Gwyn Ashton & The Born-Again Sinners – 28.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Der im Ruhrgebiet scheinbar eher unbekannte Gwyn Ashton machte im leider wenig besuchten Musiktheater Piano Halt, um sein aktuelles Album „Solo Electric“ vorzustellen. Dabei ist der in Wales geborene, schon in der Kindheit nach Australien ausgewanderte Ashton, kein Newcomer im Musikgeschäft. In den 80er Jahren spielte er im Vorprogramm von Rory Gallagher, dessen Wege er später auch immer wieder kreuzte. So spielte er 2001 in der Band of Friends zum Gedenken an den leider zu früh verstorbenen Iren.

Daraus entstand auch eine Zusammenarbeit auf Ashtons Longplayer „Fang it“, wo ihn Gary McAvoy am Bass und Brendan O’Neill an den Drums begleiteten beide uns bestens bekannt durch ihren Auftritt im Schwarzen Adler vor geraumer Zeit. Auf weiteren Platten spielten Musikgrößen wie Ted McKenna oder auch Don Airey als Studiomusiker mit, was auf die Qualität Ashtons schließen lässt.

Pünktlich um 20:30 betrat Ashton alleine die Bühne, um nur mit einer Bassdrum und verschiedensten Gitarren, Nomen est Omen, die aktuelle Platte „Solo Electric“ in einem etwa 45-minütigen Set vorzustellen. Sehr schnell sprang der Funke des gut gelaunten Ashton, der sich nicht von der geringen Resonanz beirren ließ, auf die Besucher über. Er zeigte seine spielerische Bandbreite mal slidend, mal bluesig oder rockend.

Mit einem Augenzwinkern sagte er, dass er gezwungen wäre, jede Gitarre zu benutzen, da diese sonst beleidigt wären. Dies wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Somit zeigte er nicht nur, welche Gitarren er besitzt, sondern bewies auch, dass er jede einzelne bespielen kann. Das Reißen einer Seite (verbunden mit dem Einspannen einer neuen), nutzte er um die Zuschauer kurzweilig zu unterhalten.

Nach einer etwa 15-minütigen Pause betrat Ashton dann, begleitet von seiner Band Chris Sharley an den Drums und Peter ‚Boom Boom‘ Beulke am Bass, die den ersten Set aus dem Publikum betrachtet hatten, die Bühne, um für noch einmal knapp 75 Minuten, seinen Powerblues hinzulegen. Dabei gab er seinen beiden Mitstreitern, wie es bei den guten alten Rockbands Gang und Gebe ist, die Möglichkeit, ihre spielerische Klasse in längeren Soli zu beweisen.

Neben Eigenkompositionen der letzten Jahre streute er auch einige Coverstücke ein. Wie schon im Vorfeld beschrieben, war fast durchgehend der Bluesstil der Generation Gallagher zu spüren und die Stimmung im Publikum war bestens, da sie große Gitarrenkunst geboten bekamen. Der auf einem großen Bild neben der Bühne hängende Jimi Hendrix, hätte mit Sicherheit auch seine Freude an dem Treiben auf der Bühne gehabt.

Wer Spaß an bluesrockender Gitarrenspielkunst hat, dem sei der Besuch bei einem der Konzerte von Gwyn Ashton angeraten. Es bleibt zu hoffen, dass Ashton, wenn er noch einmal im Musiktheater Piano auftritt, von mehr Livemusikliebhabern empfangen wird. Er aber auch das Piano, das als Veranstalter wie immer ein guter Gastgeber war, hätten es mit Sicherheit verdient. Noch einmal herzlichen Dank an Jenny Dore für die Akkreditierung und an alle wie immer freundlichen Mitarbeiter.

Line-up:
Gwyn Ashton (lead vocals, electric guitar)
Peter ‚Boom Boom‘ Beulke (bass, vocals)
Chris Sharley (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gwyn Ashton
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Victoria Ginty – Unfinished Business – CD-Review

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Zunächst möchte ich mal meine Freude zuteil werden lassen, dass sich unsere engagierte Arbeit scheinbar auch in den Staaten rum zu sprechen scheint. Als aktuelles Beispiel möchte ich hier eine Dame namens Victoria Ginty aus Tampa Bay, Florida, anführen, deren Management mir jetzt ihren neuen Lonplayer „Unfinished Business“ ohne jeden vorherigen Kontakt zugeschickt hat.

Die mir bis dato völlig unbekannte Künstlerin ist seit 2015 im Sunshine-State musikalisch präsent und auch schon in Nashville unter Vertrag gewesen. Nach einer Live-Scheibe, gilt es vermutlich jetzt, den Karriereverlauf mit eigens kreiertem Material unter Studiobedingungen zu unterfüttern.

Die größtenteils von Victoria mit diversen Co-Writern (den Löwenanteil hat ein gewisser Mike Ivey beigetragen) unter den Umständen einer beendeten und neu gefundenen Liebesbeziehung komponierten Tracks, wurden mit ihrer, sie aktuell begleitenden Tourband namens Ladyhawke (J. Livington – bass; G. Lougen – guitar; R. English – piano; B. Decker – organ; J. English – drums; G. Castillo – Percussion; J. Diggs – bgv; E. Wozniak – sax; C. Weierich – trumpet; J. Cheslak – trombone) eingespielt.

Die allesamt recht swampig und soulig, instrumentell meist sehr schön ausgefeilten Blues-Tracks (da bleibt kaum ein Stück unter 4 Minuten), erinnern mich aufgrund der Bläser-Präsenz an den Sound, den man aus den Muscle Shoals-Umfeld oder zum Teil auch aus New Orleans kennt. Die Ginty hat eine energische, dazu gut passende Stimme, durchaus mit der Ausstrahlung einer ‚Grande Dame‘.

