Andreas Diehlmann Band – Point Of No Return – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

An Andreas Diehlmann kommt man nicht mehr vorbei, wenn es um gut gemachten, ehrlichen Blues und Bluesrock made in Germany geht. Seine Schaffenskraft scheint unerschöpflich: das Debüt Album „ADB“ aus 2017, 2018 dann „Your Blues Ain’t Mine“, Anfang des Jahres dann das zugehörige Live Album und nun seine neue Scheibe „Point Of No Return“, wiederum eingespielt mit seiner treuen Gefolgschaft Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums.

Auch sein neuestes Werk bietet wieder ziemlich straighten Blues und Bluesrock mit kräftigen Basslinien und bluestypischen Gitarrenriffs. Neun starke Songs (alles Eigenkompositionen ohne Coversongs) mit einer Spieldauer von knapp 45 Minuten hat Andreas Diehlmann in seinem Kasseler Mountain Meadow Studio diesmal auf den Silberling gebrannt. Allerdings ist die neue Scheibe, im Vergleich zu den Vorgängern, mitunter durchaus etwas härter und rockiger geraten.

Zunächst aber geht es mit der Oldschool Bluesnummer „You Are My Woman“ los, die die Verzweiflung nur so ausstrahlt, was durch Diehlmanns rauchig-raue Stimme noch verstärkt wird. Mit „Point Of No Return“ zeigt er dann, dass er auch die harte Tour musikalisch beherrscht. Ein toller Bluesrocktrack mit quietschend verzerrten Gitarrenriffs.

Ansonsten gibt’s noch einen schönen Klammerblues mit dem Titel „Don’t Go“ sowie das traditionell angelegte „I’m A King Bee“, während die Freunde einer etwas härteren Gangart bei den restlichen Songs „Sweet Mama“, „Nothing Like The Blues“, Here Comes The Rain“ oder auch „Deadman Walking“ (mit leicht psychedelisch anmutendem Intro) auf ihre Kosten kommen. „Long Forgotten Nightmare“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, ein herrlicher Texas-Rock Stampfer in bester ZZ Top-Manier, neben dem Blues „I‘m A King Bee“ mein persönliches Highlight der CD.

„Point Of No Return“ ist ein kraftvolles Album mit dem sich Andreas Diehlmann und seine Band nun endgültig in die Oberliga, nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Bluesmusiker, gespielt haben. Mir persönlich hat es wahnsinnig gut gefallen und es ist selbst nach dem x-ten Hören nicht langweilig geworden. Die CD sollte also in keiner Sammlung der Blues- und Bluesrock-Afficinados fehlen.

Für erste Eindrücke könnt ihr auf der Facebook-Seite der Band in ein paar der Songs des Albums rein hören, auf dem Ladentisch liegt sie allerdings erst ab dem 13.09.2019, aber das ist ja schon bald.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Blues Rock

Tracklist:
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. I’m A King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain

Andreas Diehlmann Band
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Dudley Taft – Simple Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Mit der dunklen Sonnenbrille, seinem langen Bart und dem schwarzen Cowboy-Hut könnte sich Dudley Taft auch problemlos und stilecht als Gitarrist bei ZZ TOP einfügen, aber vorher hat er noch so einiges auf dem Herzen, das er mit seinem 7. Album „Simple Life“ unbedingt loswerden muss.

Da wäre zum einen die politische Situation in den USA, die Taft auf „In Your Way“ und „Don’t Let Them Get Away“ unverblümt anspricht („There’s no sense I can make/Of this fool without a plan“) und seine Enttäuschung über die Politik der Republikanischen Partei offen zeigt („But it turns out he’s an asshole – a man who’s got no soul“). Zum anderen ist der neue Longplayer auch ein Ausdruck sprudelnder Lebendigkeit, voller Glück und Emotionen.

Der 53-jährige US-Amerikaner aus Washington, D.C. ist mit sich im Reinen und blickt optimistisch in die Zukunft. Vor allem die kleinen alltäglichen Dinge und Erlebnisse, zusammen mit seiner Familie, waren eine Inspirationsquelle für die neuen Songs.

Die CD wird durch den harten Blues-Rock „Give Me A Song“ und dominierende Schlagzeug-Beats eröffnet. Tafts, wie aus einem alten Radio klingende, leicht verzehrte Stimme, wechselt hierbei aus den Strophen in einen melodischen Gesang im Refrain. „I want a simple life“ singt Taft auf dem Blues und Southern-rockigen Titeltrack, der sich von den anderen Stücken textlich nochmals durch seine geradlinige und persönliche Offenheit abhebt. Die fesselnde Blues-Ballade „I Can’t Live Without You“ wird durch ein hingebungsvolles Gitarrensolo des überzeugten Bartträgers stark zu Ende „gebluest“.

Existenziellen Fragen widmet sich Taft auf „Never Fade“ und setzt musikalisch wieder einen Glanzpunkt in Form eines leidenschaftlichen Gitarrensolos. „Pouring Down“ geht musikalisch in die Richtung von Black Stone Cherry, ein guter Mix aus Blues, Hard- und Southern-Rock. „Shine“ führt diesen Weg mit einer zusätzlichen Prise Grunge, als Rückbesinnung zur Musikrichtung seiner Jugend, fort. Ein prägender Song des Albums ist sicherlich das sechsminütige Warren Haynes-Cover „If Heartaches Were Nickels“, auf dem sich Dudley Taft gefühlvoll in die sensiblen Strophen einarbeitet.

Den typischen, rauen Blues-Rock-Stil seiner bisherigen Alben behält er auf „Simple Life“ bei. Die Tracks weisen größtenteils eine ähnliche Struktur auf: markante, harte und gitarrenlastige Blues-Rock Parts werden von melodiösen Refrains abgelöst. Er ist da ein Stück weit vergleichbar mit Stevie Ray Vaughan oder Joe Bonamassa. „Back To You“ zieht den powervollen Schlussstrich unter eine Blues-Rock-Scheibe mit nachdenklichen und auch aufrüttelnden Songtexten.

