Devon Allman Project – Support: Wynchester- 29.08.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Obwohl ich das Devon Allman Project ja schon letzte Woche in Dortmund erlebt hatte, gab es, neben der unbestrittenen Klasse und reizvollen Konstellation des Projekts, genügend triftige Gründe, um noch einen weiteren Besuch im Kölner Yard Club anzuschließen.

Da spielte unter anderem unsere Verbundenheit zu deren engagiertem Club-Chef Marcus Neu eine gewichtige Rolle, der immer ein herzlicher Gastgeber ist, aber auch, dass Sounds Of South Hof-Fotograf Gernot Mangold in der westfälischen Metropole noch urlaubsbedingt passen musste und sich den Gig natürlich jetzt nicht entgehen lassen wollte. Dazu hatte er noch eines seiner Highlight-Bilder von Devon vom Konzert vor knapp zwei Jahren, auf großwandiger Leinwand abgebildet, mit zum Unterzeichen dabei.

Dazu gab es diesmal mit dem Duo Wynchester, bestehend aus Mike Bray und John Konesky einen reizvollen Support. Gerade letztgenannter John Konesky hat durch Mitwirkung bei Bands wie Trainwreck, Tenacious D, der Kyle Gass Band und als Gitarrist beim Soundtrack von The Hangover Part II eine höchst interessante Vita zu Buche stehen.

Das Duo spielte mit u. a. „Gospel Of Good Times“, dem schön swampigen “Two Man Job” , „My Glass Is Half Full” und “High Desert Rambler”, Stücke aus ihrer aktuellen CD. Dazu gab es mit „Easy“ (Lionel Richie) und „Reelin‘ In The Years“ (Steely Dan) zwei klasse Cover-Nummern im ungewohnten Akustik-Gewand. Bray sorgte für die gesanglichen Akzente, Konesky deutete mit vielen quirligen Soli auf seiner Klampfe und einigen Harmonie-Parts an, warum seine musikalischen Dienste gern in Anspruch genommen werden. Eine unterhaltsame, kurzweilige halbe Stunde.

Wie schon in Dortmund, bekam dann Duane Betts zunächst die Gelegenheit, seine Künste als Fronter zu präsentieren. Das Programm war bis auf eine Jam-Instrumental-Version von „Whipping Post“ (statt “In Memory Of Elizabeth Reed“) nahezu identisch. Er und sein kongenialer Gitarrenpartner Johnny Stachela ließen wieder einige herrliche Soli (Twin, Slide) ab. Lustig anzusehen war immer Duanes ‚Schnute‘, wenn er sich in seine Spielkünste ganz vertiefte. Mein Favorit war das mit einer markanten E-Gitarren-Hook und dezentem Eagles-Flair bedachte „Ride It Out“, das man auch auf seiner aktuellen EP „Sketches Of American Music“ finden kann.

Der auffällig von seinem flauschigen Backenbart befreite und somit glatt rasierte Devon Allman begann seine Vorherrschaft auf der Bühne mit dem Instrumental „Mahalo“, wo er auf seiner Strat auch ordentlich Gas gab. Das soulig-funkige „I’ll Be Around“ mit integrierter Leisespiel-Phase und brachialem Übergang, begeisterte ebenso wie die Royal Southern Brotherhood-Nummer „Left My Heart In Memphis“.

Mit „Blue Sky“ und dem grandios performten Klassiker “In Memory Of Elizabeth Reed“ (für mich das Highlight des Gigs) stieg der Betts-Sprössling wieder ein. Im ruhigeren Part (auch hier waren wieder Hocker auf der Bühne) gefielen das Grateful Dead-Cover „Friend Of The Devil“ und eines von Vater Greggs Paradestücken „Melissa“.

Nach der gospeligen, wieder von Keyboarder Nicolas David angeführten Bill Withers-Einlage „Lean On Me“ beendete ein weiterer berühmter Song aus der Feder von Gregg Allman, „Midnight Rider“, das Hauptprogramm. Die Zugabe-Rufe der restlos begeisterten Yard Club-Audienz wurde dann mit einer Hammer-Version vom Prince-Klassiker „Purple Rain“ bedient, bei der alle Musiker nochmals auftrumpften und gleich vier E-Gitarristen involviert waren. Am Ende des Liedes ließ der ‚Chef‘ des Projekts, Devon Allman, nochmals ein sattes Solo ab.