Als markanteste Songs würde ich das retro-bluesig swingende Titelstück „Unfinished Business“ (hier als Clip in einer Live-Version), die allmaneske Ballade „Hard To Move On“, der 81/2 Minuten währende Slow Blues „Every Night, Every Day“, der atmosphärische Schwofer „Water“ (mein Lieblingsstück des Werkes, tolle E-Gitarre, Harmonies, herrlich quäkende Bläser-/E-Gitarren-Solo-Kombination) und das gelungene Terence Trent D’Arby-Cover von „Sign Your Name“ (mit schönem Latin-Vibe) anführen.

Fazit: Victoria Ginty bietet mit ihrem Studio-Debüt „Unfinished Business“ einen musikalisch sehr reifen Einstieg in die Blues-Szene. Hier hat alles Hand und Fuß. Als Referenzgrößen würde ich Damen wie Bekka Bramlett, Dusty Springfield, Eve Selis, Big Mama & The Cool ungefähr benennen, vom Spielstil ihrer Begleiter her kommen mir Acts wie Delta Moon oder The Radiators spontan in den Sinn. Ihre Biografie, bzw. ihr Business wird unter diesen Voraussetzungen in Zukunft sicherlich weiter mit Leben gefüllt werden.

Blue Door Records (2018)
Stil: Blues, Soul, R&B

01. Unfinished Business
02. Take Me Down
03. Hard To Move On
04. You Don’t Love Me No More
05. Every Night, Every Day
06. Give It Up
07. Water
08. Sign Your Name
09. Lyin‘ (In Each Others Arms)
10. Do Me Right
11. The Blues Found Me

Victoria Ginty
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Voltage, 29.04.2018, De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Auf keine Band war ich in diesem Jahr gespannter als die niederländischen Southern Rocker Voltage, die 2017 mit „Around The Bend“, für meinen Geschmack, eines der CD-Highlights herausgebracht hatten. Jetzt hatten Gernot und ich die Gelegenheit, das Quartett im für uns bis dato unbekannten De Bosuil in Weert zu begutachten.

Der uns weitestgehend über Landstraßen durch die niederrheinischen Wald- und Wiesen-Landschaften, bäuerlichen Gehöften und an holländischen Kanälen vorbeiführende Weg, brachte uns dann, dank einer kleinen Ehrenrunde, in eines dieser typischen mittelgroßen niederländischen Städte, samt gelungener Mischung aus alter Bausubstanz und modernen Neubauten, bis wir den, an einem großen Sportanlagen-Areal gelegenen Auftrittsort gefunden hatten.

Wie immer bei unseren Nachbarn, war alles bestens organisiert, freundliches und hilfsbereites Personal zugegen, sowie eine, mittels ein- und ausbaubarer Schiebewände, in der Größe variabel gestaltbare, im stylischen Fabrikhallen-Ambiente, gehaltene Konzert-Location. Auch der Beginn mit 16:00 Uhr nachmittags war arbeitnehmer-freundlich gewählt.

Als Vorband präsentierten die drei jungen Burschen David Henry (lead vocals, electric guitar), Dustin Boerrigter (drums) und Stijn Hazewinkel (bass, vocals), alias Grim Tim, einen ziemlich wüsten und laut gespielten Mix aus psychedelisch, fusion-, retro- und blues rock-lastigen Ingredienzien, mich zum Teil an Bands wie Led Zeppelin oder Iron Butterfly erinnernd.

Um 17:30 Uhr betraten dann zu einem „Midnight Rider“-Einspieler Bandleader Dave Vermeulen (mit markantem Hut und buschigem Bart), und seine ebenfalls Vollbart-tragenden Mitstreiter, Bart Candel (wen wundert’s bei dem Vornamen?), Gijs Heijnen und Kai Liebrand die, mit einem großen Banner ihres aktuellen CD-Front-Coverbildes „Around The Bend“ behangene Bühne und gaben mit den zünftigen „Heart Of Stone“ und „Up From The Downside“ von besagtem Tonträger, direkt ordentlich Gas.

Vermeulens Affinität zu den legendären Status Quo wurde mit der Eigenkreation „The Weather“ und später mit dem SQ-Klassiker „Roll Over Lay Down“ gehuldigt. Seine frappierende Stimm-Ähnlichkeit zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und auch der Spielstil des Quartetts lässt natürlich unweigerlich Assoziationen zum sich mittlerweile im Southern Rock als Marktführer emporgearbeiteten Ensemble aus Atlanta, Georgia.

Bestes Beispiel das folgende Duo samt „Pistol Pete“ und dem BS-Cover „Six Ways To Sunday“ (von „The Wipphoorwill“). Überhaupt versteht es die Band prächtig, in altgedientes Southern Rock-Flair, neue Kreationen einfließen zu lassen. Bei „Up The Road“ (Dave mittlerweile mit einer Akustik-Gitarre) und dem atmosphärischen „Motherfucker Jones“ trat der Spirit der Allman Brothers und der Marshall Tucker Band unverkennbar zu Tage.

Der ebenfalls spielstarke Zweitgitarrist Gijs Heijnen beeindruckte auf „Good Times“ mit einem schönen Solo auf seiner Gibson Les Paul, als auch mit starkem Slide beim äußerst gelungenen Petty-Cover „Learning To Fly“. „Dirty Harry’s Juke Joint“ hatte durch Heijnens Spiel auf einer Koffer-/Schachtel-artig anmutenden, umfunktionierten E-Gitarre und einem Harp-Solo des vielseitigen Dave Vermeulen, ein Alleinstellungsmerkmal.

Nach Freddie Kings Blues-Stampfer „Going Down“, dem bereits erwähnten „Roll Over Lay Down“, wurde es mit „Blue Highway“ (Dave nochmals an der Akustikgitarre) und „For Better Ways“ nochmals atmosphärisch, um dann mit den fulminanten „Rooster“ (inkl. Vorstellung der Band, samt Soli der Beteiligten) und dem fetzigen „Matchbox“ den Hauptteil abzuschließen.