„Simple Life“ stellt eine intensive Reise durch Dudley Tafts Gefühlswelten dar. Er spricht Themen an, die ihn persönlich bewegen und erfreut sich an den oftmals einfachen und vertrauten Sachen, die Sicherheit geben und glücklich machen können. Die aktuelle Scheibe kommt als anspruchsvolles, tiefgründiges Album rüber, musikalisch und sprachlich ausgefeilt.

Besonders zu erwähnen ist außerdem das sehr schön ausgestaltete CD-Package, das alle Texte und einige Fotos umfasst. Aktuell ist er noch bis Oktober in Europa auf Tour und auch in Deutschland live zu erleben!

Bungalo Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Give Me a Song
02. Simple Life
03. I Can’t Live Without You
04. In Your Way
05. Don’t Let Them Get Away
06. Death By Bliss
07. Bombs Away
08. If Heartaches Were Nickels
09. Never Fade
10. Pouring Down
11. Shine
12. Back To You

Dudley Taft
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Paul Cauthen – Interview

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Im Anschluss an das Konzert auf dem Duisburger Dellplatz lud uns Paul Cauthen in seinen Tour-Bus ein. Als vollendeter Gastgeber bot uns der Texaner etwas Obst an und beantwortete die Fragen in entspannter Atmosphäre.

Sounds Of South: Nach Deiner vorerst letzten Show in Deutschland: Was bleibt Dir von Deutschland und Deiner Tour in Erinnerung?
Paul Cauthen: Mich freute, dass die Leute in Deutschland so freundlich waren und sie meine Musik sehr gut aufgenommen haben. Sie haben uns mit offenen Armen und familiär empfangen. Ich spielte eine verrückte Show in der Nähe von Berlin und als wir zurück nach Berlin fuhren, haben wir zu viel getrunken. Berlin hat mich etwas mitgenommen. Aber ja, es gibt wunderbare Leute hier in Deutschland. Nächstes Jahr werde ich wiederkommen. Wir touren durch die Staaten und dann, wahrscheinlich im September oder Oktober, komme ich wieder hierhin zurück.

Sounds Of South: „My Gospel“ hatte bereits einen innovativen Sound, aber auf Deinem neuen Album „Room 41“ schlägst Du mit elektronischen Drums und tanzbaren Beats einen neuen musikalischen Weg ein. Was waren deine Inspirationsquellen?
Paul Cauthen: Weißt Du, ich wollte mit den Sounds experimentieren. Ich wollte nicht in eine Schublade gesteckt werden, in der ich so oder so klingen muss. Ich will mich cool und frisch anhören – nicht so, wie etwas, das Du jeden Tag im Radio hörst. Ich schloss die Drum-Maschine und andere Dinge an, um den Sound funkier zu machen, weil ich es liebe, wie es sich anfühlt.

Sounds Of South: Hast Du schon Vorstellungen, in welche Richtung Deine Musik zukünftig gehen wird? Wieder „back to the roots“ oder schlägst Du weiter einen experimentelleren Kurs ein?
Paul Cauthen: Die nächste Musik, die ich machen werde, wird ein gutes altes Country-Album, denke ich. Ich höre viele Aufnahmen von Merle Haggard und Waylon Jennings und ich glaube, dass eine Platte mit traditionellem Country gut sein wird – eine, die konsequent Country ist und nicht wirklich Gospel wie meine erste. Sie war Gospel und eine Art R&B.

Sounds Of South: Du hast für „Have Mercy“ und „Room 41“ mit vielen Leuten zusammengearbeitet. Mit wem würdest Du zukünftig gerne Aufnahmen machen?
Paul Cauthen: Ich würde natürlich gerne mit Rick Rubin zusammenarbeiten (lacht) oder mit T-Bone Burnett. Ich würde gerne mit Dan Auerbach von The Black Keys oder Jack White arbeiten – mit Leuten, die anders sind als ich und meine bisherigen Aufnahmen. Ich kann das tun, was ich tue, aber mit welchem Produzenten kann ich arbeiten, der mich dazu bringt, über meine eigenen Grenzen hinauszudenken?

Sounds Of South: Die Texte sind durch schwierige persönliche Erfahrungen geprägt. Gibt es eine Aussage, die für das Album „Room 41“ zentral ist?
Paul Cauthen: Ja, ich und andere Leute hatten uns tief in das Album vergraben. Ich habe für zwei Jahre in einem Hotelraum gelebt, nachdem meine Verlobte und ich uns getrennt hatten. Wir wollten heiraten, aber wir trennten uns kurz vor der Hochzeit. So fand ich mich in diesem Hotel wieder und machte das ganze Album. Die Aussage ist: Egal wie tief du im Leben sinkst, du kannst dich selbst da heraus ziehen mit Hilfe einer guten Familie und Freunden, die bei dir sind. Umgib dich mit guten Leuten! Wir alle haben Höhen und Tiefen. Wir müssen uns durchkämpfen, überleben.
Ich denke, dass ich zur rechten Zeit mit den richtigen Personen zusammen war und dieser Geist war während der Aufnahme lebendig. Wir waren verrückt zu dieser Zeit, sind spät aufgestanden, haben Frauen aufgerissen, wie wahnsinnig Rock ‘n Roll gespielt – aber gleichzeitig waren wir einsam und ängstlich in der Dunkelheit. Wir waren zugleich weinend und fröhlich, traurig und verdammt glücklich. Ich musste ehrlich sein und auf meine Gefühle und Stimmung hören.

Sounds Of South: Gibt es einen Song auf dem Album, der Dir besonders am Herzen liegt?
Paul Cauthen: Ja natürlich. Mein Favorit ist wohl “Give ‘Em Peace”. Das ist meine Botschaft an die ganze Welt, weil jeder einen Bezug zu dieser alten Botschaft hat. Viele Leute sagten dies vor mir – John Lennon und jeder sonst. Normalerweise werden Leute, die das sagen, erschossen (lacht). Aber weißt Du, ich fühle, dass es auf uns ankommt. Zum Beispiel, wenn du auf deinem Weg zur Arbeit jemanden siehst, der Hilfe braucht und du gibst ihm etwas. Wenn du so in deinem täglichen Geschäft tätig bist und wenn das jeder so macht, wird die Welt besser. Wir müssen das zusammen machen, weil keine einzelne Person die Welt verändern kann.

