Anderson East – Maybe We Never Die – CD-Review

Erfolgreiche und talentierte Musiker haben in der Regel den großen Vorteil mit ebenso erfolgreichen und angesagten Produzenten zusammenarbeiten zu können. Anderson East ist nicht erst seit seinem Durchbruch mit dem Vorgänger „Encore“ 2018 in diese Kategorie einzuordnen. East und seine Band haben weltweit ausverkaufte Shows gespielt (wir durften seinem energiegeladenen Gig in Köln beiwohnen) und waren zu Gast u. a. bei angesagten TV-Shows wie „Jimmy Kimmel Live!“ (ABC), „The Late Show with Stephen Colbert“ (CBS), „CBS This Morning Saturday“, „TODAY“ und „Late Night with Seth Meyers“ (NBC) oder „Austin City Limits“ (PBS).

Bei „Encore“ und auch auf „Delihah“ zuvor hatte er bereits mit dem in diesen Zeiten omnipräsent erscheinenden Producer Dave Cobb bereits hervorragend zusammengearbeitet. Da ist es natürlich irgendwie klar, dass man dieses funktionierende Konstrukt auch für das neue Werk „Maybe We Never Die“ beibehalten möchte, zumal beide seither auch labeltechnisch miteinander verflochten sind.

Dass Cobb, der dafür bekannt ist, besonders auf die stimmliche Ausstrahlung seiner Protagonisten fokussiert zu sein, immer mal für eine Überraschung gut ist, zeigt sich besonders auf diesem Werk. Auch hier merkt man sofort, dass er eindeutig die vokale Präsenz von East in den Vordergrund stellt und stimmlich wieder eine tolle Leistung aus ihm ‚herausgekitzelt‘ hat, aber der Sound und die Stimmung des Werkes differieren zum Vorgänger  erheblich.

Wir bewegen wir uns zwar wieder klar in der Gattung Soul, dennoch hat man das Gefühl sich in ganz anderen Sphären zu befinden. Während auf „Encore“ alles auf ein warmes southern-souliges Flair mit typischen Bläser-Arrangements ausgerichtet war (wie ich sie auch vom Gig in der Domstadt in Erinnerung habe), durchziehen jetzt kühl, kammermusikartig, ja teilweise hypnotisch wirkende Loop-, Synthie-, String- und mollgetränkte Piano-Sequenzen die nach wie vor melodischen Tracks, die aber aus meiner Sicht eher in hippen neon-beleuchteten Tanzclubs in New York zur ihrer wahren Entfaltung kommen würden.

Man höre sich mal das von einem groovenden, disco-mäßigen Gitarren- und Bass-Rhythmus geführte „Drugs“ an, dass durch Andersons Falsetto-Gesang fast in Bee Gees-Gefilden wildert. Beim starken Opener „Maybe We Never Die“ beißen sich warmer Strophengesang und falsetto-artiges Kreischen im Refrain förmlich. Trotzdem ein toller Song. Auch der trance-artig (be)rauschende „Jet Black Pontiac“ bohrt sich tief in das Musik-Langzeit-Gedächtnis.

Teilweise meint man auch, einen modernen Mick Hucknell (Simply Red) vor sich zu haben („Madelyn“, „Hood Of My Car“, „If You Really Love Me“). Faszinierend auch das abschließende „Interstellar Outer Space“, bei der Easts emotionale Gesangs-Gala-Vorstellung zu sakral anmutendem Glockengeläut immer wieder von künstlich elfenhaft-piepsigen ‚Aahs‘, wie aus einer anderen Galaxie, durchzogen wird. 

Über das Album sagt der in Alabama geborene und in Nashville-lebende Singer-Songwriter: „Ich wollte mit dieser Platte etwas Einzigartiges schaffen. Ein Stück Musik, das in seiner Gesamtheit weiß, wo es steht und dennoch den Blick hinter den Vorhang wagt. Ich bin sehr stolz auf die Entstehungsgeschichte und das Endergebnis. Meine große Dankbarkeit gilt den Menschen, die ihre wundervollen Talente eingesetzt haben und dieses Album zu dem gemacht haben, was es ist. “

Am Ende sind es aber vor allem die eingängigen Refrains bei allen Liedern und die konsequente, musikalisch stimmige Machart, die das Werk „Maybe We Never Die“ von Anderson East zu etwas besonderem und gut hörbarem machen. Es hat schon, wenn man sich darauf einlässt, große Klasse, was Cobb und er da kreiert haben. Zu suchen hat es, wenn man allerdings ehrlich ist, in diesem Magazin so gut wie garnichts. Deshalb nur an recht variabel-ausgelegte Leute unter unserer Klientel zu empfehlen.

Elektra/Low Country Sound (Warner Music) (2021)
Stil: Soul

01. Maybe We Never Die
02. Lights On
03. Madelyn
04. Drugs
05. I Hate You
06. Hood Of My Car
07. Falling
08. Jet Black Pontiac
09. Like Nothing Ever Happened
10. If You Really Love Me
11. Just You & I
12. Interstellar Outer Space

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