Der üppige Zugabenteil bestehend u. a. aus dem herrlichen „Joelle“ (inkl. toller Southern Rock-typischer Instrumental-Passage samt Twins), der Rock And Roll-Nummer „Bye Bye Baby“ und dem zwischen ZZ Top und Status Quo pendelnden Stampf-Rocker „Travelling Man“, dem Titelstück ihres Debüts, begeisterte die gut 120 anwesenden Zuschauer restlos.

Nach dem spannungsreichen Konzert gaben sich die Voltage-Jungs am Merchandising-Stand sympathisch, gesprächsfreudig und waren auch noch für das gewohnte Bild mit unserem Logo für die VIP-Galerie zu haben.

Nach dieser starken Leistung sprechen wir guten Gewissens eine eindringliche Empfehlung an unsere gängigen Clubbesitzer aus, die energiegeladene Band aus der Region Brabant, die sich wahrlich nicht hinter Acts wie Robert Jon & The Wreck, Hogjaw, The Vegabonds & Co. zu verstecken braucht, mit einer guten Werbung im Vorfeld, auch mal in hiesigen deutschen Gefilden anzutesten. Macht ihr ganz sicher nix verkehrt!

Von den Niederländern, da bin ich mir relativ sicher, wird in Zukunft noch einiges ein Kreativität zu erwarten sein. Solche erfrischenden Acts tun dem Genre richtig gut. Danke an das freundliche De Bosuil-Team und auch an Voltage-Managerin Linda Groenen für die perfekte Organisation bezüglich unserer Akkreditierung.

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion, harp)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums)
Gijs Heijnen (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Musiekcentrum De Bosuil Weert

Kacey Musgraves – Golden Hour – CD-Review

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Aufbruch zu neuen Ufern bei Kacey Musgraves! Mit dem Labelwechsel zu MCA und dem Austausch des ihr assistierenden Produzententeams in persona der beiden Multiinstrumentalisten  Ian Fitchuk und Daniel Tashian, hat die texanische Grammy-Preisträgerin mit ihrem neuen Album „Golden Hour“ auch einen deutlich spürbaren Schwenk vom überwiegend Country-Traditionalistischem in etwas poppigere Gefilde vollzogen.

Dass es dabei im Lager der Puristen des Genres mal wieder entsetzte Aufschreie geben wird, ist damit eigentlich schon vorprogrammiert gewesen. Für mich  persönlich steht da eher eher die Art und Weise im Vordergund, wie man einen solchen Wandel einleitet.

Im Gegensatz zu einigen Kolleginnen und Kollegen, geschieht dies in Kaceys Fall, meiner Ansicht nach,  nicht in offensichtlich anbiedernder, monetär bestimmter Weise, sondern wird hier recht stilvoll, ‚leise‘ und unaufdringlich bewerkstelligt.

Fitchuk und Tashian ist es brillant gelungen, den ‚moderneren‘ Komponenten wie Loops, Vocoder, Synthies, mit prägnantem Banjo, Akustik-, E- und Steel-Gitarren (hier sind besonders die Könner wie Puss Pahl, Justin Schipper und Dan Dugmore zu erwähnen) ein schlagkräftiges Countrygewicht entgegenzubringen, sodass im Prinzip ein ‚Gesichtsverlust‘ in deutlicher Form vermieden wird.

Auf „Golden Hour“ haben wir es hier eher mit einer smoothen, als auch relaxten, teils voller Melancholie reflektierenden Laidback-Variante des Genres zu tun, die im En-Gros der Tracks wie u. a. dem herrlichen, schlafwandlerischen „Slow Burn“ (die Akustikgitarre erinnert dezent an Neil Youngs „Old Man“), „Lonely Weekend“, „Butterflies“, und „Space Cowboy“ (Eigenkomposition, nicht der der Steve Miller Band-Song) zum Ausdruck kommt.

Die eher poppigen Sachen wie „Oh, What A World“, „Happy & Sad“ oder das hitverdächtige „Velvet Elvis“ (fast ELO-verdächtiges Intro) bleiben aufgrund der tollen Instrumentierung und ihres überaus markanten Gesangs trotzdem im Toleranzbereich.

„Love Is A Wild Thing“ mit seinem Fleetwood Mac-Flair, das folkig, 70ies-umgarnte Titelstück „Golden Hour“ und die Piano-betonten Balladen „Mother“ (laut Credits in nur einer Viertelstunde geschrieben und komponiert, hier ganz im kreativen Gegensatz zu Akademikerkreisen, wo diese Zeitspanne ja vorwiegend als Entschuldigung für Verspätungen genutzt wird…) sowie „Rainbow“ als Abschluss des Werkes, bilden ein Brücke irgendwo dazwischen.

Fazit: Kacey Musgraves ist mit „Golden Hour“ ein klug eingefädelter und umgesetzter Spagat zwischen arriviertem Nashville-Stoff und stilvoller Popmusik gelungen, der eine deutlich erweiterte Klientel ansprechen wird. Geht für mich so in Richtung einer ‚Stevie Nicks des (New) Country‘.  Absolut gelungen!

MCA Records (2018)
Stil: New Country

01. Slow Burn
02. Lonely Weekend
03. Butterflies
04. Oh, What A World
05. Mother
06. Love Is A Wild Thing
07. Space Cowboy
08. Happy & Sad
09. Velvet Elvis
10. Wonder Woman
11. High Horse
12. Golden Hour
13. Rainbow

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Oktober Promotion
Universal Music

Modern Earl – Ameriphonica – CD-Review

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Eine Band, die auf meinem persönlichen Southern Rock-Radar irgendwann, wie aus dem Nichts, aufgetaucht ist, und sich mittlerweile eindeutig in mein Herz gespielt hat, ist zweifelsohne, das ursprünglich Nashville-basierte Quartett von Modern Earl.

