in beeindruckender Art und Weise. Der Langspieler bietet eine abwechslungsreiche Produktion, die unterschiedliche Blues-Stile gekonnt wiedergibt. Seine Vielseitigkeit und sein zielsicherer Spürsinn, Emotionen eines Bluessongs authentisch hervorzurufen, werden hier perfekt unter Beweis gestellt.

Ruf Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Mississippi Nights
02. Wasted Time
03. First Class Life
04. I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)
05. The Wolrd We Live In
06. Mama Don’t Like No Wah Wah
07. Old Black Graveyard
08. Dying Day
09. Back Problems
10. Time For A Change
11. Damn Shame
12. Trying To Make A Living

Mike Zito
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Ruf Records

The Band Of Heathens – Live Via Satellite – EP-Review

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Review: Michael Segets

The Band Of Heathens ist längst aus dem Status des Geheimtipps in Sachen Americana und Roots Rock herausgewachsen. Vor allem ihre unermüdlichen Touren durch Amerika und Europa haben ihr eine breite Fangemeinde beschert. Daniel zählte ihren Auftritt im Dortmunder Musiktheater Piano ebenfalls zu den Top-Konzerten des letzten Jahres.

Entsprechend der Qualität ihrer Auftritte waren die ersten beiden Veröffentlichungen der Band dann auch Live-Alben. Mittlerweile sind noch zwei weitere offizielle Konzert-Mitschnitte und sechs Studio-CDs dazugekommen. Eine Zwischenstellung nimmt die EP „Live Via Satellite“ ein, die im SiriusXM-Studio zur unmittelbaren Radioübertragung im Outlaw Country Channel eingespielt wurde.

Drei der fünf Tracks bieten neue Varianten von Titeln der aktuellen CD „Duende“. Den Anfang macht „Sugar Queen“. Locker groovend mit mehrstimmigen Background, schönem Einsatz des Keyboards und einem unaufdringlichen E-Gitarren-Solo nimmt der Song direkt den typischen Sound der Band auf. Im Vergleich zum Album erscheint der Gesang etwas heller. Beim folgenden „All I´m Asking“ wirken die Lead Vocals deutlich näher als auf der ursprünglichen Version. Das Stück zaubert sommerliche Westcoast-Gefühle mit seinen Doo Wop, die The Band Of Heathens wie kaum eine andere aktuelle Truppe beherrschen.

Beide Songs stammen aus der Feder von Ed Jurdi und Gordy Quist. Die verbliebenen Gründungsmitglieder zeichnen für die Lead Vocals und die Gitarren verantwortlich. Unterstützt werden sie von Trevor Nealon am Klavier beziehungsweise an den Keys, Scott Davis am Bass sowie Richard Millsap am Schlagzeug, die sich natürlich auch alle beim Harmonie- und Background-Gesang einbringen.

The Band Of Heathens wagt sich an den Klassiker „Alabama“. Das ist mutig, denn an Neil Young mit seiner markanten Stimme kommt so leicht keiner vorbei. Die Jungs machen die Sache aber ordentlich, indem oder obwohl sie sehr nah am Original bleiben. Die Fans von The Band Of Heathens sowie diejenigen, denen die Klangfarbe von Youngs Stimme nicht zusagt, werden ihre Freude an der neuen Interpretation haben.

Auf der Scheibe findet sich mit „Ruby“ ein weiteres Cover. Die ruhige Ballade punktet mit melodischen Gitarrenpassagen und wirkt meines Erachtens ausgewogener als die vormalige Aufnahme der Dave Rawlings Machine.

Zum Abschluss präsentiert The Band Of Heathens den Roots-Rocker „Trouble Came Early“ ihres 2017er Albums. Die fetzige Nummer mit hervorstechendem Honky-Tonk-Piano schrieb Gordy Quist zusammen mit Owen Temple. Sie wurde unlängst vom Rolling Stone unter den zehn besten Country- und Americana-Songs der Woche gelistet – meiner Meinung nach in der falschen Kategorie.

Jedenfalls macht The Band Of Heavens mit „Live Via Satellite“ Werbung für sich. Die EP ist mehr als ein Lückenfüller zwischen zwei Longplayern. Mit den Neueinspielung eigener Songs sowie den beiden Coverstücken stellt sie eine schöne Einstimmung auf hoffentlich kommende, sommerliche Abende dar – vielleicht sogar mit der Band, die zwischen Mai und Juli ausgiebig tourt und dabei auch einige Auftritte in Deutschland plant.