Sounds Of South: Du hast für „Holy Ghost Fire“ ein aufwendiges Video gedreht. Wie wichtig sind Dir Deine Musikvideos?
Paul Cauthen: Ja, der Western. Wir machten das Video draußen in der Wüste. Wir schnitten es in der Nähe von Joshua Tree mit. Wir hatten einen Haufen wunderschöner Frauen aus Los Angeles. Sie kamen rein, als meine Freundin da war. Ich sollte mit diesen Frauen spielen und meine Freundin war „Woaahh“ (lacht). Oh Mann, es war wunderbar. Gute Leute und gute Schauspieler waren dabei. Es schafft eine tolle Zeit, wenn du alle auf eine Wellenlänge bringst, wenn du versuchst, kreativ zu sein und als Einheit zusammenarbeitest. Es fühlt sich an, als wärst du in der Champion League. Du fühlst dich wie ein Champion – wie Freddie Mercury.
Diese Videos sind mir sehr wichtig. Ich glaube, eine visuelle Aussage kann das gesamte Verständnis eines Songs verändern und die Weise, wie jemand über ihn denkt. Als Künstler arbeitet es in einem ganz anderen Bereich des Gehirns. Du kannst eher mit Bildern arbeiten, als Musik zu hören. Es erreicht die jungen Leute über all die Plattformen und Möglichkeiten, die es gibt. Traurig, aber das Radio wird älter und weniger wichtig. Soziale Medien sind schneller.

Sounds Of South: Als Setting für das Video von „Holy Ghost Fire“ wählst Du den Wilden Westen. Magst Du Westernfilme?
Paul Cauthen: Ich liebe alle Westernfilme. Ich liebe John Wayne und “The Good, The Bad and The Ugly” – alle diese Spaghetti-Western. Sie sind schön gemacht, haben gute Stories und es macht Spaß, sie anzuschauen.

Sounds Of South: Wenn Du in einem solchen Film mitspielen würdest, was wäre deine bevorzugte Rolle?
Paul Cauthen: Ich würde in einem Film wahrscheinlich den Helden spielen. Ich will John Wayne sein (lacht)! Der Bösewicht wäre auch cool. Der Schurke zu sein, bringt auch eine Menge Spaß. Aber normalerweise wirst du getötet – hoffentlich (lacht).

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It was your last show in Germany today. Which impressions from Germany and your tour will you remember?
Paul Cauthen: I enjoyed that the people in Germany were so kind and their very good reception to the music. They really opened their arms and embraced us as a family when we came over here. I played a crazy show outside Berlin, and then we went to Berlin and we drank too much. Berlin kind of stung me a little bit. But yeah, beautiful people here in Germany. Next year I’ll be back. We do our tour in the States and then, probably September or October of next year I’ll come back here.

Sounds Of South: “My Gospel” already had an innovative sound, but your new album “Room 41” breaks new ground through electronic drums and more danceable beats. What were your sources of inspiration?
Paul Cauthen: Yeah, you know, I wanted to experiment with the sounds. I didn’t want to be put in a box where I have to sound like this or to sound like that. I want to sound cool and fresh – not just like something what you hear every time you turn on the radio. I put a drum-machine on and some other stuff to make it sound funkier. Because I love how this makes me feel.

Sounds Of South: Do you have any ideas in which direction your music will go in the future? Are you going “back to the roots” or are you turning forward to a more experimental course?
Paul Cauthen: I think the next music I’ll make is probably going to be just a good old country record, you know. I am listening to a lot of Merle Haggard and Waylon Jennings records and I think just a good old country record would be good. Something that is strictly country and not really gospel like my first one. It was gospel and kind of R&B.

Sounds Of South: You already worked with a couple of people for “Have Mercy” and for “Room 41”. Who would you like to work with in the future?
Paul Cauthen: Yeah, I would love to work with Rick Rubin (laughs) of course, or with T-Bone Burnett. I’d like to work with Dan Auerbach from the Black Keys or Jack White – people that would be different than just me and my normal records. Cause I can do what I do, but what producer can I work with, that makes me thinking outside of my own box?

Sounds Of South: Your lyrics are characterized by difficult personal experiences. Is there a central statement in your album “Room 41”?
Paul Cauthen: Yeah, me and another couple of people actually had our hands deep into this record. I was in a hotel for two years and I had just broken up with my fiancé. We were gonna get married when we broke up before our wedding. And I ended up living in this hotel and doing this whole record. The message is: No matter how low you might get in life you can always pull yourself out with good family and friends around you. Just surround yourself with good people! You know, we all have our ups and downs. We have to fight through, be a survivor.
I think I was together at the right time with the right people and the spirit was alive during this record. We’ve been crazy at these times – staying up late, hooking up girls, playing rock and roll like crazy – beside being alone in the dark and scared. Crying and happy – sad and hell of glad – all in one. I just had to be honest, listening to my soul and spirit.

Sounds Of South: Is there a song which is particularly important to you?
Paul Cauthen: Yeah of course, my favourite is probably “Give ‘Em Peace”. It is just my message to the whole world, because everybody can relate to this old message. Many people said it before me – John Lennon and everybody else. Usually people that say that get shot (laughs). But you know, I just feel like it’s up to us. Like when you’re on your walk to work and you see somebody that may need some help lending to helping them then. Like, be active in your day to day walk and if everybody does this, the world is better. Because not one person alone can change the world, we have to do it together.

Sounds Of South: You made an ornate video for “Holy Ghost Fire”. How important are your music videos to you?
Paul Cauthen: Yeah, the Western. We made it all out in the desert. We cut the video out near Joshua tree. And we got a bunch of beautiful girls from Los Angeles. They came in and my girlfriend was there. I gonna act with these girls and my girlfriend was like “Woaahh”. Yes, it was beautiful, man. Good people and good artists all around. It just creates a good time when you get everybody on the same level, if you try to be creative and work together as a unit. It kinda feels like you are on a Champions league. You feel like you’re already champions – like Freddie Mercury.
These videos are very important to me. I think visual messages can change the whole comprehension of a song and how somebody thinks about it. And it works in a whole different side of your brain as an artist. You can work on some visuals rather than listening to the music. It reaches the young people, through the platforms and other opportunities you have. It’s sad – but radios getting older and becoming smaller and social medias are faster.