Die Männer um ihren Leader Christopher ‚Earl‘ Hudson halten sich aber das En-Gros des Jahres, zwecks Live-Tourens, in unserem Lande auf und spielen sämtliche hiesige Himmelsrichtungen rauf und runter, was peu-a-peu, eine gesunde, immer weiter wachsende Fanbase mit sich zu bringen scheint. Wir erinnern uns zum Beispiel gerne an ihr tolles, gutbesuchtes Open Air-Konzert an der Mülheimer Freilichtbühne.

Zwischenzeitlich hat die Band Freiräume gefunden, um neues Songmaterial zu entwickeln, das jetzt mit dem Titel „Ameriphonica“ unter den Produktions-Fittichen von Larry Chaney (Edwin McCain, Steve Earle, Johnny Van Zant) und Mastering-Spezialist Billy Stull, sicherlich seine zahlreichen Abnehmer finden wird.

Unter dem Motto ‚Qualität statt Quantität‘ liegen jetzt acht brandneue, von Christopher Hudson kreierte Tracks vor. Na ja, eigentlich eher 7 ¼, das gerade mal 44 Sekunden währende instrumentale „Gold Digger Prelude“ dient mehr als Intro für den starken atmosphärischen Southern-Stampfer „The State Of Me (mit schön verschachtelter E-Gitarrenpassage, inklusiv Twin-Spiel).

Das in bester Molly Hatchet-Manier (zu „Flirtin‘ With Disaster“-Zeiten) eröffnende, wüst beslidete „Gone To The Country“ (Hudson singt hier fast wie Danny Joe Brown) wurde von 1,7 Millionen Followern im Classic RockMagazine UK zum ‚Top track of the week‘ votiert. Klasse hier auch das dezent eingestreute Banjo von Ethan Schaffner.

Der in humorvolle Sozialkritik verpackte und deswegen eher launige „Red White And Blues“ wurde mit einem ungewöhnlichen funkigen Zwischen-E-Gitarrenriff ausgestattet. Pathos und Melancholie bestimmen die schöne melodische Southern Soul-Ballade „Caroline“, wieder mit Twin-Parts, Solo und hübschen E-Fills.

Genre-Fans dürften am irgendwo zwischen Blackberry Smoke und frühzeitlichen 38 Special angesiedelten I Wish I Knew“ ihre Freude finden. Die von uns vor kurzem live beleuchtete Texanerin Elizabeth Lee, ist die stimmlich tragende Person bei „Medicate Me“. Hudson stößt hier hauptgesanglich nur kurz dazu und beschränkt sich eher auf die Harmonien. Erwähnenswert sind sicherlich auch Larry Chaneys, wie auch hier, sporadische Orgel-Einlagen, die einzelnen Tracks mehr Tiefe vermitteln.

Als Rausschmeißer wurde richtiger Weise das süffig polternde, tanzbare Mitgröllied „Hooray For The Honky Tonks“ gewählt, das als eines der Stimmungs-Highlight für die kommenden Live-Shows prädestiniert sein dürfte. Eine echte Hymne für passionierte Kneipengänger, ‚Pretty Girls‘ und ‚Cutie Pies‘.

Somit entpuppt sich „Ameriphonica“ (ein achtseitiges Faltblättchen mit allen Texten ist übrigens im DigiPak eingesteckt) als insgesamt kurzweilige Southern Rock-Scheibe klassischster Art, deren Inhalt genug Anreiz bieten sollte, die umtriebig tourenden Herren Hudson, Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander wieder mit einem oder mehreren Konzertbesuchen zu belohnen. Deshalb ein lautstarkes ‚Cheers‘ und ‚Hoorey‘ auf Modern Earls neues Album!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

01. Gone To The Country
02. Gold Digger Prelude
03. The State Of Me
04. Red White And Blues
05. Caroline
06. I Wish I Knew Now
07. Medicate Me (feat. Elizabeth Lee)
08. Hooray For The Honkey Tonks

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Theo Lawrence & The Hearts – Homemade Lemonade – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass Theo Lawrence als Kind von den White Stripes besessen war, hört man seinem ersten Studioalbum nicht unbedingt an. Harte Gitarrenriffs und wild trommelnde Schlagzeugbeats eines „Seven Nation Army“ sucht man auf „Homemade Lemonade“ vergebens, denn diesen Musikstil vermeidet Lawrence mit seiner vier Mann starken Begleitband „The Hearts“ und lässt lieber seine einnehmende Stimme sprechen.

Der 22-jährige Franzose kanadischer Herkunft singt im akzentfreien Englisch und dirigiert „The Hearts“ mal zu Soul und R&B, wie im Opener „Heaven To Me“ oder Soul-Country, der Roy Orbison und Elvis Presley als Vorbild hat in „Who I Was“. Auf dem Montreal Jazz Festival (Kanada), das international als eines der renommiertesten Musikfestivals angesehen wird, durften Theo Lawrence und die Band, bestehend aus Louis Marin Renaud an der Gitarre, Olivier Viscat am Bass, Keyboarder Nevil Bernard und Schlagzeuger Thibault Lecocq, bereits auftreten.

Der Versuch, das Album musikalisch einzuordnen, stellt eine Herausforderung dar. Die jungen Franzosen lassen sich halt in kein Korsett zwängen. „Never Let It Go“ ist feinster Modern-Pop-Soul-Sound, „A House But Not A Home“ hingegen beginnt mit einem 60er Beat-Riff, das auch von den Hollies stammen könnte und geht dann über in einen schnörkellosen Country-Rhythmus. Zartes Grillengezirpe hört man am Anfang von „Shanghai Lady“ bis dieses durch eine dumpfe Akustik-Gitarre überdeckt wird und in einen herrlichen Country Rock-Song übergeht. Ein gefühlvolles Duett rundet dieses hervorragende Lied ab.