BOH Records (2018)
Stil: Americana/Roots Rock

01. Sugar Queen
02. All I’m Asking
03. Alabama
04. Ruby
05. Trouble Came Early

The Band Of Heathens
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Black Pike Favorites

Mason Lively – Stronger Ties – CD-Review

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Nach dem ersten Hören von Mason Livelys Debütalbum „Stronger Ties“, glaubt man, wenn das Teil zunächst völlig unvoreingenommen, ohne sich mit dem Background des Künstlers beschäftigt zu haben, gehört hat, dass man es mit einer gestandener Red Dirt-Größe à la Cody Canada, Randy RogersWade Bowen & Co. zu tun hat, nur vielleicht noch nicht so bekannt halt.

Wenn dann seine Biografie offeriert, dass der Bursche aus Inez, Texas, erst 20 Jahre alt ist und sämtliche Tracks selbst kreiert hat, wiegt das erstaunliche Ergebnis im Nachgang umso mehr.

Zumindest weiß man dann auch, warum sich illustre Musiker der Szene wie Lloyd Maines, Bukka Allen und Reckless Kellys Cody Braun, als Ergänzung zu seinen Mitspielern Carson Popp (lead guitar), Jack Barbee (bass) und Will Sepolio (drums), gerne mit eingebracht haben. Produziert hat dazu mit Pat Manske (u. a. Band Of Heathens, Brandon Rhyder, Joe Ely, Robert Earl Keen) eine weitere umtriebige Koryphäe aus diesem Dunstkreis.

Ja, die zehn Stücke beinhalten dann wirklich so alles, was das melodieverwöhnte Country Rock-/Red Dirt-Herz begehrt. Schon der swampig stampfende Opener „Heavy Toll“ dürfte auch in Southern Rock-Kreisen, erhebliche Sympathie-Punkte einfahren.

Das Fiddle- und Banjo-betonte, im Erzählstil gesungene „Early Grave“ mit seiner herrlichen E-Gitarren-/Fiddle-Solo-Kombination, bietet fröstelnden Country mit nahezu dramaturgischem Charakter. „Worry About Nothing“ (mit schön plusternder Neil Young-mäßiger Harp) weckt bei mir Assoziationen zu Chris Stapletons „Millionaire“.

Traumhaft das, mit wunderbaren weiblichen Harmoniegesängen bestückte „Hard To Let Go“, das, passend zur Thematik, mit weinender Maines-Steel-Gitarre melancholisch unterlegt wurde. Das bluesige „Roleplay“ (schönes Piano, hallende Orgel, quäkende Harp) erinnert an launige Sachen der Casey Donahew Band.

Während „Right Back To You“ (Fiddle-lastig, MTB-E-Gitarren-Solo) auch auf jede Reckless Kelly-Platte passen würde, entpuppt sich „Ballad Of The Broken Heart“ mit seinem unterschwelligem Rockabilly-Flair als weitere Note in Livelys breitem Kompositions-Spektrum. Der wunderbare Schunkler „Lonely Comes Back Around“ (Harp-Solo, tolle E-Hook) funkt erneut auf einer Wellenlänge mit den Bands der Braun-Brüder, klasse.

Auch wenn es mit den beiden Steel-lastigen „Worth The Fall“ und „Angel Wings“ zum Ende von „Stronger Ties“ etwas ruhiger zugeht, erweist sich Mason Livelys Red Dirt-umwehter Country Rock trotzdem als eine großartige Belebung für das Genre! Geheimtipp!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Country Rock / Red Dirt

01. Heavy Toll
02. Early Grave
03. Worry About Nothing
04. Hard To Let Go
05. Roleplay
06. Right Back To You
07. Ballad Of The Broken Heart
08. Lonely Comes Back Around
09. Worth The Fall
10. Angel Wings

Mason Lively
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RPR Media
Bärchen Records

Caleb Caudle – Crushed Coins – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Country-Singer-Songwriter hat Caleb Caudle bereits seit einigen Jahren die bekannten US-Festivals erfolgreich bespielt. Völlig zurecht wurde, der in Winston-Salem, North Carolina aufgewachsene Caudle, in der amerikanischen Country-Ausgabe der Rolling Stone als einer der „New Country Artists You Need To Know“ ausgezeichnet, und bestätigt mit seinem 5. Album „Crushed Coins“ diese Empfehlung.