Fazit: Auch der zweite Besuch hatte sich absolut gelohnt. Während in Dortmund die Musik voluminöser rüber kam, stand an diesem Abend in Köln eher das intensivere, direktere Club-Feeling im Vordergrund. Was das Zuschauerinteresse hierzulande betrifft, ist es für Devon und Duane allerdings noch ein weiter Weg, um die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können.

Bild-TextDie hatten nämlich in der Domstadt damals locker die legendäre Sporthalle, wie auch später das E-Werk bis zum Rande gefüllt. Aber ein kleiner Anfang ist zumindest gemacht. In jedem Fall war es eine tolle Werbung für den Southern Rock. Und am Ende war dann auch Gernot noch wunschlos glücklich, als die Unterschrift Devons sein wunderschönes Bild zierte.

Danke, wie immer, an Marcus Neu für die gewohnt freundliche und lockere Aufnahme in ’seinem‘, immer wieder gern besuchten Yard Club.

Line-up: Wynchester
Mike Bray (lead vocals, acoustic guitar)
John Konesky (acoustic lead guitar, vocals)

Line-up: Devon Allman Project
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Duane Betts
Duane Betts bei Facebook
Wynchester
Wynchester bei Facebook
Yard Club Köln

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Devon_Haupt

Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Duane Betts
Duane Betts bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Gregg Allman – Southern Blood (Deluxe Edition) – CD-Review

Allman_300

Ich muss ja schon sagen, dass es mich unheimlich gefuchst hat, dass wir Gregg Allmans letztes Werk „Southern Blood“ nicht zum Besprechen erhalten haben. Gerne hätte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar würdigende Worte über ihn verfasst, zumal sich vorher in unserem, noch jungen Online-Medium keine Gelegenheit ergab, mal eine Rezension über ihn zu verfassen. Und was ist schon ein echtes Southern Rock-Magazin ohne ein solch musikalisches Schwergewicht im Künstlerindex?

Nun gut, wenn auch etwas verspätet, ist sein finales Album „Southern Blood“ doch auf Umwegen in meinem CD-Player gelandet. Aber von vorne. Gregg Allman ist natürlich ein Musiker und charismatischer Frontmann, der meinen musikalischen Weg seit frühster Jugend, mehr als nachhaltig begleitet hat. So war beispielsweise die Allman Brothers-LP „Brothers & Sisters“ mein allererster, mit eigenem Geld gekaufter Tonträger. Viele weitere im Dunstkreis der Allmans folgten im Verlaufe der Zeit.

Amüsant war damals seine Kurzehe mit Cher, ich meine mich an ein Zitat von ihr zu erinnern: „Für Gregg Allman sind Frauen nur für zwei Dinge gut: Die Betten zu machen, um sich anschließend wieder reinzulegen…“. Toll fand ich damals ihren gemeinsamen Song „Can You Fool“.

Live habe ich seine charismatische Ausstrahlung zweimal im Rahmen der Allman Brothers Band bewundern können. Einmal in der damals 1980 ausverkauften Kölner Sporthalle und später 1991 noch mal im E-Werk, ebenfalls in der Domstadt.

Aus seinen Solophasen befinden sich auch diverse Tonträger in meinem Besitz. Seine letzte in den Fame Studios in Muscle Shoals aufgenommene Veröffentlichung nun, mit dem plakativen Titel „Southern Blood“, wenn auch überwiegend mit Covernummern bestückt, bildet trotzdem einen würdigen und runden Abschluss seines beachtlichen Lebenswerkes.

Vermutlich war es für alle Involvierten keine einfache Sache, diese Songs im Angesicht des Todes und der damit verbundenen körperlichen Konstitution dieses Ausnahmemusikers, überhaupt zustande zu bringen. Ich gehe von einer unheimlich psychischen Belastung aus, zumal die Lieder teilweise auch textlich zur bedrückenden Situation passen.

Gar nicht wissen möchte man, wie es Gregg persönlich innerlich dabei ging, es heißt, dass er oft nur wenige Stunden im Studio präsent sein konnte und teilweise immer wieder unterbrochen werden musste. Alles in Allem hat Produzent Don Was am Ende ein einfühlsames Ganzes hinbekommen, das in Deluxe-Version noch um zwei Live-Tracks erweitert ist.