60er & 70er Jahre-Soul gibt es auf „Heaven To Me“ zu hören, aber die Ausgestaltung des Tracks weist auch frische Akzente eines Michael Buble auf. Swamp-Rock, der einem CCR-Rhythmus, wie bei „Green River“ folgt, ist auf „Chew Me Up“ auszumachen. Bei „Sucker For Love“ denkt man unweigerlich, dass hier möglicherweise Mark Ronson produktionstechnisch unter die Arme gegriffen haben könnte, so klar klingt Amy Winehouse hervor: ein starkes Stück!

Der letzte Song „Count Me In Tomorrow“ deutet dezent auf Jim Reeves Evergreen „Distant Drums“. Die Vielseitigkeit dieser Produktion knüpft bei Nathaniel Rateliff an, der zu Beginn seiner Karriere noch die Singer/Songwriter-Schiene befahren hat, aber in den letzten Jahren das Rhythm & Blues-Feuer mit Country und Soul Einflüssen neu entfachte. Etwas Vergleichbares kann man nur Theo Lawrence wünschen.

Das Album „Homemade Lemonade„ von Theo Lawrence & The Hearts vermittelt eine außerordentliche Souveränität und lebt von der wandlungsfähigen Stimme des Bandleaders, die mal soulig ist, dann wieder in einen Country-Jargon übergeht und schließlich noch rauchig und kräftig die Songs vorantreibt.

BMG (2018)
Stil: Soul-Rock, Rhythm & Blues, Country

01. Heaven To Me
02. Never Let It Go
03. Chew Me Up
04. Search Your Heart
05. My Sunshine Is Dead
06. A House But Not A Home
07. Sucker For Love
08. Who I Was
09. Shanghai Lady
10. Count Me In Tomorrow

Theo Lawrence & The Hearts
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Oktober Promotion

Various Artists – Nashville In Concert At The Royal Albert Hall – DVD-Review

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Wow! Was für ein beeindruckendes Teil, das Universal Music mir da zugeschickt hat. Es handelt sich um ein Konzert, das im vergangenen Jahr in der Respekt einflößenden Royal Albert Hall in London stattgefunden hat und mit modernsten Aufnahmetechniken, in atemberaubenden Bildern samt tollem Klangerlebnis umgesetzt wurde.

Protagonisten des Events sind die Beteiligten, bzw. Darsteller der beliebten US–Fernsehserie „Nashville“, die ballerinenhafte Clare Bowen, Charles Esten, Chris Carmack, Jonathan Jackson und Sam Palladio, die unter dem Slogan „Nashville In Concert At The Royal Albert Hall“, mit ergänzenden Parademusikern wie Colin Linden (Blackie And The Rodeo Kings), hier sowohl als brillanter Gitarrist mit vielen tollen Soli agierend, wie auch als musikalischer Direktor fungierend, John Dymond (bass), Matthew Rollings (keys), Bowen-Gatte Brandon Robert Young (vocals, guitar), Multiinstrumentalist Fats Kaplin (steel, acoustic guitar, harp, violin) und Gary Craig (Ex-Blackie And The Rodeo Kings-Drummer), eine grandiose Show im restlos ausverkauften Rund ablieferten.

Die beeindruckende Location (wie es den Akteuren während des Gigs als auch bei den Statements im Bonus Feature zum ‚Drumherum‘ anzumerken ist), die euphorisierte, aber trotzdem sehr angenehme Nashie-Audienz, die Unterschiedlichkeit der Performer und die dadurch bedingten, vielen variierenden Konstellationen bei der Abwicklung der 28 Songs (!!!) sowie die filigranen Leistungen der Instrumentalisten, machen dieses Event zu einer kurzweiligen Sache, deren Charme man bereits nach den ersten drei, Southern Rock-umwehten Countryrock-Tracks, angeführt von Charles Esten („Buckle Up“ – grandioser Einstieg) und Chris Carmack („What If I Was Willing“ und „Spinning Revolver“ – auch ein sehr guter Gitarrist der Bursche) hoffnungslos erlegen ist.

Auf Anhieb hängen geblieben sind das groovige „If It’s Love (Palladio/Carmack), der tolle Blues „Texas Flood“ (wieder mit starkem Carmack an der E-Gitarre), das ‚Esten-Trio‘ „True Love Ways“, „I Climb The Walls“ und „He Ain’t Me“ sowie das großartige Finale samt aller involvierten Beteiligten mit u.a. dem ‚nashvillisierten‘ Bowie-Klassiker „Heroes“ und der stimmungsvollen Abschluss-Ballade „A Life That’s Good“ (tolles Lichtermeer, Publikumsgesangspassage).

Eine imposante musik- und bildgewaltige DVD, dieses “Nashville In Concert At The Royal Albert Hall”-Dokument, das ich absolut jedem für einen schönen gemütlichen Abend auf der Couch vor dem Fernseher (sofern angeschlossener DVD-Player vorhanden) empfehlen kann. Ein äußerst stimmiges Gesamtpaket. Ich sehe das Werk so ein bisschen als kleine Belohnung für unsere fundierten Besprechungen der drei CDs zur 5. Staffel der Serie, als auch die bisherige allgemein gute Zusammenarbeit an. Vielen Dank liebes Universal-Team!