Sounds Of South: The setting of “Holy Ghost Fire” is the Old West. Do you like western movies?
Paul Cauthen: I love western films. Love ‘em all. I love John Wayne and “The Good, The Bad and The Ugly” – all these spaghetti westerns. They are all just beautifully made, good stories and fun to watch.

Sounds Of South: If you would be playing in such a film, which role would you prefer?
Paul Cauthen: If I was playing in a film, probably the hero. I wanna be John Wayne (laughs)! Man, a villain would be cool too, being the bad guy is fun. But you usually end up being killed hopefully (laughs).

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Michael Segets
Transkription und Übersetzung: Serafina Segets

Paul Cauthen
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Arsen Shomakhov – Rain City Blues – CD-Review

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Ein russischer Gitarrist und Songwriter in Kanada, der Blues Rock-Musik macht. Ein echter Geheimtipp? Vielleicht ein zweiter kommender Ilya Toshinsky? Fragen, die mir beim Einlegen der neuen CD von Arsen Shomakhov durch den Kopf schossen.

Mit „Rain City Blues“ bringt er sein bereits viertes Album unter komplett eigener Fahne heraus, vom Titel her eine schöne Metapher, sowohl für die klimatischen Bedingungen, die seinem derzeitigen Wohnort Vancouver nachgesagt werden, als auch über seine musikalischen Präferenzen.

Shomakhov bietet keinen Blues Rock von der Stange, mit dem man die große Masse erreichen kann. Seine ausnahmslos selbst (zum Teil zusammen mit Darrell Mayes) kreierten Stücke, kommen mit einem gewissen (swingenden) Retro-Charme daher, allerdings auch in Verbindung mit experimentierfreudigen, jamartigen Kurzeinlagen oder verschachtelten Stimmungs- und Rhythmuswechseln, die seiner Musik letztendlich einen eigenen Stempel aufsetzen.

Während der shufflige Opener „Full Time Lover“ noch im Zeichen des Gastharpers Aki Kumar steht, setzen sein quirliges E-Gitarrenspiel sowie die Hammond- und Pianoklänge des Produzenten und Multiinstrumentalisten Kid Andersen im weiteren Verlauf die Hauptakzente.

Die gitarrentechnische Versiertheit und Experimentierfreudigkeit Shomakhovs kommt vor allem in den drei Instrumentalstücken „Strolling In San Jose“, „Three Arrows“ und „Hello, Little Bird“ zum Ausdruck.

Als meine Favoriten des Albums entpuppen sich das fröhlich groovende „Sunset Beach“ und das mit einem dezentem Southern Blues-Touch (ZZ Top/Allman Brothers) versehene Titelstück „Rain City Blues“ (irgendwo in der Nähe von „Dust My Broom“ und „Statesboro Blues“).

Der Rest ist eher was für Traditionalisten, deren Neugier aufgrund der oben beschriebenen Attitüden geweckt wird. Aus meiner Sicht, könnte vor allem der recht unscheinbar wirkende Gesang von Arsen Shomakhov, etwas mehr Gift vertragen, wenn man als Solokünstler in diesem hart umkämpften Genre herausstechen möchte…

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Full Time Lover
02. No More!
03. Sunset Beach
04. Women And Whiskey
05. Strolling In San Jose
06. Rain City Blues
07. Boogaloo
08. Three Arrows
09. Sitting On a Fence
10. Hello, Little Bird

Arsen Shomakhov
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Sister Hazel – Earth – EP-Review

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Mit “Earth” beschließen Sister Hazel ihre vierteilige „Elements“-EP-Reihe, dem naturgemäß die Scheiben “Water”, „Wind“ und „Fire“ zuvor gegangen waren. Sie treffen damit auch, rein thematisch, im Rahmen der aktuellen Klimadiskussionen, absolut den Zahn der Zeit.

Wieder gibt es sechs wunderbar melodische Stücke (plus einem Kurz-Bonus-Track „Remember Me“), die an Eingängigkeit kaum zu überbieten sind.
Der Florida-Fünfer ist für seine Konstanz bekannt. Die Band spielt seit 1993 von Beginn an in unveränderter Besetzung mit Ken Block, Drew Copeland, Jett Beres , Ryan Newell und Mark Trojanowski.

Sicherlich ein Beweis dafür, dass die Chemie in diesem Kollektiv stimmen muss, was sich vermutlich auch im wunderbaren Songwriting niederzuschlagen scheint, das diesmal zum Teil in Kooperation mit bekannten Musikern wie Darius Rucker (solo, Hootie & The Blowfish), Randy Montana oder den Nashville -Hitkomponisten Jerry Flowers und Barry Dean veredelt wurde.

Als Produzent ist erneut Ben Jackson involviert, der auch schon bereits mit vielen uns bekannten Interpreten wie Joe Nichols, Frankie Ballard, Ty Herndon, Jana Kramer, Jimmy Wayne, Jon Pardi oder Steve Azar zusammengearbeitet hat.

Als prominente Gastmusiker sind Dave Lagrande (Keys), Steve Hinson (Steel guitar) und Billy Montana (Harmonica bei „Follow The River“) mit von der Partie.

Kaum sind die ersten Akustikgitarrenklänge ertönt und Ken Blocks berühmter, leicht näselnder Gesang beim Opener „Raising A Rookie“ erklungen, befindet man sich im obligatorischen Sister Hazel-Wohlfühlmodus, der dann auch erst mit Ausklingen der EP beendet ist.

Überwiegend er und zweimal Drew Copeland (der aber wieder beim Killertrack des Werkes „Follow The River“) stehen am Frontmikro, während der überragend spielende Ryan Newell mit seinen variablen Saiteneinlagen (viele Southern Rock-kompatible E-Soli, schöne Mandoline) für die markantesten instrumentellen Akzente sorgt.