Im Großen und Ganzen wurden hier Greggs musikalische Vorlieben in seiner Karriere weitestgehend umrissen. Die bis auf ganz wenige Ausnahmen meist balladesk gehaltenen Songs beinhalten, naturgemäß bluesige Southern Rock- und Country-Einflüsse. Was vielleicht neu anmutet, ist die hier relativ omnipräsente Einbindung einer Bläserfraktion in jedes Stück, als auch die gospeligen Harmoniegesänge (verkörpert durch die McCrary Sisters) und somit ein verstärktes souliges Flair. Auch die Percussion-Unterstützung und viele Steel-Gitarren-Einlagen verbindet man jetzt nicht unbedingt mit seinem Namen.

Gänsehaut bekommt man sofort beim Opener „My Only True Friend“, eine der beiden neuen Kompositionen auf dieser Scheibe, die Gregg mit seinem Gitarristen und musikalischen Direktor Scott Sharrad kreiert hat. Sharrad hat im Text quasi den schon lange verstorbenen Bruder Duane zu Gregg sprechen lassen. Toller Einstieg in das Album!

Ein weiterer bewegender Moment ist für mich ist „I Love The Life I Live“, weil er das southern bluesige Terrain beschreitet, auf dem sich Gregg am pudelwohlsten fühlte und wohl auch sein Lebensmotto wiederspiegelt. Beim Hören spürt man, wie sich der Protagonist hier mit letzten Kräften, nochmals vokal so richtig reinhängt. Am Ende beim von Jackson Browne geschriebenen und unterstützten  „Song For Adam“ (mit (Harmoniegesängen), merkt und fühlt man ebenfalls förmlich am eigenen Leibe, dass hier der Kampf eines großen Künstlers zu Ende ging.

Mit Gregg Allman verliert die Southern Rock-Gemeinde eine weitere und mit eine ihrer letzten wahren Ikonen. Auch wenn er zeitlebens kein Engel war („I’m No Angel“) verabschiedet er sich mit „Southern Blood“ würdevoll in den Southern Rock And Roll Heaven und befindet sich jetzt hoffentlich wieder im illustren Kreise von Duane und seiner Brüder im Geiste wie Butch Trucks, Ronnie Van Zant, Toy Caldwell, Hughie Thomasson und Co. Mach et jut, Midnight Rider!

Concord Records (2017)
Stil: Southern Blues Rock

01. My Only True Friend
02. Once I Was
03. Going Going Gone
04. Black Muddy River
05. Love The Life I Live
06. Willin‘
07. Blind Bats And Swamp Rats
08. Out Of Left Field
09. Love Like Kerosene
10. Song For Adam (feat. Jackson Browne)
11. Love The Life I Live (Live)
12. Love Like Kerosene (Live)

Gregg Allman
Gregg Allman bei Facebook

Blackberry Smoke – Like An Arrow – CD-Review

blackbery-smoke_arrow_300

Ich verfolge die Entwicklung von Blackberry Smoke ja schon quasi von Beginn an. So erinnere ich mich noch gut, als sie hier, fast noch völlig unbekannt, im Bochumer Zwischenfall vor ein paar Leutchen ihr Live-Debüt in unserm Lande gaben. Damals erhielt man die Truppe aus Georgia noch zum Anfassen und es wurde nach dem Gig zusammen am Tresen getrunken.

So kam es auch dazu, dass sich Bandleader Charlie Starr plötzlich inmitten einer geballten Macht an Rot-Weiss Essen-Fußball-Kompetenz, in Form von RWE-Uralt-Ultra-Präsident Happo, seinem Freund Däddi und mir, wiederfand, was natürlich bildlich festgehalten wurde. So, infiziert von der Aura des ganz Großen, war es irgendwie klar, dass es ab jetzt nur noch steil bergauf gehen konnte. Erklärungen sind manchmal halt ganz einfach…

Und siehe da, in den nächsten Jahren füllten sie dann bei uns wesentlich größere Locations wie z. B. das Luxor oder die noch viel größere Kantine in Köln. In Amerika tourten sie mit den großen Acts und zählten ganz schnell auch selbst zu begehrten Headlinern. Auch, was ihre Alben, angeht, haben sie sich mit ihrem letzten Werk „Holding All The Roses“, das die Spitze der Billboard Country Charts erklomm, in kontinuierlicher Form zum Branchen-Primus der Southern Rock-Szene gemausert, zumal die Ex-Größen der Zunft, in kreativer Hinsicht, ihre Parade-Zeiten ja längst hinter sich gelassen haben.