Universal (2018)
Stil: New Country

01. Buckle Up (feat. Charles Esten)
02. What If I Was Willing (feat. Chris Carmack)
03. Spinning Revolver (feat. Chris Carmack)
04. Keep Asking Why (feat. Jonathan Jackson)
05. Love Rescue Me (feat. Jonathan Jackson)
06. I Will Fall (feat. Sam Palladio)
07. Headed For The Fire (feat. Sam Palladio)
08. Borrow My Heart (feat. Sam Palladio, Clare Bowen, Jonathan Jackson)
09. Longer (feat. Clare Bowen, Brandon Robert Young)
10. Little By Little (feat. Clare Bowen)
11. Hand To Hold (feat. Clare Bowen, Charles Estenadio)
12. Simple As That (feat. Charles Esten)
13. Stand Up (feat. Chris Carmack, Clare Bowen, Brandon Robert Young, Sam Palladio)
14. If It’s Love (feat. Sam Palladio, Chris Carmack )
15. Texas Flood (feat. Chris Carmack)
16. The Killing Moon (feat. Jonathan Jackson)
17. Unchained Melody (feat. Jonathan Jackson)
18. Hello Heartbreak Blues (feat. Sam Palladio)
19. Wake Me Up In Nashville (feat. Sam Palladioadio)
20. Fade Into You (feat. Clare Bowen, Sam Palladio)
21. Letting It Rain (feat. Clare Bowen)
22. Black Roses (feat. Clare Bowen)
23. True Love Ways (feat. Charles Esten)
24. I Climb The Walls (feat. Charles Esten)
25. He Ain’t Me (feat. Charles Esten)
26. Heroes (feat. Charles Esten, Sam Palladio, Clare Bowen)
27. And Then We’re Gone (feat. Charles Esten, Chris Carmack, Clare Bowen, Jonathan Jackson, Sam Palladio)
28. A Life That’s Good (feat. Charles Esten, Chris Carmack, Clare Bowen, Jonathan Jackson, Sam Palladio)

Bonus Feature:
Nashville in London

CMT
Big Machine Records
Universal Music

Sari Schorr & The Engine Room, 22.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schade, obwohl Sari Schorr und ihre Begleitband The Engine Room vor gut einem Jahr an gleicher Stelle hier im Musiktheater Piano zu Dortmund einen tollen Gig hingelegt hatten, war auch diesmal das Zuschauerinteresse deutlich steigerungsfähig. An der geänderten Besetzung ihrer Mitstreiter wird es wohl kaum gelegen haben.

Auch wenn Gitarrenhexer Ines Sibun samt der anderen Kollegen komplett nicht mehr vertreten war, hatte sich das New Yorker ‚Cowgirl‘, wie sie sich vor „Oklahoma“ selbst betitulierte, mit Bassist Mat Beable (Stevie Nimmo, Ben Poole), Drummer Roy Martin (Snowy White, Robert Palmer, Jimmy Barnes, Patricia Kaas), Singer/Songwriter/Gitarrist Ash Wilson und Ex-King King-Keyboarder Bob Fridzema, ebenbürtige Manpower als Ersatz in den ‚Maschinenraum‘ geholt.

Aber zunächst sah es so aus, als wenn Piano-Chefin Jenny Dore einen großen Coup gelandet hätte, als zwei Musiker schon um 19:15 Uhr, sich auf den beiden bereitgestellten Stühlen niedergelassen hatten. Waren Justin Timberlake (schien maskenbildnerisch, um vermutlich nicht gleich erkannt zu werden, alterstechnisch etwas modifiziert) und Chris Stapleton extra nach Dortmund gereist, um ihren aktuellen Megahit „Say Something“ im Piano zu performen?

Na ja, ganz so war es dann doch nicht, Spaß beiseite, es handelte sich um die beiden Bremer Blues-Musikanten Frank Rihm (Gesang und Harp) und den rauschebärtigen Michael Dühnfort (E-Gitarre), die in der Tradition des einstigen US-Harmonika-Spezialisten Little Walter, für knapp 20 Minuten, Stücke wie u. a. „Just Your Fool“ zum Besten gaben und somit die Wartedauer zwischen Einlasszeit und Beginn des Schorr-Gigs kurzweilig verminderten.

Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich, die Zuschauer brauchten erst garnicht, wie bei so manchen anderen Acts, mit den Hufen zu ’schorren’…) fand sich der Hauptact, zunächst ohne Sari, auf der Bühne ein, die dann aber schon kurz danach in schwarzer Rocker-Kluft (ihr darunter liegendes T-Shirt zierten die Worte ‚Lipstick & Diamonds & Champagne & Rock’n’Roll‘), beim starken Opener zur „Revolution“ bat. Ash Wilson führte sich direkt mit einem schönen Southern Rock-mäßigen Solo auf seiner schneeweißen Duesenberg-E-Gitarre ansprechend ein.

Mit dem atmosphärischen „Damn Your Reason“ und dem Blues-Stampfer „Demolition Man“ rückte neben Saris Röhre auch Fridzemas gurgelndes Orgelspiel mehr in den Fokus. Toll die Version des eher durch Bad Company bekannt gewordenen Klassikers „Ready For Love“, bei der die Schorr natürlich ihre vokale Stärke wie einst Paul Rodgers perfekt ausspielen konnte.

Nach bereits angeführtem, groovig-souligen „Oklahoma“ (mit toller Instrumentalpassage und Tanzeinlage von Sari) und dem rockigen Aufguss vom Willie Dixon-Blues-Schinken „I Just Wanna Make Love To You“, konnte Ash Wilson bei „Peace And Love“, neben seinen vielen quirligen und knarzigen Gitarrenkünsten, auch am Front-Mikro überzeugen.

Nicht fehlen im Programm darf natürlich die entschleunigte Version des Ram Jam-One Hit Wonder „Black Betty“. Das kräftige „Kiss Me“, die emotional besungene Barroom-Ballade „Ordinary Life“ und das oft gecoverte „Rock’n’Roll“ von Led Zeppelin (Fridzema mit HT-Piano) hielten den Unterhaltungswert weiter auf hohem Niveau.

Mit dem krawalligen „Maybe I’m Foolin‘“ gab es einen ersten Ausblick auf neues Schorr-Material, ebenso wie bei „I Thank You“ (erinnerte an Sachen von Robin Beck), das als erste Zugabe spontan eingestreut wurde. Zuvor hatte das famose „Ain’t Got No Money“ (samt Vorstellung der Band) den Hauptteil beendet. „Aunt Hazel“ eines der naturgewaltigen Highlights ihres momentan immer noch aktuellen Werkes „A Force Of Nature“ bildete dann das endgültige Finale.