Alle Tracks nisten sich sofort in die Gehörgänge ein, explizit eventuell noch herauszuheben sind vielleicht noch das  herrlich melodische „Memphis Rain“ und das launige, ebenfalls von Block gesungene „Good For You“ (mit HT-Geklimper) von dem Mitverfasser Drew Copeland zurecht sagt: It’s the kind of song you can crank up, roll down your windows, and drive down the beach with.”

Die symbolträchtige Darstellung auf dem Titelbild,  in Verbindung mit der Thematik des schön und umfangreich gestalteten Coverartworks, lässt viel Spielraum für Interpretationen oder Spekulationen des Betrachters, bzw. Konsumenten des Silberlings.

Fest steht, die Erde wird sich samt ihrer Elemente weiterdrehen und das hoffentlich, friedlich, human, nachhaltiger, bzw. umweltbewusster als bisher, sowie mit noch unzähligen weiteren Sister Hazel-Ohrwürmern und -Alben!

Trotz all meiner mantra-mäßig wiederholten Lobeshymnen bezüglich dieses Quintetts, befürchte ich allerdings, dass Sister Hazel bei uns weiterhin eines der best gehütesten musikalischen Geheimnisse bleiben werden.

Meine Empfehlung lautet, sich gleich alle vier EPs auf einmal als Einstieg zu besorgen, danach ist einer Suchtgefahr allerdings Tür und Angel geöffnet…

Croakin‘ Poet Records (2019)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Raising A Rookie
02. I Don’t Do Well Alone
03. Slow Lightning
04. Memphis Rain
05. Good For You
06. Follow The River
07. Elements Part IV (Remember Me)

Sister Hazel
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Kaylor Girl Promotion

Ryan McGarvey – Support : The Blues Vaccination, 01.09.2019 – Musiekcentrum De Bosuil, Weert, Konzertbericht

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Zu einer in Deutschland eher untypischen Zeit stand ein Konzert des aus Albuquerque stammenden Ryan McGarvey im niederländischen Weert auf dem Programm. Schon um 15:00 Uhr öffneten sich die Türen des schönen Veranstaltungsortes de Bosuil.

Die Wartezeit bis 16 Uhr, wo die Vorband Blues Vaccination beginnen sollte, verkürzten sich die Besucher mit Smalltalk. Einige kamen auch aus Deutschland und ein Hardliner hatte sich sogar von Kent/England auf den Weg in die Niederlande gemacht. Es handelte sich um einen harten Kern von Fans, die Ryan McGarvey auf zahlreichen Konzerten begleiten, in den man direkt integriert war.

Interessant war auch ein Gespräch mit einem aus Düsseldorf stammenden Gitarrentechniker, der ein klein wenig über die Tour und anstrengende Fahrten quer durch Europa (teilweise bis Barcelona zur Bluescruise) berichtete.

Pünktlich um 16:00 Uhr begann die aus der Nähe von Roermond stammende Combo Blues Vaccination mit dem Vorprogramm. Die erst seit kurzen bestehende Band spielte einen bunten Mix verschiedener Interpreten und bewies dabei ihre spielerischen Fähigkeiten. Stephan Bastiaens überzeugte stimmlich bei allen Songs, die Rhythmusfraktion um Erwien Gelen an den Drums und Jules Meffels am Bass sorgte für eine starke Grundlage.

Besonders stark war der treibende Rhythmus zu Joe Bonamassas „Slow Train“. Stark auch der junge Gitarrenhexer Tom Renet, der bei machen Soli kaum zu bremsen war. Aber auch die anderen Songs, wie z.B. „Sloe Gin“ (Tim Curry, aber ebenfalls von Bonamassa performt), oder „Everyday I Have The Blues“ (u. a. B.B. King, Jimi Hendrix) brachte das Quartett souverän auf die Bühne und die Anwesenden sparten nicht mit dem berechtigten Applaus.

Zu der guten Stimmung trug auch bei, dass die Band sehr gut abgemischt war und ihr eine Spielzeit von etwa 70 – 80 Minuten gewährt wurde, was im Umgang mit Vorbands nicht immer der Fall ist. Somit ein Kompliment für den Support. Schön wäre es, wenn sie nach dem Einstieg mit Coversongs, eine Weiterentwicklung mit eigenem Material vollziehen würden.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause betraten dann Ryan McGarvey und Band die zunächst spärlich beleuchtete, leicht vernebelte Bühne.  Mit “Right Side Of The Dirt” vom aktuellen Album “Heavy Hearted” legte das Trio gewohnt dynamisch los. Mit Logan Miles Nix und Artha Meadors an seiner Seite scheint der Protagonist mittlerweile sein ideales, prächtig harmonierendes Kollektiv gefunden zu haben, das Ryan mit gekonnten Rhythmusspiel alle Freiheiten für sein exzellentes Gitarrenspiel lieferte. An der druckvollen Gangart änderte sich auch bei den folgenden Songs wenig.

Nach “Little Red Riding Hood” von „The Road Chosen“ folgte mit “Ain’t Enough Whiskey” von “Heavy Hearted” ein Song, der vermutlich die Gefühlslage McGarveys nach dem Verlust seines Vaters widerspiegelte.

Nach „Fading Away”, “Surrendered” und “Pennies” brachte er mit “I Wish I Was Your Man” den Track, welchen er sonst oft zum Konzerteinstieg spielt. Dies zeigt, dass McGarvey immer wieder die Setliste wechselt und nicht, wie bei anderen Acts, ewig dieselben Songs runtergenudelt. Er präsentierte auch einen Querschnitt durch all seine Schaffensphasen, was verdeutlicht, dass sowohl das ältere, wie auch das neue Material für ihn von Bedeutung ist.

Danach legte McGarvey seine E-Gitarre bei Seite und ließ sich die akustische reichen. Dies änderte bei „Six Feet” allerdings nichts an der Dynamik der Songs. Auch akustisch ließt er es zunächst in Begleitung der Band krachen.

Mit der wunderschönen Ballade „My Heart to You” durchwehte ein Hauch von Melancholie das de Bosuil. McGarvey alleine auf der passend moderat illuminierten Bühne bewies, dass in zurückgenommener Art und Weise das Publikum begeistern kann.