Mittlerweile ist ihr neuer Silberling „Like An Arrow“ fertig. Dazu hat sich der Fünfer, wie gewohnt bestehend aus Charlie Starr (lead vocals, guitar), Richard Turner (bass, vocals), Brit Turner (drums), Paul Jackson (guitar, vocals) und Brandon Still (keyboards) in  das Quarry Recording Studio in Kennesaw, GA, unweit von ihrer Heimatstadt Atlanta, begeben.

Das Teil beginnt direkt mit einem Donnerhall. Der satt rockende Opener „Waiting For The Thunder“ signalisiert der, in letzter Zeit, stark auflebenden Konkurrenz samt vieler junger heißer Bands, wer im Southern Rock-Hause noch das Sagen hat. Ein bärenstarker Auftakt! „Let It Burn“, mit schöner an „3 Steps“ erinnernder E-Gitarren-Hook und launigem HT-Piano-Geklimper, dürfte mit seinem dezentem Bakersfield-Touch so manchen Club oder auch diverse Dancehalls in Wallung bringen.

Das folgende „The Good Life“ wandelt in dezent progressiver Art auf den Spuren ihres „Whippoorwill“, die Harmoniegesänge kommen mit früherem Outlaws-Feeling. Schön hier auch die weinenden Steel-Einlagen. Der knarzige Stampfer „What Comes Naturally“ ist wieder ein typischer Kneipenheuler, der sich vermutlich am besten in Bierlaune entfaltet. Klasse das Slide-Solo von Starr.

Das allmaneske „Running Through Time“ dient schon mal als Vorbereitung auf das spätere große Finale. Der rockig stampfende Titeltrack lädt mit seinem eingängigen und mitsingbaren Refrain “… we all live and die, time will always roll on by, like an arrow we will fly”, some stay low and some get high…“ zur Interaktion in ihren Live-Shows ein.  Das von typischer Southern Rock-E-Gitarrenarbeit (Twin-Part im Soloteil) durchzogene „Ought To Know“ dient zum Durchatmen.

Sunrise In Texas“ hat das Quintett schon viele Jahre im Live-Programm. Jetzt hat man sich entschlossen, es auch im Studio aufzunehmen. Eine wunderbar zirrpende Mandoline als Führungsinstrument dominiert die melodische Countrynummer „Ain’t Gonna Wait“, während bei „Workin‘ For A Workin‘ Man“ wieder in bester BS-Tradition gerockt wird (stark Brandon Stills heulende Orgel).

Gegen Ende überrascht der Atlanta-Fünfer mit einem herrlich durch Mark und Bein gehenden funkigen Groover namens „Believe You Me“, eher selten im Genre anzutreffen, aber mit tollen Gitarren, E-Piano und pumpendem Bass durchaus kompatibel gestaltet. Passt! Für das Finale „Free On The Wing“ darf Urgestein Gregg Allman dann sein immer noch herrlich rotziges Organ für ein paar Gesangszeilen im Duett mit Starr mit einfließen lassen. Ein schön entspannter Instrumentalteil lässt das Lied passender Weise in Allman-/Gov’t Mule-Manier ruhig ausklingen.

Blackberry Smoke melden sich mit ihrem selbst-produzierten, brandneuen „Like An Arrow“ beeindruckend zurück. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie man neue Kreationen im Southern Rock, besser gestalten könnte. Ein rundum abwechslungsreich gestaltetes Werk, ansprechende Songs mit vielen kleinen Highlights und Überraschungen. Kein Frage. Dieser Pfeil trifft ganz klar ins Schwarze!

3 Legged Records (2016)
Stil:  Southern Rock

01. Waiting For The Thunder
02. Let It Burn
03. The Good Life
04. What Comes Naturally
05. Running Through Time
06. Like An Arrow
07. Ought To Know
08. Sunrise In Texas
09. Ain’t Gonna Wait
10. Workin‘ For A Workin‘ Man
11. Believe You Me
12. Free On The Wing (feat. Gregg Allman)

Blackberry Smoke
Blackberry Smoke bei Facebook
Oktober Promotion

Devon Allman – Ride Or Die – CD-Review

allman_ride_die_300

Hatten wir vor einigen Tagen noch das Vergnügen, Devon Allman und seine Band im schönen Musiktheater in Dortmund live erleben zu können, ist jetzt auch noch seine gerade erschienene CD „Ride Or Die“ bei uns eingetrudelt.