Als sich das Piano zu lichten begann, hatten wir noch kurz die Gelegenheit, mit Bob Fridzema über die Beweggründe seines Ausstiegs bei King King zu sprechen (er möchte in Zukunft zeitlich und musikalisch flexibler agieren können), als auch ihn, Sari, das Bremer Duo und Jenny Dore mit unserem Logo abzulichten. Somit ein runder, musikalisch intensiver und überzeugender Abend mit Sari Schorr & The Engine Room, der wieder jede Menge Spaß gemacht hat. Also, liebe Leute, beim nächsten Mal gibt es absolut keine Ausreden mehr – Hingehen!!!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Mat Beable (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Musiktheater Piano
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Jetbone – 20.04.2018, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Als Jetbone um 20:30 Uhr die Bühne im Blue Notez betreten, fühlt man sich nicht nur modisch in die 1960/70er Jahre versetzt. Weite Schlaghosen, Hüte, lange Haare und aufgeknöpfte Hemden sind das Markenzeichen ihres originellen Hippie-Styles. Frontmann Gustav Sjödin begrüßt das Publikum in Dortmund mit einem fröhlichen „Welcome to this magical evening“ und mit dieser anspruchsvollen Ankündigung sollte er in den nächsten 80 Minuten voll und ganz Recht behalten. Das Konzert ist zugleich eine inoffizielle Release-Party zu ihrem dritten Studioalbum „Come Out And Play“ (VÖ. 20.04.). Dass sie jetzt beim skandinavischen Ableger des Major-Labels BMG unter Vertrag sind, sieht man schon am selbstgestalteten Tourbus, mit dem die jungen Schweden aus Sundsvall angereist sind und auf dem in großen Lettern der Bandname hervorsticht.

Das Stones-rockige ʹ60s Triple aus „Chickadee“, „Don’t Hold Me Back“ und „Are You Ready?“, alles Songs vom neuen Album, lässt die kühlen Temperaturen im Konzertkeller schnell ansteigen. Gitarrist Sebastian Engberg hat sogar schon ein paar lässige Keith Richards-Moves verinnerlicht. Der angekündigte Road-Song „It’s So Hard“ verbreitet sofort ein relaxtes Eagles-California Feeling, im leider etwas spärlich besuchten Blue Notez Club. Die Southern-Rock-Hymne „Woman“, vom Vorgängeralbum „Magical Ride“ (2015), ist deutlich an Lynyrd Skynyrd angelehnt und legt einen ähnlich explosiven und fulminanten Schlussspurt hin, wie „Free Bird“. Das folgende „Let’s Get It On“ erweitert Jetbones musikalische Bandbreite um einen Blues-Rock Song, der nicht nur textlich an T.Rexʹ „Get It On“ anknüpft.

Einen Genrewechsel vollziehen sie mit dem auf über zehn starken Minuten ausgedehnten Medley Lovelight/Mixed, der sich zuerst zu einem rockigen Jam-Track, mit Bass-, Gitarren- und Keyboard-Solo aufbaut und dann in eine wilde Soul-Nummer, mit Tanzeinlage des Bassisten und Leadsängers, im Stile der Blues Brothers, abdriftet. Hard-Rock, der selbst Robert Plant zu exzentrischen Jubelschreien bringen würde, wird auf „Lady“ („a song about an evil woman“) zelebriert.

Nach dieser wilden Konzertstunde gab es zunächst einmal entschleunigende, Klassik angehauchte, Keyboard Klänge, die alleine von Rasmus Fors vorgetragen wurden. Aber dieses Solo war nur das Intro zur großartigen Rock-Ballade „Road In The Sky“, zu der die Band dann wieder vollzählig auf der Bühne performte. „Fifth Time Loser“, ebenfalls von Magical Ride und der Titelsong vom neuen Album „Come Out And Play“ spiegeln erneut Stones Klassiker (u.a. „Rocks Off“) wieder und besonders COAT ist Stadion-Stones-Sound at its best!

Nach dieser hitzigen Show waren lautstarke Ovationen natürlich vorprogrammiert und ohne Zugaben wären die Jungs auch nicht mehr aus dem Club gelassen worden. Das nachfolgende, selbstgeschriebene Rhythm & Blues Stück „Everybody Needs Somebody To Love“, zeigte noch einmal das gesamte, künstlerisch-qualitative Repertoire der Band und mit „Shine On“ ging ein kurzer, aber dafür begeisternder Konzertabend zu Ende. Die Songs des neuen Albums verbreiten eine ansteckende Live-Atmosphäre und könnten ihre Wirkung auch in größeren Locations entfalten. Hier war jede Menge Spiellaune der Band mit dabei und eine grandiose Bühnenperformance.

Wer auf junge, zielstrebige, authentische und professionelle mit Leidenschaft verkörperte Rockmusik steht, sollte Jetbone auf keinen Fall verpassen. Noch hat man die Gelegenheit, sie auf den „kleinen“ Konzertbühnen zu erleben. Auf „Are You Ready?“ singen sie „Talkinʹ bout a revolution“. Reden sollte man ÜBER Jetbone!!! Als Rock-Revolution vielleicht noch nicht, aber mindestens als Live-Rock-Sensation des Konzertjahres 2018. Alter Schwede! Das war ein Konzert der Extraklasse.

Line-up:
Gustav “Gurten” Sjödin (lead vocals, bass)
Alin Riabouchkin (guitar, vocals)
Sebastian Engberg (guitar, vocals)
Rasmus Fors (keys)
Albin Linder (drums)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Stephan Skolarski

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Blue Notez Dortmund

Elizabeth Lee’s Cozmic Mojo – 19.04.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Ein warmer, hochsommerlicher Donnerstag Abend in Krefeld und Bob Dylan spielt im Königspalast. Dennoch findet sich, trotz dieser legendären Konkurrenz, in der Kulturrampe ein Publikum, welches diese zu etwa einem Drittel füllt. Der Auftritt der Texanerin Elizabeth Lee, die durch ihren aus Braunschweig kommenden Mann, einen Bezug zu Deutschland aufweist, und ihrer, aus der Gegend von Brescia am Gardasee stammenden Cozmic Mojo-Begleitband, hätte selbst bei diesen drückenden Temperaturen, eine deutlich größere Resonanz verdient.  Dies wird vermutlich erst der Fall sein, wenn sich nach diesem starken Debüt, die Qualität der Band beim Konzert-verwöhnten Publikum herumgesprochen hat.