Mit „Four Graces”, einem akustischen Inferno, riss er das Publikum anschließend jäh aus allen Träumen. Nach “So Close To Heaven” kam das hart rockende „Memphis“, bei dem sich auch seine Mitstreiter wieder austoben konnten.

Mit dem sphärischen psychedelischen „Mystic Dream“ kam dann das absolute Highlight der Show. Über knapp 10 Minuten entlockte McGarvey seiner Gibson Les Paul Töne und Klangteppiche, die das Publikum immer wieder ins Staunen versetzen. Filigranes Spiel wechselt mit brachialen Passagen, in denen McGarvey einen Belastungstest für alle Regler und Schalter an seiner Gitarre durchzuführen scheint. Es sei vorweggenommen, die Les Paul hat es überlebt und das Publikum war begeistert.

Nachdem das Trio kurz die Bühne verlassen hatte, kam zunächst Logan Miles Nix alleine auf die Bühne, setzte sich hinter sein Schlagzeug und lieferte ein schon in Richtung Hardrock gehendes Drum Solo ab, in das dann Artha Meadors mit seinem Bass einstieg, um den letzten Song „Joyride“ einzuläuten. Dieser wurde in einer ‚Extended Version‘ den Zuschauern vorgetragen, sodass auch Meadors seine Soloeinlage hatte, den Bass am Gurt durch die Luft schleuderte, um ihn am Ende in die Zuschauer zu halten, damit diese die Saiten anschlagen konnten.

Knapp 100 Minuten waren wie im Fluge vergangen und die Erwartungen der Besucher wurden gänzlich erfüllt. Dies lag neben den gut aufgelegten Künstlern auch am differenziert ausgesteuerten Sound, einer abwechslungsreichen Ausleuchtung der Bühne, aber auch am, wie immer freundlichen Personal des de Bosuil und natürlich dem begeisterungsfähigen Publikum.

Nach der Show standen Ryan & Co. noch am Merchandise-Stand, um Smalltalk zu halten und CDs zu signieren.  Ein Dank auch an Manni Küsters und Ryan McGarvey für die problemlose Akkreditierung sowie die Zeit für ein Interview kurz nach dem Konzert, als auch die Möglichkeit, von der, beim Konzert nicht genutzten Empore, fotografieren zu dürfen.

Line-up The Blues Vaccination:
Stephan Bastiaens (lead vocals)
Tom Renet (electric guitar)
Jules Meuffels (bass)
Erwin Gielen (drums)

Line-up Ryan McGarvey:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ryan McGarvey
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Musiekcentrum De Bosuil Weert

Paul Cauthen – Room 41 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Paul Cauthen, ehemaliger Frontmann der Sons Of Fathers, hatte in den letzten Jahren mit physischen und psychischen Problemen zu kämpfen, zog sich aber durch seine Arbeit an „Room 41” aus dem Sumpf. Der Titel des Albums bezieht sich auf das Hotelzimmer, in dem er fast zwei Jahre aus dem Koffer lebte.

Der Kampf mit den inneren Dämonen klingt in den Texten immer wieder an, So auch bei den ersten Auskopplungen „Cocaine Country Dancing“ sowie „Holy Ghost Fire”. Zum letztgenannten gibt es ein sehenswertes narratives Video im Netz, in dem Cauthen in die Rolle eines seelisch zerrissenen Predigers im Wilden Westen schlüpft.

Bei der Auswahl der Singles beweist Cauthen das richtige Gespür. Die Songs sind die stärksten auf dem Werk. Sie weisen in die Richtung, die Cauthen bei circa der Hälfte der Stücke einschlägt. Die Country-basierten Titel werden dort mit einem (tanzbaren) Beat unterlegt und durch Funk- oder R&B-Elemente angereichert. Dieser ungewöhnliche Mix funktioniert. Auch „Big Velvet” oder „Freak” schlagen in diese Kerbe.

Die experimentelle Herangehensweise macht „Room 41“ interessant. Bemerkenswert ist sicherlich auch die Stimme von Cauthen. Sein Bariton wird gelegentlich mit dem von Waylon Jennings verglichen, manchmal hört er sich aber auch nach Johnny Cash oder Colter Wall an. Wenn sich Cauthen richtig in die Brust wirft, schießt er an einzelnen Stellen leicht über das Ziel hinaus, sodass einige Stücke tendenziell in Bombast abgleiten.

„Prayed For Rain“ ist so eins, das mit einer akustischen Gitarre beginnt und dann mit vollem Klangteppich auf den Höhepunkt zusteuert. Das Pathos in Cauthens Stimme liegt hier noch auf der Grenze. Bei „Angel“ überschreitet er diese, indem er die Töne langzieht und zudem zeitweise in die Kopfstimme wechselt.

Der hervorragende Harmonie- und Backgroundchor unterstützt die Dynamik bei mehreren Songs, die nicht mit einem Tanzbeat unterlegt sind. Sehr auffällig ist er bei „Give ‘em Peace“ oder bei „Can’t Be Alone“, das stimmungsvoll durch Klavieranschläge in Moll eröffnet wird. Gegen Ende baut Cauthen in das Stück wimmernde Keys oder Synthesizern ein.

Einige Titel sind also eher gewöhnungsbedürftig arrangiert. Nach mehreren Durchläufen entwickeln die Songs aber einen eigenwilligen Reiz. Sogar die eher kritisch gesehenen Punkte integrieren sich nach mehrmaligem Hören in die jeweiligen Songstrukturen.

Unter den ruhigeren Tracks sind „Slow Down“ sowie „Lay Me Down” meine Favoriten. Dort verzichtet Cauthen auf ausgiebige Experimente. Eine Reduktion hätte vielleicht auch die Eingängigkeit von manch anderen Songs erhöht. Aber dadurch, dass ich die CD nun einige Male durchgehört habe, schwinden meine anfänglichen Bedenken bezüglich der expressiven Stellen immer mehr. Die etwas sperrigen Elemente machen mittlerweile sogar Spaß und steigern den Wiedererkennungswert.

Paul Cauthens „Room 41“ ist ein Longplayer, der zuerst probegehört werden sollte, damit man entscheiden kann, ob man sich auf das Werk einlassen will. Die Singles vermitteln einen guten Eindruck von einem Teil der CD.