Merkwürdigerweise hat er diese bei seinem Gig fast ganz Außen vor gelassen und lediglich den starken Opener „Say Your Prayers“ (ist auch im Studio eine satt rockende Nummer  mit herrlichen E-Gitarren geworden) als Zugabe gebracht. Ob es daran lag, dass lediglich Bass-Spieler Steve Duerst vom seinem Begleit-Line-up für einige Tracks hier involviert war, bleibt Spekulation. Aber eigentlich war der Name der Tour ja auch noch dem Vorgänger-Album gewidmet.

Wie dem auch sei, der dritte Longplayer in Zusammenarbeit mit Ruf Records, weiß von vorne bis hinten zu überzeugen, Papa Gregg darf zurecht stolz auf seinen Sohnemann sein. Bester Beweis ist der verdiente Spitzenplatz in den Billboard Blues Charts.

Produziert hat Devon selbst, assistiert, sowie Drums/Percussion gespielt, hat der, uns ebenfalls bestens bekannte, Tom Hambridge. Das Werk gefällt vor allem durch die recht unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Tracks, die sich aber im Gesamtkontext durchgehend am Leitfaden von Southern-umwehter Blues Rockmusik orientieren. Die wunderbar eingängigen Melodien und Refrains tragen zur Eröffnung eines größeren Publikums bei, woraus sich auch o. a. Erfolg erklären lässt.

Zu den rockigeren Nummern zählen hier, zusammen mit dem bereits erwähnten Opener, das überragende „Galaxies“ (im Song kommt auch der Headder des Albums vor: „…when galaxies collide will you ride or die…“), das von Hambridge geschriebene „Shattered Times“, wobei Devons Les Paul-Unikat natürlich vehemente Spuren hinterlässt.

Die restlichen Stücke bewegen sich, fast immer, samt atmosphärischem Ambiente, im balladesken bis melodischen Midtempobereich. Lieder wie „Find Ourselves“ und „Vancouver“ wurden mit Saxofon-Einlagen (gespielt von Ron Holloway) aufgepeppt. Überragend auch Keyboarder Kevin McKendree, der mit hallenden/gurgelnden Orgel-Klängen, sowie Piano- und gluckernden E-Piano-Klimpereien seine brillanten Tastenqualitäten Preis gibt und oft starke Akzente setzt.

Zu den herausstechenden Liedern zählen das (im Stile wie einst Peter Frampton) mit quäkenden Talkbox-Soli durchzogene „Lost“ und am Ende das 8oer/90er -umwehte „A Night Like This“, das fast schon in Sphären bei David Bowie, Bryan Ferry (Roxy Music) oder dezent auch The Cure angesiedelt werden kann. Ein netter Indiz für Allmans Mut und Variabilität, mal andere Dinge auszuprobieren (wir hätten aber eigentlich lieber, wenn der Schuster auch in Zukunft bei seinen Leisten bliebe…).

Erwähnenswert am Ende ist vielleicht auch noch das tolle Coverbild mit dem, in ein digitales, orientalisch-farbenprächtiges Blumen-Arrangement, integrierten Totenschädel, designed durch Pete Paras (unter Mithilfe von J. Webber).

Devon Allmans neues Werk „Ride Or Die“ bestätigt den starken Eindruck, den wir bereits live von ihm bekommen haben. Ein heißer Kandidat sowohl für unser Album-, als auch Konzert des Jahres. Die Zusammenarbeit Allman/Ruf ist an einem ersten Zenit angelangt!