Pünktlich gegen 20:30 begann die Band , um ohne die Protagonistin, mit einem rein instrumentalen Intro den Gig einzuläuten. Elizabeth, die dem Treiben aus dem hinteren Bereich der Rampe folgte, betrat zunächst unter bedächtigen Applaus die Bühne, welche in Anlehnung zum aktuellen Album “Songs From The Basement“ mit einer Sechziger-Jahre-Stehlampe und einem Mikrofonständer, umschlungen mit einer Lichterkette und Blumen, dekoriert war.

Spätestens beim vierten Song, „She’s So Lonely“, von diesem o. a. Werk war die letzte Distanz des Publikums verschwunden und die Besucher gingen entsprechend mit. Man war fasziniert von diesem Soul-umwehten, Americana- und Southern-getränkten Bluesrock, mit zum Teil psychedelischen Einflüssen, insbesondere bei den Intros der Songs, welche auch in ein Led Zeppelin– oder Pink Floyd-Programm gepasst hätten.

Die Low Tempo-Version von „Rich Woman“, einem Song aus den 50er Jahren, der schon von Canned Heat und später auch von Robert Plant mit Alison Krauss gecovert wurde, zeigte die ganze Bandbreite der Stimme Elizabeth Lees. Sie kann es sowohl ruhig und bedächtig, aber je nach Bedarf auch als Bluesröhre a la Janis Joplin oder als rockendes „Southern Girl“. Aber auch die Band zeigte ihre Qualitäten und bekam bei zwei Tracks im ersten Set die Möglichkeit, ohne die Frontfrau ihr Können unter Beweis zu stellen.

Lucca Gallini bearbeitete seine Gitarren mal slidend, mal rockend, spielte einige furiose Soli, aber manchmal auch nur gefühlvoll, leichte Hintergrundakzente setzend. Matteo Mantovani am Bass und der Drummer Mattia Bertolassi sorgten für eine souveräne Rhythmusbasis, auch als Spielraum für Gallinis Soli. Bertolassi übernahm einige Gesangspassagen und gab mit seiner Stimme einen angenehmen Kontrast zu Lee.

Mit „Key Don’t Fit“, einem Buddy Guy-Cover, das sie eindrucksvoll darbot, bewies die Dame aus dem Lonestar-State, dass sie auch den Blues der damaligen „Größen“ beherrscht. Zum Ende des ersten Sets wurde es melancholisch und Elizabeth erzählte eine Geschichte von einem verstorbenen Tom, einem einfachen Menschen, welcher in einem alten Fischerhaus mit Traumfängern lebte und vor dessen Anwesen sie am Strand von Malibu gestanden hatte.

Dieser Tom, den sie mal bei einem Konzert getroffen hatte und der sich ohne jede Allüren mit ihr unterhielt, erwies sich als einer der größten Songwriter der neueren Musikgeschichte, Tom Petty. Ihm zu Ehren spielte sie eine wunderschöne Version von „Sawing Grace“.  Die Besucher hörten, ohne störende Nebengeräusche, einfach nur zu, welche heutzutage bei Konzerten ja leider oft Gang und Gebe sind. Das Krefelder Publikum zeigte hier einmal mehr seine Klasse und zollte Respekt für die Band, aber auch für den leider zu früh verstorbenen Petty.

In der Pause, aber auch nach dem Konzert, ergab sich noch die Möglichkeit, mit Elizabeth Lee über Musik, deren Größen aber auch Abgründe (hier sei nur der Neil Young Song „Girl Without A Song“ genannt, wo die Musikindustrie irgendwelche hübschen Mädels, die noch nie einen Song geschrieben haben, einsetzt), und anderes Triviales zu plaudern. Hier offenbarte sich auch ihre Beziehung zu den meist in Berlin lebenden Southern Rockern von Modern Earl, auf deren aktuellem Album „Ameriphonica“ (Review kommt in Kürze) sie bei einem Lied auch Gesangspassagen beisteuerte.

Nach der Pause wurde der zweite Set weitaus rockiger, mit einigen starken Southern-Akzenten. Die Vollgas-Show wurde eigentlich nur von dem Etta Jones-Klassiker „I’d Rather Go Blind“ (Elizabeth brauchte sich mit ihrer Coverversion wahrlich nicht hinter den vielen Größen, die den Song bereits coverten, verstecken) und einem Duo mit Matteo Mantovani, der den Bass gegen eine der E-Gitarren ausgetauscht hatte, unterbrochen.

Bei den im zweiten Set flott rockenden Songs, waren insbesondere das psychedelische „Everything’s Alright“ und das southern-umwobene „Queen Of The Water“, das einen würdigen Abschluß für das Konzert setzte und die Zugaben einläutete, besonders  hervorzuheben.

Elizabeth Lee & Cozmic Mojo dürften mit dem etwa zweistündigen Auftritt ihren Fankreis erweitert haben und werden vermutlich, sollten sie noch einmal in der Rampe auftreten, diese mit Sicherheit viel besser füllen. Wer auch auf Musik im Stile einer Beth Hart steht, kann getrost ein Konzert der Band besuchen. Mann/Frau, ich will politisch korrekt sein, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht werden.

Line-up:
Elizabeth Lee (lead vocals, percussion)
Luca Gallina (guitars, vocals)
Matteo Mantovani (bass, vocals)
Mattia Bertolassi (drums, percussion, vocals)

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

Elizabeth Lee’s Cozmic Mojo
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Kulturrampe Krefeld