Richie Scholl – Southern – CD-Review

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Ich hatte bisher noch nie im Leben Post aus Australien bekommen, schon gar nicht aus Nerimbera, Queensland. Von dort aus hat mir ein Musiker namens Richie Scholl gleich zwei Exemplare seines neuen Werkes „Southern“ zugeschickt (dazu noch später). Der aus Down Under stammende Singer/Songwriter lebt aber schwerpunktmäßig schon recht lange in Nashville und hat bereits einige Alben herausgbracht. Ein klares Indiz für Qualität, sich dort durchgebissen zu haben.

Guten (New) Country /  Southern Rock vom 5. Kontinent gibt es jede Menge, auch hier bei uns sind schon einige Interpreten wie u. a. Jedd Hughes, Sherrie Austin, The McClymonts, die kurzem live von uns beleuchteten Dirt River Radio und Adam Eckersley Band, und last but not least natürlich  Superstar Keith Urban besprochen worden, weitere Tipps sind mal Bands wie Jetty Road, The Flood oder McAllister Kemp.

Richie Scholl dürfte bei uns in Deutschland/Europa allerdings noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt sein. Auch ich bin vor längerer Zeit eher zufällig im Internet beim allgemeinen Musikstöbern auf ihn gestoßen, und ich weiß nicht, wie es euch geht, manchmal hat man direkt schon beim Namen eines Interpreten so eine Vorahnung, dass sich hier so ein echter Geheimtipp verbergen könnte. Ich hab mir dann auch sein „One Step At A Time“-Werk zugelegt und war absolut begeistert. Im Frühjahr 2015 besuchte ich mal seine Homepage, ob es was Neues von ihm zu vermelden gibt, und die freudige Nachricht lautete, dass er einen Plattendeal in Nashville unterzeichnet hatte.

Ich hab Richie dann einfach mal eine Mail geschickt und um ein Reviewexemplar gebeten, falls ein neuer Silberling fertig sein sollte. Seitdem standen wir immer wieder in Kontakt, fast sage und schreibe 1 1/2 Jahre lang. Es schien diverse Komplikationen gegeben zu haben, nach einer ersten veröffentlichten Single, ging so gut wie nichts mehr. Laut Richie war die Zeit schlimmer als Dauerzahnschmerzen. Mittlerweile hat er das Heft wieder selbst in die Hand genommen und seine neue Scheibe „Southern“ ist endlich unter einem anderem Label auf dem Markt.

Und der Titel der CD ist wirklich Programm. Wie schon beim Vorgänger ist es Richie wieder mit diversen Co-Writern (A. Waylet, M. Mulch, L. Hayman, C. Tuttle, K. Timmer) und starken Mitmusikern (u. a. Steve Brewster, Frank Gagliardi, Dennis Holt, Dave Cohen, Dean Stokes) gelungen, herrlich eingängige, im New Country und Southern Rock verwurzelte, elf Stücke zu kreieren, mit denen man einfach sofort ‚warm‘ wird. Produziert, in einem transparenten Sound, hat der Protagonist zusammen mit Michael Flanders, der sich hier auch für jede Menge Steel-Einlagen verantwortlich zeigt.

Der flotte Opener „Using Me“ offeriert dann direkt das gesamte Schollsche Spektrum. Angenehmer Gesang, dank Technik auch im Background, starkes Harp-Spiel und natürlich sein variables und filigranes Gitarrenspiel (übers Album hinweg zum Teil in akustischer Form, vorwiegend aber elektrisch, sowohl mit Stratocaster-, als auch Gibson Les Paul-Klampfen – toll vor allem auch seine Slides).

Das hyper-melodische „You In the Morning“ veranlasste meinen Arbeitskollegen, einen völlig unvoreingenommenen Alles-Musikhörer, im Büro (wir haben die komplette Scheibe morgens, zum Wach werden, mal ausnahmsweise durchgehört…), zu einer spontanen Assoziation mit dem großen Jon Bon Jovi. Sein auf den Punkt gebrachtes Fazit dann am Ende des Werkes: „Geile Scheibe!“

Mir persönlich fällt es schwer, bestimmte Tracks herauszuheben, sie gehen von vorne bis hinten runter wie Öl. Klasse auch die diversen Keyboarder, die als Kontrast zu den routinierten Rhythmus-Instrumenten und den E-Gitarren, vor allem ihre Orgeln, immer wieder hallen und oft auch richtig schön ‚durchgurgeln‘ lassen.

Herausgepickt habe ich Songs wie den Stratocaster-bestimmten Ohrwurm „Stay“ (Richie hier auch mit Ganjo), das atmosphärische „The Fall“ mit Southern-Rock-kompatibler Twin Lead-Passage (man erfährt zu dem, dass er seinen Jack am liebsten ‚on the rocks‘  trinkt), das knackig (Southern) rockende, Slide-trächtige „She Don’t Mess Around“, das wunderbar flockige „Ignition“ (fulminante E-Slide-/Harp-Solo-Kombination) und die beiden Keith Urban (allerdings eher zu The Ranch-Zeiten) verwandten „Letting Go“ und  – nomen est omen – „Last Song“ als Finale. Man ertappt sich danach sofort dabei, die Repeat-Taste drücken zu wollen.

„Southern“ von Richie Scholl ist genau die Musik, die ich schon immer mochte. Klasse Hooks,  eingängige Refrains mit demnach hohem Widererkennungswert, abwechslungsreiche E-Gitarren, herrliche Soli und auch sonst stimmt alles. Leute, traut euch einfach mal ran. Der Aha-Effekt wird nicht ausbleiben. Dafür lege ich meine einst legendäre TT-Hand ins Feuer.

Die Popularität eines Keith Urban wird Richie vermutlich zwar nie erreichen und wohl auch keine derartig berühmte Schauspielerin wie Nicole Kidman heiraten. Wird der Vollblutmusiker sicherlich – nur der Popularität wegen – auch gar nicht wollen. Oder vielleicht doch? Mir fällt da gerade ein, Angelina wäre ja wieder zu haben…

Übrigens: In einigen Tagen machen wir noch ein Gewinnspiel, mit gewohnt kniffliger Frage, bei der es ein, von Richie eigens signiertes CD-Exemplar zu gewinnen geben wird!

Ironpot Records (2016)
Stil: New Country / Southern Rock

01. Using Me
02. Burn The Day
03. Stay
04. You In The Morning
05. The Fall
06. Letting Go
07. Coming Undone
08. Summer Road
09. She Don’t Messs Around
10. Ignition
11. Last Song

Richie Scholl
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