Mutige und ungewohnte Klangkombinationen lotet Cauthen ebenfalls bei den anderen Titel aus. Insgesamt gelingen ihm einige innovative Kompositionen, die direkt ins Ohr beziehungsweise ins Tanzbein gehen, den anderen muss man Zeit geben.

New West Records/Pias – Rough Trade (2019)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. Holy Ghost Fire
02. Prayed For Rain
03. Cocaine Country Dancing
04. Slow Down
05. Big Velvet
06. Can’t Be Alone
07. Freak
08. Angel
09. Give ‘em Peace
10. Lay Me Down

Paul Cauthen
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New West Records
Oktober Promotion

Tennessee Redemption – Same – CD-Review

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Wenn zwei charismatische Musiker sich in einem Projekt zusammenfinden, kann das unter Umständen diverse Fallstricke mit sich bringen. Eitelkeiten sowie das Ego spielen ja sehr oft, gerade in künstlerischen Sphären, eine besondere Rolle.

Im Falle der beiden Akteure Jeff Jensen und Brandon Santini ist das nicht der Fall. Beide kennen sich schon seit vielen Jahren, Jensen hat sich eine lange zuvor in Santinis Band eingebracht, beide haben endlose Zeit zusammen getourt, bevor danach ihre eigenen Solo-Projekte erfolgreich in Angriff genommen wurden. Sie wissen, was sie tun.

Mittlerweile begegnen sich beide auf ‚Augenhöhe‘ und haben folgerichtig ihre Reunion unter einem allgemeinen Bandnamen gestartet. Tennessee Redemption hat sich das neue Quintett benannt, bestehend aus beiden Leadern sowie der Rhythmusformation aus Jensens Band , Bill Ruffino am Bass und David Green am Schlagzeug, sowie Timo Arthur aus dem Santini-Umfeld.

James Cunningham sorgte noch für zusätzliche Percussion und Jared Dover für ergänzende Harmoniegesänge. Diversität ist das Schlagwort, das mir im Zusammenhang dieses Albums, als erstes nach dem Hören in den Sinn kommt. Jensen und Santini haben völlig verschiedenartige Stimmen, und spielen unterschiedliche Instrumente.

Das Zusammenwirken von Harp und E-Gitarre ist, wie auch hier, letztendlich  natürlich für das Blues-Schema prädestiniert, aber dieser Erstling bietet viele Facetten weit darüber hinaus, die von Roots Rock, Soul, Gospel, Swing, Jazz bis sogar zum klassischen Southern Rock reichen, allerdings sehr schön dezent verwoben, sodass immer ein roter Faden gewährt bleibt.

Sämtliche Tracks sind sind instrumentell schön ausstaffiert und bewegen sich von daher immer im über vier-minütigen Bereich.

Acht der zehn Stücke stammen aus der Feder der Protagonisten. Mit „Come On Up To The House“ von Tom Waits (Jensens helle Stimme, im Kontrast zu Waits versoffenem Krächzorgan, lässt den Song in völlig anderem Licht erscheinen) und dem Santini auf den Leib geschnittenen „Watch Yourself“ von Ex-Harp-Spezialist Little Walter, gibt es zwei Coverversionen.

Stücke wie der Opener „Glad To Be“, „Souls In The Water“, „See About Me“ oder You Don’t Love Me“ stehen als Blaupause für eingängige Hooks und melodisches Songwriting, der Kracher des Albums ist natürlich im Rahmen unseres Magazins der im „Can’t You See“-Ambiente der Marshall Tucker Band konstruierte Southern Rocker „Back To Tennessee“, der allein schon das Album wert ist.

Sachen wie „“We Got A Thing Going On“ (unterschwellig ein wenig an „Miss You“ der Stones erinnernd, Santinis Gesang teilweise mit Hohepriester-Attitüden), der Schleicher „Leave My Body“, sowie das deltabluesige „I’m Going To Mexico“ wirken als abwechslungsreicher Spaß drum herum.

Und wie singt Jensen hier zu Santinis nöhlender Harp und blechernd klingender Akustikgitarre so schön „When all else fails I’m going to Mexico“. Ganz so krass würde ich es vielleicht nicht beschreiben (vor allem für Leute aus unseren geografischen Gefilden), das Hören dieser gelungenen Scheibe von Tennessee Redemption wäre da sicherlich eine eher empfehlenswerte und etwas weniger kostenintensive Alternative…

Endless Blues Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Glad To Be
02. We Got A Thing Going On
03. Souls In The Water
04. Back To Tennessee
05. Leave My Body
06. See About Me
07. Come On Up To The House
08. You Don’t LoveMe
09. Watch Yourself
10. I’m Going To Mexico

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Brandon Santini
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Endless Blues Records

Paul Cauthen – 30.08.2019, Platzhirsch Festival, Dellplatz, Duisburg – Konzertbericht

Cauthen-haupt

Das Platzhirsch Festival in Duisburg bietet über drei Tage ein vielseitiges Kultur- und Musikprogramm. Dieses Jahr hielt es mit Paul Cauthen einen hochkarätigen Act der Alternative-Country-Szene bereit. Die ihm zugestandene Dreiviertelstunde von 18.45 Uhr bis 19.30 Uhr nutzte Cauthen vor allem, um Titel seines nächste Woche erscheinenden Albums „Room 41“ zu präsentieren.

Zum Einstieg holte er mit „Holy Ghost Fire“ die Besucher des Festivals vor der großen Bühne des Dellplatzes zusammen. Das mitreißende Stück, zu dem es ein tolles Video gibt, war ein gelungener Auftakt des Konzerts. Im Laufe der nächsten Minuten füllte sich dann auch der Platz in Duisburgs Zentrum zusehends.

Mit „Big Velvet“ und „Freak“ spielte Cauthen zwei weitere countrybasierte Songs von seinem aktuellen Longplayer, die mit einem modernen, tanzbaren Beat unterlegt sind. Diese setzten die Menge konsequent in Bewegung. Darüber hinaus heizten die beiden Knaller „Still Drivin‘“ und „Saddle“ von seinem Solo-Debüt „My Gospel“ (2016) den Zuhörern gehörig ein.

Auf der Setlist standen weiterhin „My Cadillac“ und „Everybody Walkin‘ This Land“ seiner EP „Have Mercy“ (2017), sodass Cauthen einen kurzen Überblick über seine Solo-Karriere bot.

Etwas ruhiger angelegt waren „Prayed For Rain“ und „Give ‘em Peace“ – Cauthens persönlichem Favoriten von seiner Scheibe „Room 41“. Die Stücke waren aber dennoch mit einem kräftigen Rhythmus unterlegt, den Matt Pence am Schlagzeug und Ben Barauas am Bass erzeugten.

Die Stimmvarianz in Cauthens Bariton ist beeindruckend. Manchmal hört er sich wie Johnny Cash an, manchmal unternimmt er Ausflüge in ungeahnte Höhen. Gernot kamen gelegentlich Parallelen mit Elvis Presley in den Sinn – ein Vergleich, den Cauthen sehr freute.

Youngster Parker Twomey am Keyboard und Charley Wiles an der Gitarre steuerten vor allem gegen Ende des Konzerts einige kurze, aber gelungene Einlagen bei. Mit „Cocaine Country Dancing“ verabschiedete sich die Band. Der Frontmann verließ die Bühne, während seine Mitstreiter den Song zu ende jammten.

Der lang anhaltende, tosende Applaus holte Cauthen erneut zurück, obwohl das Hauptset bereits das Zeitbudget um einige Minuten überzogen hatte. Bei der Zugabe „Have Mercy“ begleitete er sich selbst mit seiner akustischen Gitarre und brachte so seine Show stimmungsvoll zum Abschluss.

Cauthens Auftritt überzeugte dermaßen, dass etliche Hörer den Merchandise-Stand umlagerten und sich zu Spontankäufen seiner Tonträger und T-Shirts hinreißen ließen. Mit seinem Konzert machte er auf alle Fälle Werbung in eigener Sache.

Ein Kompliment muss ebenfalls an die Veranstalter des Platzhirsch Festivals gehen. Sie bieten Künstlern die Möglichkeit, einem Publikum zu begegnen, dass sonst wenig Kontakt mit hierzulande nicht so populären Musikrichtungen hat.

Für Cauthen geht es nach seiner Stippvisite in Deutschland zurück in die Vereinigten Staaten. Er plant aber, im Herbst des kommenden Jahres wieder durch Europa zu touren.

Nach dem Konzert ergab sich die Gelegenheit, ein Interview mit Paul Cauthen zu führen. Dieses folgt ebenso wie die Besprechung seines neuen Albums in den nächsten Tagen bei SoS.

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Line-Up:
Paul Cauthen (lead vocals, guitar)
Charley Wiles (guitar, vocals)
Parker Twomey (keys, vocals)
Ben Barauas (bass, vocals)
Matt Pence (drums)

Paul Cauthen
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Platzhirsch Festival

Honey Island Swamp Band – Tres Avispas – EP-Review

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Für eines meiner Konzert-Jahres-Highlights sorgte vor kurzem zweifelsohne die Honey Island Swamp Band mit ihrem herrlichem Auftritt im urigen Leverkusener topos.

Wahnsinn, was hatte das Quintett, bestehend Aaron Wilkinson (lead vocals, electric and acoustic guitar, harmonica, mandolin, hier: banjo), Lee Yankie (electric and slide guitar, vocals), Sam Price (bass, vocals), Garland Paul (drums, vocals) und Chris Spies (keyboards) für einen mitreißenden und spielfreudigen Southern Groove entfacht. Spitzenklasse!

Nach dem Gig drückte mir Bandleader Aaron Wilkinson noch ihre neue EP „Tres Avispas“ in die Hand, aus der sie Teile an diesem Abend vorgestellt hatten. Die Frage, die sich nach solch fantastischen Live-Aufführungen sofort stellt, ist, ob Stücke im Studio die gleiche Wirkung entfalten können. Die kann im Falle dieser EP, mit einem eindeutigen ‚Ja‘ beantwortet werden.

Mir persönlich bietet sie sogar abseits der Kurzweiligkeit und Anspannung des Live-Geschehens sogar eine schöne, weitaus relaxtere Retrospektive des Erlebten. Der Opener „Head High Rag“ ruft sofort den swampigen und spielfreudigen Groove aus der Erinnerung ins Jetzt zurück, Spies‘ Orgel und Lees Slide-Gitarre in ABB-Manier lassen den Körper sofort wieder vibrieren.

In die gleiche Kerbe schlagen weitere Tracks wie „Sugar For Sugar“ (hier begeistern mich die ergänzenden weiblichen Backgroudgesänge von Kassie Netherlands und Shira Elias) und „Bone Shaker“. Chris Spies‘ Tastenvariationen und Yankie Lees Slidekünste können sich herrlich auf dem dynamischen Rhythmusteppich von Price und Paul entfalten.

Aus dem Rahmen fällt der Song „I Don’t Want To Lose“ mit seinem dezent spirituellen Touch (ein wenig im weitesten Sinne an Sachen von Bad Company oder Free ähnelnd). Ob die Männer den Refrain in yogatypischer Sitzhaltung eingesungen haben, verbleibt im Reich der Spekulationen.

Dass der Fünfer, beziehungsweise hier Aaron Wilkinson alleine, ein Händchen für kompositorische Ohrwurmqualitäten besitzt, offerieren die beiden herrlich melodischen Stücke „Gone“ (mit Young-mäßiger Mundharmonika und Bruce Hornsby-mäßigem Piano-Solo) und das abschließende „Wildfire“, bei denen Wilkinsons schöne Akustikgitarre, deutlich mehr Spielraum einnimmt.

„Tres Avispas“ von der Honey Island Swamp Band kommt ähnlich intensiv wie ein Wespenstich daher, allerdings nicht schmerzhaft, sondern mit deutlich angenehmeren Folgen!

Underwateraudio (2019)
Stil: Southern Rock

01. Head High Rag
02. Gone
03. Sugar For Sugar
04. I Don’t Want To Lose
05. Bone Shaker
06. Wildfire

Honey Island Swamp Band
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