Ruf Records (2016)
Stil: Southern Blues Rock

01. Say Your Prayers
02. Find Ourselves
03. Galaxies
04. Lost
05. Shattered Times
06. Watch What You Say
07. Vancouver
08. Pleasure & Pain
09. Hold Me
10. Live From The Heart
11. Butterfly Girl
12. A Night Like This

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Ruf Records

Devon Allman – 20.09.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

100a4624-bearbeitet

Trotz ungünstiger Voraussetzungen (Arbeitswochentag, zeitgleiches Fußball-Bundesliga-Spiel des Dortmunders heiliger BVB AG bei VW Wolfsburg…), hatten an diesem Abend immerhin weit über 100 Zuschauer den Weg ins schöne Dortmunder Musiktheater Piano gefunden, um den Allman-Sprössling Devon (mittlerweile natürlich längst ein gestandener Mann) erstmals mit eigener Band zu begutachten.

Ihm kam vermutlich, neben seinen bisherigen guten Leistungen als Solo-Künstler, auch noch zu Gute, dass er bereits schon zuvor, seine Visitenkarte als Part der Allstar-Band Royal Southern Brotherhood in der beliebten Szene-Location, hinterlassen hatte.

Devon und seine Mitspieler Anthony Nanney, Steve Duerst sowie der technisch brillierende Zweitgitarrist Bobby Schneck jr. bewiesen nach pünktlichem Beginn um 20:00 Uhr mit dem fulminanten „Half The Truth“ sofort mal, wie herrlich live dargebotener Southern Rock rüber kommt, wenn so richtig kräftig in die Saiten einer Gibson Les Paul gegriffen wird (diese übrigens mit persönlicher geschriebener Widmung des Gitarrenbauers verziert). Für mich direkt einer der Höhepunkte des Gesamtsets.

Mit dem folgenden „Can’t Lose ‚Em All“ wurden erste musikalische Allman-Ur-Gene in nächster Generation weitergeleitet. Auch das später gespielte „Back To You“ (starke Gesangsleistung von Devon) ließ keinen Zweifel an seiner familiären Herkunft. „Mahalo“ entpuppte sich als eines von zwei megastark gespielten längeren Instrumentalstücken (dazu kam noch gegen Ende der grandiose Slow Blues „Midnight Lake Michigan“), bei denen alle Akteure ihr tadelloses Handwerk ausgiebig präsentieren konnten.

In Sachen Coverstücke wurde Claptons „Forever Man“ (vom „Behind The Sun“-Album) in ein schönes knackiges Southern Rock-Gewand gekleidet, Bob Marleys „No Woman, No Cry“ zur Interaktion mit dem gesangsfreudigen, wie immer angenehmen Piano-Publikum genutzt, das durch die legendäre Band von Daddy Gregg bekannt gewordene „One Way Out“ als Rausschmeißer erkoren.

Mit dem atmosphärischen „Left My Heart In Memphis“ wurde seine Royal Southern Brotherhood-Zeit gestriffen, das shufflig funkige „Could Get Dangerous“ lichtete die Honeytribe-Ära ab. „Say Your Prayers“ als erste Zugabe, war dann der einzige Track aus seinem gerade frisch auf den Markt gekommenen, neuen Longplayer „Ride Or Die“, der dann am Merchandising Stand rege Abnahme fand.

Fazit: Ein klasse Abend, der auch von den vielen kleineren Randnotizen lebte. Da war zum einen der sehr angenehme Band-Leader Devon Allman, der zwar klar demonstrierte, wer der Chef in seiner Truppe ist, den anderen Mitmusikern, aber immer auch wieder Gelegenheit gab, sich in den Vordergrund zu spielen.
Da war sein stetiges Bemühen, das Publikum immer wieder gesangstechnisch oder durch Klatschrhythmen einzubinden, sein ausgiebiger Spaziergang durch die Zuschauer bei „Midnight Lake Michigan“, seine sehr schön ausgewogene Bühnenpräsenz zum Wohle der recht vielen anwesenden Fotografen und die nette Geste, eine sehr junge begeisterte Zuschauerin (Kompliment von Sounds Of South übrigens an die Eltern für die gute musikalische Erziehung!) während eines Stückes an den Bühnenrand zu zitieren, um ihr ein Plektron zu schenken.

Am Ende gab er mit stoischer Ruhe noch Autogramme, bis dann auch der letzte Fan versorgt gewesen war. Insgesamt ein absolut runder Abend mit starkem Southern Rock Allmanscher Jung-Prägung, der wie im Nu verflog. Vielen Dank wie immer auch an Jenny von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, lead guitar)
Bobby Schneck jr. (guitars, vocals)
Steve Duerst (bass, vocals)
Anthony Nanney (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment