Chris Shiflett – Hard Lessons – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Shiflett bringt mit „Hard Lessons” bereits sein viertes Studioalbum seit 2010 heraus. Bekannt dürfte er vor allem als Gitarrist der Foo Fighters sein. Der Sound von Shiflett unterscheidet sich allerdings deutlich von dem der Band um Dave Grohl. Er klingt erdiger und weniger aggressiv. Deutliche Rhythmen und differenzierte Gitarrenarbeit prägen Shifletts Songs, die eher dem Heartland Rock zuzuordnen sind.

Shifletts Longplayer überzeugt vom ersten bis zum letzten Titel. Die Scheibe wirkt entspannt, hat aber dennoch Biss. Shiflett muss nichts mehr beweisen und spielt unverkrampft auf. Dabei trifft er mit seinem guitardriven Roots Rock souverän das richtige Tempo.

Obwohl die Tracks allesamt gelungen sind, begeistert mich der Opener „Liar’s Word“ am meisten. Das mit einem Southern-Hauch versehene „The Hardest Lessons“ ist ebenso hervorragend. Nur um Nuancen dahinter folgen „Welcome To Your First Heartache“, „Weak Heart“ und „Marfa On My Mind“, die durch ihre eingängige Struktur überzeugen.

Shiflett bietet aufs Wesentliche reduzierte Rocksongs, bei denen sein Gitarrenspiel für unaufdringliche, jedoch gelungene Akzente sorgt. Als Gastgitarristen holt er sich für die erste vorab veröffentlichte Single „This Ol‘ World“ Laur Joamets (Sturgill Simpson) hinzu.

„Fool’s Gold“, „I Thought You’d Never Leave“ sowie „Leaving Again“ sind tendenziell einen Tick langsamer als die anderen Titel, gehen aber ebenfalls direkt ins Ohr. Die Country-Rock-Nummer „The One You Go Home To“ sticht auf der ansonsten homogenen Tracklist heraus. Das Duett mit Elizabeth Cook entwickelt einen genretypischen Twang, zu dem Paul Franklin (Vince Gill, Dire Straits) die Pedal Steel beisteuert.

„Hard Lessons“ wurde von Dave Cobb (Jason Isbell, Shooter Jennings, Chris Stapleton, Colter Wall, Whiskey Myers), der zuletzt mit dem vor zwei Wochen erschienen Debüt-Album von Ian Noe hervorragende Arbeit ablieferte, klar und auf den Punkt produziert. Die Aufnahme des Albums erfolgte im RCA Studio A in Nashville.

Shiflett rekrutierte mit Chris Powell (Brent Cobb) und Brian Allen (Jason Isbell) eine erfahrene Rhythmus-Section sowie für den Feinschliff Keyboarder Michael Webb (Ashley Monroe, Eli Young Band) und Backgroundsängerin Kristen Rogers (Anderson East, Lori McKenna).

Die kurzen Gitarreneinlagen integrieren sich stets prima in die jeweiligen Song. Lediglich bei dem instrumentalen Abschluss „The Hardest Lessons (Reprise)“ lässt Shiflett seinen Fingern freien Lauf. Das Stück wird langsam hochgesteuert und endet mit einem Lachen.

Dafür hat Shiflett auch allen Grund. Ihm ist mit „Hard Lessons“ ein erfrischendes Album gelungen, das man getrost durchlaufen lassen kann. Einziger Wehmutstropfen ist, dass es bereits nach einer guten halben Stunde verklungen ist.

East Beach Records & Tapes/Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Liar’s Word
02. This Ol’ World
03. Welcome To Your First Heartache
04. The Hardest Lesson
05. The One You Go Home To
06. Fool’s Gold
07. I Thought You’d Never Leave
08. Weak Heart
09. Marfa On My Mind
10. Leaving Again
11. The Hardest Lessons (Reprise)

Chris Shiflett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Anderson East – 03.06.2018, Köln, Stadtgarten – Konzertbericht

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Der ursprünglich aus Athens, Alabama, stammende, heute in Nashville ansässige Musiker Anderson East machte mit seinem Ensemble im Rahmen seiner 2018er World Tour jetzt nochmal bei uns einen Stop für zwei Konzerte, unter anderem im Stadtgarten Köln, der an diesem Abend, trotz der sommerlichen Hitze, mit über 300 Zuschauern sehr gut gefüllt war.

Zunächst lieferte ein Künstler namens Sir Pryce auf einem Nord Stage 2 EX-Piano für eine gute halbe Stunde eine One Man Show als Support ab. Der äußerlich, mit buntem Belize-Hemd und teil-gefärbter Irokesen-Frisur, ziemlich exotisch anmutende Solo-Performer, bewies mit Stücken wie „All New“, „Follow Your Light“, „Through My Head“ oder „Pulse“, durchaus ein Gespür für gutes und melodisches Pop- und R&B-Songwriting, wenn mir auch am Ende das Ganze, insgesamt etwas zu sehr synthetisch und monoton rüber kam.

Um 21:00 Uhr stellte Anderson nach einem Einspieler mit seinen Begleitern Scotty und Jonny Murray, Darren Dodd, Philip Towns, Nate Hefron sowie Ben Clark, mit dem kräftigen „Somebody Pick Up My Pieces“ als Opener, sofort die Weichen auf eine begeisternde, schweißtreibende Show, mit überwiegend zünftigem Soul Rock und tollen Balladen samt wohl dosierter Pop-, R&B- und Country-Ingredienzien, die beim Publikum (überwiegend weiblich dominiert), als auch bei uns, bestens ankam.

Der 29-jährige hat eine tolle Stimme, spielt richtig gut Gitarre und kann eine Audienz mitreißen, auch wenn es altersbedingt in charismatischer Hinsicht, vielleicht noch etwas Spielraum nach oben gibt. Er wirkt halt noch sehr jungenhaft. Vom Niveau her, braucht er aber schon jetzt keine Vergleiche mit ähnlichen Acts wie JJ Grey & Mofro oder Thorbjorn Risager und seinen Black Tornados zu scheuen.

Verlassen kann er sich dabei vor allem auf ebenso starke Akteure in seinem ‚Rücken‘. Da wären mit Nate Hefron und Ben Clark eine herrlich, im Dienste der Songs, plusternde Bläserfraktion. Dann mit Darren Dodd ein routinierter und unaufgeregter Drummer, mit Philip Towns ein rasta-gelockter, spielfreudiger Keyboarder und dem, fast wie siamesische Zwillinge, dicht nebeneinander agierenden Murray-Brüderpaar an Bass und E-Gitarre (Scotty auch mit ein paar schönen Steel-ähnlichen Slideeinlagen), Musiker, bei denen ein Rädchen perfekt ins andere passt.

So flog die Setliste, bei der überwiegend natürlich sein aktuelles Major-Album „Encore“ die Hauptrolle spielte (übrigens von Dave Cobb produziert), mit Stücken wie „Satisfy Me“, „Sorry You’re Sick“, „Surrender“, „If You Keep Leaving Me“, „King For A Day“ und dem wunderbar atmosphärischen „Devil In Me“, regelrecht an einem vorbei. Erst ab dem für den Sampler „Southern Family“ kreierten, und am Ende frenetisch gefeierten „Learning“ wurden einige Tracks deutlich länger ausstaffiert.

Den Höhepunkt und zugleich Abschluss des Hautteils markierte die fantastische Southern Soul-Ballade „This Shall Too Last“ mit einem furiosen Instrumentalteil am Ende, in dem die Beteiligten noch mal alle Register zogen. Besonders die E-Gitarrenparts vom kauzigen, zwirbelbärtigen Scotty Murray an der Les Paul (in aller bester Southern Rock-Manier) und von Anderson (an der Stratocaster im Stile von Mark Knopfler), am Ende sogar kurz Twin-mäßig,  hauten mich regelrecht vom Hocker. Einer der besten Songs, die ich live bis jetzt in der ersten Jahreshälfte präsentiert bekommen habe!

Für die Zugaben ließ sich das Septett, angesichts der Begeisterung, nicht lange bitten, und machte mit dem Mariah Carey-Cover „Always Be My Baby“ und der weiteren tollen Ballade „House Is A Building“ (wieder mit furiosem, stimmungsreichen Finale) den ‚Sack‘ endgültig zu. Nach dem Konzert stand der sichtlich ausgepumpte Protagonist dann noch für Selfies und Autogramme geduldig zur Verfügung. Seine Frage, ob unser Bericht denn positiv ausfallen würde, konnte da eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt, wie man es jetzt auch nachlesen kann, nur mit einem glasklaren „Yes, of course!“ beantwortet werden!

Line-up:
Anderson East (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Scotty Murray (electric guitar)
Philip Towns (keys)
Jonny Murray (bass)
Darren Dodd (drums)
Nate Hefron (saxophone)
Ben Clark (trumpet)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Anderson East
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