Die Songs sind alle sehr harmonisch komponiert und werden stets durch Caudles angenehme Stimme getragen. Schon der akustisch einfühlsame Opener „Lost Without You“ weckt mit seiner leicht zarten Melodie und dem fast leisen Gesang die Neugier auf weitere Tracks. Diese wird sogleich belohnt mit „N.Y.C. In The Rain“, einem Midtempo-Country-Stück á la Garth Brooks, das unvermittelt bildhafte Eindrücke musikalisch hervorruft.

„Headlights“ erinnert unwillkürlich an den gefühlvollen Sound eines John Denver und „Empty Arms“ könnte mit seinem Ohrwurm-Refrain beinahe als Country-Pop-Song mit verzerrten Gitarreneinlagen spielerisch erfolgreich sein. Der eingängige Sound in „Love That’s Wild” mit Pedal-Steel-Solo im Don Williams-Stil offenbart die feinsinnige Leichtigkeit der Komposition, die im darauffolgenden Titelsong in ähnlich ausdrucksstarker Spielweise akustisch durch einen emotionalen Gesang überzeugt.

Es folgt mit „Stack Of Tomorrows“ ein weiterer Country-Rock-Höhepunkt, der kraftvoll die offensichtlichen Bandqualitäten glanzvoll abliefert und in schönster Weise auf Chris Stapleton verweist.

Die außergewöhnliche Klangpalette wird durch das herrlich anregende „Madelyn“ und die geradezu auffordernde Fiddle-Begleitung noch einmal wesentlich aufgefrischt und erweitert. Die liebevolle Intonierung von „Six Feet From The Flowers“ ist mit ihrer traurig-schönen Melodie und den intensiven Soloinstrumenten ebenfalls eine akustische Meisterleistung aller Beteiligten, die leider mit dem 11. Song („Until It‘s Over“) und rund 38 Minuten mit der Textzeile „We Are Not Afraid Any More“ nachhaltig wirkend zu Ende geht.

Caudles transportiert mit seinem erstklassigen Songwriting geschickt phantasievolle Bilder und Arrangements. In seinen Songs bringt er glaubwürdig persönliche Erfahrungen ein („I write about what I know, so my albums are a snapshot into a six month window of my life“) und rechtfertigt durch diese einfallsreiche und gelungene Produktion eine größtmögliche Aufmerksamkeit.

Der überwiegend elegante, durchgängig ruhigere Sound des Longplayers hinterlässt ein konzeptionelles Gesamtwerk, dass nicht nur eine abwechslungsreiche Ansammlung eigenständiger Songs darstellt, sondern Caleb Caudle gleichermaßen als eine würdige neue Stimme des Country hervorhebt.

Cornelius Chapel Records (2018)
Stil: Country

01. Lost Without You
02. N.Y.C. In The Rain
03. Headlights
04. Empty Arms
05. Love That’s Wild
06. Crushed Coins
07. Way You Oughta Be Seen
08. Stack of Tomorows
09. Madelyn
10. Six Feet from the Flowers
11. Until It’s Over

Caleb Caudle
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Dead Bronco – 02.05.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Matt Horan, dem Frontmann von Dead Bronco, scheint es in Krefeld zu gefallen. Gerade zehn Monate waren seit seinem ersten Gastspiel im Großmarkt verstrichen, da stand er erneut auf der Bühne der Kulturrampe, allerdings mit komplett ausgetauschter Band. Einen Tag nach dem Tanz in den Mai war das Publikum wieder in Feierlaune und in etwa so zahlreich wie beim vorjährigen Auftritt – für einen Mittwochabend also ein ordentlicher Zuspruch.

Viertel vor Neun legte die neu formierte Band nach einer kurzen Begrüßung durch „Pille“ Peerlings mit dem Instrumentalstück „Death Of An Appalachian“ los. Atmosphärische Klänge des Keyboards von Rita Sainz untermalten Joel Bruñas anfangs dominierende Banjo. Nach dem Intro gab „Scumbag“ die Marschrichtung für den Abend vor.

Diese ging in Richtung Punk und rief bei Gernot Erinnerungen an die Ramones wach. Die Country-Einflüsse, die bei dem vorangegangenen Konzert noch deutlich hörbar waren, schienen nur noch gelegentlich durch, beispielsweise bei dem Twang von „Devil’s Road“ oder bei „Stupid Man“ und „Dead Bronco“.

Als Liebeslied kündigte Matt Horan „I Hate You“ an, wobei er einräumte, das mit der Liebe nicht so richtig erklären zu können. Insgesamt zeigte sich der Bandleader wieder sehr kommunikativ und leitete mehrere Songs mit Anekdoten oder kurzen Erklärungen ein. So erzählte der 36jährige über seine eher unappetitlichen Essgewohnheiten in der Jugend, die ihn zu „Life Of Leech“ inspirierten oder die geographisch unglückliche Lage seines Hauses, die er bei „Stuck In The Mud“ verarbeitete.

Nicht ganz ernstgemeinte Zwiegespräche mit Joel Bruña und die schon fast absurden Informationen, so zum Beispiel über die in Belgien gekauften Socken des Gitarristen Adan Roiz, waren unterhaltsam und machten Spaß.

Auch sonst passierte auf der Bühne sehr viel. Horan schwang seine Hüften, sprang herum und versuchte sich an artistischen Einlagen. In Sachen Körperbeherrschung war allerdings Adrian Lopez unübertroffen. Zweimal stieg er auf seinen Upright-Bass und spielte ihn frei balancierend und quasi schwebend weiter. Das hatte ich bislang noch nicht gesehen. Vielleicht nicht ganz so beeindruckend, aber auf alle Fälle überraschend, war das Kommando „Sexy Time“, mit dem die Bandmitglieder zugleich ihren Oberkörper frei machten.

Da gab es einige Tätowierungen und Brustwarzen-Piercings zu bestaunen. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Das Publikum feierte die Aktion aber auf alle Fälle. Rita Sainz, die die Band nur gelegentlich mit dem Keyboard unterstützte, war zu dem Zeitpunkt nicht auf der Bühne und wollte sich später auch nicht an dem Einfall beteiligen.

Vollen Körpereinsatz zeigte hingegen Guille Peña am Schlagzeug, der nicht nur bei „Floating Down River“ sein gesamtes Gewicht in die Bearbeitung der Felle legte und richtig wütete. Der volle Klang des Schlagzeugs sowie der sehr gut ausgesteuerte Sound war das Verdienst von Malte an den Reglern. Horan würdigte den Rampentechniker überschwänglich – einer der ernst gemeinten und angemessenen Beiträge des Sängers.

Musikalisch stand das neue Album „Driven By Frustration“ im Vordergrund. Dead Bronco spielte alle Titel der Scheibe. Die Highlights waren dabei für mich „Miss Carriage“ und „Lord Call Me Home“. Mit „Penitent Man“, „Freight Train“ und „Keg Stand“ wurden zudem rockige Stücke früherer Veröffentlichungen ausgewählt. Auch „Vampiria“ wurde kurz und knackig durchgezogen. Das Konzert hatte daher richtig Fahrt.

Für zartere Einlagen sorgte Adan Roiz, wenn er seine elektrische Gitarre gegen eine Mandoline austauschte und so etwa bei „Driven By Frustration“ einen Gegenpol zu dem exzessiven Banjo-Spiel von Joel Bruña bildete. Oftmals gelang es der Band, die brachialen Kraft des Punks zu transportieren, ohne die Melodien der Songs aus den Augen zu verlieren.

Den theatralischen Abschluss des Hauptsets bildete „Funeral Inhibited“. Dead Bronco zelebrierte eine symbolische Beerdigung bis alle Bandmitglieder auf der Bühne lagen oder von ihr verschwunden waren. Bei der Zugabe begeisterte das mir bis dato unbekannte „Lucifer’s The Light“ mit seinem Country-Einschlag. Schließlich präsentierte Dead Bronco mit „The Sheperd“ noch die Weltpremiere eines Songs für die Umweltorganisation Sea Shepherd, zu dem es jetzt einen brandaktuellen Videoclip gibt.

Dead Bronco haben es musikalisch und mit ihrer Bühnenshow krachen lassen. Der gut aufgelegte Matt Horan sorgte für einen kurzweiligen, mit Humor gewürzten Abend.

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Joel Bruña (banjo, vocals)
Adan Roiz (electric guitar, mandolin, vocals)
Rita Sainz (keyboard)
Adrian Lopez (upright bass)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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